Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
Ist es nicht herrlich, wenn man am Wochenende die herrliche Möglichkeit hat, einfach ausschlafen zu können - so lange, wie man will und lustig ist? Ach, Sie können immer ausschlafen? Achso ja ... Home-Office, Lockdown. Wie konnte ich darauf vergessen? Vermutlich deswegen, weil er mir - im Vergleich zum März - in der Großstadt kaum auffällt. Die paar Mal die ich mich in den letzten Tagen aus dem Haus gewagt habe, erlebte ich überraschend gut gefüllte Straßen und auch in den Supermärkten und auf der Post war bewegtes Treiben. Spannend. Dicht gedrängtes Treiben während in den Theatern, wo man wahnsinnig gut kontrollieren kann, wer, wann und vor allem wo sitzt, der Vorhang immer noch unten bleiben muss. Hoffen wir, dass das im Januar wieder etwas anders aussieht.
THE FOUR KINGS
A: Immer wenn der Mond scheint ([I can't go on living, Baby, without you - Nino Tempo & April Stevens] (M: Jerry Riopelle & Nino Topo / dt. T: Tobby Lüth) B: Brötchen und Milch [No Milke today - Herman's Hermits] (M: Graham Gouldman / dt. T: Carl-Heinz Dieter)
1966, Metronome, M 916
Die Four Kings waren eine deutsche (wie der Name bereits verspricht) vierköpfige Band. Die Gruppe veröffentlichte bis Mitte der 70er-Jahre auf verschiedenen Labels. Klingende Titel von ihnen waren z. B. "Come on, Marianne", "Mit dir allein", "So wie ich dich liebe", "Mädchen, komm mit mir heut' Nacht", "Mein Glück liegt in Bad Zwischenahn" und "Kleine Sonja". Meinen Recherchen zufolge waren sie die Begleitband von Peter Orloff, der sie auch ab 1971 produzierte.
Brötchen und Milch Die steh'n vor meiner Tür Seit Tagen vor der Tür Denn sie ist nicht mehr hier
Brötchen und Milch Ein jeder kann sie seh'n Doch die vorüber geh'n Sie können's nicht versteh'n
Hinter der Tür lag unser Märchenland Ich hatte sie zur Prinzessin dort ernannt Hinter der Tür lag unser Paradies Jetzt ist es nur ein düsteres Verlies
Brötchen und Milch Die steh'n vor meiner Tür Seit Tagen vor der Tür Denn sie ist nicht mehr hier
Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren Es war ein Schloss als wir uns dort noch geküsst Nun ist es leer hinter seinen alten Toren Weil sie gegangen ist
Brötchen und Milch Die jeder stehen sieht Die sind das End' vom Lied Von unser'm Liebeslied
Keine Musik Kein Lachen mehr, kein Gruß Nie mehr von ihr ein Kuss Damit ist es nun Schluss
Wiederholung
Das englische Original "No Milk today", das ursprünglich für The Hollies geplant war, brachte Herman's Hemits 1966 einen ziemlichen Hit (#1 AT, #2 DE, #7 UK und #35 USA). Songwriter Graham Gouldman (* 1946) bekam die Idee zum Text, als er gemeinsam mit seinem Vater einen Freund besuchte, an dessen Tür ein Schild mit dem Hinweis "No Milk today" angebracht war. Gouldmans Vater erklärte, dass es dafür verschiedene Gründe geben könnte. Gouldman schrieb eine Geschichte um eine zerbrochene Liebesbeziehung. Damals war es noch üblich, dass Milchmänner täglich die frische Milch vor die Tür stellten. Verringerte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (Von glücklicher Beziehung zu tragischem Single-Dasein), dann benötigt die Person heute leider keine Milch.
Die deutsche Coverversion versucht sich zumindest stellenweise am englischen Original zu orientieren, es hakt doch immer wieder an einigen Ecken und Enden.
Das erste Rätsel ist bereits, woher die Brötchen stammen, die mitsamt der Milch vor der Tür gelandet sind. Ist unser Hauptprotagonist aufgrund der Entliebung nun auch in den Hungerstreik gegangen? Er könnte ja zumindest noch Enten im Park damit füttern. Die finden frische Sonntagsbrötchen sicher auch g'schmackiger, als das steinharte Uraltbrot, mit dem sie immer von Oma Gisela beworfen werden.
Okay. Ich nehme alles zurück: Denn bereits in der dritten Zeile wird klar, dass diese Utensilien bereits seit Tagen vor der Tür stehen. Bei den aktuellen Temperaturen muss er die Brötchen nur frisch aufbacken, die sind nämlich vermutlich tiefgekühlt. Milcheis? Ist ja durchaus bei manchen Menschen beliebt ...
"Doch die vorüber geh'n, sie können's nicht versteh'n" - Tja. Wer kann es ihnen auch verübeln? Du hast ja keinen Zettel an die Tür gehängt oder wenigstens eine gute Tat vollbracht, in dem du eine obdachlose Person damit gelabt hast. Mit ranziger Milch und steinharten Brötchen kommt man dem Paradies nicht unbedingt näher - nur mal so als kleiner Hinweis in Bezug auf das Karma-Konto.
Okay. Im Märchenland war's schön! Aber die Prinzessin ist jetzt scheinbar aus dem Paradies entflohen. Hat sie sich inzwischen als böse Hexe herausgestellt und ist mit dem nächstbesten dahergelaufenen Prinzen über die sieben Berge abgezischt? Oder hat sich um sie bereits eine unkrautartige Dornenhecke gebildet, weil schon länger niemand - so ganz zwischenmenschlich - vorbeigeschaut hat?
Tja. Die Frage: "Wer hat heut' Nacht in meinem Bettchen geschlafen?" braucht man sich ja nun nicht mehr zu stellen.
"Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren" - ach ja, das klingt ja ziemlich nach Aschenputtel-Effekt. War die große Liebe vielleicht doch eher eine Umschreibung dafür, sich die Kosten für eine adäquate Putzfee zu sparen?
Du könntest die alten Brotkrumen ja auch nehmen, um sie zu streuen .. vielleicht kommt ja so eine neue "Prinzessin" in deinen Haushalt? Oder zumindest ein paar Tauben ... ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh! ... naja, der Spatz in der Hand wär' mir lieber.
Da es von den Four Kings kein bewegtes Bildmaterial gibt, hier für euch das Original von Herman's Hermits. Habt ein erholsames zweites Adventwochenende!
Nein, keine Sorge. Ihr bekommt heute kein französisches Chanson zu hören - wir haben ja noch immer "österreichische Wochen" ;)
Dafür habe ich heute einen Titel von einer Österreicherin ausgegraben, die man heute immer noch kennt - allerdings nicht mehr in erster Linie nur als Sängerin.
MARIKA LICHER
A: Adieu (M: Jack Grunsky / T: Andreas Miriflor = André Heller) B: Erinnerung (M: Robert Opratko / T: Andreas Miriflor = André Heller)
1968, Amadeo, AVRS 21 534
Marika Lichter wurde 1949 als Mariza Lichter in Wien als Kind eine Polen und einer Ungarin geboren. Bereits als Kind erhielt sie Klavier- und Tanzunterricht, ab dem 14. Lebensjahr auch Gesang.
