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Freitag, 3. Juli 2020

# 107 - "Willst du mich?" - Jane Palmer (1976)

Könnt ihr euch noch an die legendäre ORF-Tiersendung "Wer will mich?" erinnern, in der Edith Klinger von 1981 bis 1999 Haustiere vermittelte? Nein, darüber geht es heute nicht! Naja ... eigentlich schon ... ein bisschen zumindest ... aber doch irgendwie ... anders.

Für alle, die die Sendung nie gesehen haben, hier ein kleiner Ausschnitt zum belustigenden Start ins Wochenende:




Und das hier ist tatsächlich keine Parodie, sondern ein etwas "entglittener" Auftritt bei dem "echten Willkommen Österreich" ;)





Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, dem heutigen Song:




JANE PALMER
A: Willst du mich? [Low down Love] (M: Joachim Heider / dt. T: Fred Jay)
B: Komm wieder (M: Joachim Heider / T: Fred Jay)

1976, EMI, C006 31 642
produziert von Joachim Heider


Den Texter Joachim Heider, der zu Beginn seiner Karriere noch selbst großtenteils vor dem Mikrofon (unter dem Künstlernamen "Alfie Khan") stand, war bald für zahlreiche Hits von SängerInnen wie Christian Anders oder Marianne Rosenberg verantwortlich.

Mitte der 70er-Jahre wurde er auf die Sängerin Jane Palmer aufmerksam, die - wie ihr Name bereits verspricht - aus Köln kommt. Ihre Debütsingle "Willst du mich?" (wird auch als "Low down Love" in englischer Sprache veröffentlicht) kommt 1976 auf den Markt. Es folgen Deutschlandtourneen und zahlreiche Auftritte. 1981 wird sie Mitglied bei Wolf Maahn und die Deserteure. Als gefragte Studio- und Backgroundsängerin war sie an zahlreichen internationalen Produktionen beteiligt. So stand sie auch gemeinsam mit Joe Cocker oder den Scorpions auf der Bühne. Zwischen 1976 und 1987 veröffentlichte sie neun Solosingles. Sie ist auch heute noch musikalisch aktiv.

Hier nun ein Auszug aus dem Song:

Willst du mich?
Ich frag' dich: Willst du mich?
So wie ich
Ich frag' dich: Willst du mich?

Willst du mich?
Denkst du über uns wie ich?
Willst du mich?
Ich frag' dich: Willst du mich?



Es tut mir leid. Viel mehr habe ich beim besten Willen nicht verstanden. Live-Auftritte sind schwierig, das ist mir klar, aber so vernuschelt wie der ganze Text hier dargeboten wird, hat man echt kaum eine Chance auch nur ansatzweise die (möglicherweise) großartigen Worte von Fred Jay zu verstehen. Mir ist es leider nicht gelungen. 
Wenn jemand von euch in der Lage ist, zumindest einen zusammenhängenden Satz zu verstehen, dann freue ich mich über entsprechende Rückmeldung!




... und ich wiederhole nochmals: Jane Palmer ist keine Amerikanerin. Sie stammt aus Köln und heißt bürgerlich vermutlich Gabi Schmidt oder Renate Kamellenfänger. Die Stimme ist gut und es war sicher sinnvoll sich auf den englischen Markt sowie den Rockbereich verstärkt zu konzentrieren.
Ihr Auftritt ist auf jeden Fall auch besonders. Der weiße Overall, der aussieht, als wäre er aus Kunstleder, war vielleicht auch nicht die allerbeste Wahl. Die Falten, die er an manchen Stellen wirft, sind nicht gerade vorteilhaft. Zudem habe ich das Gefühl, dass sie ein bisschen zu viel "Catwalk-Training" gemacht hat. Ihre "Moves" irritieren mich ein bisschen und ich mache mir ehrlich gesagt ein wenig Sorgen um ihre Kniescheiben und das Hüftgelenk. Ein Jahr später veröffentlichte sie einen Titel namens "Keiner war wie du" (der wie eine Mischung aus drei Marianne-Rosenberg-Titeln klingt) und ich würde gerne korrigieren: "Keine war wie du!".
Jane Palmer ist im deutschen Musikgeschäft der 70er-Jahre definitiv besonders, schon allein dadurch, dass sie eine der wenigen deutschsprachigen Sängerinnen ist, die in dieser Zeit auch (ganz ordentliche) englische Titel singen dürfen ...

