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Donnerstag, 3. Dezember 2020

# 136 - "Lügen" - Goldie Ens (1972)

Das Spannende an früheren musikalischen Talentwettbewerben (alias Castingformaten) ist, dass reproduzierende Sänger eher in der Minderheit waren. Die meisten konnten und wollten nicht nur eigene Songs machen, sondern es war eine Art Teilnahmebedingung. Heute heißen diese Gestalten "Singer-Songwriter", damals waren es einfach Sänger, die eigene Musik machen wollten. Beeindruckend - heute schaffen es viele Kandidaten nicht einmal mehr selbstständig die Bodenmarkierung vor der DSDS-Jury zu finden ...
Allerdings gab es damals doch auch manche Entscheidungen, die man nicht verstehen konnte. Es gab nämlich dann auch noch beliebte Haus- und Hof-Schreiberlinge, die natürlich auch in irgendeiner Art und Weise befriedigt werden mussten. Und so gelangten dann auch ihre Lieder in diese Veranstaltungen und wurden den jungen Künstlern mit dem fröhlichen Motto "friss oder stirb" vorgesetzt. Und da gab es schon die eine oder andere "Krot" (dialektal für Kröte), die geschluckt werden musste ...



GOLDIE ENS

Lügen (Autor: unbekannt)

1972, nicht auf Schallplatte veröffentlicht


Die 1954 als Ursula Wratschko in Kapfenberg geborene Sängerin, besuchte die Handelsschule und studierte Musik in Salzburg. Bereits als Kind lernte sie zunächst Klavier und später Gitarre. Den Namen "Goldie" verpasste sie sich - in Anlehnung an Goldie Hawn - selbst. 1972 bewirbt sie sich bei dem von Ö3 und ORF initiierten bundesländerübergreifenden Talentwettbewerb "Show-Chance" und kommt bis ins Finale. Trotz eines eher eigenwilligen Songs erreicht sie Platz 5 und bekommt einen Plattenvertrag. Den Nachnamen "Ens" gibt es frei Haus dazu. 1973 erscheint ihre erste Single ("Meine Stadt"), mit Texten von Alfred Komarek. In weiterer Folge wird Lance Lumsden ihr Manager. Ihren Durchbruch erzielt sie 1974 mit der Single "Goodbye Joe". Fortan singt sie als eine der wenigen österreichischen Künstler(innen) nur noch englisch. Weitere erfolgreiche Titel waren "Tuesday" (1974), "Disco Baby" (1976, #18) und "Can I reach you" (1979).
Nachdem ein deutsches Album mit eigenen Texten nicht realisiert wurde, stieg sie Ende der 70er-Jahre aus dem Popgeschäft aus und ging nach Amerika. In den 80er-Jahren startete sie ein erfolgreiches Comeback in der damaligen Tschechoslowakei, wo sie mehrere Schallplatten veröffentlichte. Für ihr Album "This is my Love" (1983) erhielt sie sogar eine Goldene Schallplatte.
Goldie Ens, die heute Ursula Polster heißt, betreibt den "Wohnsalon P." im ersten Wiener Gemeindebezirk und steht noch gelegentlich als Einrichtungsberaterin im ORF vor der Kamera.


Glas zerbricht - war es nur Verseh'n?
Er sieht mich an, kann er versteh'n
Dass Zank und Streit keine Zukunft baut
Und deshalb nur die Trennung bleibt

Ich hab' versucht, tolerant zu sein
Doch einmal hab' auch ich genug
Einmal hab' auch ich genug
Die größte Liebe geht vorbei

Lügen zerstören was man Liebe nennt
Weil die Wahrheit immer siegen wird
Lügen zerstören was man Liebe nennt
Weil die Wahrheit immer siegen wird

Der Zug fährt ab
Und die Nacht umhüllt mein Sein
Die Frage bleibt
Ob ich ihm je verzeihen kann

Auch ich hab' Schuld, das muss ich eingesteh'n
Doch sicher liegt's nicht nur an mir
Wer Fehler macht, der zahlt dafür
Und wenn dabei das Glück zerbricht

Refrain


In diesem Fall verstehe ich ganz klar, warum es mir bis dato (nach über zehn Jahren!) nicht gelungen ist herauszufinden, wer für diesen Titel verantwortlich ist. Wäre ich die Person, ich würde alles daran setzen, dass das auch weiterhin so bleibt.
Also wer auf die Idee kommt, einer 17jährigen äußerst ansehnlichen jungen Frau so einen Titel zu verpassen wird sich mir vermutlich niemals erschließen. Zudem verdient der Song definitiv den ersten Preis in der Kategorie: "Sperrigste Refrain-Zeile aller Zeiten". 

