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Freitag, 24. April 2020

# 37 - "Hatschi-Waldera" - Nina Hagen (1975)

Heute machen wir eine weite Reise, in ein Land vor unserer Zeit (nein, nicht Disney Land!). Ein Land, das heute nicht mehr existiert (nein, nicht Fantasialand) - wir gehen heute in die ehemalige Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR. Unglaublich, dass es diesen Staat knapp 30 Jahre gegeben hat. Ein gutes (und zweifelhaftes) Beispiel dafür, dass es keine installierte App am Smarpthone bedarf, um seine BewohnerInnen zu überwachen.




NINA HAGEN
A: Hatschi-Waldera (M: Ulrich Gumpert / T: Nina Hagen)
B: Wir tanzen Tango (M: Wolfgang Wallroth / T: Werner Mangalin) 

1975, AMIGA, 4 56 158

Brav und süß tönt die junge Catharina "Nina" Hagen damals bei ihrer dritten und vorletzten Single in der DDR. Ein Jahr zuvor gelang ihr mit ihrem Schallplattendebut "Du hast den Farbfilm vergessen" ein Riesenerfolg. 
Ihre Mutter, die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, lebte mit dem Dissient Wolf Biermann zusammen, weshalb auch Nina als "politisch unzuverlässig" galt, was ihr die Aufnahme an der Schauspielschule verwehrte.
Die 1955 geborene Hagen absolvierte eine einjährige Gesangsausbildung und durfte sich  fortan "staatlich geprüfte Schlagersängerin" nennen.
Nach ihrer 1976 erschienen Single "Ich bin da gar nicht pingelig" und "Honigmann" brachte sie eine Solidaritätsbekundung für den 1976 ausgebürgerten Sänger Wolf Biermann ins Abseits, weshalb sie die Chance nutzte und am 28. Dezember des gleichen Jahres offiziell "rübermachte", also in den Westen emigrierte.
Von da an ging es rasant weiter. Im Westen wurde sie schnell bekannt und veröffentlichte zahlreiche Songs. Sie wird heute gerne als "Godmother of Punk" bezeichnet und gilt als großer Einfluss auf die deutsche "New Wave"-Szene.

Nina Hagens "Schlager" waren ein Mittel zum Zweck. Die Lieder, die sie Ende der 70er-Jahre in Westdeutschland machte, wären in der DDR undenkbar gewesen. Hier musste die Systemkritik etwas harmloser und versteckter ablaufen. Schließlich mussten auch Schlagertexte vor Veröffentlichung von der Zensur geprüft werden.

Ich bin erkältet, ich habe einen Schnupfen
Und ich kann nicht im Sonnenschein rumhupfen
Ich steh' am Fenster und schau' in unser'n Garten
Hinaus, denn da stehst du und winkst mir zu

Hatschi-Waldera
Du bist so süß, hutziputzi
Hatschi-Waldera
Ich hab' dich lieb

Hatschi-Waldera
Und wenn ich wieder gesund bin
Dann küss' ich, dann küss' ich
Dann küss' ich eintausendmal

Du bringst mir Blumen und Ostereierdragees
Weil ich die am liebsten von unser'n Bonbons ess
Noch eine Woche, dann komm ich wieder raus
Und kann mit dir zusammen sein, so wie vorher

Refrain



Das Video zeigt Nina bei einem Auftritt in einer osteuropäischen TV-Sendung. Anmoderiert wird sie von Karel Gott. Kennt man Nina Hagens schrilles und extrovertiertes Auftreten, dann kann man kaum glauben, dass sie und diese 21jährige Frau mit Häkelponcho und bravem Bubikopf ein und dieselbe Person sind.

Ist das nicht herrlich? Eine derart verschnupfte Liebesbekundung? Ich meine gut, heute ist das nicht mehr möglich. Da würde ein Niesen ohne Handvorhalten oder ohne Schutzmaske wohl bereits als erschwerte Körperverletzung oder zumindest als Scheidungsgrund gelten.
Dieser Titel, der sich in Machart und Arrangement ein bisschen dem 30er-Jahre-Comedian-Harmonists-Stil annähert, hat auf jeden Fall sehr viel Charme und wird putzigst vorgetragen. Besonders schön finde ich ja die "Nies-Koloraturen" ab Minute 2:25.

Da kann ich nur sagen fünf Vorratspackungen Taschentücher mit Menthol gibts als Wertung von mir für diesen intensiven Liebessong!

Habt einen schönen Start ins Wochenende und denkt daran, immer wenn irgendwo ein Mensch niest, heißt es, dass jemand gerade verliebt an jemanden denkt ... oder Schnupfen hat ... oder Pollenallergie ... oder Hausstauballergie ... oder an zu viel Pfeffer geschnüffelt hat ... egal ... Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaatschi ... Gesundheit euch allen!

Donnerstag, 23. April 2020

# 36 - "I steh' nur auf Italiener" - Margit P. (1986)

Für die heutige Songvorstellung müssen wir nicht so weit reisen: es geht nach Bayern! Thema des heutigen Songs ist wieder einmal Liebe in einer besonderen Form.
(Ich habe übrigens schon lange kein Schallplattencover mehr so laut "Hey, schau mal, wir sind die 80er!!" schreien gesehen, wie dieses!)




MARGIT P.
A: I steh' nur auf Italiener (M: Lenz Hauser & Herbert Heudecker / T: Herbert Heudecker)
B: I mog di [Piove] (M: Domenico Carlucci / dt. T: Lenz Hauser & Siegfried Labenz) 

1986, Koch-Records, AS 145.267
produziert von Lenz Hauser

Margit P. wurde 1963 als Margit Petraschka geboren und lebte damals im niederbayerischen Eggenfelden. Bekannte Persönlichkeiten, die ebenfalls dorther kamen, sind die deutsche Kabarettistin Lisa Fitz und der seit 2018 verschollene Sänger Daniel Küblböck.
Bereits in der Schule war sie musikalisch aktiv, spielte Saxophon, sang in unterschiedlichen Formationen und hatte eigene Bands. Sie arbeitete damals als Friseurin. Margit brachte es immerhin auf eine Hand voll Schallplattenaufnahmen. Weitere Titel waren beispielsweise "Kinderaugen", "Bodybuilding", "Ui, i bin im Radio" und "September in Rimini".

Mit ihrer Eigenkomposition "Der Sonne entgegen" versuchte sie 1986 ihr Glück beim deutschen Vorentscheid für den Grand Prix d'Eurovision, landete damit aber nur auf Rang 9. Diesen Bewerb konnte Ingrid Peters mit "Über die Brücke geh'n" für sich entscheiden (beim ESC belegte sie Platz 8).

