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Samstag, 5. Dezember 2020

# 138 - "Brötchen und Milch" - The Four Kings (1966)

Ist es nicht herrlich, wenn man am Wochenende die herrliche Möglichkeit hat, einfach ausschlafen zu können - so lange, wie man will und lustig ist? Ach, Sie können immer ausschlafen? Achso ja ... Home-Office, Lockdown. Wie konnte ich darauf vergessen? Vermutlich deswegen, weil er mir - im Vergleich zum März - in der Großstadt kaum auffällt. Die paar Mal die ich mich in den letzten Tagen aus dem Haus gewagt habe, erlebte ich überraschend gut gefüllte Straßen und auch in den Supermärkten und auf der Post war bewegtes Treiben. Spannend. Dicht gedrängtes Treiben während in den Theatern, wo man wahnsinnig gut kontrollieren kann, wer, wann und vor allem wo sitzt, der Vorhang immer noch unten bleiben muss. Hoffen wir, dass das im Januar wieder etwas anders aussieht.


THE FOUR KINGS

A: Immer wenn der Mond scheint ([I can't go on living, Baby, without you - Nino Tempo & April Stevens] (M: Jerry Riopelle & Nino Topo / dt. T: Tobby Lüth)
B: Brötchen und Milch [No Milke today - Herman's Hermits] (M: Graham Gouldman / dt. T: Carl-Heinz Dieter)

1966, Metronome, M 916

Die Four Kings waren eine deutsche (wie der Name bereits verspricht) vierköpfige Band. Die Gruppe veröffentlichte bis Mitte der 70er-Jahre auf verschiedenen Labels. Klingende Titel von ihnen waren z. B. "Come on, Marianne", "Mit dir allein", "So wie ich dich liebe", "Mädchen, komm mit mir heut' Nacht", "Mein Glück liegt in Bad Zwischenahn" und "Kleine Sonja". Meinen Recherchen zufolge waren sie die Begleitband von Peter Orloff, der sie auch ab 1971 produzierte.


Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier

Brötchen und Milch
Ein jeder kann sie seh'n
Doch die vorüber geh'n
Sie können's nicht versteh'n

Hinter der Tür lag unser Märchenland
Ich hatte sie zur Prinzessin dort ernannt
Hinter der Tür lag unser Paradies
Jetzt ist es nur ein düsteres Verlies

Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier


Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren
Es war ein Schloss als wir uns dort noch geküsst
Nun ist es leer hinter seinen alten Toren
Weil sie gegangen ist

Brötchen und Milch
Die jeder stehen sieht
Die sind das End' vom Lied
Von unser'm Liebeslied

Keine Musik
Kein Lachen mehr, kein Gruß
Nie mehr von ihr ein Kuss
Damit ist es nun Schluss

Wiederholung




Das englische Original "No Milk today", das ursprünglich für The Hollies geplant war, brachte Herman's Hemits 1966 einen ziemlichen Hit (#1 AT, #2 DE, #7 UK und #35 USA). Songwriter Graham Gouldman (* 1946) bekam die Idee zum Text, als er gemeinsam mit seinem Vater einen Freund besuchte, an dessen Tür ein Schild mit dem Hinweis "No Milk today" angebracht war. Gouldmans Vater erklärte, dass es dafür verschiedene Gründe geben könnte. Gouldman schrieb eine Geschichte um eine zerbrochene Liebesbeziehung. Damals war es noch üblich, dass Milchmänner täglich die frische Milch vor die Tür stellten. Verringerte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (Von glücklicher Beziehung zu tragischem Single-Dasein), dann benötigt die Person heute leider keine Milch.

Die deutsche Coverversion versucht sich zumindest stellenweise am englischen Original zu orientieren, es hakt doch immer wieder an einigen Ecken und Enden. 
Das erste Rätsel ist bereits, woher die Brötchen stammen, die mitsamt der Milch vor der Tür gelandet sind. Ist unser Hauptprotagonist aufgrund der Entliebung nun auch in den Hungerstreik gegangen? Er könnte ja zumindest noch Enten im Park damit füttern. Die finden frische Sonntagsbrötchen sicher auch g'schmackiger, als das steinharte Uraltbrot, mit dem sie immer von Oma Gisela beworfen werden.

Okay. Ich nehme alles zurück: Denn bereits in der dritten Zeile wird klar, dass diese Utensilien bereits seit Tagen vor der Tür stehen. Bei den aktuellen Temperaturen muss er die Brötchen nur frisch aufbacken, die sind nämlich vermutlich tiefgekühlt. Milcheis? Ist ja durchaus bei manchen Menschen beliebt ...
"Doch die vorüber geh'n, sie können's nicht versteh'n" - Tja. Wer kann es ihnen auch verübeln? Du hast ja keinen Zettel an die Tür gehängt oder wenigstens eine gute Tat vollbracht, in dem du eine obdachlose Person damit gelabt hast. Mit ranziger Milch und steinharten Brötchen kommt man dem Paradies nicht unbedingt näher - nur mal so als kleiner Hinweis in Bezug auf das Karma-Konto.

Okay. Im Märchenland war's schön! Aber die Prinzessin ist jetzt scheinbar aus dem Paradies entflohen. Hat sie sich inzwischen als böse Hexe herausgestellt und ist mit dem nächstbesten dahergelaufenen Prinzen über die sieben Berge abgezischt? Oder hat sich um sie bereits eine unkrautartige Dornenhecke gebildet, weil schon länger niemand - so ganz zwischenmenschlich - vorbeigeschaut hat? 
Tja. Die Frage: "Wer hat heut' Nacht in meinem Bettchen geschlafen?" braucht man sich ja nun nicht mehr zu stellen. 
"Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren" - ach ja, das klingt ja ziemlich nach Aschenputtel-Effekt. War die große Liebe vielleicht doch eher eine Umschreibung dafür, sich die Kosten für eine adäquate Putzfee zu sparen?

Du könntest die alten Brotkrumen ja auch nehmen, um sie zu streuen .. vielleicht kommt ja so eine neue "Prinzessin" in deinen Haushalt? Oder zumindest ein paar Tauben ... ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh! ... naja, der Spatz in der Hand wär' mir lieber.



Da es von den Four Kings kein bewegtes Bildmaterial gibt, hier für euch das Original von Herman's Hermits. Habt ein erholsames zweites Adventwochenende!

Donnerstag, 3. Dezember 2020

# 134 - "Adieu" - Marika Lichter (1968)

Nein, keine Sorge. Ihr bekommt heute kein französisches Chanson zu hören - wir haben ja noch immer "österreichische Wochen" ;)
Dafür habe ich heute einen Titel von einer Österreicherin ausgegraben, die man heute immer noch kennt - allerdings nicht mehr in erster Linie nur als Sängerin.




MARIKA LICHER

A: Adieu (M: Jack Grunsky / T: Andreas Miriflor = André Heller)
B: Erinnerung (M: Robert Opratko / T: Andreas Miriflor = André Heller)

1968, Amadeo, AVRS 21 534


Marika Lichter wurde 1949 als Mariza Lichter in Wien als Kind eine Polen und einer Ungarin geboren. Bereits als Kind erhielt sie Klavier- und Tanzunterricht, ab dem 14. Lebensjahr auch Gesang. 
Bereits als Jugendliche wird sie Mitglied der "Les Sabres", die großteils jüdische Folklore singen und veröffentlicht 1966 eine EP ("Schalom Alechem"). 1969 belegt sie bei der "Show-Chance" von ORF und Ö3 mit "Adieu" den dritten Platz. Zwischen 1968 und 1971 veröffentlicht sie mehrere Singles (u. a. "Luciana", "Dann wird es wieder schön sein", "Tu nicht so", "Ich hab' einen Kummer" und "Ungeküsst"). Zudem vertritt sie in dieser Zeit auch Österreich bei Songfestivals in Rio de Janeiro, Caracas, Mexico und Athen sowie sang in Gerhard Bronners legendärem "Cabaret Fledermaus".

