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Dienstag, 28. Juli 2020

# 116 - "Ab und los" - Markus (1983)

Die NDW (= Neue Deutsche Welle) hat definitiv einige interessante Künstler hervorgebracht. Bekannteste Gesichter waren zweifellos Nena, Trio, DÖF und Ideal. Dennoch bewies gerade diese musikalische Bewegung, dass Charakter, Message und Performance in vielerlei Hinsicht mindestens genauso wichtig sind, wie musikalisches Können (wenn nicht sogar teilweise sogar am wichtigsten). Einige haben sich wacker gehalten, manche sind ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwunden.



MARKUS
A: Ab und los (M: Axel Klopprogge & Ken Taylor / T: Axel Kloprogge & Markus Mörl)
B: Knallhart im Schlaraffenland (M: Axel Klopprogge & Lothar Krell / T: Axel Klopprogge)

1983, CBS, A 3674
produziert von Axel Klopprogge



Axel Klopprogge (* 1956) schrieb neben Markus' Erfolgstiteln u. a. "Jet Set Ficker" (Straßenjungs, 1981), "Highdelbeeren" (Wilfried, 1981) und "Opportunity" (Toyko, 1985).

Markus wurde 1959 als Markus Mörl geboren, er startete seine musikalische Laufbahn als Gitarrist der Band "Nylon Euter", die 1982 ein Album inklusive einer Single-Auskoppelung auf den Markt brachten. Im gleichen Jahr begann seine Solokarriere mit dem Album "Kugelblitze und Raketen" (#26). Die ausgekoppelte Single "Ich will Spaß" hielt sich 24 Wochen in den Charts und landete sogar auf #1. Weitere Titel von ihm waren "Schön sind wir sowieso" (#39) und "Kling, Klang, Schicksalsmelodie". Zu einem größeren Erfolg wurde "Kleine Taschenlampe brenn'" (#5), aus dem Kinofilm "Gib Gas - Ich will Spaß", in dem Markus die Hauptrolle spielte. Im Film sang er es gemeinsam mit Nena, im Studio und bei Live-Auftritten stammt der weibliche Part von Andrea-Maria Schneider (ehemaliges Mitglied der "Cinderellas").
Als die Neue Deutsche Welle abebbte, gründete er 1985 die Band T.X.T. Ihr Song "Girl's got a brand new Toy" landete auf #4 der italienischen Charts. Seine letzte Chartnotierung in den deutschen Charts war 1992 mit "1000 Kerzen werden brennen" (#79).

In den letzten Jahren fiel Markus eher als Teilnehmer von Reality-TV-Formaten in Erscheinung, z. B. 2004 in der "Comebackshow" (Prosieben), 2017 in "Das Sommerhaus der Stars - Kampf der Promipaare" (RTL) und durch die Live-Übertragung seiner Hochzeit am 11. Juli 2020 auf RTL II.

Mit "Ab und los" zeigt Markus auf jeden Fall ... ja ... ähm ... was eigentlich?


Vollmond über New York, Vollmond tief in mir
Die Venus trifft Aquarius und ich treff' mich mit dir
Ich renn' in mein Zimmer, die Wände auf und ab
Mein Whiskeyglas schon lange leer, mein Fuß macht tap, tap, tap

Wo bleib'n nur die Babys?
Wo sind meine Friends?
Da donnert's endlich vor der Tür
Da tönt es im Quartett

Und die Kumpels rufen
Ab, ab, ab und los
Komm raus, komm raus, komm raus
Ab, ab, ab und los
Komm raus, komm raus, komm raus

Trommeln aus der U-Bahn, der Master gibt Signal
Dein babyblauer Caddy stoppt erstmal am Kanal
Und aus allen Ecken klettern groovy Freaks
Die Hände klatschen laut im Beat, die Haare fliegen mit

Rhythmus aus der Müllbox
Party in der Bronx
Du beißt mir in mein weißes Ohr
Ich bin heut' Nacht dein Hans

Refrain
Hallelujah

Voodoo bei McDonalds, ich tanz' mit Tablett
Der Soul ist gut, die Stadt dreht durch, wir sind echt gut drauf
Unter deinen Stöckeln kocht schon der Asphalt
Die Bassdrum nimmt uns beide mit
Und du sagst niemals "Halt"





Uff ... ich weiß nicht, welche Substanzen damals im Spiel waren, als dieser Titel entstand, aber Markus und New York haben weder heute noch damals viel gemeinsam. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass Markus sehr viele Talente hat - aber musikalisch ist da doch einiges im Argen. Vor allem wenn man sich Live-Auftritte von ihm aus dieser Zeit anhört.
Faszinierend was alles so bei Vollmond in New York passiert. Wie allerdings "Vollmond tief in mir" aussieht, weiß ich nicht: Weißes Leuchten in der Birne? Keine Ahnung. So ganz kann ich seinen Ausführungen aber nicht folgen. Ich dachte, er fiebert einem Treffen mit seiner heißen Biene entgegen und freut sich dann aber, als seine Kumpels zu einer kleinen Sauftour vorbeikommen und sie gemeinsam die Stadt unsicher machen?

"Trommeln aus der U-Bahn, der Master gibt Signal
Dein babyblauer Caddy stoppt erstmal am Kanal
Und aus allen Ecken klettern groovy Freaks
Die Hände klatschen laut im Beat, die Haare fliegen mit"

Das klingt wie ein schlechter Entwurf für ein Michael-Jackson-Musikvideo, der sehr schnell wieder verworfen wurde. Wenn ich mir dieses Szenario - zugegebenermaßen - tatsächlich ganz gut vorstellen kann. Allerdings eher in Castrop-Rauxel, als in der US-Metropole.
"Rhythmus aus der Müllbox", ja bei so einer heißen Partyeinladung (in die Bronx!!!) kann wirklich keiner widerstehen. Noch dazu, wenn sich Markus für sie extra noch zum "Hans" macht - allerdings nur für "heut' Nacht". Am Morgen nach dem ONS bleibt wohl nur der Abdruck seines Körpers im Bettlaken neben ihr zurück und sie wird sich ihr Leben lang fragen, was wohl aus "Hans" geworden ist. Sollten die beiden nicht aufgepasst haben, ist es auch eine schöne Story für das bald darauf geborene Baby. Fast wie im schlechten Film.