Das ganze lange Jahr hab' ich gespart für meinen Urlaub in Italia
Ich hab' dafür einen guten Grund, drum muss ich immer wieder hin
Es liegt nicht an der Sonne oder an dem weißen Strand der blauen Adria

Es ist was völlig anderes, das geht mir einfach nicht mehr aus dem Sinn

--> Gut, dass dieser Song aus dem Jahr '86 ist - damals, als man noch ohne Probleme nach Italien fahren konnte. Durch den Corona-Ausbruch wird der Traum von "Bella Italia" wohl noch für einige Zeit ad acta zu legen sein :/ Die gute Margit müsste heute ihr gespartes Urlaubsgeld wohl für einen Trip nach Salzgitter, Detmold, Buxtehude oder Bad Salzuflen ausgeben.

Jo i steh nur auf Italiener
Auf Spaghetti, Vino, Pizza, Amore, o la la 
Und nächstes Jahr, do kumm i wieder
Denn meine Papagalli s
an sicher wieder da

--> Dennoch zeigt sich Margit bescheiden. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen - daher ist die Reihenfolge Nudeln, Wein, Pizza, Liebe ganz klar vorgegeben. Für meinen Geschmack fehlt noch eine ordentliche Portion Gelato, aber man muss ja nicht alles haben - kommt ja auch auf die Menge an! ;)

Im letzten Urlaub hab' ich mir gedacht, ich hätte ihn gefunden
Schwarze Haare, blauen Augen und mit einer sportlichen Figur
Braungebrannt und wie er von sich selber sagt auch nicht gebunden
Doch er war kein Italiano, von Temperamento keine Spur

--> Tragisch, dass sich der vermeintliche Italiener dann doch als Flop herausgestellt hat. Wie sie trotz der intensiven Informationseinholung getäuscht werden konnte, ist nicht überliefert. Anscheinend hat ihn aber im entscheidenden Moment sein "Temperamento" verlassen. Das ist natürlich blöd. Weiche Nudeln können ja bekanntlich nix, die müssen schon "al dente" sein ;)

Refrain

Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia

Refrain




Margit P. hat sich dann Ende der 80er-Jahre wieder aus dem professionellen Musikgeschäft zurückgezogen. Was sie heute genau macht, ist mir nicht bekannt. Nur, dass sie verheiratet ist und heute Zitzelsberger heißt. Der Name spricht dafür, dass sie nicht mehr nur auf Italiener steht! ;)

Für diesen obskuren Liebesbeweis vergebe ich dennoch fünfmal Pizza Calzone und lege noch eine equisite Flasche Lambrusco drauf.

Wenn euch das Fernweh packt, schaut euch alte Urlaubsfotos an, esst Pizza (von mir aus auch tiefgekühlt), trinkt ein Glas Wein und überlegt euch Dinge, die auch abseits vom Sandstrand schön sind! :D

Mittwoch, 22. April 2020

# 35 - "Liebe ist gut'" - Zwei mal Zwei (1973)

Tatsächlich scheint es so, als hätte ich gerade eine romantische Ader. Ob das mit meinem - in großen Schritten nahenden - runden Geburtstag zusammenhängt oder das ich beim Reinigen meines Backrohrs zu starke chemische Dämpfe eingeatmet habe, lasse ich an dieser Stelle offen. Ich verspreche aber weiterhin auf mich aufzupassen. ;)

Der heutige Song des Tages ist - Celebration! - eine Coverversion! Das Original ist allerdings nicht so bekannt, die Originalinterpreten hingegen wahre Weltstars. Zugegeben, als das deutsche Cover im Januar 1973 auf den Markt kam, waren sie es noch nicht. Da waren sie bloß Local Heroes aus Schweden.




ZWEI MAL ZWEI
A: Liebe ist gut [People need Love - Björn & Benny & Agnetha & Anni-Frid] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Barbara Schewe = Frank Dostal)
B: Lasst uns alle Freunde sein (M & T: Peter Hecht Fendt) 

1973, Warner Bros, WB 16 224
produziert von Peter Hecht Fendt & Jochen Petersen 

Bei der A-Seite, die ich heute vorstelle, handelt es sich tatsächlich um die deutsche Coverversion des ersten "offiziellen" Titels von ABBA. Beide Paare waren zu diesem Zeit bereits miteinander verheiratet und nahmen - da die Stimmen gut harmonierten - diese Single auf. Parallel dazu waren alle aber noch in verschiedenen anderen musikalischen Projekten involviert bzw. solistisch tätig.
Auch die Gruppe hieß zu diesem Zeitpunkt noch nicht ABBA, sondern trat als "Björn & Benny & Agneta & Anni-Frid" auf, was wohl den Preis für den sperrigsten Bandnamen aller Zeiten verdienen würde.

Anfang 1973 war die Gruppe im deutschsprachigen Raum unterwegs und hatte einen Auftritt in der österreichischen, von Peter Rapp moderierten, Musiksendung "Spotlight" (Ausstrahlung: 27. Mai 1973) und in Ilja Richter's DISCO (Ausstrahlung: 6. Januar 1973).
Bei beiden TV-Auftritten (leider nur Playback!) gibt es allerdings eine Besonderheit: Agnetha fehlt! Diese war nämlich zu diesem Zeitpunkt im achten Monat schwanger und konnte nicht mitkommen. Vertreten wurde sie durch Inger Brudin, eine Freundin von Anni-Frid.


 
Spotlight

DISCO


Aber nun zu der deutschen Coverversion. Tatsächlich war es damals ja üblich, dass viele  ausländische SängerInnen ihre Songs selbst in deutscher Sprache aufnahmen. Bei "People need Love" kamen aber gewiefte Produzenten dem zuvor. "Liebe ist gut" kommt bereits am 5. Januar 1973 (vor der Ausstrahlung ihres ersten TV-Auftritts) auf den Markt.

Die Gruppe "Zwei mal Zwei" wird auf Wunsch von Klaus Ebert, A&R-Manager bei Kinney Music, zusammengestellt. Die Mitglieder sind Jürgen Schröder (Mitglied der Studikers und der Valendras), Kerstin Lippold, Maja Preuss und Werner Becker (* 1943; auch als W. W. Becker und Anthony Ventura bekannt).
Die Produzenten waren im deutschen Musikbusiness ebenfalls keine Unbekannten. Jochen Petersen (* 1944) spielte bei "Randy Pie" und Peter Hecht war Pianist bei den "German Bonds" und später bei "Lucifers Friend".

Das Cover wurde kein Hit und "Zwei mal Zwei" löste sich wieder auf. Im Gegensatz dazu gewann ABBA mit "Waterloo" knapp anderthalb Jahre später den Grand Prix d'Eurovision - der Beginn ihrer einzigartigen Weltkarriere!