Zum Einstieg ins Wochenende biete ich daher noch die englische Version des Titels an, die definitiv mehr von ihrem Können unter Beweis stellt! :)


Samstag, 16. Mai 2020

# 59 - "Isabell" - Gerd-Michaelis-Chor (1974)

Um euch nach der ganzen Ernsthaftigkeit der letzten Tage wieder ein bisschen unbeschwerte Fröhlichkeit zu bieten, habe ich heute einen meiner liebsten Gute-Laune-Songs ausgegraben! Viel Spaß!




GERD MICHAELIS CHOR
A: Isabell (M: Gerd Michaelis / T: Wolfgang Brandenstein) Solo: Hartmut "Muck" Schulze-Gerlach
B: Der romantische Mond (M: Hartmut Schulze-Gerlach / T: Wolfgang Brandenstein) - Solo: Werner Düwelt & Hartmut "Muck" Schulze-Gerlach

1974, AMIGA, 4 55 992



Der Gerd-Michaelis-Chor wurde 1967 als Teil des Wolfgang-Brandenstein-Ensembles gegründet und war ein achtköpfiges Vokalensemble aus der DDR, das nicht nur mit Schlagern, sondern auch mit politischen Liedern erfolgreich wurde. Mehrere SängerInnen starteten später erfolgreiche Solokarrieren (u. a. Jan Gregor und Gerti Möller). Der Chor wirkte - neben seiner regen Konzerttätigkeit sowie eigenen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen - bei zahlreichen musikalischen Aufnahmen in der DDR mit.
"Isabell" war 1973 der erste Hit des Chores. Nach dem plötzlichen Tod von Sängerin Beate Barwandt (1950-1975) stürzte Gerd Michaelis in eine Krise und gab die Leitung des Chores an Vlady Slezák weiter, der ihn ab 1976 als "Cantus-Chor" weiterführte.

1974 bestand der Chor aus Renate Baptist, Beate Barwandt, Werner Düwelt, Ingeborg-Jette Lehmann, Benno Penssler, Hartmut Schulze-Gerlach, Eva Maria Slezák und Vlady Slezák.


Hartmut Schulze-Gerlach wurde 1948 in Dresden geboren und ist gelernter Betonbauer. Ab 1973 Mitglied im Gerd-Michaelis-Chor prägte er die Songs mit seiner markanten Stimme. Seinen Künstlernamen "Muck" - ein Relikt aus Kindertagen, weil er seinen Namen nicht aussprechen konnte - gabs obendrauf. Nachdem er den Chor 1976 verlassen hat, begann er seine Solokarriere. Erfolgreiche Titel von ihm waren "He, kleine Linda", "Chin-Chin-Julia" und "Wandern wir mal". Als Komponist arbeitete er für zahlreiche DDR-Künstler.

1981 startete er in der Show "Sprungbrett", in der er jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten gab, seine zweite Karriere als Fernsehmoderator. Von 1995 bis 2018 moderierte er beim MDR die Oldieshow "Damals war's". Er lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern auf einem ehemaligen Bauernhof auf der Insel Rügen.

Nun aber zum Song!

Isabell, Isabell
Komm, setz' dich auf mein Bärenfell
Ich hab' dich gern in meiner Näh'
Isabell, Isabell
Für dich nur liegt das Bärenfall
Auf meinem alten Kanapee

--> Ich sag's gleich vorweg: Das Bärenfell ist natürlich nicht echt. Und ja, es mussten auch keine unschuldigen Teddybären, die Muck Isabells Vorgängerinnen geschenkt hat, dafür sterben. Und auch alle Vegetarier und Veganer können unbesorgt sein: In diesem Fall sind natürlich nicht die kleinen Appetithäppchen (Canapés) gemeint, sondern ein Sofa bzw. eher eine Art Diwan, wo man es sich zu zweit ganz besonders gemütlich machen kann (mit und ohne Fake-Bärenfell).

Gibt der kleine Muck 
Sich einen Ruck
Dann geht er ran
Ist die Wirtin weg
Dann wird er keck
Und das kommt an

Unser Muck ist ein Filou
Und dein Herz fischt er im Nu
Und auch mehr eventuell
Aber nur bei Isabell

--> Na holla die Waldfee! Der kleine Muck geht aber ganz schön ab. So wie diese Geschichte klingt, ist der gute Mann kein Kostverächter und Isabell sicher nicht die erste Wahl ... In einem alten Fernsehbericht habe ich gehört, dass die letzte Refrainzeile ursprünglich "Aber nie bei Isabell" ... das ging natürlich für die strengen Zensoren nicht und so musste die Zeile adaptiert werden.

