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Freitag, 26. Juni 2020

# 99 - "Mrs. Hooligan" - Andrea Horn (1972)

Gibt es etwas Besseres als einen Kuchen? Okay ... zwei Kuchen! ;) Die Zutaten, aus denen der folgende Song "gebacken" wurde, haben leider nicht zu einem Hit gereicht ... aber immerhin zu Song #99! 



ANDREA HORN
A: Ring-e-Ding-e-Dong (M: Jürgen Schröder / T: Marcus Bach & Jean Lecru = Hans-Jürgen Spürkel)
B: Mrs. Hooligan (M: Winfried Lüssenhoop / T: Tobby Lüth)

1972, Decca, D 29 159
produziert von Wyn Hoop (= Winfried Lüssenhoop)


Textautor Hermann "Tobby" Lüth war ab Mitte der 50er-Jahre tätig. Titel aus seiner Feder sind beispielsweise "Hatschi-Boogie" (Friedel Hensch, 1956), "In Musik hab ich 'ne 1" (Rosemarie, 1959), "Alle Mädchen wollen küssen" (Peter Kraus, 1960), "Der Sheriff von Arkansas ist 'ne Lady" (Caterina Valente, 1961), "Twistin' mit Monika" (Roberto Blanco, 1963) und "Ich hab' ein Herz zu verschenken" (Peggy March, 1965).

Andrea Horn wurde 1933 in Wien als Hedi Prien geboren und erhielt während ihrer Schulzeit Klavierunterricht. Darüber hinaus wirkte sie im Schulfunk des Österreichischen Rundfunks mit. Nach der Matura arbeitete sie als Backgroundsängerin für die Plattenfirma Polydor und wurde Mitglied des Mädchentrios "Die Glorias". Mit Beatrix Kühn bildete sie das Duo "Honey Twins" und konnte sich zwischen 1959 und 1961 gleich dreimal in den Top50 der deutschen Single-Charts platzieren ("Charlie Brown" #17, "Nur ein Küsschen" #37 und "Banjo Boy" #32). Solistisch arbeitete sie - für diverse Plattenfirmen - zunächst unter ihrem bürgerlichen Namen und ab 1961 unter dem Pseudonym Andrea Horn.
1959 lernte sie bei Dreharbeiten den Sänger Wyn Hoop (alias Wilfried Lüssenhoop, * 1936) kennen und zog nach Hamburg. Die beiden heirateten im Juni 1961. Ab 1964 veröffentlichten die beiden gemeinsame Aufnahmen, wobei sie anfangs den Fokus auf internationale Folklore richteten. Es folgten zahlreiche Fernsehauftritte und Plattenaufnahmen, ehe sich die beiden 1978 aus dem Showgeschäft zurückzogen.
Fortan widmeten sie sich ihrer gemeinsamen Lieblingsbeschäftigung: dem Segeln. Gemeinsam veröffentlichten sie zahlreiche Reiseführer für den Maritim-Verlag, die inzwischen auch als eBooks verfügbar sind.

Hier ein Video der beiden aus dem Jahr 2017, das eine Anleitung liefert, wie man Zugang zu ihren eBooks erhält. Beide waren zu diesem Zeitpunkt bereits über 80 Jahre alt!!




Der Kuchen ist gar
Der Kuchen ist gar

Für mein Leben back' ich gerne Kuchen
Das weiß schon die ganze Stadt
Und es müssen mich alle besuchen
Denn bei mir gibt es stets Kuchen satt

Mein Herz kann sich daran erlaben
Wenn sich jeder dran gütlich tut
Und wenn alle zufrieden dann sagen:
'Mrs. Hooligans Kuchen schmeckt gut'

Wiederholung

Apfelsinen, Bananen, Rosinen
Und Nüsse, ein Ei auch als Clou
Ich habe sogar eig'ne Bienen
Die liefern den Honig dazu

Meine Kuchen, sagt man, sind die Besten
Mit Liebe sind sie angerührt
Damit niemand von meinen Gästen
Beim Probieren die Zähne verliert

Wiederholung



Dieser Song wäre um ein Haar auch ein würdiger Jubiläumsbeitrag geworden, aber dann ist mir noch etwas viel Besseres in die Hände gefallen.