Frank Dostal (1945-2017) zeichnete für die deutsche Textfassung verantwortlich. Er war Mitglied der legendären "Rattles" und der Band "Wonderland". Ab Anfang der 70er-Jahre arbeitete er erfolgreich als Texter. Seine größten Erfolge waren u. a. die Nummer-1-Hits "Yes Sir, I can Boogie" und "Sorry I'm a Lady", beide 1977 für das spanische Duo "Baccara".

Liebe ist gut, Liebe ist besser
Besser als alles auf der Welt
Liebe ist gut, Liebe ist besser
Liebe ist was uns zusammenhält

Wenn ein Mann verspricht
Dass er nie die Treue bringt
Dann glaubt er selbst daran

Sagen kann man viel
Doch die Liebe ist ein Spiel
Bei dem so viel geschehen kann

Manchen fällt es schwer
And're mögen's umso mehr,
Dass es keine Regeln gibt

Wer schon mal verliebt war
Der fragt nie mehr: 'Warum
ist dies' Spiel bei uns so beliebt?'
Refrain

Niemand ist so gern
Ganz für sich auf unser'm Stern
Doch viele sind allein

Jeder von uns kann
Einen ander'n dann und wann
Überreden zum Glücklichsein

Nichts auf dieser Welt
Sei es Wissen oder Geld
Ist für Liebe ein Ersatz

Denn Arme und Reiche
Alle Menschen sind gleich
Alle suchen denselben Schatz




Ja, da wurde - mithilfe eines Reimlexikons brav versucht, schöne Reime zu finden (AAB-CCB), was schade ist, da der Song auf dieser Art und Weise ziemlich beliebig und 0815-brav wird. Eine wirkliche Message geht verloren. Zudem erkannt man einmal mehr, wie fantastisch die Stimmen der ABBA-Mitglieder miteinander harmonieren. Und es ist überraschend, wie viel Benny und Björn bei diesem Song zu singen haben ;)

Zugegeben, Teile des Original-Songs wirken heut doch ein wenig altbacken und spießig (das manche Passagen inzwischen als politisch inkorrekt gelten, halte ich dann aber doch für etwas übertrieben), aber ABBA habens musikalisch/gesanglich halt doch drauf, einen tollen Sound zu liefern.

People need hope, people need loving
People need trust from a fellow man
People need love to make a good living
People need faith in a helping hand

Man has always wanted a woman by his side to keep him company
Women always knew that it takes a man to get matriomonial harmony
Everybody knows that a man who's feeling down wants some female sympathy
Gotta have love to carry on living, gotta have love 'till eternity

Flowers in the desert need a drop of rain like a woman needs her man
If a man's in love and his woman wants the moon, the he'll get it down if he can
Somebody who loves you and somebody who cares, isn't that what you'd call a friend?
Gott have love to carry on living, you can have peace if you understand


Für den netten Versuch dieser Coverversion vergebe ich fünf IKEA-Kjötbollur! Ans Original - geschweige denn ABBA - kommts natürlich nicht ran. Speziell die letzten 30 Sekunden, in denen ABBA plötzlich jodelt (!), sind meiner Meinung nach einfach unfassbar originell! Die waren halt einfach richtig cool!
So erfolgreich ABBA selbst war, so kläglich scheiterten sämtliche deutsche Coverversionen ihrer Hits. Wirklich faszinierend.

Habt einen schönen Abend und idealerweise ganz viel "Love", dann die ist ja bekanntlich ganz gut ... ;)

Dienstag, 21. April 2020

# 34 - "Falsch geparkt, 20 Mark'" - Sandra & Peter (1976)

Nachdem es ja momentan eher schwierig ist, neue Menschen kennenzulernen geschweige denn - zwischen Toilettenpapier, Nudeln und Mund-Nasen-Schutz-Masken - die große, lang ersehnte, Liebe zu finden, habe ich heute wieder ein Lied ausgegraben, dessen Story wohl selbst für "How I met your Mother" zu skurril gewesen wäre.




SANDRA & PETER
A: Falsch geparkt, 20 Mark (M: Gerhard Eisenmann / T: Pablo Pencil = Dieter Liffers)
B: Unsere Welt ist auserwählt (M: Gerhard Eisenmann / T: Peter Pollux = Dieter Liffers) 

1976, Elite Special, LLS 60.036
produziert von Dieter Liffers



Dieter Liffers hat unter verschiedenen Pseudonymen auch als Texter gearbeitet. Besonders originelle Titel aus seiner Feder sind etwa "Applaus für ein total verrücktes Haus" (Maggie Mae, 1975), "Eine Dame von 18 Jahr'n" (Mandalena, 1977), "Flower-Power-Superman" (Sandra & Sharon, 1968), "Heute wird ein Stier gegrillt" (Mona & Michael, 1976), "Küsse im Fahrstuhl" (Peter Manao, 1978), "Tanz' keinen Tango mit Django" (Ulla Wiesner, 1975) oder  "Wenn die Trommel ruft" (Erik Silvester, 1975).

Was aus Sandra und Peter geworden ist, ist nicht bekannt. Sollte es sich dabei tatsächlich um eine autobiographische Geschichte handeln, haben beide hoffentlich ihren Frieden gefunden und müssen sich um etwaige Strafmandate keine Gedanken mehr machen.

Gestern um halb acht
Hat ein junger Polizist
Mich vor der Discothek
Im Parkverbot erwischt

War auch der Parkplatz voll
So half auch all mein Reden nichts
Er schrieb ein Protokoll
Denn er tat seine Pflicht


--> Da kann man sehen, das Einzige, was bei Aufregung aufgrund von Knöllchenschreibern hilft, ist in Ruhe den Sachverhalt zu analysieren und schweigend die Schuld bei sich selbst zu suchen. Brave Bürgerin!

"Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark"
So sagte mir der Polizist
Der mich sonst immer freundlich grüßt


--> Naja, das freundliche Grüßen war vermutlich genauso eine Amtshandlung wie dieser Strafzettel. 20 Mark sind heute 10 Euro - bei dieser Strafsumme würden wohl so manche einem Polizisten aus purer Dankbarkeit um den Hals fallen.

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
Erst sah ich ihren Führerschein
Dann nahm ich die Gebühren ein


--> Romantischer kann man so eine Amtshandlung wohl kaum auf den Punkt bringen, oder?

Heute um halb acht
Traf ich ihn dann in zivil
Er hat mich angelacht
Doch ich blieb ernst und kühl


Als er so vor mir stand
Da ließ ich mich auf gar nichts ein
Der nächste Tanz begann
Und ich zahlt' es ihm heim


--> Ah ja. Er war vermutlich wieder in der Mission "Die Polizei, dein Freund und Helfer" unterwegs und wollte sich - rein aus Nächstenliebe - nach ihrem Befinden erkundigen, nicht das etwaige Resozialisierungsmaßnahmen verabsäumt würden ... das wäre ja, tragisch! Oder hat er es vielleicht sogar mit einer Wiederholungstäterin ohne Schuldbewusstsein zu tun?