Ihr habt aufgepasst? Es geht schon wieder um ein Beziehungsende! Wieder so ein Heini, der scheinbar mehrgleisig gefahren ist und dessen interner Spitzname vermutlich "Münchhausen" ist. Zudem hat er anscheinend nichts Besseres zu tun, als noch das gute alte Erbgeschirr zu zerdeppern, nur um über seine eigenen Fehltritte hinwegzutäuschen. 

Folgende Passage (ich habe übrigens aufgegeben herauszufinden, ob dieses Lied in irgendeiner Form ein Reimschema besitzt) finde ich übrigens besonders faszinierend:

Der Zug fährt ab 
Und die Nacht umhüllt mein Sein
Die Frage bleibt
Ob ich ihm je verzeihen kann

Dem Autor dieses Liedes kann man definitiv nicht verzeihen, dass die arme Goldie diesen Schmachtfetzen singen muss. Herzlichste Gratulation meinerseits, dass es so würdevoll schafft. Für den Autor hieß es hoffentlich auch: "Der Zug fährt ab" (nach Nirgendwo).



Das Goldie allerdings wirklich etwas (musikalisch) auf dem Kasten hat und zu recht als österreichische "Disco Queen" bezeichnet wurde, zeigen ihre späteren Titel, wie z. B. "Disco Baby". Hier beweist sie mit lebensbejahender Freude und Power, was so in ihr steckt. 
Für alle Zartbesaitete unter euch: Achtet nicht zu genau auf die Umgebung. Ich habe auch jedes Mal große Sorge, dass sie im schummrigen Kellergewölbe mit spärlicher Lichtzufuhr stolpert und rückwärts die Stiege runterfällt. (Spoiler: Es passiert zum Glück nichts!)

Dance, dance, dance, Disco Baby
Playing around at the Girls
Run, run, run, Disco Lover
I won't get caught in your Arms

You're Casanova
Oh Lady Killer
No time to Lover
Oh Casanova

Turn, turn, turn, Disco Baby
Sending Kisses away
Flash, flash, flash, Disco Baby
You can't win anyway

Refrain

Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn your Lie
Burn your Lie
Burn

Fly, fly, fly, Disco Baby
Call me up every Day
Smile, smile, smile, Disco Baby
My Love won't change anyway

Refrain

You're a Liar, Baby
Keep on dancing, Baby
You're a Liar
You're a Liar
You're a Liar


Ab jetzt gibt's nur noch die Wahrheit, weil nur die Wahrheit siegen wird. Hoffen wir das Beste - auch für unsere Regierung ;)

Freitag, 3. Juli 2020

# 107 - "Willst du mich?" - Jane Palmer (1976)

Könnt ihr euch noch an die legendäre ORF-Tiersendung "Wer will mich?" erinnern, in der Edith Klinger von 1981 bis 1999 Haustiere vermittelte? Nein, darüber geht es heute nicht! Naja ... eigentlich schon ... ein bisschen zumindest ... aber doch irgendwie ... anders.

Für alle, die die Sendung nie gesehen haben, hier ein kleiner Ausschnitt zum belustigenden Start ins Wochenende:




Und das hier ist tatsächlich keine Parodie, sondern ein etwas "entglittener" Auftritt bei dem "echten Willkommen Österreich" ;)





Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, dem heutigen Song:




JANE PALMER
A: Willst du mich? [Low down Love] (M: Joachim Heider / dt. T: Fred Jay)
B: Komm wieder (M: Joachim Heider / T: Fred Jay)

1976, EMI, C006 31 642
produziert von Joachim Heider


Den Texter Joachim Heider, der zu Beginn seiner Karriere noch selbst großtenteils vor dem Mikrofon (unter dem Künstlernamen "Alfie Khan") stand, war bald für zahlreiche Hits von SängerInnen wie Christian Anders oder Marianne Rosenberg verantwortlich.

