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Freitag, 3. Juli 2020

# 105 - "Eine Polin modern eingestellt" - Kriss Kristek (1983)

Das Wochenende steht vor der Tür. Die Aussichten sind aktuell aber eher bescheiden. Nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen dem Wetter. Der Kurzzeitsommer hat sich gerade wieder in November-Tristesse gewandelt. Was scheint in dieser Situation besser als ein heißblütiges Lamento aus Osteuropa?



KRISS KRISTEK
A: Ich soll dich nicht mehr lieben (M: Jerzy Ziembrowski / dt. T: Bruno Pretzlaff)
B: Eine Polin modern eingestellt (M: Jerzy Ziembrowski / dt. T: Bruno Pretzlaff)

1983, Funky-Records, FU-45/504/28
produziert von Bruno Pretzlaff


Der Name Bruno Pretzlaff scheint mir nicht sehr häufig vorzukommen. Ich bin auf eine Todesanzeige (1930-2019) gestoßen. Vermutlich handelt es sich dabei um den Textautor dieser Single. Sein Name taucht nur in Zusammenhang mit Veröffentlichungen von Funky-Records auf. So textete er auch "Mit einem Schuss Liebe" (Günter Rüdiger, 1988) und "Es gibt noch edle Menschen" (Jürgen Seitz, 1988).

Trotz intensiver Recherche konnte ich zu der Interpretin Kriss Kristek keinerlei Informationen auftreiben. Akzentbedingt gehe ich aber davon aus, dass sie aus Polen stammt.


Diesem Akzent geschuldet - und dafür entschuldige ich mich gleich - ist es leider nicht möglich, die - mitunter vielleicht fantastischen literarischen Phrasen zu 100 % korrekt wiederzugeben.

Er war auf Urlaubsreise
...
Sprach polnisch in der Weise
Das ihn kein Mensch verstand

Ich wollte ihn belehren
Und zeigen was es gibt
Wie soll ich es erklären
Ja wir haben uns verliebt

Ich bin eine Polin modern eingestellt
Und liebe einen deutschen Mann
Es war unerwartet ...
Das ich ihn verstehen kann

Wir haben das Wörterbuch ganz durchgewühlt
Und dabei stellten wir fest
Was man in der Liebe empfindet und fühlt
Mit Worten sich nicht sagen lässt

Oh sonderbare Sache
Wenn es um Worte geht
Das man bei gleicher Sprache
Sich oftmals nicht versteht

Kann ich es nicht ergründen
Ist es dir auch egal
Was Liebende empfinden
Ist international

Refrain




Okay. Kriss hat also einen deutschen Touristen kennengelernt, der sich mehr schlecht als recht verständigen konnte (da scheint selbst die beliebte "Hand-und-Fuß"-Methode kläglich versagt zu haben!). Nach ausführlicher Auseinandersetzung mit dem Wörterbuch hat es dann aber doch geklappt - vor allem weil man sich schnell einig war, dass in puncto bestimmter "Angelegenheiten" die Sprache manchmal ja auch verzichtbar ist ... höhö!
Was das Ganze aber damit zu tun hat, dass sie "modern eingestellt ist", verstehe ich nicht so ganz. Weil sie bereit ist, sich auf einen deutschen Mann einzulassen? Weil sie immer ein Wörterbuch dabei hat? Weil sie ihn belehrt und nicht er sie? Fragen über Fragen. Anscheinend haben sie aber als lingua franca eine Methode der Kommunikation gefunden, die beide Seiten befriedigt - und das vermutlich im wahrsten Sinn des Wortes.

Donnerstag, 2. Juli 2020

# 104 - "Feuerrote Ohren" - Heidi Czaikowski (1971)

Heute gibt's was auf die Ohren: im wahrsten Sinn des Wortes! ;)




HEIDI CZAIKOWSKI
A: Feuerrote Ohren (M & T: Fred Oldörp)
B: Er ist der Größte (M & T: Josef Niessen & Fred Rauch)

1971, Metronome, M 25 371
produziert von Hans-Jürgen Früchtnicht



Fred Oldörp arbeitete ab den 50er-Jahren nicht nur als Komponist und Texter, sondern sang auch selbst. Titel von ihm sind "Meine Braut ist bei der Feuerwehr" (Ralf Bendix, 1963), "Es ist nicht alles Gold, was glänzt" (Vico Torriani, 1966), "Geh' doch nicht am Glück vorüber" (Howard Carpendale, 1970), "Hand aufs Herz" (Manuela, 1974) oder "Im Salzkammergut da gibts kein Heiratsbüro" (Maria & Margot Hellwig, 1976).

Über die Sängerin Heidi Czaikowski ist leider wenig bekannt. Sie wurde 1953 als Tochter jüdischer Eltern, die aus Polen vertrieben wurden, in Regensburg geboren. Sie besuchte ein Gymnasium und studierte am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Ihr Berufsziel war damals (1971) Lehrerin. Für den Bayerischen Rundfunk sang sie Volkslieder in hebräischer Sprache. Ein Auftritt im "Talentschuppen" brachte ihr schließlich einen Plattenvertrag ein.
In den 80er-Jahren erscheinen Titel, die sie als Komponistin anführen: "Talisman" (Venus, 1981) und "Summernights" (1986, Dan Byrd). Ob es noch weitere Veröffentlichungen gibt, konnte ich noch nicht eruieren.
Heute lebt sie in Antwerpen.