Sie haben falsch geparkt

Das kostet 20 Mark
Ich wusste die Chance kam

Dass sie bei mir Revanche nahm

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
So sagte ich, dass war mein Ziel
Er hatte sich in mich verliebt


--> Hui. Das ist aber schnell gegangen. Aber gut, Liebe auf den ersten Blick soll es ja geben. Mmh ... auf den ersten kann es ja nicht gewesen sein, er hat sie ja immer freundlich grüßt. Aaaaah ... Liebe auf den ersten Blick auf den Führerschein. Oder die gute Sandra scheint "heißer" zu tanzen, "als die Polizei erlaubt" ;)

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
In diesen Worten liegt mein Schicksal
Sie wurden zum Glückssymbol
Denn uns're Liebe kam per Zufall
Verursacht durch ein Protokoll


Wer hätte gedacht, dass auch aus einem Strafzettel für Falschparken die große Liebe entstehen kann? Solltet ihr also das nächste Mal in der Kurzparkzone erwischt werden, achtet besonders auf den/die Aussteller/in, vielleicht handelt es sich ja dabei um die Liebe eures Lebens? 💖

Auf einen Strafzettel würde ich es aber trotzdem nicht ankommen lassen - die Kosten dafür sind seit 1976 doch recht stark angestiegen ;)

Für diese Liebesgeschichte gehen fünf Punkte nach Flensburg! ;)

Sonntag, 19. April 2020

# 32 - "Wenn der Regen auf uns fällt'" - Lena Valaitis & Costa Cordalis (1984)

Heute habe ich deutlich länger gebraucht, um diesen Post zu verfassen, als sonst. Zum ersten Mal fühlte ich mich wirklich antriebslos - und das obwohl ich tatsächlich so etwas wie "echte" Arbeit hatte. Am Ende hatte mich dieser kurze Anflug von Normalität aber nicht so glücklich gemacht, wie ich es mir erhofft hatte, sondern schmerzlich aufgezeigt, wie weit wir noch von so etwas wie Normalität entfernt sind ... und dann hat es zu regnen begonnen. Die fallenden Tropfen auf meinem Fensterbrett übten etwas überraschend Beruhigendes auf mich aus. Und dann kam mir auch schon die Idee, welches Lied es heute sein wird:




LENA VALAITIS & COSTA CORDALIS
A: Wenn der Regen auf uns fällt [When the Rain begins to fall - Jermaine Jackson & Pia zadora] (M: Mike Bradley, Peggy March & Steve Wittmack / dt. T: Michael Kunze)
B: Ein Ticket in die Freiheit (M: Jack White / T: Michael Kunze) 

1984, Ariola 107 083-100
produziert von Uve Schikora

"When the Rain begins to fall" war ein großer Hit für Jermaine Jackson und Pia Zadora. Den wenigsten ist vermutlich bekannt, dass es sich hierbei um eine deutsche Produktion aus dem Hause Jack White (alias Horst Nussbaum) handelt. Während sich der Song in Europa über 1-Million-mal verkauft, erreicht er nur Platz 54 der amerikanischen Billboard-Charts.
Grund genug eine deutsche Version zu veröffentlichen. Die Wahl fiel dabei auf zwei der erfolgreichsten deutschen Künstler in der Schlagerbranche: Costa Cordalis und Lena Valaitis, deren letzte Hits bereits einige Zeit her waren.

Costa Cordalis (geboren als Konstantinos Koriates, 1944-2019) kam mit 16 Jahren nach Deutschland. Er besuchte das Goethe-Institut in Frankfurt/Main, um Deutsch zu lernen, machte sein Abitur und studierte Philosophie und Germanistik. 1965 begann er seine Gesangskarriere. Bekannte Titel waren "Tränen in den Augen" (1965), "Und die Sonne ist heiß" (1971), "Carolina, komm" (1973), "Steig' in das Boot heute Nacht, Anna Lena" (1974), "Es stieg ein Engel vom Olymp" (1975), "Anita" (1976) oder "Pan" (1980). Bis zu seinem Tod stand er regelmäßig auf der Bühne - häufig mit seinem Sohn Lucas, der übrigens Daniela Katzenberger geehelicht hat.

Fun-Fact am Rande: Das Costa Cordalis 2004 in der ersten Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" den Titel "Dschungelkönig" einheimste, dürfte noch einigen bekannt sein. Das er aber 1985 bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft im Langlauf für sein Heimatland startete, wissen viele vermutlich nicht. In dieser Disziplin wurde er sogar zweimal griechischer Landesmeister.

Lena Valaitis (* 1943 als Anelé Luise Valaityé in Memel/Litauen geboren) kam als Kind nach Westdeutschland. Sie machte später eine Lehre bei der Post und sang in verschiedenen Amateurbands. 1970 erhielt sie einen Plattenvertrag.
Bekannte Titel sind "Ob es so oder so oder anders kommt" (1971), "So wie ein Regenbogen" (1972), "Bonjour, mon Amour" (1974), "Wer gibt mir den Himmel zurück?" (1975), "Da kommt José, der Straßenmusikant" (1976), "Ein schöner Tag" (1976), "Ich spreche alle Sprachen dieser Welt" (1977), "Johnny Blue" (1981, als Vertreterin Deutschlands beim Grand Prix d'Eurovision auf Platz 2) und "Gloria" (1982). Valaitis ist bis heute musikalisch aktiv.


Ich sage gleich vorweg: die deutsche Version ist gar nicht mal so schlimm. Als künstlerisch anspruchsvoll kann man das Original auch nicht unbedingt bezeichnen und so würde ich sagen, steht die deutsche Version dem in Nichts nach ... wobei ... der Auftritt in der ZDF-Hitparade tut schon weh (was die Outfits betrifft):

Sag wo geh'n wir hin, was gestern war ist heute schon so weit
Bleib bei mir, lass uns die Träume nie verlieren
Die Zeit zerstört so viel, doch dich und mich kann nichts mehr trennen

Und wenn der Regen auf uns fällt

Wirst du mein Regenbogen sein
Wenn dich die Nacht gefangen hält
Wird deine Liebe mich befrei'n
Brennt links um uns die ganze Welt
Will ich mit dir durchs Feuer geh'n
Und wenn der Regen auf uns fällt
Will ich mit dir zur Sonne seh'n

Zeit ist so wie Sand, sie rinnt mir durch die Hand, was ich auch tu'
Nichts gehört mir ganz, doch alles was ich wirklich will bist du
Du machst mich so stark, gemeinsam sind wir unbesiegbar

