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Montag, 30. November 2020

# 132 - "Deine Mama ist ein Wunder" - Barbara Stromberger (1974)

Ich sag es gleich vorweg: Ja, der Song wäre eigentlich für Muttertag passend, oder sagen wir mal so, ziemlich "aufg'legt" gewesen. Ich finde es aber deutlich spannender - wie ihr ja vermutlich bereits mitbekommen habt - nicht immer das zu tun, was von mir (oder allgemein) erwartet wird. In diesem Sinne passt das Lied ohnehin in unterschiedlichen Situationen vermutlich auch.




BARBARA STROMBERGER

Deine Mama ist ein Wunder (M & T: Barbara Stromberger)

1974, nicht auf Schallplatte veröffentlicht


Die 1948 in Kärnten geborene Barbara Stromberger, die mit 12 Jahren mit dem Gitarrespielen begann, absolvierte die Ausbildung zur Kindergärtnerin und betreute zwei Jahre lang geisteskranke Kinder in einem Heim. 1968 zieht sie nach Wien, besuchte die Akademie für angewandte Kunst und beginnt verstärkt auf Musik zu setzen. Das Studium brach sie ab, weil sie Geld verdienen musste und arbeitete wieder als Kindergärtnerin.
1970 beteiligt sie sich an dem von ORF und Ö3 initiierten Casting-Format, der "Show-Chance", die durch alle Bundesländer zog und ihr großes Finale im Herbst 1970 hatte. Obwohl sie mit dem Titel "Der Dreh" eher im hinteren Feld landete, erhielt sie einen Plattenvertrag. Dass sie damals - ohne vorherige Single-Produktion - mit einem Album in Deutschland (!) starten konnte, galt als Sensation.

Die Titel ihres ersten Albums waren allesamt Eigenkompositionen, die sie im Alter von 17 Jahren verfasste. Udo Jürgens äußerte dazu "Die Lieder von Barbara Stromberger sind bester Chanson-Stil. Ich beglückwünsche sie zu ihrer Phantasie und zu ihrem Mut, Themen aufzugreifen, die im deutschen Schlager sonst nicht üblich sind."
In den 70er-Jahren veröffentlicht Babara Stromberger drei Alben, von denen ich vor allem die Eigenkompositionen "Kleine Irre", "Vorsehung, Bestimmung oder Zufall?", "Ich bin frei", "Beeil' dich" und "Die gute, alte Zeit" hervorheben möchte. Beeindruckend ist ihre LP "Die zweite Zeit beginnt" von 1975, auf der sie u. a. bekannten Titeln von Neil Young, Joan Baez, Kenny Loggins, Carly Simon und Veronique Sanson ausdrucksstark in deutscher Sprache vertonte.

Barbara Stromberger ist bis heute musikalisch aktiv. Gemeinsam mit ihrem Sohn Jörg Pibal arbeitete sie beispielsweise an einer TV-Dokumentation über Hermann Hesse mit dem Titel "Name verpflichtet - Hermann Hesses Enkelin", der im August 2012 (anlässlich Hesses 100. Todestag) im ORF gezeigt wurde.

Deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm
Sie kann alles, sie weiß alles
Und im Falle eines Falles
Backt sie Brot aus einem Korn
Ja, deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm

Mama bügelt Hosenfalten
Die sich lange Zeit erhalten
Wäscht die Hemden weiß wie Kreide
Putzt die Spiegel nur mit Seide
Schont die Möbel, spart bei allem
Lässt die Bürste länger wallen
Macht der Welt den besten Kuchen
Staub wird man vergeblich suchen
Bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, ja

Refrain

Mama mixt selbst Marmeladen
Tötet Mäuse, Motten, Maden
Spart mit Strom und Lippenstift
Hält Konservenkost für Gift
Färbt und legt sich selbst das Haar
Sieht am Monatsschluss noch klar
Kleidet sich in Selfmade-Roben
Könnt' zur Not auch Sümpfe roden
Die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, ja

Refrain

Mama sitzt mir im Genick
Und du schaffst es mit Geschick
Mich durch sie davon zu jagen
Ich kann es nicht mehr ertragen
Dir dem Haushaltsgott zu dienen
Heute zweigen sich die Schienen
Denn ich geh' fort und lass dich da
Bei Mama
Denn deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm


