Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
Ich mag den Dezember an sich sehr gerne. Der Ausklang eines langen, intensiven Jahres. 2020 ging es mir fast zu schnell. Gefühlt bin ich noch irgendwo im August. Aber auf der anderen Seite ist es für viele die Hoffnung groß, dieses eigenwillige Jahr schnellstmöglich abzuhaken und ad acta zu legen. Ob 2021 besser wird oder müssen wir uns jetzt ein Leben lang mit Corona aussetzen. Ach ja, ein Leben lang, ... was heißt das eigentlich?
JOY FLEMING
A: Rocktown [Black Sheep] (M: Stephen Stills / dt. T: Carl J. Schäuble) B: Ein Leben lang [Life's too short] (M: Pete Wyoming Bender / dt. T: Carl J. Schäuble)
1974, Global Records, 22 543-3
Joy Fleming nahm beide Titel auch in englischer Sprache auf.
Joy Fleming wurde 1944 als Erna Raad in Rockenhausen geboren. Bereits als Teenager gewann sie Gesangswettbewerbe und sang anschließend - nach ihrer Lehre zur Verkäuferin - gemeinsam mit ihrer Schwester Jazz und Blues in Bars und Kneipen, wo hauptsächlich amerikanische Soldaten stationiert waren. 1966 gründete sie mit Freunden die Gruppe "Joy and the Hit Kids", die 1969 in "Joy Unlimited" umbenannt wurden. Ihr erster Auftritt im legendären "Talentschuppen" machte sie schlagartig bekannt - zahlreiche Schallplatten in englischer und deutscher Sprache folgten.
1971 setzte Joy Fleming ihre Karriere als Solosängerin fort und verbuchte mit dem "Neckarbrückenblues" (in Mannheimer Dialekt) einen großen Erfolg. 1975 vertrat sie Deutschland beim Eurovision Song Contest mit "Ein Lied kann eine Brücke sein", belegte allerdings nur den 17. Platz. Zwischen 1986 und 2002 versuchte sie noch dreimal den deutschen Vorentscheid für sich zu gewinnen.
Joy Fleming, die wohl zu recht als Deutschlands beste Soul- und Blues-Sängerin bezeichnet werden kann, war bis zu ihrem plötzlichen Tod 2017 musikalisch aktiv.
Bekannte Titel von ihr waren "What can I do without you?" (1967), "Daytime, Nighttime" (1968), "Neckarbrückenblues" (1972), "Halbblut" (# 38, 1974), "Ein Lied kann eine Brücke sein" (# 32, 1975), "Geld" (1975) oder "Ich sing' fer's Finanzamt" (1977).
Carl J. Schäuble (1933-2010) war ein bekannter deutscher Texter. Seine bekannteren Titel - neben den bisher angesprochenen - waren "Ein Hoch der Liebe" (Wencke Myhre, 1968), "Nuevo Lardeo" (Tony, 1970), "Geh' mit mir durch den Regenbogen" (Peter Horton, 1970), "Was ich tat, tat ich nur für Maria" (Oliver Bendt, 1971), "Hast du keine anderen Sorgen?" (Die Windows, 1973) oder "Bad, bad Leroy Brown" (Jerry Rix, 1974).
Ich schenk' mein Leben her
Als ob es gar nicht wär'
Ich leb' als hätt' ich tausend Leben
In jedem Augenblick
Verschwende ich ein Stück
Wofür hab' ich es hergegeben?
Ein Leben lang was heißt was schon?
Wie Wasser läuft die Zeit davon
Jede Antwort läuft mit ihr
Und nur die Fragen bleiben mir
Ein Leben lang was heißt das schon?
Die Träume schwimmen dir davon
Was dir dann noch übrig bleibt
Sag', ist das die Wirklichkeit?
Ich liege manchmal wach
Und denke daran
Was ich dir alles nicht gegeben
Verzeih', verzeih'
Was kann ich tun?
Ich hab' nur dieses eine Leben
Refrain
Wofür sind wir denn noch bereit zu leben und was ist uns wirklich wichtig? Und auf was sind wir eigentlich bereit zu verzichten - in unserem Wohlstand? Würde noch jemand sein Leben für jemanden oder etwas hergeben? Schwierige Frage. Aktuell scheitern wir stellenweise ja bereits an einem dünnen Stück Stoff.
Manchmal liegt das Gute so nah und ist doch so fern, weil einem einfach nicht die richtigen Worte (zur rechten Zeit) einfallen. Davon kann auch die heutige Gruppe ein Lied singen (#schlechterscherzolé).
LOVE GENERATION
A: Ja, wir verreisen (M & T: Frank Cornely) B: Sag' doch "Ich liebe dich" [Bla, Bla, Bla - Squallor] (M: Giancarlo Bigazzi, Daniele Pace & Gaetano Savio / dt. T: Fred Jay)
1975, United Artists, UA 35 851
Produziert von Günter Henne & Joachim Heider
Die Love Generation war eine deutsche Popgruppe, die 1971 aus den "Cornely Singers" hervorging. In wechselnder Besetzung existierte die Gruppe bis 1978.
1975 bestand die Gruppe aus Gitta Walther (1940-2014), Birgit Laury (* 1946), Lucy Neale (* 1948), Peter Hedrich (* 1948) und Timothy Touchton (* 1946). Bis auf Birgit Laury waren alle auch solistisch tätig.
Lucy Neale, die zuvor bei "Family Tree" war, und Gitta Walther gehörten in den 80er-Jahren zu dem Damenquartett "Hornettes". Gitta Walther, die eine gefragte Studiosängerin war (von ihr stammt der legendäre Schrei in "Lady Bump" von Penny McLean), versuchte sich unter dem Pseudonym "Jackie Robinson" auch als Discosängerin. Peter Hedrich gelang 1979 als "Peter Kent" mit "It's a reel good Feeling" ein Hit. Auch Timothy Touchton, der bereits mit Lucy Neale bei "Family Tree" war, machte solistisch weiter.
Bekanntere Titel der Gruppe waren: "Love for everybody" (1971), "Israel" (1972), "Morning of my Life" (1973), "Goin' Downtown" (1973), "Hör' wieder Radio" (1975 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest) oder "Thomas Alva Edison" (1976 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den ESC).
Der in Linz geborene Textautor Fred Jay (1914-1988) hatte bereits in den 40er- und 50er-Jahren erste Erfolge als Texter. In den 70er-Jahren schrieb er u. a. folgende Titel: "Diese Welt" (Katja Ebstein, 1971), "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" (Christian Anders, 1972), "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" (Jürgen Marcus, 1972), "Fahrende Musikanten" (Nina & Mike, 1973), "Ein Schlafsack und eine Gitarre" (Renate & Werner Leismann, 1973) oder "Wir lassen uns das Singen nicht verbieten" (Tina York, 1975).