Feuerrote Ohren kriegst du immer, wenn du lügst
Feuerrote Ohren kriegst du, wenn du mich betrügst
Feuerrote Ohren, die verraten dich im Nu
Da hilft auch kein "I love you"

Deine schönen Märchen glaube ich dir nicht
Das seh' ich gleich immer an deinem Gesicht
Schau' doch in den Spiegel, du wirst ja ganz rot
Darüber lach' ich mich halb tot

Refrain

Du kennst jedes Mädchen, hier in uns'rer Stadt
Drum bist du für mich kein unbeschrieb'nes Blatt
Ich ertapp' dich immer, denn ich bin nicht dumm
Ich lach' nur und sag' dir, warum

Refrain






Bühne frei für Heidi "der personifizierte Lügendetektor" Czaikowski! Das ist ja mal wieder ein Lied, oder? Ich frage mich wirklich immer, wer auf solche Ideen kommt. Sitzt man da zu Hause und denkt sich: "Mmmh ... ich würde gerne ein Lied über Untreue schreiben. Es sollte aber ein fröhlicher Schlager sein. Woran erkennt man so ein Verhalten bloß optisch?". Da es in den frühen 70er-Jahren (glücklicherweise noch) keine Talkshows mit Lügendetektor-Test gab, mussten Menschen mit dem Hang zum Seitensprung anderweitig überführt werden. Hilfreich ist, wenn man ein scharfes Auge für jedes noch so kleine Detail hat.
Und unsere Heidi ist da eindeutig führende Expertin, erkannte sie doch bei ihrem Boy, dass dieser nach dem "Außer-Beziehungs-Betthupferl" immer äußerst rote Ohren hat, wenn er sich gerade wieder - ertappt-fühlend - in Rage redet und sich in ein Netz aus Lügen und Ausreden verspinnt.
Unglücklicherweise scheint sich der feine Herr aber sehr häufig anderweitig zu amüsieren, denn sonst wäre die Indizienkette nicht so stark ausgeprägt. Warum sich die liebe Heidi das aber gefallen lässt, ist mir nicht klar. Denn ein schnödes "I love you" reicht ihr ja nicht. Möglicherweise hat er auch ein paar Qualitäten, die so schnell nicht anderweitig zu finden sind, weshalb eine einseitige offene Beziehung für sie zwar ein lästiges Übel, aber doch hinnehmbar ist? Hoffen wir mal, dass sie ihn nicht irgendwann "inflagranti" mit ihrer besten Freundin, seiner Ex oder ihrem Vater ertappen muss ...

Heidi Czaikowski war sicherlich eine talentierte Sängerin. Ihre hebräischen Lieder für den Bayerischen Rundfunk würden mich sehr interessieren. Dieser Song ist wieder mal ein Beweis dafür, dass auch durchaus guten Sängerinnen damals - durch "eher bescheidene" Titel-Auswahl (für die sie selbst ja nichts kann) - wenig Chancen auf eine vielversprechende Karriere hatten. 

Wir haben jetzt allerdings zumindest gelernt, dass feuerrote Ohren nicht nur ein Anzeichen für Fieber (Corona-Alarm!!!), sondern auch für Lügen und Untreue sein können. Achtet mal bei eurem Partner oder eurer Partnerin darauf. Holt euch aber lieber eine zweite Meinung ein, bevor ihr zum Rundumschlag oder einer Zwangsquarantäne ausholt ;)

Sonntag, 21. Juni 2020

# 95 - "Wer im Wartesaal der Liebe steht" - Bjorn, Benny, Anna & Frida (1973)

"Uff!", ächzte es. "Noch mehr Namen, konntet ihr euch nicht mehr einfallen lassen, oder?", raunte es vermutlich seitens der Plattenfirma als zwei deutsche Titel eines schwedischen Quartetts auf dem Schreibtisch landeten. Mit den Namen nahm man es übrigens damals nicht so genau. Wer hätte schon damit rechnen können, dass aus denen tatsächlich etwas wird?



BJORN, BENNY, ANNA & FRIDA
A: Ring Ring [Ring Ring] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Peter Lach)
B: Wer im Wartesaal der Liebe steht [Another Town, another Train] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Fred Jay)

1973, Polydor, 2040 105

Textautor Fred Jay habe ich euch bereits an anderer Stelle vorgestellt. 

Und zu dieser Gruppe müsste man eigentlich auch nichts schreiben oder?

ABBA war eine schwedische Popgruppe, die von 1972 bis 1982 aus den Paaren Agnetha Fältskog (* 1950) und Björn Ulvaeus (* 1945) sowie Benny Andersson (* 1946) und Anni-Frid Lyngstad (* 1945) bestand. Mit rund 400 Millionen verkaufter Tonträger gehören sie zu den erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte.

Björn und Benny lernten sich bereits 1966 kennen, als beide Mitglieder in Bands waren. Benny beispielsweise war Pianist der landesweit erfolgreichen Hep Stars. Anni-Frid war in den späten 60er-Jahren eine durchaus bekannte Jazz-und Folksängerin. Agnetha startete mit schwedischer Schlagermusik und erlangte 1968 ihren Durchbruch. Beide Paare formierten sich Ende der 60er-Jahre und es kam bereits zu ersten musikalischen Zusammenarbeiten. 1970 sangen beide Damen bereits Backing Vocals für das erste Album von Benny und Björn ("Lycka") ein. Demzufolge gilt "Hej Gamle Man" als erstes Lied, bei dem alle vier ABBA-Mitglieder zu hören sind.
Ihren ersten gemeinsamen Auftritt als Gruppe hatten sie im November 1970. Als "Festfolket" traten sie im Dezember in einer Fernsehshow auf und präsentierten in Westernkostümen den US-Klassiker "California, here I come".



1972 übernahm Agnetha in Göteborg die Rolle der Maria Magdalena in der schwedischen Version des Musicals "Jesus Christ Superstar" - zuvor versuchte sie auch eine Gesangskarriere in Deutschland zu starten. 
Nachdem Benny und Björn mit ihren schwedischen Songs keinen Hit landen konnten, ihr Titel "She's my Kind of Girl" in Japan allerdings #7 der japanischen Charts belegte, setzten sie fortan nicht nur auf englische Songs, sondern auch die Gesangsfähigkeiten ihrer Ehefrauen. Das erste Ergebnis dieser Idee formierte sich im Song "People need Love", der im Juni 1972 veröffentlicht wurde.
Im Rahmen dieser ersten Zusammenarbeiten erschienen auch fünf deutsche Titel, bei denen es sich um Coverversion von "Hej Gamle Man" (Hey, Musikant), "Livet gar sin gang" (Was die Liebe sagt), "Ring Ring", "Another Town, another Train" (Wer im Wartesaal der Liebe steht) und "Waterloo". Während "Ring Ring" und "Nina, pretty Ballerina" in Österreich bereits #2 und #8 der Charts belegten, gelang ABBA dieser Erfolg in Deutschland erst 1974 mit "Waterloo" (dafür dann aber #1). Mit diesem Titel gewannen sie auch 1974 in Brighton für Schweden den Grand Prix aka Eurovision Song Contest. Dies war der Start für eine internationale Karriere, die ihresgleichen sucht.

