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Dienstag, 28. Juli 2020

# 117 - "Hallo Taxi" - Anja Krenz (1987)

Alle jene, die hin und wieder auf diesem Blog vorbeischauen, um sich die tägliche Dröhnung spezieller Musik zu geben, kennen bereits mein großes Faible für (skurrile) deutsche Coverversionen internationaler Hits.

Heute habe ich ein ziemlich unbekanntes Cover ausgegraben:



ANJA KRENZ
A: Hallo Taxi [Joe le Taxi - Vanessa Paradis] (M: Alain Langolff / dt. T: Michael Reincke)
B: So wie es einmal war (M: Michael Langer Hauch / T: Anja Krenz & Michael Reincke)

1987, Transparent, 109657-100


Michael "Michy" Reincke, 1959 in Hamburg geboren, macht sich seit den 90er-Jahren auch als Solosänger einen Namen. Bereits Anfang der 80er-Jahre war er Mitglied der Gruppen Scarlet Lilac und Felix de Luxe, für die er auch Songs schrieb (u. a. "Wo seid ihr?", "Taxi nach Paris", "Hinein ins wilde pralle Leben" und "Blonder Clown"). Sein aktuell letztes Album erschien 2018 ("?!").

Die Hamburgerin Anja Krenz war bereits als Kind musikaffin. Später stand die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau nicht nur als Sängerin auf vielen Bühnen, sondern auch vor dem Studiomikrofon. Sie war Mitglied verschiedener Formationen, wie z. B. "Chanson Bleu", "Die Sirenen",  "Dis Noir" und "Susi's Schlagersextett".
Nach mehreren Jahren als Moderatorin bei einem Privatradiosender und als Redakteurin bei einem Schulbuchverlag, war sie bis 2017 Verkehrsmoderatorin bei NDR 90,3. Im selben Jahr machte sie ihre Berufung zum Beruf und ist seither als "Die Marmeladenköchin" bekannt.



Hallo!
- Hallo! Wohin geht's?

Hallo Taxi, komm, fahr' mit mir fort

Dort wo ich sein mag, jagt man dem Mond nach
Die Sehnsucht ist mein Chauffeur
Komm und fahr', fahr' in jede Bar

Es ist schön, niemand führt Regie

Ich vergess' ...
Die Liebe ist so wie die Rumba

Man tanzt sie auch anderswo

Hallo Taxi, c'est la Vie
So wie im Kino schau' ich nur zu
Ich bin so nah und weiß nicht wo

Ich vergess' ...
Liebe kennt kein Lexikon
Sie ist so nah
Und läuft so oft vor mir davon

Es ist so ...
Es ist so ...
Ich hab' Chance
Mein Herz ist ein Akkordeon

Hallo Taxi, sei bitte so nett
Hallo Taxi, bring' mich nicht zu Bett

Refrain

Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt nie
Hallo Taxi, die Uhr klick-klackt nie
Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt mir





So, das ist ja jetzt ein philosophischer Text, oder? Sinnfragen im Taxi, auf dem Wag nach Nicht-Zuhause. Überall sonst ist okay, auch wenn die Uhr bereits "tick-tackt". Bis auf "Taxi", "c'est la Vie" und "Rumba" erkenne ich allerdings wenig Gemeinsamkeiten mit dem Original. Zugegeben, meine Französisch-Sprachkenntnisse sind äußerst bescheiden. 
Der Song handelt original von einem portugiesischen Taxifahrer namens Joe, der wegen der Estado Novo nach Frankreich geflohen war und nun in Paris arbeitet. Joe kennt alle wichtigen Orte und Bars der Stadt, trinkt gerne Rum, liebt lateinamerikanische Musik und besitzt ein Saxophon.

Für Anja Krenz wurde es leider kein Hit. Das Original von der damals 15jährigen Vanessa Paradis hingegen erreichte gute Charterfolge: #1 in Frankreich, #3 in England und #8 in Deutschland. Jüngeren wird sie eher durch ihre Beziehung mit dem Schauspieler Johnny Depp bekannt sein, mit dem sie zwei Kinder hat.
Ob ihr Herz auch "ein Akkordeon" ist? Naja ... "Liebe kennt kein Lexikon" und Fantasie demzufolge kein Wörterbuch.



Ich hoffe das Lied bereitet euch Freude, wenn ihr das nächste Mal in ein ... cha-cha-cha ... Taxi einsteigt und nicht wisst, wohin ihr fahren sollt ... 