Ich weiß, dass Barbara Stromberger heute mit einigen ihrer Frühwerken relativ hart ins Gericht zieht. Aufgrund ihrer künstlerischen Entwicklung kann ich das sehr gut nachempfinden - dennoch gehört sie zu den Künstlerinnen, die sich für ihr anfängliches musikalisches Schaffen definitiv nicht verstecken müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte sie ja die Möglichkeit, eigene Texte zu verfassen und so zumindest einen Teil ihres Inneren nach außen zu tragen. Wenn es auch heute - viele Jahre später - möglicherweise nicht mehr "ihre Welt" ist, verstehe ich das total. Allerdings waren ihre Texte damals authentisch und das unterscheidet sie von vielen musikalischen Sternchen und Eintagsfliegen, die ein bedeutungsschwanger-belangloses Lied nach dem anderen Trällern mussten, in der Hoffnung, dass es zumindest ein kommerzieller Erfolg wird. Hits im klassischen Sinn wurden die Lieder von Barbara Stromberger keine. Das hat manchmal auch Vorteile - so muss sie nicht seit 50 Jahren auf der Bühne die selben Titel singen.

Nun aber zu diesem Titel. Zuerst möchte ich auf die sprachlichen Aspekte eingehen. Barbara Stromberger verwendet eine äußerst bildhafte Sprache, die es schafft, mit wenigen Worten Alltagssituationen plastisch erlebbar zu machen. Viele Frauen kennen diese Situation und können es ihr bereits nach wenigen Sekunden nachfühlen, ja stärker noch, sich mit ihr identifizieren. Das Feindbild Schwiegermutter hängt wie ein Damoklesschwert über dem Ehebett und rüttelt permanent massiv am trauten Haussegen. 
Und die Schwiegertochter? Egal wie nett sie ist, wie sorgsam sie sich um Haus und Hof kümmert, wie gut sie kocht, wie gut sie die Kinder erzieht, wie erfolgreich sie im Beruf ist oder - besser noch - wie selbstlos sie ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Karriereplänen ihres Mannes nicht im Weg zu stehen, sie wird nichts richtig machen. Denn sie hat einen großen Fehler gemacht: Der Mutter das Liebste, den einen, den ihren Sohn, genommen. Unaufhaltsam entfacht nun ein Kampf, der seine Opfer sucht, bei dem man - als Schwiegertochter - eigentlich nur verlieren kann. Denn Sohnemann wird sich stets für das arme, sich stets schier endlos aufopfernde Mutterherz entscheiden.
Am Ende gibt es nur wenige Möglichkeiten: Mord (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Rest des Lebens hinter schwedischen Gardinen, pro: man muss sich keine Gedanken darüber machen, was man heute putzt oder kocht!), Auszug (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Mann leider auch) oder bleiben und ertragen (definitiv der schlimmste Zustand!). In letzterem Fall kann man nur auf die natürliche Selektion bauen und hoffen, dass der Drache bald eines natürlichen Todes dahinsiecht ... oder im Zweifel ein bisschen nachhelfen (ideal: Gifte, die sich nicht nachweisen lassen und Unfälle, die wie selbst verschuldet aussehen). Im Zweifel bitte Handschuhe tragen und Zeugen vermeiden!

Freitag, 3. Juli 2020

# 105 - "Eine Polin modern eingestellt" - Kriss Kristek (1983)

Das Wochenende steht vor der Tür. Die Aussichten sind aktuell aber eher bescheiden. Nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen dem Wetter. Der Kurzzeitsommer hat sich gerade wieder in November-Tristesse gewandelt. Was scheint in dieser Situation besser als ein heißblütiges Lamento aus Osteuropa?



KRISS KRISTEK
A: Ich soll dich nicht mehr lieben (M: Jerzy Ziembrowski / dt. T: Bruno Pretzlaff)
B: Eine Polin modern eingestellt (M: Jerzy Ziembrowski / dt. T: Bruno Pretzlaff)

1983, Funky-Records, FU-45/504/28
produziert von Bruno Pretzlaff


Der Name Bruno Pretzlaff scheint mir nicht sehr häufig vorzukommen. Ich bin auf eine Todesanzeige (1930-2019) gestoßen. Vermutlich handelt es sich dabei um den Textautor dieser Single. Sein Name taucht nur in Zusammenhang mit Veröffentlichungen von Funky-Records auf. So textete er auch "Mit einem Schuss Liebe" (Günter Rüdiger, 1988) und "Es gibt noch edle Menschen" (Jürgen Seitz, 1988).

