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Freitag, 5. Juni 2020

# 78 - "Aus!" - Peggy Peters (1974)

Keine Sorge: Mit dem Blog ist es (hoffentlich noch lange) nicht aus! Eher mit der Ruhe und ungewöhnlichen Zwangspause ... trotzdem darf man noch nicht leichtsinnig, alles "auf eine Karte setzen", sonst ist's bald wieder "Aus" mit Veranstaltungen und neugewonnener Freiheit - das wusste übrigens bereits die Zukunftsforscherin: Prof. DDr. Peggy Peters anno 1964.


NACHTRAG für DONNERSTAG!



PEGGY PETERS
A: Ich setze alles auf eine Karte (M: Heino Gaze / T: Fred Ignor)
B: Aus [Shout - The Isley Brothers] (M: O'Kelly, Ronald & Rudolph Isley / dt. T: Georg Buschor)

1964, Hansa, 11 088 AT

Peggy Peters, die am 25. Dezember 1946 als Christa Zarlewski in Berlin geboren wurde, sang bereits von Kindesbeinen an und erhielt früh Ballettunterricht. Nach der Schule arbeitete sie als Hostess bei einer Fluggesellschaft.
Mit ihrem Jugendfreund Drafi Deutscher (1946-2006) nahm sie 1962 an einem Talentwettbewerb im Rahmen der Berliner Funkausstellung teil, den sie promt gewann. Sie erhielt einen Plattenvertrag, das Pseudonym Peggy Peters und veröffentlichte 1964 ihre erste Solosingle "Keine Schule mehr". Parallel dazu war sie Mitglied in unterschiedlichen Formationen ("Die Peggy Peters Sisters", "Die Petras" und "Die Sweetles"). Mit ihrem späteren Ehemann Peter Rainford veröffentlichte sie Mitte der 60er-Jahre (als "Peggy & Peter") die Single "Limelight Boy", der noch zahlreiche folgten. In dieser Zeit etabliert sich auch ihr späterer Künstlername Tina Rainford
Immer wieder kreuzten sich die Wege von Tina und Drafi, der regelmäßig für sie Titel schrieb und sie auch in sein Studio-Projekt "WIR" holte.
Und eben dieser Drafi war es auch, der Tina den größten Erfolg ihrer Karriere bescheren sollte. 1976 gelang ihr ein Riesenhit mit dem, von Drafi geschriebenen, Song "Silverbird". Der Titel verkaufte sich millionenfach und erreichte sogar #25 der US-Country-Charts.
Nachdem sie mit den Nachfolgesongs an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen konnte, zog sie sich in den 80er-Jahren ins Privatleben zurück.
Im Rahmen ihrer Autobiographie "Wenn Sterne fallen" verarbeitete sie nicht nur ihre jahrzehntelange Tabletten- und Alkoholsucht, sondern auch Bulimie. All das hat sie inzwischen überwunden und lebt mit ihrem zweiten Ehemann auf Mallorca. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht sie noch Songs.

Es ist nun wirklich mit uns aus
Aus meinem Herzen bist du raus
Du bildest dir doch wohl nicht ein
Ich könnte ohne dich nicht sein
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die große Liebe ist vorbei
Du warst mir keine Stunde treu
Du gehst mit ander'n Mädchen aus
Und lässt mich ganz allein zu Haus
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die schönen Träume
Ich hab genug von dir
Hör endlich auf zu lügen
My Boy, nun reichst du mir 
Yeah
Yeah 
Yeah
Yeah - Yeah - Yeah

Refrain

Von heute an bist du mir egal
Du kannst mit ander'n geh'n
Ruf nie mehr an, denn auf keinen Fall
Will ich dich wiederseh'n
Yeah, es ist nun aaaaaaaaus
Yeaaaaah, es ist nun aus

Mit den letzten lautmalerischen "Yeahs" bin ich ein wenig sparsamer umgegangen ;)


