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Donnerstag, 9. Juli 2020

# 110 - "Unsere Katze" - Viola (1979)

Durch die letzten Beiträge haben wir etwas gelernt: Ja, es gibt viele schreckliche Songs. Und ja, von Kindern gesungene Titel haben häufig Hunde, Datteln bzw. patrichale Berufsgruppen sowie Musikinstrumente zum Inhalt. Mit dem vorliegenden Titel geht es allerdings auch wieder eher tierisch los.



VIOLA
A: Unsere Katze (M: Alexander Gordan, Virginia de Lupa & Ronald Sekura = Konrad Wolf / T: Alexander Gordan & Konrad Wolf)
B: Der liebe Gott hat uns das Leben nur einmal geschenkt (M & T: Alexander Gordan, Virginia de Lupa & Konrad Wolf)

Juli 1979, Hansa, 100-910-100

Viola ist die Tochter von Komponist und Texter Alexander Gordan alias Joachim Gorony (1926-2008), der in den 50er- und 60er-Jahren auch selbst als Sänger tätig war. Erfolgreiche Titel, die unter seiner Mitwirkung entstanden, waren "Speedy Gonzalez" (Rex Gildo, 1962), "Der Boy ist gekommen" (Dorthe, 1964), "Irgendwann, irgendwo" (Reinhard Mey, 1968), "Komm an meine grüne Seite" (Renate & Werner Leismann, 1969), "Ich mach' ein Interview mit deinem Herzen" (Graham Bonney, 1970), "Letzte Rose" (Manuela, 1973) oder "Madeleine" (Bernhard Brink, 1979).
Ab Mitte der 70er-Jahre schrieb und veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Detlev" homoerotische-frivole Titel, wie beispielsweise: "So schwul kann doch kein Mann sein" (So schön kann doch kein Mann sein, 1975), "Kerls, Kerls, Kerls" (Girls, Girls, Girls, 1976), "Oh Theo" (Oh Susie, 1977), "F.K.K." (Dschingis Khan, 1979) oder "Ich bin so warm wie du" (Ich wär' so gern wie du, 1980).

Viola wurde um 1970 in Berlin geboren und besuchte ab ihrem sechsten Lebensjahr die Yamaha-Musikschule, spielt Klavier und gewann 1978 einen Preis beim "Kinder-Kompositionswettbewerb". Zu ihren Hobbys zählen lesen, schwimmen und Rad fahren.

Miau
Uns're Katze, uns're Katze
Ist der Liebling der Familie
Dabei hat'se, dabei hat'se
Keinen Stammbaum und heißt Ottilie

Uns're Katze, uns're Katze
Wird verwöhnt von groß und klein
Ohne Katze, ohne Katze
Kann die Familie nicht mehr sein

Schon ganz früh am Morgen holt sie alle aus dem Bett
Pünktlich wird das Frühstück ihr serviert
Sie kriegt nur das Allerfeinste, sonst wird sie zu fett
Steak zum Beispiel mit 'nem Ei garniert
Oder Tatar, das ist doch klar
Und wir steh'n mit 'nem Eintopf da

Refrain

Neulich zum Geburtstag hat sie uns ganz schön blamiert
Uns're Oma war direkt gekränkt
Erst hat sie die Torten in der Küche ausprobiert
Und dann den Schwanz ins Bowlenglas gehängt
Lässt man sie mal zu lang allein
Kann sie ganz schön beleidigt sein

Refrain



Alle Katzenfreunde können jetzt froh sein, dass ich nicht "Best of Pussycat" in der Endlosschleife eingelegt habe. Das ist ein Leben. So denkt sich auch Ottilie, die sich ganz heimtückisch in die Familie geschlichen hat, um sich dort nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen. Aber sie hat die Familie ganz gut im Griff - da braucht man sich nur den Speiseplan genauer anzuschauen. Ob Ottilie von Steaks und Tartar aber nicht doch vielleicht ein bisschen zu fett wird? Immerhin scheint sie ja auch vor Geburtstagskuchen nicht Halt zu machen. 40 Jahre später müssen wir ihr aber nicht mehr gram sein - die natürliche Selektion hat vermutlich bereits für uns gearbeitet. Nein, natürlich nicht im Fall von Viola! Sondern der egoistischen, "Menschen versklavenden" Katze Ottilie.

