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Donnerstag, 28. Mai 2020

# 71 - "Conny, deine Freunde sind die Pferde" - Bernd Wegener (1982)

Bei dem Wetter bekommt man doch wirklich tierisch-gute Laune! Das dachte sich auch Bernd und posierte fröhlich neben einem Pferdchen. Ausritt in die damalige Schlagerwelt gefällig?





BERND WEGENER
A: Conny, deine Freunde sind die Pferde (M & T: John de Luna & Peter Power = Peter Schild)
B: Ein Lied zieht mit mir in die Ferne hinaus (M & T: John de Luna & Peter Power)


1982, Metronome, M 30 415


Bernd Wegener, 1953 geboren, veröffentlichte zwischen 1977 und 1983 insgesamt neun Singles.
Den Angaben auf der Rückseite seiner ersten Single ("Ich schreib' dir einen Liebesbrief") ist er 1,86 m groß, erhielt ab 1973 eine Gesangsausbildung und ist Industrie-Kaufmann von Beruf. Zu seinen Hobbies zählen: "Motorräder, Tennis, Schwimmen, chinesisch und viel Schokolade essen".

Peter Power aka Peter Schild schrieb u. a. auch "Ungarische Nächte" (Adam & Eve, 1977), "Beim alten Bill in Oklahoma" (Heino, 1979), "Auf der langen Reise durch die Nacht" (Howard Carpendale, 1979) oder "Viel zu jung" (Bernhard Brink, 1980).

Ich gebe zu Bernd Wegeners musikalisches Schaffen wäre heutzutage wohl nicht so interessant, wenn man nicht wissen würde, dass er der Vater einer Tochter (Vivian, * 1985) ist. Auch das ist noch nichts Besonderes. Diese ist allerdings seit 2014 mit dem ehemaligen Rennfahrer Nico Rosberg verheiratet und Mutter der beiden gemeinsamen Töchter.


Bernd Wegener ist Geschäftspartner der Erben von Ottomor Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco (1940-2007), dem Spross des legendären Vampir-Grafen. Für den lange auf einem Schloss in der Nähe von Berlin lebenden Prinzen erdachte er die Marke "Castle of Dracula", unter der er ein Nachtclub-Konzept und einen blutroten Likör vertreibt.


Man gönnt ihm noch nicht einmal das Gnadenbrot
Blacky, dem alten Zirkuspferd
Zehn Jahre lang, da war er gut genug
Und nun war er angeblich nichts mehr Wert

Doch Conny, das Mädchen vom Ponyhof
Sie spürte ganz genau, was Blacky droht
Sie gab für ihn das ganze Geld, das sie gespart
Und rettete ihn so vorm sich'ren Tod

Conny, deine Freunde sind die Pferde
Conny, und du fühlst genau wie sie
Conny, deine Freunde sind die Pferde
Und dein höchstes Glück der Erde

Denn ein Pferd enttäuscht dich nie

Conny, deine Freunde sind die Pferde
Conny, das wir niemals anders sein
Denn dein höchstes Glück der Erde
Sind die Pferde ganz allein

Ganz friedlich lag die Nacht dort auf dem Ponyhof
Als Blacky plötzlich Rauch am Haus entdeckt
Er rennt so schnell er kann zu Connys Fenster hin
Und die wird dadurch aufgeweckt

Und Conny, das Mädchen vom Ponyhof
Sie löschte noch zur rechten Zeit den Brand
Sie hatte einst für Blacky sehr viel Herz gezeigt
Das Pferd hat ihr's gedankt mit viel Verstand

Refrain





Wer kann dieser süßen Geschichte von Bernd widerstehen? Vor allem nicht, wenn er in seinem roten Pulli so schnuckelig neben einem braunen Pferd (das vermutlich nicht Blacky, das alte Zirkuspferd darstellt) lächelt. Da wird es sicher im Herz mancher jungen Wendy-Abonnentin ganz warm ... und dann gibt es sogar noch eine Titelheldin namens Conny! Die ihr ganzes Geld für das Pferd opfert, das zumindest rechtzeitig vor dem Flammeninfernotod warnt! Schade, dass es nicht sprechen kann, sonst hätte es zusätzlich noch die Feuerwehr rufen können! Aber Conny hat den Brand glücklicherweise löschen können und wenn sie nicht gestorben ist, dann reitet die alte Conny auf dem noch älteren Blacky fröhlich in den Sonnenuntergang. Schmalz olé!