Mitte der 70er-Jahre wurde er auf die Sängerin Jane Palmer aufmerksam, die - wie ihr Name bereits verspricht - aus Köln kommt. Ihre Debütsingle "Willst du mich?" (wird auch als "Low down Love" in englischer Sprache veröffentlicht) kommt 1976 auf den Markt. Es folgen Deutschlandtourneen und zahlreiche Auftritte. 1981 wird sie Mitglied bei Wolf Maahn und die Deserteure. Als gefragte Studio- und Backgroundsängerin war sie an zahlreichen internationalen Produktionen beteiligt. So stand sie auch gemeinsam mit Joe Cocker oder den Scorpions auf der Bühne. Zwischen 1976 und 1987 veröffentlichte sie neun Solosingles. Sie ist auch heute noch musikalisch aktiv.

Hier nun ein Auszug aus dem Song:

Willst du mich?
Ich frag' dich: Willst du mich?
So wie ich
Ich frag' dich: Willst du mich?

Willst du mich?
Denkst du über uns wie ich?
Willst du mich?
Ich frag' dich: Willst du mich?



Es tut mir leid. Viel mehr habe ich beim besten Willen nicht verstanden. Live-Auftritte sind schwierig, das ist mir klar, aber so vernuschelt wie der ganze Text hier dargeboten wird, hat man echt kaum eine Chance auch nur ansatzweise die (möglicherweise) großartigen Worte von Fred Jay zu verstehen. Mir ist es leider nicht gelungen. 
Wenn jemand von euch in der Lage ist, zumindest einen zusammenhängenden Satz zu verstehen, dann freue ich mich über entsprechende Rückmeldung!




... und ich wiederhole nochmals: Jane Palmer ist keine Amerikanerin. Sie stammt aus Köln und heißt bürgerlich vermutlich Gabi Schmidt oder Renate Kamellenfänger. Die Stimme ist gut und es war sicher sinnvoll sich auf den englischen Markt sowie den Rockbereich verstärkt zu konzentrieren.
Ihr Auftritt ist auf jeden Fall auch besonders. Der weiße Overall, der aussieht, als wäre er aus Kunstleder, war vielleicht auch nicht die allerbeste Wahl. Die Falten, die er an manchen Stellen wirft, sind nicht gerade vorteilhaft. Zudem habe ich das Gefühl, dass sie ein bisschen zu viel "Catwalk-Training" gemacht hat. Ihre "Moves" irritieren mich ein bisschen und ich mache mir ehrlich gesagt ein wenig Sorgen um ihre Kniescheiben und das Hüftgelenk. Ein Jahr später veröffentlichte sie einen Titel namens "Keiner war wie du" (der wie eine Mischung aus drei Marianne-Rosenberg-Titeln klingt) und ich würde gerne korrigieren: "Keine war wie du!".
Jane Palmer ist im deutschen Musikgeschäft der 70er-Jahre definitiv besonders, schon allein dadurch, dass sie eine der wenigen deutschsprachigen Sängerinnen ist, die in dieser Zeit auch (ganz ordentliche) englische Titel singen dürfen ...

Zum Einstieg ins Wochenende biete ich daher noch die englische Version des Titels an, die definitiv mehr von ihrem Können unter Beweis stellt! :)


Mittwoch, 24. Juni 2020

# 98 - "Dance, Bunny Honey, dance" - Penny McLean (1977)

Mit großen Schritten nähern wir uns Post #100! 💗ֺ Heute gibt es zur Abwechslung wieder einmal etwas Englisches. Da die Interpretin aus Österreich und das Team um die Scheibe auch aus dem deutschsprachigen Bereich stammen, zählt es sowieso als "deutsche" Produktion.



PENNY McLEAN
A: Dance, Bunny Honey, dance (M: Stefan Klinkhammer / T: Michael Kunze)
B: Summernight Stomp (M: Stefan Klinkhammer / T: Michael Kunze)

1977, Jupiter, 11 313 AT
produziert von Michael Kunze


Wenn man 1946 als Gertrude Wirschinger in Klagenfurt geboren wird und Ambitionen in Richtung Rampenlicht hat, dann kommt man um einen Künstlernamen nicht drum herum.

