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Mittwoch, 13. Mai 2020

# 56 - "Montezuma Castle" - Montezuma (1980)

Bei dem tristen Wetter aktuell bekommt man doch ein wenig Fernweh, oder? Gut. Mit Fernreisen sieht es in nächster Zeit eher schlecht aus - aber einen Hauch von Exotik fürs Wohnzimmer kann ich anbieten. Das konnte man übrigens bereits vor 40 Jahren auch schon ganz gut ;)



MONTEZUMA
A: Montezuma Castle (M: Rudi Bauer / T: Gerd Thumser)
B: Down in Mexico (M: Rudi Bauer / T: Gerd Thumser)

1980, Jupiter, 101 550-100
produziert von Gerd Thumser

"Montezuma - das sind vier junge Münchner Sänger und Musiker und die puertorikanische Tänzerin Mayda Delgado. Die Gruppe ist seit mehreren Jahren zusammen und besteht - mit Ausnahme der Tänzerin Mayda - aus lauter waschechten Münchnern. Da ist der Gruppenchef Frank, da sind die Mitglieder Georg Retzer, Egon Meier und Hans Zier. Hans, der Benjamin, stammt aus Schwabing. Unter dem Namen 'Green Onions' spielten die vier seit Jahren Rock und Soul, aber auch Tanzmusik. Als der Münchner Produzent Gerd Thumser zur Realisation seines Songs 'Montezuma Castle' die entsprechenden Interpreten suchte, war für ihn die Wahl nicht schwierig - und der Song wird somit zur großen Chance für die vier Münchner und ihre bildhübsche Tänzerin Mayda.", so viel versprach zumindest die Plattenfirma.

Von "Montezuma" gab es noch eine weitere Single ("Das Gold der Azteken"), ehe musikalisch wieder andere Wege bestritten wurden. Gruppengründer Frank äußerte 2011 in einem Online-Forum, dass er später noch mit Hans Zier und Ex-Dschinghis-Khan-Mitglied Steve Bender (bis zu dessen Tod 2006) Musik gemacht hat.

Gerd Thumser war ab 1955 als Texter aktiv und arbeitete beispielsweise für Michael Holm, Ted Herold, Peggy March, Su Kramer, Joy Fleming, Roberto Blanco und Katja Ebstein. Diese Aufnahme passt irgendwo so gar nicht in sein musikalisches Schaffen - ist dadurch aber doppelt interessant. Mit "Montezuma Castle" schickte er die neu-benannte Gruppe daher auch 1980 zum deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (im Vorjahr vertrat Dschinghis Khan Deutschland und holte sich immerhin Platz 4) - belegten aber nur Platz 5. In Den Haag ging dann Katja Ebstein mit "Theater" (übrigens wieder eine Ralph-Siegel-Komposition) an den Start.

Montezuma
Sie kamen aus der Wüste und niemand weiß woher
Ihr Weg war weit und war so schwer
Sie waren Indianer, die Füße voller Sand
Und hatten alles hinter sich verbannt
Sie waren wie Gejagte und suchten ein Zuhaus'
Sie hielten es woanders nicht mehr aus

Monte-Montezuma Castle
Großer Fels der uns're neue Heimat war
Monte-Montezuma Castle
Das in den Bergen steht schon tausend Jahr

Montezuma, so sangen sie

Gib uns allen Brot
Montezuma, so sangen sie
Hilf' in uns'rer Not

Montezuma

Sie zogen in den Felsen und bauten Tür und Tor
Und pflanzten einen Baum davor
Doch gab es keinen Frieden, es kam die große Schlacht
Fast alle Männer wurden umgebracht
Der weiße Mann der siegte, es siegte der Profit
Doch von den Indianern blieb das Lied

Refrain





Nun ja. Musikalisch sind die Jungs nicht schlecht. Die Indianerkostümierung wirkt heute ein wenig albern, damals war es aber sicher etwas Besonderes und der Hauch von fremder Exotik hat so manches Winnetou-infizierte Herz höher schlagen lassen.
Literarisch kann diese traurige Indianer-Story aber leider nicht mit Karl May mithalten. Und ob Montezuma als Thema wirklich so ansprechend war? Ich muss dabei unfreiwillig stets an Montezumas Rache denken und damit verbinde ich nun wirklich nichts Positives.

