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Montag, 16. November 2020

# 122 - "Mutter, fahr' mal mit" - Steffi (1985)

Bevor ihr mich steinigt: Ja, ich weiß, dass Reisetipps momentan für niemanden hilfreich sind. Schon gar nicht, wenn man eine potentielle Hochrisikogruppe ("Mutter") gegen ihren Willen mit anstiften möchte. Aber ich bin ein zuversichtlicher und positiv (nicht corona, sondern) denkender Mensch und glaube, dass es irgendwann wieder möglich sein wird, abseits der eigenen vier Wände neue Destinationen kennenzulernen. Zugegeben: Ich habe bereits während Lockdown I Spinnweben in Ecken meiner Wohnung entdeckt, von deren Existenz ich zuvor niemals zu träumen gewagt hätte 😜 ... was für ein Satz!



STEFFI

A: Hipp-Hipp-Hurra (M & T: Edi Lagua)
B: Mutter, fahr' mal mit
 (M & T: Edi Lagua)


1985, Lagua Records, LA-85/1


Die biographischen Angaben kann ich heute relativ kurz halten. Es gibt nämlich keine. Weder zur Interpretin noch zum Autor.
Über Edi Lagua lässt sich nur sagen, dass sein Label "Lagua Records" von etwa 1970 bis Ende der 80er-Jahre existierte. Auf diesem Label veröffentlichten Interpreten mit so klingenden Namen wie Melinda, Meisenfloo, The Giants oder Tony Westen Songs.
Er trat auch als Komponist und Texter in Erscheinung, beispielsweise mit vielversprechenden Titeln wie "Monsieur Filou" (Franca, 1971), "Chicochi" (Rosi & Eddy, 1974) oder "Dein Blick kann Liebe sein" (Gudrun Simmon).


Na dann: gute Fahrt!

Am grünen Rand von (?)
Da kommt die kleine Stadt
Oho - aha
Die Spatzen pfeifen es vom Dach
Was sie für Reize hat, die kleine Stadt

Dort wo's die schönsten Mädchen gibt
Ja und ein Kesselbier
Das muss man seh'n, um zu versteh'n
Steig' ein und fahr mit mir
Mmh - oh - ah

Mutter, fahr' mal mit nach Oer-Erkenschwick
Da ist die Luft noch nicht so dick
Da gibts Ozon und keinen Mief
Ein Hoch und nie ein Tief

Mutter, trimm dich fit in Oer-Erkenschwick
Dann fühlst du dich wie Hans im Glück
Und stimmt der Tag ist noch reichlich Platz (?)
Dafür gibt's keinerlei Ersatz

Wir waren oft in Österreich auch Spanien ist ganz schön
Oho - aha
Bei (?) am Wattseestrand kannst du nackt baden geh'n
Doch suchst du mal was spitze ist, was je ein Auge sah
Die grüne Hand von Erkenschwick, was sonst, das ist doch klar
Mmh-oh-ah

Refrain

Refrain


Danke Steffi für diesen einzigartigen Freizeittipp! Ich muss gestehen, Oer-Erkenschwick stand bisher noch nicht auf meiner To-do-Liste! Diese verträumte Stadt in NRW (im romantischen Kreis Recklinghausen) hat eine Fläche von rund 40 km² und etwas mehr als 31.000 Einwohner.
Funfacts: bis 2005 lag der Wirtschaftsschwerpunkt der Stadt in der Fleischverarbeitung, seither setzt man auf eine andere Art von "Fleisch", nämlich im Freizeit- und Erlebnisbad "Stimbergpark". Zudem war der SpVgg Erkenschwick zwischen 1945 und 1955 einer der führendsten Fußballvereine Westdeutschlands.
Bekannte Persönlichkeiten, die mit Oer-Erkenschwick in irgendeiner Weise verbunden sind, sind beispielsweise der Schauspieler Leonardo DiCaprio, der in seiner Kindheit zeitweilig bei seinen Großeltern in Oer-Erkenschwick lebte, die Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali besuchte das Willy-Brandt-Gymnasium in Oer-Erkenschwick, Bodybuilder und Schauspieler Ralf Möller trainierte in den 80er- und 90er-Jahren in einem örtlichen Fitnessstudio und Sönke Wortmann spielte für den bereits erwähnten SpVgg Erkenschwick.

