Dienstag, 12. Mai 2020

# 55 - "Eins, zwei - ich zähle bis drei" - Peter Holm (1971)

Abzählreime sind nicht nur bei Kindern äußerst beliebt, sondern durchaus auch für die bevorstehende Partnerwahl geeignet. So befindet dies zumindest der vorliegende Interpret (oder besser gesagt, sein Textautor). Eene-Meene-Muh und raus (aus dem Schlagergeschäft) bist du ...




PETER HOLM
A: Eins, zwei - ich zähle bis drei [?] (M: Barry Keith / dt. T: Christian Heilburg = Gregor Rottschalk)
B: Die Welt ist okay [?] (M: Peter Holm & Rune Walleborn / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)

1971, Riviera, MR 28 041
produziert von Günter Henne

Bei diesem Text handelt es sich um ein Frühwerk des deutschen Erfolgstexters Gregor Rottschalk (* 1945) alias Christian Heilburg. Große Hits aus seiner Feder waren beispielsweise "Er gehört zu mir" (Marianne Rosenberg, 1975), "Josie" (Peter Maffay, 1976), "Marleen" (Marianne Rosenberg, 1976) und "Und es war Sommer" (Peter Maffay, 1976).

Peter Holm wurde 1947 als Peter Sjöholm in Schweden geboren. Seine Karriere als Popsänger und "schwedischer Playboy" brachte ihm allerdings nicht so viel Popularität wie die Kurzzeit-Ehe mit Star-Schauspielerin Joan Collins (* 1933). Während der Ehe wurde er ihr Manager und produzierte mit ihr zwei TV-Miniserien ("Sins" und "Monte Carlo").

Mitte der 60er-Jahre war er Mitglied von "The New Generation" (vormals "Plöjboys"), die bis 1969 mehrere Singles und ein Album auf den Markt brachten. Parallel dazu startete er seine Solo-Karriere. Sein bekanntester Titel wurde "Monia" (1968). Bis Mitte der 70er-Jahre nahm er mehrere Songs in verschiedenen Sprachen (großteils französisch) auf. Neben der heute vorgestellten deutschen Sprache, gibt es noch eine weitere ("Versuch' es noch einmal mit mir" 1972).
Peter Holm heiratete am 6. November 1985 die Schauspielerin Joan Collins. Collins beantragte rund ein Jahr später die Annullierung - die Ehe wurde am 24. August 1987 geschieden. Collins klagte über eine Reihe von "endlosen Auseinandersetzungen" und bezeichnete Holm als "Tyrann mit wildem Temperament". Zudem sei er "die kämpferischste Person, die ich je getroffen habe".
Im Dezember 1986 erhielt Holm eine einstweilige Verfügung. In dieser Zeit gab er Interviews, in denen er sich über Collins "Identifikation" mit ihrer Serienfigur Alexis ("Dynasty" = "Denver Clan") äußerte. Zudem forderte er 20 Prozent von Collins' Einnahmen, während ihrer gemeinsamen 13 Monate (sie verdiente in dieser Zeit ungefähr fünf Millionen US-Dollar). Das Scheidungsverfahren avancierte zum Medienzirkus.
Holm verlor den Prozess und erhielt nur die im Ehevertrag vereinbarten 80.000 US-Dollar. Daraufhin zog er in die Schweiz. Was danach aus ihm wurde, ist nicht bekannt.




Tja ... wenn man die Geschichte seiner Ehe kennt, dann erhält dieser Text ganz originelle Parallelen. 

Eins, zwei - ich zähle bis drei
Bei jedem Kuss von dir, me oh my
Eins, zwei - es bleibt dabei
Du gehörst zu mir, me oh my

Wenn ich mit dir einmal zum Tanzen geh'
Lass ich keinen anderen in deine Näh'
Sie ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Auf jeder Party, da bist du der Star

Alle seh'n dir nach und es ist mir klar
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Du bringst die Männer fast um den Verstand
Alle um dich her sind außer Rand und Band
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain





Somit hätten wir wieder einen kitschig-belanglosen Liebessong ausgegraben, der mehr durch Banalität als Feingefühl glänzt. Dafür vergebe ich einen Rosenstrauß (den kann man dann auch gut für den drohenden Rosenkrieg einsetzen).

# 54 - "Dran und drauf" - Paseremos (1969)

Gestern hat mich tatsächlich die Nacht - oder vielmehr der Schlaf - so überrumpelt, dass ich dann keinen zweiten Eintrag mehr geschafft habe. Das hole ich hiermit nach und mache mich dann sogleich an den heutigen!



