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Mittwoch, 1. Juli 2020

# 101 - "Der Fehler lag bei mir" - Bärbel Wachholz (1967)

Ich hoffe ihr seid mir nicht böse. Aber die 100 Beiträge haben in den letzten Wochen und Monaten doch einiges an zeitlichen Ressourcen gekostet. In diesem Sinne muss ich gestehen, war ein (fast) musikfreies Wochenende doch ganz angenehm für mich. Gestern packte mich dann aber wieder die Sehnsucht auf ein Stückchen Musikunterhaltung und heute Vormittag bereits ein schlechtes Gewissen, dass sich bis jetzt gezogen hat. Eines kann ich euch aber versprechen: Der Fehler lag bei mir.



BÄRBEL WACHHOLZ
A: Der Fehler lag bei mir (M: Jürgen Hermann / T: Siegfried Osten)
B: Das ist vorbei (M: Gerd Natschinski / T: Jürgen Degenhardt)

1967/02, AMIGA, 4 50 600


Den Text des heutigen Titels lieferte der 1925 in Chemnitz geborene Siegfried Osten (bürgerlich Siegfried Ostmeier). Er zeichnete beispielsweise für Titel a la "Das gibt mit Mutti Krach" (Die Peheiros, 1959), "Die Vera aus Veracruz" (Steffen Reuter, 1962), "Ausgerechnet ein Ehemann" (Rica Déus, 1963), "Heute Nacht wird durchgemacht" (Ingo Graf, 1965), "Und der Hans schleicht umher" (Tina Brix, 1966) oder "Hully-Gully am Strand" (Rosemarie Ambé, 1966) verantwortlich.

Die gelernte Fotografin Bärbel Wachholz, die 1938 in Angermünde geboren wurde, nahm privat Gesangsunterricht und trat als Sängerin eines Tanzorchesters auf. Erste Rundfunkaufnahmen 1957 führten zu kleineren Erfolgen, weshalb sie nach Ost-Berlin zog. Bärbel Wachholz veröffentlichte 40 Singles und zwei Alben. Neben zahllosen Fernsehauftritten ging sie von 1962 bis 1969 auch mit zwei eigenen Bühnenshows auf Tournee. 1962 gewann sie mit dem Titel "Das kann ich niemals vergessen" das Internationale Schlagerfestival der Ostseeländer.
Ab 1970 litt Wachholz an Diabetes mellitus, hatte schwere Probleme mit Leber und Bauchspeicheldrüse und musste zweimal operiert werden. Zudem wurde in dieser Zeit ihr Sohn Tobias geboren, weshalb sie sich aus dem Musikgeschäft zurückzog. 1973 startete sie ein Comeback. Ihren letzten Fernsehauftritt hatte sie - bereits von Krankheit und Alkohol gezeichnet - Anfang 1984. Da sie sich ihr Insulin nicht mehr gespritzt hatte, starb sie im November 1984.
Ihr größter Hit war "Damals" (1959). Weitere Titel: "Weil ich jung bin" (1959), "Weil er ein Seemann war" (1960), "Treu sein" (1961), "Cape Town Boy" (1962) und "Mama" (1965 - wurde später für Heintje ein Hit im Westen!).


Immer muss es regnen
Wenn wir uns begegnen
Das kann schon nicht mehr Zufall sein
Er war einmal mein Sonnenschein

Der Fehler lag bei mir
Lag ganz allein bei mir
So gern möcht' ich ihm eingesteh'n
Alles, alles hab' ich eingeseh'n

Der Fehler lag bei mir
Lag ganz allein bei mir
Ich weiß schon nicht mehr wie das ist
Wenn man verliebt und zärtlich küsst
Doch er kann nichts dafür
Der Fehler lag bei mir

Nie grüßt er mich wieder
Schlägt die Augen nieder
Er hat bis heut' mir nicht verzieh'n
Und tut als wär' ich Luft für ihn