Steffi wurde sicherlich nach Veröffentlichung der vorliegenden Single zur Ehrenbürgerin ernannt. Leider lässt ihre Aussprache zwischenzeitlich doch recht zu wünschen übrig, weshalb einige regionale Spezifikationen in Form von Ortsnamen leider nicht vollständig korrekt wiedergegeben werden können.





Und wenn man sich diese Bilder dieser beeindruckenden Landschaft zu Gemüte führt ("und suchst du mal was spitze ist, was je ein Auge sah"), dann möchte man doch am liebsten sofort mit Sack und Pack die Reise nach Oer-Erkenschwick antreten und am besten gleich mal für ein halbes Jahr hier Station machen ... so viel blühende ... äh ... Landschaft und malerische ... äh ... Architektur ... und ... äh .. ja ... alles hier gibt! Schließlich pfeifen sogar die Spatzen bereits vom Dach, was für "Reize" (so kann man es natürlich auch sagen), diese Idylle bietet. Glücklicherweise wurde er bislang als touristischer Hotspot noch weitgehend ignoriert ... dieser Geheimtipp ist exklusiv für euch! 

Und es gibt auch schöne Mädchen ... und Kesselbier! Also bitte, was wollt ihr denn noch?
Gut ... so wie Österreich und Spanien ist es nicht, okay ... FKK-Strand gibt es auch keinen ... aber sonst gibt es echt ALLES, vor allem Luft! Die ist hier nämlich noch nicht so dick, obwohl es auch hier Ozon gibt! Aber keinen Mief. Nein, nein, nein! Mief ist out ... also quasi ... aus.

Wenn ihr auch wollt, dass sich eure Mutter wie "Hans im Glück" fühlt, dann verwöhnt sie doch mit einer abenteuerlichen Tour ins ferne Oer-Erkenschwick. Ihr werdet es sicher nicht bereuen und alle anderen, die nicht dabei waren und sich diesen Spaß entgehen ließen, werden sich - da es dafür keinerlei Ersatz gibt - bis an ihr Lebensende wie Rumpelstilzchen ärgern!

Bon voyage!

Donnerstag, 16. Juli 2020

# 111 - "Please me" - Michael Millner (1975)

Ja, ich poste leider momentan nur noch sehr unregelmäßig. Dennoch versuche ich weiterhin diesen Blog am Leben zu erhalten und hoffe, dass ihr mir trotzdem - auch über längere Phasen - treu bleibt.

Weiter geht es mit einem kleinen Special, nämlich Lieblingssongs (made in Austria) von mir!



MICHAEL MILLNER
A: Please me (M & T: Michael Millner)
B: It's all over (M & T: Michael Millner)

1975, Atom, 238.063
produziert von Peter Müller



Der 1948 in Heiligenkreuz geborene Michael Millner beteiligte sich als Jugendlicher bereits an Jazzmessen. Sein Kompositionsstudium führte ihn nach Graz und neben seinen umfassenden Künsten als Pianist, trat er bereits früh als Komponist und Arrangeur in Erscheinung, während die meisten Bands "nur" Coverversionen spielten. 
Als Mitglied von "Music Machine" (1969-1971 - mit Boris Bukowski und Helmut "Schiffkowitz" Röhrling), "Turning Point" (um 1974 - mit Alex Rehak) und später als Gastmusiker bei "STS", spielte er nicht nur Piano, sondern komponierte und arrangierte auch für die jeweiligen Formationen. Seine einzige Soloarbeit erschien 1975.
In den 80er- und 90er-Jahren zog er sich aus der vorderen Reihe des Musikgeschehens zurück und wirkte u. a. als Produzent der Gruppe "Magic", betrieb ein Studio und ging vor allem in seinem Beruf als Facharzt für Kinderpsychiatrie auf. Ab 1986 war er Oberarzt an der Kinderklinik des LKH Graz, unterrichtete ab 1993 an der Universität und war ab 2000 Leiter der von ihm mitbegründeten gemeinsamen Einrichtung für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters zwischen den Universitätskliniken für Neurologie, Psychiatrie sowie Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. Michael Millner verstarb 2002 an Krebs.