Bereits als Jugendliche wird sie Mitglied der "Les Sabres", die großteils jüdische Folklore singen und veröffentlicht 1966 eine EP ("Schalom Alechem"). 1969 belegt sie bei der "Show-Chance" von ORF und Ö3 mit "Adieu" den dritten Platz. Zwischen 1968 und 1971 veröffentlicht sie mehrere Singles (u. a. "Luciana", "Dann wird es wieder schön sein", "Tu nicht so", "Ich hab' einen Kummer" und "Ungeküsst"). Zudem vertritt sie in dieser Zeit auch Österreich bei Songfestivals in Rio de Janeiro, Caracas, Mexico und Athen sowie sang in Gerhard Bronners legendärem "Cabaret Fledermaus".
Nach ihrem Opergesangsdiplom stand sie in zahlreichen Operettenproduktionen im Wiener Raimundtheater auf der Bühne, u. a. in "Die Fledermaus" (als Adele), "Der Graf von Luxemburg", "Viktoria und ihr Husar" oder "Wiener Blut" (als Franzi). Weitere Engagements waren unter an dem "Mayflower" (1978, Theater an der Wien), "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1979, Theater an der Wien), "Les Misérables" (1988-1991, Raimundtheater), "Elisabeth" (1992, Tehater an der Wien), "Rebecca" (2007, Raimundtheater), "Non(n)sense" (2012-2013, Wiener Kammerspiele) und "Cabaret" (2019, New Stage Theatre Geislingen). Seit 2017 ist sie Intendantin des Musicalsommers Winzendorf.
Zudem gewann Marika Lichter 2005 die erste Staffel der ORF-Fernsehshow "Dancing Stars". Die 1991 gemeinsam mit Ingrid Windisch gegründete Künstleragentur trägt heute den Namen "Glanzlichter" und wird seit 1996 von ihr geführt. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie auch seit 1990 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Wider die Gewalt".
Du warst irgendwo, mit irgendwem Das hat man mir erzählt Du belügst mich und betrügst mich Das hat man mir erzählt
Und jetzt sitzt du neben mir In deinen Augen spielt das Licht Und es gibt noch Illusionen Bis das letzte Wort zerbricht
Adieu, mehr kann ich dir nicht sagen Dein Weg läuft weit, so weit von mir Adieu, ich kann mich nicht beklagen Es war eine wunderbare Zeit
Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur Das hast du mir erzählt Und du wüsstest schon wie man Träume lebt Das hast du mir erzählt
Refrain
Refrain
Adieu
Das war er: Einer der ersten Fernsehauftritte der damals 19-jährigen Marika Lichter. Als Komponist fungierte Jack Grunsky, den Text steuerte der damalige Ö3-Discjockey Andreas Miriflor bei, der sich bald als André Heller auch international einen Namen machte.
Was gibt es groß zu sagen? Ein schönes Chanson mit anspruchsvollem Text und guter Musik. Ansprechend arrangiert und live - mit der ORF-BigBand - vorgetragen.
Der Text selbst hat (leider) auch heute noch Gültigkeit. Da erfährt man nichts Böses ahnend - da noch immer rosarot-bebrillt - von der Untreue des Geliebten "und jetzt sitzt du neben mir - in deinen Augen spielt das Licht - und es gibt noch Illusionen bis das letzte Wort zerbricht" (Wow! Das ist wirklich eine äußerst treffende Beschreibung für diesen speziellen (und leider auch extrem beschissenen) Zustand, in dem man sich in so einer Situation befindet. Doch unsere Protagonistin kriegt glücklicherweise noch rechtzeitig die Kurve und gibt der treulosen Tomate den Laufpass - wenn sie sich auch ein bisschen zu ehrfürchtig, nicht beklagen kann, schließlich "war es eine wunderbare Zeit".
"Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur" ist übrigens eine äußerst nonchalant-formulierte Umschreibung für: "Ich darf immer und mit so vielen anderen Frauen Sex haben wie ich will - und du bleibst bei mir und beschwerst dich nicht und idealerweise wäschst du auch meine Wäsche, kochst für mich und kommst meinen sexuellen Grundbedürfnissen nach. Und sag gefälligst "Danke", dass ich dich auserkoren habe."
Manche Dinge ändern sich wohl leider nie. Das habe ich auch gerade nach ein paar Kurzschnitten aus der aktuellsten Folge der "Bachelorette" gelernt. Diese Typen gibt es immer noch ... Adieu Mondieu! :/
Es gibt Tage, da überkommt einen das Fernweh. Da würde man am liebsten ganz weit weg, an einem fremden Ort sein. Gut - heute war eigentlich ein recht schöner, sonniger Tag. Wenn es -17 Grad hat, Nebel und der eisige Wind einem um die Ohren bläst, dann ist das "Träumen von Olivenbäumen" (oh weh, eine schreckliche Reminiszenz an einen früheren Blog-Eintrag!) definitiv realitätsnäher. Aber um ehrlich zu sein: Aktuell gibt es eh nicht wirklich einen anderen Ort, wo es so viel besser wäre ... zugegeben, die Karibik könnte ganz nett sein. Und dort gibt es sicher auch Masken, die gut zu Badehose und Bikini passen ;)
MUSYL & JOSEPPA
Ein Freund ging nach Amerika (M: Paul M. Musyl / T: Peter Rosegger)
1973, als Single und als Teil der LP "RoZZ" im Eigenverlag erschienen
Musyl & Joseppa bestand aus Paul M. Musyl (* 1946) und seiner Frau Joseppa (geboren als Ingrid Schleifer, 2015 verstorben). Die beiden lernten sich in den späten 60er-Jahre kennen. Obwohl beide aus Graz, verbrachte Joseppa den Großteil ihrer Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrer Familie in Afghanistan. Frisch nach Graz zurückgekehrt stieg sie mit ihrer Schwester Brigitte in Pauls Band "Pauli und wir" ein. Der Erfolg gab ihnen recht und sie traten im November 1969 sogar in legendären - von Peter Rapp moderierten - Jugendmusiksendung "Spotlight" auf.
Ab 1973 bildeten sie das Duo "Musyl & Joseppa", wobei sich Paul, Mathematik und virtuoser Gitarrist, ein wenig von der Bühne zurückzog und sich mehr auf das Komponieren konzentrierte. Im Fokus stand Joseppas ganz besondere Stimme. Gleich einer ihrer ersten Songs in dieser "Umbruchsphase" wurde zu einem heimlichen Hit - und dabei war es die Vertonung eines Gedichts von Peter Rosegger, "Ein Freund ging nach Amerika". In Eigenregie produzierten sie eine Single und das Album "RoZZ". Die 13.000 Singles verschenkten sie - vom Album wurden 1.000 Exemplare gepresst (Jahre später wurde es auch als CD wieder veröffentlicht). In den darauffolgenden Jahren folgen zwei weitere Alben: "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" (1981) und "Krach Ledernes" (1982).