Refrain



Nun denn, jetzt wissen wir also wer eigentlich am Klimawandel schuld ist: unzuverlässige Frauen! Genauer: Bärbel! 
Da will sich ihr herzensguter Lebensabschnittsgefährte nichts Böses ahnend mit ihr treffen und schwupps: Regen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern IMMER! Und wer ist schuld? BÄRBEL! - Befinden sich die beiden vielleicht zufällig in England? Dann hätten wir einen möglichen Grund. Woher kommt Bärbel noch mal? Ach ja ... DDR! Gut ... dann ist das mit Ausreisen ja eher schwierig. Liegt also doch an Bärbel. Und die Gute gibt auch alles reumütig zu. Hat wohl bei Frau Holle zu stark die Blumen gegossen. Macht sie nie wieder, hat sie versprochen - inklusive großem Indianerehrenwort!
Was sagt Mr. Right dazu? ... Ahja ... nichts. Warum auch. Er kann ja nichts dafür. Und Bärbel bleibt weiter ungeküsst und leidet bereits an Alzheimer-Love ("Ich weiß schon nicht mehr wie das ist, wenn man verliebt und zärtlich küsst"). Ihren Angaben zufolge kann er dafür auch nichts. Ähem ... ja ... also ... irgendwie schon. Schließlich hat ja er sie sonst geküsst ...
Und was macht er jetzt? Er hat scheinbar auf Ökostrom umgestellt, denn sie ist nur noch "Luft" für ihn. Schade. Bärbel, vielleicht schickst du ihm demnächst ein paar Blitze vorbei. Damit der blöde Typ checkt, dass es vielleicht doch auch (zumindest ein bisschen) an ihm lag, dass eure Beziehung gescheitert ist. Vielleicht war ja eher der Typ ein Fehler. Dann, ja, aber nur dann, lag der Fehler bei dir, dass du auf ihn hereingefallen bist ;)


Hier habe ich noch eine interessante Doku (mit vielen Fernsehausschnitten) über das bewegte Leben von Bärbel Wachholz gefunden.



Ob Fehler oder nicht kann und darf nun jeder selbst entscheiden. Genauso, ob es ein Fehler ist, dass kaum noch Leute mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen. "Die helfen eh nix!" ... Tja, wenn sie nix helfen, dann schaden sie auch nix, wenn ich sie weiterhin zum Einkaufen verwende. Abstand hält nämlich kaum noch jemand ein. Und wenn ich mit dieser Maske herumlaufe, lag der Fehler zumindest nicht bei mir ... vermutlich!

Samstag, 13. Juni 2020

# 87 - "Bis es wieder kribbelt" - Kerstin Rodger (1983)

Nach den letzten (internationalen) Songs reisen wir wieder einmal in die DDR ...




KERSTIN RODGER
Bis es wieder kribbelt (M: Arndt Bause / T: Dieter Schneider)

1984, Amiga, LP "Ich träum von ihr - Schlagererfolge aus 'bong'"

Dieter Schneider (* 1937) gehörte zu den erfolgreichsten Textern der DDR. Aus seiner Feder stammen Titel wie "Heute tanzen alle jungen Leute" (Helga Brauer, 1958), "Zwei Küsse beim Nachhausegehen" (Ina Martell, 1965), "Lieb' mich so, wie dein Herz es will" (Chris Doerk & Frank Schöbel, 1967), "Komm zurück aus Wolkenkuckucksheim" (Britt Kersten, 1969), "Das kann nur Liebe sein" (Aurora Lacasa & Thomas Lück, 1972), "Ich geh' vom Nordpol zum Südpol" (Frank Schöbel, 1973), "Morgenrot - Abendrot" (Andreas Holm, 1974), "Die Liebe ist ein Haus" (Regina Thoss, 1975) oder "Kleiner Vogel" (1978).
Komponist Arndt Bause (1936-2003) war übrigens der Vater der deutschen Moderatorin Inka Bause.

Kerstin Rodger wurde 1962 in Teltow geboren und lernte nach der Schule den Beruf der EDV-Facharbeiterin. Sie erhielt klassischen Gesangs-, Ballett-, Stepp-, Sprech- und Schauspielunterricht. Mit "Bis es wieder kribbelt" wurde sie 1983 in der DDR-Fernsehsendung "Sprungbrett" vorgestellt. In diesem Zeitraum wurde sie auch zweimal mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Nach der Geburt ihres Sohnes (1985) und dessen Behinderung, musste sie ihr bisherigen Leben komplett umkrempeln. Ihre Auftritte waren fortan eine Kombination aus Gesang, Tanz und Gebärdensprache. 1998 gründete sie eine eigene Musikproduktion. Sie veröffentlichte die CDs "Träume ändern ihr Gesicht" und "Liebe auf den zweiten Blick", für die sie selbst Texte beisteuerte.