Nun aber zum heutigen Song:

Du und ich hatten unsere Zeit
Ist es nun am Ende doch soweit
Kann es wirklich möglich sein

Unser Himmel war wolkenlos
War das alles eine Täuschung bloß
Und du lässt mich nun allein
Und nun stürzt der Himmel ein

Wer im Wartesaal der Liebe steht
Weiß, dass es um alles geht
Und man fragt sich nur:
Wie wird das noch enden?

Wer im Wartesaal der Liebe steht
Und es ist noch nicht zu spät
Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden
Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden

War das etwa die Endstation
Und ich merkte einfach nichts davon
Hab' ich mich denn so geirrt?

Was zu tun war, hab' ich getan
Jetzt kommt es auf and're Dinge an
Niemand weiß, was mit uns wird
Wohin der Weg uns führt

Refrain



Ein absolut untypischer ABBA-Song. Allein schon deshalb, weil die Strophen nicht von den Frauen gesungen werden (man möge mir verzeihen, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es Benny oder Björn ist).
Über den Text lässt sich streiten. Ich glaube es ist ganz gut, dass sie später eine andere Art von Songs gemacht haben. Dass aber ein Lied mit dem Titel "Wer im Wartesaal der Liebe steht" auch 1973 keine Katze hinter dem Ofen hervorgelockt hat, hätte selbst dem desinteressiertesten Produzenten klar sein müssen ... aber gut, aus Agnetha wurde ja auch Anna (warum auch immer?). Das war nämlich für den deutschen Raum ziemlich unlogisch, da sie ja bereits in Deutschland als Agnetha Singles veröffentlicht hat... das wäre in der Tat ein potentieller (nicht genutzter) Verkaufsanreiz gewesen.

Über den höchst philosophischen Text von Fred Jay sollte ich wohl eher den Mantel des Schweigens stülpen. "Er hat sich stets nach Kräften bemüht" erscheint mir eine faire Wertung für das dargebotene Reimwerk. Oder war das alles nur Täuschung an einem wolkenlosen Himmel und man fragte sich bereits damals, wie soll das deutsche Schlagergeschäft nur enden. Ist es noch nicht zu spät oder kann sich vielleicht noch alles zum Guten wenden? Fragen über Fragen.

Hab' ich mich denn so gerirrt?
Was zu tun war, hab' ich getan
Jetzt kommt es auf and're Dinge an
Niemand weiß, was mit uns wird
Wohin der Weg uns führt

Uuuuuuh ... kommt euch das auch ein bisschen bekannt vor? In Corona-Zeiten hat diese letzte Strophe doch eine deutlich stärkere Wirkung als ich gedacht hatte. 

Ach, und jetzt soll ich euch noch einen Ratschlag geben? Gut. Wenn ihr im Wartesaal der Liebe steht, dann hoffe ich, dass ihr euch vorher um einen Termin gekümmert habt, denn ich glaube aktuell praktizieren noch nicht alle Ärzte so wie es einem lieb wäre. Aber vielleicht gibt es bald "Umarmungen auf Krankenschein"? Ich glaube, dass wäre momentan die beste Impfung ...

# 94 - "Laylalou" - Uschi Glas (1970)

So viel "Männlichkeit" braucht nun wieder einen sanften Gegenpart. Und etwas Sanfteres als das gibt es kaum ...

NACHTRAG FÜR SAMSTAG





USCHI GLAS
A: Wenn dein Herz brennt [Love grows - Edison Lighthouse] (M: Tony Macauly & Barry Mason / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)
B: Laylalou (M: Giorgio Moroder / T: Michael Kunze)

1970, Ariola, 14 546 AT
produziert von Giorgio Moroder


Da Textautor Michael Kunze bereits öfters hier vertreten war, kann ich mich heute ganz entspannt auf die liebe Uschi konzentrieren.

Uschi Glas wurde 1944 als Helga Ursula Glas in Landau an der Isar geboren. Nach der mittleren Reife arbeitete sie als Buchhalterin, ehe sie ab 1964 in München als Sekretärin einer Anwaltskanzlei und in einem Fuhrunternehmen.
Beim Empfang zur Premiere eines Filmes machte sie gegenüber dem Produzenten kritische Bemerkungen. Dieser zeigte Interesse an ihr und engagierte sie in einer kleinen Rolle für den Film "Der unheimliche Mönch" (1965). Sie überzeugte, nahm daraufhin Schauspielunterricht und erhielt bald größere Rollen, wie 1966 in der Karl-May-Verfilmung "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" - in diesem Film wurde sie allerdings synchronisiert. Allgemeine Bekanntheit erlangte sie Ende der 60er-Jahre durch die Filme "Zur Sache, Schätzchen" und der "Penne"-Filmreihe "Die Lümmel von der ersten Bank". 1969 gab sie ihr Theaterdebüt in Düsseldorf. Zeitgleich versuchte sie sich auch als Schlagersängerin und veröffentlichte bis 1974 acht Singles. Mit dem Album "Uschi Glas singt die schönsten Weihnachtslieder" erreichte sie im Dezember 2002 #45 der deutschen Charts.
Ab Mitte der 70er-Jahre war sie auch vermehrt in TV-Serien wie z. B. "Derrick", "Das Traumschiff", "Zwei Münchner in Hamburg", "Ein Schloss am Wörthersee", "Sylvia - Eine Klasse für sich" oder "Zwei am großen See" zu sehen. Größere Beachtung erhielt sie auch durch ihre Rolle in den drei Teilen von "Fack ju Göhte". Uschi Glas steht bis heute regelmäßig vor der Kamera.

Anfang der 2000er-Jahre geriet Uschi Glas aufgrund einer von ihr, über einen Homeshopping-Sender, vermarkteten Kosmetikserie in die Schlagzeilen, da die Produkte zu Hautreizungen führten und Stiftung Warentest von einer Anwendung abriet.

Aber Uschi genügte es nicht, bloß lasziv in die Kamera zu blicken, nein, sie sang auch mit voller Inbrunst ... oder so.