Aber die Plattenfirma hat ja nicht gelogen. Sie präsentierte uns keine, das erste Mal auf Zivilisation treffende, Hopi-Indianer, die ihr Glück im kapitalistischen Westen suchen, sondern vier Jungs aus München und eine Tänzerin aus Puerto Rico. Und genau das bieten sie auch. Wobei sie bei ihrem Fernsehauftritt nicht die coole Indianerbekleidung vom Plattencover trugen, sondern quasi ihr letztes Hemd hergaben. Was lernen wir daraus? Mit einem großen Indianerkopfschmuck ist man auch relativ angezogen ;)
Zugegeben: Maydas Tanzeinlagen sind definitiv ein Highlight (meine persönliche Lieblingsstelle ist ab Minute 1:37). Die Mischung aus winken, Sonnengruß-Yoga und Aerobic hat auf jeden Fall etwas und eignet sich auch für kleine Räume als ideales Sportprogramm.

Ich rauche daher mit euch eine Friedenspfeife und bete, dass wir alle vor Montezumas Rache verschont bleiben. Amen!

Sonntag, 26. April 2020

# 39 - "Paul" - Milestones (1971)

Heute widmen wir uns wieder einmal der österreichischen Popmusik. Wichtige Vertreter der frühen Austropop-Gattung waren die Milestones. Meilensteine auf dem Weg der österreichischen Musik. Und der Sound dieser Gruppe aus Wien war durchaus prägend und absolut spannend für diese Zeit.
Nachdem ich gestern sehr feministisch unterwegs war, gibt es heute die Geschichte von einem Mann namens Paul - der übrigens im Wald lebte.




MILESTONES
A: Paul (M & T: Günter Grosslercher)
B: Der staatenlose Koffer (M & T: Günter Grosslercher)

1971, Bellaphon, BL 1179

Die Milestones formierten sich 1968. 
Gründungsmitglieder waren:

Günther Grosslercher (* 1945) - Gesang, Gitarre
Beatrix Neundlinger (* 1947) - Gesang, Flöte
Rudi Tinsobin - Gesang, Bass, Flöte, Posaune
Robert Unterweger - Gesang, Banjo, Gitarre

In dieser Besetzung nahmen sie an einem großen von Ö3 und ORF österreichweit initiierten Talentwettbewerb ("Show-Chance") teil, der im März 1969 mit einer großen Live-Finalausscheidung mit der ORF-Bigband im Fernsehen übertragen wurde. Der junge Ö3-Discjockey André Heller führte durch den Abend und auf dem Siegertreppchen standen die Milestones mit der dadaistischen Eigenkomposition "Einmal (wird der Stein der Weisen weich)". Die ursprüngliche Absicht dieses Wettbewerbs war es einen geeigneten Vertreter für Österreich beim Grand Prix d'Eurovision zu finden (Österreich nahm allerdings erst 1972 wieder am ESC teil!).
Die fünf Bestplatzierten traten bei der "Internationalen Show-Chance", in Kooperation mit Deutschland und der Schweiz, in der Rheingoldhalle in Mainz auf - Sieger dieses Bewerbs: Ebenfalls die "Milestones".

Ihr Siegertitel wurde auf Schallplatte veröffentlicht und 1970 folgte die erste LP, deren Titel großteils Grosslercher beisteuerte. 1972 stießen Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer zu der Gruppe.
In dieser Formation wurden sie 1972 als Vertreter Österreichs zum Eurovision Song Contest nach Edinburgh geschickt. Ihr romantischer Titel "Falter im Wind" belegt Platz 5. Am Siegertreppchen landete übrigens Vicky Leandros mit "Aprés toi" für Luxemburg. 

Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Umbesetzungen.
Neundlinger und Grosslercher schlossen sich den "Schmetterlingen" an, Niedermayer wechselte zur Band "Springtime" und Christian Kolonovits verlegte sich auf das Komponieren und Arrangieren.

Weitere Titel der Gruppe waren "20 Uhr 02" (1970), "Alle Tage" (1973), "Apfelbaum" (1973), "Ballade von Hartmut Winzer" (1970), "Bürgers Traum" (1970), "Chor der Alten" (1970), "Hamlet" (1973), "In den neuen besseren Zeiten" (1970) und "Schade" (1974).

Nun aber zur Geschichte von Paul:

Er lebte im Wald
Und träumte von Waffen
Man fasste ihn bald
Man wollt' ihn bestrafen
Sein Verhängnis: Abnormität

Paul hieß er wohl, Paul
Und faul war er auch
Er hielt sich den Bauch vor Lachen
Als eine Taube dem Bürgermeister
Schwarz-weiß-grauen Kleister
Auf den Hutrand schmiss

Refrain
Zwei Jahre Gefängnis

Paul hieß er ja, Paul
Auch war er wohl faul
Gerne sprach er zu Mädchen
Die ihre Freunde verließen
Lieber lief er über leere Wiesen
Als so ein Mädchen anzurühren
Paul - er ließ sich nie verführen

Refrain
Zwei Jahre Gefängnis

Paul hieß 22 Jahre Paul
Steinmetzgehilfe wohl
Einer der auf Blechbüchsen schoss
Der im Steinbruch Füchse zähmte
Und meistens eine unverschämte Lust verspürte
Sich vor der Welt zu verstecken

Refrain
Abnormität
Für was anderes war es zu spät


Tja. Das ist also die Geschichte vom 22jährigen Paul, der im Wald lebt und gelegentlich von Waffen träumt. Die attestierte Abnormität bleibt fraglich, die Haftstrafe deutet aber auf ein Vergehen hin. Eine überführte Tat oder war es einfach sein Verhängnis, das er sich als Einsiedler in die Natur zurückzog?
Spannend, dass man für einen Song so einen Sonderling in den Mittelpunkt stellt. Paul hat mehr die Züge einer sympathischeren Version von Brechts Parade-Antiheld Baal.
Möglicherweise gab es einen Vorfall? Ein Übergriff, eine Vergewaltigung? Zumindest könnte es damit zu tun haben, sonst wäre die dritte Strophe obligat.

Gerne sprach er zu Mädchen
Die ihre Freunde verließen
Lieber lief er über leere Wiesen
Als so ein Mädchen anzurühren
Paul - er ließ sich nie verführen

Dennoch bleibt das Schicksal des Steinmetzgehilfen in vielerlei Hinsicht rätselhaft. Was wurde aus ihm? "Für was anderes war es zu spät" - das Ende bleibt offen.
Das dieser Song kein riesengroßer Hit wurde, verwundert auch weniger. Dennoch haben die Milestones für mich einen unvergleichlichen "Sound". Die klaren, markanten Stimmen harmonieren wahnsinnig gut miteinander und die Arrangements setzen stets das Lied bzw. den Text in den Vordergrund. Sie erinnern mich immer ein wenig an Peter, Paul & Mary. Aber sie kopieren nicht, sie sind komplett eigenständig. Ihr Werk ist absolut einmalig. Ihre Lieder sind meist leise. Es gibt keine großen Ausbrüche, keine überraschenden Harmoniewechsel oder Effekte. Dennoch sind sie nie beiläufig und regen an. Zum Zuhören. Zum Nachdenken. Aber weniger zum Tanzen oder Mitsingen.




Für diesen Song lege ich fünf Meilensteine auf den Weg, in der Hoffnung, dass Paul doch noch zurückfindet.

Was Paul wohl heute macht, falls es ihn jemals wirklich gab? Ich glaube, dass man mit ihm durchaus Spaß haben hätte können. Vor allem diese "unverschämte Lust, sich vor der Welt zu verstecken" kann ich ihm sehr gut nachempfinden. Gerade an Tagen wie diesen.