Nie mehr so fühlen
Nie mehr so spielen
Nie wieder, nie wieder still sein und schwach

Nie mehr so träumen
Nie mehr so weinen
Nie wieder, nie wieder gebe ich nach
So sehr nach

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder prickelt
Bis mich wieder endlich einer um den Finger wickelt

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabbelt
Bis man wieder wie ein Fisch an einer Angel zappelt

Bis es wieder kribbelt
Wieder mal so kribbelt
Bis man wieder stundenlang vom Schrank zum Spiegel tippelt

Bis es wieder kribbelt
Bis man wieder möchte
Bis man wieder brennt und seinen Vorsatz nicht mehr kennt

Oh no, no, no
Bloß nicht noch einmal so
Einmal und nie wieder
Nicht nochmal so'n Risiko

Nein, nein
Ich steig' nicht mehr drauf ein
Ich kann mich beherrschen
Das soll mir 'ne Lehre sein

Refrain

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabbelt
Bis man wieder wie ein Fisch an einer Angel zappelt

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabellt
Bis es wieder funkt und darum Schluss und Aus und Punkt





Das ist mal ein ganz anderer Text, in dem es ums Verliebtsein geht. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln hat Kerstin die rosarote Brille abgelegt und die Schmetterlinge im Bauch hängen ihr zum Hals raus. Denn natürlich ist es nicht immer "nur" schön, verliebt zu sein. Vor allem, wenn man gerade nicht verliebt sein möchte ... und da kann das ewige Kribbeln, Krabbeln und Prickeln schon ganz schön lästig im Alltag sein - vor allem, wenn man es gerade nicht möchte oder negative Erfahrungen gemacht hat (wenn es sich beispielsweise bereits zum einen Dauerzustand handelt).
Spürt man ständiges Kribbeln, das sich anfühlt, als würden Ameisen auf einem krabbeln und laufen, wäre das (im schlimmsten Fall) ein Indiz für MS - es gibt aber auch noch ungefähr 742 andere Gründe (starke Belastungen oder Stress z. B.), also in diesem Fall würde ich empfehlen, weder Kerstin Rodger noch Dr. Google zurate zu ziehen.

Freitag, 5. Juni 2020

# 77 - "Dieses Jahr" - Gerd-Michaelis-Chor (1974)

Hallo ihr Lieben!
Danke für die lieben Nachrichten und Nachfragen! Alles ist gut. Kein Corona, keine Panik, keine (großen) Sorgen. Allerdings hat die sehr extreme Entschleunigung - in Bezug auf mein berufliches Wirken - als Selbstständiger und Kunstschaffender von 100 auf 0 jetzt nicht wieder auf 3, 17 oder 24 hochgeschalten, sondern in den letzten drei Tagen wieder fast auf 100 ... auf einmal zahlreiche Mails, Terminanfragen von verschiedenen Seiten, die allesamt natürlich auch innerhalb kürzester Zeit beantwortet, überlegt und idealerweise bestätigt werden sollen. Und so spüre ich, dass mich langsam wieder ein längst vergessenes Gefühl von Stress umgibt und ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. 
Auf der anderen Seite muss man wieder die Komfortzone verlassen und ... ach ja ... da sind sie auch wieder, die lieben kleinen Existenzängste, die in den letzten Wochen und Monaten immer lauter geworden sind. Kombiniert mit der Vernunft schreien sie nun laut auf und fordern, alles anzunehmen, um Teile der Verluste wieder aufzuholen ... als "Notpolsterl" für eine etwaige zweite Welle ...

Basierend auf diesen Erlebnissen und Gedanken eignet sich folgendes Lied gerade zu exorbitant gut, um die gegenwärtige Situation zu beschreiben.

NACHTRAG für MITTWOCH!



GERD-MICHAELIS-CHOR
A: Dieses Jahr (M: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein)
B: Eine Rose für den Tag (M: Rainer Bloß / T: Wolfgang Brandenstein)

1974, Amiga, 4 56 021


Infos zu der Gruppe und ihren Mitgliedern findet ihr in Post #59, da hatte ich die Gruppe bereits mit einem anderen Titel vorgestellt.