PASEREMOS
Dran und drauf (M & T: Bernd Rump)

1969, Compilation-Album "Junge Leute, junge Lieder", ETERNA (DDR)

Bei den Pasaremos handelte es sich um eine (politische) Gesangsgruppe, deren Mitglieder, soweit ich das eruieren konnte, Studierende der TU Dresden waren. Die Gruppe formierte sich 1967 und löste sich vermutlich Anfang der 70er-Jahre auf.
Mitglieder waren u. a. Barbara, Bernd Rump (* 1947), Birgit, Dagmar, Helmut, Heiner, Sabine und Stefan. Die Gruppe war teil der DDR-Singbewegung und ist mit einigen Titeln auf verschiedenen Alben vertreten. 


Der Name der Gruppe geht auf eine Brigade im spanischen Bürgerkrieg zurück.
Der vorliegende Titel wurde dann - mit abgewandeltem Text - auch von der FDJ genutzt.

Dran und drauf
Drauf und dran
Kommt wir fangen mit der Arbeit an

Mann und Frau
Frau und Mann
Kommt wir fangen mit der Arbeit an

Immer mehr muss jeder wissen

Wer es schaffen will, studiert
Um die Vielfalt zu erfassen
Wird die Uni reformiert

Refrain

Morgen gilt es zu beherrschen
Elektronik, Energie
Und die große Produktivkraft
Wissenschaft und Industrie

Refrain


Auch Chemie wird großgeschrieben
Und beim Studium bedacht
Weil sie reich und uns're Mädchen
Immer attraktiver macht

Überall wohin wir schauen
Neue Häuser und viel Licht
Jede Stelle noch zum Bauen
Doch man selber baut sich nicht

Refrain




Das Lied (und vor allem das Video) geben einen Einblick in das Studentenleben der DDR in den späten 60er-Jahren. Im Gegensatz zu Westdeutschland war es in der DDR ja ein großes Ziel, dass auch Frauen Berufe ausüben und die Universität besuchen (sofern sie loyal zum Staat waren ... sonst sah das Ganze schnell anders aus).
Das Ganze hat natürlich 50 Jahre später einen seltsamen und auch lustigen Beigeschmack.

Mein persönlicher Favorit ist definitiv die vorletzte Strophe:
Auch Chemie wird großgeschrieben
Und beim Studium bedacht
Weil sie reich und uns're Mädchen
Immer attraktiver macht


So schön wurde die chemische Verschönerung von Frauen auch noch nie besungen ;) Eine Ode an die künstliche Optimierung! So ... und jetzt fang ich mit der Arbeit an!

Montag, 11. Mai 2020

# 53 - "Hier kommt die Nacht" - Jennifer Kemp (1980)

Hier kommt nun der Nachtrag für gestern. Die Nacht kam auch für mich zu schnell, deshalb bin ich vor der Fertigstellung eingepennt. Mea culpa! Am Abend kommt dann der heutige Eintrag, damit ich meinen Verzug wieder aufgearbeitet habe ;)



JENNIFER KEMP
A: Hier kommt die Nacht (M: Sylvester Levay / T: Michael Kunze)
B: Nur manchmal in der Nacht [Sometimes when we touch - Dan Hill] (M: Dan Hill & Barry Mann / dt. T: Michael Kunze)

1980, Karma, 2023 130
produziert von Michael Kunze & Sylvester Levay


Über die Sängerin Jennifer Kemp ist fast nichts bekannt. Bürgerlich Helga Schütz, war sie Mitte der 70er-Jahre Mitglied in der Band "Juwel". Kurz nach ihrem Weggang startete sie 1978 ihre Solo-Karriere mit ihrer Debutsingle "Baby, stop crying". Es folgten drei Singles und ein Album in englischer Sprache, ehe sie 1980 mit "Hier kommt die Nacht" ihre erste deutsche Platte veröffentlicht. 1982 meldet sie sich noch einmal mit "Wie Phönix aus der Asche" zurück - mit diesem Titel wollte sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten, landete in der Vorausscheidung aber auf dem 12. (und somit letzten) Platz. Was danach aus ihr wurde, ist nicht bekannt.

Besser lief es hingegen für Komponist Sylvester Levay (* 1945). Ihm gelang mit Hits wie "Lady Bump", "Get up and boogie" sowie "Fly, Robin, fly" (der erste in Deutschland produzierte Titel auf # 1 der US-Billboard-Charts). Seit den 80er-Jahren arbeitet er auch verstärkt im Bereich der Filmmusik. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch "seine" Musicals "Elisabeth" (1992) und "Rebecca" (2006) bekannt.