Mittwoch, 22. April 2020

# 35 - "Liebe ist gut'" - Zwei mal Zwei (1973)

Tatsächlich scheint es so, als hätte ich gerade eine romantische Ader. Ob das mit meinem - in großen Schritten nahenden - runden Geburtstag zusammenhängt oder das ich beim Reinigen meines Backrohrs zu starke chemische Dämpfe eingeatmet habe, lasse ich an dieser Stelle offen. Ich verspreche aber weiterhin auf mich aufzupassen. ;)

Der heutige Song des Tages ist - Celebration! - eine Coverversion! Das Original ist allerdings nicht so bekannt, die Originalinterpreten hingegen wahre Weltstars. Zugegeben, als das deutsche Cover im Januar 1973 auf den Markt kam, waren sie es noch nicht. Da waren sie bloß Local Heroes aus Schweden.




ZWEI MAL ZWEI
A: Liebe ist gut [People need Love - Björn & Benny & Agnetha & Anni-Frid] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Barbara Schewe = Frank Dostal)
B: Lasst uns alle Freunde sein (M & T: Peter Hecht Fendt) 

1973, Warner Bros, WB 16 224
produziert von Peter Hecht Fendt & Jochen Petersen 

Bei der A-Seite, die ich heute vorstelle, handelt es sich tatsächlich um die deutsche Coverversion des ersten "offiziellen" Titels von ABBA. Beide Paare waren zu diesem Zeit bereits miteinander verheiratet und nahmen - da die Stimmen gut harmonierten - diese Single auf. Parallel dazu waren alle aber noch in verschiedenen anderen musikalischen Projekten involviert bzw. solistisch tätig.
Auch die Gruppe hieß zu diesem Zeitpunkt noch nicht ABBA, sondern trat als "Björn & Benny & Agneta & Anni-Frid" auf, was wohl den Preis für den sperrigsten Bandnamen aller Zeiten verdienen würde.

Anfang 1973 war die Gruppe im deutschsprachigen Raum unterwegs und hatte einen Auftritt in der österreichischen, von Peter Rapp moderierten, Musiksendung "Spotlight" (Ausstrahlung: 27. Mai 1973) und in Ilja Richter's DISCO (Ausstrahlung: 6. Januar 1973).
Bei beiden TV-Auftritten (leider nur Playback!) gibt es allerdings eine Besonderheit: Agnetha fehlt! Diese war nämlich zu diesem Zeitpunkt im achten Monat schwanger und konnte nicht mitkommen. Vertreten wurde sie durch Inger Brudin, eine Freundin von Anni-Frid.


 
Spotlight

DISCO


Aber nun zu der deutschen Coverversion. Tatsächlich war es damals ja üblich, dass viele  ausländische SängerInnen ihre Songs selbst in deutscher Sprache aufnahmen. Bei "People need Love" kamen aber gewiefte Produzenten dem zuvor. "Liebe ist gut" kommt bereits am 5. Januar 1973 (vor der Ausstrahlung ihres ersten TV-Auftritts) auf den Markt.

Die Gruppe "Zwei mal Zwei" wird auf Wunsch von Klaus Ebert, A&R-Manager bei Kinney Music, zusammengestellt. Die Mitglieder sind Jürgen Schröder (Mitglied der Studikers und der Valendras), Kerstin Lippold, Maja Preuss und Werner Becker (* 1943; auch als W. W. Becker und Anthony Ventura bekannt).
Die Produzenten waren im deutschen Musikbusiness ebenfalls keine Unbekannten. Jochen Petersen (* 1944) spielte bei "Randy Pie" und Peter Hecht war Pianist bei den "German Bonds" und später bei "Lucifers Friend".

Das Cover wurde kein Hit und "Zwei mal Zwei" löste sich wieder auf. Im Gegensatz dazu gewann ABBA mit "Waterloo" knapp anderthalb Jahre später den Grand Prix d'Eurovision - der Beginn ihrer einzigartigen Weltkarriere!