Die Zeit ist immer sehr in Eile
Wir kennen keine Langeweile
Aber nein – Aber nein – Aber nein – Aber nein

Wann werden alle die gelingen
Uns immer neue Pläne bringen
Das muss sein – Das muss sein – Das muss sein

Das Land soll weiter blüh’n
Es soll Gedanken sprüh’n
Wir woll’n uns sehr bemüh’n
Das ist klar

Es kommt der Tag heran
Der uns beweisen kann
Es ging ganz schön voran
Das ist wahr

Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist ein ganz besond’res Jahr
Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist für alle – für uns alle
Ist für alle – für uns alle
Ein besonders eindrucksvolles Jahr

Ein Lied kann auch in diesen Tagen
Nicht alles was wir fühlen sagen
Aber nein – Aber nein – Aber nein

Doch wichtig ist vor allen Dingen
Dass wir es miteinander singen
Das muss sein – Das muss sein

Refain

Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist ein ganz besond’res Jahr
Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist für alle – für uns alle
Ist für alle – für uns alle
Ein besonders eindrucksvolles Jahr






Ich glaube, dass ist tatsächlich die Message unseres aktuellen Lebens: "Dieses Jahr ist ist ein ganz besond'res Jahr" ... ob es jetzt besonders scheiße, besonders toll, besonders eindrucksvoll, besonders existenzgefährdend oder besonders ... besonders ist, muss jeder für sich entscheiden. Irgendwie geht es ja faszinierender Weise immer weiter ... und das bereits seit abertausenden von Jahren ...

Ich hoffe ihr bleibt mir weiterhin treu, auch wenn ich euch ein bisschen vernachlässigt habe!

Donnerstag, 21. Mai 2020

# 64 - "Urlaub auf dem Meeresgrund" - Tina (1983)

Taktgefühl ist manchmal im Leben wichtig. Vor allem wenn man mit einer anderen Person verreisen möchte. Da stehen - nicht nur im wohlverdienten Urlaub - Kompromisse an der Tagesordnung. Ein etwas exklusiveres Reiseziel für the day after Corona präsentiere ich euch heute:




TINA
A: Taktgefühl (M: Harry Jeske / T: Claire Din)
B: Urlaub auf dem Meeresgrund (M: Harry Jeske / T: Claire Din)

1983, AMIGA, 4 56 536


Tina Daute wurde in Karl-Mark-Stadt (heute Chemnitz), in der damaligen DDR geboren. Sie besuchte dort die Bezirksmusikschule und lernte Blockflöte, Klarinette, Klavier und Saxophon. Später studierte sie am Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau und der Musikhochschule "Carl Maria von Weber" in Dresden Gesang, Klarinette und Saxophon. Während dieser Zeit war sie auch Sängerin und Saxophonistin in der Rockband "Dialog".
Harry Jeske von den Puhdys komponierte für sie, von denen "Urlaub auf dem Meeresgrund" 1983 ein Hit wurde und mehrfach in der Fernsehsendung "bong" auf die höchste Stufe gewählt wurde. Weitere Titel von ihr waren "Sonnenschein im Blut", "Samba durch alle Straßen" (als Duo "Traumboot") oder "Grande Emotione".
Ende der 80er-Jahre hatte sie eine eigene Fernsehshow. Nach der Wende arbeitete sie als Rundfunkmoderatorin beim MDR und einem Berliner Radiosender. Zuletzt hatte sie 1998 noch ein CD veröffentlicht und war als Künstlerin (Malerin) tätig.

(Alle pubertären LeserInnen dieses Blogs: ja, mir ist auch bereits aufgefallen, dass Tina Daute am Singlecover ein wenig Ähnlichkeit - optisch - mit GNTM-Finalistin Lijana aufweist.)