Ja, die Peggy Peters hat ordentlich Temperament und das bei einer Größe von nur knapp 1,50 Meter. Starke Stimme und starker Groove ... zugegeben, dass eine oder andere Yeah wäre verzichtbar gewesen. 
Eines kann ich euch versprechen, wenn man sich mit so einer Frau anlegt, dann hat der "Boy" später nichts mehr zu lachen! Aber wir wissen ja .... Karma is a bitch! ;) Von daher, können wir uns entspannt zurücklehnen und abwarten, was dem armen Knilch so widerfahren wird ;)

Text

Sonntag, 24. Mai 2020

BONUS - "Village Green" - The Kinks (1968)

Normalerweise beschränke ich mich ja hauptsächlich auf deutsche Songs, aber zwischendurch kommt mir etwas unter, das ich einfach mit euch teilen möchte. Als "Bonus-Tracks" bleiben sie daher von der regulären Nummerierung ausgeschlossen ;)




THE KINKS
Village Green (M & T: Ray Davies)

aus der LP "The Kinks are the Village Green Preservation Society"

1968, PYE Records (Veröffentlichungsdatum: 22.11.1968)


Ich habe nie verstanden, warum man sich immer zwischen den Beatles und den Stones entscheiden musste. Für mich war das aber aus einem anderen Grund schwer: Wo waren die Kinks? Die waren mir persönlich nämlich immer viel näher als beide Bands ... vielleicht weil ich sie anspruchsvoller als die Stones, aber "böser" als die Beatles fand? Keine Ahnung.

The Kinks wurden 1964 in London gegründet. Mittelpunkt sind die beiden Brüder Ray (* 1944) und Dave Davies (* 1947).
Ihre größten Hits waren "You really got me" (1964, #1 UK), "All Day and all of the Night" (1964, #2 UK), "Tired of waiting for you" (1965, #1 UK), "Set me free" (1965, #9 UK), "Dedicated Follower of Fashion" (1966, #4 UK, #7 DE), "Sunny Afternoon" (1966, #1 UK), "Dandy" (1966, #1 DE), "Dead End Street" (1966, #5 UK & DE), "Waterloo Sunset" (1967, #2 UK & #7 DE), "Death of a Clown" (1967, #3 UK & DE), "Lola" (1970, #2 UK & DE) und "Apeman" (1970, #5 UK & #8 DE).

Gestern stieß ich auf Youtube auf die folgende Doku aus dem Jahr 2020 und bemerkte schnell, dass ich meine (einst in Jugendtagen über alles geliebte) Kinks-Best-of-CD schon viel zu lange nicht mehr angehört hatte ...

In diesem Zusammenhang stieß ich auch auf einige neue, mir ziemlich unbekannte, Songs, wie den, den ich euch heute vorstellen möchte!


In diesem Zusammenhang stieß ich auch auf einige neue, mir ziemlich unbekannte, Songs, wie den, den ich euch heute vorstellen möchte!

Die Aufnahmen für die LP "Village Green Preservation Society" zogen sich über zwei Jahre hin. Aufgrund von Differenzen mit der Plattenfirma erschien das eigentlich als Doppel-LP geplante Werk nur als einfaches Album. Die Plattenfirma hatte kurzfristig einige Titel gestrichen - in Frankreich, Italien, Skandinavien und Neuseeland wurde bereits eine LP mit 12 Titeln veröffentlicht, die heute bei Sammlern heiß begehrt ist.

Beim Album handelt es sich um eine nostalgische Hommage an das beschauliche englische Landleben. 1968 wurde die LP kaum beachtet und endete als katastrophaler Flop. In jener Zeit, als die meisten Menschen an Zukunft, Fortschritt und Revolution interessiert waren, trafen die Kinks mit diesen nachdenklichen Songs einfach nicht den Zeitgeist.

