Posts mit dem Label Skandinavien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Skandinavien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 1. Juli 2020

# 102 - "Mini Hot Pants" - Dorthe (1971)

Was gibt es Schöneres als von warmen Sonnenstrahlen geweckt zu werden? Zugegeben, wenn es um 6:03 Uhr ist und man (endlich) wieder einmal die Möglichkeit gehabt hätte, auszuschlafen, dann ist das nicht so prickelnd. Ideal, wenn man seinen Organismus austricksen kann und sich einfach wieder umdreht und weiterschläft ... zumindest bis die Müllabfuhr kommt und lautstark die Tonnen ausleert. Aber da war es immerhin schon nach 7 ... Immerhin muss ich mir an einem solchen sonnigen Tag wenig Gedanken über meine Kleiderwahl machen.



DORTHE
A: Der Fehler lag bei mir [We can make Music - Tommy Roe] (M: L. Josie / dt. T: Fred Weyrich)
B: Unser Wiedersehen heißt Liebe (M: Hans Blum / T: Fred Weyrich)

1971, Philips, 6003 115

Heute habe ich wieder einen Titel von Textautor Fred Weyrich, der bereits mehrfach hier in Erscheinung trat, für euch parat. 

Die 1947 in Kopenhagen geborene Dorthe Larsen erhielt von ihrem Vater, der Kapellmeister des Symphonischen Orchesters Aarhus war, ihre musikalische Ausbildung. Nebenbei erhielt sie auch Unterricht in Schauspiel, Tanz und Pantomime. Mit acht Jahren nahm sie ihre erste Schallplatte auf und erhielt bereits im Alter von zwölf Jahren ihre erste Goldene Schallplatte.
Anfang der 60er-Jahre kam sie nach Deutschland und erreichte bei den Deutschen Schlager-Festspielen 1964 mit dem Titel "Junger Mann mit roten Rosen" (#19) den fünften Platz. 1968 erreichte sie beim Deutschen Schlager-Wettbewerb Platz 2 mit "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" (#10).
Anfang der 70er-Jahre wurde es ruhiger um Dorthe. Sie nahm zwar kontinuierlich weiterhin Schallplatten auf und trat in zahlreichen Fernsehsendungen auf, konnte jedoch nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Von 1967 bis 1977 war sie mit dem Opernsänger René Kollo verheiratet, mit dem sie eine gemeinsame Tochter (Nathalie, * 1967) hat. 1988 wurde ihre Ehe geschieden.
2012 veröffentlichte sie in ihrer Heimat Dänemark ein Swing-Album.
Auch wenn sie seit Jahren keinen Charterfolg mehr hat, werden die Titel, der heute in Bremen lebenden Sängerin, regelmäßig im Radio gespielt.

Zu ihren erfolgreichsten Titeln gehören: "Rot ist die Liebe" (1964, #26), "Dip-di-dip" (1965, #17), "Blondes Haar am Paletot" (1965, #24), "Heut' hab ich mein Herz verloren" (1966, #34), "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" (1968, #5 DE, #7 AT), "Jeder Schotte" (1968, #24) und "Seine Hoheit der Herr Kronprinz" (1969, #27).

Für den heutigen Song legt Dorthe den Blick aber auf eine ganz bestimme Körperzone:

Come on, come on, wir fahren beide in die Sonne
Denn wir haben einen Tag lang frei
Und ich bin so happy, very happy, yeah
Maxi ist einen Sommer lang vorbei

Come on
Mini Hot Pants - Heiße Höschen
Mini Hot Pants sind der letzte Schrei
Jetzt kannst du beim Tanzen gehen
So viel wie beim Baden sehen
Come on, das nennt man sexy Hexerei


Come on, come on, und schau nicht zu anderen Mädchen
Was du suchst, das findest du bei mir
Alle deine stillen heißen Wünsche, yeah
Oh my Darling, die erfüll' ich dir, yeah

Refrain



Während Miniröcke Anfang der 70er-Jahre immer noch kritisch beäugt und als unsittlich eingestuft wurden, erlebten Hot Pants ihren heimlichen Siegeszug. Denn bei ihnen handelt es sich ja immerhin um Hosen und da kann es doch ein "zu kurz" gar nicht geben, oder?