Bevor wir uns nun ihrer Biographie genauer widmen, hier eine spezielle Quizfrage:

"Ihr bürgerlicher Name lautet Gertrude Wirschinger. Bitte suchen Sie sich einen international klingenden Künstlernamen aus?"
A) Tjorven
B) Barbi Münzer
C) Barbra
D) Penny McLean

Die richtige Antwort lautet natürlich E! Gertrude Wirschinger ist unter all diesen Künstlernamen aufgetreten.

Nach ihrer musikalischen Ausbildung in Klagenfurt machte sie Mitte der 60er-Jahre eine Ausbildung zur Erzieherin in München. 1967 heiratete sie den Komponisten und Schauspieler Holger Münzer, mit dem sie von 1966 bis 1969 als "Holger & Tjorven", mit Folksongs und Chansons, auftrat. Nach der Scheidung versuchte sie es solistisch und als Duettpartnerin von Helmut Frey ("Barbra & Helmut" sowie in einem Trio mit Antony & Liza Monn), dies war der Beginn ihrer Zusammenarbeit mit Produzent Michael Kunze.

Produzent Kunze ließ Gertrude Münzer, wie sie nach ihrer Hochzeit hieß, bald englisch singen und versuchte sie international zu vermarkten. Ihr Song "Lady Bump", der 1975 veröffentlicht wurde, erreichte Platz 1 der Charts und Goldstatus in Deutschland. Parallel entwickelte sich der "Bump" zu einem Modetanz, der für einige Jahre beliebt blieb. (In Corona-Zeiten wäre das wieder eine ganz praktische Ausgrabung, da hauptsächlich das menschliche Hinterteil bei diesem Tanz zum Einsatz kommt!)
Parallel dazu wurde sie, die damals auch als Backgroundsängerin in München tätig war, Mitglied der Formation "Silver Convention". Die aufkeimende Disco-Welle ermöglichte ihnen mit "Fly, Robin, fly" #1 der US-Billboard-Charts (+ mehr als eine Million verkaufte Platten in USA). Kunze wurde für seine Silver-Convention-Produktionen mit einem Grammy ausgezeichnet. 1977 vertritt sie als Teil von Silver Convention Deutschland mit dem Titel "Telegram" beim Eurovision Song Contest und belegt Platz 8.
Nachdem der kommerzielle Erfolg der Gruppe nachließ, fokussierte sie sich wieder auf ihre Solokarriere. Sie veröffentlichte später neben zahlreichen englischen Platten auch zwei mit deutschen Titeln ("Zwischen zwei Gefühlen" und "Wenn die Träume Flügel kriegen").

Seit den 80er-Jahren machte sich Penny McLean als Autorin über Numerologie und Esoterik einen Namen. Sie gibt regelmäßig Vorträge, Kurse und Seminare. Ihr aktuellstes Buch stammt aus dem Jahr 2018 und trägt den Titel: "Gestorben ist noch lang nicht tot. Was uns wirklich im Jenseits erwartet".

Ihre größten Erfolge solistisch waren: "Lady Bump" (1975, #1 DE & AT), "1, 2, 3, 4 ... Fire!" (1976, #3 DE, #11 AT), "Devil Eyes" (1976, #21 DE), "Nobody's Child" (1977, #49 DE) und "Dance, Bunny Honey, dance" (1977, #26 DE).

Nun zu unserem heutigen Song:

Dance! Dance! Dance!
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance

In a room full of strangers
She's waiting on tables every night
Her face always smiling
She's hiding her feelings deep inside

She's laughin' and talkin'
Drinkin' champagne with everyone
Getting up to the dance floor
When the dirty old man says: 'Let's have fun'

Refrain

It isn't hard to realize
Her smile is only her disguise
There are tears in her eyes

A girl from the country
One morning she left her parent's home
She came to the city to live the good life
She'd never known

The lights and the music
Made her believe she would be free
But now she's a puppet
When the dirty old man says: 'Come with me'

Refrain

It isn't hard to realize
Her smile is only her disguise
There are tears in her eyes

Refrain



Na, das ist ja mal ein interessanter fröhlicher Discosong! Blöderweise habe ich aber den Text ein bisschen zu genau gelesen ... denn so "easy listening" ist die Story von "Bunny Honey" definitiv nicht.