# 109 - "Daddy's Dattelmonopol" - Sina (1983)

Und hier kommt ein weiterer zweifelhafter "Hit" aus dem Bereich minderjähriger Jugendsünden!



SINA
A: Robin Hood (M & T: Volker Burkhardt, Andreas Simon & Bernd Simon)
B: Daddy's Dattemonopol (M & T: Andreas & Bernd Simon)

1983, Jupiter Records
produziert von Andreas & Bernd Simon


Der 1943 geborene Volker Burkhardt, der an der A-Seite mitarbeitete, war übrigens in den 70er-Jahren unter dem Künstlernamen "Mark Ellis" als Schlagersänger tätig, ehe er sich (wieder) intensiver mit der Juristerei auseinandersetze.
Die Brüder Andreas (* 1945) und Bernd Simon (1946-2017) verbindet eine tiefe musikalische Prägung. Ihr Vater Hans-Arno Simon (1920-1989) feierte vor allem in den 50er-Jahren große Erfolge (u. a. mit "Anneliese"). Auch ihre Schwestern Angelika (alias "Pat", * 1949) und Bettina (* 1951) waren in den 60er- und 70er-Jahren im Musikbusiness tätig.
Bernd Simon produzierte auch deutsche Aufnahmen mit Agnetha Faltskög (vor ihrer ABBA-Weltkarriere) und Danyel Gérard. In den 70er-Jahren auch unter dem Pseudonym "Simon Butterfly" tätig und landete 1973 mit "Rain, Rain, Rain" eine Chart-Notierung (#20). Bekannter wurde seine Stimme aber ab 1991 (bis zu seinem Tod) als Synchronsprecher von Barkeeper Moe Szyslak bei den "Simpsons".

Sina Selensky wurde in Hamburg geboren und begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Kunstturnen. Als 6-Jährige wurde sie Schülerin der John-Neumeier-Ballettschule der Hamburger Staatsoper. 1983 erhält sie einen Schallplattenvertrag bei Jupiter Records, der Plattenfirma von Ralph Siegel, und "Daddy's Dattelmonopol" wird für den deutschen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision vorgeschlagen, erreicht aber nicht das Finale. In weiterer Folge tritt sie als Schauspielerin auf (z. B. in "Ehen vor Gericht"), wird Frank Zanders Co-Moderatorin in der ARD-Sendung "Spielbude" und veröffentlicht noch weitere Schallplatten, u. a. "Dort am Nil", "Mein Pudel ist verrückt nach Rock'n'Roll", "Wie ein Blitz" oder "Immer nur du".
Ab 1993 war sie als Schauspielerin und Musicaldarstellerin, seit 1998 vordergründig als Autorin, Regisseurin und Produzenten von Tourneetheaterproduktionen tätig. Seit einigen Jahren tritt sie als Inhaberin bzw. Geschäftsführerin von Showproduktionen in Erscheinung.

Nun zum Song:

Daddy ist nicht oft zu Haus
Denn die Pflicht ruft ihn hinaus
Wo die Südseeinseln liegen


Aber neulich ließ er mich

Auf die Reise geh'n mit sich
Und nach Tiritonga fliegen

Und als wir am Ziel eintrafen
Stürzten sich auf mich und ihn die Fotografen

Denn mein Daddy hat das Dattelmonopol
Dattelmonopol auf Tiritonga
Darum fühlt er sich im Dattelwald so wohl
Beim süßen Didel-Dudel-Dattel-Wein

Ja, mein Daddy hat das Dattelmonopol
Dattelmonopol auf Tiritonga
Darum fühlt er sich im Dattelwald so wohl
Und schläft oft unter Dattelpalmen ein

Meine Freundin Susi schwört
Dass sie keinen so verehrt
Wie den Rolling Stone Mick Jagger

Einen tollen Supermann

Betet die Sabine an
Ihren Arnold Schwarzenegger

Doch wenn sie mich nach meinem Liebling fragen
Kann ich immer wieder nur das eine sagen

