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Samstag, 13. Juni 2020

# 86 - "Sugar Boo Boo" - Bonny St. Claire (1969)

Es gibt Sänger und Autoren, die immer wieder eine sichere Bank für einen skurrilen musikalischen Beitrag sind. Dieser Aussage ist bei diesem Song absolut nichts mehr hinzuzufügen.



NACHTRAG FÜR FREITAG

BONNY ST. CLAIRE
A: Ich kann nicht 100 Jahre warten (M & T: Hans Blum)
B: Sugar Boo Boo (M & T: Lambert Fleming = Nils Nobach & Roman Horn = Rudi von der Dovenmühle)

1971, Philips, 6003 211



Die Holländerin Bonny St. Claire, 1949 als Bonje Cornelia Swart geboren, war in den 60er- und 70er-Jahren auch als Sängerin in Deutschland tätig. Weitere Infos über sie findet ihr in meinem Post #3.
Titel von Nils Nobach und Rudi von der Dovenmühle habe ich in den letzten Monaten bereits mehrfach hier vorgestellt. Literarisch sind sie - charmant umschrieben - äußerst speziell.

Shu-Shu-Shu
Shu-Shu-Shu-Shu-Shu
Sugar Boo Boo

Shu-Shu-Shu
Shu-Shu-Shu-Shu-Shu
Sugar Boo Boo

Weil es so schwere Mädchennamen gibt
Ja-ja, Ja-ja
Und mich der Johnny aus London wirklich liebt
Ja-ja, Ja-ja

Taufte er mich einfach um
Anstatt Penelope
Nennt er mich nur
Sugar Boo Boo

Refrain

Selbst die eleganten Damen
Haben heute Kosenamen
Da gibt es Lee und Lou
Chi-Chi und Sue
Und wie du, nennst du mich
Sugar Boo Boo

Refrain







Das ist natürlich wirklich eine tragische Geschichte. Da hat man endlich den Mann seines Lebens (= "Johnny aus London") gefunden und dann hat er leider einen großen Makel! Nein, keine Legasthenie, Pollenallergie oder Laktoseintoleranz - aber er ist leider zu debil, sich ihren Namen zu merken. Aber gut Penelope ist nun wirklich ein schwieriger Name, so heißt ja auch niemand. Sugar Boo Boo hingegen ist da deutlich häufiger und leichter zu behalten. Ich bin mir nicht sicher, ob Johnny tatsächlich aus London kommt und nicht eher nur auf ein kurzes "Schubidu"-Stelldichein aus Wolkenkuckucksheim angereist ist, um ein bisschen Bussi-Bussi, Bunga-Bunga oder Balla-Balla zu betreiben. Leidtragende wird am Ende wohl Pönölopö sein, die lautstark verkündet, dass sie nicht noch 100 Jahre warten kann. Worauf eigentlich? Jemanden, der zumindest in der Lange ist, sich wenigstens ihren Namen zu merken ... ich wünsche es ihr! Vielleicht mit Jimmy aus Liverpool oder Tommy aus Manchester ...

Montag, 18. Mai 2020

# 61 - "Chi-Chi-Ba-Ba" - Bitter Sweet Company (1972)

Für die Freunde der leichten Muse habe ich heute etwas ausgepackt, dass gut zum sonnigen Wetter passt!



BITTER SWEET COMPANY
A: Jason King (M & T: Edmund Kötscher, Rudi Lindt = Rudi von der Dovenmühle & Peter Ström = Nils Nobach)
B: Chi-Chi-Ba-Ba (M & T: Rudi Lindt / Mills / Nix)

1972, Columbia, C006 29 926


Wie der Zufall es will, ist auch heute wieder "Rudi Lindt" (wie auch der gestrige Räuberhauptmann) an diesem Titel beteiligt. Darauf bin ich allerdings gestern bereits eingegangen, daher widme ich mich heute lieber der weiblichen Gesangsstimme (die männliche ist mir nämlich nicht bekannt): Margit Elke Scherer.
Zugegeben, das klingt jetzt nicht nach einem Indiz für eine internationale Gesangskarriere. Die 1950 geborene Sängerin veröffentlichte ab 1968 unter zahlreichen Pseudonymen bei diversen Plattenfirmen. Ich gehe an dieser Stelle nicht näher darauf ein, das würde den Rahmen sprengen, sondern liste dies hier einfach auf (das gibt nämlich nicht nur originelle Titel frei, sondern auch eine interessante musikalische Entwicklung sowie optische Veränderung):