1999 gewannen sie mit "No more War" den Peace Song Contest in Irland. Darüber hinaus sangen sie vor dem Papst und 100.000 Gläubigen sowie im Rahmen einer interreligiösen Meditation mit dem Dalai Lama. Die beiden prägten den Begriff "Weltmusik" im wörtlichsten Sinne, als er in unseren Breiten noch weitgehend unbekannt war. Bis 2010 betrieben sie (rund 30 Jahre lang) eine eigene Musikschule. Zuletzt arbeiteten sie gemeinsam an Joseppas erstem Solo-Album. Dies konnte nicht mehr fertiggestellt werden, da Joseppa nach kurzer schwerer Krankheit im März 2015 starb. Paul Musyl ist nach wie vor musikalisch tätig.
Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb vor einigen Lenzen
Schick mir Rosen aus Steiermark
Ich hab' eine Braut zu bekränzen
Und als vergangen war ein Jahr
Da kam ein Brieflein gelaufen
Schick mir Wasser aus Steiermark
Ich hab' ein Kindlein zu taufen
(Wiederholung)
Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund
Ach, noch was anderes haben
Schick mir Erde aus Steiermark
Muss Weib und Kind begraben
Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen
(Wiederholung)
Berührt. Nachdenklich. Gerührt. So bleibe ich zurück. Das Lied hat auch 47 Jahre nach ihrer Veröffentlichung nicht verloren. Und der Text Roseggers auch 140 (!) Jahre später ebenso wenig.
Für mich als "Jäger der verlorenen (Musik-)Schätze" ist es immer wieder mit Herzklopfen verbunden, wenn ich das erste Mal auf ein bis dato ungehörtes Lied oder ein mir unbekanntes Video stoße. So erging es mir auch gestern Abend, als ich durch YouTube streifte und nach neuen Titeln für meinen Blog Ausschau hielt (die 1.038 Songs meiner Favoriten-Playliste reichen ja nicht aus ...) und da - ganz plötzlich war es auf einmal. Ein Video zu einem Fernsehauftritt von dem ich wusste, den ich aber zuvor noch nie gesehen hatte und auch nicht im Traum daran dachte, dass er mir jemals unterkommen wird.
GERDA BERNDORFF
Live your Life (M: Richard Oesterreicher / T: Eric Spitzer) 1972, Rundfunkaufnahme mit der ORF-BigBand unter der Leitung von Karel Krautgartner
Eric Spitzer(-Marlyn), 1952 geboren, war in Österreich zuerst hauptsächlich unter seinem Vornamen bekannt. Als einer der ersten Singer-Songwriter (so würde man es zumindest heute nennen), machte der Sieger der Show-Chance 1970 mit Songs wie "Returned to Italy" (1970), "Walking round" (1970) und "I say Goodbye" (1971) auf sich aufmerksam. Ende der 70er-Jahre ließ er sich in New York nieder und begann als Tontechniker und Produzent in der Hit Factory, dem damals größten Tonstudio der Welt, zu arbeiten. Eric, der seit vielen Jahren wieder in Niederösterreich lebt, ist bis heute musikalisch aktiv und hat - gemeinsam mit seiner Frau Lisa Stern - seine musikalische Heimat gefunden.
Richard Oesterreicher (* 1932) ist einer der führenden österreichischen Jazzmusiker und Dirigenten. Ab 1976 leitete er die legendäre ORF-BigBand und dirigierte mehrfach die österreichischen Beiträge beim Grand Prix d'Eurovision (heute: Eurovision Song Contest). Oesterericher ist nicht nur als Musiker, sondern auch als Komponist in Erscheinung getreten. Eines seiner bekanntesten Werke ist - man möchte es kaum glauben - die Fußballhymne "Immer wieder Österreich".
Die heutige Interpretin ist - für mich - tatsächlich etwas Besonderes. Gerda Berndorf(f), 1940 als Elisabeth Gerda Berndorfer geboren, war eine der ersten österreichischen SängerInnen, die ich erfolgreich "ausgegraben" und getroffen habe. Unser erstes Treffen ist inzwischen über zehn Jahre her und die Gedanken daran erfüllen mich immer noch mit Freude. Gerda Berndorf, die in Deutschland ein zweites -f anhängte, wurde von Kritikern als "österreichische Piaf" bezeichnet und war knapp 30 Jahre musikalisch aktiv. Bereits in den 60er-Jahren vertrat sie Österreich bei den legendären Songfestivals in Knokke, Sopot und Brasov. 1969 ist sie eine der ersten Teilnehmerinnen der "Show-Chance", einem von ORF und Ö3 bundesländerübergreifenden Gesangswettstreit von Nachwuchskünstlern, deren ursprüngliches Ziel es war, einen geeigneten Vertreter für den Grand Prix d'Eurovision zu finden. Das Finale wurde übrigens im ORF übertragen und von dem damals noch jungen Ö3-Moderator Andreas Miriflor (später André Heller) moderiert. Auch wenn sie im Finale der Show-Chance nur im Mittelfeld landete, erhielt sie kurze Zeit später einen Schallplattenvertrag bei einer deutschen Plattenfirma, die ihr nicht nur eine blonde Perücke verpassten, sondern auch zwei Singles mit ihr produzierten. Die Titel dieser beiden Singles spiegeln zumindest - in der Retrospektive - die Entwicklungen des damaligen Schlagerbussinesses wider ("Lai, lai, lai, es geht alles vorbei" und "Märchenerzähler").
1973 bekommt sie die Möglichkeit ein Album mit anspruchsvollen Chansons aufzunehmen. Aus Gerda wird Gerry - das sollte wohl internationaler klingen. Die LP "Diamanten haben keinen Hunger" wird zwar kein großer finanzieller Erfolg, zeigt aber Gerdas umfangreiches Können und ist musikalisch qualitativ auf sehr hohem Niveau. Auch heute sind die großteils zeitlosen Songs absolut hörbar (meine persönlichen Favoriten: "Ein Irrtum namens Frank" und "Ich bin ein Kind aus der Retorte").
Gerda war bis in die 80er-Jahre musikalisch aktiv. Leider gibt es nur eine Handvoll Aufnahmen von ihr. Dieser Auftritt in der spanischen Fernsehsendung "Senoras y Senores" von Januar 1975 ist ein besonders Zeitdokument und zeigt, dass sich auch österreichische Musik im Ausland nicht verstecken muss.
Please don't ask me why Ev'rything turns upside down People are always goin' round
Till they're lying on the ground
Please don't tell me now People never have to die All must said as been a lie Built just for the youngsters' eye
Live your life, sail away Keep on dreaming Do not gather what I say Keep your toy land as it is
Yes, live your life, sail away You can change it easy Colours always grey Keep your toy land as it is
Still you ask me why Ev'rything turns upside down Now they're lying on the ground And you hear the major sound
Refrain
Ich finde, dass das tatsächlich ein ziemlich starker Song ist, von dem man - meiner Meinung nach - niemals annehmen würde, dass er "Made in Austria" ist. Allein aufgrund des jazzigen Samba-Arrangements. Verräterisch ist nur der deutsch-anmutende Name "Gerda Berndorff".