Hart war der Tag
Jetzt ist er vorbei
Du gehst die Straße lang
Und fühlst dich ganz high

Nass war der Asphalt
Er glänzt rot und blau
Die Stadt ist voll Licht
Das Leben ist nicht mehr so grau

Sei froh, denn hier kommt die Nacht
Und bringt wieder tausend Träume
Hier kommt die Nacht
Und legt auf die Stadt ihr Sternentuch
Gießt in das Wasser Wein
Und lässt dich dich selber sein
Ja, hier kommt die Nacht
Kommt die Nacht

Heiß sind die Songs
Und kühl ist das Bier
Am Flipperautomat
Steh'n Freunde von dir

Und hast du ein Problem
Dann quatsch dich ruhig aus
Jetzt hört man dich an
Heut' geht man noch lang nicht nach Haus

Refrain

Du kannst in 'ne Disco tanzen geh'n
Oder im Kino 'nen Action-Film seh'n
Und in 'ner Kneipe mit Live-Musik
Selbst auf der Bühne steh'n

Refrain



Vorab: Der Song ist gar nicht schlecht und Jennifer Kemp eine durchaus gute Sängerin. Hier finde ich weniger den Song, als eher den TV-Auftritt skurril ;)
Background-Tänzerinnen sind ja allgemein bekannt, aber das eine deutsche Sängerin mit Background-Tänzern auftritt, war schon eher revolutionär ;) ... wer die beiden Männer mit dem kessen Hüftschwung (besonders reizend: Minute 1:10 und 1:24 in Großaufnahme) sind, weiß man nicht. Möglicherweise strandeten sie - nach dem verpatzten Casting bei den Village People - wieder in Deutschland und wurden dort von Jennifer aufgegabelt. Es wirkt allerdings so, als wären die beiden Männer eher aneinander interessiert, als an Jennifer.
Vermutlich hat sie sich deshalb - frei nach dem Motto "Viel hilft viel" - nicht lumpen lassen und alle Geschütze aufgefahren, um Eindruck zu schinden. Da glitzert und funkelt und leuchtet es wirklich überall - selbst im gekreppten Haar.
Charmant sind vor allem die kleinen Posen, die sie in den unbesungenen Takten macht (0:32-0:34) - Heidi Klum wäre stolz auf sie, unglücklicherweise waren aber gerade keine Fotografen anwesend, die das für die Ewigkeit festhalten hätten können ...


Für diese "funky" Performance - im wahrsten Sinn des Wortes - vergebe ich einen lebenslangen Vorrat pinker Leggins und selbstklebender Glitzersteine!

Genießt den Tag und freut euch darauf, irgendwann wieder einmal ordentlich abdancen zu dürfen! ;)

Sonntag, 10. Mai 2020

# 52 - "Was mach' ich ohne dich" - Francoise Hardy (1970)

Keine Sorge, ich lebe noch! Tut mir leid, dass ich gestern nicht wie gewohnt für euch einen Titel raussuchen konnte. Es lag nicht an mir - zumindest nicht nur! Aus irgendeinem Grund hat mein Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbinden lassen - warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass ich seit heute ein neues (besseres) Teil mein Eigen nennen darf ... offenbar spüren das auch Geräte und so musste ich gestern karmatechnisch einiges einstecken :/

Aber egal. Jetzt bin ich wieder da und hier für euch der Ersatzsong von gestern (der Ersatzsong von heute kommt dann etwas später). Der Titel des Songs ist definitiv Programm ;)




FRANCOISE HARDY
Was mach' ich ohne dich? [It hurts to say Goodbye - Margaret Whiting] (M: Arnold Goland & Jack Gold / dt. T: Walter Brandin)

1970, LP "Träume", Philips


Die 1944 geborene Französin Francoise Hardy unterschrieb im November 1961 ihren ersten Schallplattenvertrag bei Vogue. Kurz nach ihrer bestandenen Matura veröffentlichte sie ihre erste Single ("Oh oh Chéri"). Die B-Seite des Titels ("Tous les garcons et les filles") ließ die Scheibe - nach einem Auftritt in einer beliebten Jugendsendung - zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen.
Es folgte eine Reihe von Hits, die größtenteils von ihr selbst getextet und komponiert waren. 1963 vertrat sie mit "L'amour s'en va" Monaco beim Grand Prix de la Chanson und erreichte Platz 5.
Im deutschsprachigen Raum hatte sie vor allem mit "Frag' den Abendwind" (1965) große Erfolge. Die Bravo-LeserInnen wählten Francoise daraufhin 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin des Jahres.