Nach ihrem Opergesangsdiplom stand sie in zahlreichen Operettenproduktionen im Wiener Raimundtheater auf der Bühne, u. a. in "Die Fledermaus" (als Adele), "Der Graf von Luxemburg", "Viktoria und ihr Husar" oder "Wiener Blut" (als Franzi). Weitere Engagements waren unter an dem "Mayflower" (1978, Theater an der Wien), "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1979, Theater an der Wien), "Les Misérables" (1988-1991, Raimundtheater), "Elisabeth" (1992, Tehater an der Wien), "Rebecca" (2007, Raimundtheater), "Non(n)sense" (2012-2013, Wiener Kammerspiele) und "Cabaret" (2019, New Stage Theatre Geislingen). Seit 2017 ist sie Intendantin des Musicalsommers Winzendorf.

Zudem gewann Marika Lichter 2005 die erste Staffel der ORF-Fernsehshow "Dancing Stars". Die 1991 gemeinsam mit Ingrid Windisch gegründete Künstleragentur trägt heute den Namen "Glanzlichter" und wird seit 1996 von ihr geführt. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie auch seit 1990 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Wider die Gewalt".


Du warst irgendwo, mit irgendwem
Das hat man mir erzählt
Du belügst mich und betrügst mich
Das hat man mir erzählt

Und jetzt sitzt du neben mir
In deinen Augen spielt das Licht
Und es gibt noch Illusionen
Bis das letzte Wort zerbricht

Adieu, mehr kann ich dir nicht sagen
Dein Weg läuft weit, so weit von mir
Adieu, ich kann mich nicht beklagen
Es war eine wunderbare Zeit

Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur
Das hast du mir erzählt
Und du wüsstest schon wie man Träume lebt
Das hast du mir erzählt

Refrain

Refrain

Adieu


Das war er: Einer der ersten Fernsehauftritte der damals 19-jährigen Marika Lichter. Als Komponist fungierte Jack Grunsky, den Text steuerte der damalige Ö3-Discjockey Andreas Miriflor bei, der sich bald als André Heller auch international einen Namen machte. 

Was gibt es groß zu sagen? Ein schönes Chanson mit anspruchsvollem Text und guter Musik. Ansprechend arrangiert und live - mit der ORF-BigBand - vorgetragen.

Der Text selbst hat (leider) auch heute noch Gültigkeit. Da erfährt man nichts Böses ahnend - da noch immer rosarot-bebrillt - von der Untreue des Geliebten "und jetzt sitzt du neben mir - in deinen Augen spielt das Licht - und es gibt noch Illusionen bis das letzte Wort zerbricht" (Wow! Das ist wirklich eine äußerst treffende Beschreibung für diesen speziellen (und leider auch extrem beschissenen) Zustand, in dem man sich in so einer Situation befindet. Doch unsere Protagonistin kriegt glücklicherweise noch rechtzeitig die Kurve und gibt der treulosen Tomate den Laufpass - wenn sie sich auch ein bisschen zu ehrfürchtig, nicht beklagen kann, schließlich "war es eine wunderbare Zeit".
"Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur" ist übrigens eine äußerst nonchalant-formulierte Umschreibung für: "Ich darf immer und mit so vielen anderen Frauen Sex haben wie ich will - und du bleibst bei mir und beschwerst dich nicht und idealerweise wäschst du auch meine Wäsche, kochst für mich und kommst meinen sexuellen Grundbedürfnissen nach. Und sag gefälligst "Danke", dass ich dich auserkoren habe."

Manche Dinge ändern sich wohl leider nie. Das habe ich auch gerade nach ein paar Kurzschnitten aus der aktuellsten Folge der "Bachelorette" gelernt. Diese Typen gibt es immer noch ... Adieu Mondieu! :/

Sonntag, 29. November 2020

# 130 - "Der verliebte Prinz" - Jack Grunsky (1968)

Naja, das hat ja wirklich super geklappt, mit meinem Plan jeden Tag einen Song zu veröffentlichen. Im aktuellen Fall hatte ich tatsächlich eine gute Ausrede: Arbeit. Und die wurde (überraschenderweise) nicht weniger, da in den letzten Tagen tatsächlich mehrere Aufträge eintrudelten. Wie dem auch sei, das ist euch ja eher egal, denn ihr wollt doch nur das eine, oder? Nämlich einen schönen, originellen oder skurrilen Song, der euch den zweiten Lockdown versüßt. Et voilá, hier kommt wieder einer meiner absoluten Lieblingssongs (und das schon seit einigen Jahren):


JACK GRUNSKY

A: Der verliebte Prinz [The Prince in Love is me] (M: Jack Grunsky / dt. T: Margarita Frank)
B: Oh my Love, yes my Love [Oh my Love, yes my Love] (M: Peter J. Müller / dt. T: Margarita Frank)

1968, Amadeo, AVRS 21 521

Der 1945 in Graz geborene Jack Grunsky, lebte ab 1951 in Kanada, ehe er nach seinem Schulabschluss 1966 in seine österreichische Heimat zurückkehrte, um hier seine Musiker-Laufbahn fortzusetzen. Kurze Zeit später gründete er hier seine Band ("Jack's Angels") und unterschrieb im selben Jahr einen Plattenvertrag bei der Amadeo. Gemeinsam mit den anderen drei Mitgliedern Claudia Pohl (* 1948), Christoph Oberhuber und Herbert Wegscheider, die ursprünglich aus Linz stammten und in Wien studierten, entstand bald ein umfangreiches Repertoire, das auch zahlreiche Eigenkompositionen enthielt. Bis zur Auflösung 1968 wurden vier Alben veröffentlicht und einige Singles ausgekoppelt - auch außerhalb des Alpenlandes erreichte die Gruppe, die meist durch ihren dreistimmigen Gesang beeindruckte - vielversprechende Rezensionen. 
Jack Grunsky konzentrierte sich danach auf seine Solokarriere, komponierte beispielsweise "Catherine", womit André Heller 1970 einen Hit landen konnte, und moderierte auf Ö3 die Sendung "Folk mit Jack". 1974 verließ Grunsky Österreich und lebt seither wieder in Kanada, wo er bis heute musikalisch tätig ist - aktuell vor allem im Bereich anspruchsvoller Kindermusik.
Erfolgreiche Titel von Jack Grunsky als Solist waren z. B. "Train Station Blues" (1968), "Sally McGregor" (1968) und "Back Home to Canada" (1971).

Margarita Frank, die Autorin des deutschen Textes, war die damalige Freundin von Arthur Lauber, der sich später als Mitglied der Gruppe "Misthaufen" sowie als Komponist und Arrangeur in Österreich einen großen Namen machte. Leider wurde nur eine Handvoll ihrer Texte vertont. Ihr erfolgreichster Titel ist vermutlich "Orange", der sich zuerst von Brigitte Wall (1973) und 1982 von Wilfried zu einem Hit in Österreich avancierte.