Soweit ich es von Gerda in Erinnerung habe, war es eine der ersten TV-Sendungen Spaniens, die in Farbe produziert wurden. Und wenn man sich die ganzen Effekte anschaut, dann haben die sich wirklich Mühe gegeben, "Show" zu liefern. Auch das "Fernsehballett" ist durchaus sehenswert! Gewisse Videotricks (z. B. die Roulette-Animation) wirken heute ziemlich verstaubt, damals muss das aber ein beeindruckender Effekt gewesen sein.
Schade, dass Gerda - die eine sehr gute Live-Sängerin war - zu Vollplayback performen musste. Dennoch verkörpert sie in diesem silbernen Kleid absolut eine Sängerin von internationalem Format. Ein absolut spannendes Zeitdokument!
Habt einen schönen Tag und haltet es wie Gerda, frei nach dem Motto "Live your Life" feierte sie vor einigen Monaten ihren 80. Geburtstag und erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit.
Als kleine Wiedergutmachung für die Vernachlässigung der letzten Tage (und ich bin ja immer noch in Verzug und hole das auch heute Abend nicht mehr auf), ein kleiner Bonus!
1968, ein ORF-Fernsehstudio in Wien. Scheinwerfer gehen an. In der Kulisse stehen ein 21jähriger Mann und eine 17jährige Frau - er mit Rollkragenpullover und Gitarre, sie in Bluse und langem Rock. Sie singen eine seiner Eigenkompositionen: "Du suchst im Spiegel dein Gesicht".
Gerhard Bronner, der die beiden in seine Sendung "Showfenster" eingeladen hat, prognostiziert dem jungen Mann eine Weltkarriere. Er erinnert sich daran später hier.
Er hieß Georg Danzer (1946-2007) und veröffentlicht kurz darauf zwei Solo-Singles, die beide - im Udo-Jürgens-Stil gehalten - kolossal floppen. Es dauerte mehr als fünf Jahre bis er als Sänger in Österreich Erfolg hat, aber dann gab's bald - bis zu seinem leider viel zu frühen Tod - kein Halten mehr.
Und wer war sie? Anita Ammersfeld, 1950 in Wien geboren. Nach einem Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto/Kanada, kehrt sie nach Wien zurück, um hier weiterzustudieren. Dieses Studium legte sie 1974 ab und debütierte im gleichen Jahr als Cherubino - und frischgebackenes Ensemblemitglied - in "Le Nozze di Figaro" an der Wiener Volksoper. Zahlreiche weitere Engagements folgten.
Von 2005 bis 2015 war sie Intendantin des stadtTheaters walfischgasse in Wien.
Ein wahnsinnig schönes, gut gesungenes Chanson aus der Feder von Georg Danzer, der Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre zahlreiche poetische Lieder für verschiedene österreichische Sänger komponierte und textete.
Du suchst im Spiegel dein Gesicht
Du kennst dich selbst nicht mehr
Dein Tag ist ohne Wiederkehr
Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel
Der Tag ist bald vorbei, die Nacht wird kalt
Noch suchst du irgendeinen Halt
Wenn du zurückkehrst aus der Dunkelheit
Dann ist das Ende nicht mehr weit
Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel
Erst, wenn du dich nach nichts mehr sehnst
Ist deine Zeit vorbei
Dann bist du wieder von dir frei
Refrain
Zugegeben - ein Party- oder Stimmungskracher ist das definitiv nicht. Aber poetisch.
Wie auch immer. Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin unfassbar dankbar darüber, dass es von diesem schönen Song einen Fernsehauftritt als Zeitdokument gibt. Jünger hat man Georg Danzer definitiv nie wieder gesehen ;)
Wieder einmal Montag ... wir starten in die elfte Woche dieses Blogs. Ich hätte zuvor nie gedacht, dass ich jemals für so ein Projekt Zeit finden werde ... Und wieder frage ich mich, was bringt es mir?
PETER HAUPT A: Monday, Monday, was bringst du mir? [Monday, Monday - The Mamas & The Papas] (M: John Philips / dt. T: Günter Loose)
B: Eine Welt ohne Licht [5 o'clock World - The Vogues] (M: Allen Reynolds / dt. T: Günter Loose)
1966, Philips, 348 010 PF
Peter Haupt veröffentlichte zwischen 1966 und 1976 insgesamt sechs Singles: "Gaslight" (1967), "Wieso?" (1967), "Dardanella" (1968 als "Peter von Stambul"), 1974 die deutsche Version von "Beach Baby" als "Peter & Wolf" (mit Wolfgang Mürmann) und 1975 "So schön kann keine Frau sein" (eine Adaption des Gitte-Hits).
Interessant (aber nicht ungewöhnlich für diese Zeit) ist, dass fünf seiner ersten sechs Titel Coverversionen englischsprachiger Titel sind.
Peter Haupt starb bereits im Jahre 1999 an einer Rauchvergiftung.
Hier nun eine absolut legitime deutsche Coverversion des Mamas&Papas-Hits (es gibt übrigens noch eine weitere deutsche Coverversion (mit anderem Text) von Bettina aus dem Jahr 1971):
Monday, Monday, was bringst du mir? Bringst du Tränen oder Glück und Liebe von ihr Der Montagmorgen, er verspricht mir, es wird für uns schön Doch Montagabend kann der Traum zu Ende geh'n
Monday, Monday, was fang ich an? Monday, Monday, ich wüsst' so gern, was kommen kann Am Montagmorgen seh' ich unser Leben voll Sonnenschein Doch Montagabend lässt mich dein Herz vielleicht allein
Jeder neue Tag - Jeder neue Tag Jeder neue Tag Jeder neue Tag, der beginnt, ist schwer Ausgerechnet Montag früh Da seh' ich die ganze Welt nur noch grau und leer Grau und so leer
Refrain
Okay, zugegeben. Das ist jetzt nicht gerade der optimistischste Start in die Woche, aber das ist an einem Montag auch ein bisschen zu viel verlangt, oder? Die Coverversion ist auf jeden Fall gut gemacht und Peter Haupt hat damit ein würdiges Schallplattendebut gegeben. Der Text könnte vielleicht etwas lebensbejahender sein, aber hey ... es ist halt einfach beschissen, wenn man seine Liebste nur einen Tag pro Woche sehen kann.
Wer eine schöne und gut-gemachte Parodie von "The Mamas & The Papas", die stellenweise wirklich erschreckend authentisch ist, dem sei dieses Video des britischen Comedy-Duos French & Saunders sehr ans Herz gelegt!