Heute gilt das Album als großer Wurf (erst bei der Wiederveröffentlichung 2018 erreichte es die Charts) und das amerikanische Rolling Stone Magazin führte es auf Platz 258 seiner Liste der 500 besten Alben aller Zeiten!

Nun aber zu meiner heutigen musikalischen Empfehlung:


Out in the country
Far from all the soot and noise of the city
There's a village green
It's been a long time
Since I last set eyes on the church with the steeple
Down by the village green

't was there I met a girl called Daisy
And kissed her by the old oak tree
Although I loved my Daisy, I sought fame
And so I left the village green

I miss the village green
And all the simple people
I miss the village green
The church, the clock, the steeple
I miss the morning dew, fresh air and Saturday school

And now all the houses
Are rare antiquities
American tourists flock to see the village green
They snap their photographs and say 'Gawn darn it
Isn't it a pretty scene'
And Daisy's married Tom the grocer boy
And now he owns a grocery

Refrain

And I will return there
And I'll see Daisy
And we'll sip tea, laugh
And talk about the village green
We will laugh and talk about the village green


Ich wünsche euch einen nostalgischen Abend mit den Kinks, die in dieser (damals) nicht erfolgreichen Aufnahmen doch etwas anders klingen als sonst ;) 

Mittwoch, 29. April 2020

# 42 - "Der Zuckerbäcker-Beat" - Tilly (1971)

Nachdem ich euch die letzten Tage kulinarisch etwas vernachlässigt habe, habe ich mich heute intensiv - nicht nur wegen meines bald anstehenden Geburtstages - mit Kuchen und Torten auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei die folgende musikalische "Entdeckung":




TILLY
A: Der Zuckerbäcker-Beat (M: Rudi Bauer / T: Kurt Hertha)
B: Ällebätsch (M: Peter Horton / T: Kurt Hertha)

1971, Global, 6004 975
produziert von Egon Pfrenger

Bei Tilly handelt es sich um die belgische Sängerin Tilly Heylen (* 1947), die zwischen 1967 und 1973 15 Singles in Belgien, Deutschland und den Niederlanden veröffentlichte.
Deutsche Titel waren u. a. "Regen auf den Wegen" (1968), "So ein himmelblauer Tag" (1969) oder "Fische brauchen frisches Wasser" (1971). Nach dem Tod ihres deutschen Produzenten endete ihre Gesangskarriere abrupt, da die belgische Plattenfirma kein Interesse mehr zeigte. Auch ihre Ehe wird als Grund genannt. Erst nach ihrer Scheidung begann sie wieder als Sängerin aufzutreten, u. a. mit Eddy Wood. Mehr ist über Tilly, die vielfach als die "belgische Brenda Lee" bezeichnet wurde, nicht bekannt.

Textautor Kurt Hertha war in der Szene durchaus bekannt und gefragt. Einige Hits aus seiner Feder waren beispielsweise "Monsieur" (Petula Clark, 1962), "My Boy Lollipop" (Heidi Bachert, 1964), "Ganz in weiß" (Roy Black, 1965), "Bianca" (Freddy Breck, 1973) oder "Du kannst nicht immer 17 sein" (Chris Roberts, 1974).

Der heutige Titel ist da schon etwas "spezieller":

Wir tanzen, wir tanzen den Zuckerbäcker-Beat
Den Zuckerbäcker-Beat
Den Zuckerbäcker-Beat

Der Kuchen, die Torten
Der Zuckerbäcker-Beat
Die machen das Leben so süß

Neulich ging ich in die Konditorei
Doch da war leider der Kuchen schon aus

Denn die Bäcker sangen und tanzten
Mit schneeweißen Hüten durchs Haus


Refrain

Abends war ich in meiner Discothek
Da kam ein junger Konditor herein
Und wir beide schauten uns lächelnd an
Nun bin ich nicht mehr allein