Isabell, Isabell
Findest du es nicht auch zu hell?
Ein bisschen Stimmung muss schon sein
Isabell, Isabell
Du bist auf meinem Bärenfell
Nochmal so schön im Kerzenschein

--> Ja klar. Um herauszufinden, ob Isabells Unterwäsche auch farblich zur Bettwäsche passt, einfach mal die Sicherungen rausgedreht, damit man sich noch besser am Bärenfell rekeln kann ... Kamin hat er aber scheinbar keinen. DAS hätte definitiv mehr Eindruck geschunden, als so ein paar lahme Kerzen. Vielleicht gabs wenigstens Räucherstäbchen (hoffentlich ohne Patschuli ... wuaaaha !)...

Refrain

Isabell, Isabell
Warum willst du denn gar so schnell
Hals über Kopf nach Hause geh'n?
Isabell, Isabell
Ich sitz' auf meinem Bärenfell
Und kann die Welt nicht mehr versteh'n

--> Tja, da ging der Muck, unser feuchtfröhlicher Filou, wohl etwas zu forsch ran und hat die gute, treuselige und keusche Isabell wohl etwas mit seiner Keckheit überfordert. Und bekam wohl auf seine Anfrage im Nu nicht nur einen Ruck, sondern auch einen Korb. Ans "Kommen" war dann wohl nicht mehr zu denken ...
Aber so ein Bärenfell kann ja auch ganz kuschelig sein ... in einsamen Nächten!

Oh Isabell, Isabell
Denk' auch mal an mein Bärenfell
Und lass dich bald mal wiederseh'n
Oh lass dich bald mal wiederseh'n
Yeah Isabell ...




Wenn euch dieser Song gefallen hat, dann sucht doch mal nach einem YouTube-Tutorial für Fake-Bären-Felle, näht es nach und macht es euch - mit einer Packung Gummibären (Marke nach Wahl) - darauf bequem. Sollte jemand von euch Isabell heißen, dann tut es mir leid, dass ich hiermit die Büchse der Pandora geöffnet habe und du wohl zeitlebens mit diesem Lied zurechtkommen musste.
Solltet ihr einmal in die Situation kommen, dass euch jemand - neben seiner Briefmarkensammlung - auch ein Bärenfell zeigen möchte, dann könnt ihr sicher sein, dass er auch körperlich starkes Interesse an euch verspürt. Beruht dies auf Gegenseitigkeit, wünsche ich euch viel Spaß mit Canapés am Kanapee. Ist dies allerdings nicht der Fall, dann packt präventiv am besten eine Bärenfalle an ;) 

Dienstag, 12. Mai 2020

# 55 - "Eins, zwei - ich zähle bis drei" - Peter Holm (1971)

Abzählreime sind nicht nur bei Kindern äußerst beliebt, sondern durchaus auch für die bevorstehende Partnerwahl geeignet. So befindet dies zumindest der vorliegende Interpret (oder besser gesagt, sein Textautor). Eene-Meene-Muh und raus (aus dem Schlagergeschäft) bist du ...




PETER HOLM
A: Eins, zwei - ich zähle bis drei [?] (M: Barry Keith / dt. T: Christian Heilburg = Gregor Rottschalk)
B: Die Welt ist okay [?] (M: Peter Holm & Rune Walleborn / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)

1971, Riviera, MR 28 041
produziert von Günter Henne

Bei diesem Text handelt es sich um ein Frühwerk des deutschen Erfolgstexters Gregor Rottschalk (* 1945) alias Christian Heilburg. Große Hits aus seiner Feder waren beispielsweise "Er gehört zu mir" (Marianne Rosenberg, 1975), "Josie" (Peter Maffay, 1976), "Marleen" (Marianne Rosenberg, 1976) und "Und es war Sommer" (Peter Maffay, 1976).

Peter Holm wurde 1947 als Peter Sjöholm in Schweden geboren. Seine Karriere als Popsänger und "schwedischer Playboy" brachte ihm allerdings nicht so viel Popularität wie die Kurzzeit-Ehe mit Star-Schauspielerin Joan Collins (* 1933). Während der Ehe wurde er ihr Manager und produzierte mit ihr zwei TV-Miniserien ("Sins" und "Monte Carlo").