Habt einen schönen Start in die Woche! Ich bemühe mich auch ehrlich, mit positiverem Beispiel voranzugehen ;)
Normalerweise beschränke ich mich ja hauptsächlich auf deutsche Songs, aber zwischendurch kommt mir etwas unter, das ich einfach mit euch teilen möchte. Als "Bonus-Tracks" bleiben sie daher von der regulären Nummerierung ausgeschlossen ;)
THE KINKS Village Green (M & T: Ray Davies)
aus der LP "The Kinks are the Village Green Preservation Society" 1968, PYE Records (Veröffentlichungsdatum: 22.11.1968)
Ich habe nie verstanden, warum man sich immer zwischen den Beatles und den Stones entscheiden musste. Für mich war das aber aus einem anderen Grund schwer: Wo waren die Kinks? Die waren mir persönlich nämlich immer viel näher als beide Bands ... vielleicht weil ich sie anspruchsvoller als die Stones, aber "böser" als die Beatles fand? Keine Ahnung.
The Kinks wurden 1964 in London gegründet. Mittelpunkt sind die beiden Brüder Ray (* 1944) und Dave Davies (* 1947).
Ihre größten Hits waren "You really got me" (1964, #1 UK), "All Day and all of the Night" (1964, #2 UK), "Tired of waiting for you" (1965, #1 UK), "Set me free" (1965, #9 UK), "Dedicated Follower of Fashion" (1966, #4 UK, #7 DE), "Sunny Afternoon" (1966, #1 UK), "Dandy" (1966, #1 DE), "Dead End Street" (1966, #5 UK & DE), "Waterloo Sunset" (1967, #2 UK & #7 DE), "Death of a Clown" (1967, #3 UK & DE), "Lola" (1970, #2 UK & DE) und "Apeman" (1970, #5 UK & #8 DE).
Gestern stieß ich auf Youtube auf die folgende Doku aus dem Jahr 2020 und bemerkte schnell, dass ich meine (einst in Jugendtagen über alles geliebte) Kinks-Best-of-CD schon viel zu lange nicht mehr angehört hatte ...
In diesem Zusammenhang stieß ich auch auf einige neue, mir ziemlich unbekannte, Songs, wie den, den ich euch heute vorstellen möchte!
In diesem Zusammenhang stieß ich auch auf einige neue, mir ziemlich unbekannte, Songs, wie den, den ich euch heute vorstellen möchte!
Die Aufnahmen für die LP "Village Green Preservation Society" zogen sich über zwei Jahre hin. Aufgrund von Differenzen mit der Plattenfirma erschien das eigentlich als Doppel-LP geplante Werk nur als einfaches Album. Die Plattenfirma hatte kurzfristig einige Titel gestrichen - in Frankreich, Italien, Skandinavien und Neuseeland wurde bereits eine LP mit 12 Titeln veröffentlicht, die heute bei Sammlern heiß begehrt ist.
Beim Album handelt es sich um eine nostalgische Hommage an das beschauliche englische Landleben. 1968 wurde die LP kaum beachtet und endete als katastrophaler Flop. In jener Zeit, als die meisten Menschen an Zukunft, Fortschritt und Revolution interessiert waren, trafen die Kinks mit diesen nachdenklichen Songs einfach nicht den Zeitgeist.
Heute gilt das Album als großer Wurf (erst bei der Wiederveröffentlichung 2018 erreichte es die Charts) und das amerikanische Rolling Stone Magazin führte es auf Platz 258 seiner Liste der 500 besten Alben aller Zeiten!
Nun aber zu meiner heutigen musikalischen Empfehlung:
Out in the country Far from all the soot and noise of the city There's a village green It's been a long time Since I last set eyes on the church with the steeple Down by the village green
't was there I met a girl called Daisy And kissed her by the old oak tree Although I loved my Daisy, I sought fame And so I left the village green
I miss the village green And all the simple people I miss the village green The church, the clock, the steeple I miss the morning dew, fresh air and Saturday school
And now all the houses Are rare antiquities American tourists flock to see the village green They snap their photographs and say 'Gawn darn it Isn't it a pretty scene' And Daisy's married Tom the grocer boy And now he owns a grocery
Refrain
And I will return there And I'll see Daisy And we'll sip tea, laugh And talk about the village green We will laugh and talk about the village green
Ich wünsche euch einen nostalgischen Abend mit den Kinks, die in dieser (damals) nicht erfolgreichen Aufnahmen doch etwas anders klingen als sonst ;)
Hier kommt nun der Nachtrag für gestern. Die Nacht kam auch für mich zu schnell, deshalb bin ich vor der Fertigstellung eingepennt. Mea culpa! Am Abend kommt dann der heutige Eintrag, damit ich meinen Verzug wieder aufgearbeitet habe ;)
JENNIFER KEMP A: Hier kommt die Nacht (M: Sylvester Levay / T: Michael Kunze)
B: Nur manchmal in der Nacht [Sometimes when we touch - Dan Hill] (M: Dan Hill & Barry Mann / dt. T: Michael Kunze)
1980, Karma, 2023 130 produziert von Michael Kunze & Sylvester Levay
Über die Sängerin Jennifer Kemp ist fast nichts bekannt. Bürgerlich Helga Schütz, war sie Mitte der 70er-Jahre Mitglied in der Band "Juwel". Kurz nach ihrem Weggang startete sie 1978 ihre Solo-Karriere mit ihrer Debutsingle "Baby, stop crying". Es folgten drei Singles und ein Album in englischer Sprache, ehe sie 1980 mit "Hier kommt die Nacht" ihre erste deutsche Platte veröffentlicht. 1982 meldet sie sich noch einmal mit "Wie Phönix aus der Asche" zurück - mit diesem Titel wollte sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten, landete in der Vorausscheidung aber auf dem 12. (und somit letzten) Platz. Was danach aus ihr wurde, ist nicht bekannt. Besser lief es hingegen für Komponist Sylvester Levay (* 1945). Ihm gelang mit Hits wie "Lady Bump", "Get up and boogie" sowie "Fly, Robin, fly" (der erste in Deutschland produzierte Titel auf # 1 der US-Billboard-Charts). Seit den 80er-Jahren arbeitet er auch verstärkt im Bereich der Filmmusik. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch "seine" Musicals "Elisabeth" (1992) und "Rebecca" (2006) bekannt. Hart war der Tag Jetzt ist er vorbei Du gehst die Straße lang Und fühlst dich ganz high
Nass war der Asphalt Er glänzt rot und blau Die Stadt ist voll Licht Das Leben ist nicht mehr so grau
Sei froh, denn hier kommt die Nacht Und bringt wieder tausend Träume Hier kommt die Nacht Und legt auf die Stadt ihr Sternentuch Gießt in das Wasser Wein Und lässt dich dich selber sein Ja, hier kommt die Nacht Kommt die Nacht
Heiß sind die Songs Und kühl ist das Bier Am Flipperautomat Steh'n Freunde von dir
Und hast du ein Problem Dann quatsch dich ruhig aus Jetzt hört man dich an Heut' geht man noch lang nicht nach Haus
Refrain
Du kannst in 'ne Disco tanzen geh'n Oder im Kino 'nen Action-Film seh'n Und in 'ner Kneipe mit Live-Musik Selbst auf der Bühne steh'n
Refrain Vorab: Der Song ist gar nicht schlecht und Jennifer Kemp eine durchaus gute Sängerin. Hier finde ich weniger den Song, als eher den TV-Auftritt skurril ;) Background-Tänzerinnen sind ja allgemein bekannt, aber das eine deutsche Sängerin mit Background-Tänzern auftritt, war schon eher revolutionär ;) ... wer die beiden Männer mit dem kessen Hüftschwung (besonders reizend: Minute 1:10 und 1:24 in Großaufnahme) sind, weiß man nicht. Möglicherweise strandeten sie - nach dem verpatzten Casting bei den Village People - wieder in Deutschland und wurden dort von Jennifer aufgegabelt. Es wirkt allerdings so, als wären die beiden Männer eher aneinander interessiert, als an Jennifer. Vermutlich hat sie sich deshalb - frei nach dem Motto "Viel hilft viel" - nicht lumpen lassen und alle Geschütze aufgefahren, um Eindruck zu schinden. Da glitzert und funkelt und leuchtet es wirklich überall - selbst im gekreppten Haar. Charmant sind vor allem die kleinen Posen, die sie in den unbesungenen Takten macht (0:32-0:34) - Heidi Klum wäre stolz auf sie, unglücklicherweise waren aber gerade keine Fotografen anwesend, die das für die Ewigkeit festhalten hätten können ...