Refrain


Also ich hab ja wirklich schon einigen Blödsinn gehört - aber in Bezug auf Kuchen und Torten darf man wirklich keine schlechten Witze machen! Was möchte uns der Textautor mit diesem Titel sagen? Ich habe absolut keine Ahnung! Wenn es wenigstens ein Lobgesang auf das Zuckerbäckerhandwerk wäre, aber nein, nicht einmal eine Ode an die Diabetis. 
Die arme Tilly kann den verunsicherten ZuhörerInnen nicht einmal verbal nahebringen, was den "Zuckerbäcker-Beat" vom "Schornsteinfeger-Beat" oder "Gas-Wasser-Installateur-Beat" unterscheidet. Außer, dass scheinbar "Der Kuchen, die Torten" involviert sind. Aber "machen sie das Leben nur süß" oder sind sie auch notwendige Hilfsmittel zur korrekten Performance? Diese Fragen kann uns Textautor Kurt Hertha leider nicht beantworten. Die Tilly scheint das ja nicht weiter zu stören. Sie wollte zwar in die Konditorei gehen, um vermutlich einen Kuchen für ihre kranke Großmutter, die einsam und allein in einer Hütte im Wald lebt, zu besorgen. Als sie feststellt, dass der Kuchen aus ist, verlässt sie die Konditorei allerdings nicht, um sich andernorts nach Ersatz umzusehen, sondern ist begeistert von der Zuckerbäckerbelegschaft, die lieber fröhlich singt und tanzt, als Kuchennachschub bereit zu stellen.
Tillys weitere Vorgehensweise überrascht, als sie als nächstes berichtet, dass sie daraufhin abends in eine Disco geht. Die Oma wird wohl noch einen Tag leben, wenn das junge Girl Spaß haben will und hey, Kuchen war eh aus. So what! Ich bin begeistert, dass Tilly sofort erkannte, dass es sich bei dem jungen Mann - in den sie sich natürlich sofort Hals über Kopf verliebte - selbstredend um einen Konditor handelte. Wahrscheinlich trug er noch immer sein Zuckerbäcker-Outfit und war direkt aus der Backstube in die Disco getänzelt. Na super, jetzt habe ich Lust auf Kuchen - aber Hauptsache Tilly ist nicht mehr allein!





Für diesen flotten Käse...kuchen vergebe ich fünf Tortenheber, die man - zur Aufwertung des Songs - noch fröhlich-unrhythmisch gegen den Takt aneinanderschlagen kann. Bei der Musik kann einem selbst der beste Kuchen vergehen :/

Sonntag, 12. April 2020

# 25 - "Ich rühr' ein Hexensüppchen an" - Karin Elling (1966)

Um den Ostersonntag feierlich kulinarisch zu beschließen, kommt hier ein besonders *magisches* Werk daher. Passt zwar eigentlich besser zu Halloween, aber die Single erschien damals auch im Juni, also wuascht!



KARIN ELLING
A: Er liebt mich nicht mehr (M: Willi Astroth / T: Heinz Meiser)
B: Ich rühr' ein Hexensüppchen an [Witches Brew - Janie Jones] (M: Sidney Gilbert / dt. T: Günter Loose) 

1966, CBS 2320


Karin Elling ist eine musikalische Eintagsfliege. Leider gibt es nicht mehr als diese eine Single. Wäre wirklich interessant zu wissen, was aus ihr geworden ist. Musikalisch muss man ehrlich sagen, ist diese Version deutlich stärker als das Original - sowohl gesanglich als auch textlich. Liebenswerter konnte man 1966 sicher nicht von einer Hexe verzaubert werden :P


Hey Hey-Hey-Hey-Hey Ho-Ho-Ho
Ich rühr' ein Hexensüppchen an
Das dich verzaubern kann

Du sagtest mir so nebenbei
Dass ich für dich eine kleine Hexe sei
Drum komm doch mal zum Essen zu mir
Ja, ich lade dich ein und beweise es dir

Refrain

Wenn du davon zwei Löffel isst
Weiß ich, dass du alle ander'
n Girls vergisst
Dann kannst du nie mehr treulos sein
Ja, dann gehörst du mir, nur ganz allein