Mitte der 60er-Jahre war er Mitglied von "The New Generation" (vormals "Plöjboys"), die bis 1969 mehrere Singles und ein Album auf den Markt brachten. Parallel dazu startete er seine Solo-Karriere. Sein bekanntester Titel wurde "Monia" (1968). Bis Mitte der 70er-Jahre nahm er mehrere Songs in verschiedenen Sprachen (großteils französisch) auf. Neben der heute vorgestellten deutschen Sprache, gibt es noch eine weitere ("Versuch' es noch einmal mit mir" 1972).
Peter Holm heiratete am 6. November 1985 die Schauspielerin Joan Collins. Collins beantragte rund ein Jahr später die Annullierung - die Ehe wurde am 24. August 1987 geschieden. Collins klagte über eine Reihe von "endlosen Auseinandersetzungen" und bezeichnete Holm als "Tyrann mit wildem Temperament". Zudem sei er "die kämpferischste Person, die ich je getroffen habe".
Im Dezember 1986 erhielt Holm eine einstweilige Verfügung. In dieser Zeit gab er Interviews, in denen er sich über Collins "Identifikation" mit ihrer Serienfigur Alexis ("Dynasty" = "Denver Clan") äußerte. Zudem forderte er 20 Prozent von Collins' Einnahmen, während ihrer gemeinsamen 13 Monate (sie verdiente in dieser Zeit ungefähr fünf Millionen US-Dollar). Das Scheidungsverfahren avancierte zum Medienzirkus.
Holm verlor den Prozess und erhielt nur die im Ehevertrag vereinbarten 80.000 US-Dollar. Daraufhin zog er in die Schweiz. Was danach aus ihm wurde, ist nicht bekannt.




Tja ... wenn man die Geschichte seiner Ehe kennt, dann erhält dieser Text ganz originelle Parallelen. 

Eins, zwei - ich zähle bis drei
Bei jedem Kuss von dir, me oh my
Eins, zwei - es bleibt dabei
Du gehörst zu mir, me oh my

Wenn ich mit dir einmal zum Tanzen geh'
Lass ich keinen anderen in deine Näh'
Sie ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Auf jeder Party, da bist du der Star

Alle seh'n dir nach und es ist mir klar
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Du bringst die Männer fast um den Verstand
Alle um dich her sind außer Rand und Band
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain





Somit hätten wir wieder einen kitschig-belanglosen Liebessong ausgegraben, der mehr durch Banalität als Feingefühl glänzt. Dafür vergebe ich einen Rosenstrauß (den kann man dann auch gut für den drohenden Rosenkrieg einsetzen).

Freitag, 1. Mai 2020

# 44 - "Boutique für schöne Mädchen" - Stephan Bergen (1973)

Zuerst wollte ich heute - anlässlich des Tags der Arbeit - einen fröhlichen DDR-Schinken ausgraben, der zum fröhlich-kollektiven Ärmel-Hochkrempeln einlädt, aber den spar ich mir noch für einen anderen Tag auf ;)

"Reales" Shopping wird ja langsam wieder zum Thema, nachdem auch bald größere Geschäfte ihre Türen öffnen dürfen.




STEPHEN BERGEN
A: Boutique für schöne Mädchen (M: Christian Anders / T: Fred Jay)
B: Amore in Roma (M: Christian Anders / T: Fred Jay)

1973, Hansa, 12 537 AT
produziert von Günter Henne


Schlager-Star Christian Anders alias Antonio Augusto Schinzel-Tenicolo ("Geh' nicht vorbei", "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo", "Sechs Uhr früh in den Straßen") komponierte nicht nur für sich, sondern auch für andere. Neben dieser (einzigen) Zusammenarbeit mit Stephan Bergen, komponierte er beispielsweise für Britt Malmkjell ("Männer, die noch keine sind"), Anna-Lena ("Wenn es falsch ist dich zu lieben"), Jean-Claude ("Ich komm wieder, kleine Geisha") oder Tanja Berg ("Das Herz, das du brichst").

Über Stephan Bergen selbst ist wenig bekannt. Zuvor veröffentlichte er bei Polydor als Stephan Berger zwei Singles ("Immer, immer wieder" und "Nur für dich hab' ich Zeit").