Francoise avancierte bald zu einer Stilikone der 60er-Jahre. Designer wie Paco Rabanne und Yves Saint Laurent kleideten sie ein.
In Frankreich hielt ihre Popularität bis weit in die 80er-Jahre an, obwohl sie aufgrund ihres großen Lampenfiebers seit 1968 nur noch sehr selten vor großem Publikum auftrat. 
Mit ihrem Album "Clair Obscur", das in Frankreich bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung sechsstellige Verkaufszahlen erzielte, gelang ihr im Mai 2000 ein großes Comeback. Sie veröffentlichte insgesamt 25 Alben. Nach einer Krebserkrankung hat sie die Musik aufgegeben und arbeitet jetzt hauptsächlich als Schriftstellerin.

Serge Gainsbourg schrieb für sie 1970 einen ganz besonderen Text, der in seiner Message lustigerweise sowohl in französisch, englisch als auch deutsch funktioniert! (An dieser Stelle ein großes Kompliment an Walter Brandin - der übrigens auch 1969 für die deutsche Übersetzung des Musicals "Hair" zuständig war)


Nach zwei Cognac ex bekamst du Mut
Deine Abschiedstexte waren gut
Ratlos und perplex nur dachte ich
Was mach' ich ohne dich?

Stets war mein Komplex, du bist zu schön
Charme hast du für sechs, ach was für zehn
Liebt denn sowas exklusiv nur mich?
Was mach' ich ohne dich?

Ob du daran denkst
Wie einsam und verloren ich bin
Nein, du hast schon längst eine and're im Sinn

Gib mir keinen Extrakuss jetzt mehr
Der nur noch Reflexbewegung wär'
Ratlos und perplex nur frag' ich mich:
Was mach' ich ohne dich?
Was mach' ich ohne dich?


All die Nächte mit dir
Voll von Glück bis zum Morgengrau
Die und dich stahl mir eine andere Frau

Diese Dame X, die dich mir nimmt

Fliegt auf deine Tricks, wie ich bestimmt
Dann als deine Ex sagt sie wie ich:
'Was mach' ich ohne dich?'

'Was mach' ich ohne dich?'




Ich glaube es gibt keinen deutschen Text, der mehr X bzw. "ich"-Laute enthält, als dieser! Francoise Hardy hat das gewisse Etwas - sowohl in Stimme als auch Optik! Große Effekte sucht man bei ihr vergebens. Diese Stimme gepaart mit einer perfekten Lage ... und dazu diese großgewachsene, scheu-verträumt-wirkende wunderschöne Frau ...

Fraglich, wie jemand diese Frau betrügen kann! (Kein Mitleid mit ihm ... mit F. H. schon!)

Das englische Original klingt wie ein typischer amerikanischer Song aus den 60er-Jahren. Aufwendig arrangiert und groß orchestriert. Francoise beweist wieder mal, dass man das alles gar nicht braucht, wenn die Interpretation "wahrhaftig" ist.

Hier gibt es bis Mitte Juni noch eine interessante und sehr empfehlenswerte (deutsch-synchronisierte) Dokumentation aus dem Jahr 2016!

Dieser Song, mit dem gewissen Augenzwinkern, ist ein absolutes Highlight und Juwel der deutschen Musikszene und klingt auch 50 Jahre später keinesfalls altmodisch.

Mérci, Francoise!

Freitag, 8. Mai 2020

# 51 - "Was hast du gemacht?" - Manuela (1973)

Nein, keine Sorge. Ich stelle euch diese provokante Frage nicht - schon gar nicht zu Corona-Zeiten. Bei mir müsst ihr auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr in den knapp acht Wochen seit dem Lockdown noch kein Buch geschrieben, kein Badezimmer neu gefliest, keine neue Sprache gelernt oder keine Modekollektion für Meerschweinchen konzipiert habt.




MANUELA
A: Was hast du gemacht? (M: Werner Twardy / T: Lilibert = Elisabeth Bertram)
B: Komm wieder (M: Werner Twardy / T: Lilibert = Elisabeth Bertram)