In der kleinen Discothek
Hab' ich mich in dich verliebt
Bei dem ersten Tanz mit dir
Spielten sie mein Lieblingslied
Das ging


Laylalou
Baby Blue
Laylalou
I love you

Dann traf ich dich jeden Tag
Und mein schönster Traum begann
Immer wenn du bei mir warst
Hörten wir die Platte an

Refrain

Immer wenn ich dich nicht seh'
Schreib' ich einem Discjockey
Und im Rundfunk hörst du dann
Was ich dir nicht sagen kann

Refrain

Gibt es zwischen uns mal Streit
Dauert es bestimmt nicht lang
Denn ich weiß ja ganz genau
Was uns gleich versöhnen kann

Wiederholung

Refrain




Das war sie: Uschis Ode an den Rundfunkbeitrag. Die GIS/GEZ würde sich freuen, wenn ihnen heute jemand noch ein Ständchen spielen würde.
Ein Sonderpluspunkt für Texautor Kunze für den Reim "dich nicht seh - Discjockey". Das ist definitiv nobelpreisverdächtig (oder so).
So kann es einem gehen als armes junges Mädchen. Da geht man nichts Böses ahnend in die nächste Dorfdisco und begegnet dort ausgerecht seiner großen Liebe und dann läuft dabei auch noch so ein geiler Schmusesong. Wenn diese Liebe nicht unter einem guten Stern steht, dann weiß ich auch nicht weiter. Der Refrain erfüllt zumindest den Zweck, dass er auch mit 17 Promille noch fehlerfrei mitgelallt werden kann.
Die Radiostationen sind allerdings nicht zu beneiden. Jetzt trifft sich Uschi zwar tagtäglich mit Mr. Right, aber das ist Fräulein Nimmersatt augenscheinlich nicht genug. In den wenigen Pausen, die er nicht bei ihr sein kann, vermutlich um einer Arbeit nachzugehen oder seine Notdurft zu verrichten (ich hoffe nicht, im örtlichen Gerichtssaal! - wir erinnern uns), plagen sie solche Liebeskummerleiden, dass sämtliche Plattenaufleger bis zum Abwinken dieses Lied für sie spielen sollen. Ich könnte wirklich gut nachvollziehen, wenn der arme Tropf eines Tages vom Zigarettenholen nicht mehr zurückkehren würde und in ein fernes Land auswandert, wo dieser Song oder noch besser - Musik im Allgemeinen - vollkommen unbekannt sind.

Samstag, 20. Juni 2020

# 92 - "Doktor" - Peggy March (1971)

Jetzt habe ich die Woche so diszipliniert und gut angefangen und bin nun schon wieder in Verzug geraten (mea culpa!) ... und das so kurz vor dem/der 1000. Besucher/in und dem 100. Post (Wahnsinn wie lange diese Zeit schon andauert!). Ich hätte - um ehrlich zu sein - nicht gedacht, dass mein Blog so viele Einträge haben wird.

NACHTRAG FÜR DONNERSTAG




PEGGY MARCH
A: Einmal verliebt, immer verliebt (M: Ralph Siegel / T: Robert Jung)
B: Doktor (M: Werner Zylka = Ralph Siegel / T: Claus Rupp = Josefine "Fini" Huber-Busch)

1971, Decca, D 29 077

Fini Busch (1928-2001) war eine durchaus gefragte Textautorin. 1984 veröffentlichte sie ein Album mit dem Titel "Lieder, die ich gerne schrieb". Darauf sind ihre größten Hits und einige ihrer Lieblingslieder enthalten. Zu ihren größten Hits zählten "Seemann, deine Heimat ist das Meer" (Lolita, 1960), "Morgen ist alles vorüber" (Esther Ofarim, 1964), "Sugar Baby" (Peter Kraus, 1959), "Ein Schiff wird kommen" (Lale Andersen, 1959) und "Dieses Jahr, dieses Jahr" (Daliah Lavi, 1971).

Peggy March wurde 1948 in Pennsylvania als Margaret Annemarie Battavio geboren. Mit einer Coverversion von Petula Clarks "Chariot" gelang ihr 1963, als 15-Jährige, mit "I will follow him" (der auch eine Grammy-Nominierung erhielt!) ein fulminanter Start, der direkt Platz 1 der US-Charts erreichte (der Song erlangte Anfang der 90er-Jahre ein erfolgreiches Revival als großer Hit im Film "Sister Act" mit Whoopi Goldberg). Peggy March ist damit die jüngste Sängerin, der das jemals gelungen war - diesen Rekord hält sie bis heute! Bis 1964 landete sie fünf Hits in den US-Top 100.
Kurze Zeit später kam sie nach Deutschland, wo sie mit dem Lied "Mit 17 hat man noch Träume" die Deutschen Schlager-Festspiele gewann, was ihr den internationalen Durchbruch brachte. Sie sang in neun Sprachen und tourte durch die ganze Welt. In dieser Zeit war sie auch dafür bekannt, die kürzesten Miniröcke zu tragen ;)
1981 zog Peggy March mit Mann und Tochter zurück nach Amerika, wo sie bis heute lebt. Als Komponistin und Texterin gelangen ihr in den 80er-Jahren zwei große Hits: "Manuel Goodbye" (Audrey Landers) und "When the Rain begins to fall" (Pia Zadora & Jermaine Jackson).
Peggy March ist bis heute aktiv und tritt immer noch regelmäßig in TV-Shows auf. 2019 veröffentlichte sie das Album "Man ist nie zu alt für Träume".

Zu ihren erfolgreichsten Titel gehören "I will follow him" (1963, #1 US, #6 DE), "Goodbye, Goodbye, Goodbye" (1965, #8 DE), "Mit 17 hat man noch Träume" (1965, #2 DE, #7 AT), "Memories of Heidelberg" (1967, #5 DE, #7 AT), "Romeo und Julia" (1967, #4 DE & AT - verkaufte sich mehr als 500.000-mal!), "Telegramm aus Tennessee" (1968, #15 DE, #11 AT), "Canale Grande Number One" (1968, #18 DE, #12 AT), "Bahama Lullaby" (1969, #13 DE), "In der Carnaby Street" (1969, #16 DE), "Einmal verliebt, immer verliebt" (1971, #23 DE) und "Fly away pretty Flamingo" (1977, #15 DE).

Nun aber zu dem Titel, den ich bereits in Post #4 als thematisch-passendes Pendant angeführt habe.