"Stephan Bergen, Student der Volkswirtschaft, wurde 1950 in Berlin geboren. Er ist 1,76 m groß, hat braune Augen und braunes Haar. Schon während seiner Schulzeit sang er im Rias-Kinderchor und nahm fleißig Musikunterricht. Seit einiger Zeit singt er ständig in einem Berliner Theater-Chor. Stephan Bergen legt keinen Wert auf Äußerlichkeiten - er ist ein echtes Kind unserer Zeit.", schrieb seine Plattenfirma. 
Der letzte Satz ist echt in vielerlei Hinsicht originell ... so als hätte man bei der Hippie-Sängerin Feli Flower geschrieben "Als echter Hippie legt sie keinen Wert auf Hygiene - sie ist ein echtes Blumenkind dieser Zeit". Zudem möchte ich erinnern, dass der Song, den Stephan besingt, den Titel "Boutique für schöne Mädchen" trägt. Würde er keinen Wert auf Äußerlichkeiten legen, könnte es doch einfach "Boutique für (alle/jedes) Mädchen" heißen oder? Und würden wir noch eine Genderdiskussion anregen, schlicht "Boutique für Menschen"?

Im April 1973 hat er mit dem vorgestellten Titel einen Auftritt in der ZDF-Hitparade, kann sich allerdings zurecht nicht platzieren. Zu dieser Zeit stand er in "Hello, Dolly!" - neben Marika Rökk - auf der Bühne des "Theater des Westens" (heute Stage Theater des Westens) in Berlin. Möglicherweise hat er später in einer "Boutique" ein passendes Gegenstück gefunden und trat daher nicht mehr singend in Erscheinung. Zumindest sind keine weiteren Platten bekannt.

Kommen wir also zu diesem besonderen Titel! Und ich warne euch gleich vorweg: Wir müssen diesen Titel wörtlich nehmen. Die "Boutique für schöne Mädchen" ist nämlich kein Geschäft, in dem Mädchen einkaufen. 

In der Boutique für schöne Mädchen
Die's nur in meinen Träumen gibt
Da findet jeder gleich die eine
In die er sich sofort verliebt

In allen Farben, allen Größen
Sind sie in Reihen aufgestellt
Ein wunderbares Warenlager
Für jeden etwas, das gefällt


--> Ja, da schreien zurecht einige Leute: "Das ist ja Sexismus!". Welche Frau möchte nicht als "Ware" bezeichnet werden und lässt sich gern "in allen Farben, allen Größen (...) in Reihen aufgestellt" präsentieren? Moment ... gibt es solche "Boutiquen" nicht auch in real? Ich glaube die heißen Laufhäuser ...

Und wenn der Frühling dann ins Land kommt
Freu'n sich alle schon darauf
Denn wie in jedem guten Laden
Gibt's einen Winter-Ausverkauf


--> Genau! Im Frühling ist dann die Zeit von "Rudis Resterampe" gekommen, um alle Schreckens-Schabraken, die noch keinen Kerl abgekriegt haben, zum Dumpingpreis "an den Mann zu bringen". All you can eat, oder so. Frauenfeindlicher Trash der übelsten Art!

Ja, die Boutique für schöne Mädchen
Die hätte manchen int'ressiert
Doch sie ist einer jener Träume
Aus denen nie was Rechtes wird


--> Was wäre denn "was Rechtes"? Gut, dass der liebe Stephan nicht auf Äußerlichkeiten achtet. Ach ja, wie heißt nochmal schnell der Laden? Genau: "Die Boutique für schöne Mädchen". Danke für diese Gedächntnisstütze!

Wenn einer mal kein Mädchen hat
Was tut er dann, was tut er dann?
Er geht traurig durch die ganze Stadt
Und schmiedet manchen Plan


--> Eine schöne Beschreibung für testosterongesteuerte Männer mit Libido-Engpass (liebevoll auch "Stangenfieber" genannt). Jetzt wäre es natürlich blöd, wenn gerade heute Feiertag oder Sonntag ist und ausgerechnet jetzt die Boutique geschlossen hat, um in letzter Sekunde diesen Notstand ... äh ... Notfall zu verhindern. Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Mit Glück fällt ihm das Rechte ein
Am rechten Ort, zur rechten Zeit
Wenn er Pech hat, bleibt er lang allein
Und tut sich selber leid


--> Na da haben wir ja Gott sei Dank noch rechtzeitig die Kurve gekratzt. Allerdings muss es natürlich wieder "das Rechte am rechten Ort zur rechten Zeit" sein (also zumindest nicht das Linke!) ... und wenn der Plan nicht aufgeht, wird netterweise nicht zu einer Einladung für feuchtfröhliche Vergewaltigung aufgerufen, sondern zu einem tragischen Eremitendasein - Selbstmitleid inklusive.