Refrain

Ich lock' dich nicht mit meinem Charme
Ich halte nur das Hexensüppchen für dich warm
Das Mittel habe ich von meiner Mama
Damit verzauberte sie einst den Papa


Wenn es doch nur so einfach gehen würde, dann gäbe es heute wohl viel mehr glückliche Liebespaare weit und breit. Trotzdem glaube ich, dass ein bisschen Magie manchmal nicht schaden könnte. Und wie heißt es doch so schön oft am sonntaglichen Esstisch "Jetzt schaut doch mal, was uns're Mutti heut für uns gezaubert hat". 

Zur allgemeinen Begeisterung ein lustiges Video, dass - passend zu Karins Gesang - ein paar nette 60er-Jahre-Szenen eingebaut hat. Passt ganz gut zu dem damaligen Zeitgeist.


Für diesen schönen magischen Song vergebe ich stolze fünf von fünf Kochlöffel!

Genießt den Sonntag, esst nicht zu viel und falls ihr keine Lust mehr habt, mit eurem Besen zu kehren, dann reitet doch auf ihm ein bisschen durch die Nachbarschaft! Heyheyheyhohohoho! ;)

Montag, 23. März 2020

# 5 - "Es war ein Montagmorgen" - Margret & Mechthild (1967)

Ja, es war ein Montagmorgen, als ich zu überlegen begann, welchen Musikact ich wohl heute vorstellen möchte. Und nach kürzester Zeit war ein passender Titel ins Auge gefasst - ein All-time-manic-monday-Favorit von mir.




MARGRET & MECHTHILD
A: Tom O'Hara (M: Chris Corday / T: Tom Haley)
B: Es war ein Montagmorgen ['t was on a monday morning - The Steadfasts] (M: Uwe Funke / dt. T: Peter Lachmann & Dieter Rasch)

1967 / CCA 5049


Was Margret und Mechthild vor oder nach dieser Plattenaufnahme gemacht haben, ist nicht bekannt. Die speziell angewandte Fototechnik für das Plattencover lässt zudem weitere Fragen offen: Waren Margret und Mechthild die gleiche Person (vor und nach der Nasenoperation)? Reichte das Budget nur für eine Bluse samt Gürtel, Kette und Ring und für das Foto mussten sie es nacheinander anziehen? Führte die Reihenfolge, wer zuerst anfangen durfte dazu, dass sich die beiden fürchterlich zerstritten haben und auf keinen Fall ein gemeinsames Foto (mehr) machen wollten? Hatte Mechthild zu lasziv für den Fotografen posiert, weshalb er - als Margret an die Reihe kam - einfach unmotiviert abdrückte? FRAGEN über FRAGEN!

Was jedoch nicht hinterfragt werden muss, ist die Existenz dieser Aufnahmen - und vor allem, dass man davon auch noch Schallplatten gepresst hat! Dies allerdings ungefragt. Ich glaube, ich hätte darauf verzichten können (wenn man mich gefragt hätte) ...

CCA war ein kleines Plattenlabel, das 1966 von Hans Werner Kuntze (nicht mit Heinz Rudolf "Tausendmal berührt" Kunze zu verwechseln) ins Leben gerufen wurde. Sein Tonstudio hatte seinen Sitz in Georgsmarienhütte und ich nehme an, dass diese heiße Scheibe auch dort produziert wurde.

Nachdem Mechthild lasziv genug am Cover posierte, war wohl allen klar, dass sich die Scheibe auch ohne klingende Künstlernamen vermarkten lässt ;) Wie viele Platten davon tatsächlich umgesetzt wurden, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Das Original "'t was on a Monday Morning" von The Steadfasts, war eine der ersten Scheiben, die auf dem CCA-Label erschienen. Standfest waren sie vermutlich auch, was ihre Musik angeht. Es ist keine weitere Platte bekannt. Trotz englischem Namen (und deutschsprachigen Autoren der Songs) dürfte es sich ohne Zweifel um eine lokale deutsche Band gehandelt haben. Der Song hat auf jeden Fall was - mit einem großen Hauch an Nostalgiebonus!