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Sag' was du wirklich denkst
Mit dir allein zu sein Erfüllt zu Träumerein Dir fallen jederzeit die rechten Worte ein Du bist so wunderbar Ich mag dein rotes Haar Dein Gang ist federleicht Dein Lächeln unerreicht
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Sag' was du wirklich denkst
Du siehst ganz reizend aus Machst dich gewaltig raus Wenn du so sprichst zu mir Strahl ich und glaub' es dir
Und deiner Augen Glanz Der fasziniert mich ganz Das hört sich beinah an So wie ein Kitschroman
Sag' doch "Ich liebe dich" Einfach "Ich liebe dich" Sag' doch, du willst nur mich Denn darauf warte ich
Wenn du das Richt'ge denkst Weißt du schon längst Ich bin für dich schon da Ganz ohne "bla, bla, bla"
Zweifellos ein großartiges Machwerk. Ist es denn nicht oft so, dass man seinem Partner oder seiner Partnerin manchmal gar nicht zuhören kann, weil man von den sich bietenden Reizen so genervt ... angeekelt ... becirct ist, das man der anderen Person zwar förmlich an den Lippen hängt, aber das Einzige, was der Organismus abspeichern kann, ist "Bla bla bla". In dieser Situation ist es übrigens äußerst gefährlich, negativ durch einen Unachtsamkeitsfehler aufzufallen. Eine falsche Beantwortung der Folgefrage: "Was hab' ich denn gerade gesagt?" kann zu schwerwiegenden Problemen führen, die schlimmstenfalls ein Beziehungsende (oft sogar durch das unerwartete, plötzliche und vor allem tragische Ableben einer der beteiligten Personen) bedeuten.
In diesem Fall können wir uns aber entspannt zurücklehnen, den beiden Turtelnden zuhören und hoffen, dass sie irgendwann wieder Zugang zu ihrem Sprachzentrum erhalten.
Ist es nicht herrlich, wenn man am Wochenende die herrliche Möglichkeit hat, einfach ausschlafen zu können - so lange, wie man will und lustig ist? Ach, Sie können immer ausschlafen? Achso ja ... Home-Office, Lockdown. Wie konnte ich darauf vergessen? Vermutlich deswegen, weil er mir - im Vergleich zum März - in der Großstadt kaum auffällt. Die paar Mal die ich mich in den letzten Tagen aus dem Haus gewagt habe, erlebte ich überraschend gut gefüllte Straßen und auch in den Supermärkten und auf der Post war bewegtes Treiben. Spannend. Dicht gedrängtes Treiben während in den Theatern, wo man wahnsinnig gut kontrollieren kann, wer, wann und vor allem wo sitzt, der Vorhang immer noch unten bleiben muss. Hoffen wir, dass das im Januar wieder etwas anders aussieht.
THE FOUR KINGS
A: Immer wenn der Mond scheint ([I can't go on living, Baby, without you - Nino Tempo & April Stevens] (M: Jerry Riopelle & Nino Topo / dt. T: Tobby Lüth) B: Brötchen und Milch [No Milke today - Herman's Hermits] (M: Graham Gouldman / dt. T: Carl-Heinz Dieter)
1966, Metronome, M 916
Die Four Kings waren eine deutsche (wie der Name bereits verspricht) vierköpfige Band. Die Gruppe veröffentlichte bis Mitte der 70er-Jahre auf verschiedenen Labels. Klingende Titel von ihnen waren z. B. "Come on, Marianne", "Mit dir allein", "So wie ich dich liebe", "Mädchen, komm mit mir heut' Nacht", "Mein Glück liegt in Bad Zwischenahn" und "Kleine Sonja". Meinen Recherchen zufolge waren sie die Begleitband von Peter Orloff, der sie auch ab 1971 produzierte.
Brötchen und Milch Die steh'n vor meiner Tür Seit Tagen vor der Tür Denn sie ist nicht mehr hier
Brötchen und Milch Ein jeder kann sie seh'n Doch die vorüber geh'n Sie können's nicht versteh'n
Hinter der Tür lag unser Märchenland Ich hatte sie zur Prinzessin dort ernannt Hinter der Tür lag unser Paradies Jetzt ist es nur ein düsteres Verlies
Brötchen und Milch Die steh'n vor meiner Tür Seit Tagen vor der Tür Denn sie ist nicht mehr hier
Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren Es war ein Schloss als wir uns dort noch geküsst Nun ist es leer hinter seinen alten Toren Weil sie gegangen ist
Brötchen und Milch Die jeder stehen sieht Die sind das End' vom Lied Von unser'm Liebeslied
Keine Musik Kein Lachen mehr, kein Gruß Nie mehr von ihr ein Kuss Damit ist es nun Schluss
Wiederholung
Das englische Original "No Milk today", das ursprünglich für The Hollies geplant war, brachte Herman's Hemits 1966 einen ziemlichen Hit (#1 AT, #2 DE, #7 UK und #35 USA). Songwriter Graham Gouldman (* 1946) bekam die Idee zum Text, als er gemeinsam mit seinem Vater einen Freund besuchte, an dessen Tür ein Schild mit dem Hinweis "No Milk today" angebracht war. Gouldmans Vater erklärte, dass es dafür verschiedene Gründe geben könnte. Gouldman schrieb eine Geschichte um eine zerbrochene Liebesbeziehung. Damals war es noch üblich, dass Milchmänner täglich die frische Milch vor die Tür stellten. Verringerte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (Von glücklicher Beziehung zu tragischem Single-Dasein), dann benötigt die Person heute leider keine Milch.
Die deutsche Coverversion versucht sich zumindest stellenweise am englischen Original zu orientieren, es hakt doch immer wieder an einigen Ecken und Enden.
Das erste Rätsel ist bereits, woher die Brötchen stammen, die mitsamt der Milch vor der Tür gelandet sind. Ist unser Hauptprotagonist aufgrund der Entliebung nun auch in den Hungerstreik gegangen? Er könnte ja zumindest noch Enten im Park damit füttern. Die finden frische Sonntagsbrötchen sicher auch g'schmackiger, als das steinharte Uraltbrot, mit dem sie immer von Oma Gisela beworfen werden.
Okay. Ich nehme alles zurück: Denn bereits in der dritten Zeile wird klar, dass diese Utensilien bereits seit Tagen vor der Tür stehen. Bei den aktuellen Temperaturen muss er die Brötchen nur frisch aufbacken, die sind nämlich vermutlich tiefgekühlt. Milcheis? Ist ja durchaus bei manchen Menschen beliebt ...
"Doch die vorüber geh'n, sie können's nicht versteh'n" - Tja. Wer kann es ihnen auch verübeln? Du hast ja keinen Zettel an die Tür gehängt oder wenigstens eine gute Tat vollbracht, in dem du eine obdachlose Person damit gelabt hast. Mit ranziger Milch und steinharten Brötchen kommt man dem Paradies nicht unbedingt näher - nur mal so als kleiner Hinweis in Bezug auf das Karma-Konto.
Okay. Im Märchenland war's schön! Aber die Prinzessin ist jetzt scheinbar aus dem Paradies entflohen. Hat sie sich inzwischen als böse Hexe herausgestellt und ist mit dem nächstbesten dahergelaufenen Prinzen über die sieben Berge abgezischt? Oder hat sich um sie bereits eine unkrautartige Dornenhecke gebildet, weil schon länger niemand - so ganz zwischenmenschlich - vorbeigeschaut hat?
Tja. Die Frage: "Wer hat heut' Nacht in meinem Bettchen geschlafen?" braucht man sich ja nun nicht mehr zu stellen.
"Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren" - ach ja, das klingt ja ziemlich nach Aschenputtel-Effekt. War die große Liebe vielleicht doch eher eine Umschreibung dafür, sich die Kosten für eine adäquate Putzfee zu sparen?
Du könntest die alten Brotkrumen ja auch nehmen, um sie zu streuen .. vielleicht kommt ja so eine neue "Prinzessin" in deinen Haushalt? Oder zumindest ein paar Tauben ... ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh! ... naja, der Spatz in der Hand wär' mir lieber.
Da es von den Four Kings kein bewegtes Bildmaterial gibt, hier für euch das Original von Herman's Hermits. Habt ein erholsames zweites Adventwochenende!
"Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" - ein beliebtes Sprichwort, das allerdings im Jahr 2020 deutlich an Brisanz verloren hat. Es gab wohl selten so viel Zeit, Dinge auf morgen zu verschieben, wie in den letzten Wochen und Monaten. Und vermutlich wird das auch noch eine ganze Weile so weitergehen. Ich bleibe allerdings diszipliniert und schreibe daher ganz brav diesen Blog-Eintrag - und das schon gestern, weil ja morgen heute ist 😵
RANDOLPH ROSE
A: Hey Amigo, muchoas gracias (M: Dieter Zimmermann / T: Hans-Ulrich Weigel) B: Manana [Manana - Bay City Rollers] (M: Alan Blaikley & Ken Howard / dt. T: Peter Orloff)
1973, Hansa, 12 420 AT
produziert von Thomas Meisel & Peter Orloff
Das Erfolgsduo Alan Blaikley (* 1940) & Ken Howard (* 1939) ist verantwortlich für Hits wie "The Legend of Xanadu" (Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, 1967) oder "I've lost you" (Elvis Presley, 1971). Darüber hinaus machten sie auch Musik für Fernsehproduktionen, wie z. B. die legendäre "Miss Marple". Mit "Manana" gelang 1972 den damals noch relativ unbekannten "Bay City Rollers" der Sieg beim Grand Prix RTL von Radio Luxemburg - ein erster Achtungserfolg in ihrer Karriere.
Randolph Rose wurde 1954 in Bamberg geboren. Vor seiner Musikkarriere hatte er bereits einige Fernsehauftritte, u. a. in "Tommy Tulpe" oder "Tanzcafé" (damals noch als Roland bzw. Ronald Rose). Mit seiner zweiten Single, der deutschen Version von "Silver Moon Baby", gelang ihm 1971 ein großer Hit, der bis auf #5 der Charts kletterte. Auch die Folge-Singles, die meist deutsche Coverversionen waren, erreichten gute Chartnotierungen: "Nur ein Flirt" (1971, #21), "Meilensteine der ersten Liebe" (1972, #42) und "Sylvias Mutter" (1972, #26). Bis Ende der 70er-Jahre veröffentlichte er noch weitere Singles. Kurzzeitig war er Mitglied der Band "Witchcraft", ehe es ruhiger um ihn wurde. Seit rund 15 Jahren veröffentlicht er wieder regelmäßig Songs (Popularität erreichte durch DSDS zuletzt der Titel "100 Jahre sind noch zu kurz für eine große Liebe"), die auch in den Schlagercharts landen.
2014 trat er bei "The Voice of Germany" in den Blind Auditions auf - leider drehte sich kein Juror für ihn um. Der nur 1,68 m große Sänger ist übrigens der Cousin von Marianne Rosenberg.
Laut Presseinformationen seiner Plattenfirma liebte er 1972 übrigens auch Steaks, Orangensaft "natur", Shirley Bassey und Angeln. (Ach, ich liebe diese Funfacts!)
Das lässt mir keine Ruhe mehr Warum sagt sie nur immer wieder?
Manana, morgen ist auch ein Tag Oh Manana, der dir das bringen mag Oh Manana, Manana, Manana Wovon du träumst
Im Sternenschein Da sind wir allein Es ist zu schön, um wahr zu sein Aber nein, oh, oh, oh, oh, oh
Refrain
Sie hat ja recht Es wär' sicher schlecht Wenn sie zu früh ihr Herz verliert Aber wer hilft mir?
Refrain
Das ist doch mal ein Song. Da bekommt man doch wirklich gleich große Lust, auf den nächsten Tag zu warten. So charmant, wie das holde Lustobjekt, den armen Randolph vertröstet. Glücklicherweise ist sie nicht der Terminator und für ihn heißt es statt "Hasta la Vista, Baby", nur "Hasta manana". Ob sie dann am nächsten Tag ihr Herz verliert und im Fundamt der Gefühle (ach, da ist sie wieder: die sonderbar-schrullige Schlager-Metapher des Tages) wieder auslöst? Wer hilft Randolph? Und vor allem: Wer hilft mir?
Der Song wäre bei einem durchschnittlichen Sänger überhaupt nicht der Rede wert, aber was Randolph, der wirklich ein talentierter Sänger ist, daraus macht, ist beeindruckend. Zugegeben: Sein Anzug (Ikea-Schleichwerbung?) sitzt extrem eng und an bestimmten Stellen (vor allem im Instrumentalteil ab Minute 1:45) der Performance wünscht man sich wirklich, das alles gut geht und vor allem die Nähte (und die Hüfte!!) halten. "Hips don't lie" würden heute wohl die zahnlosen zahllosen Groupies - in Ekstase versetzt - kreischen und ich würde ihnen tatsächlich rechtgeben. Der Hüftschwung ist beeindruckend - da würde sogar GNTM-Catwolktrainer Jorge Gonzalez, dem es normalerweise nie genug "Huuufte" sein konnte, den imaginären Hut ziehen.
In diesem Sinne: "hasta manana" ... also bis morgen!
So ganz hat das jetzt doch nicht geklappt, mit meiner täglichen Motivation. Aber ich gelobe Besserung. Mein großes Tönen fällt in die Kategorie "zu früh gefreut". Auch bei uns im Opernhaus ist jetzt mitten im Probenprozess der Vorhang gefallen. Auch für uns gilt jetzt die Lockdown-Phase. Diese ungeplante Pause hat aber auch Vorteile ... ich konnte z. B. mein Schlafdefizit der letzten Wochen ausgleichen und mir Gedanken über Rezepte mit Käferbohnen machen. Für alle treuen LeserInnen dieses Blogs: Den inneren Drang mein Siphon (wieder) auseinanderzunehmen und zu reinigen, habe ich bis dato noch nicht verspürt. Aber das kann ja in den Weihnachtsputz-Vorbereitungen noch kommen ... 😜
JULIE PATOU
A: Telegramm für Angelique [Envoi-moi des Télégrammes] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose) B: Oui, Monsieur [Balade a Velo] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose)
1971, Hansa, 10 813 AT
Jean Fredenucci ist ein französischer Komponist und Produzent sowie ehemaliges Mitglied der "5 Gentlemen", der auch Anfang der 70er-Jahre als Solosänger in Erscheinung trat.
1970 komponierte er beispielsweise "Nue au Soleil" für Brigitte Bardot. Das ist der (für mich) prominenteste Name in seiner Vita. Ich bin im französischen Musikbusiness leider zu wenig bewandert.