Trotz intensiver Recherche konnte ich zu der Interpretin Kriss Kristek keinerlei Informationen auftreiben. Akzentbedingt gehe ich aber davon aus, dass sie aus Polen stammt.


Diesem Akzent geschuldet - und dafür entschuldige ich mich gleich - ist es leider nicht möglich, die - mitunter vielleicht fantastischen literarischen Phrasen zu 100 % korrekt wiederzugeben.

Er war auf Urlaubsreise
...
Sprach polnisch in der Weise
Das ihn kein Mensch verstand

Ich wollte ihn belehren
Und zeigen was es gibt
Wie soll ich es erklären
Ja wir haben uns verliebt

Ich bin eine Polin modern eingestellt
Und liebe einen deutschen Mann
Es war unerwartet ...
Das ich ihn verstehen kann

Wir haben das Wörterbuch ganz durchgewühlt
Und dabei stellten wir fest
Was man in der Liebe empfindet und fühlt
Mit Worten sich nicht sagen lässt

Oh sonderbare Sache
Wenn es um Worte geht
Das man bei gleicher Sprache
Sich oftmals nicht versteht

Kann ich es nicht ergründen
Ist es dir auch egal
Was Liebende empfinden
Ist international

Refrain




Okay. Kriss hat also einen deutschen Touristen kennengelernt, der sich mehr schlecht als recht verständigen konnte (da scheint selbst die beliebte "Hand-und-Fuß"-Methode kläglich versagt zu haben!). Nach ausführlicher Auseinandersetzung mit dem Wörterbuch hat es dann aber doch geklappt - vor allem weil man sich schnell einig war, dass in puncto bestimmter "Angelegenheiten" die Sprache manchmal ja auch verzichtbar ist ... höhö!
Was das Ganze aber damit zu tun hat, dass sie "modern eingestellt ist", verstehe ich nicht so ganz. Weil sie bereit ist, sich auf einen deutschen Mann einzulassen? Weil sie immer ein Wörterbuch dabei hat? Weil sie ihn belehrt und nicht er sie? Fragen über Fragen. Anscheinend haben sie aber als lingua franca eine Methode der Kommunikation gefunden, die beide Seiten befriedigt - und das vermutlich im wahrsten Sinn des Wortes.

Donnerstag, 14. Mai 2020

# 58 - "Der Mann, das ist ein Lustobjekt" - Schneewittchen (1978)

Heute greife ich den morgigen Beitrag, weil es thematisch gerade so gut dazu passt, vorweg. Und nein, ich bin kein Feminist - ganz und gar nicht. Allerdings habe ich in meiner beruflichen Tätigkeit als Sexualpädagoge (Gott sei Dank) gelernt, über den Tellerrand zu blicken und mich kritisch mit meiner Umwelt (und beiden Geschlechtern) auseinanderzusetzen. Seht dies als kostenloses Aufmerksam-Machens meinerseits an. Am Wochenende kommt dann wieder heiterer und/oder belangloser Trash.




SCHNEEWITTCHEN
Der Mann, das ist ein Lustobjekt (M: Angi Domdey / T: Holger Güssefeld)

ausgekoppelt aus der LP "Zerschlag' deinen gläsernen Sarg"
1978, Philips

Bereits vor drei Wochen habe ich einen Beitrag über die Gruppe Schneewittchen gemacht - nähere Informationen über die Gruppierung sind dort nachzulesen.

Ich finde es allerdings äußerst spannend, dass gerade dieser Text von einem Mann stammt!

Mein Freund steht auf dem Fußballplatz
Und ich steh' in der Küche
Er nennt mich seinen liebsten Schatz
Doch das, das sind nur Sprüche

Noch nie hat er den Tisch gedeckt
Er könnt sich was verstauchen
Ja, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Ich werd' ihn heute seinen Fraßen
Alleine kochen lassen
Ich hole mir wo anders Spaß
Adieu, ihr Untertassen

Adieu, mein Kochtopf, heut fließt Sekt
Heut' gibt es Hasch zu rauchen
Ja, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Oh, das hab ich begriffen
Und wenn die Männer, das erschreckt
Wird ihnen was gepfiffen

Ab heut', da müssen alle ran
Bis sie den Geist aushauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Und wenn der Neue streicheln kann
Und schöner als der Alte
Dann bleib' ich bei dem neuen Man
Bevor ich ganz erkalte