Für diese "funky" Performance - im wahrsten Sinn des Wortes - vergebe ich einen lebenslangen Vorrat pinker Leggins und selbstklebender Glitzersteine! Genießt den Tag und freut euch darauf, irgendwann wieder einmal ordentlich abdancen zu dürfen! ;)
Keine Sorge, ich lebe noch! Tut mir leid, dass ich gestern nicht wie gewohnt für euch einen Titel raussuchen konnte. Es lag nicht an mir - zumindest nicht nur! Aus irgendeinem Grund hat mein Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbinden lassen - warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass ich seit heute ein neues (besseres) Teil mein Eigen nennen darf ... offenbar spüren das auch Geräte und so musste ich gestern karmatechnisch einiges einstecken :/ Aber egal. Jetzt bin ich wieder da und hier für euch der Ersatzsong von gestern (der Ersatzsong von heute kommt dann etwas später). Der Titel des Songs ist definitiv Programm ;)
FRANCOISE HARDY Was mach' ich ohne dich? [It hurts to say Goodbye - Margaret Whiting] (M: Arnold Goland & Jack Gold / dt. T: Walter Brandin)
1970, LP "Träume", Philips
Die 1944 geborene Französin Francoise Hardy unterschrieb im November 1961 ihren ersten Schallplattenvertrag bei Vogue. Kurz nach ihrer bestandenen Matura veröffentlichte sie ihre erste Single ("Oh oh Chéri"). Die B-Seite des Titels ("Tous les garcons et les filles") ließ die Scheibe - nach einem Auftritt in einer beliebten Jugendsendung - zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen. Es folgte eine Reihe von Hits, die größtenteils von ihr selbst getextet und komponiert waren. 1963 vertrat sie mit "L'amour s'en va" Monaco beim Grand Prix de la Chanson und erreichte Platz 5. Im deutschsprachigen Raum hatte sie vor allem mit "Frag' den Abendwind" (1965) große Erfolge. Die Bravo-LeserInnen wählten Francoise daraufhin 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin des Jahres. Francoise avancierte bald zu einer Stilikone der 60er-Jahre. Designer wie Paco Rabanne und Yves Saint Laurent kleideten sie ein. In Frankreich hielt ihre Popularität bis weit in die 80er-Jahre an, obwohl sie aufgrund ihres großen Lampenfiebers seit 1968 nur noch sehr selten vor großem Publikum auftrat. Mit ihrem Album "Clair Obscur", das in Frankreich bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung sechsstellige Verkaufszahlen erzielte, gelang ihr im Mai 2000 ein großes Comeback. Sie veröffentlichte insgesamt 25 Alben. Nach einer Krebserkrankung hat sie die Musik aufgegeben und arbeitet jetzt hauptsächlich als Schriftstellerin. Serge Gainsbourg schrieb für sie 1970 einen ganz besonderen Text, der in seiner Message lustigerweise sowohl in französisch, englisch als auch deutsch funktioniert! (An dieser Stelle ein großes Kompliment an Walter Brandin - der übrigens auch 1969 für die deutsche Übersetzung des Musicals "Hair" zuständig war) Nach zwei Cognac ex bekamst du Mut Deine Abschiedstexte waren gut Ratlos und perplex nur dachte ich Was mach' ich ohne dich?
Stets war mein Komplex, du bist zu schön Charme hast du für sechs, ach was für zehn Liebt denn sowas exklusiv nur mich? Was mach' ich ohne dich?
Ob du daran denkst Wie einsam und verloren ich bin Nein, du hast schon längst eine and're im Sinn
Gib mir keinen Extrakuss jetzt mehr Der nur noch Reflexbewegung wär' Ratlos und perplex nur frag' ich mich: Was mach' ich ohne dich? Was mach' ich ohne dich? All die Nächte mit dir Voll von Glück bis zum Morgengrau Die und dich stahl mir eine andere Frau
Diese Dame X, die dich mir nimmt Fliegt auf deine Tricks, wie ich bestimmt Dann als deine Ex sagt sie wie ich: 'Was mach' ich ohne dich?' 'Was mach' ich ohne dich?'
Ich glaube es gibt keinen deutschen Text, der mehr X bzw. "ich"-Laute enthält, als dieser! Francoise Hardy hat das gewisse Etwas - sowohl in Stimme als auch Optik! Große Effekte sucht man bei ihr vergebens. Diese Stimme gepaart mit einer perfekten Lage ... und dazu diese großgewachsene, scheu-verträumt-wirkende wunderschöne Frau ...
Fraglich, wie jemand diese Frau betrügen kann! (Kein Mitleid mit ihm ... mit F. H. schon!) Das englische Original klingt wie ein typischer amerikanischer Song aus den 60er-Jahren. Aufwendig arrangiert und groß orchestriert. Francoise beweist wieder mal, dass man das alles gar nicht braucht, wenn die Interpretation "wahrhaftig" ist. Hier gibt es bis Mitte Juni noch eine interessante und sehr empfehlenswerte (deutsch-synchronisierte) Dokumentation aus dem Jahr 2016! Dieser Song, mit dem gewissen Augenzwinkern, ist ein absolutes Highlight und Juwel der deutschen Musikszene und klingt auch 50 Jahre später keinesfalls altmodisch.
Für den heutigen Tag hab ich mir etwas Lustiges rausgesucht. Nein, keine neue Pressekonferenz der österreichischen Regierung. Aber ein Titel, der sich durchaus (ironisch) einem gesundheitlichen Thema widmet.
Bob Klein - Edith Jeske - Peter Bytzek - Johannes Thiem
WIEDERWILLEN Uran im Urin (M & T: Rudolf Kucharcyzk)
Der Song (im Original von "Traumtänzer", allerdings nie auf Platte erschienen) wird 1984 in Michael Schanzes Fernsehshow "Hätten Sie heut' Zeit für uns?" (ein jährliches Spin-off, in der er jungen NachwuchskünstlerInnen eine Plattform bietet) vorgestellt.