1973, BASF 05 11690-2
produziert von Werner Twardy

Manuela alias Doris Wegener wurde 1943 geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Berlin-Wedding auf. Nach der Volksschule arbeitete sie als Löterin. Mit ihrer ersten Solosingle 1962 ("Hula-Serenade") hatte sie noch keinen großen Erfolg. Dies änderte sich rasch, als sie die Leadsängerin der ersten deutschen Mädchenband (Tahiti Tamoures) wurde und mit "Wini-Wini" 1963 einen großen Charterfolg verbuchen konnte. Mit "Schuld war nur der Bossa Nova" gelang ihr schließlich der Startschuss für ihre Solokarriere. 1966 wurde sie mit dem Goldenen Bravo-Otto zum Teenager-Idol gekürt - und in weiterer Folge achtmal hintereinander von Bravo-LeserInnen zur beliebtesten Sängerin gewählt.
Für mehr als 1,3 Millionen DM wechselte Manuela Ende 1972 von der Teldec zur BASF - die höchste Stumme, die damals je ein Schlagersänger in Deutschland erhalten hatte. Doch dem neuen Team gelang es nicht mehr, an ihre alten Erfolge anzuknüpfen. Mit ein Grund war aber auch ein Rechtsstreit, der für die Sängerin einen enormen Karriereknick darstellte. Sie behauptete, dass ein Redakteur rund 20.000 DM Bestechungsgelder für verschiedene Fernsehauftritte verlangt habe. Die Verleumdungsklage gegen sie gewann sie zwar in erster Instanz, verlor aber - den sich lange hinziehenden Prozess - in zweiter Instanz. Was dazu führte, dass sie von TV-Sendern (allen voran dem ZDF) boykottiert wurde.
Als ihre Karriere in Deutschland an Ende ist, versucht sie ihr musikalisches Glück in Amerika, wo sie immerhin 50 Shows in Las Vegas und mehrere Fernsehauftritte hatte.

Ihr 13 Jahre älterer Manager Werner Fey, der auch als Grund angesehen wird, weshalb sie nicht in Amerika blieb, sondern nach Deutschland zurückkehrte, brachte sie durch Missmanagement um ihr Vermögen. Nach seinem Tod im Jahr 1993 musste sie sich durchs Tingeln auf kleineren Veranstaltungen "über Wasser halten". Sie starb im Februar 2001, im Alter von 57 Jahren, an einem Mundhöhlenkarzinom.

Gleich ihre zweite Single "Schuld war nur der Bossa Nova" (1963, #1) schlägt ein und hält sich 30 Wochen in den Charts. Weitere Erfolgstitel von ihr waren "Ich geh' noch zur Schule" (1964, #4), "Schwimmen lernt man im See" (1964, #3), "Love and Kisses" (1965, #17), "Lord Leicester aus Manchester" (1967, #12), "Monsieur Dupont" (1967, #9), "Wenn es Nacht wird in Harlem" (1968, #16), "Guantanamera" (1968, #15), "Alles und noch viel mehr" (1970, #26) und "Prost, Onkel Albert" (1972, #32).
"Was hast du gemacht?" war ihre letzte Chartnotierung im Februar 1973 - eine Woche  auf Platz 50. Insgesamt verkaufte sie mehr als 20 Millionen Tonträger.


Was hast du gemacht? kann ja durchaus in vielen Fällen eine wichtige Frage sein. Das könnte man auch Textautorin Lilibert fragen, die mit der deutschen Version von "Something stupid" 1967 oder Hits wie "Weißt du wohin?" (Karel Gott, 1968), "Ich denk' an dich" (Roy Black, 1968) oder "Hab' ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?" (Chris Roberts, 1971) deutlich bessere Texte abliefern konnte.

Was hast du gemacht?
Mein Herz, das steht unter Feuer
Huhuhuhu, das hab' ich nie gekannt

Was hast du gemacht?
Ich leide ganz ungeheur
Komm doch gleich zu mir und lösch' der Liebe Brand


--> Bei solch netten Aufforderungen möchte man doch gern Feuerwehrmann sein, oder?

Flammen wie rotes Licht
Wasser gibt es nicht
Alles in mir kracht
Was hast du gemacht?


--> Okay, jetzt ist die ganze Situation aber scheinbar ein wenig aus den Fugen geraten. Fassen wir zusammen: Es gibt ein (vor Liebe) brennendes Herz bei einem ungeheur-leidenden Mädchen. Rote Flammen, kein Wasser. Scheiße! Aber jetzt kommt's: "Alles in mir kracht" - mit dieser Textzeile kann ich wirklich nichts anfangen. Meine erste Assoziation wäre höchstens, dass jemand zu viel Bohnen (oder ich präzisiere durch Lokalkolorit: steirische Käferbohnen) genascht hat ... aber das kann es in dem Fall nicht sein. Vermutlich ist der Dachstuhl der Liebe zusammengekracht (ach ... das wäre eigentlich auch ein schöner Schlagertitel "Der Dachstuhl uns'rer Liebe ist zusammengekracht - Was hast du gemacht? Schubidibubdibuu")

Was hast du gemacht?
Mein Herz kocht vor lauter Sehnen
Huhuhuhu, das hab' ich nie gekannt


--> Ah ja, jetzt kocht das Herz bereits. Die von mir erwähnten Bohnen ziehe ich zurück, es landen heute doch eher Innereien auf dem Tisch (wär's mag) ... aber gut, man muss offen für Neues sein, sie hat es ja auch "nie" gekannt.