Nun aber zum Song:

Ich bin eifersüchtig auf den Wind
Der mit deinen Haaren spielt
Der dich streichelt, dir die Augen küsst
Zärtlich deine Wangen kühlt

Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt

Sing' es laut in alle Winde
Singe laut "Ich liebe dich"
Dann ist alles wie im Märchenland
Dein verliebter Prinz bin ich

Ich bin eifersüchtig auf den Tag
Der dir entgegen lacht
Der dich stundenlang umfangen hält
Jeden Schritt von dir bewacht

Ich bin eifersüchtig auf die Nacht
Die wie Liebe dich umhüllt
Dich in ihre weichen Arme nimmt
Jeden Wunschtraum dir erfüllt

Refrain

Wiederholung Strophe 1

Refrain

Refrain

Dein verliebter Prinz bin ich
Dein verliebter Prinz bin ich
Oh, oh, Julia



Und als Special hier die Originalversion:

Just a common day it was a common sun in the sky
And a very very common sea
I was walkin' on by the Lindi Bar
And there I saw you, my Queen
In your red dress spender (?) I recognized you
For haven't seen you quite a while
What a pleasant shock
To see you on this block
What surprise to see your smile

And there ain't no time to wonder why
No there ain't no time you'll see
And all the fears a fairytale
And the prince in love is me

Well before I could up to the sound of lips
We were struggling away from the crowd
Up the narrow streets to the Schlosscafe
You can tell by my eyes I was proud

And the things she said they went to my head
And her laughter could heal anything
When she looked into my eyes and smiled
I could have kissed her again and again

Refrain

Than we went to the movies to see a fine film 
And ... was playing a ...
And her candybag was a cracklin' loud
While the romance contradicted ...

Than she had to go, I took her home
And I can still feel her tender hand
Something's force in me, to set me free
Captain Julie entering Coconut Island

Refrain

The prince in love is me
The prince in love is me
Oh, oh, Julie



Zuallererst: Ich finde beide Versionen - jede für sich - sehr schön. Vor allem beeindruckt es mich, wie absolut unterschiedlich sie in ihrer Aussage und meiner Ansicht nach in ihrer Interpretation sind.

Die deutsche Version würde ich da definitiv als eigenständiges Werk betrachten, da sie inhaltlich doch einen großen Schritt weitergeht, als das englischsprachige Original. Hier ist sich der Protagonist ja eigentlich bereits seiner Auserwählten sicher und versucht sie mit allen Mitteln vor "äußerlichen Angriffen" zu verteidigen. Und man kann es dem jungen Jack nicht verübeln, dass man durchaus zwischendurch ein kleines Schmunzeln raushört, wenn ihm die eigene Eifersucht in dem Moment bewusst wird. Aber so ist es einfach, wenn man (jung) verliebt ist.

Mir gefällt die blumige Sprache, die Margarita Frank für diesen Titel findet, die dabei hilft, klare (durchaus sinnliche) Bilder zu imaginieren, ohne sich dabei (was durchaus eine Gefahr wäre) in billigem Kitsch zu verlieren. Und man kann die Freude und Erleichterung direkt spüren, die im Refrain förmlich aus ihm heraussprudelt, wenn ihm seine Geliebte doch die magischen drei Worte zuruft. 

Ich persönlich mag vor allem diese Passage:

Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt

- Kommen wir nun für die Rezension auch zur Betrachtung des englischsprachigen Originals. Zuallererst bin ich baff, wie viel mehr Text Jack in diesem Song unterbringt.
Nun aber inhaltlich: Die englische Version startet ein paar Schritte vorher und beschreibt einen ganz gewöhnlichen Tag (spielt übrigens in Linz) im Leben unseres Protagonisten, an dem zunächst nichts besonders oder außergewöhnlich scheint, bis ihm eine junge Frau - das erklärte Objekt seiner Begierde - über den Weg läuft und ihn anlächelt. Dieser Song widmet sich deutlich mehr der inneren Gefühlsachterbahn - zwischen Hoffen und Bangen, Mut und Übermut. Eigentlich wäre es doch ganz einfach, sie anzusprechen und am Ende wär's kinderleicht und sämtliche Ängste unbegründet. Doch so leicht ist es ja (leider) in diesen Situationen nicht. Meist arbeitet das Kopfkino viel zu stark mit und die Angst - vor allem als Mann - einen Korb zu bekommen, vereitelt so manche potentielle Liebelei. 
Doch in der zweiten Strophe erkennt man schon viel stärker, dass seine Gefühle so stark sind, dass er eh nicht mehr richtig denken kann. Ein mitunter durchaus positiver Effekt, der uns ermöglicht, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich dadurch auch verwundbar zu zeigen.
Nach dem Kinobesuch bringt er sie noch nach Hause und dann kennen die Gefühle kein Halten mehr. In diesem Fall würde ich definitiv auf ein Happy-End zwischen ihm und Julie schließen.

Ach, das war jetzt schön. Oder fandet ihr das ein bisschen zu kitschig? Zugegeben, Liebe wie im Märchen gibt es ja heute leider nur noch selten. Tinderellas Prinz muss da schon definitiv einiges mehr auf dem Kasten haben. Das Schwert sollte aber vor dem ersten Treffen bitte doch noch gut verpackt bleiben - außer man möchte sich selbst gerne vorzeitig aus dem Rennen nehmen.

Sonntag, 22. November 2020

# 125 - "Ave Maria" - Kristin Bauer-Horn (1967)

... und schon wieder ist Sonntag. Zugegeben: Der Unterschied zwischen Werk-, Sonn- und Feiertag ist momentan relativ überschaubar, da ohnehin (fast) alles, das nicht den Beinamen "systemrelevant" trägt, geschlossen ist. Waffengeschäfte zum Beispiel. 😬 Die sind schon überlebenswichtig. Vor allem im Krieg. Ach, wir haben gerade gar keinen Krieg? Oh ... dann hab ich das wohl nicht ganz verstanden.

Vielleicht gibt euch ja der heutige Song ein bisschen Antwort darauf? Ich dachte mir, wir könnten gerade wieder ein bisschen Protest-Liedermacher aus der guten alten Zeit gebrauchen. Herrlich oder? Vor allem wenn man bedenkt, dass jede gute alte Zeit einmal eine neue schlechte war 😂




KRISTIN BAUER-HORN

Ave Maria (M & T: Kristin Bauer-Horn)

1967, Da Camera Song, LP "68 Lebensjahre und andere Chansons"


Leider finden sich nicht viele Informationen zu Kristin Bauer-Horn (* 1936 in Thüringen) nur spärliche Informationen. Als sie 1967 ihre erste LP "68 Lebensjahre und andere Chansons" veröffentlichte, war sie eine der ersten politischen Liedermacherinnen ("Chanson-Poetin" betitelte sie Max Nyffeler) in der deutschen Musikszene. Sie widersetzte sich dem Trend, so links wie möglich zu sein und sich auf eine bestimmte Art von Musik (die, die "ankam") festlegen zu lassen.
Der Traum einer Karriere als Pianistin zerplatzte bereits mit 13 Jahren - nach mehreren Sehnenscheidenentzündungen. Mit 15 widmete sie sich - mit einer Sondererlaubnis als jüngste deutsche Vollstudierende - der Malerei. Ihre erste eigenen Texte vertonte sie bereits Mitte der 50er-Jahre und erhielt bereits kurz darauf eine Sendung im Südwestfunk. Nachdem sie 1959 ihren Mann kennenlernte, folgte eine kurze Pause - bis die "Waldeck-Zeiten" begannen.
In einem Interview äußerte sie 1989, dass ihre Funktion als Liedermacherin sei, "bewusst zu machen, bewusst zu machen, bewusst zu machen! [...] Der Liedermacher hat mit seiner ganzen Person für das einzustehen, was er singt. Nur so hat er das Recht, sich der Gesellschaft gegenüber- und entgegenzustellen."
1982 wurde sie, "die unverwechselbare zeitkritische und poetische Lieder schreibt, komponiert und interpretiert, die, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, für dieses Genre Maßstäbe gesetzt hat", in Mainz mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Chanson" ausgezeichnet.