Zu diesem Song lässt sich folgendes sagen: Kuchen ist super. Und noch besser, wenn es eine Person gibt, die gar nicht genug davon bekommen kann, tagtäglich Kuchen zu backen. Und noch besser, wenn sie in der Nachbarschaft wohnt und ihn großzügig verteilt. Doch wie heißt so eine Frau, die ganz lieb, mit ihrer Blümchenrüschenschürze, den frisch-gebackenen und herrlich-duftenden Kuchen aus dem Ofen holt? Fräulein Zuckerberg? Nein. Frau Mehlweiß? Nope. Das ist leider auch falsch ... sondern (ganz logisch) "Mrs. Hooligan" - EXAKT!!! Mrs. H O O L I G A N!
Schaut mich jetzt bitte nicht so entgeistert an. Ich habe sie nicht so getauft! Ich verstehe auch überhaupt nicht, was an dem Namen seltsam oder sonderbar sein sollte. Oder kennt ihr den Begriff "Hooligan" etwa in einem anderen, negativ verwendeten, Kontext? Ich nicht! #sarcasmoff

Aber gut. Wenn Mrs. Hooligan nicht gerade bei irgendwelchen Sportveranstaltungen andere mit einem Baseballschläger vermöbelt - wobei es könnte ja auch nur ihr Mann der Hooligan sein. Das "Mrs" impliziert ja, dass sie eine verheiratete Frau ist. Und in Österreich werden ja auch vielfach akademische Titel und Berufsbezeichnungen nach der Eheschließung übertragen (aka "Frau Hofratswitwe Dr. Schnaxlgruber") - dann backt sie halt einfach leidenschaftlich 24/7 Kuchen, Kuchen oder ... Kuchen! (Torte, petit fours, Macarons und Eclairs scheinen ihr nicht so zu liegen)

Allerdings scheint Mrs. Hooligans Terminkalender ziemlich prall gefüllt zu sein, denn wenn sie nicht gerade aktiv Kuchen backt, dann müssen sie alle (!) besuchen, um den schier grenzenlosen Kuchenmengen irgendwie wieder Herr zu werden. Ihr Häuschen scheint sich dann buchstäblich ins Schlaraffenland zu verwandeln. Der Verdacht, dass sie sich in eine heimtückisch-mordende Knusperhexe verwandelt, konnte sich bisher noch nicht erhärten. Dass sie aber die gesamte Nachbarschaft adipös und Diabetis-krank macht, scheint eher realistisch zu sein. 

Ich bin mir aber nicht so sicher, ob sich ihr Herz einzig und allein an netten Komplimenten "erlabt", die mit vollem Mund und schmatzend vorgetragen werden. Wenn schon, dann muss es heißen: "Mrs. Hooligans Kuchen ist der Beste". Der Baseballschläger (oder ein unauffällig als Küchenutensil getarntes Nudelholz) liegt stets griffbereit.

Allen Imkern unter euch, wird sicher das Herz aufgehen, wenn sie hören, dass Mrs. Hooligan sogar eigene Bienen hat. Ja, auch mit "natürlichen" Waffen kann sie umgehen. Und sie droht sogar allen Veganern den Kuchen mit Eiern aufzurüsten.

"Meine Kuchen, sagt man, sind die Besten
Mit Liebe sind sie angerührt
Damit niemand von meinen Gästen
Beim Probieren die Zähne verliert"

Diese zunächst harmlos klingende Strophe verrät, zu welchen üblen Tricks Mrs. Hooligan greifen kann, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Man munkelt sogar, dass sie unter ihrer Schürze eine Kette, mit sämtlichen ausgefallenen Zähnen von undankbaren Gästen trägt. In diesem Zusammenhang bekommt der Begriff "Marmorkuchen" eine ganz andere, dramatische und für Zahnärzte äußerst lukrativ scheinende, Bedeutung. Mit dieser Frau sollte man sich definitiv NIEMALS anlegen!

Mittwoch, 29. April 2020

# 42 - "Der Zuckerbäcker-Beat" - Tilly (1971)

Nachdem ich euch die letzten Tage kulinarisch etwas vernachlässigt habe, habe ich mich heute intensiv - nicht nur wegen meines bald anstehenden Geburtstages - mit Kuchen und Torten auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei die folgende musikalische "Entdeckung":




TILLY
A: Der Zuckerbäcker-Beat (M: Rudi Bauer / T: Kurt Hertha)
B: Ällebätsch (M: Peter Horton / T: Kurt Hertha)