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Weil ich ihn heute nicht mehr seh'

Doktor, He-He-Hey
Bitte hilf, mein Herz ist schwer
Denn ich vermisse ihn so sehr

Mein Herz macht Na-Na-Na-Na-Na-Na

Stammt immer Bum-Bu-Bum-Bum-Bu-Bum-Bum-Bum-Bum
Es macht nur 
Na-Na-Na-Na-Na-Na
Stammt immer
 Bum-Bu-Bum-Bum-Bu-Bum-Bum-Bum-Bum

Er war doch immer lieb zu mir
An allen Tagen
Auf einmal ist er nicht mehr hier
Wen kann ich fragen?
Wer kann es mir sagen?
Wo er blieb, denn ich kann ohne nicht leben

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Weil ich ihn leider nicht mehr seh'

Oh Doktor
Bitte hilf, mein Herz ist schwer

Er fehlt mir mehr und immer mehr

Refrain

Er geht mir nicht mehr aus dem Sinn
Das muss er spüren
Und darum kann und darf ich ihn
Auch nie verlieren
Erst wenn er bei mir ist
Dann vergehen die Schmerzen in meinem Herzen

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Bis ich ihn endlich wieder seh'

Refrain





Peggy March, die selbsternannte Expertin personifizierter Herz-Ryhtmus-Störungen, liefert hier definitiv einen Song oberster Güte ab. Und das Beste: ohne Rezeptgebühr! 
Solltet ihr bei Gelegenheit wieder mal auf euer Herz achten (wenn euch auffällt, dass euer Herz schlägt, ist das ein äußerst gutes Zeichen, weil dann lebt ihr vermutlich noch!) und in euch hineinhören, welche Geräusche es so anzubieten hat. "Na-Na-Na-Na-Na-Na", klingt zwar auf den ersten "Hörer" nicht ganz vertrauenswürdig, scheint aber nur eine Übergangserscheinung zu sein, ehe das standardmäßige "Bum"-bern wieder einsetzt.
Übrigens: Eine internationale Studie der Universität Herzhausen am Schrittmacher kam zur Erkenntnis, dass Patientinnen, die sich in ihren Arzt verliebt haben, bei der Untersuchung eine deutlich höhere Frequenz hatten. Zudem trat der eine oder andere Herzinfarkt auf, als der Ehering am Finger des Arztes festgestellt wurde.
So schlimm ist es bei Peggy aber Gott sei Dank nicht, denn sie weiß ja, was sie braucht, damit ihr Herz wieder im Takt schlägt.
Herzschwache (heterosexuelle) Zuschauer sollten beim Video allerdings besser die Augen zu machen, denn die Länge von Peggys Kleid kann den Herzschlag gefährdend erhöhen ;) 

Herzliche Grüße und ein schlagkräftiges Wochenende ;)

Dienstag, 9. Juni 2020

# 83 - "Schmeiß' den Kuckuck aus dem Nest" - Ingrid Peters (1978)

Bei dem momentanen Wetter kann man auch so manchen Kuckuck verstehen, dass er sich in fremden Nestern einnistet ... Doch der heutige Songist definitiv keinem Ornithologen gewidmet ;)



INGRID PETERS
A: Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest (M & T: Jean Frankfurter & Robert Puschmann)
B: Halt' mich, bis der Morgen erwacht (M: Dieter Clamath & Thomas Oliver / T: Tina Rainford)

1978, CBS, 6134
produziert von Eddy Bachinger

Ingrid Peters wurde 1954 als Ingrid Probst geboren und wuchs in Saarbrücken auf. Nach dem Abitur studierte sie an der Pädagogischen Hochschule und erwarb ihr Diplom in Arbeitslehre und Sport.
Für ihr Debutalbum "Komm doch mal rüber" wurde sie 1976 mit der "Goldenen Europa" ausgezeichnet. 1986 vertrat sie Deutschland mit "Über die Brücke geh'n" beim Eurovision Song Contest und belegte Platz 8. Danach folgte eine mehrjährige musikalische Pause aus der sie erst Ende der 90er-Jahre zurückkehrte. Seither schreibt sie fast alle ihre Texte und teilweise auch die Melodien selbst.
Ingrid Peters zählt mit mehr als 1.000 Fernsehauftritten zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sängerinnen. Von November 2019 bis März 2020 stand sie im Legrand-Musical "Marguerite" auf der Bühne des Saarländischen Staatstheaters.

Ihre erfolgreichsten Titel sind "Komm doch mal rüber" (1976, #29), "Weißt du, wo du hingehst?" (1980, #23), "Afrika" (1983, #41) und "Über die Brücke geh'n" (1986, #45).

Ingrid Peters ist auch als Malerin aktiv und hat eine ältere Schwester, die als Linda Bergen ebenfalls einige Zeit im Musikbusiness tätig war.

Hör' mal, liebe Freundin, du brauchst wohl einen Rat
Du hast dir da was Schönes eingefangen
Das Frühstück bringt er dir ans Bett
Versprach er dir, das find' ich nett
Doch schon am ersten Tag schlief er zu lange
Ich seh's dir an, du bist geschafft
Der ganze Typ ist wirklich abgeschlafft

Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest
Sonst setzt er sich bei dir fest
Mach' dem Vogel schnellstens klar
Dass er nur ein Irrtum war
Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest
Wenn er dich lässt, gib ihm den Rest

Hör' mal, liebe Freundin, ich habe das Gefühl
Er will sich nur an deinem Busen nähern
Die Made fühlt sich wohl im Speck
Dein ganzes Geld ist auch schon weg
Du bist zu schwach, dich gegen ihn zu wehren
Was soll man tun, wenn er vergisst
Dass außer schlafen noch etwas ist

Refrain





Ingrid Peters ist durchaus eine sehr talentierte Sängerin und verfügt auch über gute Titel - dieser gehört aber nicht unbedingt zu ihren stärksten. Die Thematik im freundschaftlichen Hausfrauenmilieu befriedigt nicht wirklich - aber gut, der Typ "die liebe Freundin" anscheinend ja auch nicht. In solchen Situationen ist guter Rat teuer - und da man sich die liebe Familie bekanntlich nicht aussuchen kann, muss man zumindest beim Freundeskreis weise wählen. Ob die Freundin aber mit den ungefragten Beziehungstipps von Ingrid etwas anfangen kann? Fraglich. Gut gemeint ist - wie wir alle wissen - nicht immer gut gemacht.
Dennoch hat die gute Frau wohl nicht verdient, dass sich der Typ nur "an ihrem Busen nährt" und "wie die Made im Speck" lebt. Da braucht es schon noch ein paar fleischlichere Genüsse, wenn er schon sonst nichts zum Haushaltsgeld beiträgt und augenscheinlich auch an den Aufgaben im Haushalt wenig Erfüllung findet.
Leider sind viele Menschen in diesen Situationen äußerst beratungsresistent. Ich fürchte, dass die Freundin eher Beziehungsexpertin Ingrid - samt Pauschalratschlägen - aus der Wohnung geschmissen hat, als ihren "Kuckuck"...