Veröffentlichungen:
1967 LP "68 Lebensjahre und andere Chansons" (Da Camera Song)
1983 LP "Was treibt uns um?" (Folk Freak) - als Kristin Horn
1985 LP "Einfach Lieder" (Folk Freak) - als Kristin Horn
2004 CD "Burg Waldeck Festival 1967 Chansons Folklore International" (Studio Wedemark) 
mit "Ave Maria" (1967)
2006 CD-Box "Liedermacher in Deutschland - Für wen wir singen" (Bear Family Records)
mit "68 Jahre" und "Wiegenlied"
2008 CD-Box "Die Burg Waldeck Festivals 1964-1969" (Bear Family Records)
mit "Das Ameisenspiel" (1965), "Hat das Gewicht?" (1967), "Herbstlied" (1965), "Sarahs Kinder" (1967), "Trinklied" (1966) und "Und gehen nicht mehr um" (1966)



Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren
Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird
Ich seh' sie schon als schwere graue Tropfen
In uns're aufgesperrten Münder fallen
Und uns're Nasenlöcher ganz verstopfen
Und den Hausierer, dieses alte Schwein
Mit seinen Büstenhaltern, Strümpfen, Gürtelschnallen
Als ersten lila werden und ersticken
Aber die jungen Witwen, die rosanes stricken
Und hellblaues und ganz weit weg blicken
Doch es weiß ja noch niemand außer mir
Und dem alten Soldaten

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren
Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird
Ich seh' sie schon als schwere graue Wellen
Den Dichtern auch das letzte Wort verdrecken
Und aus den Komponistenfenstern quellen
Und allen Malern vor den Staffelein
Die Blicke auf den letzten Sonnenfleck verdecken
Und uns're Musen schreiend flieh'n
Aber die Jünglinge, die durch die Felder zieh'n
Und nachts Verse schreiben
Und vor Julia knien
Doch es weiß ja noch niemand außer mir
Und dem alten Soldaten

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren
Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird
Ich seh' sie schon als schwere graue Klumpen
Die Kirchen und die Glocken überrollen
Und die Reliqiuenfledderer und Lumpen
Mit ihren Säcken in den Trümmern steh'n
Und uns, die Richter, fragen, was sie hier noch sollen
Und den Hausierer als den letzten lila werden
Aber die freundlichen Worte, die uns Besseres lehren
Und seit 2000 Jahren Hosianna auf Erden
Doch es weiß ja noch niemand außer mir
Und dem alten Soldaten


In diesem Zusammenhang spare ich mir eine ausführliche Interpretation und lasse Kristin Bauern-Horn einfach "bewusst machen". Ein spannendes Zeitdokument - ohne Frage. Erschreckend, wenn ich manche Parallelen zu heute ziehen könnte ...

Zur Unterhaltung und als Ausklang der Woche biete ich hier Zugang zu zwei Dokumentationen, die sich stellenweise decken, über die legendären Musikfestivals auf der Burg Waldeck:



Schönen Start in die Woche!

Donnerstag, 16. Juli 2020

# 112 - "Was ist das Ziel?" - Alexandra (1968)

Gut. Ich habe meinen Vorsatz meine liebsten Songs made in Austria zu posten, gerade wieder verworfen, da mir gerade dieses Lied wieder unter kam.



ALEXANDRA
A: Sehnsucht (M: Rudi Bauer / T: Fred Weyrich)
B: Was ist das Ziel? [Les Ballons roughes - Serge Lama] (M: Serge Lama / dt. T: Fred Weyrich)

1968, Philips, 384 504 PF
produziert von Fred Weyrich



Alexandra wurde 1942 in Heydekrug als Doris Treitz geboren. Nach der Evakuierung des Memellandes 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee kam ihre Familie zunächst nach Sachsen und anschließend nach Kiel, wo sie die Volksschule und das Gymnasium besucht. Sie lernte die Gitarre und Klavier und begann früh eigene Lieder und Gedichte zu schreiben. Zwei Jahre vor dem Abitur brach sie die Schule ab, um Modedesignerin zu werden. Sie begann ein Grafikstudium und schlug sich mit mehreren Gelegenheitsjobs über Wasser. 1961 zog sie mit ihrer (inzwischen geschiedenen) Mutter und einer Schwester nach Hamburg, wo sie die Meisterschule für Mode besuchte. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte Platz neun. In Hamburg lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Russen Nikolai Nefedov (1912-1989), kennen, der bei ihnen zur Untermiete wurde. Im Juni 1963 wird ihr gemeinsamer Sohn Alexander geboren. Die Pläne, gemeinsam nach Amerika auszuwandern, werden verworfen, nachdem die Ehe scheitert.
Alexandra versuchte, ihr Studium zu beenden und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach dem Abschluss der Schauspielschule erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Produzent Fred Weyrich wurde schließlich auf die Folklore-Sängerin mit der tiefen Stimme aufmerksam und gemeinsam mit Manager Hans R. Beierlein wurde versucht, Alexandra zum Star aufzubauen und ihr ein Image zu geben, dass bisher am deutschen Schlagermarkt noch nicht verbreitet war: Russland.
1967 gab sie ihr Schallplattendebüt - nicht mit einer Single, wie sonst üblich, sondern mit einem ganzen Album: "Premiere mit Alexandra". Die ausgekoppelte Single "Zigeunerjunge" erreichte #22 der deutschen Charts. Ihr größter Hit wurde "Sehnsucht" (#12), ein Titel, der ihr selbst überhaupt nicht gefiel. Bereits nach kurzer Zeit hatte die vielseitige Künstlerin, die auch selbst komponierte und textete, genug auf slawisch-folkloristische Schlager reduziert zu werden. Sie suchte Kontakt zu französischen Chansonnieres wie Salvatore Adamo und Gilbert Bécaud und übertrug einige ihrer Titel in deutsche Sprache. Eine enge Freundschaft entstand mit Udo Jürgens, die gemeinsam 1968 den Titel "Illusionen" (#38) herausbrachten. Anfang 1969 zog Alexandra nach München und verlobte sich mit Pierre Lafaire.

Am 31. Juli 1969 fuhr Alexandra mit ihrem Sohn und ihrer Mutter von Hamburg Richtung Sylt in den lange geplanten Urlaub. Beim Überqueren einer Kreuzung in Tellingstedt kollidiert ihr Fahrzeug mit einem Lastwagen. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt, Alexandra starb 27jährig noch am Unfallort, ihre Mutter wenig später im Krankenhaus. Der auf der Rückbank schlafende sechsjährige Alexander wurde nur leicht verletzt.

Neben den bereits erwähnten zählen zu ihren bekanntesten Titeln "Erstes Morgenrot", "Aus", "Mein Freund der Baum", "Der Traum vom Fliegen" oder "Schwarze Balalaika".


Nun zum heutigen Song:

Es ist November und der Regen
Kriecht durch die Kleider auf die Haut
Ich geh' alleine auf den Wegen
Die mir vom Sommer her vertraut

Wem wohl die kalten Tage nützen
Was gestern lebte, ist heut' taub
Und in den schmutzig grauen Pfützen
Ertränkt der Bäume welkes Laub

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

An ein paar Zweigen hängen Blätter
Die heute Nacht der Wind vergaß
Den Pavillon versperren Bretter
Wo manches Liebespärchen saß

Sogar die Nester in den Bäumen
Sind ohne Leben ohne Sinn

Und mir alleine bleibt das träumen
Weil ich ein Mensch mit Träumen bin

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

Ich bin auf einmal so alleine
Wo ist das Glück, das hier begann?
Die kahlen Bäume und die Steine
Die schau'n mich durch den Regen an

Ich suche oben in den Sternen
Ein wenig Trost für mein Geschick
Doch der, der Trost sucht, sollte lernen
Er ist vergänglich wie das Glück

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen
Das uns die Kraft zum Atmen schenkt
Zwar bleiben viele Wünsche offen
Weil irgendwer das Schicksal lenkt

Solange hier bei uns auf Erden
Man einen Hauch von Leben spürt
Sorgt dieses Schicksal für das Werden
Und gibt das Glück, dem Glück gebührt

Das ist das Ziel in diesem Spiel

Das der Natur seit je gefiel



Zum Vergleich das Original von Serge Lama



Und hier die absolut sehenswerte Dokumentation "Alexandra - Die Legende einer Sängerin" von Marc Boettcher aus dem Jahr 1999.