Nun aber zur Interpretin und ursprünglichen Textautorin. Die Plattenfirma schrieb folgendes zur Veröffentlichung ihrer einzigen deutschsprachigen Schallplatte:
Und wieder ein neuer Frankreich-Import bei Hansa: Nach Severine will sich als nächste die 23jährige Julie Patou dem deutschen Publikum vorstellen. Julie Patou wurde 1948 in Paris geboren. Sie besuchte nach Abschluss der Schule eine Kunstakademie und im Mai [Anmk. 1971] siedelte sie um nach Paris, um sich dort für einen Wettbewerb der Graveure vorzubereiten. Sie reichte allerdings nie etwas ein. Stattdessen schrieb Julie Novellen ... Zwischendurch betätigte sie sich als Schaufenstergestalterin, Bühnenbildnerin, Mannequin ... zwischendurch schrieb sie wieder Novellen ... Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie. Deshalb singt sie jetzt ihre Lieder und schreibt Novellen ...
Zwischen 1970 und 1972 veröffentlicht Julie Patou-Senez drei Schallplatten in Frankreich. Einzig die zweite ("Envoi-moi des Télégrammes") erscheint auch in einer deutschen und einer spanischen Version. Nach "L'appareil mecanique" wird es still um sie. 1978 erscheint das Buch "Coca-Cola-Story", danach verschwindet sie aus der Öffentlichkeit.
Mitte der 00er-Jahre trat sie - inzwischen unter dem Namen Julie Gence - im französischen Fernsehen wieder in Erscheinung. Leider findet man heute auch keinerlei Informationen mehr über diese Aktivität von ihr. Vor rund zehn Jahren hatte ich sehr kurzen E-Mail-Kontakt mit ihr. Unüberbrückbare Sprachbarrieren waren die Ursache dafür: geringe Englischkenntnisse ihrerseits und gänzlich nicht vorhandene Französischkenntnisse meinerseits.
Nun aber zu diesem "besonderen" Lied:
Telegramm für Angelique Für die kleine Angelique Heut' wird sie den Pierre wiedersehen Und ihr Kummer, der wird vergehen
Telegramm für Angelique Nur noch ein paar Augenblicke Und dann wird ein Traum Wahrheit werden Der schenkt ihr den Himmel auf Erden
Oh weinte sie, denn es kam kein Brief Und sie saß ganz allein zu Haus Aber seit heut', da sieht die Welt Auch für sie viel schöner aus
Denn endlich kam ein Refrain
Sie macht sich schön, nur für ihn allein Denn sie freut sich auf ihn so sehr
Die Einsamkeit ist nun vorbei
Die gibt es für sie nicht mehr
Denn endlich kam ein
Refrain
Nun, wie bereits erwähnt, ist mein Französisch ziemlich bescheiden. Dank Google-Translate erhalte ich aber zumindest eine grobe Ahnung, was uns Julie im französischen Original, dessen Text sie selbst verbrochen verfasst hat, uns mitteilen wollte: Während im Original noch mehrere Telegramme angefordert wurden, u. a. aus Berlin, Basel, Rom oder Louisiana und sie gerne wissen möchte, ob in Nizza gerade die Sonne scheint, muss sie sich - frisch in Deutschland angekommen - mit einem einzigen Telegramm begnügen. Und das ist dann auch gar nicht für sie! Sondern für Angelique!
Zudem ist der Text um ein vielfaches umfangreicher und klingt eher danach, als würde die Beziehung möglicherweise nicht auf Gegenseitigkeit beruhen ... kleine Stalking-Tendenzen lassen sich erkennen, wenn sie z. B. davon spricht, dass seine Nachrichten all ihre Wände zieren.
In diesem Fall wäre seinerseits viel früher ein "Stop", wie in Telegrammen üblich, in der Realität notwendig gewesen. (Für alle jugendlichen LeserInnen: Mit Telegramm ist in diesem Fall nicht der gleichnamige Nachrichtendienst gemeint. Das klassische Telegramm ist eine Art analoge SMS - damals toll, heute richtig skurril).
Die Überraschung muss auch seitens der Plattenfirma groß gewesen sein, als die Redaktion der legendären ZDF-Hitparade tatsächlich Julie als Neuvorstellung im Januar 1972 auftreten ließ, wo sie live (!) "Telegramm für Angelique" vorstellen durfte. Das ein "bis-schön frahnsöhsisches Achsendt" durchaus süß sein kann, bewies bereits France Gall eindrucksvoll. Bei Julie ließen allerdings Textdeutlichkeit und Gesangskünste doch etwas zu wünschen übrig. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn sie bei Novellen geblieben wäre?
In diesem Fall ist die Passage aus dem Plattenfirma-Text eher wie eine Drohung zu verstehen: "Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie." - Erinnert mich ein wenig an den "Böse-Königin"-Effekt aus Schneewittchen.
Wenn ich mir deutsche Aufnahmen französischer SängerInnen aussuchen darf, dann ziehe ich auf jeden Fall Mike Brant und Francoise Hardy vor - und dann kommt erstmal lange nichts.
Auf den deutschen Text, der an Plattheit und oberflächlicher Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist - eine schwache Stunde von Günter Loose, der zumindest mit Titeln wie "Marmor, Stein und Eisen bricht" oder "Wunder gibt es immer wieder", große Erfolge verbuchen konnte. Der Reim "Augenblicke - Angelique" ist einer meiner persönlichen Tiefpunkte im deutschen Schlagergeschäft (und als Germanist bin ich nur knapp einem Nervenzusammenbruch entkommen).
Ach ja, auf die Performance sollte ich auch noch eingehen. Nun ja: "Sie hat sich stets bemüht", könnte man irgendwo vermerken. Leider fehlt es dann doch an Bühnenpräsenz und Show-Talent, um den schwachen Song (der auch nicht wirklich zum Mitklatschen einlädt, auch wenn sie es immer wieder versucht anzuregen) aufzuwerten. Da nützt auch das Outfit, das - warum auch immer - "Born in the USA" vermitteln soll, wenig. Es reicht nicht aus, um Julie einen Platz im deutschen Schlagergeschäft zu ermöglichen.
Habt ihr schon einmal ein Telegramm abgeschickt? Ich nicht ... geht das überhaupt noch? In Lockdown-Zeiten könnten solche altmodischen Kommunikationstechniken durchaus wieder an Popularität gewinnen. Schreibt doch einfach eine Nachricht an eine Person, von der ihr schon lange nichts mehr gehört habt. Ich bastle derweil aus leeren Bierdosen ein "Dosen-Telefon" ... ich muss mich nur noch entscheiden, wohin ich die Leitung verlege ;)
Alle jene, die hin und wieder auf diesem Blog vorbeischauen, um sich die tägliche Dröhnung spezieller Musik zu geben, kennen bereits mein großes Faible für (skurrile) deutsche Coverversionen internationaler Hits. Heute habe ich ein ziemlich unbekanntes Cover ausgegraben:
ANJA KRENZ A: Hallo Taxi [Joe le Taxi - Vanessa Paradis] (M: Alain Langolff / dt. T: Michael Reincke)
B: So wie es einmal war (M: Michael Langer Hauch / T: Anja Krenz & Michael Reincke)
1987, Transparent, 109657-100
Michael "Michy" Reincke, 1959 in Hamburg geboren, macht sich seit den 90er-Jahren auch als Solosänger einen Namen. Bereits Anfang der 80er-Jahre war er Mitglied der Gruppen Scarlet Lilac und Felix de Luxe, für die er auch Songs schrieb (u. a. "Wo seid ihr?", "Taxi nach Paris", "Hinein ins wilde pralle Leben" und "Blonder Clown"). Sein aktuell letztes Album erschien 2018 ("?!").