Heute Morgen bin ich auf dem Wasserbett erwacht
Aus einem tiefen Traum
Eine Reise hab' ich leise durch das Meer gemacht
Hör' die Stimmen kaum


In der Tiefe sah ich Sterne, die lebendig war'n
Tausend Wünsche hatt' ich frei
Vieles habe ich von Käpt'n Nemo erfahr'n
Spannung war dabei

Liebesleben ewig frisch
Schwimmen wie ein Tintenfisch

Neptuns Küsse sehr gesund
Urlaub auf dem Meeresgrund

Sieben Meilen ohne Eilen durch die tiefe See
Mit der Nautilus
Korallen, alte Schiffe und zum Frühstück Algentee
Von Delphinen mancher Gruß
Abenteuer, Ungeheuer, Steine schön und glatt
Muscheln sprangen auf
Und am Abend sah ich die versunkene Stadt
Wieder treibt es mich zum Licht hinauf

Refrain





Der Zusammenschnitt dieses Musikvideos beweist, dass "flippige" Outfits und Synth-Pop auch - gerade noch rechtzeitig ;) - in der DDR angekommen sind!

Ich bin übrigens äußerst fasziniert, dass das "Wasserbett" in der DDR nicht der Zensur zum Opfer gefallen ist - das gab es im "Konsum" sicher nicht zu kaufen ;) Vielleicht haben sie das aber auch für etwas ganz anderes gehalten.

"Liebesleben ewig frisch
Schwimmen wie ein Tintenfisch


Neptuns Küsse sehr gesund
Urlaub auf dem Meeresgrund"



Das ist doch wirklich wahre Poesie. Auch ich würde manchmal gerne meine sieben Tentakel einpacken und fröhlich durchs Meer planschen. Dass die Liebe frisch hält, beweisen nicht nur praktische unzerstörbare Tupperdosen, sondern auch die - gesund machenden - Küsse von Neptun. Ob das Käpt'n Nemo gefällt, der ihr schon "Vieles" verraten hat, lässt sich nicht sagen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich persönlich - als gesundheitsfördernde Maßnahme - aber wohl eher für Arielle entscheiden. Aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden ;)

Wer jetzt drauf warten möchte, wann wieder mal ein Delphin eine WhatsApp-Nachricht schreibt, den Fahrplan der Nautilus checken möchte oder wissen will, wo die nächste Muschel aufspringt, ja, der kann sich ja schon mal mit einem herrlichen Algentee an die Bar einen Tisch im Gastro-Bereich des All-Inclusive-Unterwasserhotels mit ausreichend Sicherheitsabstand und maximal drei weiteren Personen setzen und herausfinden, ob man dort - zusätzlich zum MNS - auch eine Taucherbrille tragen muss! ;)

Bleibt alle schön frisch! :)

Samstag, 16. Mai 2020

# 59 - "Isabell" - Gerd-Michaelis-Chor (1974)

Um euch nach der ganzen Ernsthaftigkeit der letzten Tage wieder ein bisschen unbeschwerte Fröhlichkeit zu bieten, habe ich heute einen meiner liebsten Gute-Laune-Songs ausgegraben! Viel Spaß!




GERD MICHAELIS CHOR
A: Isabell (M: Gerd Michaelis / T: Wolfgang Brandenstein) Solo: Hartmut "Muck" Schulze-Gerlach
B: Der romantische Mond (M: Hartmut Schulze-Gerlach / T: Wolfgang Brandenstein) - Solo: Werner Düwelt & Hartmut "Muck" Schulze-Gerlach

1974, AMIGA, 4 55 992



Der Gerd-Michaelis-Chor wurde 1967 als Teil des Wolfgang-Brandenstein-Ensembles gegründet und war ein achtköpfiges Vokalensemble aus der DDR, das nicht nur mit Schlagern, sondern auch mit politischen Liedern erfolgreich wurde. Mehrere SängerInnen starteten später erfolgreiche Solokarrieren (u. a. Jan Gregor und Gerti Möller). Der Chor wirkte - neben seiner regen Konzerttätigkeit sowie eigenen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen - bei zahlreichen musikalischen Aufnahmen in der DDR mit.
"Isabell" war 1973 der erste Hit des Chores. Nach dem plötzlichen Tod von Sängerin Beate Barwandt (1950-1975) stürzte Gerd Michaelis in eine Krise und gab die Leitung des Chores an Vlady Slezák weiter, der ihn ab 1976 als "Cantus-Chor" weiterführte.

1974 bestand der Chor aus Renate Baptist, Beate Barwandt, Werner Düwelt, Ingeborg-Jette Lehmann, Benno Penssler, Hartmut Schulze-Gerlach, Eva Maria Slezák und Vlady Slezák.