- 1968 Peppi: Übermut tut selten gut / Mister Postman (Star-Ton)
- 1968 Peppi: Yesterday he went away / I'm sending you a Letter (Passe-Partout Records)
- 1969 Barby Schera: Du sollst kein Casanova sein / Oh Mr. Feuermann (CBS)
- 1970 Babs Nielsen: Hello, Mister Donovan / Old Portobello Road (Columbia)
- 1971 Babs Nielsen: Er ist Major beim britischen Garderegiment / Lonely Eremit (Columbia)
- 1972 Babs Nielsen: Er kam zurück und ruft nicht an / Wer einmal lügt (Columbia)
- 1972 Babs Nielsen: Blauer Mohn / Bitter Sweet (Columbia)
- 1973 Babs Nielsen: Hey, Hallo Montag / Einsamer Junge (Jupiter)
- 1973 Bitter, Sweet & Co: Charly / Hei Di Ho und Sha La Li (Jupiter)
- 1977 Joyce: Sweet Dreams (Part I) / Sweet Dreams (Part II) (Hansa)
- 1977 Joyce: Sweet Dreams / Try me (Hansa)
- 1978 Jennifer Eccles: Love Child / Shotgun (Hansa)
- 1979 Apple Jam: LP "Beatles Magic" (Dansan Records) - Duett mit Herlinde Grobe
- 1981 Rose & Marie: Mr. Sandman / Mr. Sandman (RCA) - Duett mit Herlinde Grobe



Später war sie auch Mitglied der Gruppe "Rockefeller" und der "Ute Mann Singers". Heute lebt und arbeitet sie wieder unter ihrem bürgerlichen Namen Margit Scherer als Gesangscoach in Essen.


Nun aber zum heutigen Song:


Chi-Baba
Chi-Chi-Ba-Ba

Chi-Chi-Cola
Rote Lippen sind zum Küssen da


Chi-Baba
Chi-Chi-Ba-Ba
Chi-Chi-Cola
Rote Lippen sind zum Küssen da

Doch Vorsicht bei Blondinen
Die tun erst so scheu und sind selten treu
Die blondgelockten Bienen
Sind kühl wie der Monat Mai
Und trotzdem muss man es versuchen
Den süß sind Rosinen im Kuchen

Refrain


Ein bess'rer Herr aus Bremen
Der sagte mir heute: "Das ging zu weit
Ich sollte mich was schämen
Zu küssen in der Öffentlichkeit"
Als er sich so bitter beklagte
War ich es, der freundlich sagte

Refrain



Ich bin jetzt selbst überrascht, wie tagesaktuell der Song doch ist. Zugegeben, heute ist es ein sonniger Mai-Tag, aber in den Tagen davor hätte sich auch kaum eine "braungelockte" Biene hervorlocken lassen.
Textlich schrammen wir wieder hart an der klischeehaften holden Weiblichkeit vorbei, der sich kein (armer) Mann entziehen kann. Besonders feinfühlig:

Und trotzdem muss man es versuchen
Den süß sind Rosinen im Kuchen

Ja, welch trefflicher Vergleich. Wenngleich mir doch in den Sinn kommt, dass Rosinen nicht gerade der beliebteste Kuchenbestandteil ist.
Aus Ermangelung weiterer anspruchsvoller Versreime, habe ich mein Hirn noch ein bisschen gemolken und dabei sind folgende Kreationen (die sich noch für die dritte Strophe geeignet hätten) herausgekommen:

Jetzt hör' doch auf zu schmollenDen Diabetis bringt auch ein Stollen

Egal wie lang ich noch weiter hoff
Mein Herz schlägt nur für Malakoff

Und wer ist eigentlich diese "Chichi Baba"? Ihre Schwester heißt anscheinend "Chichi Cola" (interessante Familienverhältnisse). Und dann, wenn man gerade festgestellt hat, dass rote Frauenlippen ausschließlich zum Küssen da sind (nicht etwa zum Reden oder so ...), mischt sich jetzt noch ein "bess'rer Herr aus Bremen" ein. Jaja, diese Männer kennen wir ja. Anscheinend ist er aber an einem Menage-a-troi nicht interessiert, sondern hebt erbost mahnend den Zeigefinger und stellt sich als sittlichkeitsafiner Moralapostel heraus. Moment mal ... ist aktuell küssen in der Öffentlichkeit nicht auch verboten? Ach nein ... zu unterlassen ... also nicht empfohlen ... also jedem selbst überlassen ... also eh legal ... oder so. Bussi und (Chichi-)Baba für heute ;)