Die Hamburgerin Anja Krenz war bereits als Kind musikaffin. Später stand die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau nicht nur als Sängerin auf vielen Bühnen, sondern auch vor dem Studiomikrofon. Sie war Mitglied verschiedener Formationen, wie z. B. "Chanson Bleu", "Die Sirenen", "Dis Noir" und "Susi's Schlagersextett".
Nach mehreren Jahren als Moderatorin bei einem Privatradiosender und als Redakteurin bei einem Schulbuchverlag, war sie bis 2017 Verkehrsmoderatorin bei NDR 90,3. Im selben Jahr machte sie ihre Berufung zum Beruf und ist seither als "Die Marmeladenköchin" bekannt.
Hallo! - Hallo! Wohin geht's?
Hallo Taxi, komm, fahr' mit mir fort Dort wo ich sein mag, jagt man dem Mond nach Die Sehnsucht ist mein Chauffeur Komm und fahr', fahr' in jede Bar
Es ist schön, niemand führt Regie Ich vergess' ... Die Liebe ist so wie die Rumba Man tanzt sie auch anderswo Hallo Taxi, c'est la Vie So wie im Kino schau' ich nur zu Ich bin so nah und weiß nicht wo Ich vergess' ... Liebe kennt kein Lexikon Sie ist so nah Und läuft so oft vor mir davon Es ist so ... Es ist so ... Ich hab' Chance Mein Herz ist ein Akkordeon Hallo Taxi, sei bitte so nett Hallo Taxi, bring' mich nicht zu Bett Refrain Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt nie Hallo Taxi, die Uhr klick-klackt nie Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt mir
So, das ist ja jetzt ein philosophischer Text, oder? Sinnfragen im Taxi, auf dem Wag nach Nicht-Zuhause. Überall sonst ist okay, auch wenn die Uhr bereits "tick-tackt". Bis auf "Taxi", "c'est la Vie" und "Rumba" erkenne ich allerdings wenig Gemeinsamkeiten mit dem Original. Zugegeben, meine Französisch-Sprachkenntnisse sind äußerst bescheiden.
Der Song handelt original von einem portugiesischen Taxifahrer namens Joe, der wegen der Estado Novo nach Frankreich geflohen war und nun in Paris arbeitet. Joe kennt alle wichtigen Orte und Bars der Stadt, trinkt gerne Rum, liebt lateinamerikanische Musik und besitzt ein Saxophon.
Für Anja Krenz wurde es leider kein Hit. Das Original von der damals 15jährigen Vanessa Paradis hingegen erreichte gute Charterfolge: #1 in Frankreich, #3 in England und #8 in Deutschland. Jüngeren wird sie eher durch ihre Beziehung mit dem Schauspieler Johnny Depp bekannt sein, mit dem sie zwei Kinder hat.
Ob ihr Herz auch "ein Akkordeon" ist? Naja ... "Liebe kennt kein Lexikon" und Fantasie demzufolge kein Wörterbuch.
Ich hoffe das Lied bereitet euch Freude, wenn ihr das nächste Mal in ein ... cha-cha-cha ... Taxi einsteigt und nicht wisst, wohin ihr fahren sollt ...
Nach der zuvor geposteten Tristesse brauchen wir nun ein wenig Ablenkung der positiven Art. Mit ein bisschen Südsee-anmutender Leichtigkeit stellt sich die Schweizerin Jasmin mit ihrer zweiten Single dem deutschen Publikum vor.
JASMIN A: Che la ke day [Shay-Laka-Day - Rising Sons] (M: Harold Robertson & Paul Sugarman / dt. T: Walter Zylka = Ralph Siegel)
B: Requieum für eine Liebe (M: Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)
1973, Bellaphon, BL 11 239 produziert von Jane Peterer & Ralph Siegel
Jasmin wurde 1950 in Zürich als Gabi Gyr geboren, wo sie vor dem Start ihrer Gesangskarriere auch als Schauspielerin arbeitete. Sie sang in verschiedenen Bands "The Fools" 1968-69, "The new Earls" 1969-70 und "Jazz Rock Experience" 1970), bevor sie einen Solistenplattenvertrag erhielt. Zwischen 1972 und 1973 veröffentlichte sie bei Bellaphon drei Singles in deutscher Sprache, von der ihre Debütsingle "Der Puppenspieler von Mexico" (im Original von Tom Jones, wurde auf deutsch auch von Roberto Blanco gecovert) ihr größter Erfolg war. Nach ihrer letzten Single ("So allein wie der Wind") war sie bei vielen Projekten als Gastsängerin tätig, so z. B. bei Che & Ray, John Brack, der Steve Ray Band oder Phil Carmen. In den 80er-Jahren hatte sie zahlreiche Auftritte mit Jo Geilo & The Heartbreakers. In den 90er-Jahren konzentrierte sie sich auf R&B und bildete ab 1999 mit Beni Müller ein Duo. Leider gibt es kaum aktuelle Informationen über sie.
Che la ke day O la la Lo la le la Che la ke day O la la Lo la ley
Che la ke day O la la Lo la le la Ch la ke day O la la Lo la ley
Ein alter Mann, der mein Freund ist seit vielen Jahren Hat mir erzählt, dass er auf einer Insel war Die Menschen lebten dort zufrieden und immer glücklich Und dieses Lied sang ein jeder das ganze Jahr
Refrain
Jeden Abend, da trafen sich alle Leute Und dann wurde ein Feuer der Freude gemacht Alle tanzten und sangen bis früh in den Morgen Und das Lied, das ich singe, klang durch die Nacht
Refrain
Das Original dieses Titels stammt übrigens von der, in Europa relativ unbekannten, 1966 gegründeten südafrikanischen Gruppe "Rising Sons".
Was genau "Shay-Laka-Day" bzw. "Che la ke day" bedeuten, bleiben uns sowohl die südafrikanische Gruppe als auch Ralph Siegel schuldig. Vermutlich ist es aber nicht so bahnbrechend, dass man auch ohne diese Information ganz gut weiterleben kann.
Das Jasmin aka Gaby Gyr aber eine äußerst talentierte Blues- und Soulsängerin ist, beweist uns definitiv ihre Mitwirkung bei Jo Geilo. Hier empfehle ich vor allem den Song "Rainbow" von 1986.