Um Alexandras Tod ranken sich zahlreiche Mythen. Drohungen, Vorahnungen und dubiose Vorfälle. Alexandra verfasste vor ihrem Urlaub noch kurzerhand ein Testament und kaufte ein Doppelgrab. War es ein tragischer Unfall, Selbstmord oder Mord? Wieso fuhr Alexandras neuer Wagen ungebremst über die Kreuzung? Nach ihrem Tod wurde in ihre Wohnung eingebrochen und verschiedene Dinge verschwanden. Wieso gab es einen versuchten Einbruch in die Leichenhalle? Zudem kam vor einigen Jahren ans Tageslicht, dass ihr Verlobter Pierre Lafaire nicht nur Bigamist, sondern auch US-Geheimagent war. Diesen dubiosen und zum Teil rätselhaften Dingen geht Marc Boettcher in seiner Dokumentation auf dem Grund.



Viele Rätsel ranken sich um das kurze Leben der Sängerin Alexandra, die mit ihrer einzigartigen Stimme einen großen Platz im deutschen Musikgeschäft einnimmt. Wie wäre ihr Leben weitergegangen, was wäre aus ihr geworden? Würde man ihren Namen heute noch kennen, wenn sie nicht so früh verstorben wäre?
Alexandras Titel sind meist mit dunkler Melancholie und russischer Folklore verknüpft, das musikalische Erbe ihrer weniger als drei Jahre andauernden Karriere ist aber um einiges umfangreicher. Vor allem ihre selbst geschriebenen Titel zeigen, um was für eine talentierte, intellektuelle und feinfühlige Sängerin es sich bei ihr gehandelt haben muss. Das Lied "Was ist das Ziel?", im Original von Serge Lama, beweist (im Vergleich mit dem Original), was Alexandra für eine begnadete Interpretin war und wie sie es schafft, jedes Lied zu ihrem eigenen zu machen. Ihre Lieder klingen nie beliebig, sie hat etwas zu sagen. Und auch wenn das vorliegende Lied alles andere als lebensbejahend den Laufe des Jahres (im Speziellen den Herbst) zum Thema hat, merkt man doch, wie es - auch durch das ansteigende und immer gewaltiger werdende Arrangement - ihr ein Anliegen ist, ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Für mich ist und bleibt Alexandra immer erste Wahl - auch abseits trister Novembermonate ;)

Mittwoch, 1. Juli 2020

# 101 - "Der Fehler lag bei mir" - Bärbel Wachholz (1967)

Ich hoffe ihr seid mir nicht böse. Aber die 100 Beiträge haben in den letzten Wochen und Monaten doch einiges an zeitlichen Ressourcen gekostet. In diesem Sinne muss ich gestehen, war ein (fast) musikfreies Wochenende doch ganz angenehm für mich. Gestern packte mich dann aber wieder die Sehnsucht auf ein Stückchen Musikunterhaltung und heute Vormittag bereits ein schlechtes Gewissen, dass sich bis jetzt gezogen hat. Eines kann ich euch aber versprechen: Der Fehler lag bei mir.



BÄRBEL WACHHOLZ
A: Der Fehler lag bei mir (M: Jürgen Hermann / T: Siegfried Osten)
B: Das ist vorbei (M: Gerd Natschinski / T: Jürgen Degenhardt)

1967/02, AMIGA, 4 50 600


Den Text des heutigen Titels lieferte der 1925 in Chemnitz geborene Siegfried Osten (bürgerlich Siegfried Ostmeier). Er zeichnete beispielsweise für Titel a la "Das gibt mit Mutti Krach" (Die Peheiros, 1959), "Die Vera aus Veracruz" (Steffen Reuter, 1962), "Ausgerechnet ein Ehemann" (Rica Déus, 1963), "Heute Nacht wird durchgemacht" (Ingo Graf, 1965), "Und der Hans schleicht umher" (Tina Brix, 1966) oder "Hully-Gully am Strand" (Rosemarie Ambé, 1966) verantwortlich.

Die gelernte Fotografin Bärbel Wachholz, die 1938 in Angermünde geboren wurde, nahm privat Gesangsunterricht und trat als Sängerin eines Tanzorchesters auf. Erste Rundfunkaufnahmen 1957 führten zu kleineren Erfolgen, weshalb sie nach Ost-Berlin zog. Bärbel Wachholz veröffentlichte 40 Singles und zwei Alben. Neben zahllosen Fernsehauftritten ging sie von 1962 bis 1969 auch mit zwei eigenen Bühnenshows auf Tournee. 1962 gewann sie mit dem Titel "Das kann ich niemals vergessen" das Internationale Schlagerfestival der Ostseeländer.
Ab 1970 litt Wachholz an Diabetes mellitus, hatte schwere Probleme mit Leber und Bauchspeicheldrüse und musste zweimal operiert werden. Zudem wurde in dieser Zeit ihr Sohn Tobias geboren, weshalb sie sich aus dem Musikgeschäft zurückzog. 1973 startete sie ein Comeback. Ihren letzten Fernsehauftritt hatte sie - bereits von Krankheit und Alkohol gezeichnet - Anfang 1984. Da sie sich ihr Insulin nicht mehr gespritzt hatte, starb sie im November 1984.
Ihr größter Hit war "Damals" (1959). Weitere Titel: "Weil ich jung bin" (1959), "Weil er ein Seemann war" (1960), "Treu sein" (1961), "Cape Town Boy" (1962) und "Mama" (1965 - wurde später für Heintje ein Hit im Westen!).


Immer muss es regnen
Wenn wir uns begegnen
Das kann schon nicht mehr Zufall sein
Er war einmal mein Sonnenschein

Der Fehler lag bei mir
Lag ganz allein bei mir
So gern möcht' ich ihm eingesteh'n
Alles, alles hab' ich eingeseh'n

Der Fehler lag bei mir
Lag ganz allein bei mir
Ich weiß schon nicht mehr wie das ist
Wenn man verliebt und zärtlich küsst
Doch er kann nichts dafür
Der Fehler lag bei mir

Nie grüßt er mich wieder
Schlägt die Augen nieder
Er hat bis heut' mir nicht verzieh'n
Und tut als wär' ich Luft für ihn