1971, Global, 6004 975
produziert von Egon Pfrenger

Bei Tilly handelt es sich um die belgische Sängerin Tilly Heylen (* 1947), die zwischen 1967 und 1973 15 Singles in Belgien, Deutschland und den Niederlanden veröffentlichte.
Deutsche Titel waren u. a. "Regen auf den Wegen" (1968), "So ein himmelblauer Tag" (1969) oder "Fische brauchen frisches Wasser" (1971). Nach dem Tod ihres deutschen Produzenten endete ihre Gesangskarriere abrupt, da die belgische Plattenfirma kein Interesse mehr zeigte. Auch ihre Ehe wird als Grund genannt. Erst nach ihrer Scheidung begann sie wieder als Sängerin aufzutreten, u. a. mit Eddy Wood. Mehr ist über Tilly, die vielfach als die "belgische Brenda Lee" bezeichnet wurde, nicht bekannt.

Textautor Kurt Hertha war in der Szene durchaus bekannt und gefragt. Einige Hits aus seiner Feder waren beispielsweise "Monsieur" (Petula Clark, 1962), "My Boy Lollipop" (Heidi Bachert, 1964), "Ganz in weiß" (Roy Black, 1965), "Bianca" (Freddy Breck, 1973) oder "Du kannst nicht immer 17 sein" (Chris Roberts, 1974).

Der heutige Titel ist da schon etwas "spezieller":

Wir tanzen, wir tanzen den Zuckerbäcker-Beat
Den Zuckerbäcker-Beat
Den Zuckerbäcker-Beat

Der Kuchen, die Torten
Der Zuckerbäcker-Beat
Die machen das Leben so süß

Neulich ging ich in die Konditorei
Doch da war leider der Kuchen schon aus

Denn die Bäcker sangen und tanzten
Mit schneeweißen Hüten durchs Haus


Refrain

Abends war ich in meiner Discothek
Da kam ein junger Konditor herein
Und wir beide schauten uns lächelnd an
Nun bin ich nicht mehr allein

Refrain


Also ich hab ja wirklich schon einigen Blödsinn gehört - aber in Bezug auf Kuchen und Torten darf man wirklich keine schlechten Witze machen! Was möchte uns der Textautor mit diesem Titel sagen? Ich habe absolut keine Ahnung! Wenn es wenigstens ein Lobgesang auf das Zuckerbäckerhandwerk wäre, aber nein, nicht einmal eine Ode an die Diabetis. 
Die arme Tilly kann den verunsicherten ZuhörerInnen nicht einmal verbal nahebringen, was den "Zuckerbäcker-Beat" vom "Schornsteinfeger-Beat" oder "Gas-Wasser-Installateur-Beat" unterscheidet. Außer, dass scheinbar "Der Kuchen, die Torten" involviert sind. Aber "machen sie das Leben nur süß" oder sind sie auch notwendige Hilfsmittel zur korrekten Performance? Diese Fragen kann uns Textautor Kurt Hertha leider nicht beantworten. Die Tilly scheint das ja nicht weiter zu stören. Sie wollte zwar in die Konditorei gehen, um vermutlich einen Kuchen für ihre kranke Großmutter, die einsam und allein in einer Hütte im Wald lebt, zu besorgen. Als sie feststellt, dass der Kuchen aus ist, verlässt sie die Konditorei allerdings nicht, um sich andernorts nach Ersatz umzusehen, sondern ist begeistert von der Zuckerbäckerbelegschaft, die lieber fröhlich singt und tanzt, als Kuchennachschub bereit zu stellen.
Tillys weitere Vorgehensweise überrascht, als sie als nächstes berichtet, dass sie daraufhin abends in eine Disco geht. Die Oma wird wohl noch einen Tag leben, wenn das junge Girl Spaß haben will und hey, Kuchen war eh aus. So what! Ich bin begeistert, dass Tilly sofort erkannte, dass es sich bei dem jungen Mann - in den sie sich natürlich sofort Hals über Kopf verliebte - selbstredend um einen Konditor handelte. Wahrscheinlich trug er noch immer sein Zuckerbäcker-Outfit und war direkt aus der Backstube in die Disco getänzelt. Na super, jetzt habe ich Lust auf Kuchen - aber Hauptsache Tilly ist nicht mehr allein!





Für diesen flotten Käse...kuchen vergebe ich fünf Tortenheber, die man - zur Aufwertung des Songs - noch fröhlich-unrhythmisch gegen den Takt aneinanderschlagen kann. Bei der Musik kann einem selbst der beste Kuchen vergehen :/