Von ihm geschriebene Titel waren beispielsweise "Go, go, go" (Wilfried, 1974), "I'm a Playboy" (Turning Point, 1974), "Sorry Jane" (Waterloo & Robinson, 1978), "Es wird heller" (EAV, 1983) und "Die Liebe" (STS, 2003 erstveröffentlicht).

Für die Band "Magic", der u. a. auch Boris "Kokain" Bukowski angehörte und die er zeitweise auch produzierte, schrieb er beispielsweise "Baby 100 Volt" (1977), "Hey Jockey" (1978), "Liza" (1980), "Nessie" (1977), "Sag' bitte 'Ja'" (1977), "Schlagertyp" (1977), "Und es wird herrlich sein" (1978) sowie "Wenn du weißt, was ich meine" (1977).


Yes, it was only pride
To have a lonely night
It's over since I know
Your Love will never grow

I wanna live tonight
Without my lonely pride
And all the silence I feel
It's not a dream, it's reel

So come on please me
Only for breaking my golden pride
And than leave me never
I need to come back to you

Yes, I was playin' around
Came really on the ground
I saw a light, that's true
Yes, the face were you

I wanna live tonight
Without my lonely pride

Refrain


Wiederholung





Ich kann nicht genau beschreiben, was mir an dem Song so gut gefällt. Ich glaube es ist die Mischung aus lyrischer Melancholie, Millners sanfter Stimme und dem guten Arrangement. Die Sehnsucht nach gemeinsamer Zeit ist gerade in diesen Zeiten oft stärker als sonst. Zu viel Zeit, um über begangene Fehler nachzudenken, das Bedürfnis zu entwickeln, Geschehenes ungeschehen zu machen und die Zeit am liebsten zurückzudrehen, an den Anfang, als noch alles möglich war. Und dann kommt natürlich noch der eigene Stolz dazu. Und man möchte einfach nur wieder zufrieden und glücklich sein.

Montag, 22. Juni 2020

# 96 - "Das Mädchen mit den schönen Augen" - Pascal Dufar (1971)

Zur Feier der Überschreitung der 1.000-Besucher-Marke (DANKE!!! 💗) gibt es heute wieder eine sehr spezielle deutsche Coverversion!




PASCAL DUFAR
A: Liebe ist Sonne (M: Hans Blume / T: Michael Kunze)
B: Das Mädchen mit den schönen Augen [Wild World - Cat Stevens] (M: Cat Stevens / dt. T: Günter Loose)

1971, Polydor, 2041 130


Pascal Dufar ist ein französischer Sänger und Komponist, der von 1967 bis 1976 musikalisch aktiv war. 1976 veröffentlichte er als Pascal Duffard das Album "Dieu est fou". Die vorliegende Single ist die einzige in deutscher Sprache. Leider ist nichts Biographisches über ihn (und was aus ihm wurde) bekannt.

Textautor Günter Loose (1927-2013) war bereits regelmäßig auf diesem Blog vertreten. Eigenen Angaben zufolge schrieb er zwischen 1955 und 1984 mehr als 3.000 Titel. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Titel gehören "Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strand-Bikini" (Caterina Valente, 1960), "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Drafi Deutscher, 1965) und "Er ist wieder da" (Marion, 1965).