Okay. Im letzten Refrainteil steige ich wirklich aus - "Das halt' ich im Kopf nicht aus", würde mir wohl Maggie Mae zurufen. "Voodoo bei McDonalds". Bei solchen Praktiken fehlen mir wirklich die Worte. Aber gut, nachdem eh die ganze Stadt durchdreht und unter den Schuhsohlen bereits der Asphalt kocht, klingt das für mich eindeutig nach Apokalypse und dem Ende der Welt. Dann macht alles Sinn. Allerdings würde ich persönlich es begrüßen, wenn irgendjemand rechtzeitig noch "Halt" sagen würde.

Bonuspunkte erwirkt sich Markus, der seinen Körper ordentlich gestählt hat. Möglicherweise um die Hupfdohlen, die ihm bei diesem Auftritt zur Seite gestellt wurden, zu becircen. 
Bei seinem Auftritt (0:07) erweckt es fast den Eindruck, als wäre er noch gar nicht bereit für die Performance gewesen. Er sieht so aus, als wäre er gerade von der Couch aufgestanden, um den Chips- und Biervorrat für den bevorstehenden Fernsehabend aufzufüllen. Aber halt, die Rechnung nicht mit Markus gemacht! Denn in Sekundenschnelle holt er zu einem Rundumschlag aus und wechselt in den Party-Mode (0:10). Bei diesen Moves kann selbst Aerobic-Ikone Sydne Rome einpacken!

Viel Spaß beim Nachturnen!

P.s.: Die B-Seite "Knallhart im Schlaraffenland" ist - auch wenn es so vielversprechend klingt - leider nicht der Soundtrack zu einem heißen Pornostreifen Güteklasse A.

Donnerstag, 9. Juli 2020

# 109 - "Daddy's Dattelmonopol" - Sina (1983)

Und hier kommt ein weiterer zweifelhafter "Hit" aus dem Bereich minderjähriger Jugendsünden!



SINA
A: Robin Hood (M & T: Volker Burkhardt, Andreas Simon & Bernd Simon)
B: Daddy's Dattemonopol (M & T: Andreas & Bernd Simon)

1983, Jupiter Records
produziert von Andreas & Bernd Simon


Der 1943 geborene Volker Burkhardt, der an der A-Seite mitarbeitete, war übrigens in den 70er-Jahren unter dem Künstlernamen "Mark Ellis" als Schlagersänger tätig, ehe er sich (wieder) intensiver mit der Juristerei auseinandersetze.
Die Brüder Andreas (* 1945) und Bernd Simon (1946-2017) verbindet eine tiefe musikalische Prägung. Ihr Vater Hans-Arno Simon (1920-1989) feierte vor allem in den 50er-Jahren große Erfolge (u. a. mit "Anneliese"). Auch ihre Schwestern Angelika (alias "Pat", * 1949) und Bettina (* 1951) waren in den 60er- und 70er-Jahren im Musikbusiness tätig.
Bernd Simon produzierte auch deutsche Aufnahmen mit Agnetha Faltskög (vor ihrer ABBA-Weltkarriere) und Danyel Gérard. In den 70er-Jahren auch unter dem Pseudonym "Simon Butterfly" tätig und landete 1973 mit "Rain, Rain, Rain" eine Chart-Notierung (#20). Bekannter wurde seine Stimme aber ab 1991 (bis zu seinem Tod) als Synchronsprecher von Barkeeper Moe Szyslak bei den "Simpsons".

Sina Selensky wurde in Hamburg geboren und begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Kunstturnen. Als 6-Jährige wurde sie Schülerin der John-Neumeier-Ballettschule der Hamburger Staatsoper. 1983 erhält sie einen Schallplattenvertrag bei Jupiter Records, der Plattenfirma von Ralph Siegel, und "Daddy's Dattelmonopol" wird für den deutschen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision vorgeschlagen, erreicht aber nicht das Finale. In weiterer Folge tritt sie als Schauspielerin auf (z. B. in "Ehen vor Gericht"), wird Frank Zanders Co-Moderatorin in der ARD-Sendung "Spielbude" und veröffentlicht noch weitere Schallplatten, u. a. "Dort am Nil", "Mein Pudel ist verrückt nach Rock'n'Roll", "Wie ein Blitz" oder "Immer nur du".
Ab 1993 war sie als Schauspielerin und Musicaldarstellerin, seit 1998 vordergründig als Autorin, Regisseurin und Produzenten von Tourneetheaterproduktionen tätig. Seit einigen Jahren tritt sie als Inhaberin bzw. Geschäftsführerin von Showproduktionen in Erscheinung.