Seit du mich geküsst
Da rinnt mein Blut durch die Venen
Mit 180 Grad, oh was hast du gemacht?


--> Gott sei Dank hat Lilibert da nochmal die Kurve gekriegt. Wenn Blut erst durch Venen rinnen würde, wenn sich Leute küssen, dann hätten wir aktuell aber ganz schön große Probleme mit Massentodesfällen. Wie allerdings mit Blut mit 180 Grad durch die Venen rinnt, kann ich mir nicht vorstellen ... mit 180 km/h schon ... ein 180-Grad-Winkel ist für rinnende Flüssigkeiten wohl auch eher kontraproduktiv. Und falls es 180 Grad hat, dann kocht es wohl eindeutig bereits zu lange!

Flammen wie rotes Licht
Wasser gibt es nicht
Alles in mir kracht
Was hast du gemacht?

Was hast du gemacht?
Ich bin so schwach in den Beinen
Huhuhuhuhu, es kribbelt ungemein


--> Sorry, Manuela! Aber so wie du ab Minute 1:27 tanzt, wundert es mich nicht, dass du jetzt schwach in den Beinen bist! Da hat es bei dir aber ordentlich gekribbelt ;)

Was hast du gemacht?
Du solltest gleich hier erscheinen
Denn du, nur du allein
Kannst mein Retter sein


--> Ja, wer kann da nur unser Retter sein?

Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht? 
Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht? 





Ich biete freiwillig eine extragroße Löschdecke an, um sämtliche Flammen zu ersticken. Ob es reicht, weiß ich nicht. Aber dann kann ich auf die Frage: "Was hast du gemacht?" immerhin entgegnen, dass ich versucht habe, euch vor dem Schlimmsten zu bewahren ... in diesem Sinne: Schönes Wochenende! Huhuhuhuhuhu

Donnerstag, 7. Mai 2020

# 50 - "Yummy, yummy, yummy - du bist ein böser Mann" - Joseline Gassen (1976)

Wow ... heute ist bereits der 50. Eintrag auf diesem Blog. Seit knapp zwei Monaten hat Corona unser Leben - von heute auf morgen - komplett auf den Kopf gestellt. Dennoch muss ich sagen, dass mir dieses tägliche Ritual tatsächlich nach wie vor viel Freude bereitet. Und ich freue mich immer wieder über liebe Nachrichten und lustige Kommentare zu einzelnen Beiträgen! Inzwischen wurde mein Blog mehr als 500-mal besucht! Vielen lieben Dank 💓



JOSELINE GASSEN
A: Yummy, yummy, yummy - du bist ein böser Mann [Yummy, Yummy, Yummy - Ohio Express] (M: Joe Levine & Arthur Resnick / dt. T: Frank Dostal)
B: Tommy (M: Janusz Kryst / T: Christiane Handtke)

1976, Philips, 6003 556


Von der 1951 geborenen Joseline Gassen gibt es tatsächlich nur diese eine Single.

Auf dem Single-Cover äußert sie sich folgendermaßen:

"Geboren als Jungfrau an einem Mittwoch in Berlin-Neukölln. Wenn ich Glück hab', werd' ich in 'nem Monat 25. Schule: Rechnen saumäßig (inzwischen kann ich's aber!!), Musik und Blockflöte gut - dritte Stimme im Kinderchor. Mit vierzehn erste heiße Liebe: Die Beatles.
Den ersten Kuss bekam ich etwas später, nich' von Paul McCartney, aber Hans war auch sehr lieb.
Zoowärter, Astronaut oder Schauspielerin wollte ich werden. Schauspielerin bin ich geworden - und verdiene mir heute damit meine Zigaretten.

Freizeitsingen in dem Berliner Club 'Die Badewanne' mit meiner Band, brachte mich glücklich zur Schallplatte.
Ansonsten glaube ich, bin ich 'n netter Mensch: Bisschen Kumpel, bisschen Weib - und dabei soll's auch bleiben."

Gassen steht immer wieder als Schauspielerin in Kino- und TV-Produktionen vor der Kamera. Mehrere Jahre war sie z. B. in den Serien "Wartesaal zum kleinen Glück", "Spreepiraten" und "Der Landarzt" engagiert. Sie spielte in den 80er-Jahren aber auch u. a. in den Kultserien "Drei Damen vom Grill", "Ich heirate eine Familie", "Liebling Kreuzberg" und  "Berliner Weiße mit Schuss".