Sonntag, 7. Juni 2020

# 80 - "Wassermann und Fisch" - France Gall (1970)

Habt ihr in letzter Zeit auch öfter euer Hor(r)o(r)skop gelesen? Glaubt ihr überhaupt daran? Astrologie ist ja definitiv ein spannendes Feld - der deutsche Schlager hat sich damit bereits in den frühesten 70ern auseinandergesetzt! 

NACHTRAG FÜR SAMSTAG




FRANCE GALL
A: Wassermann und Fisch (M & T: Hans Blum)
B: Kilimandscharo (M: Christian Bruhn / T: Georg Buschor)

1970, Decca, D 29 028



France Gall wurde 1947 als Isabelle Geneviève Marie Anne Gall in Paris in eine musikalische Familie geboren geboren. Ihr Vater schrieb Chansons für Charles Aznavour und Édith Piaf. Mit Unterstützung ihrer Eltern brach sie mit 15 die Schule ab und nahm erste Lieder auf.
Ihr Karrierestart im Alter von 17 Jahren war der Sieg beim Grand Prix Eurovision 1965 als Vertreterin Luxemburgs mit dem Titel "Poupée de cire, Poupée de son" von Serge Gainsbourg. 1966 verließ sie Frankreich und ging nach Deutschland, um dort bis 1972 in deutscher Sprache zu singen. France Gall äußerte sich später, dass die Zeit in Deutschland nicht die schönste in ihrem Leben war und sie mit den Schlagern, die sie singen musste, nicht sehr zufrieden war. 
France Gall wollte nicht mehr das "kleine Mädchen" sein und anspruchsvollere Musik machen. 1973 hörte sie ein Lied von Michel Berger im Radio, das sie extrem begeisterte. Wenn Berger nicht Lieder für sie geschrieben hätte, äußerte sie, hätte sie nie wieder gesungen. Die beiden wurden ein Paar, heirateten 1976 und bekamen zwei Kinder.
Ende der 80er-Jahre feierte France Gall mit "Babacar" und "Ella elle l'a" ein fulminantes Comeback. Letztere war 1988 die fünftmeistverkaufte Single in Detuschland.

Nach dem Herzinfarkttod ihres Mannes erkrankte sie 1993 an Brustkrebs. Ihr letztes Studioalbum brachte sie 1995 auf den Markt. 1997 starb ihre 19jährige Tochter Pauline an Mukoviszidose. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Sie starb im Januar 2018, nach erneut ausgebrochener Brustkrebserkrankung.

Claude Francois schrieb 1966 das Lied "For you", in dem er seine gescheiterte Beziehung mit France Gall musikalisch verarbeitete. Dieses Lied wurde später zu einem Welterfolg - als "My Way" in der Fassung von Frank Sinatra.

Ihre erfolgreichsten deutschen Titel waren "A Banda" (1967, #16), "Computer Nr. 3" (1968, #24), "Merci, Herr Marquis" (1968, #39), "Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" (1969, #14) und "Links vom Rhein, rechts vom Rhein" (1969, #32).


Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum gab es bei uns gar keine Probleme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum war bei uns die Liebe immer frisch

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und das war immer für mich das Angenehme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum war bei uns die Liebe immer frisch

Am Sonntag war'n wir im Café
Dort lagen Illustrierte rum
Wir fanden unser Horoksop
Da wurden wir ganz plötzlich stumm

Da stand es schwarz und weiß
Uns wurd' es kalt und heiß

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und wir passen überhaupt gar nicht zusammen
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und laut Horoskop fällt Liebe unter'n Tisch

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum soll ich für ihn gar nicht mehr entflammen
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Uns're Liebe aber fällt nicht unter'n Tisch

Im Horoskop da steht so oft
Mit wem man glücklich wird
Und wenn man liest und glaubt und hofft
Hat man sich oft geirrt

Was kann denn ich dafür?
Ich liebe keinen Stier

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum gibt es bei uns gar keine Probleme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum bleibt bei uns die Liebe immer frisch
Er ist Wassermann und ich bin Fisch







Leider muss ich euch jetzt beichten, dass France Gall gelogen hat! Ihr Sternzeichen ist nämlich gar nicht Fisch, sondern Waage. "Abör das isd jah überaubt nischt die Fragööö"!
Und darauf reimt sich auch nicht so schön, dass die "Liebe immer frisch ist" ...
Letztendlich hat die Illustrierte - pardon das Horoskop darin - aber glücklicherweise die Beziehung der Beiden nicht zerstört. Immerhin fühlen sich ja Wassermann und Fisch (zumindest dem Namen nach, denn Wassermann ist ja ein Luftzeichen) im Wasser wohl ... und solange die Liebe (im Café?) nicht unter'n Tisch fällt, ist ja alles gut.
Ich werde jetzt auch mal wieder einen Blick ins Horoskop werfen und bin gespannt, ob mir dargebracht wird, für welches Sternzeichen mein Herz künftig entflammen sollte ;)

Dienstag, 2. Juni 2020

# 76 - "Miss Rumpelstilzchen" - Claudia (1968)

Ach, wie gut, das niemand weiß, dass ich ... ein Faible für skurrile Songs habe? Oder assoziiert ihr diese Textzeile nicht auch eher mit einem bekannten Märchen aus der Kinderzeit? Heute schaffe ich es tatsächlich diese beiden Dinge miteinander zu verknüpfen :P




CLAUDIA
A: Das Ei des Columbus (M: Rudi Lindt = Rudi von der Dovenmühle / T: Peter Ström = Nils Nobach)
B: Miss Rumpelstilzchen (M: Ralph Siegel / T: Michael Kunze)

1968, EMI Columbia, C 23 840


Sieben Singles, in sechs Jahren bei fünf Plattenfirmen unter vier Namen (Claudia, Claudia Corda, Claudia Höfer und Claudia Sommer) - allerdings ohne großen Erfolg!
So sang sie unter anderem "Ich wein' um dich so viele heiße Tränen" (1965), "Morgen kann schon alles anders sein" (1965), "Man soll immer bei der Wahrheit bleiben" (1966), "Kein Feuer, keine Kohle" (1967), "Das hat doch alles keinen Sinn" (1971) und "Smokey" (1972).