Was immer Gaby Gyr heute macht, ich hoffe, sie hat immer noch so viel Power und Soul in ihrer Stimme! Wünsche euch einen schönen Nachmittag! :)
Was gibt es Schöneres als von warmen Sonnenstrahlen geweckt zu werden? Zugegeben, wenn es um 6:03 Uhr ist und man (endlich) wieder einmal die Möglichkeit gehabt hätte, auszuschlafen, dann ist das nicht so prickelnd. Ideal, wenn man seinen Organismus austricksen kann und sich einfach wieder umdreht und weiterschläft ... zumindest bis die Müllabfuhr kommt und lautstark die Tonnen ausleert. Aber da war es immerhin schon nach 7 ... Immerhin muss ich mir an einem solchen sonnigen Tag wenig Gedanken über meine Kleiderwahl machen.
DORTHE A: Der Fehler lag bei mir [We can make Music - Tommy Roe] (M: L. Josie / dt. T: Fred Weyrich)
B: Unser Wiedersehen heißt Liebe (M: Hans Blum / T: Fred Weyrich)
1971, Philips, 6003 115
Heute habe ich wieder einen Titel von Textautor Fred Weyrich, der bereits mehrfach hier in Erscheinung trat, für euch parat.
Die 1947 in Kopenhagen geborene Dorthe Larsen erhielt von ihrem Vater, der Kapellmeister des Symphonischen Orchesters Aarhus war, ihre musikalische Ausbildung. Nebenbei erhielt sie auch Unterricht in Schauspiel, Tanz und Pantomime. Mit acht Jahren nahm sie ihre erste Schallplatte auf und erhielt bereits im Alter von zwölf Jahren ihre erste Goldene Schallplatte.
Anfang der 60er-Jahre kam sie nach Deutschland und erreichte bei den Deutschen Schlager-Festspielen 1964 mit dem Titel "Junger Mann mit roten Rosen" (#19) den fünften Platz. 1968 erreichte sie beim Deutschen Schlager-Wettbewerb Platz 2 mit "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" (#10).
Anfang der 70er-Jahre wurde es ruhiger um Dorthe. Sie nahm zwar kontinuierlich weiterhin Schallplatten auf und trat in zahlreichen Fernsehsendungen auf, konnte jedoch nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Von 1967 bis 1977 war sie mit dem Opernsänger René Kollo verheiratet, mit dem sie eine gemeinsame Tochter (Nathalie, * 1967) hat. 1988 wurde ihre Ehe geschieden.
2012 veröffentlichte sie in ihrer Heimat Dänemark ein Swing-Album.
Auch wenn sie seit Jahren keinen Charterfolg mehr hat, werden die Titel, der heute in Bremen lebenden Sängerin, regelmäßig im Radio gespielt.
Zu ihren erfolgreichsten Titeln gehören: "Rot ist die Liebe" (1964, #26), "Dip-di-dip" (1965, #17), "Blondes Haar am Paletot" (1965, #24), "Heut' hab ich mein Herz verloren" (1966, #34), "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" (1968, #5 DE, #7 AT), "Jeder Schotte" (1968, #24) und "Seine Hoheit der Herr Kronprinz" (1969, #27).
Für den heutigen Song legt Dorthe den Blick aber auf eine ganz bestimme Körperzone: Come on, come on, wir fahren beide in die Sonne Denn wir haben einen Tag lang frei Und ich bin so happy, very happy, yeah Maxi ist einen Sommer lang vorbei
Come on Mini Hot Pants - Heiße Höschen Mini Hot Pants sind der letzte Schrei Jetzt kannst du beim Tanzen gehen So viel wie beim Baden sehen Come on, das nennt man sexy Hexerei Come on, come on, und schau nicht zu anderen Mädchen Was du suchst, das findest du bei mir Alle deine stillen heißen Wünsche, yeah Oh my Darling, die erfüll' ich dir, yeah
Refrain
Während Miniröcke Anfang der 70er-Jahre immer noch kritisch beäugt und als unsittlich eingestuft wurden, erlebten Hot Pants ihren heimlichen Siegeszug. Denn bei ihnen handelt es sich ja immerhin um Hosen und da kann es doch ein "zu kurz" gar nicht geben, oder?
Hot Pants waren - genauso wie die zunehmende Verwendung von Anglizismen - aber so was von fucking crazy shit cool "der letzte Schrei" und standen auch für ein gewisses Freiheitsgefühl.
Für Dorthe reicht schon ein einziger freier Tag, um das graue Alltagsleben hinter sich zu lassen und in ihren neuen "heißen Höschen" happy in die Sonne zu fahren. Und auch die potentielle Partnerwahl kann dadurch definitiv erleichtert werden, denn "jetzt kannst du beim Tanzen gehen, so viel wie beim Baden sehen" bietet schier endlose Möglichkeiten das andere (oder auch eigene) Geschlecht ausgiebig zu mustern und zu bewerten. Die Spiele sind gewissermaßen eröffnet und etwaige Dellchen oder Cellulitiszonen erschweren da den Heiratsmarkt ziemlich. Dorthe kann sich beim Tanzen allerdings nicht auf die heißen Moves konzentrieren, sondern muss eher versuchen, dass die Augen ihres Tanzpartners bei ihr und ihren Schenkelchen bleiben und nicht permanent auf anderes "Gebein" abdriften. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie ihrem "Darling" sämtliche "stillen heißen Wünsche" erfüllen kann ;)
Zur Feier der Überschreitung der 1.000-Besucher-Marke (DANKE!!! 💗) gibt es heute wieder eine sehr spezielle deutsche Coverversion!
PASCAL DUFAR A: Liebe ist Sonne (M: Hans Blume / T: Michael Kunze)
B: Das Mädchen mit den schönen Augen [Wild World - Cat Stevens] (M: Cat Stevens / dt. T: Günter Loose)
1971, Polydor, 2041 130
Pascal Dufar ist ein französischer Sänger und Komponist, der von 1967 bis 1976 musikalisch aktiv war. 1976 veröffentlichte er als Pascal Duffard das Album "Dieu est fou". Die vorliegende Single ist die einzige in deutscher Sprache. Leider ist nichts Biographisches über ihn (und was aus ihm wurde) bekannt.
Textautor Günter Loose (1927-2013) war bereits regelmäßig auf diesem Blog vertreten. Eigenen Angaben zufolge schrieb er zwischen 1955 und 1984 mehr als 3.000 Titel. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Titel gehören "Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strand-Bikini" (Caterina Valente, 1960), "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Drafi Deutscher, 1965) und "Er ist wieder da" (Marion, 1965).
Nun aber zu dem heutigen Song, der so interessant arrangiert ist, dass man das Original fast nicht mehr erkennt:
Jeden Morgen, gegen 9 Uhr 10 Seh' ich sie auf der Straße geh'n Und ihrem Blick liegt so viel Sonnenschein Dass sie mir so wunderbar gefällt Hätte ich ihr gerne längst erzählt Leider fallen mir die Worte niemals ein
Das Mädchen mit den schönen Augen Geht nur vorbei und schaut mich nicht an Das Mädchen mit den schönen Augen Weiß nicht, was sie mir bedeuten kann
Dieses Mädchen, das vergess' ich nie Tagelang denk' ich nur noch an sie Selbst in meinem Traum seh' ich sie vor mir steh'n Briefe schreiben, das fällt mir so schwer Rote Rosen schickt man heut' nicht mehr Aber irgendetwas muss mit uns gescheh'n Refrain
Wer hätte es erkannt: Da wurde dieser Cat-Stevens-Klassiker tatsächlich von einem Franzosen in deutscher Sprache geträllert. "Wild World" belegte im Frühjahr 1971 #11 der US-Charts.