Nun zum Song:

Daddy ist nicht oft zu Haus
Denn die Pflicht ruft ihn hinaus
Wo die Südseeinseln liegen


Aber neulich ließ er mich

Auf die Reise geh'n mit sich
Und nach Tiritonga fliegen

Und als wir am Ziel eintrafen
Stürzten sich auf mich und ihn die Fotografen

Denn mein Daddy hat das Dattelmonopol
Dattelmonopol auf Tiritonga
Darum fühlt er sich im Dattelwald so wohl
Beim süßen Didel-Dudel-Dattel-Wein

Ja, mein Daddy hat das Dattelmonopol
Dattelmonopol auf Tiritonga
Darum fühlt er sich im Dattelwald so wohl
Und schläft oft unter Dattelpalmen ein

Meine Freundin Susi schwört
Dass sie keinen so verehrt
Wie den Rolling Stone Mick Jagger

Einen tollen Supermann

Betet die Sabine an
Ihren Arnold Schwarzenegger

Doch wenn sie mich nach meinem Liebling fragen
Kann ich immer wieder nur das eine sagen

Refrain


Auch schöne Blumen liebt mein Daddy sehr
Aber Datteln mag er tausendmal noch mehr

Refrain



Puh ... ich hab echt schon einiges gehört, aber dieser Song, den ich von der Komposition irgendwo zwischen "Oben ohne" von Rainhard Fendrich und "Alle Vöglein sind schon da" einordnen würde, macht selbst mich sprachlos. Wie jemand ernsthaft auf die Idee kommen könnte, dass man mit diesem Song auch nur ansatzweise Chancen beim Eurovision Song Contest haben könnte, erschließt sich mir wirklich in keiner Weise. Mary Roos hat dann mit "Aufrecht geh'n" eine deutlich bessere Figur gemacht.
Problem Nr. 1 wäre ja schon, dass Tiritonga (gibt es diesen Ort überhaupt????) nicht zu Europa gehört und daher leider nicht stimmberechtigt wäre. Zudem verfügen die meisten Dattelbauern in der Südsee vermutlich nicht über empfangsbereite Geräte.
In diesem Fall wäre es vermutlich sinnvoller gewesen, die Pippi-Langstrumpf-Singers feat. Annika und Tommy mit einer Laudatio auf "Tacka-Tucka-Land" (das liegt vermutlich direkt hinter Tiritonga) an den Start zu schicken. Nett ist aber, dass immerhin Mick Jagger und Arnold Schwarzenegger erwähnt werden, wenn sie auch nicht mit dem mondänen Leben von Sinas Vater mithalten können. "Daddy's Dattelmonopol" ist übrigens eine äußerst formschöne Alliteration - und damit leider der einzige Teil dieses Songs, der mein Germanistenherz zum Höherschlagen bringt. Didel-Dudel-Dattel-Dilemma!

Dienstag, 23. Juni 2020

# 97 - "Hey Hey Marlene" - High Life (1984)

Kaum zu glauben, aber es sieht tatsächlich so aus, als würde jetzt doch noch so etwas wie SOMMER geben! Um nicht der spontanen Gefahr eines Sonnenbrands zu erliegen, habe ich heute einen produktiven Tipp für euch parat!



HIGH LIFE
A: Hey Hey Marlene (M & T: Winnie Martin)
B: Kerniger Typ (M & T: Bernd Boy & Winnie Martin)

1984, Jupiter, 6.14 134
produziert von Ralph Siegel

Die Gruppe wurde Mitte der 70er-Jahre als "High Life Skiffle Group" in Hannover gegründet. 1982 wurde die Hannover Gruppe von Ralph Siegel unter Vertrag genommen und hatten Erfolg mit Titeln wie "Ich fahr' mit der Lambretta", "Jetzt bügeln wir das Meer", "Ding Dong" oder "Sarah in der Sahara" oder "Ab ab ab in den Sonnenschein".
Sie hatten mehr als 50 TV-Auftritte und belegten mit "Hey Hey Marlene" im September 1984 Platz 3 der ZDF-Hitparade.
Bis 1990 hatte die Gruppe um Leadsänger Winnie Martin (* 1953) rund 100 Live-Auftritte pro Jahr in Deutschland. Es folgten weitere CD-Veröffentlichungen. Die Gruppe startete ab 2006 ein Comeback und brachte seither einige CDs auf den Markt.

Die Band bestand aus Bernd Boy, Torsten Lüderwaldt, Winnie Martin, Mike O'Neill und Andreas Oyen. Bei "Hey Hey Marlene" war auch Sandra Dieckmann, Miss Germany 1984, mit von der Partie.

Hier nun der heutige Song des Tages:

Ich lieg' am Strand, die Sonne über mir
Neben mir liegst du und ich schwitze wie ein Tier
Playboys laufen rum, es ist so schrecklich heiß
Mein Deo hat versagt, bei mir läuft nur der Schweiß

Oh, ich will hier weg
Nur weg von diesem Fleck

Hey Hey Marlene
Reich' mir mal die Creme
Ich bin schon ganz rot
Und in zwei Stunden bin ich gar

Hey Hey Marlene
Reich' mir mal die Creme
Ich bin schon ganz rot
Und in zwei Stunden bin ich ganz und gar

Verbrannt
Im Sand
Am Strand

Ich träum' vom Nordpol, ich wünschte es wär' kalt
Doch ich muss hier braten wie'n Hahn vom Wienerwald
Ich gäb' sogar mein Auto für 'nen riesen Sonnenschirm
Die Sonne knallt erbarmungslos runter auf mein Hirn

Refrain


Und hier nun dieses großartige Machwerk inklusive Video, das in jeglicher Hinsicht ABER SOWAS VON die 80er widerspiegelt! Frisuren und Outfits - ein Traum!



Gut, dass der Winnie für sein Strandhappening (schade, dass uns die Schilderung der - sicher - farbenprächtigen Bademode verwehrt bleibt!) nicht nur entsprechendes Sammelsurium in Form von Strandequipment eingepackt hat, sondern auch an das "passende Beiwerk" gedacht hat. Marlene, die ganz sicher auch großartige innere Werte hat, wird allerdings lediglich diestbotenhaft als Sonnencremespenderin "benutzt". Marlene wär wohl zu raten, sich nach den herumlaufenden Playboys umzusehen, anstatt ihren verschwitzten Begleiter das Deodorant ... äh ... die Treue zu halten. Sonst ist nämlich ihre Beziehung bald nicht mehr "im Sand", sondern "am Sond" - wie der Österreicher so schön sagt ;)

Der Reim "Marlene - Creme" tut schon ziemlich weh (nicht nur Germanisten),  da müsste es schon eher "Liebe Okka, gib mal den Sunblocker" oder "Jan, wo ist denn unser After Sun?". "Das Deospray braucht aber vorher noch René". Man muss sich nur ausreden können ;)

Genießt die Sonne und bis morgen!