"Bunny Honey" wartet jeden Abend lächelnd darauf, dass sich ein Freier ... äh ... freier Mann ihrer annimmt. Doch hinter ihrem Lachen sind Tränen verborgen, denn ihr Inneres bleibt tief verborgen. Am Programm stehen Champagner trinken und tanzen, bis der widerliche alte Typ sagt: "Komm, lass uns Spaß haben". Und dann tanzt Bunny Honey ... 
Dass hinter ihrem Lächeln, das nur Fassade ist, Tränen verborgen sind, ist eigentlich leicht zu erkennen - wenn nur jemand genau hinschauen würde.
"Bunny Honey" stammt aus einfachen Verhältnissen vom Land. Eines Morgens verließ sie ihr Elternhaus und ging in die Stadt, um ein besseres Leben, das sie bisher nicht kannte, zu führen.
Die Lichter und die Musik im Etablissement, geplatzte Träume. Sie dachte, sie würde hier frei sein, aber jetzt ist sie nichts weiter als eine Marionette, die springen muss, wenn ein Typ mit ihr aufs Zimmer will.

Uff ... die Story "Aus dem Leben einer (Zwangs-)Prostituierten" ist schon ein ziemlicher Stimmungskiller. Irgendwie strange, dass zu dieser Story dann so eine fröhliche Up-tempo-Disco-Spaß-Melodie gemacht wurde ... 

Das Video von Pennys Auftritt hat durchaus einen skurrilen Touch. Videotechnisch spektakulär eingefangen (man beachte die damals wirklich revolutionäre Blue-Screen-Technik) shaked und schüttelt Penny alles was sie hat. Böse Zungen behaupten ja, dass sie großteils aus Beinen, Zähnen und Haaren bestand. Ein Umstand, den ich nicht bestätigen möchte.
Dennoch wirkt ihr Erscheinungsbild für eine 31jährige Frau, die sich ihren Lebensunterhalt als Discosängerin verdingt, doch etwas bieder und verbreitet eher den Charme einer Sekretärin in einem mittelständischen Unternehmen oder Verkäuferin eines Schreibwarenladens. Aber Penny gibt alles - und unter dem Motto "Viel hilft viel" wurde weder an Fönfrisur, Polyesterpulli noch Kajal (da wird selbst Cleopatra blass!) gespart. Ihre Tanzambitionen versuchen den "Tanzbarkeitsgrad" des Songs ins Unermessliche zu steigern, bebildern aber doch eher die zweifelhafte Motivation, da die gute Penny vermutlich tatsächlich weiß, was der Text, den sie da zum Besten geben darf, bedeutet (auch wenn dieser Umstand in den Refrainpassagen wie weggeblasen ... pardon ... erscheint). Und das Schicksal einer Frau im Rotlichtgewerbe ist jetzt nicht unbedingt der 1A-Party-Dancefloor-Knaller. Und auch das pathetische Greifen ins Gesicht, bei der Stelle mit den "Tränen in den Augen" wirkt bloß wie ein billiges Mitleidserhaschen, das noch kurz vorm Ende des Songs noch halbherzig hingeworfen wird. Aber immerhin hat sie sämtlichen Familienschmuck angelegt und die Fingernägel frisch lackiert (rot natürlich!). Immerhin wirft sie sich danach - drehend und headbangend - voll in den Song, aber das reißt zu dem Zeitpunkt leider auch nix mehr aus ...

... und auch wenn heute am Abend die Lichter wieder ausgehen, wird sich "Bunny Honey" noch immer an ihrer Stange drehen und sich wünschen, dass aus dem alten Radio heute hoffentlich nicht wieder dieser Song läuft, der ihr so drastisch vor Augen führt, wie leer ihr Leben eigentlich ist. Oder darauf hoffen, dass ihr der nächste Typ, der kommt, vielleicht einen Ausweg, zurück in ihr altes Leben, bietet. Dance ... dance ... dance ...