Jetzt aber zur deutschen Coverversion (wenn man schon einen Song veröffentlicht hat, dann kann man ruhig auch eine anderssprachige Version davon machen - die mussten/durften auch gleich weitere Sänger aus dem CCA-Stall - mit vermutlich ähnlich nicht vorhandenem Erfolg - veröffentlichen)

Und was passt besser zur aktuellen Stimmung als eine tragische Liebesgeschichte, die ihr viel zu spätes Ende fand, bevor sie überhaupt begann (Pardon, das war jetzt für diesen Song vielleicht doch etwas zu philosophisch)

An einem Sonntagabend
fing uns're Story an
Und du hast mir versprochen,
dass sie nie enden kann

- Margret! Mechthild! Niemand kann so ein Versprechen abgeben, nicht einmal der liebe Gott! Und so lieb war der Typ dann wahrscheinlich auch nicht, wenn die Story am SonntagABEND anfängt ... da wollte er vermutlich seine Woche noch erfolgreich "abschließen" und war auf der Suche nach einem willigen Opfer ...


Ich hab dich angerufen
Doch keine Antwort kam
Nur immer tiefes Schweigen
Das mir die Hoffnung nahm


Augenscheinlich war der Kerl tatsächlich nur auf ein schnelles One-Night-Stand aus (und hat vermutlich auch nicht einmal seine echte Telefonnummer angegeben!)

Was all die ander'n sagen
Das ist mir so egal
Wo ich auch geh und stehe
Ich seh' dich überall


-> in diesem Fall würde ich eher den anderen glauben und möglicherweise ist er es ja!? Allerdings vermutlich immer in den Armen einer anderen ...


Es war ein Montagmorgen
Der Tag war wolkenschwer
Ich stand allein und der Regen fiel
Und du, du kamst nicht mehr


Das ist jetzt die tragische Beschreibung von "the morning after the ONS". Und jetzt hat er die Arme nicht nur sprichwörtlich im Regen stehen lassen (Outdoor-Sex 1967? zis zis zis ...

Grau sind jetzt alle Tage
Und nirgends Sonnenschein
Und jeden Sonntagabend
Muss ich jetzt einsam sein





So dunkel sollte man die Welt jetzt auch nicht sehen. Solange er besser als dieser Tom O'Hara ist, wird schon alles wieder gut. Und einsam musst du ja nicht sein, Margret. Du hast ja noch Mechthild. (Außer die hat dir den Typen ausgespannt ... oder er wollte unbedingt etwas mit BEIDEN haben ... ah ... und dann haben sie es herausgefunden und sich deshalb zerkracht ... wir haben also noch eine weitere Möglichkeit gefunden!)


Und ihr Lieben, er wird nicht zurückkommen. Sorry, wenn ich es euch jetzt so drastisch und direkt sagen muss. Da nützt es auch nichts, wenn ihr bedeutungsschwanger und mitleid-erhaschend - schier nie enden wollend - "Du kamst nicht mehr" (zweistimmig und mit Chor!) säuselt! Der Zug ist abgefahren. Sorry, Mädels!

Dieter Rasch (alias Ralf Arnie), der diese Produktion textlich (mit) zu verantworten hat, hat bis zu diesem Zeitpunkt durchaus Hits produziert, wie z. B. "Heimweh" (Freddy Quinn, 1956) oder "Ramona" (Die Blue Diamonds, 1960). In den 70er-Jahren feierte vor allem in der Zusammenarbeit mit griechischen Sängern wie Vicky Leandros und Demis Roussos große Erfolge.
Ja, auch erfolgreiche Textautoren haben schlechte(re) Tage und müssen ihre Miete zahlen. Das war dann wohl eher so eine Produktion.