Sonntag, 21. Juni 2020

# 94 - "Laylalou" - Uschi Glas (1970)

So viel "Männlichkeit" braucht nun wieder einen sanften Gegenpart. Und etwas Sanfteres als das gibt es kaum ...

NACHTRAG FÜR SAMSTAG





USCHI GLAS
A: Wenn dein Herz brennt [Love grows - Edison Lighthouse] (M: Tony Macauly & Barry Mason / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)
B: Laylalou (M: Giorgio Moroder / T: Michael Kunze)

1970, Ariola, 14 546 AT
produziert von Giorgio Moroder


Da Textautor Michael Kunze bereits öfters hier vertreten war, kann ich mich heute ganz entspannt auf die liebe Uschi konzentrieren.

Uschi Glas wurde 1944 als Helga Ursula Glas in Landau an der Isar geboren. Nach der mittleren Reife arbeitete sie als Buchhalterin, ehe sie ab 1964 in München als Sekretärin einer Anwaltskanzlei und in einem Fuhrunternehmen.
Beim Empfang zur Premiere eines Filmes machte sie gegenüber dem Produzenten kritische Bemerkungen. Dieser zeigte Interesse an ihr und engagierte sie in einer kleinen Rolle für den Film "Der unheimliche Mönch" (1965). Sie überzeugte, nahm daraufhin Schauspielunterricht und erhielt bald größere Rollen, wie 1966 in der Karl-May-Verfilmung "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" - in diesem Film wurde sie allerdings synchronisiert. Allgemeine Bekanntheit erlangte sie Ende der 60er-Jahre durch die Filme "Zur Sache, Schätzchen" und der "Penne"-Filmreihe "Die Lümmel von der ersten Bank". 1969 gab sie ihr Theaterdebüt in Düsseldorf. Zeitgleich versuchte sie sich auch als Schlagersängerin und veröffentlichte bis 1974 acht Singles. Mit dem Album "Uschi Glas singt die schönsten Weihnachtslieder" erreichte sie im Dezember 2002 #45 der deutschen Charts.
Ab Mitte der 70er-Jahre war sie auch vermehrt in TV-Serien wie z. B. "Derrick", "Das Traumschiff", "Zwei Münchner in Hamburg", "Ein Schloss am Wörthersee", "Sylvia - Eine Klasse für sich" oder "Zwei am großen See" zu sehen. Größere Beachtung erhielt sie auch durch ihre Rolle in den drei Teilen von "Fack ju Göhte". Uschi Glas steht bis heute regelmäßig vor der Kamera.

Anfang der 2000er-Jahre geriet Uschi Glas aufgrund einer von ihr, über einen Homeshopping-Sender, vermarkteten Kosmetikserie in die Schlagzeilen, da die Produkte zu Hautreizungen führten und Stiftung Warentest von einer Anwendung abriet.

Aber Uschi genügte es nicht, bloß lasziv in die Kamera zu blicken, nein, sie sang auch mit voller Inbrunst ... oder so.

In der kleinen Discothek
Hab' ich mich in dich verliebt
Bei dem ersten Tanz mit dir
Spielten sie mein Lieblingslied
Das ging


Laylalou
Baby Blue
Laylalou
I love you

Dann traf ich dich jeden Tag
Und mein schönster Traum begann
Immer wenn du bei mir warst
Hörten wir die Platte an

Refrain

Immer wenn ich dich nicht seh'
Schreib' ich einem Discjockey
Und im Rundfunk hörst du dann
Was ich dir nicht sagen kann

Refrain

Gibt es zwischen uns mal Streit
Dauert es bestimmt nicht lang
Denn ich weiß ja ganz genau
Was uns gleich versöhnen kann

Wiederholung

Refrain




Das war sie: Uschis Ode an den Rundfunkbeitrag. Die GIS/GEZ würde sich freuen, wenn ihnen heute jemand noch ein Ständchen spielen würde.
Ein Sonderpluspunkt für Texautor Kunze für den Reim "dich nicht seh - Discjockey". Das ist definitiv nobelpreisverdächtig (oder so).
So kann es einem gehen als armes junges Mädchen. Da geht man nichts Böses ahnend in die nächste Dorfdisco und begegnet dort ausgerecht seiner großen Liebe und dann läuft dabei auch noch so ein geiler Schmusesong. Wenn diese Liebe nicht unter einem guten Stern steht, dann weiß ich auch nicht weiter. Der Refrain erfüllt zumindest den Zweck, dass er auch mit 17 Promille noch fehlerfrei mitgelallt werden kann.
Die Radiostationen sind allerdings nicht zu beneiden. Jetzt trifft sich Uschi zwar tagtäglich mit Mr. Right, aber das ist Fräulein Nimmersatt augenscheinlich nicht genug. In den wenigen Pausen, die er nicht bei ihr sein kann, vermutlich um einer Arbeit nachzugehen oder seine Notdurft zu verrichten (ich hoffe nicht, im örtlichen Gerichtssaal! - wir erinnern uns), plagen sie solche Liebeskummerleiden, dass sämtliche Plattenaufleger bis zum Abwinken dieses Lied für sie spielen sollen. Ich könnte wirklich gut nachvollziehen, wenn der arme Tropf eines Tages vom Zigarettenholen nicht mehr zurückkehren würde und in ein fernes Land auswandert, wo dieser Song oder noch besser - Musik im Allgemeinen - vollkommen unbekannt sind.