Nun aber zu dem heutigen Song, der so interessant arrangiert ist, dass man das Original fast nicht mehr erkennt:

Jeden Morgen, gegen 9 Uhr 10
Seh' ich sie auf der Straße geh'n
Und ihrem Blick liegt so viel Sonnenschein
Dass sie mir so wunderbar gefällt
Hätte ich ihr gerne längst erzählt
Leider fallen mir die Worte niemals ein

Das Mädchen mit den schönen Augen
Geht nur vorbei und schaut mich nicht an
Das Mädchen mit den schönen Augen
Weiß nicht, was sie mir bedeuten kann

Dieses Mädchen, das vergess' ich nie
Tagelang denk' ich nur noch an sie
Selbst in meinem Traum seh' ich sie vor mir steh'n
Briefe schreiben, das fällt mir so schwer
Rote Rosen schickt man heut' nicht mehr
Aber irgendetwas muss mit uns gescheh'n

Refrain





Wer hätte es erkannt: Da wurde dieser Cat-Stevens-Klassiker tatsächlich von einem Franzosen in deutscher Sprache geträllert. "Wild World" belegte im Frühjahr 1971 #11 der US-Charts.

Cat Stevens äußerte sich 2009 in einem Interview mit der Zeitschrift "Mojo" über die Entstehung dieses Songs:

"Der Song besteht aus Akkordfolgen, die in der spanischen Musik typisch sind. Ich drehte die Kombination um, und heraus kam ein Thema, das ich häufig in meinen Songs verwende: es handelt vom Verlassen, der Traurigkeit, die daraus entsteht und der Ahnung, was danach kommen könnte." (Songfacts.com, dt. Übersetzung Wikipedia)

Cat Stevens widmete diesen (und weitere) Song der Schauspielerin Patti D'Arbanville, mit der er zwei Jahre liiert war.


Für Pascal, der so leidenschaftlich nach der geheimnisvollen Frau mit den schönen Augen schmachtet, hätte ich allerdings ein paar Ratschläge, die ich auch gerne meinen pubertären Jungs mit auf den Weg gebe:

1) Wenn du sie jeden Morgen zur gleichen Zeit beobachtest, dann klingt das leider bereits nach Stalking!
2) Wie soll sie jemals wissen, dass du sie magst, wenn du deinen Mund nicht aufkriegst, sondern ihr einfach nur nachstellst?
3) Scheiß auf den "perfekten" Anmachspruch (den gibt es sowieso nicht!) und die meisten Frauen mussten bereits so viele schlechte ertragen, dass sie über jeden, der ihnen erspart bleibt, froh sind.
4) Mach' ihr doch einfach ein Kompliment (z. B. "Du hast schöne Augen")
5) Nicht alle Frauen stehen auf Briefe und rote Rosen - aber auch auf nicht auf aufdringlichen Körperkontakt und Dickpics. Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen.
6) Sprich sie einfach an! Wenn sie dir einen Korb gibt, weißt du wenigstens wo du dran bist. Dann kannst du ihr immer noch nachschmachten und nachtrauern und von ihr träumen. Vielleicht geht sie aber auch mit dir aus? Dann kannst du es ganz real (und legal) erleben!

Good Luck, Boy!

Und weil das alles so schön ist, gibts noch eine schöne Coverversion von "Wild World" obendrauf. Sie stammt von der US-Hard-Rock-Band "Mr. Big" (nein, nicht der von "Sex and the City"!) und belegte 1993 #24 (DE), #7 (AT) und #27 (USA) der Charts.
Ihr größter und erfolgreichster Hit war "To be with you" aus dem Jahr 1991 - #1 in DE, AT, CH und USA!





Habt einen schönen Start in die Woche, auch wenn uns're Welt gerade ein bisschen "wild" ist. Es kann nur besser werden ... und schaut mal, vielleicht läuft irgendwo ein Mädchen mit schönen Augen herum ... und die bringt euch dann auf positivere Gedanken. Ansonsten hätten wir auch aktuell (zur Abwechslung) wieder etwas Sonnenschein im Gepäck!

Freitag, 5. Juni 2020

BONUS - "Du suchst im Spiegel dein Gesicht" - Anita & Georg (1967)

Als kleine Wiedergutmachung für die Vernachlässigung der letzten Tage (und ich bin ja immer noch in Verzug und hole das auch heute Abend nicht mehr auf), ein kleiner Bonus!