Sonntag, 17. Mai 2020

# 60 - "Du spielst immer Räuberhauptmann" - Valerie Pascale (1969)

Für alle, die heute noch keine Idee haben, was sie spielen können oder nach einer neuen Identität Ausschau halten, habe ich etwas Leichtfüßiges vorbereitet: 




VALERIE PASCALE
A: Du spielst immer Räuberhauptmann [?] (M: Gianni Meccia / dt. T: Rudi Lindt = Rudi von der Dovenmühle)
B: Immer wenn es Abend wird (M & T: Rudi Lindt / Günter Sonneborn / Frank Stern)

1969, Vogue, DV 14 825


Bei Valérie Pascale handelt es sich um eine junge belgische Sängerin, die Mitte der 60er-Jahre erste Schallplattenaufnahmen machte. Zwischen 1968 und 1969 nahm sie drei Singles in deutscher Sprache auf - nach dieser wurde der Vertrag augenscheinlich nicht mehr verlängert. Der letzte Hinweis auf ihr musikalisches Schaffen ist ein Fernsehauftritt im Jahr 1971. Was aus ihr wurde, ist nicht bekannt.

Bekannter hingegen war der Kölner Textautor Rudi von der Dovenmühle (1920-2000), von dem u. a. Titel wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann" (Gitte, 1963), "Caroline" (Ray Miller, 1970) oder die "Liechtensteiner-Polka". Auch der deutsche Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision von 1964, "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" von Nora Nova, stammte aus seiner Feder. Der Song selbst fiel leider durch und landete - punktelos - am letzten Platz.

Nun aber zu diesem literarischen Hochgenuss:

Du spielst immer Räuberhauptmann
Wie das sonst die Buben tun
Du raubst heimlich jedes Mädchenherz
Und bereitest damit Liebesschmerz
Du machst alles wie ein Tunichtgut

Kaputt - kaputt - kaputt

Du spielst immer Räuberhauptmann
Wie das Ali Baba tat

Morgens kommen Blumen schön verpackt
Und bei Nacht und Nebel wird dein Herz geknackt
Du machst alles wie ein Tunichtgut
Kaputt - kaputt - kaputt

Wenn ein Mädchenherz auch goldig ist, ja, ja
Sowas stielt man nicht bei Nacht, no, no

Du hast schon so manches Girl gekränkt
Und vielleicht hätt' grad dieses Girl 

Dir von Herzen lieb und gern ihr Herz geschenkt
(Wiederholung)





Ja, wer kennt sie nicht, die bösen Räuber, die Nachts kommen und einfach Herzen klauen. (Ein Umstand, der auch Gaby Baginsky nicht fern war und ein paar Jahre später auch von ihr musikalisch in Szene gesetzt wurde.) Gut, dass die brave Valerie ihres besonders heftig bewacht hat. Andere Stellen wurden möglicherweise auch mithilfe eines zeitgemäßen Keuschheitsgürtels (farblich passend zum Mini) kaschiert. Besonders dankbar bin ich Textautor Rudi vor allem für die Verwendung des Worts "Tunichtgut" - eine großartige bildhafte Bezeichnung für manch fragwürdige Individuen, die man einfach nicht treffender beschreiben kann - das sich auch besonders gut auf das akzentbehaftete "kapuuut" reimt.

Literarisches Highlight ist definitiv folgende Verszeile: "Du hast schon so manches Girl gekränkt und vielleicht hätt' grad dieses Girl dir von Herzen lieb und gern ihr Herz geschenkt". Das fehlerfrei (in diesem Tempo) auszusprechen, fiele selbst mahnschäm ... pardon, manchem Muttersprachler schwer. An dieser Stelle also noch ein Sonderpunkt für Valerie und an jene Person, die die ehrenvolle Aufgabe bekam, reihenweise Geschirr zu zerdeppern, um dem Song das "gewisse Etwas" zu verleihen (und um zweifellos einiges kaputt zu machen)!

Wenn ihr euer Herz verschenken möchtet, dann müsst ihr es gar nicht nett einpacken. Lasst es aber vielleicht nicht an zu öffentlichen Orten liegen, sonst wird es am Ende von der falschen Person "geknackt" und ist dann nur noch kaputt kaputt kaputt ...