Montag, 8. Juni 2020

# 82 - "Alle Birken grünen in Moor und Heid" - Die Albrecht Familie (1978)

Auf den ersten Blick wirkt meine heutige Ausgrabung wie eine handelsübliche, traditions-bewusste, musikalische Familie a la Trapp oder Kelly - aber diese hat es (politisch) in sich. Aber sicher nicht so, wie ihr jetzt glaubt ...



DIE ALBRECHT FAMILIE
A: Wohlauf in Gottes Welt (Volksweise)
B: Alle Birken grünen in Moor und Heid (M: Ernst Licht / T: Hermann Lörres)

1978, Ariola, 15 588 AT


Ernst Albrecht (1930-2014) war von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen. Gemeinsam mit Frau und Kindern nahm er zugunsten der Aktion "Familien in Not" diese Schallplatte auf.

Gemeinsam mit seiner Frau Heidi-Adele (1927-2002) hatte er sieben Kinder: Barthold (~ 1967), Benita-Eva (1960-1971), Donatus, Hans-Holger (* 1963), Harald, Lorenz (1956-2005) und Ursula (* 1958).


Letztere, die liebevoll "Röschen" genannt wurde, sorgte später für Furore. Nicht vordergründig, weil sie zunächst Archäologie und Volkswirtschaft und ab 1980 Medizin studierte und später sieben Kinder bekam, sondern durch ihre Hochzeit mit Heiko 1986. Seither heißt sie nämlich Ursula von der Leyen und ist die aktuelle Präsidentin der Europäischen Kommission. Davor war sie - für alle, denen es jetzt nicht mehr so geläufig ist - Bundesministerin für Familie (2005-2009), Bundesministerin für Arbeit und Soziales (2013-2019) und Bundesministerin für Verteidigung (2013-2019).


Ursula ist übrigens von Minute 1:50-2:01 solistisch zu hören.

Zur gemeinsamen Frohlockung der örtlichen Flora und Fauna bzw. der homo-sapienshaften Existenz auf dem Erdenrund gibt es zur Krönung auch die A-Seite!




Und ein nettes Video aus dem Jahr 1976 mit einem Live-Auftritt (leider ist der Ton stellenweise asynchron).




Wie ihr seht kann man auch trotz "schwieriger" Kindheit und Jugend doch noch einiges im Leben erreichen ;)

Sonntag, 7. Juni 2020

# 81 - "Mama, ich muss Pipi" - Su Kramer & Sascha (1979)

So ... jetzt habe ich ENDLICH wieder aufgeholt und bin wieder "in time". Da heute Sonntag ist, muss das mit einem ganz besonderen "Machwerk" zelebriert werden, aber steht oder besser gesagt hört selbst:




SU KRAMER & SASCHA
A: Wir zwei sind frei (M: Su Kramer & Herbert Rehbein / T: Ernst Bader)
B: Mama, ich muss Pipi ([Mi scappa la Pipi - Pippo Franco ] (M: Pippo Franco / dt. T: Frank Dostal)

1979, Telefunken, 6.12503


Su Kramer wurde 1946 als Gudrun Kramer in Oldenburg geboren. Als Sängerin in Amateurbands sammelte die ausgebildete Erzieherin erste Erfahrungen. 
Aus 3.000 Bewerberinnen wurde sie für die Hauptrolle der Sheila in der deutschen Uraufführung des Musicals "Hair" gecasted. Innerhalb von 18 Monaten spielte sie diese Partie mehr als 500-mal. 
Eine Auskoppelung des Titels "Hare Krishna" - noch unter ihrem bürgerlichen Namen Gudrun Kramer - war ihre erste Single. 1970 veröffentlicht sie als Su Kramer "Eine Welt für uns beide". Ihr Debütalbum "Frei sein" 1971 wurde von 50 Musikjournalisten als "beste Produktion des Jahres" ausgezeichnet.
1971 wird sie mit dem Titel "Meine kleine Welt" beim Internationalen Songfestival im polnischen Zoppot Zweite. Im Jahr darauf bewarb sie sich mit "Glaub' an dich selbst" um eine Teilnahme am Grand Prix Eurovision, landete im Vorentscheid aber ebenfalls auf Platz zwei (Mary Roos vertrat schlussendlich Deutschland).
Ihren größten Charterfolg (#27) konnte sie 1974 mit dem Titel "Kinder der Liebe" verbuchen. "Hier ist das Leben" (sowie die englische Version "You've got the Power") wurde in 17 Ländern veröffentlicht und schaffte sogar #38 der Billboard-Disco-Charts.

"Sie ist die unkonventionellste der detuschen Schlagersängerinnen. Sie hat sich nicht imer nach dem gerichtet, was sie tun sollte, was man für sie vorgesehen hat. Das hat sie selbst entschieden. Und sie singt so ausdrucksvoll wie sonst selten eine deutsche Sängerin." (Ilja Richter)

Bis 1985 veröffentlichte sie noch regelmäßig Songs. Kramer hatte aber bereits in den 70er-Jahren begonnen, sich andere künstlerische Standbeine aufzubauen, so arbeitete sie als Verlegerin (1978 gründete sie den art-music Musikverlag) und Schauspielerin.
1979 stand sie beispielsweise als Spelunkenjenny in der "Dreigroschenoper" am Staatstheater Oldenburg auf der Bühne.

Sie ist nach wie vor musikalisch aktiv und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Songs (zuletzt 2018). Sie ist Mutter eines Sohnes (Alexander, * 1973) und lebt in Hamburg.