Erfolgreicher und bekannter ist sie aber seit den 70er-Jahren als Synchronsprecherin, u. a. für Adrienne C. Moore (Orange is the new Black), Alfre Woodard (Desperate Housewives), Bette Midler (Der Club der Teufelinnen), Cher (Die Hexen von Eastwick), Geena Davis (Thelma und Louise), Jessica Lange (King Kong), Kate Jackson (Drei Engel für Charlie), Kirstie Alley (Kuck mal, wer da spricht), Lesley Nicol (Downtown Abbey), Linda Hamilton (Terminator), Lois Chiles (Dallas) und Stefanie Powers (Hart aber herzlich).

Nun aber zum heutigen Song, dessen Original sicher jeder kennt!

Yummy, yummy, yummy
Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Du und deine Liebe
Ihr klaut wie die Diebe
An mir ist bald nichts mehr dran

Aber ich mag das
Uh, ich vertrag' das
Liebe so süß wie Kakao
Du bist ein Tiger
Ruhmreicher Sieger
Ich bin dein Kätzchen, miau


--> Ich gehe jetzt an dieser Stelle nicht darauf ein, dass Frank Dostal (1945-2017) definitiv der erste Preis für blöde Songtexte verliehen werden hätte müssen. Tja. Literaturnobelpreisverdächtig ist das natürlich nicht. Aber selbst 1976 war die Frau per se emanzipierter als dieses Lied behauptet :/

Yummy, yummy, yummy

Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Ich war wie 'ne Brise
Auf 'ner Frühlingswiese

Heute wütet in mir ein Vulkan

--> Ist es Volkan, der türkische Gastarbeiter? Nein, Vulkan. Und warum wütet der in ihr? Weil er ein böser Mann ist? Und warum muss man jetzt auch noch seine Mutter - so kurz vorm Muttertag - in diese Sache mitreinziehen? Wie beschreibt man denn eine "Brise auf ner Frühlingswiese"? Ein laues Lüftlein voller Pollen?

Aber ich mag das

Uh, ich vertrag' das
Mag, wie du tust, was du tust
Uh, deine Küsse
Reißende Flüsse
Wenn du mit mir schmust

--> Wenn man die Küsse des Partners mit "reißenden Flüssen" vergleicht, dann hat er wohl nicht nur eine feuchte Aussprache, sondern generell ein mittelschweres Speichelproblem. Diese sanft-rauschenden (an Brisen auf Frühlingswiesen erinnernden) Vorrichtungen von Zahnärzten könnten da sicher großartig Abhilfe schaffen.

Mmmh ... ich mag das
Ja ... ich vertrag das
Ich mag, wie du tust was du tust
Deine Küsse, reißende Flüsse
Wenn du mit mir schmust

Yummy, yummy, yummy
Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Du und deine Liebe
Ihr klaut wie die Diebe
An mir ist bald nichts mehr dran

Aber ich mag das
Uh, ich vertrag' das
Liebe wie Erdbeereis
Du bist der Sieger
Machst mich zum Tiger
Gar nichts haben, nur noch heiß

--> Liebe wie Erdbeereis? Rot und klebrig? Oder künstlich und Karies bringend? Und die letzte Zeile erschließt sich mir sowieso in keiner Weise.

Refrain



Hier zum Vergleich ein nettes Video des Originals von 1968 von "Ohio Express".



Ein Gassenhauer war dieses Cover von Joseline Gassen definitiv nicht. Notwendig vermutlich auch nicht. Mit Liedern wie diesen wurde die mühsam vorgebrachte Emanzipation wieder um drei Jahre nach hinten geworfen. Schade, dass sich Frauen in den 70er-Jahren Männern gegenüber immer so anbiedern mussten.
Ich vergeb für diesen Song eine Packung Erdbeereis und versuche herauszufinden, ob sie mich an Liebe erinnert. Yummy, yummy, yummy ...

Mittwoch, 6. Mai 2020

# 49 - "Wie bei Hitchcock" - Alice Blanche (1970)

Dieses Mal bin ich richtig spät dran. Verzeiht, ich war den ganzen Tag in Verzug und das hat sich dann bis zum Schluss durchgezogen.
Und dann musste ich auch noch einen Film anschauen ... naja. Der gestrigheutige Titel passt zumindest thematisch!




ALICE BLANCHE
A: Wie bei Hitchcock (M & T: Drafi Deutscher & Hans-Georg Moslener)
B: Casanova und Don Juan (M: Martin Böttcher / T: Michael Kunze)

1970, Decca, D 29 066

Viel ist über Alice Blanche nicht bekannt. Sie wurde 1950 geboren (unbestätigten Quellen zufolge als Aliza Weiss) und lebte damals in Zürich, wo sie unter anderem auch Schauspielunterricht nahm. Insgesamt veröffentlichte sie drei Singles. Der große Erfolg blieb aus.