Für die französisch-kanadisch (extrem kitschig) produzierte Zeichentrickserie "Sissi", die von 1997 bis 1999 im deutschen Kinderfernsehen lief, wurde der Song nochmals recycelt. Über die Sängerin Carina konnte nichts herausgefunden wurden.

"Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde", besagt bereits ein altes Sprichwort. Nun ja, seit Pferdefleisch in der Lasagne müssen manche Sprichworte vielleicht ein bisschen anders interpretiert werden :D

Freitag, 8. Mai 2020

# 51 - "Was hast du gemacht?" - Manuela (1973)

Nein, keine Sorge. Ich stelle euch diese provokante Frage nicht - schon gar nicht zu Corona-Zeiten. Bei mir müsst ihr auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr in den knapp acht Wochen seit dem Lockdown noch kein Buch geschrieben, kein Badezimmer neu gefliest, keine neue Sprache gelernt oder keine Modekollektion für Meerschweinchen konzipiert habt.




MANUELA
A: Was hast du gemacht? (M: Werner Twardy / T: Lilibert = Elisabeth Bertram)
B: Komm wieder (M: Werner Twardy / T: Lilibert = Elisabeth Bertram)

1973, BASF 05 11690-2
produziert von Werner Twardy

Manuela alias Doris Wegener wurde 1943 geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Berlin-Wedding auf. Nach der Volksschule arbeitete sie als Löterin. Mit ihrer ersten Solosingle 1962 ("Hula-Serenade") hatte sie noch keinen großen Erfolg. Dies änderte sich rasch, als sie die Leadsängerin der ersten deutschen Mädchenband (Tahiti Tamoures) wurde und mit "Wini-Wini" 1963 einen großen Charterfolg verbuchen konnte. Mit "Schuld war nur der Bossa Nova" gelang ihr schließlich der Startschuss für ihre Solokarriere. 1966 wurde sie mit dem Goldenen Bravo-Otto zum Teenager-Idol gekürt - und in weiterer Folge achtmal hintereinander von Bravo-LeserInnen zur beliebtesten Sängerin gewählt.
Für mehr als 1,3 Millionen DM wechselte Manuela Ende 1972 von der Teldec zur BASF - die höchste Stumme, die damals je ein Schlagersänger in Deutschland erhalten hatte. Doch dem neuen Team gelang es nicht mehr, an ihre alten Erfolge anzuknüpfen. Mit ein Grund war aber auch ein Rechtsstreit, der für die Sängerin einen enormen Karriereknick darstellte. Sie behauptete, dass ein Redakteur rund 20.000 DM Bestechungsgelder für verschiedene Fernsehauftritte verlangt habe. Die Verleumdungsklage gegen sie gewann sie zwar in erster Instanz, verlor aber - den sich lange hinziehenden Prozess - in zweiter Instanz. Was dazu führte, dass sie von TV-Sendern (allen voran dem ZDF) boykottiert wurde.
Als ihre Karriere in Deutschland an Ende ist, versucht sie ihr musikalisches Glück in Amerika, wo sie immerhin 50 Shows in Las Vegas und mehrere Fernsehauftritte hatte.

Ihr 13 Jahre älterer Manager Werner Fey, der auch als Grund angesehen wird, weshalb sie nicht in Amerika blieb, sondern nach Deutschland zurückkehrte, brachte sie durch Missmanagement um ihr Vermögen. Nach seinem Tod im Jahr 1993 musste sie sich durchs Tingeln auf kleineren Veranstaltungen "über Wasser halten". Sie starb im Februar 2001, im Alter von 57 Jahren, an einem Mundhöhlenkarzinom.

Gleich ihre zweite Single "Schuld war nur der Bossa Nova" (1963, #1) schlägt ein und hält sich 30 Wochen in den Charts. Weitere Erfolgstitel von ihr waren "Ich geh' noch zur Schule" (1964, #4), "Schwimmen lernt man im See" (1964, #3), "Love and Kisses" (1965, #17), "Lord Leicester aus Manchester" (1967, #12), "Monsieur Dupont" (1967, #9), "Wenn es Nacht wird in Harlem" (1968, #16), "Guantanamera" (1968, #15), "Alles und noch viel mehr" (1970, #26) und "Prost, Onkel Albert" (1972, #32).
"Was hast du gemacht?" war ihre letzte Chartnotierung im Februar 1973 - eine Woche  auf Platz 50. Insgesamt verkaufte sie mehr als 20 Millionen Tonträger.