Hot Pants waren - genauso wie die zunehmende Verwendung von Anglizismen - aber so was von fucking crazy shit cool "der letzte Schrei" und standen auch für ein gewisses Freiheitsgefühl.
Für Dorthe reicht schon ein einziger freier Tag, um das graue Alltagsleben hinter sich zu lassen und in ihren neuen "heißen Höschen" happy in die Sonne zu fahren. Und auch die potentielle Partnerwahl kann dadurch definitiv erleichtert werden, denn "jetzt kannst du beim Tanzen gehen, so viel wie beim Baden sehen" bietet schier endlose Möglichkeiten das andere (oder auch eigene) Geschlecht ausgiebig zu mustern und zu bewerten. Die Spiele sind gewissermaßen eröffnet und etwaige Dellchen oder Cellulitiszonen erschweren da den Heiratsmarkt ziemlich. Dorthe kann sich beim Tanzen allerdings nicht auf die heißen Moves konzentrieren, sondern muss eher versuchen, dass die Augen ihres Tanzpartners bei ihr und ihren Schenkelchen bleiben und nicht permanent auf anderes "Gebein" abdriften. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie ihrem "Darling" sämtliche "stillen heißen Wünsche" erfüllen kann ;)

Dienstag, 26. Mai 2020

# 69 - "Ein Student aus Uppsala" - Kirsti (1969)

Den heutigen Beitrag widme ich all jenen, die bereits große Freude mit der musikalischen Verbindung alltäglicher Dinge mit eingängigen tonalen Künsten haben. Wir erinnern uns da beispielsweise an Ni-cool-e ;)




KIRSTI
A: Ein Student aus Uppsala (M: Henry Mayer / T: Georg Buschor)
B: Und die Sonne geht auf (M: Henry Mayer / T: Georg Buschor)

1969, Telefunken, U 56 044


Der erfolgreiche Textautor Georg Buschor (1923-2005) schrieb u. a. "Zwei kleine Italiener" (Conny Froboess, 1962), "Schuld war nur der Bossa Nova" (Manuela, 1963), "Liebeskummer lohnt sich nicht" (Siw Malmkvist, 1964), "Winter in Canada" (Elissa Gabbai, 1966), "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" (Dorthe, 1967), "Arrividerci Hans" (Rita Pavone, 1968), "Akropolis Adieu" (Mireille Mathieu, 1971) oder "Der Stern von Mykonos" (Katja Ebstein, 1973).

Die 1946 geborene norwegische Sängerin Kirsti Sparboe arbeitete nach ihrer kaufmännischen Lehre als Sekretärin. Sie unternahm erste Auftritte als Sängerin einer Tanzkapelle, nahm Gesangsunterricht und erhielt bereits mit 17 Jahren ihren ersten Schallplattenvertrag. Dreimal vertrat sie - mit mäßigem Erfolg - Norwegen beim Grand Prix d'Eurosivion (1965 Platz 13, 1967 Platz 14, 1969 Platz 16).

Gleich ihre erste Single "Du darfst nicht weinen" erreicht im Juni 1968 #24 der Charts. Weitere erfolgreiche Titel waren "Von mir aus kann es regnen" (November 1968, #38), "Napoleon und Josefine" (Juli 1969, #34) und "Die treuen Husaren" (November 1969, #37).

Ihr größter Hit in Deutschland wird die im März 1969 veröffentlichte Single "Ein Student aus Uppsala", die sich 14 Wochen in den Charts hält und bis auf #15 kommt.

Ihre letzte Single in Deutschland erscheint 1972, in Norwegen ist sie noch bis Mitte der 80er-Jahre aktiv.

Im Vergleich mit anderen skandinavischen Sängerinnen, die zeitgleich im deutschsprachigen Raum vertreten sind, hat sie eine deutlich kürzere Karriere. In diesem Zusammenhang waren Dorthe (* 1947, Dänemark), Siw Malmkvist (* 1936, Schweden), Gitte (* 1946) und Wencke Myhre (* 1947, Norwegen) deutlich erfolgreicher - die letzten drei auch als Sängerinnen beim Eurovision Song Contest!