Refrain



Nun denn, jetzt wissen wir also wer eigentlich am Klimawandel schuld ist: unzuverlässige Frauen! Genauer: Bärbel! 
Da will sich ihr herzensguter Lebensabschnittsgefährte nichts Böses ahnend mit ihr treffen und schwupps: Regen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern IMMER! Und wer ist schuld? BÄRBEL! - Befinden sich die beiden vielleicht zufällig in England? Dann hätten wir einen möglichen Grund. Woher kommt Bärbel noch mal? Ach ja ... DDR! Gut ... dann ist das mit Ausreisen ja eher schwierig. Liegt also doch an Bärbel. Und die Gute gibt auch alles reumütig zu. Hat wohl bei Frau Holle zu stark die Blumen gegossen. Macht sie nie wieder, hat sie versprochen - inklusive großem Indianerehrenwort!
Was sagt Mr. Right dazu? ... Ahja ... nichts. Warum auch. Er kann ja nichts dafür. Und Bärbel bleibt weiter ungeküsst und leidet bereits an Alzheimer-Love ("Ich weiß schon nicht mehr wie das ist, wenn man verliebt und zärtlich küsst"). Ihren Angaben zufolge kann er dafür auch nichts. Ähem ... ja ... also ... irgendwie schon. Schließlich hat ja er sie sonst geküsst ...
Und was macht er jetzt? Er hat scheinbar auf Ökostrom umgestellt, denn sie ist nur noch "Luft" für ihn. Schade. Bärbel, vielleicht schickst du ihm demnächst ein paar Blitze vorbei. Damit der blöde Typ checkt, dass es vielleicht doch auch (zumindest ein bisschen) an ihm lag, dass eure Beziehung gescheitert ist. Vielleicht war ja eher der Typ ein Fehler. Dann, ja, aber nur dann, lag der Fehler bei dir, dass du auf ihn hereingefallen bist ;)


Hier habe ich noch eine interessante Doku (mit vielen Fernsehausschnitten) über das bewegte Leben von Bärbel Wachholz gefunden.



Ob Fehler oder nicht kann und darf nun jeder selbst entscheiden. Genauso, ob es ein Fehler ist, dass kaum noch Leute mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen. "Die helfen eh nix!" ... Tja, wenn sie nix helfen, dann schaden sie auch nix, wenn ich sie weiterhin zum Einkaufen verwende. Abstand hält nämlich kaum noch jemand ein. Und wenn ich mit dieser Maske herumlaufe, lag der Fehler zumindest nicht bei mir ... vermutlich!

Mittwoch, 17. Juni 2020

# 91 - "Lied über den Terroristen Karl-Heinz Pawla" - Elke & Alexander (1969)

Obskures und Skurriles steht im Untertitel meines Blogs (Schauriges habe ich heute ausnahmsweise ausgeklammert) und damit will ich keinesfalls geizen :P 

Der heutige Song thematisiert definitiv - in vielerlei Hinsicht - eine ziemliche Scheißsituation!




ELKE & ALEXANDER
Lied über den Terroristen Karl-Heinz Pawla (M: Peter-Alexander Kugler & Elke Nicolaisen-Gerstenberg / T: Volker von Törne)

erschien auf folgenden Tonträgern:

1969 EP "Nachrichten aus Berlin" (Wagenbachs Quartplatte 5, Verlag Klaus Wagenbach)
1969 LP "Steve Club Berlin" (Thorofon)
2006 CD "100 Jahre Kabarett - 1955-1970" (Bear Family Records)




Das Duo Elke & Alexander, alias Elke Nicolaisen-Gerstenberg (* 1944) und Peter-Alexander Kugler-Righetti (1944-1988), habe ich euch bereits vor längerer Zeit mit einem anderen Titel in Post #26 vorgestellt. Dort sind auch weitere biographische Informationen über die beiden zu finden.

"Sein Leben war voller Arbeit für eine bessere Welt, eine Welt ohne Krieg, in der Menschen in Frieden ihr Brot essen, ihren Wein trinken können. Brot und Wein: sie sind Törne-Symbole der Freundschaft, der Hoffnung und der Freude. Er war überzeugt, dass politische Konfrontationen heute nicht zu todbringenden Fronten führen müssen, sondern in lebensbewahrenden Verhandlungen ausgetragen werden können." (Planetlyrik.de, 2015)
Der Text des heute vorgestellten Liedes basiert auf einem Gedicht des Schriftstellers Volker von Törne (1934-1980). Von 1963 bis zu seinem Tod während einer Vortragsreise war er Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen.
Der Sohn eines SS-Standartenführers trug schwer daran, in der Zeit des Faschismus aufgewachsen zu sein und - obwohl schuldlos - fühlte er sich mit dieser Zeit der Verbrechen verstrickt. 
Nach der Schule studierte er zunächst Pädagogik in Braunschweig und nahm später das Kombistudium Politik/Wirtschaft/Arbeit in Wilhelmshaven auf. Ende der 50er-Jahre arbeitete er drei Jahre lang als Steinhauer sowie Hoch- und Tiefbauarbeiter.
Ab 1962 lebte er in Berlin, wo er zunächst als Redakteur und Mitarbeiter der Zeitschrift Alternative tätig war, ehe er 1963 Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen wurde. In dieser Funktion setzte er sich im Rahmen zahlreicher Vortragsreisen für Aussöhnung, Verständigung und Frieden einsetzte.
Er starb am 30. Dezember 1980 während einer Vortragsreise in Münster an einer Gehirnblutung.

Sein literarisches Werk besteht großteils aus engagierter Lyrik, nicht selten auch Sonetten, womit er eine große Kunstfertigkeit offenbart. Obwohl sich der Autor vom Literaturbetrieb weitgehend fernhielt, fand sein Werk sowohl in Deutschland als auch im Ausland großen Anklang.

Nun aber zu diesem besonderen Titel:

Hört die Schandtat von dem frechen
Karl-Heinz Pawla aus Berlin:
Dieser schwarze Sohn von Tschechen
Ohne Zucht und Disziplin,
Lange Haare, ungewaschen,
Und die Hände in den Taschen,
Trat er vor das Landgericht
Als ein schlimmer Bösewicht

Finster stand der Lichtesscheue
In Justizias heil'gem Haus
Ohne Demut, ohne Reue
Und zog sich die Schuhe aus
Alle Bürger war'n erschrocken
Als er dastand in den Socken
Und er grinste ins Gesicht
Den hohen Herr'n vom Landgericht

Schließlich trieb er's immer bunter
Ohne Zucht und ohne Scham
Er ließ seine Hosen runter
Weil ihm ein Bedürfnis kam
In Justizias heil'gen Hallen
Ließ er hinter sich was fallen
Mitten in das Landgericht
Sowas tut ein Deutscher nicht!

Das ging den Richtern an die Ehre
Ihre Würde war beschmutzt
Des Gesetzes ganze Schwere
Haben sie darob benutzt
Und den Strolch ins Loch geschmissen
Weil er auf's Gericht geschissen
Und so siegten Zucht und Pflicht
Vorm Berliner Landgericht

Die Moral von der Geschichte:
Kommt dich ein Bedürfnis an
Vorm Berliner Landgerichte
Lass nichts fallen, deutscher Mann!
Mach dich lieber in die Hose
Statt wie jener sittenlose
Terrorist und Bösewicht
zu scheißen auf das Landgericht!
Sowas tut ein Deutscher nicht
Deutscher Mann - sauberer Mann
Ein Deutscher tut das nicht!



Ja, das ist ja mal eine Scheißgeschichte - im wahrsten Sinn des Wortes ;) Und sie hat sich tatsächlich wirklich so zugetragen!