Su Kramer ist wirklich eine fantastische Sängerin, aber dieses Lied ist wirklich ... naja ... also selbst als Mutter ... schwierig. Der Text stammt übrigens wiedermal - wie so viele sonderbare skurrile Titel - von Frank Dostal.

Ja wir geh'n so gern ins Kino
Nur mein kleiner Sohn und ich
Cowboys kämpfen mit Indianern
Um Gold in der heißen Prärie
Doch wenn's grade richtig los geht
Kneift mich jemand in mein Knie

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Böse Geister raus aus mir
Oh es ist schon da

Manchmal geh'n wir auch zum Fußball
Jubeln laut bei jedem Schuss
Uns're Mannschaft muss gewinnen
Eine Minute vor Schluss
Beim entscheidenden Elfmeter
Sagt er mir, dass er mal muss

Refrain

Endlich ist mal wieder Jahrmarkt
Riesenradfahr'n, das ist schön
Langsam schweben wir nach oben
Uns're Gondel, die bleibt steh'n
Wunderschönes Panorama
Doch was muss ich da seh'n?

Refrain

Refrain

Nein, nicht schon wieder!

Mama, ich muss Pipi
Mama




So ... und jetzt einmal tiefdurchatmen. Su, Ex-Hippie und starke seriöse Sängerin, die zuvor so gut wie keine banalen Schlager im Repertoire hatte, liefert hier Trash erster Güte. Ich frage mich wirklich, wie das passieren konnte ...
Nun ja, jeder hat so seine Jugendsünden, aber dieser Song ist schon wirklich schwer zu verdauen (im wahrsten Sinn des Wortes). Armer Sascha, der war ja gerade erst sechs Jahre alt und konnte sich wohl am wenigsten dagegen wehren. Glücklicherweise haben sich Interkontinenz-Song bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Es hätte aber auch schlimmer kommen können ... soweit ich weiß, haben Su und ihr Sohn diesen Song zumindest nicht im Fernsehen gesungen. Da sieht es mit dem Originalsänger Pippo Franco schon anders aus ... der schleppte mehr als ein Dutzend unschuldiger Kinder mit ins Fernsehen und ließ sie begeistert verkünden, dass sie gern pinkeln möchten! ;)




Vielleicht hilft es euch dabei, dass manche der eigenen Jugendsünden in der Retrospektive doch nicht so schlimm ist (verglichen zu dieser!) und das auch die eigenen Eltern manchmal doch nicht so peinlich waren ... Habt einen schönen Sonntag! :)

# 79 - "Hey, Mr. Möbelmann" - David Garrick (1967)

Der folgende Titel ist all jenen gewidmet, die sich in Corona-Zeiten mit Umzugsthematiken auseinandersetzen mussten.




NACHTRAG FÜR FREITAG

DAVID GARRICK
A: Hey, Mr. Möbelmann [Please, Mr. Moving Man] (M: Phil Barr & Billy Meshel / dt. T: Carl-Heinz Blecher)
B: Zeig' den ander'n nicht dein Herz [A broken Heart] (M: Alan Tew / dt. T: Tobby Lüth)

1967, PYE Records, HT 300098 


David Garrick wurde 1945 als Philipp Darrell Core in Liverpool geboren. Nachdem seine Stimme bereits im Kirchenchor seiner Heimatgemeinde positiv auffiel, besuchte er nach Abschluss seiner Schulzeit das Konservatorium, um sich als Opernsänger ausbilden zu lassen. Seine Karriere als Popsänger begann eigentlich durch eine Wette mit Freunden in einem Club in London. Nachdem seine Karriere Anfang der 70er-Jahre stagnierte, verbrachte er einige Jahre in Südafrika und Ägypten. In den 90er-Jahren versuchte er ein Comeback. Er starb 2013.

Seine erfolgreichsten Titel waren "Lady Jane" (1966, #28 UK), "Dear Mrs. Applebee" (1967, #1 DE, #3 AUT, #22 UK), "Please Mr. Movingman" (1967, #25 DE) und "Don't go out into the Rain" (1968, #26 DE). Er veröffentlichte drei Singles in deutscher Sprache.

Sein Künstlername ist eine Hommage an den bedeutendsten britischen Schauspieler des 18. Jahrhunderts.


Nun aber zum Song:

Hey, Mr. Möbelmann
Lass die Möbel nebenan
Und lass mein Baby hier bei mir
Hilfe, Hilfe

Das darf doch nie gescheh'n
Dass uns're Nachbarn geh'n
Und ich kann mein Girl nicht mehr seh'n
Hilfe, Hilfe

Sieh das Herz am Haustor
Wo sie schwor, das sie geht, kommt nie vor
Unser ganzes Glück, oh nein
Pack' es nicht in Kisten ein
Lass hier all das Gepäck
Und fahr' einfach weg

Refrain






"Hilfe Hilfe" kann man nur laut bei Davids Aussprache rufen. Aber man darf es ihm nicht übel nehmen. Der junge Mann kam aus England und hatte sicher kaum Zeit, deutsch zu lernen. Vermutlich hat er den Song nur weitestgehend phonetisch gelernt. Aber nachdem seine Holde jetzt scheinbar doch Reißaus genommen hat und einem anderen "ihrä groasä Lieubä schewoa" wäre er besser beraten, seine Deutschkenntnisse aufzumöbeln (ha, Mega-Wortspiel :P!) als die Arbeit des armen Umzugsunternehmers zu behindern.

Sonntag, 31. Mai 2020

# 74 - "Froschkonzert" - Anita Bergreen (1969)

Nachdem ich mich jetzt andernorts sehr intensiv mit Aromapflege und Schlafstörungen bei demenzkranken Personen beschäftigt habe, brauche ich ganz dringend die größtmögliche Ablenkung. Das heißt, idealerweise etwas, womit man sich berieseln lassen kann ohne auch nur ansatzweise sein eigenes Gehirn anwerfen zu müssen. Et voilá!




