Sonntag, 28. Juni 2020

# 100 - Musical "Fäustling" - Wolfgang Ambros & Joesi Prokopetz (1973)

Endlich ist es soweit: Der 100. Blog-Eintrag ist tatsächlich online! Ich muss ehrlich sein. Zu Beginn der Corona-Entwicklung hätte ich gedacht, dass es sich dabei tatsächlich nur um eine kurze und vorübergehende Maßnahme handeln wird. Das mein Leben auch noch 3,5 Monate nach dem Lockdown alles andere als "Normalität" erreicht hat, hätte ich nicht erwartet. Dennoch fühle ich mich in vielerlei Hinsicht "reicher" als zuvor - in Bezug auf Freundschaften, Zeit und neuer Erkenntnisse, die ich mir in den letzten Wochen und Monate machen konnte.

Für den Jubiläumsbeitrag habe ich ganz tief in meine Trickkiste gegriffen und etwas ausgegraben, das vermutlich die wenigsten kennen: Ein Musical von Wolfgang Ambros. Okay, jetzt werden einige sagen: "Ge bitte, hör mir auf mit diesem 'Watzmann'!" - was ich durchaus verstehen kann. Allerdings handelt es sich bei diesem künstlerischen "Frühwerk" um ein anderes. Nämlich den "Fäustling", eine Wiener Adaption von Goethes "Faust".


Musical "Fäustling"
Musik und musikalische Leitung: Wolfgang Ambros
Text und Regie: Josef "Joesi" Prokopetz
Arrangements: Christian Kolonovits

Uraufführung am 19. Mai 1973 im Rahmen der Wiener Festwochen

Cast:
Heinrich Fäustling, Beamter - Alexander Wächter (* 1948)
Teufel - Wolfgang Ambros
Grete, Sekretärin - Elga Weinberger (* 1948)
Erdgeist - Uzzi Förster (1930-1955)
Frau Smeditschek, Friseurin - Angelica Schütz

sowie Michael Fischa, Agota Littasy, Ingrid Nowara, Eduard Schmiege, Lisa Ungar und die "Milestones"


Die musikalische Karriere des 1952 geborenen Wolfgang Ambros begann gleich mit einem Hit. 1971 schlug "Da Hofa" (geschrieben von Joesi Prokopetz) wie eine Bombe ein und landete sofort auf Platz der Ö3-Hitparade, an deren Spitze er sich acht Wochen hielt. Ambros, der zuvor eine Lehre zum Siebdrucker machte, veröffentlichte kurz darauf sein erstes Album. Mit den Nachfolgetiteln konnte er aber nicht an seinen ersten großen Erfolg anknüpfen. Für Aufregung sorgte 1973 der Titel "Tagwache", der sich gegen das österreichische Bundesheer und den damaligen Verteidigungsminister Lütgendorf richtete. Das Lied wurde daraufhin vom ORF boykottiert. Nach dem "Fäustling" entwickelte Ambros gemeinsam mit Joesi Prokopetz und Manfred Tauchen 1974 das Konzeptalbum "Der Watzmann ruft", das nach wie vor regelmäßig aufgeführt wird.
Seinen nächsten Nummer-1-Hit landete Ambros erst 1975 mit "Zwickt's mi". Weitere Hits sind "Es lebe der Zentralfriedhof" und "Schifoan". 1997 formierte er sich mit Rainhard Fendrich und Georg Danzer zu "Austria 3", die bis zu Danzers Tod regelmäßig gemeinsam auftrat. Ambros ist bis heute musikalisch aktiv.

Josef "Joesi" Prokopetz, ebenfalls 1952 geboren, begann 1969 erste Texte zu schreiben. Neben bereits angeführten Titeln stammen auch "Du bist wia de Wintasunn", "Baba und foi net" und "Die Blume aus dem Gemeindebau" aus seiner Feder. Große Erfolge feierte er in den 80er-Jahren als Mitglied und Songwriter der NDW-Gruppe "DÖF" (mit Manfred Tauchen sowie Annette und Inga Humpe). In diesem Zusammenhang seien vor allem ihre Hits "Codo" und "Taxi" zu nennen. Auch als Solist schaffte es Prokopetz mit "Sind Sie Single?" zu einem Nummer-1-Hit.