Hinter den vielen Namen verbirgt sich Ilse Kugel, geb. Etges aus Lüdinghausen. Die Tochter entstammt einer Bergmannsfamilie und arbeitete Mitte der 60er-Jahre als Schallplattenverkäuferin in Bochum.

Die Plattenfirma schreibt auf der Rückseite des Covers ihrer letzten Single 1972:
"Sie hat eine ausdrucksvolle Altstimme, ist notensicher, verfügt über eine langjährige Bühnenerfahrung, tritt mit eigener Band 'The Believers' auf und singt ihre Lieder in drei Sprachen. (...) In der Öffentlichkeit singt Claudia Sommer seit ihrem zehnten Lebensjahr. Im Bochumer Jugendchor, dann bei einem Laientheater und schließlich mit der Band. Unzählige Veranstaltungen im Ruhrgebiet, Diskothenshows und kleinere Tourneen machten sie zur regionalen Größe."
Im Februar 1972 tritt sie im "Talentschuppen" des Südwestfunks auf, wo sie sich gegen 1.300 BewerberInnen durchsetzen konnte.

Nach Angabe ihres Schwiegersohns in einem Online-Forum trat sie bis etwa 2010 noch regelmäßig auf.

Nun aber zum märchenhaften Text:

Mein Urahn war ein Ritter
Der Rumpelstilzchen hieß
Und diesen schönen Namen 
Der Familie hinterließ

Ich weiß es klingt sehr seltsam
Doch was kann ich dafür
Fragt man mich nach dem Namen
Dann denk' ich nur bei mir

Ach wie gut das niemand weiß
Dass ich Rumpelstilzchen heiß'
Weil im Glanz der großen Welt
Nur ein großer Name zählt

Schiller, Bach und Mozart

Wer hätte sie gekannt?
Hätt' man sie alle damals

Grad so wie mich genannt

Nun will ich zum Theater

Doch leider ist mir klar
Als Fräulein Rumpelstilzchen 

Werd' ich bestimmt kein Star

Refrain

Ich habe dir meinen Kummer erzählt
Weil ich weiß, dass du mich verstehst
Ich liebe dich und auch du hast gesagt
Dass du nie mehr von mir gehst

Und nun ist alles halb so schwer
Bald sage ich nie mehr

Refrain

Ach wie gut das niemand weiß
Dass ich Rumpelstilzchen heiß
Weil der eine der mich liebt
Mir bald seinen Namen gibt






Ich fasse mich auch heute wieder etwas kürzer: Bei diesem Frühwerk von Ralph Siegel ("Sind Sie der Graf von Luxemburg?" lässt musikalisch an manchen Stellen grüßen ...) handelt es sich um ein Loblied auf die Ehe, die Frauen die großartige Möglichkeit gibt, ihren Geburtsnamen abzulegen und inkognito unter neuem Namen zu leben.
Tragisch dennoch, dass so ein ansprechender Name wie "Rumpelstilzchen" dadurch ausgestorben ist. Fraglich bleibt nur, ob sich die gute Claudia ihren Partner nach dem Nachnamen oder anderen "Qualitäten" ausgesucht hat? ;)

Donnerstag, 14. Mai 2020

# 58 - "Der Mann, das ist ein Lustobjekt" - Schneewittchen (1978)

Heute greife ich den morgigen Beitrag, weil es thematisch gerade so gut dazu passt, vorweg. Und nein, ich bin kein Feminist - ganz und gar nicht. Allerdings habe ich in meiner beruflichen Tätigkeit als Sexualpädagoge (Gott sei Dank) gelernt, über den Tellerrand zu blicken und mich kritisch mit meiner Umwelt (und beiden Geschlechtern) auseinanderzusetzen. Seht dies als kostenloses Aufmerksam-Machens meinerseits an. Am Wochenende kommt dann wieder heiterer und/oder belangloser Trash.




SCHNEEWITTCHEN
Der Mann, das ist ein Lustobjekt (M: Angi Domdey / T: Holger Güssefeld)

ausgekoppelt aus der LP "Zerschlag' deinen gläsernen Sarg"
1978, Philips

Bereits vor drei Wochen habe ich einen Beitrag über die Gruppe Schneewittchen gemacht - nähere Informationen über die Gruppierung sind dort nachzulesen.

Ich finde es allerdings äußerst spannend, dass gerade dieser Text von einem Mann stammt!

Mein Freund steht auf dem Fußballplatz
Und ich steh' in der Küche
Er nennt mich seinen liebsten Schatz
Doch das, das sind nur Sprüche

Noch nie hat er den Tisch gedeckt
Er könnt sich was verstauchen
Ja, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Ich werd' ihn heute seinen Fraßen
Alleine kochen lassen
Ich hole mir wo anders Spaß
Adieu, ihr Untertassen

Adieu, mein Kochtopf, heut fließt Sekt
Heut' gibt es Hasch zu rauchen
Ja, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Oh, das hab ich begriffen
Und wenn die Männer, das erschreckt
Wird ihnen was gepfiffen

Ab heut', da müssen alle ran
Bis sie den Geist aushauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Und wenn der Neue streicheln kann
Und schöner als der Alte
Dann bleib' ich bei dem neuen Man
Bevor ich ganz erkalte

Dann werd' ich von ihm heiß gestreichelt
Bis die Matratzen hauchen
Oh, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Wenn einer nicht mehr funktioniert
Und anfängt zu querelen
Ja, das er an meiner Lust krepiert
Ja, dann, ja meiner Sinnen


Geb' ich ihm ein paar Euroschecks
Dann kann er sich was kaufen
Ja, der Mann ist halt nur für den Sex
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann ist halt nur für den Sex

Und sonst nicht zu gebrauchen


Ja dürfen Frauen so etwas sagen!? Natürlich dürfen sie ... und jeder von euch ertappt sich wohl dabei, dass es da die eine oder andere Phrase gibt, die man sich umgekehrt vielleicht auch schon einmal gedacht hat.
Ich lasse diesen Blickwinkel jetzt einfach so auf euch wirken.