Die Gruppe ging 1981 aus der Formation "Großstadtmusik" hervor und bestand aus: Peter Bytzek Edith Jeske (* 1957) Hans-Joachim "Bob" Klein Johannes Thiem Nach einem Auftritt beim "Bonner Sommer", dem letzten Kanzlerfest von Helmut Schmidt, erhalten sie von einer Plattenfirma das Angebot, ein Album zu produzieren. Nachdem die Titel - auf eigene Kosten - produziert wurden, macht die Plattenfirma einen Rückzieher. Vier dieser Titel brachten sie 1982 auf ihrem eigenen Label auf den Markt. Peter Horton 1983 über diese Gruppe: "Vier junge Berliner, die Freude an Musik haben, Freude am Leben un Lust zum Überleben. Sie schreiben und singen Lieder, welche sie entlarven als humorvoll, zornig, verwundbar, verschmust, ironisch, gefühlvoll, tief betroffen. Und ehe man sein Vorurteil einrasten kann, entsteht im Inneren das Bild einer Stadt mit großer menschlicher Geschichte, gemalt in hinreißender Einfachheit, als ob man einem kleinen Fest beiwohnen würde, bei dem ein paar Gitarren und eine Flöte gezückt wurden. Auf einmal steht es neben dir, möchte man Ringelnatz zitieren, und auf einmal sitzt du mittendrin." Die Gruppe löste sich 1985 auf. Alle Mitglieder sind - soweit ich es in Erfahrung bringen konnte - nach wie vor musikalisch aktiv. Edith Jeske arbeitet seit den 90er-Jahren verstärkt als Textautorin, u. a. für Wolfgang Petry, Roland Kaiser und Claudia Jung. Zuerst dacht' ich ja noch, das wär 'ne Grippe Doch dann sah ich im Spiegel mein Gerippe Und als ich dann in meine dunklen Augenhöhlen sah Da wurde mir mit einem Male klar Ich hab Uran im Urin Da hilft kein Aspirin Ich muss zur Kur in die Natur In den Harz sagt der Arzt Das Ganze ist mir ungeheuer peinlich Denn eigentlich bin ich doch sehr reinlich - unheimlich Das muss ich ja auch sein, weil ich ein Kernphysiker bin Und wenn Kernphysiker schutzig wär'n, wo käm'n wir denn da hin? Refrain Das Ganze muss wohl neulich im Labor geschehen sein Ich machte grad Versuche mit 'nem hoch aktiven Stein Ich möchte bei der Arbeit meine Frühstücksstull'n nicht missen Da hab' ich wohl versehentlich in diesen Stein gebissen Refrain Ich fahr' dann auch zur Kur, da musst ich Sprudelwasser trinken Und nachmittags in kochendheißer Jodtinktur versinken Es hatte keinen Zweck, ich kriegte Ausschlag, Pickel, Falten Und eine Woche später fing mein Arsch sich an zu spalten Refrain
Mein Chef hat mich entlassen, ich kann den Mann versteh'n Ein durchsichtiger Kernphysiker wird nicht gern geseh'n Ich hab' auch keine Lust ständig zum Arbeitsamt zu laufen Ich werde mich als Brennstab an ein Kernkraftwerk verkaufen Refrain
Diesen launigen Text lass ich jetzt einfach so auf euch wirken - unter dem Motto: "Hey, es könnte auch noch viel schlimmer sein!". Nach Tschernobyl und aktuellen Waldbränden in der Gegend ist es vielleicht nicht ganz so ideal, über dieses Thema Witze zu machen, aber Humor gehört einfach zum Leben dazu. Und den lassen wir uns doch auch in dieser Zeit nicht nehmen, oder?
Heute widmen wir uns wieder einmal der österreichischen Popmusik. Wichtige Vertreter der frühen Austropop-Gattung waren die Milestones. Meilensteine auf dem Weg der österreichischen Musik. Und der Sound dieser Gruppe aus Wien war durchaus prägend und absolut spannend für diese Zeit. Nachdem ich gestern sehr feministisch unterwegs war, gibt es heute die Geschichte von einem Mann namens Paul - der übrigens im Wald lebte.
MILESTONES A: Paul (M & T: Günter Grosslercher)
B: Der staatenlose Koffer (M & T: Günter Grosslercher)
1971, Bellaphon, BL 1179 Die Milestones formierten sich 1968. Gründungsmitglieder waren: Günther Grosslercher (* 1945) - Gesang, Gitarre Beatrix Neundlinger (* 1947) - Gesang, Flöte Rudi Tinsobin - Gesang, Bass, Flöte, Posaune Robert Unterweger - Gesang, Banjo, Gitarre In dieser Besetzung nahmen sie an einem großen von Ö3 und ORF österreichweit initiierten Talentwettbewerb ("Show-Chance") teil, der im März 1969 mit einer großen Live-Finalausscheidung mit der ORF-Bigband im Fernsehen übertragen wurde. Der junge Ö3-Discjockey André Heller führte durch den Abend und auf dem Siegertreppchen standen die Milestones mit der dadaistischen Eigenkomposition "Einmal (wird der Stein der Weisen weich)". Die ursprüngliche Absicht dieses Wettbewerbs war es einen geeigneten Vertreter für Österreich beim Grand Prix d'Eurovision zu finden (Österreich nahm allerdings erst 1972 wieder am ESC teil!). Die fünf Bestplatzierten traten bei der "Internationalen Show-Chance", in Kooperation mit Deutschland und der Schweiz, in der Rheingoldhalle in Mainz auf - Sieger dieses Bewerbs: Ebenfalls die "Milestones". Ihr Siegertitel wurde auf Schallplatte veröffentlicht und 1970 folgte die erste LP, deren Titel großteils Grosslercher beisteuerte. 1972 stießen Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer zu der Gruppe. In dieser Formation wurden sie 1972 als Vertreter Österreichs zum Eurovision Song Contest nach Edinburgh geschickt. Ihr romantischer Titel "Falter im Wind" belegt Platz 5. Am Siegertreppchen landete übrigens Vicky Leandros mit "Aprés toi" für Luxemburg. Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Umbesetzungen. Neundlinger und Grosslercher schlossen sich den "Schmetterlingen" an, Niedermayer wechselte zur Band "Springtime" und Christian Kolonovits verlegte sich auf das Komponieren und Arrangieren. Weitere Titel der Gruppe waren "20 Uhr 02" (1970), "Alle Tage" (1973), "Apfelbaum" (1973), "Ballade von Hartmut Winzer" (1970), "Bürgers Traum" (1970), "Chor der Alten" (1970), "Hamlet" (1973), "In den neuen besseren Zeiten" (1970) und "Schade" (1974). Nun aber zur Geschichte von Paul: Er lebte im Wald Und träumte von Waffen Man fasste ihn bald Man wollt' ihn bestrafen Sein Verhängnis: Abnormität Paul hieß er wohl, Paul Und faul war er auch Er hielt sich den Bauch vor Lachen Als eine Taube dem Bürgermeister Schwarz-weiß-grauen Kleister Auf den Hutrand schmiss Refrain Zwei Jahre Gefängnis Paul hieß er ja, Paul Auch war er wohl faul Gerne sprach er zu Mädchen Die ihre Freunde verließen Lieber lief er über leere Wiesen Als so ein Mädchen anzurühren Paul - er ließ sich nie verführen Refrain Zwei Jahre Gefängnis Paul hieß 22 Jahre Paul Steinmetzgehilfe wohl Einer der auf Blechbüchsen schoss Der im Steinbruch Füchse zähmte Und meistens eine unverschämte Lust verspürte Sich vor der Welt zu verstecken Refrain Abnormität Für was anderes war es zu spät
Tja. Das ist also die Geschichte vom 22jährigen Paul, der im Wald lebt und gelegentlich von Waffen träumt. Die attestierte Abnormität bleibt fraglich, die Haftstrafe deutet aber auf ein Vergehen hin. Eine überführte Tat oder war es einfach sein Verhängnis, das er sich als Einsiedler in die Natur zurückzog? Spannend, dass man für einen Song so einen Sonderling in den Mittelpunkt stellt. Paul hat mehr die Züge einer sympathischeren Version von Brechts Parade-Antiheld Baal. Möglicherweise gab es einen Vorfall? Ein Übergriff, eine Vergewaltigung? Zumindest könnte es damit zu tun haben, sonst wäre die dritte Strophe obligat.