Cat Stevens äußerte sich 2009 in einem Interview mit der Zeitschrift "Mojo" über die Entstehung dieses Songs:
"Der Song besteht aus Akkordfolgen, die in der spanischen Musik typisch sind. Ich drehte die Kombination um, und heraus kam ein Thema, das ich häufig in meinen Songs verwende: es handelt vom Verlassen, der Traurigkeit, die daraus entsteht und der Ahnung, was danach kommen könnte." (Songfacts.com, dt. Übersetzung Wikipedia)
Cat Stevens widmete diesen (und weitere) Song der Schauspielerin Patti D'Arbanville, mit der er zwei Jahre liiert war.
Für Pascal, der so leidenschaftlich nach der geheimnisvollen Frau mit den schönen Augen schmachtet, hätte ich allerdings ein paar Ratschläge, die ich auch gerne meinen pubertären Jungs mit auf den Weg gebe:
1) Wenn du sie jeden Morgen zur gleichen Zeit beobachtest, dann klingt das leider bereits nach Stalking!
2) Wie soll sie jemals wissen, dass du sie magst, wenn du deinen Mund nicht aufkriegst, sondern ihr einfach nur nachstellst?
3) Scheiß auf den "perfekten" Anmachspruch (den gibt es sowieso nicht!) und die meisten Frauen mussten bereits so viele schlechte ertragen, dass sie über jeden, der ihnen erspart bleibt, froh sind.
4) Mach' ihr doch einfach ein Kompliment (z. B. "Du hast schöne Augen")
5) Nicht alle Frauen stehen auf Briefe und rote Rosen - aber auch auf nicht auf aufdringlichen Körperkontakt und Dickpics. Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen.
6) Sprich sie einfach an! Wenn sie dir einen Korb gibt, weißt du wenigstens wo du dran bist. Dann kannst du ihr immer noch nachschmachten und nachtrauern und von ihr träumen. Vielleicht geht sie aber auch mit dir aus? Dann kannst du es ganz real (und legal) erleben!
Good Luck, Boy!
Und weil das alles so schön ist, gibts noch eine schöne Coverversion von "Wild World" obendrauf. Sie stammt von der US-Hard-Rock-Band "Mr. Big" (nein, nicht der von "Sex and the City"!) und belegte 1993 #24 (DE), #7 (AT) und #27 (USA) der Charts.
Ihr größter und erfolgreichster Hit war "To be with you" aus dem Jahr 1991 - #1 in DE, AT, CH und USA!
Habt einen schönen Start in die Woche, auch wenn uns're Welt gerade ein bisschen "wild" ist. Es kann nur besser werden ... und schaut mal, vielleicht läuft irgendwo ein Mädchen mit schönen Augen herum ... und die bringt euch dann auf positivere Gedanken. Ansonsten hätten wir auch aktuell (zur Abwechslung) wieder etwas Sonnenschein im Gepäck!
"Uff!", ächzte es. "Noch mehr Namen, konntet ihr euch nicht mehr einfallen lassen, oder?", raunte es vermutlich seitens der Plattenfirma als zwei deutsche Titel eines schwedischen Quartetts auf dem Schreibtisch landeten. Mit den Namen nahm man es übrigens damals nicht so genau. Wer hätte schon damit rechnen können, dass aus denen tatsächlich etwas wird?
BJORN, BENNY, ANNA & FRIDA A: Ring Ring [Ring Ring] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Peter Lach)
B: Wer im Wartesaal der Liebe steht [Another Town, another Train] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Fred Jay)
1973, Polydor, 2040 105
Textautor Fred Jay habe ich euch bereits an anderer Stelle vorgestellt. Und zu dieser Gruppe müsste man eigentlich auch nichts schreiben oder?
ABBA war eine schwedische Popgruppe, die von 1972 bis 1982 aus den Paaren Agnetha Fältskog (* 1950) und Björn Ulvaeus (* 1945) sowie Benny Andersson (* 1946) und Anni-Frid Lyngstad (* 1945) bestand. Mit rund 400 Millionen verkaufter Tonträger gehören sie zu den erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte.
Björn und Benny lernten sich bereits 1966 kennen, als beide Mitglieder in Bands waren. Benny beispielsweise war Pianist der landesweit erfolgreichen Hep Stars. Anni-Frid war in den späten 60er-Jahren eine durchaus bekannte Jazz-und Folksängerin. Agnetha startete mit schwedischer Schlagermusik und erlangte 1968 ihren Durchbruch. Beide Paare formierten sich Ende der 60er-Jahre und es kam bereits zu ersten musikalischen Zusammenarbeiten. 1970 sangen beide Damen bereits Backing Vocals für das erste Album von Benny und Björn ("Lycka") ein. Demzufolge gilt "Hej Gamle Man" als erstes Lied, bei dem alle vier ABBA-Mitglieder zu hören sind.
Ihren ersten gemeinsamen Auftritt als Gruppe hatten sie im November 1970. Als "Festfolket" traten sie im Dezember in einer Fernsehshow auf und präsentierten in Westernkostümen den US-Klassiker "California, here I come".
1972 übernahm Agnetha in Göteborg die Rolle der Maria Magdalena in der schwedischen Version des Musicals "Jesus Christ Superstar" - zuvor versuchte sie auch eine Gesangskarriere in Deutschland zu starten.
Nachdem Benny und Björn mit ihren schwedischen Songs keinen Hit landen konnten, ihr Titel "She's my Kind of Girl" in Japan allerdings #7 der japanischen Charts belegte, setzten sie fortan nicht nur auf englische Songs, sondern auch die Gesangsfähigkeiten ihrer Ehefrauen. Das erste Ergebnis dieser Idee formierte sich im Song "People need Love", der im Juni 1972 veröffentlicht wurde.
Im Rahmen dieser ersten Zusammenarbeiten erschienen auch fünf deutsche Titel, bei denen es sich um Coverversion von "Hej Gamle Man" (Hey, Musikant), "Livet gar sin gang" (Was die Liebe sagt), "Ring Ring", "Another Town, another Train" (Wer im Wartesaal der Liebe steht) und "Waterloo". Während "Ring Ring" und "Nina, pretty Ballerina" in Österreich bereits #2 und #8 der Charts belegten, gelang ABBA dieser Erfolg in Deutschland erst 1974 mit "Waterloo" (dafür dann aber #1). Mit diesem Titel gewannen sie auch 1974 in Brighton für Schweden den Grand Prix aka Eurovision Song Contest. Dies war der Start für eine internationale Karriere, die ihresgleichen sucht.
Nun aber zum heutigen Song: Du und ich hatten unsere Zeit Ist es nun am Ende doch soweit Kann es wirklich möglich sein
Unser Himmel war wolkenlos War das alles eine Täuschung bloß Und du lässt mich nun allein Und nun stürzt der Himmel ein
Wer im Wartesaal der Liebe steht Weiß, dass es um alles geht Und man fragt sich nur: Wie wird das noch enden?
Wer im Wartesaal der Liebe steht Und es ist noch nicht zu spät Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden
War das etwa die Endstation Und ich merkte einfach nichts davon Hab' ich mich denn so geirrt?