Warum nur lässt man das auf sich beruh'n?
Man könnte doch etwas dagegen tun?

Refrain und Wiederholung



Wenn ich mir die Performance von Stephan ansehe, der sich ja durchaus Mühe gibt, habe ich das Gefühl, dass sich seine Stimme nach dem Stimmbruch nicht für eine große Schlagerkarriere entwickelt hat. Zudem weckt sein Auftreten den Anschein, als wäre er eher an schönen Männchen a la Jürgen Marcus interessiert.




Gut. Ich lasse sämtliche weitere Interpretationen offen und vergebe fünf Extra-Schließtage für die armen Mädchen, die in dieser Boutique ihr Dasein fristen müssen.
(Ja, aufgrund solcher Titel lässt sich nachvollziehen, warum es Feministinnen gab, die sich zu Frauenmusik a la Schneewittchen zusammenschlossen!) Schönen Start ins Wochenende!

Donnerstag, 23. April 2020

# 36 - "I steh' nur auf Italiener" - Margit P. (1986)

Für die heutige Songvorstellung müssen wir nicht so weit reisen: es geht nach Bayern! Thema des heutigen Songs ist wieder einmal Liebe in einer besonderen Form.
(Ich habe übrigens schon lange kein Schallplattencover mehr so laut "Hey, schau mal, wir sind die 80er!!" schreien gesehen, wie dieses!)




MARGIT P.
A: I steh' nur auf Italiener (M: Lenz Hauser & Herbert Heudecker / T: Herbert Heudecker)
B: I mog di [Piove] (M: Domenico Carlucci / dt. T: Lenz Hauser & Siegfried Labenz) 

1986, Koch-Records, AS 145.267
produziert von Lenz Hauser

Margit P. wurde 1963 als Margit Petraschka geboren und lebte damals im niederbayerischen Eggenfelden. Bekannte Persönlichkeiten, die ebenfalls dorther kamen, sind die deutsche Kabarettistin Lisa Fitz und der seit 2018 verschollene Sänger Daniel Küblböck.
Bereits in der Schule war sie musikalisch aktiv, spielte Saxophon, sang in unterschiedlichen Formationen und hatte eigene Bands. Sie arbeitete damals als Friseurin. Margit brachte es immerhin auf eine Hand voll Schallplattenaufnahmen. Weitere Titel waren beispielsweise "Kinderaugen", "Bodybuilding", "Ui, i bin im Radio" und "September in Rimini".

Mit ihrer Eigenkomposition "Der Sonne entgegen" versuchte sie 1986 ihr Glück beim deutschen Vorentscheid für den Grand Prix d'Eurovision, landete damit aber nur auf Rang 9. Diesen Bewerb konnte Ingrid Peters mit "Über die Brücke geh'n" für sich entscheiden (beim ESC belegte sie Platz 8).

Das ganze lange Jahr hab' ich gespart für meinen Urlaub in Italia
Ich hab' dafür einen guten Grund, drum muss ich immer wieder hin
Es liegt nicht an der Sonne oder an dem weißen Strand der blauen Adria

Es ist was völlig anderes, das geht mir einfach nicht mehr aus dem Sinn

--> Gut, dass dieser Song aus dem Jahr '86 ist - damals, als man noch ohne Probleme nach Italien fahren konnte. Durch den Corona-Ausbruch wird der Traum von "Bella Italia" wohl noch für einige Zeit ad acta zu legen sein :/ Die gute Margit müsste heute ihr gespartes Urlaubsgeld wohl für einen Trip nach Salzgitter, Detmold, Buxtehude oder Bad Salzuflen ausgeben.