Meine Wertung: fünf von fünf (deprimierten) Eintagsfliegen!

Wenn ihr jetzt auch unglücklich verliebt seid, dann tut mir einen Gefallen und hört euch dieses Lied nicht an. Schaut lieber aus dem Fenster (das kann man besser machen, wenn man die Fenster vorher geputzt hat) - das bringt euch auf andere Gedanken und lenkt auch ein bisschen vom Alltagsgrau ab! Btw: Draußen gibt's grad Sonne ;)

Und hier für alle, die wissen möchten, wie dieser Song in englisch klingt, wenn es Leute singen, die etwas bessere Stimmchen haben, hier das Original:




Freitag, 20. März 2020

# 2 - "Ich bin die Beat-Oma" - Beat-Oma (1966)

Auf der legendären Beat-Welle wollte so mancher Star und vor allem auch so manches "Sternchen" gerne mitschwimmen. Doch so bekannt wie "The Beatles" wurden die wenigsten - vor allem nicht in Deutschland.


Wer sich mit tatsächlicher guter Beat-Music made in Germany auseinandersetzen möchte, dem sei diese Doku sehr ans Herz gelegt (auch wenn sie den Schwerpunkt auf den berühmt-berüchtigten Ruhrpott legt).


Mit Beat konnte man in dieser Zeit also zumindest eines: Konzerthallen füllen und Schallplatten absetzen! Da eigener deutscher Beat noch Mangelware war (und die Bewegung jetzt leider auch nicht ewig angehalten hat), besinnten sich eifrige Produzenten auf deutschsprachige Coverversionen, die die Kasse klingeln lassen sollten.

Und bei dieser Coverversion fehlen selbst mir einfach die Worte.

BEAT OMA
A: Ich bin die Beat-Oma [A HARD DAY'S NIGHT - THE BEATLES] (M: John Lennon & Paul McCartney / dt. T: Andy Wölfel)
B: Balla Balla [ORIGINAL: THE RAINBOWS] (M & T: Horst Lippok)

1966 / CBS 2372

Die Produzenten bleiben ungenannt. (Würde ich an ihrer Stelle auch so machen!)




Über Textautor "Andy Wölfel" finden sich leider keinerlei weitere Informationen. Ob es ein Pseudonym eines durchaus bekannten Textautors ist, kann ich nicht sagen. Wundern würde es mich aber nicht.
Auch die "Beat-Oma" konnte danach unerkannt weiter Kuchen backen und Socken stricken. Glücklicherweise hatte sie weder ihre Identität noch ihr Gesicht für diese Produktion preisgegeben. Ihre Stimmbänder - zum Leidwesen aller ZuhörerInnen - allerdings schon.
Mir ist durchaus bewusst, dass diese Produktion damals nicht 100 % ernst gemeint war. Dennoch darf man nicht unterschätzen, wie viel eine Schallplattenproduktion in den 60er-Jahren gekostet hat. Studiomieten und die Kosten für das Pressen von Schallplatten waren relativ hoch. Zudem war die Produktion an sich sicher nicht billig, da die Rechte am Beatles-Song eingekauft werden mussten ...
Gut. Die Gage der "Beat-Oma" war vermutlich niedrig. Die wird sich vermutlich gedacht haben: "Ach Jungens, bei dieser ulkigen Aktion bin ich doch gerne dabei! Soll ich euch davor noch schnell ein Butterbrot schmieren?"

Tja. Hätte man die ganze Produktion auch mit einer lieben "Omi" gemacht, die auch Gesangstalent gehabt hätte (und derer gab es sicher zuhauf, die sich auch für so einen Song nicht zu schade gewesen wären), dann könnte man diese Scheibe durchaus auflegen und sagen: "Mensch Oma, dufte Musik, die du da machst. Beat ist echt was für alt und jung!" - So denkt man sich aber eher: "Mensch Oma, hör auf mit den ollen Kamellen und lass uns lieber 'Mensch ärgere dich nicht spielen". Und schwupps war die Gesangskarriere von Oma Edeltraud (oder wie sie auch immer hieß) beendet.