Mit einer Umwandlung von Goethes Faust zum wienerischen Dialektstück "Fäustling" entstaubten Ambros und Prokopetz nicht nur die Wiener Festwochen, sondern auch die österreichische Popkultur. Über die Produktion und Neo-Regisseur Prokopetz wurde vielfach medial berichtet. Die Süddeutsche Zeitung äußerte sich darüber beispielsweise: "Aus den Regiefehlern des Prokopetz könnten Generationen von Reinhard-Seminaristen etwas lernen."

"Die Handlung orientiert sich am großen Vorbild. So wie Heinrich Faust immer mit der Wissenschaft unzufrieden war, ist Heinrich Fäustling mit seinem Beamtentum unglücklich und sehnt sich nach dem Ausstieg aus der gutbürgerlichen Welt. Am Ende des Stücks gibt sich Fäustling dem Haschisch und sexuellen Orgien hin und tritt somit 'in die Welt der Hippies und Gammler' ein, so Prokopetz. Fäustling fühlt sich, befreit von den Zwängen des Alltags, erstmals als Mensch und zitiert die Kernbotschaft des Stückes: 'A Mensch und menschlich muass ma sei!'." (Kronen Zeitung, 12. November 2012)

Am 23. September 1973 strahlt der ORF die, von Peter Rapp moderierte, Jugendsendung "Spotlight" aus, in der Ausschnitte aus dem Musical gezeigt werden. Ein wahrlich beeindruckendes Zeitdokument!

(beim Video kommt eine Fehlermeldung - wenn ihr "auf YouTube ansehen" anklickt, könnt ihr es sehen)


- 0:40-2:45: "I bin da Teifl" (Wolfgang Ambros als Teufel und Alexander Wächter als Fäustling)
- 2:46-5:17: Interview Peter Rapp mit Wolfgang Ambros und Joesi Prokopetz
- 5:18-8:44: "Heat's es mi, es Dämonen" (Alexander Wächter als Fäustling und Uzzi Förster als Erdgeist)
- 9:17-11:50: "Halb acht" (Alexander Wächter als Fäustling und Elga Weinberger als Grete)

Elga Weinberger wurde bald darauf zu Österreichs bekanntester "Fernsehtante" im Kinderformat "Am dam des", während Alexander Wächter vor allem als "Nudlaug" in der Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter" Bekanntheit erlangte.

Mein persönliches Highlight ist definitiv die Szene zwischen Fäustling und Grete im feinsten Wienerisch. Kein Wunder, dass Grete "diesem Charme" (trotz Lebensabschnittsgefährten) über kurz oder lang nicht entziehen kann. 

Literarisch hat sich Prokopetz als Songwriter später deutlich gesteigert. Dennoch präsentiere ich euch hier noch ein paar der "Hits" aus dem Fäustling-Musical ;)

"A Kopf ohne Hoor" (Angelica Schütz)


"Es is jo net, doss ma red" (Ensemble)


"Die Zeit" (Ensemble)



"Unmoralisch" (Wolfgang Ambros)


Und mein persönliches absolutes Highlight:

"Wia a Schreibmaschin" (Elga Weinberger)
in dem Grete ihren "harten" Arbeitsalltag beschreibt ;)



Die Doppel-LP, die 1973 bei Atom erschien, wurde 2012 - anlässlich des 60. Geburtstags von Wolfgang Ambros - als Doppel-CD-Album wiederveröffentlicht.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem 100. Post (und den 99 davor) eine kleine Freude bereiten und ihr habt daran mindestens genauso viel Spaß gehabt wie ich! ;) Schauen wir mal, was die Zeit so bringt und ob wir uns in hundert Tagen beim 200. Post wiedersehen. Ich werde auf jeden Fall weitermachen und hoffe, dass ihr mir gewogen bleibt und wieder einmal vorbei schaut! :)

Freitag, 26. Juni 2020

# 99 - "Mrs. Hooligan" - Andrea Horn (1972)

Gibt es etwas Besseres als einen Kuchen? Okay ... zwei Kuchen! ;) Die Zutaten, aus denen der folgende Song "gebacken" wurde, haben leider nicht zu einem Hit gereicht ... aber immerhin zu Song #99! 