Dann werd' ich von ihm heiß gestreichelt
Bis die Matratzen hauchen
Oh, der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann, das ist ein Lustobjekt
Und sonst nicht zu gebrauchen

Wenn einer nicht mehr funktioniert
Und anfängt zu querelen
Ja, das er an meiner Lust krepiert
Ja, dann, ja meiner Sinnen


Geb' ich ihm ein paar Euroschecks
Dann kann er sich was kaufen
Ja, der Mann ist halt nur für den Sex
Und sonst nicht zu gebrauchen
Der Mann ist halt nur für den Sex

Und sonst nicht zu gebrauchen


Ja dürfen Frauen so etwas sagen!? Natürlich dürfen sie ... und jeder von euch ertappt sich wohl dabei, dass es da die eine oder andere Phrase gibt, die man sich umgekehrt vielleicht auch schon einmal gedacht hat.
Ich lasse diesen Blickwinkel jetzt einfach so auf euch wirken.

Lasst euch nicht unterkriegen und wir sehen (und hören) uns am Wochenende wieder mit etwas "leichterer Kost" ;)

Samstag, 25. April 2020

# 38 - "Die Emma" - Schneewittchen (1978)

Heute gibt es wieder etwas Besonderes auf die Ohren: Frauenpower. Frauenmusik. Frauenlieder. (Alle Machos, die diesen Blog verfolgen, wurden jetzt hoffentlich nicht vor Schreck in einen komatösen Zustand versetzt. Falls doch, hoffe ich, dass es noch Rettung für euch gibt!)




SCHNEEWITTCHEN
Die Emma (M & T: Bruni Regenbogen)
ausgekoppelt aus der LP "Zerschlag' deinen gläsernen Sarg"

1978, Philips

Mitglieder:
Angi Domdey (* 1950) - Gesang, Gitarre, Percussion, Querflöte
Anka Hauter - Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Querflöte, Saxophon
Bruni Regenbogen - Bass, Bratsche, Geige, Gesang, Gitarre, Querflöte
Rotraut Colberg - Akkordeon, Bass, Cello, Gesang, Klavier, Schlagzeug


Die Jazzsängerin Angi Domdey und die Künstlerin und Musikerin Bruni Regenbogen lernten sich im März 1977 auf einem Frauenmusiktreffen in Göttingen kennen. Gemeinsam mit Anka Hauter und Rotraut Colberg gründeten sie Anfang 1978 die Band "Schneewittchen". In ihren Liedern setzten sie sich für die Befreiung und Selbstverwirklichung von Frauen ein. Die Gruppe - übrigens eine der ersten Frauen-Profibands Deutschlands, da sie von Management, Technik bis zum Transport alles in Eigenregie übernahmen - bestand bis 1981 und veröffentlichte vier Alben. Ihre Musik begleitete die deutsche Frauenbewegung der 70er- bis 90er-Jahre.
Das von Angi Domdey geschriebene Lied "Unter dem Pflaster liegt der Strand" ist eines ihrer bekanntesten Lieder.

Heute widmen wir uns aber mit einem Lied ihrer ersten LP einem deutlich emanzipatorischeren Thema. Der direkte Vergleich Mann vs. Frau. Wer darf was und was würde passieren, wenn auf einmal die Rollen getauscht werden könnten?

Wie wär' es wohl, wenn alle Frauen
Emanzipiert aus der Wäsche schauen?

Die Männer, wie erniedrigend
Putzten dann auf dem Knie liegend
Wer früher ein Boss war, schwingt Putzlappen jetzt
Ist da nicht die göttliche Ordnung verletzt?

Ja, da sagen die Männer: "Da ist gemein!
Die Emma-Emanzipation darf gar nicht sein!"
Ja, da sagen die Männer: "Das ist gemein!
Die Emma-Emanzipation darf gar nicht sein!"

Wie wär' es wohl, wenn Männer jetzt
Von Frauen würden als Freiwild gehetzt?
Im Dunkeln würd' keiner alleine mehr geh'n
Auch würd' mancher Lustmord an Männern geschehen
Frigide gemacht und mit Angst in der Brust
Würden sie Sklaven der weiblichen Lust

Ja, da sagen die Männer: "Das ist nicht fair!
Die Emma-Emanzipation bedroht uns sehr!"
Ja, da sagen die Männer: "Das ist nicht fair!
Die Emma-Emanzipation bedroht uns sehr!