Lasst euch nicht unterkriegen und wir sehen (und hören) uns am Wochenende wieder mit etwas "leichterer Kost" ;)

Mittwoch, 6. Mai 2020

# 49 - "Wie bei Hitchcock" - Alice Blanche (1970)

Dieses Mal bin ich richtig spät dran. Verzeiht, ich war den ganzen Tag in Verzug und das hat sich dann bis zum Schluss durchgezogen.
Und dann musste ich auch noch einen Film anschauen ... naja. Der gestrigheutige Titel passt zumindest thematisch!




ALICE BLANCHE
A: Wie bei Hitchcock (M & T: Drafi Deutscher & Hans-Georg Moslener)
B: Casanova und Don Juan (M: Martin Böttcher / T: Michael Kunze)

1970, Decca, D 29 066

Viel ist über Alice Blanche nicht bekannt. Sie wurde 1950 geboren (unbestätigten Quellen zufolge als Aliza Weiss) und lebte damals in Zürich, wo sie unter anderem auch Schauspielunterricht nahm. Insgesamt veröffentlichte sie drei Singles. Der große Erfolg blieb aus.

Ihr größtes Markenzeichen war aber der etwas eigenwillig gestaltete Lidstrich. Was genau sie damit ausdrücken wollte, ist nicht überliefert. Möglicherweise hätte ihr aber eine Brille dabei geholfen, dass es etwas gleichmäßiger ausgesehen hätte? Vielleicht hat sie sich auch aus dem Showbiz zurückgezogen, weil sie ihren starken Kajal-Verbrauch nur mithilfe eines bürgerlichen Berufes decken konnte? Auch Schönheitsflecke dürfen nicht unter den Tisch gekehrt werden.



Das heutige Lied, dass ich heute vorstelle, ist aber einem besonderen Filmschaffenden gewidmet: nämlich Alfred Hitchcock. Auch wenn der nur eine periphere Rolle in dem Song übernimmt. Seine bekanntesten Filme waren "Vertigo" (1958), "Psycho" (1960), "Die Vögel" (1963) und "Marnie" (1964). Welcher Film genau, Drafi Deutscher und Hans-Georg Moslener zum Schreiben dieses Liedes angeregt hat, wissen wir nicht.

Wie bei Hitchcock, wie bei Hitchcock
Krieg' ich eine Gänsehaut
Wenn mir Peter, ja, mein Peter
Tief in meine Augen schaut

--> Na, das spricht ja nicht gerade für den Augenaufschlag von dem guten Peter. Gut, dass er keine Brille trägt. Dem hätte wohl nicht mal Daffi Cramer in die Pupille schauen wollen, wenn man davon eine Gänsehaut bekommt!

Doch bei Hitchcock, ja bei Hitchcock
Gibt es nie ein Happy End
Weil er nur das Gruseln lehrt
Und nie die Liebe kennt

--> Meine letzten intensiveren zwischenmenschlichen Annäherungsversuche liegen bereis fast zwei Monate zurück, aber heißt es, dass das oben beschriebene Verhalten (Gänsehaut und Co.) für die gute Alice eine Form von Liebe ist? Da hätte der liebe Herr Hitchcock schon auch mal einen Schmuseschinken drehen können ... (bei "Die Vögel" hätten es ja durchaus auch weiße Tauben sein können ... zis ... schon damals gabs wohl kaum noch echte Romantiker!)

Psychothriller, Nervenkiller
Schüsse hinter eine Wand
Große Spannung bis zum Ende
Hitchock ist dafür bekannt

Doch viel schneller als bei Hitchcock
Schlägt mein Herz, wenn Peter kommt
Großalarm, wenn er mich küsst
Und zärtlich zu mir ist

--> Ich will gar nicht wissen, auf welches "kommen" hier Bezug genommen wird. Also das Kommen nach der Arbeit kann es ja nicht sein, wenn Alice gleich Großalarm schlägt (außer sie liegt noch mit dem Gärtner heimlich in den Thujen ...). Ah ok, küssen und zärtlich sein ist ok, aber in die Augen schauen ... das geht wirklich zu weit! Sie ist eine anständige Frau!

Refrain

Schwarze Särge, weiße Tücher
Ladies steh'n im Trauerkleid
Zähne klappern, großes Zittern
Das nennt Hitchcock Zeitvertreib

Doch der allergrößte Schocker
Ist der Peter ganz allein
Denn er kann für mich
Noch viel geheimnisvoller sein

--> Peter, dieser hinterlistige Schocker, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Selbst Gitte wusste bereits drei Jahre vorher: "Später Peter wird alles anders"! Hätte sie doch Alice gewarnt. Dann hätten sich andere Sängerinnen nicht mit ihm abmühen müssen, denn die Erkenntnis "Peter ist der Größte" (Su Miriam, 1976) hatte zur Folge, dass er sich aus dem Staub machen musste: "Peter, dein Zug geht in fünf Minuten" (Daffi Cramer, 1974) und Vicky Leandros ergänzte: "Ja, ja, der Peter, der ist schlau" (1975) - denn selbst Yoko Ono wusste bereits: "Peter the Dealer"!

Refrain




Wenn ihr euch jetzt noch einen gruseligen Film anschauen wollt, dann macht lieber an den heiklen Stellen die Augen zu. Eure/n Partner/in solltet ihr aber doch vielleicht (zumindest) zwischendurch ansehen, damit die wenigstens mitkriegen, dass ihr noch lebt!

Für dieses Lied vergebe ich fünf Augen-Nasen-Mund-Schutzmasken und hoffe, dass ihr vor gruseligen Alpträumen verschont bleibt! Im Zweifel lasst einfach dieses Lied in der Endlosschleife laufen, das verschreckt sicher Geister jeglicher Art ;)