Jo i steh nur auf Italiener
Auf Spaghetti, Vino, Pizza, Amore, o la la 
Und nächstes Jahr, do kumm i wieder
Denn meine Papagalli s
an sicher wieder da

--> Dennoch zeigt sich Margit bescheiden. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen - daher ist die Reihenfolge Nudeln, Wein, Pizza, Liebe ganz klar vorgegeben. Für meinen Geschmack fehlt noch eine ordentliche Portion Gelato, aber man muss ja nicht alles haben - kommt ja auch auf die Menge an! ;)

Im letzten Urlaub hab' ich mir gedacht, ich hätte ihn gefunden
Schwarze Haare, blauen Augen und mit einer sportlichen Figur
Braungebrannt und wie er von sich selber sagt auch nicht gebunden
Doch er war kein Italiano, von Temperamento keine Spur

--> Tragisch, dass sich der vermeintliche Italiener dann doch als Flop herausgestellt hat. Wie sie trotz der intensiven Informationseinholung getäuscht werden konnte, ist nicht überliefert. Anscheinend hat ihn aber im entscheidenden Moment sein "Temperamento" verlassen. Das ist natürlich blöd. Weiche Nudeln können ja bekanntlich nix, die müssen schon "al dente" sein ;)

Refrain

Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia

Refrain




Margit P. hat sich dann Ende der 80er-Jahre wieder aus dem professionellen Musikgeschäft zurückgezogen. Was sie heute genau macht, ist mir nicht bekannt. Nur, dass sie verheiratet ist und heute Zitzelsberger heißt. Der Name spricht dafür, dass sie nicht mehr nur auf Italiener steht! ;)

Für diesen obskuren Liebesbeweis vergebe ich dennoch fünfmal Pizza Calzone und lege noch eine equisite Flasche Lambrusco drauf.

Wenn euch das Fernweh packt, schaut euch alte Urlaubsfotos an, esst Pizza (von mir aus auch tiefgekühlt), trinkt ein Glas Wein und überlegt euch Dinge, die auch abseits vom Sandstrand schön sind! :D

Montag, 20. April 2020

# 33 - "Vater, such' mir einen Mann'" - Sylvia Poluxis (1973)

Zugegeben. Heute ist mein Post auch nicht wirklich früh - aber immerhin bin ich sieben Stunden früher dran als gestern ;) Der heutige Tag startete übrigens ganz gut - das lag vermutlich auch am Wetter! Es ist einfach angenehmer von Sonnenschein geweckt zu werden ..

Das heutige Lied widme ich allen Single-Frauen da draußen, die in der Corona-Krise beschlossen haben, auf ihre lang-erkämpften Frauenrechte zu verzichten und stattdessen die Auswahl eines geeigneten Partners in Familienhände zurückzulegen.




SYLVIA POLUXIS
A: Zwei Jahre und ein Tag (M: Carli / T: Horst Carmienke)
B: Vater, such' mir einen Mann (M: Frank Duval / T: Horst Carmienke) 

1973, Maritim 12 794 AT
produziert von Frank Duval



Drei Plattenfirmen versuchten zwischen 1972 und 1976 mit Sylvia Poluxis ihr Glück. Der große Erfolg blieb aber aus.

"Sylvia Poluxis war viele Jahre an der Spitze der Showstars ihrer Heimat Rumänien. Nach einem Gastspiel in Deutschland bat sie um politisches Asyl und lebt seither in Dannenberg an der Elbe." schrieb die Plattenfirma damals.

Mitte der 70er-Jahre eröffnete sie ein jugoslawisches Restaurant in Dannenberg. Heute soll sie in Hamburg leben. Um 2009 tauchte sie als Moderatorin bei "Nord-Gay-Radio" in Erscheinung (den Sender gibt es heute allerdings nicht mehr).

Führt man ihre zehn veröffentlichten Songs in einer beliebigen Reihenfolge an, so ergeben sich mitunter originelle Kurzgeschichten:

Es war im Abendrot am schwarzen Meer
- Du allein?
Zwei Jahre und ein Tag. Kennst du die Sehnsucht?
Lass mich heut' Abend nicht allein
Es gibt noch Liebe!
- Wie Mephisto kam ein Mann
Väterchen!
- Die Welt ist schön
Ich will Liebe nur von Peter
- Augustin
Vater, such' mir einen Mann!



Textautor Horst Carmienke konnte übrigens nur in Zusammenhang mit Liedern von Sylvia Poluxis gebracht werden. Er lebt nach wie vor in Dannenberg (ein Zufall?). Eine mögliche Verbindung zu Sylvia Poluxis konnte ich auf die Schnelle allerdings nicht herstellen. Aber wer weiß ...