Nun aber zum heutigen Song, zu dem ich glücklicherweise auch ein Video mit Kirsti gefunden habe:

Ein Student aus Uppsala-la-la-la La-la-la-la-la-la-la-la-la-la
Ein Student aus Uppsala-la-la-la La-la-la-la-la Laaaa

Meine Freundin rief an
Ob ich mitkommen kann
Auf die Hütte im Schnee
Und ich sagte: "Okay!"

In der Sonne im März
Da verlor ich mein Herz
Als ich ihn damals sah
Er war Student aus Uppsala

Refrain


Und am Abend beim Tee
Auf der Hütte im Schnee
Sprach er leise zu mir:
"Ich bleib' immer bei dir"

Und wir hatten kein Geld
Aber schön war die Welt
Denn der Himmel war nah
Und mein Student aus Uppsala

Refrain

Ich kam später im Mai
An der Hütte vorbei
Und ich fand keinen Schnee
Denn da blühte der Klee

Doch die Sonne, die schien
Und ich dachte an ihn
Den ich nie wieder sah
Er war Student aus Uppsala

Refrain






Freunden der leichten Muse ist dieser Titel möglicherweise im Rahmen der anspruchsvollen, zeitaktuelleren (2015), Coverversion der Hot Banditoz ("Shake your Balla") bekannt.





Nun was für eine Geschichte erzählt uns Kirsti da? Eine Freundin bittet Kirsti, sie auf eine nicht näher definierte "Hütte im Schnee" zu begleiten. Kirsti - keine Freundin großer Worte - willigt mit einem lässigen "Okay" ein und die beiden machen sich im März auf eine (Aprés-)Ski-Tour. Inwieweit die sogenannte Freundin an den weiteren Geschehnissen oder sie vielleicht sogar als Drahtzieherin an dem frostigen Liebeskomplott beteiligt ist, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Fakt ist jedenfalls, dass die beiden - oder zumindest Kirsti - nicht alleine waren. Was im März durchaus überraschend ist. Ich kombiniere, es muss ein langer, kalter Winter gewesen sein. Der nicht näher definierte Mann gibt an, Student im schwedischen Uppsala zu sein. Bereits am selben Abend witterte der Täter bei einer Tasse JagaTee seine Chance und erklärte der jungen Kirsti spontan seine Liebe und dass er immer bei ihr bleiben wolle. Kirsti, rosarot-bebrillt, war sofort begeistert (wir erinnern uns, die ehemals gute Freundin, deren Schnaps-Idee der ganze Ausflug war, taucht an dieser Stelle nicht mehr auf), obwohl sie nach eigenen Angaben beide mittellos waren, empfanden sie die Welt als schön und den Himmel als nah (gut... somit wäre bereits eine weniger lebensbejahende Alternative einer eigenwilligen Vorstellung von gemeinsamer Zukunft gegeben). 
Zwei Monate gingen ins Land und Kirsti kehrte an den einstigen Ort ihrer großen Liebe zurück. Der Schnee war weg, genauso wie der Student, von dem Kirsti - trotz großer Liebesbekundung - scheinbar nicht einmal den Namen wusste (Anfängerfehler oder vielleicht doch zu viel ... Tee?). Naja. Kirsti ist allem Anschein nach ja mit Klee und Sonnenschein auch leicht zufriedenzustellen und begnügt sich damit, an den treulosen Herzensdieb zu denken. Ist ja auch schön. 
Vermutlich hat sich der Gute an eine (finanziell) bessere Partie rangemacht und arbeitete fortan erfolgreich als Heiratsschwindler. Nachforschungen an der Universität von Uppsala blieben übrigens erfolglos. Kirsti hätte sich zumindest eine Studienbestätigung zeigen lassen oder seine Matrikelnummer notieren müssen.
Vielleicht war er aber auch nur ein Erasmusstudent, der ein bisschen länger geblieben ist, um den schönen Winter zu genießen?

Wir werden es wohl nie erfahren ... also aufpassen im Umgang mit AkademikerInnen!