Refrain

Wenn die Dunkelheit uns auch umgibt
In uns ist immer noch ein Licht
Das wird uns führen, wir verlier'n uns nicht

Auf den Text gehe ich jetzt nicht näher ein. Das ist im Großen und Ganzen ein handelsüblicher deutscher Schlagertext mit den stets ausreichend Hoffnung bereitenden Alltagsliebesfloskeln, die sich ziemlich am Original orientieren. Zugegeben ein bisschen Schmalz und Sado-Masochismus ("Brennt links um uns die ganze Welt, will ich mit dir durchs Feuer geh'n") sind auch dabei.
P.s.: Wenn links die Welt brennt, würde ich erstmal versuchen nach rechts zu gehen ;)




Das Schönste an diesem Song ist aber, dass sie live in der ZDF-Hitparade aufgetreten sind. Und die beiden sehen aus, als wären sie ein Bilderrätsel das laut schreien würde: "Welches Jahrzehnt bin ich?". Ich glaube, dass ich noch niemanden gesehen habe, der mehr wie die 80er-Jahre aussieht, als diese beiden. Und leider haben sie so ziemlich alles an sich, woran man nicht mehr erinnert werden möchte. Grelle Farben (die nicht zusammen passen), sonderbare Kleidungsschnitte, Schulterpolster, hochgekrempelte Sakkos, Dauerwelle-Fönfrisur etc.
Allein die gelbe Kombi von C. C. lässt viele Fragen offen: z. B. Hat er das alles in ein und demselben Laden gefunden oder sich mühsam zusammengesucht? Würde das auch Bibo aus der Sesamstraße anziehen? 
Doch das Ganze ist nichts, sobald L. V. in einer Kombi aus ... ja ... aus was eigentlich? Ich würde sagen: der personifizierten Ratlosigkeit einer Kostümbildnerin, die von allem zu viel übrig hatte, das sonst nirgends dazu gepasst hat. Ein pinkes Satinkleid (Negligé?), darüber eine rote lange Bluse und darüber ein blitzblauer Blazer. Geilo. Aber wenn man ihr eine ordentliche Fönfrisur mit extra-viel Dreiwettertaft verpasst, fällt das doch kaum auf, oder? Vielleicht noch ein paar kleine Goldohrringe dazu, dann "verläuft" sich das schon. Mmmh ... vielleicht noch ein silbernes Armband. Was? Gold und Silber verträgt sich nicht? Stimmt doch gar nicht. Das sieht super aus! In die rote Bluse haben wir übrigens noch ein paar Knoten reingemacht, das wirkt dann ein bisschen frecher-peppiger ... nein, das ist nicht deswegen gemacht worden, weil man sonst sehen würde, dass es zu lang ist. Und die schwarze Hose, die sie unterhalb anhat? Achso ... ja ... Strumpfhosen gabs leider keine mehr. Also keine, die sich auch noch ordentlich mit dem gesamten Outfit geschlagen hätten ... man muss ja schließlich konsequent bleiben.

Besonders schön an der ZDF-Hitparade ist ja, dass die Leute hier immer so nett vorbei kommen und den SängerInnen, während sie live performen müssen, Blumen überreichen. Süß oder? Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wer da in einem Studio einem Künstler näher kommen will, wird allein schon beim Gedanken von etwaigen Security-Bolzen aus dem Weg geräumt. Was bei Minute 1:25 noch ganz nett beginnt, kann aber ganz schnell ausarten: beispielsweise ab 1:50 - und die junge Frau bei 1:59 macht gleich den größten Groupie-Anfängerfehler! Sie übergibt der Lena die olle Rose falschrum! Aber Lena behält Nerven und rearrangiert sich die Blumen aus dem Effeff und mit einer Hand - selbst ist die Frau!
Ein weiterer Blick auf die junge Frau mit der grau-schwarz-weiß-karierten Jacke: Achtet mal darauf, was für ein mickriges Blümchen sie der Lena bei 2:07 in die Hand drückt und welch imposantes Gesteck für Costa bestimmt ist ;) Da sieht man wahre Fan-Treue!

Eine gekonnte Pose von Lena folgt noch bei Minute 2:11 - sie präsentiert ihr steiles Outfit - frei nach dem Motto: "Alles, was ich trage, können Sie auch anziehen - sofern Sie Entscheidungsschwierigkeiten, keinen Geschmack und kein Problem damit haben, ausgelacht zu werden".

Wie dem auch sei: Für diese steile Performance - gut, ein paar schiefe Töne muss ich abziehen - vergebe ich fünf Regenschirme und eine Dose Dreiwettertaft.

Holt doch mal eure Modesünden aus dem Kleiderschrank und zieht alle einmal an - am besten gleich übereinander, dann seid ihr mindestens genauso "cool" wie Lena! ;)

Mittwoch, 15. April 2020

# 28 - "David und Goliath" - WIR (1972)

Heute gibts etwas ganz Besonderes auf die Ohren. Nachdem Drafi Deutscher Anfang der 70er-Jahre nicht mehr ganz an seine früheren Erfolge ("Marmor, Stein und Eisen bricht") anknüpfen konnte und seine Karriere einen starken Knick erleidete (nachdem er 1967 in alkoholisiertem Zustand von einem Balkon auf die Straße uriniert hatte), verschwand er zunächst von der Bühne. Er widmete sich anderen KünstlerInnen und arbeitete unter zahllosen Pseudonymen im Hintergrund. 
Eines dieser Studioprojekte, "WIR", schlug derart ein, dass Anfragen für Fernsehauftritte eintrafen. Schnell musste aus einem Teil der StudiosängerInnen und weiteren Personen aus Drafis Dunstkreis eine fernsehtaugliche Gruppe formiert werden.

Das Besondere an dieser Gruppe war das Genre, in dem sie sich bewegten: Sacropop (also christliche Popmusik ... quasi deutscher Gospel). Was in anderen Nationen und Sprachen funktioniert, muss doch im Deutschen auch gehen, oder?




WIR
A: David und Goliath (M & T: Jack Goldbird = Drafi Deutscher & Hans Georg Moslener)
B: Jerusalem [Pop Concert - Pop Concert Orchestra] (M: Paul de Senneville & Olivier Toussaint / dt. T: Jack Goldbird & Hans Georg Moslener) 

1972, Metronome, M 25 445


Hier nun der glorreiche Text. Wie schade, das diese christlich-fröhliche Popmusik nicht öfter durch klerikale Hallen dröhnt. Möglicherweise hätte das so manche sonntägliche Kirchenbank aus allen Nähten platzen lassen (wenn alle gecheckt haben, wie cool "Godfather in the house" ist).