Was hast du gemacht? kann ja durchaus in vielen Fällen eine wichtige Frage sein. Das könnte man auch Textautorin Lilibert fragen, die mit der deutschen Version von "Something stupid" 1967 oder Hits wie "Weißt du wohin?" (Karel Gott, 1968), "Ich denk' an dich" (Roy Black, 1968) oder "Hab' ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?" (Chris Roberts, 1971) deutlich bessere Texte abliefern konnte.

Was hast du gemacht?
Mein Herz, das steht unter Feuer
Huhuhuhu, das hab' ich nie gekannt

Was hast du gemacht?
Ich leide ganz ungeheur
Komm doch gleich zu mir und lösch' der Liebe Brand


--> Bei solch netten Aufforderungen möchte man doch gern Feuerwehrmann sein, oder?

Flammen wie rotes Licht
Wasser gibt es nicht
Alles in mir kracht
Was hast du gemacht?


--> Okay, jetzt ist die ganze Situation aber scheinbar ein wenig aus den Fugen geraten. Fassen wir zusammen: Es gibt ein (vor Liebe) brennendes Herz bei einem ungeheur-leidenden Mädchen. Rote Flammen, kein Wasser. Scheiße! Aber jetzt kommt's: "Alles in mir kracht" - mit dieser Textzeile kann ich wirklich nichts anfangen. Meine erste Assoziation wäre höchstens, dass jemand zu viel Bohnen (oder ich präzisiere durch Lokalkolorit: steirische Käferbohnen) genascht hat ... aber das kann es in dem Fall nicht sein. Vermutlich ist der Dachstuhl der Liebe zusammengekracht (ach ... das wäre eigentlich auch ein schöner Schlagertitel "Der Dachstuhl uns'rer Liebe ist zusammengekracht - Was hast du gemacht? Schubidibubdibuu")

Was hast du gemacht?
Mein Herz kocht vor lauter Sehnen
Huhuhuhu, das hab' ich nie gekannt


--> Ah ja, jetzt kocht das Herz bereits. Die von mir erwähnten Bohnen ziehe ich zurück, es landen heute doch eher Innereien auf dem Tisch (wär's mag) ... aber gut, man muss offen für Neues sein, sie hat es ja auch "nie" gekannt.

Seit du mich geküsst
Da rinnt mein Blut durch die Venen
Mit 180 Grad, oh was hast du gemacht?


--> Gott sei Dank hat Lilibert da nochmal die Kurve gekriegt. Wenn Blut erst durch Venen rinnen würde, wenn sich Leute küssen, dann hätten wir aktuell aber ganz schön große Probleme mit Massentodesfällen. Wie allerdings mit Blut mit 180 Grad durch die Venen rinnt, kann ich mir nicht vorstellen ... mit 180 km/h schon ... ein 180-Grad-Winkel ist für rinnende Flüssigkeiten wohl auch eher kontraproduktiv. Und falls es 180 Grad hat, dann kocht es wohl eindeutig bereits zu lange!

Flammen wie rotes Licht
Wasser gibt es nicht
Alles in mir kracht
Was hast du gemacht?

Was hast du gemacht?
Ich bin so schwach in den Beinen
Huhuhuhuhu, es kribbelt ungemein


--> Sorry, Manuela! Aber so wie du ab Minute 1:27 tanzt, wundert es mich nicht, dass du jetzt schwach in den Beinen bist! Da hat es bei dir aber ordentlich gekribbelt ;)

Was hast du gemacht?
Du solltest gleich hier erscheinen
Denn du, nur du allein
Kannst mein Retter sein


--> Ja, wer kann da nur unser Retter sein?

Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht? 
Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht? 





Ich biete freiwillig eine extragroße Löschdecke an, um sämtliche Flammen zu ersticken. Ob es reicht, weiß ich nicht. Aber dann kann ich auf die Frage: "Was hast du gemacht?" immerhin entgegnen, dass ich versucht habe, euch vor dem Schlimmsten zu bewahren ... in diesem Sinne: Schönes Wochenende! Huhuhuhuhuhu