Nach kurzem Recherchen habe ich tatsächlich noch zwei authentische (und vermutlich seriöse) Berichte aus der Zeit des Geschehens gefunden:



"Karl-Heinz Pawla, 24. (West-)Berliner Kommunarde, muss wegen eigenwilliger Demonstration in einem Moabiter Gerichtssaal zehn Monate einsitzen. Vorletzten Mittwoch hatte der Student, der bereits einmal im Mai wegen Verdachts auf Diebstahl der Siegel der Freien Universität festgenommen worden war (linkes Bild) und gegen den nun ein Schöffengericht wegen Hausfriedensbruchs und Richterbeleidigung verhandelte, vor der Sitzung Abführpillen geschluckt, während der Verhandlung plötzlich seine Hosen heruntergelassen, seine Notdurft verrichtet, vom Richtertisch einige Akten gegriffen und sich damit gereinigt. Während das Gericht in einen anderen Saal umzog, um dort den Inkulpaten mit einer Ordnungsstrafe von drei Tagen zu belegen, photographierten Justizbeamte den Tatort und entfernten dann das Corpus delicti (rechtes Bild). Bereits zwei Tage später wurde der Kommunarde wegen öffentlicher Beleidigung des Gerichts zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt - und zu drei Tagen Haft, weil er den Staatsanwalt während dessen Plädoyer mit einer Sandale bewarf." (Der Spiegel 38/1968, 16.09.1968)

"Der Berliner Kommunarde Karl Heinz Pawla, 24, der am 4. September als Angeklagter vor einem Berliner Schöffengericht seine Notdurft verrichtet und Gerichtsakten beschmutzt hatte, wurde zwei Tage später von einem anderen Schöffengericht zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, in der Urteilsbegründung des Amtsgerichtsrats Käppen hieß es:
Am 4. September 1968 fand gegen den Angeklagten (...) eine Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht Tiergarten unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Loch im Kriminalgericht Moabit in Berlin statt. Nach der Vernehmung der in dieser Sache geladenen Zeugen etwa um 10.25 Uhr sagte der Angeklagte, er möchte eine Erklärung abgegeben. Er begab sich daraufhin zu dem vor dem Richtertisch stehenden Zeugentisch, drehte sich mit dem Rücken zum Gericht, zog seine Hose herunter und kotete vor den Zeugentisch in den Gerichtssaal. Sodann drehte sich der Angeklagte um, ging zum Richtertisch, griff zu den auf diesem liegenden Gerichtsakten 272-103/68, riss aus diesen acht Seiten heraus und wischte sich damit das Gesäß ab, wodurch diese Aktenblätter mit Kot beschmutzt wurden. Er wollte dadurch dem Gericht, insbesondere dem Vorsitzenden Amtsgerichtsrat Loch, seine Missachtung kundgeben.
Der Angeklagte gibt die Tat zu und lässt sich wie folgt ein: Er habe die 'Scheiße' konkret machen wollen. Deshalb habe er Abführtabletten eingenommen, deren Wirkung er vorher ausprobiert habe. Er ärgerte sich nur, dass er das komische Barett auf dem Richtertisch nicht erwischt habe. Der Amtsgerichtspräsident als Dienstvorgesetzter hat gegen den Angeklagten wegen Beleidigung des Amtsgerichtsrats Loch Strafantrag gestellt.
Hiernach hat sich der Angeklagte der Beleidigung des Amtsgerichtsrats Loch gemäß § 185 StGB in Tateinheit mit einem Vergehen nach § 133 StGB schuldig gemacht. Durch das Koten vor dem Zeugentisch hat er symbolisch den Anspruch des Gerichts und insbesondere des Gerichtsvorsitzenden Loch auf angemessene, der Würde eines Gerichts entsprechende Behandlung verletzt und dadurch seine Missachtung bekundet (§ 185 StGB). (...) Der Angeklagte hat auch vorsätzlich gehandelt, da er die Tatumstände kannte und wollte. Beide Taten sind wegen ihres engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhangs als natürliche Handlungseinheit anzusehen. (...)
Strafschärfend fiel (...) ins Gewicht, dass der Angeklagte durch die Tat eine Missachtung gegenüber den Grundregeln jeglichen menschlichen Zusammenlebens und eine derart niedere Gesinnung gezeigt hat, die einem Menschen an sich nicht zuzutrauen ist.
Strafschärfend war ferner zu werten, dass es sich bei der Tat nicht um eine sogenannte 'Spontanreaktion' gegen die vorhandene Gesellschaftsordnung gehandelt hat.
Vielmehr hat der Angeklagte nach seinem eigenen Zugeständnis in der Hauptverhandlung die Tat durch Einnahme von Abführtabletten mit vorangegangener Probe zielstrebig vorbereitet. (...) Zur Sühne und Abschreckung (konnte) nur eine empfindlichere Freiheitsstrafe den Strafzweck erreichen. Eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten erschien schuldangemessen."
(Der Spiegel 43/1968, 21.10.1968)


Wer jetzt auch Lust bekommen hat, "auf etwas zu scheißen", dem sei ans Herz gelegt, zuvor die juristischen Stellen im jeweiligen landesrechtlichen Kontext zu betrachten, ehe man Notdurftstelle gegen "Häfenatmosphäre" tauschen muss ... ;)

Sonntag, 14. Juni 2020

# 88 - "Ananas" - Nina Lizell (1967)

Fruchtige Grüße an einem regnerischen Sonntagabend! Unabhängig ob auf der Pizza Hawaii oder als überreifes Dosenobst - Ananas eignet sich immer wieder als Aufputz am Mittagstisch. Manche Leute sind sogar so begeistert, die können davon ein Lied singen ...



NINA LIZELL
A: Ananas (M: Giorgio Moroder / T: Carl-Ulrich Blecher)
B: Wenn dich keiner mehr versteht (M: Joachim Heider / T: Günter Loose)

1967, Golden 12, G12/63

Carl-Ulrich Blecher begann in den 40er-Jahren als Schlagertexter zu arbeiten. Zu seinen erfolgreichsten Titeln gehören "Danke für die Blumen" (Siw Malmkvist, 1961), "Siebentausend Rinder" (Peter Hinnen, 1963), "Zucker im Kaffee" (Erik Silvester, 1969) und "Das schöne Mädchen von Seite 1" (Howard Carpendale, 1970).

Die schwedische Sängerin Nina Lizell wurde bereits in Post #10 vorgestellt.

Ananas, Ananas, Ananas, Ananas
Ananas, Ananas, Ananas, Ananas
Ananas, Ananas

Ananas, schön ist das
Ja, das sind die süßen Sachen
Ananas, schön ist das
Das wird immer Freude machen
Schokolade ist mein Fall
Marzipan und nochmal
Ananas, Ananas, Ananas

Was soll ich mit Spinat?
Was soll ich mit Sauerampfer?
Sugar sweet Ananas
Davon schick' mir einen Dampfer
Räucherlachs, Kaviar - danke, nein
Lieber mal Ananas, Ananas, Ananas

Doch das ist ja alles nur Ersatz für das, was noch süßer ist
Wüsste ich doch Stunde und Tag, wann du mich endlich mal küsst
Wüsste ich doch Stunde und Tag, wann fängst du endlich mal an
Immer gehst du an mir vorbei und was bleibt mir davon

Ananas, Ananas, Ananas, Ananas

Refrain





Kennt ihr das Gefühl? Ein reifes Stück Obst auf einem Teller, liebevoll angerichtet. Spürt ihr, wie euch das Wasser im Mund zusammenläuft? Und dann der Moment, wenn ihr in das süßliche Fruchtfleisch beißt? Die Aromaexplosion, die sich im ganzen Mundraum ausbreitet und den Endorphinhaushalt bis zum Bersten mit Glückseligkeit ausfüllt. Hallelujah! Und das nicht nach dem Genuss von Donizettis legendärem Liebestrank oder zumindest der geilsten Schokopraline der Welt - nein, einfach nach einem Stück Ananas!
Da hat die liebe Nina endlich geschafft, ihre schier grenzenlose Begeisterung für dieses Obst zum Ausdruck zu bringen. Scheiß auf Spinat und Sauerampfer. Mit einem grünen Smoothie oder einem Döschen Belugakaviar kann man sie nicht hinter dem Ofen hervorholen, da muss es schon die goldene Tropenfrucht sein. Ach, uns're Nina ist schon ein freches Früchtchen! ;)
Genießt diesen tropischen, live-vorgetragenen, Gute-Laune-Song im feuchtfröhlichen Knallbonbonfarbenmix!