David und Goliath
Welch eine große Tat
David, der war so klein
Doch nur mit einem Stein
Traf er genau ins Ziel
Sodass der Riese fiel
David schlug Goliath
Durch unser'n Herrn

Wer von euch es wagt
Kämpft mit Goliath
Der Riese war so laut
Das alles sofort erschrak

Alle rannten fort
Keiner blieb am Ort
Nur einer hatte Mut
Denn er glaubte an den Herrn

Refrain

David nahm kein Schwert
Das war ihm nichts wert
Fünf Sterne nahm er nur
Und ging auf den Riesen zu

Als der Riese sah
Wer der Kämpfer war
Hat er ganz laut gelacht
Schrie: "Du, wer bist denn du?"

Refrain

Sieger durch die Kraft
Die der Himmel schafft
Der Starke ist nur stark
Wenn es unser Herr so will

Die Geschichte lehrt
Es ist gar nichts wert
Wenn man ein Riese ist
Dem der Glaube aber fehlt

Refrain


Über den Text schweige ich mich aus. Da bin ich tatsächlich ziemlich enttäuscht, ob der einfallslosen Einerleireimerei. 

Das war eine ziemlich revolutionäre Idee, den Religionsunterricht in das deutsche Kinder- und Jugendzimmer zu transportieren und den "vom Weg abgekommenen Teenies" den "coolen" Glauben zurückzubringen und ihnen ein bisschen was von der "holy message" zu überbringen. Tja. Was bei den Les Humphries Singers ganz gut funktionierte - man kann wirklich darüber staunen wie ausführlich der "Lord" in den frühen 70er-Jahren "gepraised" wurde - verfehlte seine Wirkung in der deutschen Sprache ziemlich, weshalb das Wir-Projekt schließlich 1973 wieder ad-acta gelegt wurde. Schade! (Oder Gott sei Dank ... das Alte und Neue Testament hätten sicher noch den einen oder anderen schmissigen Dance-Party-Song parat gehabt)

("Jesus cried on the day that the died" kann man halt auf englisch auch besser grölen, wenn man nicht so genau versteht, was es exakt bedeutet!)




Foto: ?, Pete Rainford, Christa Zalewski, Claudia Gorden, ?, Mulle Deutscher und Wolfgang Pliverits 

Mitglieder, dieser von 1971 bis 1973 aktiven Gruppierung waren:

- Christa Zalewski (* 1946; Duett mit Mann Pete; solo als Peggy Peters, Julie Winters und Tina Rainford -> Hit "Silver Bird" 1976)
- Claudia Gorden-Nowy (Solo als Claudia Gorden von 1969-1973, danach hauptsächlich Backgroundsängerin)
- Richard "Drafi" Deutscher (1946-2006; größter Hit "Marmor, Stein und Eisen bricht" 1965)
- Günther Bayer (Solo als Gary Christian von 1971-1974)
- Karin "Mulle" Deutscher (Drafis erste Ehefrau von 1966-1976)
- Peter "Pete" Rainford (Ehemann von Christa)
- Peter Schlaper (Solo 1972-1973)
- Wolfgang Pliverits (* 1941, Solo als Tom Schütt und Norman Ascot, Texter/Komponist)


Auftritt in der ZDF-Musiksendung "Disco" mit dabei
(v.l.n.r.) Claudia, Norman, Pete, Tina, Drafi und Mulle

Die genaue Anzahl an Muppets, die für Claudias Jacke ihr Leben lassen mussten, ist nicht überliefert. Es wird aber von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen.


Ein Auftritt im Film "Blau blüht der Enzian" - hier sind Drafi, Mulle, Tina, Norman, Pete und Peter (sowie einige StatistInnen) zu sehen.


Tinas Latzhose ist so unvorteilhaft geschnitten, dass es so aussieht, als würden ihr permanent die Beine "durchknicken". Aber immerhin versuchte man eine steile Choreographie zu liefern ;)
Es wirkt ein bisschen so, als wäre es bereits Take 732. Während Tina vor nie enden wollender Begeisterung und Gottesglückseligkeit nur so sakral vor sich hin sprüht, wirkt Mulle im blauen Oberteil nicht mehr ganz so bei der Sache und gestaltet die Anmerkung "ein Stein" mit dem minimalsten Aufwand :D


Drafi stand ab den 80er-Jahren wieder verstärkt selbst auf der Bühne. Seine größten Hits als Komponist/Texter waren "Silverbird" (Tina Rainford, 1976), "Fly away pretty Flamingo" (Peggy March, 1977), "Mama Leone" (Bino, 1978), "Belfast" (Boney M., 1977) sowie 1983 "Guardian Angel", das im deutschsprachigen Raum als "Jenseits von Eden" ein Riesenhit für den jungen Nino de Angelo wurde.


Für diesen "Sacropop"-Song vergebe ich fünf von fünf Steinen sowie zwei Vater-Unser, drei Ave-Maria und zwei Rosenkränze.

In schwierigen Zeiten kann einem der Glaube helfen. An Gott. An die Wissenschaft. An die Liebe. An die Menschheit. Oder an die nie enden wollende Anzahl skurriler Songs. Hallelujah!

Dienstag, 14. April 2020

# 27 - "Wir leben mit dem Sonnenschein" - The Golden Kids (1970)

Heute Nacht hab ich ziemlich schlecht geschlafen. Grund mehr, heute etwas Positives und Lebensbejahendes mit euch zu teilen. Gut, vielleicht ist es ein bisschen zu happy-peppy-hippie-fröhlich, aber auf alles kann man nun wirklich nicht Rücksicht nehmen ;)




THE GOLDEN KIDS
A: Wo ist der Clown? (M & T: Hans Blum)
B: Wir leben mit dem Sonnenschein [I only want to be with you - Dusty Springfield] (M: Ivor Raymonde / dt. T: Kurt Hertha) 

1970, Polydor 2041 092

Kennt man die Geschichte der "Golden Kids", dann ist die B-Seite, die ich heute ausgewählt habe, doppelt tragisch. Die Golden Kids waren ein tschechisches Poptrio, das im November 1968 gegründet wurde.
Es bestand aus Marta Kubisová (* 1942), Helena Vondrácková (* 1947) und Václav Neckár. Die Gruppe musste sich im Februar 1970 auflösen, nachdem  Kubisova - seitens der kommunistischen Regierung - verboten wurde öffentlich aufzutreten. Grund dafür waren bewusst in Umlauf gebrachte gefälschte pornografische Aufnahmen. Obwohl sie vor Gericht gewann, blieb das Verbot bis zum Zusammenbruch der Tschechoslowakei 1989 aufrecht. Seit den 90er-Jahren treten die drei wieder gemeinsam regelmäßig auf.