Refrain


Auch schöne Blumen liebt mein Daddy sehr
Aber Datteln mag er tausendmal noch mehr

Refrain



Puh ... ich hab echt schon einiges gehört, aber dieser Song, den ich von der Komposition irgendwo zwischen "Oben ohne" von Rainhard Fendrich und "Alle Vöglein sind schon da" einordnen würde, macht selbst mich sprachlos. Wie jemand ernsthaft auf die Idee kommen könnte, dass man mit diesem Song auch nur ansatzweise Chancen beim Eurovision Song Contest haben könnte, erschließt sich mir wirklich in keiner Weise. Mary Roos hat dann mit "Aufrecht geh'n" eine deutlich bessere Figur gemacht.
Problem Nr. 1 wäre ja schon, dass Tiritonga (gibt es diesen Ort überhaupt????) nicht zu Europa gehört und daher leider nicht stimmberechtigt wäre. Zudem verfügen die meisten Dattelbauern in der Südsee vermutlich nicht über empfangsbereite Geräte.
In diesem Fall wäre es vermutlich sinnvoller gewesen, die Pippi-Langstrumpf-Singers feat. Annika und Tommy mit einer Laudatio auf "Tacka-Tucka-Land" (das liegt vermutlich direkt hinter Tiritonga) an den Start zu schicken. Nett ist aber, dass immerhin Mick Jagger und Arnold Schwarzenegger erwähnt werden, wenn sie auch nicht mit dem mondänen Leben von Sinas Vater mithalten können. "Daddy's Dattelmonopol" ist übrigens eine äußerst formschöne Alliteration - und damit leider der einzige Teil dieses Songs, der mein Germanistenherz zum Höherschlagen bringt. Didel-Dudel-Dattel-Dilemma!

Donnerstag, 7. Mai 2020

# 50 - "Yummy, yummy, yummy - du bist ein böser Mann" - Joseline Gassen (1976)

Wow ... heute ist bereits der 50. Eintrag auf diesem Blog. Seit knapp zwei Monaten hat Corona unser Leben - von heute auf morgen - komplett auf den Kopf gestellt. Dennoch muss ich sagen, dass mir dieses tägliche Ritual tatsächlich nach wie vor viel Freude bereitet. Und ich freue mich immer wieder über liebe Nachrichten und lustige Kommentare zu einzelnen Beiträgen! Inzwischen wurde mein Blog mehr als 500-mal besucht! Vielen lieben Dank 💓



JOSELINE GASSEN
A: Yummy, yummy, yummy - du bist ein böser Mann [Yummy, Yummy, Yummy - Ohio Express] (M: Joe Levine & Arthur Resnick / dt. T: Frank Dostal)
B: Tommy (M: Janusz Kryst / T: Christiane Handtke)

1976, Philips, 6003 556


Von der 1951 geborenen Joseline Gassen gibt es tatsächlich nur diese eine Single.

Auf dem Single-Cover äußert sie sich folgendermaßen:

"Geboren als Jungfrau an einem Mittwoch in Berlin-Neukölln. Wenn ich Glück hab', werd' ich in 'nem Monat 25. Schule: Rechnen saumäßig (inzwischen kann ich's aber!!), Musik und Blockflöte gut - dritte Stimme im Kinderchor. Mit vierzehn erste heiße Liebe: Die Beatles.
Den ersten Kuss bekam ich etwas später, nich' von Paul McCartney, aber Hans war auch sehr lieb.
Zoowärter, Astronaut oder Schauspielerin wollte ich werden. Schauspielerin bin ich geworden - und verdiene mir heute damit meine Zigaretten.

Freizeitsingen in dem Berliner Club 'Die Badewanne' mit meiner Band, brachte mich glücklich zur Schallplatte.
Ansonsten glaube ich, bin ich 'n netter Mensch: Bisschen Kumpel, bisschen Weib - und dabei soll's auch bleiben."

Gassen steht immer wieder als Schauspielerin in Kino- und TV-Produktionen vor der Kamera. Mehrere Jahre war sie z. B. in den Serien "Wartesaal zum kleinen Glück", "Spreepiraten" und "Der Landarzt" engagiert. Sie spielte in den 80er-Jahren aber auch u. a. in den Kultserien "Drei Damen vom Grill", "Ich heirate eine Familie", "Liebling Kreuzberg" und  "Berliner Weiße mit Schuss".