Ananas, schön ist das - denn mit Sauerampfer ist man auf dem falschen Dampfer! Kalauer olé! ;) höhöhöhö! 

Sonntag, 7. Juni 2020

# 79 - "Hey, Mr. Möbelmann" - David Garrick (1967)

Der folgende Titel ist all jenen gewidmet, die sich in Corona-Zeiten mit Umzugsthematiken auseinandersetzen mussten.




NACHTRAG FÜR FREITAG

DAVID GARRICK
A: Hey, Mr. Möbelmann [Please, Mr. Moving Man] (M: Phil Barr & Billy Meshel / dt. T: Carl-Heinz Blecher)
B: Zeig' den ander'n nicht dein Herz [A broken Heart] (M: Alan Tew / dt. T: Tobby Lüth)

1967, PYE Records, HT 300098 


David Garrick wurde 1945 als Philipp Darrell Core in Liverpool geboren. Nachdem seine Stimme bereits im Kirchenchor seiner Heimatgemeinde positiv auffiel, besuchte er nach Abschluss seiner Schulzeit das Konservatorium, um sich als Opernsänger ausbilden zu lassen. Seine Karriere als Popsänger begann eigentlich durch eine Wette mit Freunden in einem Club in London. Nachdem seine Karriere Anfang der 70er-Jahre stagnierte, verbrachte er einige Jahre in Südafrika und Ägypten. In den 90er-Jahren versuchte er ein Comeback. Er starb 2013.

Seine erfolgreichsten Titel waren "Lady Jane" (1966, #28 UK), "Dear Mrs. Applebee" (1967, #1 DE, #3 AUT, #22 UK), "Please Mr. Movingman" (1967, #25 DE) und "Don't go out into the Rain" (1968, #26 DE). Er veröffentlichte drei Singles in deutscher Sprache.

Sein Künstlername ist eine Hommage an den bedeutendsten britischen Schauspieler des 18. Jahrhunderts.


Nun aber zum Song:

Hey, Mr. Möbelmann
Lass die Möbel nebenan
Und lass mein Baby hier bei mir
Hilfe, Hilfe

Das darf doch nie gescheh'n
Dass uns're Nachbarn geh'n
Und ich kann mein Girl nicht mehr seh'n
Hilfe, Hilfe

Sieh das Herz am Haustor
Wo sie schwor, das sie geht, kommt nie vor
Unser ganzes Glück, oh nein
Pack' es nicht in Kisten ein
Lass hier all das Gepäck
Und fahr' einfach weg

Refrain






"Hilfe Hilfe" kann man nur laut bei Davids Aussprache rufen. Aber man darf es ihm nicht übel nehmen. Der junge Mann kam aus England und hatte sicher kaum Zeit, deutsch zu lernen. Vermutlich hat er den Song nur weitestgehend phonetisch gelernt. Aber nachdem seine Holde jetzt scheinbar doch Reißaus genommen hat und einem anderen "ihrä groasä Lieubä schewoa" wäre er besser beraten, seine Deutschkenntnisse aufzumöbeln (ha, Mega-Wortspiel :P!) als die Arbeit des armen Umzugsunternehmers zu behindern.

Freitag, 5. Juni 2020

# 78 - "Aus!" - Peggy Peters (1974)

Keine Sorge: Mit dem Blog ist es (hoffentlich noch lange) nicht aus! Eher mit der Ruhe und ungewöhnlichen Zwangspause ... trotzdem darf man noch nicht leichtsinnig, alles "auf eine Karte setzen", sonst ist's bald wieder "Aus" mit Veranstaltungen und neugewonnener Freiheit - das wusste übrigens bereits die Zukunftsforscherin: Prof. DDr. Peggy Peters anno 1964.


NACHTRAG für DONNERSTAG!



PEGGY PETERS
A: Ich setze alles auf eine Karte (M: Heino Gaze / T: Fred Ignor)
B: Aus [Shout - The Isley Brothers] (M: O'Kelly, Ronald & Rudolph Isley / dt. T: Georg Buschor)

1964, Hansa, 11 088 AT

Peggy Peters, die am 25. Dezember 1946 als Christa Zarlewski in Berlin geboren wurde, sang bereits von Kindesbeinen an und erhielt früh Ballettunterricht. Nach der Schule arbeitete sie als Hostess bei einer Fluggesellschaft.
Mit ihrem Jugendfreund Drafi Deutscher (1946-2006) nahm sie 1962 an einem Talentwettbewerb im Rahmen der Berliner Funkausstellung teil, den sie promt gewann. Sie erhielt einen Plattenvertrag, das Pseudonym Peggy Peters und veröffentlichte 1964 ihre erste Solosingle "Keine Schule mehr". Parallel dazu war sie Mitglied in unterschiedlichen Formationen ("Die Peggy Peters Sisters", "Die Petras" und "Die Sweetles"). Mit ihrem späteren Ehemann Peter Rainford veröffentlichte sie Mitte der 60er-Jahre (als "Peggy & Peter") die Single "Limelight Boy", der noch zahlreiche folgten. In dieser Zeit etabliert sich auch ihr späterer Künstlername Tina Rainford
Immer wieder kreuzten sich die Wege von Tina und Drafi, der regelmäßig für sie Titel schrieb und sie auch in sein Studio-Projekt "WIR" holte.
Und eben dieser Drafi war es auch, der Tina den größten Erfolg ihrer Karriere bescheren sollte. 1976 gelang ihr ein Riesenhit mit dem, von Drafi geschriebenen, Song "Silverbird". Der Titel verkaufte sich millionenfach und erreichte sogar #25 der US-Country-Charts.
Nachdem sie mit den Nachfolgesongs an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen konnte, zog sie sich in den 80er-Jahren ins Privatleben zurück.
Im Rahmen ihrer Autobiographie "Wenn Sterne fallen" verarbeitete sie nicht nur ihre jahrzehntelange Tabletten- und Alkoholsucht, sondern auch Bulimie. All das hat sie inzwischen überwunden und lebt mit ihrem zweiten Ehemann auf Mallorca. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht sie noch Songs.

Es ist nun wirklich mit uns aus
Aus meinem Herzen bist du raus
Du bildest dir doch wohl nicht ein
Ich könnte ohne dich nicht sein
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die große Liebe ist vorbei
Du warst mir keine Stunde treu
Du gehst mit ander'n Mädchen aus
Und lässt mich ganz allein zu Haus
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die schönen Träume
Ich hab genug von dir
Hör endlich auf zu lügen
My Boy, nun reichst du mir 
Yeah
Yeah 
Yeah
Yeah - Yeah - Yeah

Refrain

Von heute an bist du mir egal
Du kannst mit ander'n geh'n
Ruf nie mehr an, denn auf keinen Fall
Will ich dich wiederseh'n
Yeah, es ist nun aaaaaaaaus
Yeaaaaah, es ist nun aus

Mit den letzten lautmalerischen "Yeahs" bin ich ein wenig sparsamer umgegangen ;)


Ja, die Peggy Peters hat ordentlich Temperament und das bei einer Größe von nur knapp 1,50 Meter. Starke Stimme und starker Groove ... zugegeben, dass eine oder andere Yeah wäre verzichtbar gewesen. 
Eines kann ich euch versprechen, wenn man sich mit so einer Frau anlegt, dann hat der "Boy" später nichts mehr zu lachen! Aber wir wissen ja .... Karma is a bitch! ;) Von daher, können wir uns entspannt zurücklehnen und abwarten, was dem armen Knilch so widerfahren wird ;)

Text