Hartmut Schulze-Gerlach wurde 1948 in Dresden geboren und ist gelernter Betonbauer. Ab 1973 Mitglied im Gerd-Michaelis-Chor prägte er die Songs mit seiner markanten Stimme. Seinen Künstlernamen "Muck" - ein Relikt aus Kindertagen, weil er seinen Namen nicht aussprechen konnte - gabs obendrauf. Nachdem er den Chor 1976 verlassen hat, begann er seine Solokarriere. Erfolgreiche Titel von ihm waren "He, kleine Linda", "Chin-Chin-Julia" und "Wandern wir mal". Als Komponist arbeitete er für zahlreiche DDR-Künstler.

1981 startete er in der Show "Sprungbrett", in der er jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten gab, seine zweite Karriere als Fernsehmoderator. Von 1995 bis 2018 moderierte er beim MDR die Oldieshow "Damals war's". Er lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern auf einem ehemaligen Bauernhof auf der Insel Rügen.

Nun aber zum Song!

Isabell, Isabell
Komm, setz' dich auf mein Bärenfell
Ich hab' dich gern in meiner Näh'
Isabell, Isabell
Für dich nur liegt das Bärenfall
Auf meinem alten Kanapee

--> Ich sag's gleich vorweg: Das Bärenfell ist natürlich nicht echt. Und ja, es mussten auch keine unschuldigen Teddybären, die Muck Isabells Vorgängerinnen geschenkt hat, dafür sterben. Und auch alle Vegetarier und Veganer können unbesorgt sein: In diesem Fall sind natürlich nicht die kleinen Appetithäppchen (Canapés) gemeint, sondern ein Sofa bzw. eher eine Art Diwan, wo man es sich zu zweit ganz besonders gemütlich machen kann (mit und ohne Fake-Bärenfell).

Gibt der kleine Muck 
Sich einen Ruck
Dann geht er ran
Ist die Wirtin weg
Dann wird er keck
Und das kommt an

Unser Muck ist ein Filou
Und dein Herz fischt er im Nu
Und auch mehr eventuell
Aber nur bei Isabell

--> Na holla die Waldfee! Der kleine Muck geht aber ganz schön ab. So wie diese Geschichte klingt, ist der gute Mann kein Kostverächter und Isabell sicher nicht die erste Wahl ... In einem alten Fernsehbericht habe ich gehört, dass die letzte Refrainzeile ursprünglich "Aber nie bei Isabell" ... das ging natürlich für die strengen Zensoren nicht und so musste die Zeile adaptiert werden.

Isabell, Isabell
Findest du es nicht auch zu hell?
Ein bisschen Stimmung muss schon sein
Isabell, Isabell
Du bist auf meinem Bärenfell
Nochmal so schön im Kerzenschein

--> Ja klar. Um herauszufinden, ob Isabells Unterwäsche auch farblich zur Bettwäsche passt, einfach mal die Sicherungen rausgedreht, damit man sich noch besser am Bärenfell rekeln kann ... Kamin hat er aber scheinbar keinen. DAS hätte definitiv mehr Eindruck geschunden, als so ein paar lahme Kerzen. Vielleicht gabs wenigstens Räucherstäbchen (hoffentlich ohne Patschuli ... wuaaaha !)...

Refrain

Isabell, Isabell
Warum willst du denn gar so schnell
Hals über Kopf nach Hause geh'n?
Isabell, Isabell
Ich sitz' auf meinem Bärenfell
Und kann die Welt nicht mehr versteh'n

--> Tja, da ging der Muck, unser feuchtfröhlicher Filou, wohl etwas zu forsch ran und hat die gute, treuselige und keusche Isabell wohl etwas mit seiner Keckheit überfordert. Und bekam wohl auf seine Anfrage im Nu nicht nur einen Ruck, sondern auch einen Korb. Ans "Kommen" war dann wohl nicht mehr zu denken ...
Aber so ein Bärenfell kann ja auch ganz kuschelig sein ... in einsamen Nächten!

Oh Isabell, Isabell
Denk' auch mal an mein Bärenfell
Und lass dich bald mal wiederseh'n
Oh lass dich bald mal wiederseh'n
Yeah Isabell ...