Erfolgreicher und bekannter ist sie aber seit den 70er-Jahren als Synchronsprecherin, u. a. für Adrienne C. Moore (Orange is the new Black), Alfre Woodard (Desperate Housewives), Bette Midler (Der Club der Teufelinnen), Cher (Die Hexen von Eastwick), Geena Davis (Thelma und Louise), Jessica Lange (King Kong), Kate Jackson (Drei Engel für Charlie), Kirstie Alley (Kuck mal, wer da spricht), Lesley Nicol (Downtown Abbey), Linda Hamilton (Terminator), Lois Chiles (Dallas) und Stefanie Powers (Hart aber herzlich).

Nun aber zum heutigen Song, dessen Original sicher jeder kennt!

Yummy, yummy, yummy
Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Du und deine Liebe
Ihr klaut wie die Diebe
An mir ist bald nichts mehr dran

Aber ich mag das
Uh, ich vertrag' das
Liebe so süß wie Kakao
Du bist ein Tiger
Ruhmreicher Sieger
Ich bin dein Kätzchen, miau


--> Ich gehe jetzt an dieser Stelle nicht darauf ein, dass Frank Dostal (1945-2017) definitiv der erste Preis für blöde Songtexte verliehen werden hätte müssen. Tja. Literaturnobelpreisverdächtig ist das natürlich nicht. Aber selbst 1976 war die Frau per se emanzipierter als dieses Lied behauptet :/

Yummy, yummy, yummy

Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Ich war wie 'ne Brise
Auf 'ner Frühlingswiese

Heute wütet in mir ein Vulkan

--> Ist es Volkan, der türkische Gastarbeiter? Nein, Vulkan. Und warum wütet der in ihr? Weil er ein böser Mann ist? Und warum muss man jetzt auch noch seine Mutter - so kurz vorm Muttertag - in diese Sache mitreinziehen? Wie beschreibt man denn eine "Brise auf ner Frühlingswiese"? Ein laues Lüftlein voller Pollen?

Aber ich mag das

Uh, ich vertrag' das
Mag, wie du tust, was du tust
Uh, deine Küsse
Reißende Flüsse
Wenn du mit mir schmust

--> Wenn man die Küsse des Partners mit "reißenden Flüssen" vergleicht, dann hat er wohl nicht nur eine feuchte Aussprache, sondern generell ein mittelschweres Speichelproblem. Diese sanft-rauschenden (an Brisen auf Frühlingswiesen erinnernden) Vorrichtungen von Zahnärzten könnten da sicher großartig Abhilfe schaffen.

Mmmh ... ich mag das
Ja ... ich vertrag das
Ich mag, wie du tust was du tust
Deine Küsse, reißende Flüsse
Wenn du mit mir schmust

Yummy, yummy, yummy
Du ich sag's deiner Mami
Du bist ein böser Mann
Du und deine Liebe
Ihr klaut wie die Diebe
An mir ist bald nichts mehr dran

Aber ich mag das
Uh, ich vertrag' das
Liebe wie Erdbeereis
Du bist der Sieger
Machst mich zum Tiger
Gar nichts haben, nur noch heiß

--> Liebe wie Erdbeereis? Rot und klebrig? Oder künstlich und Karies bringend? Und die letzte Zeile erschließt sich mir sowieso in keiner Weise.

Refrain



Hier zum Vergleich ein nettes Video des Originals von 1968 von "Ohio Express".



Ein Gassenhauer war dieses Cover von Joseline Gassen definitiv nicht. Notwendig vermutlich auch nicht. Mit Liedern wie diesen wurde die mühsam vorgebrachte Emanzipation wieder um drei Jahre nach hinten geworfen. Schade, dass sich Frauen in den 70er-Jahren Männern gegenüber immer so anbiedern mussten.
Ich vergeb für diesen Song eine Packung Erdbeereis und versuche herauszufinden, ob sie mich an Liebe erinnert. Yummy, yummy, yummy ...