Nun aber zu diesem schönen, eher wenig emanzipierten, Schlagersong, der den patriachal-geführten Heiratsmarkt ankurbeln soll:

Vater
Vater, Vater, such mir einen Mann
Weil ich nachts nicht schlafen kann
Vater, Vater, immer so allein

Vater, nein, das darf nicht sein

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater, Vater, sagt, das ist so schwer
Jedes Mal verlang ich mehr
Vater, ich bin immer ohne Mann
Wann bekomm' ich einen, wann?

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater
Vater

Vater, eines Nachts hab' ich geträumt
Wie viel ich schon hab versäumt
Vater, und auf einmal, Gott sei Dank
Hat das Glück auch mich erkannt

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater
Vati

Groß und blond mit blauen Augen
So ein Mann, der muss was taugen
Tag und Nacht will ich ihn küssen
Und er bleibt, denn er wird müssen

Vater, Vater, such' mir einen Mann
Vater, wann bekomm' ich einen, wann?

Vater






Gut. Wir analysieren den Fall jetzt einmal gründlich: 
Sie braucht einen Mann. Diesen Mann kann ihr aber aus nicht näher definierten Gründen niemand anderes zur Verfügung stellen, als der eigene Vater. Der Hauptgrund für die Notwendigkeit eines Mannes im Haushalt ist der totale Übermüdungszustand von Sylvia P., die zu ihrer Verteidigung anführt: "Weil ich nachts nicht schlafen kann [...] immer so allein [...] nein, das darf nicht sein!".
Anscheinend wurden aber bereits einige Mühen des Vaters unternommen, um einen geeigneten Schwiegersohn bereitzustellen, was aber stets an den konsequent exponentiell steigenden Anforderungen der Tochter scheiterte - diesen Fakt räumt sie auch reuevoll ein ("jedes Mal verlang' ich mehr"). Diesen Umstand scheint sie aber bereits nach kürzester Zeit wieder unter den Tisch fallen zu lassen und agiert heftig protestierend: "Vater, ich bin immer ohne Mann! Wann bekomm' ich einen, wann?"
Ich gebe zu, ich habe solche Gebärden in Spielwarenhandlungen erlebt, als einem nicht näher definierten Kind ein nicht näher definiertes Spielzeug aus einem nicht näher definierten Grunde verwehrt wurde. Aber in Bezug auf die Partnerwahl? Dem Schallplattencover zufolge hat Sylvia P. zu diesem Zeitpunkt das Kleinkindstadium, das ähnliche Vorfälle charmant toleriert hätte, bereits deutlichst überschritten.
In der dritten Strophe berichtet sie dann aber von einer Erscheinung im Traum, die ihr augenscheinlich die Augen geöffnet hat. War es Jesus? War es Gott? Oder doch klassisch Maria, die ihr die Augen geöffnet hat und ihr weismachen wollte, dass für eine handelsübliche Empfängnis Männer ohnehin zweitrangig sind? Man weiß es nicht. Aber immerhin "hat das Glück auch mich erkannt", tönt es freudestrahlend.
Die Attribute sind auch gleich aufgezählt: groß, blond, blaue Augen, arisch. Ach ja, und zu irgendwas "taugen" muss er natürlich auch. Man hat ja schließlich Ansprüche. Kommen wir zum Urteil: Das Opfer erhält Tag und Nacht Küsse und wird in anschließender Sicherheitsverwahrung untergebracht. Dort bleibt er auch, "denn er wird müssen". Das Gericht zieht sich zurück.

Als besonderes Zuckerl vergebe ich für dieses Lied heute fünf Hemden mit Vatermörderkragen ;)

Tja. Diese Lied beweist eindeutig, dass es heutzutage ganz angenehm ist, wenn man die Partnerwahl eigenverantwortlich in Angriff nimmt. Auch wenn es - zugegebenermaßen - aktuell schwierig ist, real neue Menschen kennenzulernen. Und auch Körperkontakt und Zärtlichkeiten wohl erst wieder neu erlernt werden müssen. Aber gut. Vielleicht wird winken aus zwei Meter Abstand bald ein größerer erotischerer Nervenkitzel sein, als sich nackt mit Sprühsahne und Schokosauce einzureiben? Wir bleiben gespannt ;)