ANITA BERGGREEN
A: Froschkonzert (M & T: Hans-Georg Moslener & Wolf Petersen)
B: Okay (M & T: Martin Binder & Hans-Georg Moslener)

1969, Metronome, M 25 134


Aufgrund fortschreitender Müdigkeit halte ich mich heute mit biographischen Fakten recht kurz. Praktischerweise gibt es aber auch nicht besonders viel zu berichten ...

Anita (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen blonden Sängerin, die mit Roy Black auftrat) wurde 1946 in Schweden geboren. Zwischen 1965 und 1969 nahm sie mehrere Singles (in englischer und schwedischer Sprache) in ihrer schwedischen Heimat auf. Die vorliegende Single ist die einzige in deutscher Sprache. Danach verlieren sich ihre Spuren im Sand, ehe sie Mitte der 80er-Jahre als Sängerin der "Skyliners" an Aufnahmen mit der Leif Kronlunds Storband mitwirkte.

Froschkonzert
Quak-Quak-Quak
Blablabla, didlidi
Diese Melodie

Kenn ich schon
Jeder Ton, Herr Baron
Ist nur ein Froschkonzert

Hin und her
Kreuz und quer
Ist ein Bla-Bla-Froschkonzert

Heute Party mit Bob
Morgen irgendein Job
Und später mal ins Parlament

Jeden Abend 'ne Show
Alle machen es so
Weil man es nicht mehr anders kennt

Refrain

Ich bin dein, du bis tmein
Ach ich liebe dich so
Ich bin für dich der richt'ge Mann

Heute ja, morgen nein
Keiner weiß mehr wieso
Weil man es nicht behalten kann








Meine Kritik fällt heute ziemlich kurz aus: Wenn mir irgendjemand erklären kann, was sich die Textautoren dieses Songs gedacht haben, freue ich mich über entsprechende Hinweise - Anonymität kann garantiert werden ;)

Immerhin hatten sie zwischen "Quak-Quak-Quak" und "Blablabla" noch Zeit, ein paar wenige Textfetzen zu streuen.


Mir gefällt ja besonders diese Passage:

"Heute Party mit Bob
Morgen irgendein Job
Und später mal ins Parlament"



Ob sich das unser Bubikanzler bei Anita abgeschaut hat? Man weiß es nicht ...



Sollte jemand von euch mit dieser Darbietung nicht zufrieden sein und noch ein bisschen Kapazitäten für intellektuelle Thematik zu diesem Thema haben, dann empfehle ich das nachfolgende Kurzvideo, das den Text "Froschkönig" des in Wien lebenden Autors Thomas Perle enthält. Wär aber auch ein bisserl was zum Nachdenken ... as you like, Quak! ;)




Samstag, 30. Mai 2020

# 73 - "Papa, schenk' mir einen Teddybär" - Die Schlümpfe (1975)

Es gibt so ein paar Momente im Leben, da bin ich wirklich sprachlos. Und einer dieser Momente ist bei der Erstellung dieses Eintrages gerade eingetreten:


DIE SCHLÜMPFE
A: Papa, schenk' mir einen Teddybär (M & T: Doris Kocks)
B: Der Kaiser Mitschliki (M: Kai Holland / T: Doris Kocks)

1975, Blackfield Tonstudio, 7515


Ich sage es gleich vorweg: Die beiden konnten an den großen Erfolg der "Original" Schlümpfe nicht anknüpfen. Das "Blackfield Tonstudio" konnte damals gemietet werden und dem männlichen Part des Duos zufolge wurden 5.000 Schallplatten gepresst, die im Rahmen von Liveauftritten verkauft wurden. Er meldete sich 2009 in einem Online-Forum, als jemand nähere Infos zu dieser Single suchte.
Damals gab er an als Entertainer mit 50er-Jahre-Schlagern (vor allem in Seniorenheimen) aufzutreten. 2013 brachte er die angeführte Single links auf den Markt. Zumindest frisurentechnisch hatte er sich definitiv verbessert!


Das Singlecover ist wirklich äußerst eigenwillig und hätte einen Top10-Platz im Rahmen der "skurrilsten Schallplattencover der Welt" verdient. Nach eigenen Angaben waren die babyblauen Häkelwestchen aber nicht selbst gestrickt, sondern nur selbst gekauft. Schade!

Nun aber zu diesem Song, den ich tatsächlich einfach unkommentiert stehen lasse:

Mein Kind bald ist es soweit, dein Geburtstag ist nah
Was ich diesmal dir schenk', ist mir noch nicht ganz klar
Ein Konstruktionsspiel vielleicht hast du an so etwas Spaß
Oder Handarbeitszeug, ach bitte sag mir doch was

Papa, schenk' mir einen Teddybär
Denn so ein Teddy wär' mein ganzes Glück
Papa, einen großen Teddybär
Den ich dann an mein kleines Herz mir drück'

Ich bitte dich
Denk' mal an mich
Und schenk mir einen großen Teddybär

Mein Kind, du wirst jetzt schon acht und ich glaube daher
Dass so ein Teddy für dich n
icht das Richtige wär'
So ein Spielzeug ist für kleine Kinderchen bloß
Doch Anita, du bist dafür viel zu groß

Refrain

Lass dich belehren mein Kind, heut' in unserer Zeit
Muss man sich üben schon früh, sonst kommt man nicht weit
Spielzeug ist dazu da, dass Interesse geweckt
Hab' als Kind viel gebaut, heut' bin ich Architekt

Refrain

Sag' mal, warum willst du denn unbedingt einen Teddybär?
- Ach Papa, du bist ja so oft weg
Und weil ich dich gar nicht mitnehmen kann, möchte ich gern einen Teddybär haben
Einen ganz großen Teddybär, so groß wie du bist

Ja, ich schenk' dir einen Teddybär
Denn so ein Teddy wär' mein ganzes Glück
Ja, so einen großen Teddybär
Den ich dann an mein kleines Herz mir drück'

Ach sicherlich
Denk' ich an dich
Und schenk' dir einen großen Teddy
Einen großen Teddy
Einen großen Teddybär




In zwei Wochen ist Vatertag. Vielleicht ist dieses Lied für euch eine Inspiration? Mir ist meine Lust auf Teddybären und blaue Häkelwesten allerdings gerade vergangen ;)

Sonntag, 24. Mai 2020

# 67 - "Meine kleine Balalaika" - Nicole (1974)

Nachdem so ein schöner Sonntag ist, möchte ich euch heute mit einem wunderbaren, schier niemals enden wollenden, Ohrwurm beglücken!