Frank Dostal (1945-2017) zeichnete für die deutsche Textfassung verantwortlich. Er war Mitglied der legendären "Rattles" und der Band "Wonderland". Ab Anfang der 70er-Jahre arbeitete er erfolgreich als Texter. Seine größten Erfolge waren u. a. die Nummer-1-Hits "Yes Sir, I can Boogie" und "Sorry I'm a Lady", beide 1977 für das spanische Duo "Baccara".

Liebe ist gut, Liebe ist besser
Besser als alles auf der Welt
Liebe ist gut, Liebe ist besser
Liebe ist was uns zusammenhält

Wenn ein Mann verspricht
Dass er nie die Treue bringt
Dann glaubt er selbst daran

Sagen kann man viel
Doch die Liebe ist ein Spiel
Bei dem so viel geschehen kann

Manchen fällt es schwer
And're mögen's umso mehr,
Dass es keine Regeln gibt

Wer schon mal verliebt war
Der fragt nie mehr: 'Warum
ist dies' Spiel bei uns so beliebt?'
Refrain

Niemand ist so gern
Ganz für sich auf unser'm Stern
Doch viele sind allein

Jeder von uns kann
Einen ander'n dann und wann
Überreden zum Glücklichsein

Nichts auf dieser Welt
Sei es Wissen oder Geld
Ist für Liebe ein Ersatz

Denn Arme und Reiche
Alle Menschen sind gleich
Alle suchen denselben Schatz




Ja, da wurde - mithilfe eines Reimlexikons brav versucht, schöne Reime zu finden (AAB-CCB), was schade ist, da der Song auf dieser Art und Weise ziemlich beliebig und 0815-brav wird. Eine wirkliche Message geht verloren. Zudem erkannt man einmal mehr, wie fantastisch die Stimmen der ABBA-Mitglieder miteinander harmonieren. Und es ist überraschend, wie viel Benny und Björn bei diesem Song zu singen haben ;)

Zugegeben, Teile des Original-Songs wirken heut doch ein wenig altbacken und spießig (das manche Passagen inzwischen als politisch inkorrekt gelten, halte ich dann aber doch für etwas übertrieben), aber ABBA habens musikalisch/gesanglich halt doch drauf, einen tollen Sound zu liefern.

People need hope, people need loving
People need trust from a fellow man
People need love to make a good living
People need faith in a helping hand

Man has always wanted a woman by his side to keep him company
Women always knew that it takes a man to get matriomonial harmony
Everybody knows that a man who's feeling down wants some female sympathy
Gotta have love to carry on living, gotta have love 'till eternity

Flowers in the desert need a drop of rain like a woman needs her man
If a man's in love and his woman wants the moon, the he'll get it down if he can
Somebody who loves you and somebody who cares, isn't that what you'd call a friend?
Gott have love to carry on living, you can have peace if you understand


Für den netten Versuch dieser Coverversion vergebe ich fünf IKEA-Kjötbollur! Ans Original - geschweige denn ABBA - kommts natürlich nicht ran. Speziell die letzten 30 Sekunden, in denen ABBA plötzlich jodelt (!), sind meiner Meinung nach einfach unfassbar originell! Die waren halt einfach richtig cool!
So erfolgreich ABBA selbst war, so kläglich scheiterten sämtliche deutsche Coverversionen ihrer Hits. Wirklich faszinierend.

Habt einen schönen Abend und idealerweise ganz viel "Love", dann die ist ja bekanntlich ganz gut ... ;)

Montag, 6. April 2020

# 19 - "Träumen von Olivenbäumen" - Mess (1982)

Wir starten in Corona-Woche #4 mit einem neuen Wochenspecial. Dieses Mal geht es um "Kulinarisches" (wenn ich auch die eine oder andere Coverversion natürlich nicht ausschließen kann ;))





MESS
A: Do-re-mi-fa-so oder so (M: Michael Mell = Michael Scheikl / T: Rudolf Spreitzer)
B: Träumen von Olivenbäumen (M: Michael Mell = Michael Scheikl / T: Hans Georg Hausner)

1982, Bellaphon 100-30-007

Textautor Hans Georg Hausner war in den 70er-Jahren übrigens auch Manager vom Wolfi und vom Schurli. In dieser Zeit schrieb er u. a. "A Mensch möcht' i bleib'n" (Wolfgang Ambros, 1974), "Zwickt's mi" (Wolfgang Ambros, 1975) und "Du mi a" (Georg Danzer, 1976).