Ihr größtes Markenzeichen war aber der etwas eigenwillig gestaltete Lidstrich. Was genau sie damit ausdrücken wollte, ist nicht überliefert. Möglicherweise hätte ihr aber eine Brille dabei geholfen, dass es etwas gleichmäßiger ausgesehen hätte? Vielleicht hat sie sich auch aus dem Showbiz zurückgezogen, weil sie ihren starken Kajal-Verbrauch nur mithilfe eines bürgerlichen Berufes decken konnte? Auch Schönheitsflecke dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden.



Das heutige Lied, dass ich heute vorstelle, ist aber einem besonderen Filmschaffenden gewidmet: nämlich Alfred Hitchcock. Auch wenn der nur eine periphere Rolle in dem Song übernimmt. Seine bekanntesten Filme waren "Vertigo" (1958), "Psycho" (1960), "Die Vögel" (1963) und "Marnie" (1964). Welcher Film genau, Drafi Deutscher und Hans-Georg Moslener zum Schreiben dieses Liedes angeregt hat, wissen wir nicht.

Wie bei Hitchcock, wie bei Hitchcock
Krieg' ich eine Gänsehaut
Wenn mir Peter, ja, mein Peter
Tief in meine Augen schaut

--> Na, das spricht ja nicht gerade für den Augenaufschlag von dem guten Peter. Gut, dass er keine Brille trägt. Dem hätte wohl nicht mal Daffi Cramer in die Pupille schauen wollen, wenn man davon eine Gänsehaut bekommt!

Doch bei Hitchcock, ja bei Hitchcock
Gibt es nie ein Happy End
Weil er nur das Gruseln lehrt
Und nie die Liebe kennt

--> Meine letzten intensiveren zwischenmenschlichen Annäherungsversuche liegen bereis fast zwei Monate zurück, aber heißt es, dass das oben beschriebene Verhalten (Gänsehaut und Co.) für die gute Alice eine Form von Liebe ist? Da hätte der liebe Herr Hitchcock schon auch mal einen Schmuseschinken drehen können ... (bei "Die Vögel" hätten es ja durchaus auch weiße Tauben sein können ... zis ... schon damals gabs wohl kaum noch echte Romantiker!)

Psychothriller, Nervenkiller
Schüsse hinter eine Wand
Große Spannung bis zum Ende
Hitchock ist dafür bekannt

Doch viel schneller als bei Hitchcock
Schlägt mein Herz, wenn Peter kommt
Großalarm, wenn er mich küsst
Und zärtlich zu mir ist

--> Ich will gar nicht wissen, auf welches "kommen" hier Bezug genommen wird. Also das Kommen nach der Arbeit kann es ja nicht sein, wenn Alice gleich Großalarm schlägt (außer sie liegt noch mit dem Gärtner heimlich in den Thujen ...). Ah ok, küssen und zärtlich sein ist ok, aber in die Augen schauen ... das geht wirklich zu weit! Sie ist eine anständige Frau!

Refrain

Schwarze Särge, weiße Tücher
Ladies steh'n im Trauerkleid
Zähne klappern, großes Zittern
Das nennt Hitchcock Zeitvertreib

Doch der allergrößte Schocker
Ist der Peter ganz allein
Denn er kann für mich
Noch viel geheimnisvoller sein

--> Peter, dieser hinterlistige Schocker, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Selbst Gitte wusste bereits drei Jahre vorher: "Später Peter wird alles anders"! Hätte sie doch Alice gewarnt. Dann hätten sich andere Sängerinnen nicht mit ihm abmühen müssen, denn die Erkenntnis "Peter ist der Größte" (Su Miriam, 1976) hatte zur Folge, dass er sich aus dem Staub machen musste: "Peter, dein Zug geht in fünf Minuten" (Daffi Cramer, 1974) und Vicky Leandros ergänzte: "Ja, ja, der Peter, der ist schlau" (1975) - denn selbst Yoko Ono wusste bereits: "Peter the Dealer"!

Refrain




Wenn ihr euch jetzt noch einen gruseligen Film anschauen wollt, dann macht lieber an den heiklen Stellen die Augen zu. Eure/n Partner/in solltet ihr aber doch vielleicht (zumindest) zwischendurch ansehen, damit die wenigstens mitkriegen, dass ihr noch lebt!

Für dieses Lied vergebe ich fünf Augen-Nasen-Mund-Schutzmasken und hoffe, dass ihr vor gruseligen Alpträumen verschont bleibt! Im Zweifel lasst einfach dieses Lied in der Endlosschleife laufen, das verschreckt sicher Geister jeglicher Art ;)