Wenn euch dieser Song gefallen hat, dann sucht doch mal nach einem YouTube-Tutorial für Fake-Bären-Felle, näht es nach und macht es euch - mit einer Packung Gummibären (Marke nach Wahl) - darauf bequem. Sollte jemand von euch Isabell heißen, dann tut es mir leid, dass ich hiermit die Büchse der Pandora geöffnet habe und du wohl zeitlebens mit diesem Lied zurechtkommen musste.
Solltet ihr einmal in die Situation kommen, dass euch jemand - neben seiner Briefmarkensammlung - auch ein Bärenfell zeigen möchte, dann könnt ihr sicher sein, dass er auch körperlich starkes Interesse an euch verspürt. Beruht dies auf Gegenseitigkeit, wünsche ich euch viel Spaß mit Canapés am Kanapee. Ist dies allerdings nicht der Fall, dann packt präventiv am besten eine Bärenfalle an ;) 

Dienstag, 12. Mai 2020

# 54 - "Dran und drauf" - Paseremos (1969)

Gestern hat mich tatsächlich die Nacht - oder vielmehr der Schlaf - so überrumpelt, dass ich dann keinen zweiten Eintrag mehr geschafft habe. Das hole ich hiermit nach und mache mich dann sogleich an den heutigen!



PASEREMOS
Dran und drauf (M & T: Bernd Rump)

1969, Compilation-Album "Junge Leute, junge Lieder", ETERNA (DDR)

Bei den Pasaremos handelte es sich um eine (politische) Gesangsgruppe, deren Mitglieder, soweit ich das eruieren konnte, Studierende der TU Dresden waren. Die Gruppe formierte sich 1967 und löste sich vermutlich Anfang der 70er-Jahre auf.
Mitglieder waren u. a. Barbara, Bernd Rump (* 1947), Birgit, Dagmar, Helmut, Heiner, Sabine und Stefan. Die Gruppe war teil der DDR-Singbewegung und ist mit einigen Titeln auf verschiedenen Alben vertreten. 


Der Name der Gruppe geht auf eine Brigade im spanischen Bürgerkrieg zurück.
Der vorliegende Titel wurde dann - mit abgewandeltem Text - auch von der FDJ genutzt.

Dran und drauf
Drauf und dran
Kommt wir fangen mit der Arbeit an

Mann und Frau
Frau und Mann
Kommt wir fangen mit der Arbeit an

Immer mehr muss jeder wissen

Wer es schaffen will, studiert
Um die Vielfalt zu erfassen
Wird die Uni reformiert

Refrain

Morgen gilt es zu beherrschen
Elektronik, Energie
Und die große Produktivkraft
Wissenschaft und Industrie

Refrain


Auch Chemie wird großgeschrieben
Und beim Studium bedacht
Weil sie reich und uns're Mädchen
Immer attraktiver macht

Überall wohin wir schauen
Neue Häuser und viel Licht
Jede Stelle noch zum Bauen
Doch man selber baut sich nicht

Refrain




Das Lied (und vor allem das Video) geben einen Einblick in das Studentenleben der DDR in den späten 60er-Jahren. Im Gegensatz zu Westdeutschland war es in der DDR ja ein großes Ziel, dass auch Frauen Berufe ausüben und die Universität besuchen (sofern sie loyal zum Staat waren ... sonst sah das Ganze schnell anders aus).
Das Ganze hat natürlich 50 Jahre später einen seltsamen und auch lustigen Beigeschmack.

Mein persönlicher Favorit ist definitiv die vorletzte Strophe:
Auch Chemie wird großgeschrieben
Und beim Studium bedacht
Weil sie reich und uns're Mädchen
Immer attraktiver macht


So schön wurde die chemische Verschönerung von Frauen auch noch nie besungen ;) Eine Ode an die künstliche Optimierung! So ... und jetzt fang ich mit der Arbeit an!

Freitag, 24. April 2020

# 37 - "Hatschi-Waldera" - Nina Hagen (1975)

Heute machen wir eine weite Reise, in ein Land vor unserer Zeit (nein, nicht Disney Land!). Ein Land, das heute nicht mehr existiert (nein, nicht Fantasialand) - wir gehen heute in die ehemalige Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR. Unglaublich, dass es diesen Staat knapp 30 Jahre gegeben hat. Ein gutes (und zweifelhaftes) Beispiel dafür, dass es keine installierte App am Smarpthone bedarf, um seine BewohnerInnen zu überwachen.