Das Duo Mess, alias Lizzi & Fritz, alias Lizzi Engstler & Michael Mell, alias Elisabeth Engstler (* 1960) und Michael Scheikl (* 1957), erreichte 1982 Popularität, als die beiden ausgewählt wurden, Österreich beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Ihr Song "Sonntag" belegte zwar nur Platz 9, in Österreich waren sie aber wochenlang Nr. 1 der Charts.
Die beiden lernten sich 1980 bei Werbeaufnahmen im Studio kennen (und lieben). Ihre Beziehung hielt bis 1992.

Michael Scheikl war ehemaliger Sängerknabe und ab 1976 Mitglied der "One Family". Er ist bis heute musikalisch aktiv. 

Elisabeth Engstler ist ausgebildete Musicalsängerin und stand viele Jahre als Moderatorin im ORF - in den unterschiedlichsten Formaten - vor der Kamera. Aktuell (also nach Corona) ist sie im Musical "I am from Austria" zu sehen.

Allein für den Reim "Träumen von Olivenbäumen" muss es bereits Sonderpunkte geben! Poetischer könnte man diese Fernweh-Schmonzette, ihre zweite Single nach dem "Sonntagshit", kaum bezeichnen!

Auch dieser Sommer musste vorbei geh'n
Herrliche Stunden waren dabei
Lass hin und wieder die Uhr sich zurückdreh'n
Fliehe dem Alltag und träume dich frei


--> Was war das für ein Leben als es noch einen Sommer gab. Moment, wird in der dritten Zeile eine Ode an die Zeitumstellung gesungen? Zumindest waren herrliche Stunden dabei ... das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es auch weniger herrliche gab ...

Träumen von Olivenbäumen
Erinnerung, du, gehst frei auf mich zu
Träumen von Olivenbäumen
Du, das Schönste von dem Traum bist du

--> Kitsch^10! (Wenn ich an meinen Urlaub zurückdenke, träume ich auch immer von Olivenbäumen. Selten von Meer, gutem Essen, Sandstrand oder der Liebsten. Aber schön, dass diese Person dann doch irgendwo hinter diesen Olivenbäumen verdeckt ist ... möglicherweise war sie ungünstig grün oder schwarz gekleidet? Immerhin kann ein Olivenbaum bis zu 20 Meter hoch werden!

Abends beim Rotwein, Fotos vom Urlaub
Erlebnis vom Menschsein kommt zurück von weit her
Nimm meine Hand und schließe die Augen
Ein Sommerstrand und rauschendes Meer


--> Äh, ja. Wer es schafft die zweite Verszeile zu entschlüsseln bekommt (nach Corona) ein Bier von mir dafür (ha, drei Reime!). Vom "Erlebnis Menschsein" habe ich in meinem bisherigen Feldversuch interessante Erkenntnisse hervorgebracht (z. B. das Geschirrspüler einräumen mehr Spaß macht als ausräumen). Hand nehmen und Augen schließen würde ich am Sommerstrand im rauschenden Meer allerdings nur bedingt empfehlen (vorausgesetzt, man kann schwimmen!). Sonst kann man leidenschaftliches Küssen schnell mit lebensnotweniger Mund-zu-Mund-Beatmung verwechseln. Und - mit Verlaub - seit wann reimt sich "Augen" auf "Urlaub"?