1968, ein ORF-Fernsehstudio in Wien. Scheinwerfer gehen an. In der Kulisse stehen ein 21jähriger Mann und eine 17jährige Frau - er mit Rollkragenpullover und Gitarre, sie in Bluse und langem Rock. Sie singen eine seiner Eigenkompositionen: "Du suchst im Spiegel dein Gesicht".
Gerhard Bronner, der die beiden in seine Sendung "Showfenster" eingeladen hat, prognostiziert dem jungen Mann eine Weltkarriere. Er erinnert sich daran später hier

Er hieß Georg Danzer (1946-2007) und veröffentlicht kurz darauf zwei Solo-Singles, die beide - im Udo-Jürgens-Stil gehalten - kolossal floppen. Es dauerte mehr als fünf Jahre bis er als Sänger in Österreich Erfolg hat, aber dann gab's bald - bis zu seinem leider viel zu frühen Tod - kein Halten mehr.

Und wer war sie? Anita Ammersfeld, 1950 in Wien geboren. Nach einem Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto/Kanada, kehrt sie nach Wien zurück, um hier weiterzustudieren. Dieses Studium legte sie 1974 ab und debütierte im gleichen Jahr als Cherubino - und frischgebackenes Ensemblemitglied - in "Le Nozze di Figaro" an der Wiener Volksoper. Zahlreiche weitere Engagements folgten.
Von 2005 bis 2015 war sie Intendantin des stadtTheaters walfischgasse in Wien.




Ein wahnsinnig schönes, gut gesungenes Chanson aus der Feder von Georg Danzer, der Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre zahlreiche poetische Lieder für verschiedene österreichische Sänger komponierte und textete.

Du suchst im Spiegel dein Gesicht
Du kennst dich selbst nicht mehr
Dein Tag ist ohne Wiederkehr

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Der Tag ist bald vorbei, die Nacht wird kalt
Noch suchst du irgendeinen Halt
Wenn du zurückkehrst aus der Dunkelheit
Dann ist das Ende nicht mehr weit

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Erst, wenn du dich nach nichts mehr sehnst
Ist deine Zeit vorbei
Dann bist du wieder von dir frei

Refrain


Zugegeben - ein Party- oder Stimmungskracher ist das definitiv nicht. Aber poetisch.
Wie auch immer. Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin unfassbar dankbar darüber, dass es von diesem schönen Song einen Fernsehauftritt als Zeitdokument gibt. Jünger hat man Georg Danzer definitiv nie wieder gesehen ;)

Sonntag, 10. Mai 2020

# 52 - "Was mach' ich ohne dich" - Francoise Hardy (1970)

Keine Sorge, ich lebe noch! Tut mir leid, dass ich gestern nicht wie gewohnt für euch einen Titel raussuchen konnte. Es lag nicht an mir - zumindest nicht nur! Aus irgendeinem Grund hat mein Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbinden lassen - warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass ich seit heute ein neues (besseres) Teil mein Eigen nennen darf ... offenbar spüren das auch Geräte und so musste ich gestern karmatechnisch einiges einstecken :/

Aber egal. Jetzt bin ich wieder da und hier für euch der Ersatzsong von gestern (der Ersatzsong von heute kommt dann etwas später). Der Titel des Songs ist definitiv Programm ;)




FRANCOISE HARDY
Was mach' ich ohne dich? [It hurts to say Goodbye - Margaret Whiting] (M: Arnold Goland & Jack Gold / dt. T: Walter Brandin)

1970, LP "Träume", Philips


Die 1944 geborene Französin Francoise Hardy unterschrieb im November 1961 ihren ersten Schallplattenvertrag bei Vogue. Kurz nach ihrer bestandenen Matura veröffentlichte sie ihre erste Single ("Oh oh Chéri"). Die B-Seite des Titels ("Tous les garcons et les filles") ließ die Scheibe - nach einem Auftritt in einer beliebten Jugendsendung - zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen.
Es folgte eine Reihe von Hits, die größtenteils von ihr selbst getextet und komponiert waren. 1963 vertrat sie mit "L'amour s'en va" Monaco beim Grand Prix de la Chanson und erreichte Platz 5.
Im deutschsprachigen Raum hatte sie vor allem mit "Frag' den Abendwind" (1965) große Erfolge. Die Bravo-LeserInnen wählten Francoise daraufhin 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin des Jahres.

