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Freitag, 12. Juni 2020

# 84 - "Ich stehe nur auf Bielefeld" - Heidi Thuns (1973)

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich in letzter Zeit ein bisschen unregelmäßiger Einträge produziere, aber ich merke tatsächlich Anlaufschwierigkeiten bei mir. Nach der großen Zwangspausen-Entschleunigung merke ich, dass ich nicht (mehr) so belastbar bin, wie zuvor. Kleine Alltagsgeschichten kosten mich deutlich mehr Energie und ich habe das Gefühl, dass ich mich sogar von einem Eisessen wieder erholen muss. Hoffe, dass sich das bald wieder legt. Möglicherweise sind aber auch einfach nur die Impfbefürworter oder Chemtrails schuld. Was haltet ihr von Verschwörungstheorien?
Angeblich gibt es ja die Stadt Bielefeld nicht! Ich war noch nie dort - kann es also leider auch nicht bestätigen. Die Existenz der vorliegenden Single lässt sich allerdings nicht leugnen.




HEIDI THUNS
A: Ich stehe nur auf Bielefeld (M & T: Peter Lach)
B: Wer will noch mal? [Carneval Mars] (M: Jan Mol / dt. T: Peter Lach)

1973, Philips, 6003 336


Heidi Thuns wurde 1942 in Hamburg geboren. Zwischen 1965 und 1974 veröffentlichte sie neun Singles bei sechs Plattenfirmen (u. a. "Männertreu", "La, La, La, Luna", "Nur bei dir scheint die Sonne" oder "Hände weg von meinem Peter"). Darüber hinaus sang sie auf zahlreichen Compilations-LPs mit dem Orchester Frank Valdor bekannte Hits ein.

Peter Lach war ab Mitte der 50er-Jahre als Songwriter im Einsatz. So schrieb er unter anderem einen deutschen Text zum ABBA-Hit "Ring Ring" und Lenny Kuhr's Songcontest-Sieg "Der Troubadour".


Der vorliegende Song eignet sich auch wunderbar zum Mitschunkeln und kann auch noch mit einem Alkoholgehalt von drei Promille lautstark fröhlich mitgegrölt werden! 

Mein erster Freund, der stand im Tor, auf unserm Fußballplatz
Und weil sein Club niemals verlor, stand hoch im Kurs mein Schatz
Er wurde bald verkauft als Star und schrieb mir aus Turin
Komm her, hier ist es wunderbar, doch ich schrieb stolz an ihn

Ich stehe nur auf Bielefeld
Und auf den Teutoburger Wald
Ich pfeif' auf deine große Welt
Die lässt mich völlig kalt

Mein Zweiter stand im Atelier oft vor der Kamera
Und bald auch sein Zahnpasta-Portrait ganz groß im Fernsehen, ja
Man holte ihn sich nach Paris, als Dressman Nummer 1
Er wollt' nicht, dass ich ihn verließ, doch ich schrieb: "Lieber Heinz"

Refrain

Mein Dritter stand mir nur im Weg um sechs nach Ladenschluss
Und ständig in der Discothek beim Tanz auf meinem Fuß
"Geh bloß zum Mond, zum Mond mit dir", so schrie ich immerzu
Doch er schrie: "Nein, ich bleibe hier, ich bin genau wie du"

Refrain




Uff ... das ist ja mal eine Ansage! Für all jene, die Freunde von Verschwörungstheorien sind: Hierbei handelt es sich um keine Single von Fran "Die Nanny" Drescher, auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit (auf diesem Foto) durchaus vorhanden ist.
Auch nach diesem Song können wir immer noch über die tatsächliche Existenz von Bielefeld spekulieren. Viele Hinweise gibt uns die gute Heidi nicht - nur, dass sie immerhin ein verhältnismäßig ausführliches Liebesleben Revue passieren lassen kann ... das ist schon beeindruckend, wenn auch verständlich, warum sie die drei Vögel abgeschossen hat.
Solltet ihr einmal die Chance haben, Bielefeld einen Besuch abzustatten, nutzt es doch! Ich kenne tatsächlich zwei Frauen, die dort angeblich arbeiten. Und die Frauen existieren wirklich. Das ist schon einmal mehr, als mir Verschwörungstheoretiker bieten können ... Ob Heidi zugunsten auch ein "Ehren-Baum" im Teutoburger Wald gepflanzt wurde? Naja, der kann sich gegen diese unfreiwillige Werbung leider auch nicht wehren. Oder findet gerade deshalb der Klimawandel immer mehr Einzug in unser Bewusstsein?

Dienstag, 26. Mai 2020

# 69 - "Ein Student aus Uppsala" - Kirsti (1969)

Den heutigen Beitrag widme ich all jenen, die bereits große Freude mit der musikalischen Verbindung alltäglicher Dinge mit eingängigen tonalen Künsten haben. Wir erinnern uns da beispielsweise an Ni-cool-e ;)




KIRSTI
A: Ein Student aus Uppsala (M: Henry Mayer / T: Georg Buschor)
B: Und die Sonne geht auf (M: Henry Mayer / T: Georg Buschor)

1969, Telefunken, U 56 044


Der erfolgreiche Textautor Georg Buschor (1923-2005) schrieb u. a. "Zwei kleine Italiener" (Conny Froboess, 1962), "Schuld war nur der Bossa Nova" (Manuela, 1963), "Liebeskummer lohnt sich nicht" (Siw Malmkvist, 1964), "Winter in Canada" (Elissa Gabbai, 1966), "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" (Dorthe, 1967), "Arrividerci Hans" (Rita Pavone, 1968), "Akropolis Adieu" (Mireille Mathieu, 1971) oder "Der Stern von Mykonos" (Katja Ebstein, 1973).