Wie wär' es wohl, käm' mancher Spaß
Den Männer hatten, den Frauen zupass?
Kein' Busen geb's mehr als Augenschmaus
Jetzt müssten all die Pimmel heraus
Man würde gleich bei jedem Mann seh'n
Ob seine Formen auch richtig steh'n

Ja, da wär' zwar die Welt für die Männer ein Graus
Doch Frauen lebten endlich mal in Saus un Braus
Ja, da wär' zwar die Welt für die Männer ein Graus
Doch Frauen lebten endlich mal in Saus und Braus

Oh, yeah



Zugegeben: Dieser Song tönt heute ziemlich harmlos und brav daher. In den späten 70ern war das aber gar nicht so einfach, als Frau seine Meinung kundzutun, ernst genommen und respektiert zu werden. Von daher ein großer Respekt an viele Frauen, die sich im Rahmen der Frauenbewegung so stark für die Verbesserung der weiblichen Rechte eingesetzt haben. Vieles, das heute als selbstverständlich angesehen wurde, ist diesen Frauen zu verdanken. Und es ist noch viel Arbeit zu tun ... wenn man feststellt, dass auch über 40 Jahre später Frauen noch immer nicht gleich viel - für die selbe Arbeit - bezahlt bekommen wie Männer. Und wie wir inzwischen gelernt haben, ist nichts selbstverständlich in unserer Zeit und kann sich - erschreckend schnell - auch wieder ändern. Da müssen gar nicht erst einzelne PolitikerInnenköpfe rollen ...

Warum vieles noch nicht so umgesetzt wurde, hat unterschiedliche Gründe. Möglicherweise auch den, das die Frauenbewegung von vielen Männern in hohen Positionen viel zu lang belächelt und erfolgreich verhindert wurde. Zugegeben: Es gibt auch viele Frauen, die diese Bewegung negativ geprägt haben. Emanzipation und Feminismus sind wichtige Themen unserer Gesellschaft, aber - wie bei allen Dingen - löst Extremismus meist das Gegenteil aus. Und nur weil Frauen netterweise wählen dürfen und das "Binnen-I" in offiziellen Schriftstücken eingesetzt wird, ist damit noch keiner Frau auf diesem Planeten auf ewig geholfen. 

Aus dem Bereich des Alltagschauvinismus stammt diese schöne Stilblüte:
"Ich hab' ja nix gegen Feministinnen. Vor allem nicht gegen die mit großen Busen und geilen Hintern." 
Aussagen wie diese bestätigen, dass der Weg, den viele Frauen auf dieser Welt noch zu gehen haben, leider noch ein langer und mitunter beschwerlicher sein wird. Frauen sind kein "Freiwild", nur weil sie einen kurzen Rock tragen und dürfen auch nicht erst dann ihre Meinung sagen, die angehört und akzeptiert wird, wenn sie hässlich wie die Nacht sind. Äußerlichkeiten stehen vielfach zu stark im Fokus und die eigentlichen Absichten dahinter werden nicht gehört oder ignoriert.

Gut. Im Fall von Schneewittchen muss ich einräumen, dass ich mich schon auch frage, warum Feministinnen, die für "Frauenmusik" und "Frauenlieder" stehen, eine hohe Präferenz für die Farben beige, altrosa und violett haben, und selten wie TeilnehmerInnen von Germanys next Topmodel aussehen. 
Das ist möglicherweise eines der großen und ungelösten Mysterien unserer Menschheit . Dazu gehören übrigens genauso die Fragen, wieso in katholischen Gruppierungen alle immer so erschreckend fröhlich sind (sogar zu unchristlichen, frühmorgendlichen Uhrzeiten) und Deutsche bei jedem Lied mitklatschen wollen. Vermutlich sind doch die Illuminati, Ausserirdische, Chemtrails und/oder Gluten schuld daran. #verschwörungmaldrölf!

Wenn auch die Vorstellungen von "Schneewittchen" - heute betrachtet - naiv und angestaubt wirken, hat es damals etwas (und vor allem viele Frauen) bewegt, motiviert und aus der Seele gesprochen ... und weil mitunter einige Männer bei den Performances weniger mit ihren "Pimmeln" beschäftigt waren, haben vielleicht sogar ein paar zugehört ...




Für diese Live-Performance vergebe ich ein Jahresabo der EMMA und wünsche euch einen emanzipierten Samstagabend! Morgen gibt es dann - als Ausgleich - etwas Männlicheres ;)