Francoise avancierte bald zu einer Stilikone der 60er-Jahre. Designer wie Paco Rabanne und Yves Saint Laurent kleideten sie ein.
In Frankreich hielt ihre Popularität bis weit in die 80er-Jahre an, obwohl sie aufgrund ihres großen Lampenfiebers seit 1968 nur noch sehr selten vor großem Publikum auftrat. 
Mit ihrem Album "Clair Obscur", das in Frankreich bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung sechsstellige Verkaufszahlen erzielte, gelang ihr im Mai 2000 ein großes Comeback. Sie veröffentlichte insgesamt 25 Alben. Nach einer Krebserkrankung hat sie die Musik aufgegeben und arbeitet jetzt hauptsächlich als Schriftstellerin.

Serge Gainsbourg schrieb für sie 1970 einen ganz besonderen Text, der in seiner Message lustigerweise sowohl in französisch, englisch als auch deutsch funktioniert! (An dieser Stelle ein großes Kompliment an Walter Brandin - der übrigens auch 1969 für die deutsche Übersetzung des Musicals "Hair" zuständig war)


Nach zwei Cognac ex bekamst du Mut
Deine Abschiedstexte waren gut
Ratlos und perplex nur dachte ich
Was mach' ich ohne dich?

Stets war mein Komplex, du bist zu schön
Charme hast du für sechs, ach was für zehn
Liebt denn sowas exklusiv nur mich?
Was mach' ich ohne dich?

Ob du daran denkst
Wie einsam und verloren ich bin
Nein, du hast schon längst eine and're im Sinn

Gib mir keinen Extrakuss jetzt mehr
Der nur noch Reflexbewegung wär'
Ratlos und perplex nur frag' ich mich:
Was mach' ich ohne dich?
Was mach' ich ohne dich?


All die Nächte mit dir
Voll von Glück bis zum Morgengrau
Die und dich stahl mir eine andere Frau

Diese Dame X, die dich mir nimmt

Fliegt auf deine Tricks, wie ich bestimmt
Dann als deine Ex sagt sie wie ich:
'Was mach' ich ohne dich?'

'Was mach' ich ohne dich?'




Ich glaube es gibt keinen deutschen Text, der mehr X bzw. "ich"-Laute enthält, als dieser! Francoise Hardy hat das gewisse Etwas - sowohl in Stimme als auch Optik! Große Effekte sucht man bei ihr vergebens. Diese Stimme gepaart mit einer perfekten Lage ... und dazu diese großgewachsene, scheu-verträumt-wirkende wunderschöne Frau ...

Fraglich, wie jemand diese Frau betrügen kann! (Kein Mitleid mit ihm ... mit F. H. schon!)

Das englische Original klingt wie ein typischer amerikanischer Song aus den 60er-Jahren. Aufwendig arrangiert und groß orchestriert. Francoise beweist wieder mal, dass man das alles gar nicht braucht, wenn die Interpretation "wahrhaftig" ist.

Hier gibt es bis Mitte Juni noch eine interessante und sehr empfehlenswerte (deutsch-synchronisierte) Dokumentation aus dem Jahr 2016!

Dieser Song, mit dem gewissen Augenzwinkern, ist ein absolutes Highlight und Juwel der deutschen Musikszene und klingt auch 50 Jahre später keinesfalls altmodisch.

Mérci, Francoise!

Donnerstag, 23. April 2020

# 36 - "I steh' nur auf Italiener" - Margit P. (1986)

Für die heutige Songvorstellung müssen wir nicht so weit reisen: es geht nach Bayern! Thema des heutigen Songs ist wieder einmal Liebe in einer besonderen Form.
(Ich habe übrigens schon lange kein Schallplattencover mehr so laut "Hey, schau mal, wir sind die 80er!!" schreien gesehen, wie dieses!)