Montag, 11. Mai 2020

# 53 - "Hier kommt die Nacht" - Jennifer Kemp (1980)

Hier kommt nun der Nachtrag für gestern. Die Nacht kam auch für mich zu schnell, deshalb bin ich vor der Fertigstellung eingepennt. Mea culpa! Am Abend kommt dann der heutige Eintrag, damit ich meinen Verzug wieder aufgearbeitet habe ;)



JENNIFER KEMP
A: Hier kommt die Nacht (M: Sylvester Levay / T: Michael Kunze)
B: Nur manchmal in der Nacht [Sometimes when we touch - Dan Hill] (M: Dan Hill & Barry Mann / dt. T: Michael Kunze)

1980, Karma, 2023 130
produziert von Michael Kunze & Sylvester Levay


Über die Sängerin Jennifer Kemp ist fast nichts bekannt. Bürgerlich Helga Schütz, war sie Mitte der 70er-Jahre Mitglied in der Band "Juwel". Kurz nach ihrem Weggang startete sie 1978 ihre Solo-Karriere mit ihrer Debutsingle "Baby, stop crying". Es folgten drei Singles und ein Album in englischer Sprache, ehe sie 1980 mit "Hier kommt die Nacht" ihre erste deutsche Platte veröffentlicht. 1982 meldet sie sich noch einmal mit "Wie Phönix aus der Asche" zurück - mit diesem Titel wollte sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten, landete in der Vorausscheidung aber auf dem 12. (und somit letzten) Platz. Was danach aus ihr wurde, ist nicht bekannt.

Besser lief es hingegen für Komponist Sylvester Levay (* 1945). Ihm gelang mit Hits wie "Lady Bump", "Get up and boogie" sowie "Fly, Robin, fly" (der erste in Deutschland produzierte Titel auf # 1 der US-Billboard-Charts). Seit den 80er-Jahren arbeitet er auch verstärkt im Bereich der Filmmusik. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch "seine" Musicals "Elisabeth" (1992) und "Rebecca" (2006) bekannt.

Hart war der Tag
Jetzt ist er vorbei
Du gehst die Straße lang
Und fühlst dich ganz high

Nass war der Asphalt
Er glänzt rot und blau
Die Stadt ist voll Licht
Das Leben ist nicht mehr so grau

Sei froh, denn hier kommt die Nacht
Und bringt wieder tausend Träume
Hier kommt die Nacht
Und legt auf die Stadt ihr Sternentuch
Gießt in das Wasser Wein
Und lässt dich dich selber sein
Ja, hier kommt die Nacht
Kommt die Nacht

Heiß sind die Songs
Und kühl ist das Bier
Am Flipperautomat
Steh'n Freunde von dir

Und hast du ein Problem
Dann quatsch dich ruhig aus
Jetzt hört man dich an
Heut' geht man noch lang nicht nach Haus

Refrain

Du kannst in 'ne Disco tanzen geh'n
Oder im Kino 'nen Action-Film seh'n
Und in 'ner Kneipe mit Live-Musik
Selbst auf der Bühne steh'n

Refrain



Vorab: Der Song ist gar nicht schlecht und Jennifer Kemp eine durchaus gute Sängerin. Hier finde ich weniger den Song, als eher den TV-Auftritt skurril ;)
Background-Tänzerinnen sind ja allgemein bekannt, aber das eine deutsche Sängerin mit Background-Tänzern auftritt, war schon eher revolutionär ;) ... wer die beiden Männer mit dem kessen Hüftschwung (besonders reizend: Minute 1:10 und 1:24 in Großaufnahme) sind, weiß man nicht. Möglicherweise strandeten sie - nach dem verpatzten Casting bei den Village People - wieder in Deutschland und wurden dort von Jennifer aufgegabelt. Es wirkt allerdings so, als wären die beiden Männer eher aneinander interessiert, als an Jennifer.
Vermutlich hat sie sich deshalb - frei nach dem Motto "Viel hilft viel" - nicht lumpen lassen und alle Geschütze aufgefahren, um Eindruck zu schinden. Da glitzert und funkelt und leuchtet es wirklich überall - selbst im gekreppten Haar.
Charmant sind vor allem die kleinen Posen, die sie in den unbesungenen Takten macht (0:32-0:34) - Heidi Klum wäre stolz auf sie, unglücklicherweise waren aber gerade keine Fotografen anwesend, die das für die Ewigkeit festhalten hätten können ...


Für diese "funky" Performance - im wahrsten Sinn des Wortes - vergebe ich einen lebenslangen Vorrat pinker Leggins und selbstklebender Glitzersteine!

Genießt den Tag und freut euch darauf, irgendwann wieder einmal ordentlich abdancen zu dürfen! ;)