Alle drei veröffentlichten auch Solo zahlreiche Schallplatten - auch in deutscher Sprache. Während alle drei in Westdeutschland veröffentlichten, gelangen Václav vor allem Mitte der 70er-Jahre auch Erfolge in der DDR (u. a. "Theophil Krokodil" 1973).

Nun aber zu unserem "Lied des Tages":

Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit
Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit
Wir lieben das Leben an jedem Tag
Und wenn auch morgen schlechtes Wetter kommen mag

Das fällt uns heut' nicht ein
Wir leben mit dem Sonnenschein

Die einen sagen Liebe ist ein Kinderspiel
Die ander'n, die erwarten immer viel zu viel
Dabei ist die Liebe so wunderschön
Man darf ihr nur nicht immer aus dem Wege geh'n
Und das fällt uns nicht ein
Wir leben mit dem Sonnenschein

Wir sind so reich, so reich 
Und haben gar kein Geld
Immer stehen die Chancen gleich 
Für jeden auf dieser Welt

Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit
Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit
Und bist du im Leben so ganz allein
Und möchtest gerne einmal mit uns glücklich sein
Dann laden wir dich ein
Wir leben mit dem Sonnenschein

Wir sind so reich, so reich
Und haben gar kein Geld
Immer stehen die Chancen gleich
Für jeden auf dieser Welt

Wiederholung Strophe 3

Schön wird's immer sein
Wir leben mit dem Sonnenschein




Das Lied ist übrigens ein deutsches Cover (wer hätte das bei mir auch erwarten können :P) und vielen im Ohr, da es zahllose Coverversionen gibt. Das ziemlich starke Original stammt von Dusty Springfield, die man sonst nur mit "Son of a Preacher Man" in Verbindung bringt.




Wer hätte gedacht, dass uns 50 Jahre später ein Song von einem tschechischen Trio - dessen großer gemeinsamer musikalischer Traum kurz darauf aus politischen Gründen zerbrach - näher und aktueller ist als damals?

Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit
Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit
Wir lieben das Leben an jedem Tag
Und wenn auch morgen schlechtes Wetter kommen mag

Das fällt uns heut nicht ein
Wir leben mit dem Sonnenschein

Ein schöner Leitsatz für unsere aktuelle Zeit. Keiner weiß, was morgen sein wird und wie wie es mit uns allen weitergeht. Wir können nur versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Der Rest ist ohnehin kismet ... oder masl.

Auch wenn wir momentan tatsächlich "Mangel an Gelegenheit" haben, sollten wir versuchen nicht zu vereinsamen. Und die Zeitressourcen, die uns zur Verfügung stehen, in Dinge investieren, die uns nachhaltig Freude bereiten :) 

Samstag, 11. April 2020

# 24 - "Oh Muater" - Balthasar (1972)

Ostersamstag. Für viele ein besonderer Feiertag. Zumindest eine Art "Weihnachten light", in Bezug auf Essen und Familienansammlungen (normalerweise). Auch um Geschenke muss man sich im konkreten Fall glücklicherweise weniger Gedanken machen ;) Vor allem heuer nicht :(

Da wir das große musikalische "Kulinarik"-Wochenende einläuten, habe ich eine besondere Perle, eine Ode an die "moderne" Mutter gefunden :D (Und ja, es ist NATÜRLICH wieder eine Coverversion, wenn auch dieses Mal eine nicht ernst gemeinte)




BALTHASAR
A: Oh Muater [Mamy Blue - Ivana Spagna] (M: Hubert Giraud / dt. T: Werner Schüler-Steger)
B: Rama Damma (M: Ralf Nowy / T: Robert Jung) 

1972, Ariola 10 867 AU


Der 1947 als Wolfgang Freundorfer geborene "Balthasar" ("1,88 groß und drei Zentner schwer) wurde schnell zum "König der Bierzeltunterhaltung" in Deutschland, Österreich und der Schweiz - eines seiner größten "Talente" war nämlich das sehr schnelle Austrinken von Maß Bier (angeblich 6 Sekunden) ;) Es folgten noch weitere Parodien bekannter Hits, wie z. B. "Der Junge mit dem Hund von Monika" (Der Junge mit der Mundharmonika, 1973) oder "Marie, mir bleim dahoam" (Theo, wir fahr'n nach Lodz, 1974), ehe es nach 1976 musikalisch ruhig um ihn wurde. Später verlagerte sich auf das Schauspiel und stand auf zahlreichen Bühnen und auch für TV-Produktionen seinen Mann. Am bekanntesten war er vermutlich durch seine Rolle in der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe", die er 2006 bis 2007 sowie 2010 verkörperte. Er starb im Januar 2020 nach längerer Krankheit.


Parodie-Versionen bekannter Hits waren stets ein lukratives Geschäft, umso mehr, wenn man jemanden mit einer besonderen Stimme hat, der das Ganze noch glaubhaft verkörpert!
Die Wahl fiel auf den Welthit "Mamy Blue", der nach anfänglichen Startschwierigkeiten 1971 einen Riesenhit für die spanische Gruppe "Pop Tops" und Ricky Shayne in Deutschland wurde.

Für Balthasar entschied man sich zu einer bayerischen Version. Und der traurige Song, in dem es um den Verlust der Mutter geht, wird hier anders interpretiert. Der überaus starke Alkoholkonsum der Mutter wird sozialkritisch thematisiert. Und diese Mutter trinkt nicht nur, nein, sie benutzt Alkohol als Mittel für und gegen alles ;)


Oh Muater
Oh Muater, Muater, bist schon wieder blau?

Oh Muater
Oh Muater, Muater, bist schon wieder blau?

Oh Muater
Oh Muater, Muater, bist schon wieder blau?

Oh Muater-Muater
Oh Muater, Muater, bist schon wieder blau?

Seitdem du hörst‘, dass d’Umwelt stinkt - Oh Muater
Und Schmutz uns in die Kniee zwingt - Oh Muater
Und glaubst, dass Schnaps desinfiziert - Oh Muater
Is‘ schlimm bei uns

In jedes Essen kippst du rein - Oh Muater
An Whisky, Wodka oder Wein - Oh Muater
Statt Kaffee in den Tassen drin - Oh Muater
Is Gin – mei Muater, muss des sein?