MARGIT P.
A: I steh' nur auf Italiener (M: Lenz Hauser & Herbert Heudecker / T: Herbert Heudecker)
B: I mog di [Piove] (M: Domenico Carlucci / dt. T: Lenz Hauser & Siegfried Labenz) 

1986, Koch-Records, AS 145.267
produziert von Lenz Hauser

Margit P. wurde 1963 als Margit Petraschka geboren und lebte damals im niederbayerischen Eggenfelden. Bekannte Persönlichkeiten, die ebenfalls dorther kamen, sind die deutsche Kabarettistin Lisa Fitz und der seit 2018 verschollene Sänger Daniel Küblböck.
Bereits in der Schule war sie musikalisch aktiv, spielte Saxophon, sang in unterschiedlichen Formationen und hatte eigene Bands. Sie arbeitete damals als Friseurin. Margit brachte es immerhin auf eine Hand voll Schallplattenaufnahmen. Weitere Titel waren beispielsweise "Kinderaugen", "Bodybuilding", "Ui, i bin im Radio" und "September in Rimini".

Mit ihrer Eigenkomposition "Der Sonne entgegen" versuchte sie 1986 ihr Glück beim deutschen Vorentscheid für den Grand Prix d'Eurovision, landete damit aber nur auf Rang 9. Diesen Bewerb konnte Ingrid Peters mit "Über die Brücke geh'n" für sich entscheiden (beim ESC belegte sie Platz 8).

Das ganze lange Jahr hab' ich gespart für meinen Urlaub in Italia
Ich hab' dafür einen guten Grund, drum muss ich immer wieder hin
Es liegt nicht an der Sonne oder an dem weißen Strand der blauen Adria

Es ist was völlig anderes, das geht mir einfach nicht mehr aus dem Sinn

--> Gut, dass dieser Song aus dem Jahr '86 ist - damals, als man noch ohne Probleme nach Italien fahren konnte. Durch den Corona-Ausbruch wird der Traum von "Bella Italia" wohl noch für einige Zeit ad acta zu legen sein :/ Die gute Margit müsste heute ihr gespartes Urlaubsgeld wohl für einen Trip nach Salzgitter, Detmold, Buxtehude oder Bad Salzuflen ausgeben.

Jo i steh nur auf Italiener
Auf Spaghetti, Vino, Pizza, Amore, o la la 
Und nächstes Jahr, do kumm i wieder
Denn meine Papagalli s
an sicher wieder da

--> Dennoch zeigt sich Margit bescheiden. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen - daher ist die Reihenfolge Nudeln, Wein, Pizza, Liebe ganz klar vorgegeben. Für meinen Geschmack fehlt noch eine ordentliche Portion Gelato, aber man muss ja nicht alles haben - kommt ja auch auf die Menge an! ;)

Im letzten Urlaub hab' ich mir gedacht, ich hätte ihn gefunden
Schwarze Haare, blauen Augen und mit einer sportlichen Figur
Braungebrannt und wie er von sich selber sagt auch nicht gebunden
Doch er war kein Italiano, von Temperamento keine Spur

--> Tragisch, dass sich der vermeintliche Italiener dann doch als Flop herausgestellt hat. Wie sie trotz der intensiven Informationseinholung getäuscht werden konnte, ist nicht überliefert. Anscheinend hat ihn aber im entscheidenden Moment sein "Temperamento" verlassen. Das ist natürlich blöd. Weiche Nudeln können ja bekanntlich nix, die müssen schon "al dente" sein ;)

Refrain

Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia

Refrain




Margit P. hat sich dann Ende der 80er-Jahre wieder aus dem professionellen Musikgeschäft zurückgezogen. Was sie heute genau macht, ist mir nicht bekannt. Nur, dass sie verheiratet ist und heute Zitzelsberger heißt. Der Name spricht dafür, dass sie nicht mehr nur auf Italiener steht! ;)

Für diesen obskuren Liebesbeweis vergebe ich dennoch fünfmal Pizza Calzone und lege noch eine equisite Flasche Lambrusco drauf.

Wenn euch das Fernweh packt, schaut euch alte Urlaubsfotos an, esst Pizza (von mir aus auch tiefgekühlt), trinkt ein Glas Wein und überlegt euch Dinge, die auch abseits vom Sandstrand schön sind! :D