Was zu tun war, hab' ich getan Jetzt kommt es auf and're Dinge an Niemand weiß, was mit uns wird Wohin der Weg uns führt
Refrain
Ein absolut untypischer ABBA-Song. Allein schon deshalb, weil die Strophen nicht von den Frauen gesungen werden (man möge mir verzeihen, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es Benny oder Björn ist).
Über den Text lässt sich streiten. Ich glaube es ist ganz gut, dass sie später eine andere Art von Songs gemacht haben. Dass aber ein Lied mit dem Titel "Wer im Wartesaal der Liebe steht" auch 1973 keine Katze hinter dem Ofen hervorgelockt hat, hätte selbst dem desinteressiertesten Produzenten klar sein müssen ... aber gut, aus Agnetha wurde ja auch Anna (warum auch immer?). Das war nämlich für den deutschen Raum ziemlich unlogisch, da sie ja bereits in Deutschland als Agnetha Singles veröffentlicht hat... das wäre in der Tat ein potentieller (nicht genutzter) Verkaufsanreiz gewesen.
Über den höchst philosophischen Text von Fred Jay sollte ich wohl eher den Mantel des Schweigens stülpen. "Er hat sich stets nach Kräften bemüht" erscheint mir eine faire Wertung für das dargebotene Reimwerk. Oder war das alles nur Täuschung an einem wolkenlosen Himmel und man fragte sich bereits damals, wie soll das deutsche Schlagergeschäft nur enden. Ist es noch nicht zu spät oder kann sich vielleicht noch alles zum Guten wenden? Fragen über Fragen.
Hab' ich mich denn so gerirrt?
Was zu tun war, hab' ich getan
Jetzt kommt es auf and're Dinge an
Niemand weiß, was mit uns wird
Wohin der Weg uns führt
Uuuuuuh ... kommt euch das auch ein bisschen bekannt vor? In Corona-Zeiten hat diese letzte Strophe doch eine deutlich stärkere Wirkung als ich gedacht hatte.
Ach, und jetzt soll ich euch noch einen Ratschlag geben? Gut. Wenn ihr im Wartesaal der Liebe steht, dann hoffe ich, dass ihr euch vorher um einen Termin gekümmert habt, denn ich glaube aktuell praktizieren noch nicht alle Ärzte so wie es einem lieb wäre. Aber vielleicht gibt es bald "Umarmungen auf Krankenschein"? Ich glaube, dass wäre momentan die beste Impfung ...
Treue ist ein dehnbarer Begriff (wie wir alle bereits mehr oder weniger leidvoll irgendwann herausfinden mussten). In diesem Fall versuche ich nach Kräften euch, lieben LeserInnen, mit obskurem Titeln sämtlicher Genres gerecht zu bleiben!
HENRI DÈS A: Retour (M & T: Henri Dés)
B: Mädchen gibt's überall [Retour] (M: Henri Dés / dt. T: Michael Kunze)
1970, Liberty, 15 336
Henri Dès wurde 1940 in Renens/Schweiz als Henri Destraz geboren. Erste Schallplattenaufnahmen erschienen 1966. Durch seinen Sieg beim Songfestival im polnischen Sopot 1969, mit dem Titel "Maria Consuela" machte er sich als französisch-sprachiger Chansonsänger einen Namen.
1970 vertrat er die Schweiz beim Eurovision Song Contest mit dem Titel "Retour", mit dem er den vierten Platz belegte. Wie es damals vielfach üblich war, wurde der Titel auch in anderen Sprachen (englisch und deutsch) aufgenommen. Im selben Jahr erschien noch eine weitere deutschsprachige Single ("Alle Mädchen sind gefährlich" und "Sylvie").
Ab 1977 widmete er sich verstärkt der Musik für Kinder.
Michael Kunze, vielfach preisgekrönter Texter, gelang im selben Jahr ein großer Hit mit "Du" (Peter Maffay) sowie - mit "Alle Blumen brauchen Sonne" (Renate Kern) und "Wo Liebe ist, das ist auch ein Weg" (Bata Illic) - ein zweiter und ein dritter Platz beim Deutschen Schlagerwettbewerb.
Nun aber Bühne frei für den heutigen Song:
Wenn ich nach London fahr', wein' nicht um mich Ich denk' in London an keine als dich Lang werd' ich nicht bleiben Und auch manchmal schreiben
Mädchen gibt's überall und das ist schön Sie werden mir nicht gleich den Kopf verdreh'n Du bist mir viel lieber Bald seh'n wir uns wieder Wenn mich mal eine küsst Denk' ich an dich
Auch nach Paris fahr' ich nicht gern allein Es wär' viel schöner, zu Hause zu sein Denn auch die Arenen Können uns nicht trennen
Refrain
Wenn ich nach Mailand fahr', fürchte dich nicht Ich pass' schon auf, dass dein Herz nicht zerbricht Und ein Flirt in Ehren Kann dich doch nicht stören?
Refrain
Wenn ich nach Hause komm, freu' ich mich sehr Am liebsten seh' ich dich, mag dich noch mehr Und auch deine Fragen Werde ich dir sagen
Mädchen gibt's überall und das ist schön Sie können mir den Kopf nicht verdreh'n Du bist mir viel lieber Ich komm immer wieder Denn keine küsst mich So zärtlich wie du
Wie gesagt, Treue ist ein dehnbarer Begriff und so ein kleiner Flirt in Ehren ... dieses Loblied auf den potentiellen Seitensprung hat schon einen gewissen Skurrilitätsfaktor. Frei nach dem Motto: "Appetit holt man sich auswärts, aber gegessen wird zu Hause" beweist Henri am Ende aber doch, dass er zwar kein Kostverächter ist, das Potential seiner Holden aber dennoch zu schätzen weiß. Aber gut ... vielleicht müsste er einmal eine Reise zu den Fjorden machen und alles wäre anders? Wenn ich seine Partnerin wäre, würde ich definitiv ein wachsames Auge auf ihn werfen.
Die Live-Performance beim ESC möchte ich euch nicht vorenthalten. Henri hat definitiv komödiantisches Talent und mischte die Veranstaltung durch seine "spezielle" Performance gehörig auf. Er scheint sich aber - was ich sehr sympathisch finde - selbst nicht ganz so ernst zu nehmen ;) - Zusatzpunkte verdient definitiv auch die futuristische Szenografie!
"Mädchen gib'ts überall" ist definitiv eine nicht zu leugnende Erkenntnis. Zwischen einem "Flirt in Ehren" und regelmäßigem Fremdgehen aber definitiv sehr ausgiebige Grauzonen, die so manche Beziehung in ihren Grundmauern erschüttern können. Henris Motto scheint hier "No Risk, no Fun" zu sein ... wobei ... ein paar Monate später sang er bereits "Alle Mädchen sind gefährlich" ... Fehltritte in puncto Treue sollten idealerweise nicht an Orten stattfinden, an denen Frauen bewaffnet sind (Küche z. B.) ... so ein Gemüsemesser kann sehr unschöne Wunden und Verletzungen hinterlassen ... mitunter sogar ganze Körperteile abtrennen ...