Man darf sich gar nicht ausmalen, wenn sie noch als "Folk-Oma", "Pop-Oma", "Disco-Oma" und "NDW-Oma" weitergemacht hätte. Ihre Coverversion von Iron Butterfly's "In-a-gadda-da-vida" als "Heavy-Metal-Oma" hätte sicher sämtliche Chartlisten angeführt ... egal!

Nun zur heißen Scheibe:
So ihr jungen Leute, die ihr heute alle keine Ahnung mehr davon habt, dass Beat mal ein echt geiles Musikgenre war. Dagegen können Justin Bieber und Lady Gaga einpacken! Und wer könnte den letzten jugendlichen Hinterwäldlern, die noch nichts von diesem geilen Stoff, der ihr Leben verändern wird, mitgekriegt haben, besser - nein - am besten erklären? RICHTIG!!! Die Oma
Wer hört denn bei der Wahl seiner Musik nicht auf die Meinung der Oma und geht dann mit ihr schnurstracks zum nächsten Ed Sheeren ... oder Andreas Gabalier ... oder Hansi Hinterseer Konzert. Egal!

Widmen wir uns den scheußli... äh ... süßlich-liebreizenden ... Klängen? Tönen! Ja, Tönen! von unserer lieben Beat-Oma.



Ich bin die Beat-Oma
Bin bekannt im ganzen Land
(wenn sie immer SO singt, dann wundert es einen ganz und gar nicht!)

Ich bin die Beat-Oma
Und singe alle an die Wand

(definitiv - und dabei halten sich noch alle die Ohren zu! Leider reimen sich so wenig Dinge auf Land ... Hydrant, Passant, Deodorant ... der Verzweiflung Rand ...)

Die Boys und Girls hör'n mir zu
Ich gönn' mir gar keine Ruh'
(Das würde ihr so passen! Die armen Kinder können doch gar nicht weglaufen! Sie wollen ja noch das Geschenk und die Schokolade für Weihnachten haben. An dieser Stelle rächt sich auch das infantile Flötenspiel unterm Weihnachtsbaum. Die Oma holt zum Rundumschlag aus! Und erst wenn die Oma alle ihre Top-Hits gesungen hat, bringen wir sie wieder zurück ins Heim, damit sie dort allen anderen dort - bis zum nächsten Weihnachten - auf die Nerven gehen kann!)

Und nun meine Lieblingsstelle:
Ich bin die Beat-Oma (okay ja, danke, das wissen wir bereits, eine gewisse Senilität zeichnet sich bereits ab)
Ich bin vom Beaten ganz verrückt (ich bin mir nicht sicher ob es am "Beaten" liegt...)
Ich bin die Beat-Oma (ja, Oma, danke für die Info)
Wenn ich nicht sing', bin ich bedrückt 

Ja Oma, wir sind auch bedrückt, wenn du nicht singen darfst. Deshalb schön, dass du es gemacht hast! Auch wenn sich John Lennon vermutlich gerade deswegen im Grab umdreht. Aber was soll's ... it was a hard day's night ;) 

Meine Wertung: fünf von fünf beats auf die Stirn!
(Dürfte ich diese Produktion mit zwei Worten beschreiben, dann wäre es eindeutig: "balla balla"!)

Und damit ihr bis zum nächsten Superhit morgen besser schlafen könnt, kriegt ihr die absolute Gönnung! Die B-Seite gibts gratis dazu (der Vorteil an diesem Song: er besticht weniger durch Text als durch ... spezielle ... Interpretation)



Habt einen schönen Abend und passt auf, dass ihr von der sozialen Isolation (oder dem Beaten) nicht ganz verrückt oder bedrückt werdet!