Refrain


Sag nicht: "Das hat keinen Sinn
Was war ist vorbei und dahin"
Ich habe mit dir erst zu leben gelernt
Was war, zeigt mir nur, was ich bin

--> oh, eine Beziehungskrise in der letzten Strophe? Damit konnte wirklich keiner rechnen. Und es macht auch keinen Sinn (mehr). Das Kind ist so oder so bereits in den Brunnen gefallen. Die Behauptung, dass sich "gelernt" auf irgendetwas reimt, lasse ich sogleich - verhärmt - unter den Teppich fallen. 

Gerade die letzten beiden Zeilen sind besonders philosophisch ... jetzt hat er endlich eine Person gefunden, mit der er "zu leben gelernt hat", und sie kontert mit einem zickigen "Was war, zeigt mir nur, was ich bin". Tja ... auf die würde ich bei einer lebensrettenden Maßnahme NICHT bauen, vielleicht stellt sie dabei ja gerade fest, dass sie ihren Selbstverwirklichungstrieb heute noch nicht genug ausgelebt hat ... und irgendwo auf der Welt, wird gerade die Leiche eines unglücklich-verliebten Mannes an den Strand gespült.

Refrain






Für diese Schmonzette gebe ich fünf von fünf Olivenbäumchen.

Wenn ihr wollt, könnt ihr davon träumen. Oder von entkernten Oliven auf Pizzen. Oder von Pizzen im Allgemeinen. Oder von Urlaub allgemein. Ja, das ist gut. Am Montag darf man noch relativ sentimental sein und hat noch genug Reserven über, ehe die Woche mitunter vielleicht wieder deprimierender wird. 
Habt einen schönen Tag, auch wenn ich - aufgrund von aktuellen Infos seitens der Regierung - bei meinem Leitsatz bleiben muss: #idontlikemondays

Samstag, 28. März 2020

# 10 - "Eins, zwei, drei" - Nina Lizell (1976)

Okay, jetzt ist es offensichtlich. Ja, mir macht das Entdecken deutscher Coverversionen einfach viel zu großen Spaß. Dadurch lege ich jetzt offiziell (damit mein schlechtes Gewissen sich wieder schlafen legen kann) den Schwerpunkt für die nächste Zeit auf deutsche Coverversionen.
Ob ich damit dem deutschen Schlager einen guten Dienst erweise? Tja ... ;) Ich frag mal Herrn Kliebenstein, der weiß das sicher. Siehe dazu den gestrigen Post



NINA LIZELL
A: Eins, zwei, drei [Un, deux, trois - Catherine Ferry] (M: Jean-Paul Cara & Antoine Rallo / dt. T: Jörg von Schenckendorff)
B: Ich kann dir nur Liebe geben (M: Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)

1976, Jupiter Records 16 762 AT
produziert von Ralph Siegel


Es war 1976 als sich das Leben der 23jährigen Catherine Ferry aus Frankreich von einem Tag auf den anderen schlagartig änderte: Zweiter Platz beim Grand Prix d'Eurovision (die damalige Bezeichnung des Eurovision Song Contests) in Den Haag. Das beste Ergebnis Frankreichs seit dem Sieg von 1969 - ehe sie ein Jahr später mit Marie Myriam wieder am Siegertreppchen stehen.

Doch hat ein Lied, das die romantische Adaption eines Kinder-Abzählreims Berechtigung an so einer Veranstaltung teilzunehmen? Nun ja, warum nicht. Der Grand Prix war damals kein Sängerwettbewerb, sondern eigentlich ein Wettbewerb für Komponisten und Texter. In diesem Sinne haben sie ihre Aufgabe zufriedenstellend erledigt, einen Song zu schreiben, der eingängig und unterhaltsam ist.
Und bei allem Respekt: Selbst ein eher einfaches Schlagerchen (der Vorteil an der französischen Sprache ist, dass viele diese nicht beherrschen und dadurch den eher nichts-sagenden Text in Originalsprache nicht verstehen - und auf französisch klingt - merdé - doch fast alles besser ;)) wirkt ganz anders, wenn es live mit einem großen Orchester - unter der Stabführung des Komponisten (!!), welcher ESC-Komponist wäre heute dazu noch in der Lage? - vorgetragen wird (einen Extrabonus an die vier Backgroundboys für die perfekten clapping hands).