NINA HAGEN
A: Hatschi-Waldera (M: Ulrich Gumpert / T: Nina Hagen)
B: Wir tanzen Tango (M: Wolfgang Wallroth / T: Werner Mangalin) 

1975, AMIGA, 4 56 158

Brav und süß tönt die junge Catharina "Nina" Hagen damals bei ihrer dritten und vorletzten Single in der DDR. Ein Jahr zuvor gelang ihr mit ihrem Schallplattendebut "Du hast den Farbfilm vergessen" ein Riesenerfolg. 
Ihre Mutter, die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, lebte mit dem Dissient Wolf Biermann zusammen, weshalb auch Nina als "politisch unzuverlässig" galt, was ihr die Aufnahme an der Schauspielschule verwehrte.
Die 1955 geborene Hagen absolvierte eine einjährige Gesangsausbildung und durfte sich  fortan "staatlich geprüfte Schlagersängerin" nennen.
Nach ihrer 1976 erschienen Single "Ich bin da gar nicht pingelig" und "Honigmann" brachte sie eine Solidaritätsbekundung für den 1976 ausgebürgerten Sänger Wolf Biermann ins Abseits, weshalb sie die Chance nutzte und am 28. Dezember des gleichen Jahres offiziell "rübermachte", also in den Westen emigrierte.
Von da an ging es rasant weiter. Im Westen wurde sie schnell bekannt und veröffentlichte zahlreiche Songs. Sie wird heute gerne als "Godmother of Punk" bezeichnet und gilt als großer Einfluss auf die deutsche "New Wave"-Szene.

Nina Hagens "Schlager" waren ein Mittel zum Zweck. Die Lieder, die sie Ende der 70er-Jahre in Westdeutschland machte, wären in der DDR undenkbar gewesen. Hier musste die Systemkritik etwas harmloser und versteckter ablaufen. Schließlich mussten auch Schlagertexte vor Veröffentlichung von der Zensur geprüft werden.

Ich bin erkältet, ich habe einen Schnupfen
Und ich kann nicht im Sonnenschein rumhupfen
Ich steh' am Fenster und schau' in unser'n Garten
Hinaus, denn da stehst du und winkst mir zu

Hatschi-Waldera
Du bist so süß, hutziputzi
Hatschi-Waldera
Ich hab' dich lieb

Hatschi-Waldera
Und wenn ich wieder gesund bin
Dann küss' ich, dann küss' ich
Dann küss' ich eintausendmal

Du bringst mir Blumen und Ostereierdragees
Weil ich die am liebsten von unser'n Bonbons ess
Noch eine Woche, dann komm ich wieder raus
Und kann mit dir zusammen sein, so wie vorher

Refrain



Das Video zeigt Nina bei einem Auftritt in einer osteuropäischen TV-Sendung. Anmoderiert wird sie von Karel Gott. Kennt man Nina Hagens schrilles und extrovertiertes Auftreten, dann kann man kaum glauben, dass sie und diese 21jährige Frau mit Häkelponcho und bravem Bubikopf ein und dieselbe Person sind.

Ist das nicht herrlich? Eine derart verschnupfte Liebesbekundung? Ich meine gut, heute ist das nicht mehr möglich. Da würde ein Niesen ohne Handvorhalten oder ohne Schutzmaske wohl bereits als erschwerte Körperverletzung oder zumindest als Scheidungsgrund gelten.
Dieser Titel, der sich in Machart und Arrangement ein bisschen dem 30er-Jahre-Comedian-Harmonists-Stil annähert, hat auf jeden Fall sehr viel Charme und wird putzigst vorgetragen. Besonders schön finde ich ja die "Nies-Koloraturen" ab Minute 2:25.

Da kann ich nur sagen fünf Vorratspackungen Taschentücher mit Menthol gibts als Wertung von mir für diesen intensiven Liebessong!

Habt einen schönen Start ins Wochenende und denkt daran, immer wenn irgendwo ein Mensch niest, heißt es, dass jemand gerade verliebt an jemanden denkt ... oder Schnupfen hat ... oder Pollenallergie ... oder Hausstauballergie ... oder an zu viel Pfeffer geschnüffelt hat ... egal ... Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaatschi ... Gesundheit euch allen!