Refrain

Zur Körperpflege nimmst du Bier - Oh Muater
Deswegen ich mich schon genier‘ - Oh Muater
Die Hemden stärkst du mit Likör - Oh Muater
Ham die einen Duft – i holt des nimmer aus

Zum Waschen brauchst du echten Rum - Oh Muater
In Sekt schwimmt unser Goldfisch rum - Oh Muater
Der Kuckuck von der Kuckucksuhr - Oh Muater
Schreit zwölfmol – um sechse in der Fruah

Refrain

Mit Schnaps putzt du die Wohnung nur - Oh Muater
d’Toilette spült mit Whisky pur - Oh Muater
Die Luft is voller Alkohol - Oh Muater
Hol's der Teufel, jetzt wer‘ i a schon blau

Drum lieber Muater gib mir schon - Oh Muater
Auch einen zur Desinfektion - Oh Muater
Damit ich mich nicht noch ansteck‘ - Oh Muater
Im Umweltdreck - ja Muater, so schaut's aus

Refrain




In Zeiten von Corona, wo manche Menschen am liebsten alles desinfizieren möchten, ein absolut passender Song (und der Bezug auf den Umweltdreck ist heute aktueller den je). Aus diesem Grund vergebe ich stolze fünf von fünf Alkomaten für diesen heißen Partysong, den man auch ideal beim 70er von Oma Gisela anbringen könnte!

Für jene, die ein bisschen mehr Romantik haben möchten: Hier ein Live-Auftritt von Ricky Shayne (* 1944) mit der deutschen Version von "Mamy Blue" (#7 der Charts). Ricky, dessen Hemden meist bis zum Bauchnabel geöffnet waren, galt damals als ziemliches Sexsymbol und kam über Italien (aus dem Libanon) nach Deutschland, wo er bis heute lebt und noch immer auftritt. Einige Jahre betrieb er zuletzt einen Kiosk in Düsseldorf.

Weitere Hits von ihm waren "Ich sprenge alle Ketten" (#20, 1967), "Ich mache keine Komplimente" (#24, 1969), "Ginny, komm näher" (#13, 1971) und "Delta Queen" (#20, 1972).

Ob sein echter Name Rashid oder George Albert ist, gehört wohl zu den größeren Mythen, die um ihn und seine Herkunft gesponnen werden.




In diesem Sinne - stoßt mit eurer Mutter an (auf die Desinfektion) und falls ihr keine (mehr) habt, dann macht es trotzdem und denkt dabei ganz fest an sie! Frohe Ostern und bis morgen!

Donnerstag, 9. April 2020

# 22 - "Hey, Banana Man" - Bettina (1971)

... und die Kulinarik-Woche geht weiter! Ich war schon fast so weit, sie für einen Mega-Hit zu unterbrechen, aber aufgehoben ist ja bekanntlich nicht aufgeschoben ;)

Heute widmen wir uns einem Song, der vermutlich in puncto political correctness heute nicht mehr gespielt werden würde ...



BETTINA
A: Soldat, Soldat, wie seh'n deine Träume aus? [Preghiera - Tony Cucchiara] (M: Tony Cucchiara / dt. T: Werner Zylka = Ralph Siegel)
B: Hey, Banana Man (M: Peter Elversen = Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)

1971, United Artists, UA 35 341


Die 1951 in Hamburg geborene Bettina Simon stammt aus einer durch und durch musikalischen Familie. Vater Hans-Arno Simon (1920-1989) galt als erster deutscher Schlagersänger, dem eine goldene Schallplatte verliehen wurde. Von ihm gesungene Hits waren "Anneliese" und "Ach, sag doch nicht immer wieder Dicker zu mir" - beide 1954. Ab Mitte der 50er-Jahre verstärkte er seine Tätigkeit auf das Komponieren von Filmmusik und Titeln für andere SängerInnen.
Bettina hat drei Geschwister, die alle ebenfalls im Showgeschäft tätig waren: Andreas (* 1945), Bernd (1946-2017; Sänger unter dem Pseudonym Simon Butterfly - großer Hit "Rain, Rain, Rain" 1973 - den meisten aber als deutsche Synchronstimme von Moe Szyslak bei den Simpsons bekannt) und Angelika (* 1949, der als Pat Simon unter anderem 1969 mit "Ein Glück, dass man das Glück nicht kaufen kann" ein kleiner Hit gelang).


Ihre letzte Single (ein Duett mit Bruder Bernd), das in Japan (!) auf den Markt kam, erschien 1974. Was aus ihr wurde, ist nicht bekannt.



Das "Problem" liegt gleich in der ersten Zeile in der Formulierung "der braune Mann" - was Anfang der 70er-Jahre vermutlich noch unbedacht und lieb gemeint war, ist heute ein politisches No-Go. Und ja: Ist die Hautfarbe des Obsthändlers das wichtigste Kriterium seines Schaffens? Wohl kaum. Es hätte ja auch "
Immer am Sonntag kommt der liebe Dan" (das hätte sich ähnlich gereimt).


Immer am Sonntag kommt der braune Mann
Mit seinem Wagen voll Bananen an
Und alles freut sich, weil man ihn schon kennt
Eine Banane kostet einen Cent

Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Komm immer wieder
Und sing' uns die Lieder
Die man tief im Süden singt

Komm und sing' uns
Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Hey, Banana Man - Hey, Banana Man

Sing' die Geschichte
Der goldenen Früchte
Die der Sonnenschein uns bringt

Vor vielen Jahren kam ein Schiff daher
Brachte Bananen übers weite Meer
In den Plantagen, wo die Sonne glüht
Klingt alle Tage noch das alte Lied

Refrain


Nicht jeder Mensch hat für Bananen Geld
Nur einen Cent, das ist doch nicht die Welt
Doch wenn ein armes Kind Bananen liebt
Ist er der letzte, der sie ihm nicht gibt


--> Das ist doch eine nette Stelle! Da weiß man, dass der "große böse schwarze Mann", der anderweitig ankündigt wird, auch nichts mehr als ein Einzeltäter ist. Und unser Freund hier hat echt ein großes Herz (auch wenn er selbst - außer Bananen - wohl nicht viel zum Überleben besitzt)

Hey, Banana Man - Hey, Banana Man

Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Schenk' uns Bananen
Denn deine Bananen
Schmecken zucker-zucker-süß


Und darum singen wir
Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Hey, Banana Man - Hey, Banana Man
Komm immer wieder
Und sing' uns die Lieder
Und wir alle stimmen ein




Ja, das war das heutige Posting - ein Loblied auf den Bananenanbau. Kann sich heute wohl auch keiner mehr vorstellen. Und diese romantisch-idealisierte Vorstellung hat vermutlich auch wenig mit der Realität der armen Bananenernter zu tun. Tagesaktuell wäre ja ein musikalischer Aufruf für Erntehelfer gefragt. Man kann ja Ralph Siegel fragen (ob dieser Song auch für den ESC geplant war?), ob er Lust hätte daraus "Hey Spargel-Man" draus zu machen ;)
Habt einen schönen Tag und denkt, wenn ihr das nächste Mal genüsslich in eine Banane beißt, irgendwo auf der Welt, singt vermutlich gerade jemand ein Lied genau darüber!