Montag, 11. Mai 2020

# 53 - "Hier kommt die Nacht" - Jennifer Kemp (1980)

Hier kommt nun der Nachtrag für gestern. Die Nacht kam auch für mich zu schnell, deshalb bin ich vor der Fertigstellung eingepennt. Mea culpa! Am Abend kommt dann der heutige Eintrag, damit ich meinen Verzug wieder aufgearbeitet habe ;)



JENNIFER KEMP
A: Hier kommt die Nacht (M: Sylvester Levay / T: Michael Kunze)
B: Nur manchmal in der Nacht [Sometimes when we touch - Dan Hill] (M: Dan Hill & Barry Mann / dt. T: Michael Kunze)

1980, Karma, 2023 130
produziert von Michael Kunze & Sylvester Levay


Über die Sängerin Jennifer Kemp ist fast nichts bekannt. Bürgerlich Helga Schütz, war sie Mitte der 70er-Jahre Mitglied in der Band "Juwel". Kurz nach ihrem Weggang startete sie 1978 ihre Solo-Karriere mit ihrer Debutsingle "Baby, stop crying". Es folgten drei Singles und ein Album in englischer Sprache, ehe sie 1980 mit "Hier kommt die Nacht" ihre erste deutsche Platte veröffentlicht. 1982 meldet sie sich noch einmal mit "Wie Phönix aus der Asche" zurück - mit diesem Titel wollte sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten, landete in der Vorausscheidung aber auf dem 12. (und somit letzten) Platz. Was danach aus ihr wurde, ist nicht bekannt.

Besser lief es hingegen für Komponist Sylvester Levay (* 1945). Ihm gelang mit Hits wie "Lady Bump", "Get up and boogie" sowie "Fly, Robin, fly" (der erste in Deutschland produzierte Titel auf # 1 der US-Billboard-Charts). Seit den 80er-Jahren arbeitet er auch verstärkt im Bereich der Filmmusik. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch "seine" Musicals "Elisabeth" (1992) und "Rebecca" (2006) bekannt.

Hart war der Tag
Jetzt ist er vorbei
Du gehst die Straße lang
Und fühlst dich ganz high

Nass war der Asphalt
Er glänzt rot und blau
Die Stadt ist voll Licht
Das Leben ist nicht mehr so grau

Sei froh, denn hier kommt die Nacht
Und bringt wieder tausend Träume
Hier kommt die Nacht
Und legt auf die Stadt ihr Sternentuch
Gießt in das Wasser Wein
Und lässt dich dich selber sein
Ja, hier kommt die Nacht
Kommt die Nacht

Heiß sind die Songs
Und kühl ist das Bier
Am Flipperautomat
Steh'n Freunde von dir

Und hast du ein Problem
Dann quatsch dich ruhig aus
Jetzt hört man dich an
Heut' geht man noch lang nicht nach Haus

Refrain

Du kannst in 'ne Disco tanzen geh'n
Oder im Kino 'nen Action-Film seh'n
Und in 'ner Kneipe mit Live-Musik
Selbst auf der Bühne steh'n

Refrain



Vorab: Der Song ist gar nicht schlecht und Jennifer Kemp eine durchaus gute Sängerin. Hier finde ich weniger den Song, als eher den TV-Auftritt skurril ;)
Background-Tänzerinnen sind ja allgemein bekannt, aber das eine deutsche Sängerin mit Background-Tänzern auftritt, war schon eher revolutionär ;) ... wer die beiden Männer mit dem kessen Hüftschwung (besonders reizend: Minute 1:10 und 1:24 in Großaufnahme) sind, weiß man nicht. Möglicherweise strandeten sie - nach dem verpatzten Casting bei den Village People - wieder in Deutschland und wurden dort von Jennifer aufgegabelt. Es wirkt allerdings so, als wären die beiden Männer eher aneinander interessiert, als an Jennifer.
Vermutlich hat sie sich deshalb - frei nach dem Motto "Viel hilft viel" - nicht lumpen lassen und alle Geschütze aufgefahren, um Eindruck zu schinden. Da glitzert und funkelt und leuchtet es wirklich überall - selbst im gekreppten Haar.
Charmant sind vor allem die kleinen Posen, die sie in den unbesungenen Takten macht (0:32-0:34) - Heidi Klum wäre stolz auf sie, unglücklicherweise waren aber gerade keine Fotografen anwesend, die das für die Ewigkeit festhalten hätten können ...


Für diese "funky" Performance - im wahrsten Sinn des Wortes - vergebe ich einen lebenslangen Vorrat pinker Leggins und selbstklebender Glitzersteine!

Genießt den Tag und freut euch darauf, irgendwann wieder einmal ordentlich abdancen zu dürfen! ;)