Dienstag, 12. Mai 2020

# 55 - "Eins, zwei - ich zähle bis drei" - Peter Holm (1971)

Abzählreime sind nicht nur bei Kindern äußerst beliebt, sondern durchaus auch für die bevorstehende Partnerwahl geeignet. So befindet dies zumindest der vorliegende Interpret (oder besser gesagt, sein Textautor). Eene-Meene-Muh und raus (aus dem Schlagergeschäft) bist du ...




PETER HOLM
A: Eins, zwei - ich zähle bis drei [?] (M: Barry Keith / dt. T: Christian Heilburg = Gregor Rottschalk)
B: Die Welt ist okay [?] (M: Peter Holm & Rune Walleborn / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)

1971, Riviera, MR 28 041
produziert von Günter Henne

Bei diesem Text handelt es sich um ein Frühwerk des deutschen Erfolgstexters Gregor Rottschalk (* 1945) alias Christian Heilburg. Große Hits aus seiner Feder waren beispielsweise "Er gehört zu mir" (Marianne Rosenberg, 1975), "Josie" (Peter Maffay, 1976), "Marleen" (Marianne Rosenberg, 1976) und "Und es war Sommer" (Peter Maffay, 1976).

Peter Holm wurde 1947 als Peter Sjöholm in Schweden geboren. Seine Karriere als Popsänger und "schwedischer Playboy" brachte ihm allerdings nicht so viel Popularität wie die Kurzzeit-Ehe mit Star-Schauspielerin Joan Collins (* 1933). Während der Ehe wurde er ihr Manager und produzierte mit ihr zwei TV-Miniserien ("Sins" und "Monte Carlo").

Mitte der 60er-Jahre war er Mitglied von "The New Generation" (vormals "Plöjboys"), die bis 1969 mehrere Singles und ein Album auf den Markt brachten. Parallel dazu startete er seine Solo-Karriere. Sein bekanntester Titel wurde "Monia" (1968). Bis Mitte der 70er-Jahre nahm er mehrere Songs in verschiedenen Sprachen (großteils französisch) auf. Neben der heute vorgestellten deutschen Sprache, gibt es noch eine weitere ("Versuch' es noch einmal mit mir" 1972).
Peter Holm heiratete am 6. November 1985 die Schauspielerin Joan Collins. Collins beantragte rund ein Jahr später die Annullierung - die Ehe wurde am 24. August 1987 geschieden. Collins klagte über eine Reihe von "endlosen Auseinandersetzungen" und bezeichnete Holm als "Tyrann mit wildem Temperament". Zudem sei er "die kämpferischste Person, die ich je getroffen habe".
Im Dezember 1986 erhielt Holm eine einstweilige Verfügung. In dieser Zeit gab er Interviews, in denen er sich über Collins "Identifikation" mit ihrer Serienfigur Alexis ("Dynasty" = "Denver Clan") äußerte. Zudem forderte er 20 Prozent von Collins' Einnahmen, während ihrer gemeinsamen 13 Monate (sie verdiente in dieser Zeit ungefähr fünf Millionen US-Dollar). Das Scheidungsverfahren avancierte zum Medienzirkus.
Holm verlor den Prozess und erhielt nur die im Ehevertrag vereinbarten 80.000 US-Dollar. Daraufhin zog er in die Schweiz. Was danach aus ihm wurde, ist nicht bekannt.




Tja ... wenn man die Geschichte seiner Ehe kennt, dann erhält dieser Text ganz originelle Parallelen. 

Eins, zwei - ich zähle bis drei
Bei jedem Kuss von dir, me oh my
Eins, zwei - es bleibt dabei
Du gehörst zu mir, me oh my

Wenn ich mit dir einmal zum Tanzen geh'
Lass ich keinen anderen in deine Näh'
Sie ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Auf jeder Party, da bist du der Star

Alle seh'n dir nach und es ist mir klar
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain

Du bringst die Männer fast um den Verstand
Alle um dich her sind außer Rand und Band
Die ist wunderbar, so sagt man sich
Jeder will sie, doch sie will nur mich

Refrain





Somit hätten wir wieder einen kitschig-belanglosen Liebessong ausgegraben, der mehr durch Banalität als Feingefühl glänzt. Dafür vergebe ich einen Rosenstrauß (den kann man dann auch gut für den drohenden Rosenkrieg einsetzen).