NICOLE
A: Saschka war ein Rabe (M & T: Fred Weyrich)
B: Meine kleine Balalaika (M: Gert Wilden / T: Fred Weyrich)

1974, Prom, 2429


Eins gleich vorweg: Hierbei handelt es sich nicht um eine Jugendsünde von Nicole "Ein bisschen Frieden" Seibert.

Folgendes schrieb die Plattenfirma über Nicole:

"Musik und Tiere liebt die 11jährige Nicole aus München am meisten. Sie spielt fünf Instrumente - 'am liebsten Klavier' - gleich danach aber kommen die Tiere. Dreimal in der Woche geht Nicole - Schülerin eines Neusprachlichen Gymnasiums mit den Lieblingsfächern Deutsch, Französisch und Mathematik - in den Zoo. 'Außerdem', so verrät sie, 'bin ich Mitglied im Tierschutzverein und im Förderkreis des Tierparks Hollabrunn.'
So versteht es sich eigentlich ganz von selbst, dass ihre erste Platte von Tieren handelt: Kindergeschichten von dem kleinen Raben, der ein großes Abenteuer wagt ('Saschka war ein Rabe') und von der Balalaika, die fast wie ein Mensch ist ('Meine kleine Balalaika').


Bei diesem Titel treffen wir wieder auf zwei Bekannte: Komponist Gert Wilden und Texter Fred Weyrich - beide haben uns in den letzten Tagen bereits mehrfach musikalisch beglückt.

Meine kleine Balalalalalalaika
Hat einen Hals und einen Bauch
Ein paar Wirbel und ein paar verschied'ne Saiten
Hat meine Balalaika auch

Meine kleine Balalalalalalaika
Ist ab und zu sogar verstimmt
Ganz besonders dann wenn man sie ein paar Tage
Nicht in den Arm zum Spielen nimmt

Wenn ich zärtlich daran zupfe
Macht sie leise Bing, Bing, Bang
Und so plaud're ich mit meiner Balalaika
Mit meiner kleinen Balalalalaika
Mit meiner kleinen Balalaika stundenlang

Mein Väterchen kam von der großen Reise aus Nowohrad nach Haus
Da packte er zur allergrößten Freude Geschenke für uns aus
Mamuschka bekam ein Kleid aus weißem Batist
Petruschka die Süßigkeit, die er so gerne isst
Und ich bekam das Schönste, ein Instrument aus Holz
Doch es ist fast so wie ein Mensch und ich bin darauf stolz

Refrain

Nur Beine hat sie nicht und das ist schön
Denn so kann sie niemals heimlich von mir geh'n

Refrain





Die "russische Welle" war damals bereits mehrfach zu Tode besungen, aber Produzent Weyrich gibt nicht auf und spielt einen großen Trumpf aus: eine Kinderstimme! Ha! Mit dieser müsste sich doch auch die Geschichte einer "vermenschlichten" Balalaika gut verkaufen lassen!
Da ist dem Herrn Weyrich ein Coup gelungen. Denn es gibt kaum ein Instrument, das man so schön "versingen" kann wie eine Balalalalalalalalalaika. Mit einer Gitarringedingedonge oder einem Cellodeodeodeodeheo wäre das deutlich schwieriger gewesen.

Nun. Ich zügle mich ein bisschen. Schließlich war ja die kleine Nicole damals noch ein Kind und hatte noch wenig Möglichkeiten, auf den Text Einfluss zu nehmen. Und solange sie dabei Spaß hatte, ist ja auch alles gut.
So ein Zwiegespräch mit einem Musikinstrument kann ja durchaus neue Erkenntnisse bringen. Mir fallen allein spontan zwei weitere Titel ein, die ich demnächst als Neuvorstellungen verwursten kann ;)

"Und ich bekam das Schönste, ein Instrument aus Holz
Doch es ist fast so wie ein Mensch und ich bin darauf stolz"

Das hat sich der alte Gepetto bei der "Erfindung" seines Pinocchios wohl auch gedacht? Wobei ich nicht hoffe, dass dieser auch als "Instrument" für verschiedene Gelegenheiten benutzt wurde ... öhem ...

"Nur Beine hat sie nicht und das ist schön
Denn so kann sie niemals heimlich von mir geh'n"

Das freut natürlich die kleine Nicole. Aber wenn die Balalalalalalalaika sprechen könnte, würde sie vielleicht nicht auch sagen wollen: "Du Nicole, weißte, es liegt echt nicht an dir. Wirklich. Und auch an deinem schönen Gesang gibt es nichts auszusetzen. Aber ich glaube, ich brauch ein bisschen Zeit für mich. Verstehst du? Ich hab mich die letzten Jahre immer so von dir zupfen lassen - und das war ja auch schön - aber ich möchte doch noch ein bisschen was von der Welt sehen. Wir können ja Freunde bleiben. Weißt du was, ich ruf dich einfach an, wenn ich wieder einmal Zeit habe. Tschööö"