Gerne sprach er zu Mädchen Die ihre Freunde verließen Lieber lief er über leere Wiesen Als so ein Mädchen anzurühren Paul - er ließ sich nie verführen Dennoch bleibt das Schicksal des Steinmetzgehilfen in vielerlei Hinsicht rätselhaft. Was wurde aus ihm? "Für was anderes war es zu spät" - das Ende bleibt offen. Das dieser Song kein riesengroßer Hit wurde, verwundert auch weniger. Dennoch haben die Milestones für mich einen unvergleichlichen "Sound". Die klaren, markanten Stimmen harmonieren wahnsinnig gut miteinander und die Arrangements setzen stets das Lied bzw. den Text in den Vordergrund. Sie erinnern mich immer ein wenig an Peter, Paul & Mary. Aber sie kopieren nicht, sie sind komplett eigenständig. Ihr Werk ist absolut einmalig. Ihre Lieder sind meist leise. Es gibt keine großen Ausbrüche, keine überraschenden Harmoniewechsel oder Effekte. Dennoch sind sie nie beiläufig und regen an. Zum Zuhören. Zum Nachdenken. Aber weniger zum Tanzen oder Mitsingen.
Für diesen Song lege ich fünf Meilensteine auf den Weg, in der Hoffnung, dass Paul doch noch zurückfindet. Was Paul wohl heute macht, falls es ihn jemals wirklich gab? Ich glaube, dass man mit ihm durchaus Spaß haben hätte können. Vor allem diese "unverschämte Lust, sich vor der Welt zu verstecken" kann ich ihm sehr gut nachempfinden. Gerade an Tagen wie diesen.
Heute Nacht hab ich ziemlich schlecht geschlafen. Grund mehr, heute etwas Positives und Lebensbejahendes mit euch zu teilen. Gut, vielleicht ist es ein bisschen zu happy-peppy-hippie-fröhlich, aber auf alles kann man nun wirklich nicht Rücksicht nehmen ;)
THE GOLDEN KIDS
A: Wo ist der Clown? (M & T: Hans Blum)
B: Wir leben mit dem Sonnenschein [I only want to be with you - Dusty Springfield] (M: Ivor Raymonde / dt. T: Kurt Hertha)
1970, Polydor 2041 092 Kennt man die Geschichte der "Golden Kids", dann ist die B-Seite, die ich heute ausgewählt habe, doppelt tragisch. Die Golden Kids waren ein tschechisches Poptrio, das im November 1968 gegründet wurde. Es bestand aus Marta Kubisová (* 1942), Helena Vondrácková (* 1947) und Václav Neckár. Die Gruppe musste sich im Februar 1970 auflösen, nachdem Kubisova - seitens der kommunistischen Regierung - verboten wurde öffentlich aufzutreten. Grund dafür waren bewusst in Umlauf gebrachte gefälschte pornografische Aufnahmen. Obwohl sie vor Gericht gewann, blieb das Verbot bis zum Zusammenbruch der Tschechoslowakei 1989 aufrecht. Seit den 90er-Jahren treten die drei wieder gemeinsam regelmäßig auf. Alle drei veröffentlichten auch Solo zahlreiche Schallplatten - auch in deutscher Sprache. Während alle drei in Westdeutschland veröffentlichten, gelangen Václav vor allem Mitte der 70er-Jahre auch Erfolge in der DDR (u. a. "Theophil Krokodil" 1973). Nun aber zu unserem "Lied des Tages": Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit Wir lieben das Leben an jedem Tag Und wenn auch morgen schlechtes Wetter kommen mag Das fällt uns heut' nicht ein Wir leben mit dem Sonnenschein Die einen sagen Liebe ist ein Kinderspiel Die ander'n, die erwarten immer viel zu viel Dabei ist die Liebe so wunderschön Man darf ihr nur nicht immer aus dem Wege geh'n Und das fällt uns nicht ein Wir leben mit dem Sonnenschein Wir sind so reich, so reich Und haben gar kein Geld Immer stehen die Chancen gleich Für jeden auf dieser Welt Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit Und bist du im Leben so ganz allein Und möchtest gerne einmal mit uns glücklich sein Dann laden wir dich ein Wir leben mit dem Sonnenschein Wir sind so reich, so reich Und haben gar kein Geld Immer stehen die Chancen gleich Für jeden auf dieser Welt Wiederholung Strophe 3 Schön wird's immer sein Wir leben mit dem Sonnenschein
Das Lied ist übrigens ein deutsches Cover (wer hätte das bei mir auch erwarten können :P) und vielen im Ohr, da es zahllose Coverversionen gibt. Das ziemlich starke Original stammt von Dusty Springfield, die man sonst nur mit "Son of a Preacher Man" in Verbindung bringt.
Wer hätte gedacht, dass uns 50 Jahre später ein Song von einem tschechischen Trio - dessen großer gemeinsamer musikalischer Traum kurz darauf aus politischen Gründen zerbrach - näher und aktueller ist als damals? Die Einsamkeit ist Mangel an Gelegenheit Wir haben aber keine Zeit zur Einsamkeit Wir lieben das Leben an jedem Tag Und wenn auch morgen schlechtes Wetter kommen mag Das fällt uns heut nicht ein Wir leben mit dem Sonnenschein Ein schöner Leitsatz für unsere aktuelle Zeit. Keiner weiß, was morgen sein wird und wie wie es mit uns allen weitergeht. Wir können nur versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Der Rest ist ohnehin kismet ... oder masl. Auch wenn wir momentan tatsächlich "Mangel an Gelegenheit" haben, sollten wir versuchen nicht zu vereinsamen. Und die Zeitressourcen, die uns zur Verfügung stehen, in Dinge investieren, die uns nachhaltig Freude bereiten :)