Und so dachte sich wohl auch Ralph Siegel, dessen eigener Song-Contest-Beitrag "Sing sang Song" (im Vorjahr hatte übrigens die niederländische Band Teach-in mit dem literarisch anspruchsvollen #sarcasmoff "Ding-a-Dong" gewonnen) nur auf Platz 15 (von 18!) landete, davon müssen wir eine deutsche Coverversion machen!

Ob dann allerdings die von Nina Lizell oder jene von Catherine Ferry selbst schneller am Markt war, konnte ich auf die Schnelle nicht eruieren.

Nina Lizell (* 1944) ist etwas einzigartiges in ihrer Karriere gelungen: sie war in den 60er- und 70er-Jahren sowohl in Westdeutschland als auch der DDR eine höchsterfolgreiche Sängerin mit zahlreichen Plattenaufnahmen und Fernsehsendungen.
Hits waren beispielsweise "Ein kleiner Teufel steckt in dir" (BRD, 1970), "Rauchen im Wald ist verboten" (DDR, 1969) oder "Der Mann mit dem Panamahut" (DDR, 1973). Es gibt auch ein recht bekanntes Duett mit ihr und Lee "Summer Wine" Hazlewood.

Nina Lizell startete mit dieser Coverversion ein kleines Comeback, sie war zwar nie ganz weg, aber trotzdem war es für die Sängerin, die kurz zuvor ein Kind bekommen hat, eine gute Möglichkeit - idealerweise - wieder einen Hit zu landen.

Es brachte ihr zumindest einen Auftritt in der legendären Samstagabendmusiksendung, der ZDF-Hitparade, ein. Doch sie konnte sich damit leider nicht unter den besten vier platzieren. 

Eins, zwei, drei
Woran denkst du dabei?
Fällt es dir wieder ein
Unser Spiel, das wir als Kinder spielten

Eins, zwei, drei
Wie ein Vogel so frei
Will ich leben mit dir
Wir spielen

Eene, Eene, Meene, Muh
Eene, Meene, raus bist du
Damals dachten wir noch nicht daran
Das mit diesem Spiel das Glück begann

Eene, Eene, Meene, Muh
Heute sag ich "I love you"
Dieses Spiel soll nie zu Ende geh'n
Denn mit dir ist Liebe erst schön

Eins, zwei, drei
Jeder Tag geht vorbei
Doch die Stunden mit dir
Sind für mich mehr als nur Erinnerungen

Eins, zwei, drei
Wie ein Vogel so frei
Will ich leben mit dir
Wir spielen


Refrain ...


Auch heute spare ich es mir näher auf den wirklich sehr beliebigen Text einzugehen. Man muss wirklich eine gute und professionelle Sängerin sein, um auch so ein seichtes Schlagerchen adäquat zu präsentieren. Im Fernsehen legt sich Nina, inzwischen 32 Jahre alt, in dem pinken Fransenkleid immerhin voll ins Zeug und mit dem schwedischen Akzent klingt es gleich noch süßer - dachten sich damals sicher auch so manche Zuseher (vor allem der bei Minute 1:35 ist von Nina mehr als nur entzückt!). 




Eene-Eene-Meene-Muh eignet sich übrigens auch großartig als Abzählreim für unliebsame Hausarbeiten (z. B. muss die auserwählte Person den Müll runter bringen oder den Geschirrspüler ausräumen). Lebt man allein, ... tja ... dann ist man in dieser Hinsicht eigentlich immer der Verlierer ;) muss aber zumindest keinen fremden Dreck wegräumen!

Ich gebe fünf von fünf Zahlen, damit Nina beweisen kann, dass sie deutlich weiter als nur bis drei zählen kann!

Schönes Wochenende ... eene ... eene ... meene ... super, jetzt hab ich einen Ohrwurm :/