Die 1946 geborene norwegische Sängerin Kirsti Sparboe arbeitete nach ihrer kaufmännischen Lehre als Sekretärin. Sie unternahm erste Auftritte als Sängerin einer Tanzkapelle, nahm Gesangsunterricht und erhielt bereits mit 17 Jahren ihren ersten Schallplattenvertrag. Dreimal vertrat sie - mit mäßigem Erfolg - Norwegen beim Grand Prix d'Eurosivion (1965 Platz 13, 1967 Platz 14, 1969 Platz 16).

Gleich ihre erste Single "Du darfst nicht weinen" erreicht im Juni 1968 #24 der Charts. Weitere erfolgreiche Titel waren "Von mir aus kann es regnen" (November 1968, #38), "Napoleon und Josefine" (Juli 1969, #34) und "Die treuen Husaren" (November 1969, #37).

Ihr größter Hit in Deutschland wird die im März 1969 veröffentlichte Single "Ein Student aus Uppsala", die sich 14 Wochen in den Charts hält und bis auf #15 kommt.

Ihre letzte Single in Deutschland erscheint 1972, in Norwegen ist sie noch bis Mitte der 80er-Jahre aktiv.

Im Vergleich mit anderen skandinavischen Sängerinnen, die zeitgleich im deutschsprachigen Raum vertreten sind, hat sie eine deutlich kürzere Karriere. In diesem Zusammenhang waren Dorthe (* 1947, Dänemark), Siw Malmkvist (* 1936, Schweden), Gitte (* 1946) und Wencke Myhre (* 1947, Norwegen) deutlich erfolgreicher - die letzten drei auch als Sängerinnen beim Eurovision Song Contest!

Nun aber zum heutigen Song, zu dem ich glücklicherweise auch ein Video mit Kirsti gefunden habe:

Ein Student aus Uppsala-la-la-la La-la-la-la-la-la-la-la-la-la
Ein Student aus Uppsala-la-la-la La-la-la-la-la Laaaa

Meine Freundin rief an
Ob ich mitkommen kann
Auf die Hütte im Schnee
Und ich sagte: "Okay!"

In der Sonne im März
Da verlor ich mein Herz
Als ich ihn damals sah
Er war Student aus Uppsala

Refrain


Und am Abend beim Tee
Auf der Hütte im Schnee
Sprach er leise zu mir:
"Ich bleib' immer bei dir"

Und wir hatten kein Geld
Aber schön war die Welt
Denn der Himmel war nah
Und mein Student aus Uppsala

Refrain

Ich kam später im Mai
An der Hütte vorbei
Und ich fand keinen Schnee
Denn da blühte der Klee

Doch die Sonne, die schien
Und ich dachte an ihn
Den ich nie wieder sah
Er war Student aus Uppsala

Refrain






Freunden der leichten Muse ist dieser Titel möglicherweise im Rahmen der anspruchsvollen, zeitaktuelleren (2015), Coverversion der Hot Banditoz ("Shake your Balla") bekannt.





Nun was für eine Geschichte erzählt uns Kirsti da? Eine Freundin bittet Kirsti, sie auf eine nicht näher definierte "Hütte im Schnee" zu begleiten. Kirsti - keine Freundin großer Worte - willigt mit einem lässigen "Okay" ein und die beiden machen sich im März auf eine (Aprés-)Ski-Tour. Inwieweit die sogenannte Freundin an den weiteren Geschehnissen oder sie vielleicht sogar als Drahtzieherin an dem frostigen Liebeskomplott beteiligt ist, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Fakt ist jedenfalls, dass die beiden - oder zumindest Kirsti - nicht alleine waren. Was im März durchaus überraschend ist. Ich kombiniere, es muss ein langer, kalter Winter gewesen sein. Der nicht näher definierte Mann gibt an, Student im schwedischen Uppsala zu sein. Bereits am selben Abend witterte der Täter bei einer Tasse JagaTee seine Chance und erklärte der jungen Kirsti spontan seine Liebe und dass er immer bei ihr bleiben wolle. Kirsti, rosarot-bebrillt, war sofort begeistert (wir erinnern uns, die ehemals gute Freundin, deren Schnaps-Idee der ganze Ausflug war, taucht an dieser Stelle nicht mehr auf), obwohl sie nach eigenen Angaben beide mittellos waren, empfanden sie die Welt als schön und den Himmel als nah (gut... somit wäre bereits eine weniger lebensbejahende Alternative einer eigenwilligen Vorstellung von gemeinsamer Zukunft gegeben). 
Zwei Monate gingen ins Land und Kirsti kehrte an den einstigen Ort ihrer großen Liebe zurück. Der Schnee war weg, genauso wie der Student, von dem Kirsti - trotz großer Liebesbekundung - scheinbar nicht einmal den Namen wusste (Anfängerfehler oder vielleicht doch zu viel ... Tee?). Naja. Kirsti ist allem Anschein nach ja mit Klee und Sonnenschein auch leicht zufriedenzustellen und begnügt sich damit, an den treulosen Herzensdieb zu denken. Ist ja auch schön. 
Vermutlich hat sich der Gute an eine (finanziell) bessere Partie rangemacht und arbeitete fortan erfolgreich als Heiratsschwindler. Nachforschungen an der Universität von Uppsala blieben übrigens erfolglos. Kirsti hätte sich zumindest eine Studienbestätigung zeigen lassen oder seine Matrikelnummer notieren müssen.
Vielleicht war er aber auch nur ein Erasmusstudent, der ein bisschen länger geblieben ist, um den schönen Winter zu genießen?

Wir werden es wohl nie erfahren ... also aufpassen im Umgang mit AkademikerInnen!