ANDREA HORN
A: Ring-e-Ding-e-Dong (M: Jürgen Schröder / T: Marcus Bach & Jean Lecru = Hans-Jürgen Spürkel)
B: Mrs. Hooligan (M: Winfried Lüssenhoop / T: Tobby Lüth)

1972, Decca, D 29 159
produziert von Wyn Hoop (= Winfried Lüssenhoop)


Textautor Hermann "Tobby" Lüth war ab Mitte der 50er-Jahre tätig. Titel aus seiner Feder sind beispielsweise "Hatschi-Boogie" (Friedel Hensch, 1956), "In Musik hab ich 'ne 1" (Rosemarie, 1959), "Alle Mädchen wollen küssen" (Peter Kraus, 1960), "Der Sheriff von Arkansas ist 'ne Lady" (Caterina Valente, 1961), "Twistin' mit Monika" (Roberto Blanco, 1963) und "Ich hab' ein Herz zu verschenken" (Peggy March, 1965).

Andrea Horn wurde 1933 in Wien als Hedi Prien geboren und erhielt während ihrer Schulzeit Klavierunterricht. Darüber hinaus wirkte sie im Schulfunk des Österreichischen Rundfunks mit. Nach der Matura arbeitete sie als Backgroundsängerin für die Plattenfirma Polydor und wurde Mitglied des Mädchentrios "Die Glorias". Mit Beatrix Kühn bildete sie das Duo "Honey Twins" und konnte sich zwischen 1959 und 1961 gleich dreimal in den Top50 der deutschen Single-Charts platzieren ("Charlie Brown" #17, "Nur ein Küsschen" #37 und "Banjo Boy" #32). Solistisch arbeitete sie - für diverse Plattenfirmen - zunächst unter ihrem bürgerlichen Namen und ab 1961 unter dem Pseudonym Andrea Horn.
1959 lernte sie bei Dreharbeiten den Sänger Wyn Hoop (alias Wilfried Lüssenhoop, * 1936) kennen und zog nach Hamburg. Die beiden heirateten im Juni 1961. Ab 1964 veröffentlichten die beiden gemeinsame Aufnahmen, wobei sie anfangs den Fokus auf internationale Folklore richteten. Es folgten zahlreiche Fernsehauftritte und Plattenaufnahmen, ehe sich die beiden 1978 aus dem Showgeschäft zurückzogen.
Fortan widmeten sie sich ihrer gemeinsamen Lieblingsbeschäftigung: dem Segeln. Gemeinsam veröffentlichten sie zahlreiche Reiseführer für den Maritim-Verlag, die inzwischen auch als eBooks verfügbar sind.

Hier ein Video der beiden aus dem Jahr 2017, das eine Anleitung liefert, wie man Zugang zu ihren eBooks erhält. Beide waren zu diesem Zeitpunkt bereits über 80 Jahre alt!!




Der Kuchen ist gar
Der Kuchen ist gar

Für mein Leben back' ich gerne Kuchen
Das weiß schon die ganze Stadt
Und es müssen mich alle besuchen
Denn bei mir gibt es stets Kuchen satt

Mein Herz kann sich daran erlaben
Wenn sich jeder dran gütlich tut
Und wenn alle zufrieden dann sagen:
'Mrs. Hooligans Kuchen schmeckt gut'

Wiederholung

Apfelsinen, Bananen, Rosinen
Und Nüsse, ein Ei auch als Clou
Ich habe sogar eig'ne Bienen
Die liefern den Honig dazu

Meine Kuchen, sagt man, sind die Besten
Mit Liebe sind sie angerührt
Damit niemand von meinen Gästen
Beim Probieren die Zähne verliert

Wiederholung



Dieser Song wäre um ein Haar auch ein würdiger Jubiläumsbeitrag geworden, aber dann ist mir noch etwas viel Besseres in die Hände gefallen.

Zu diesem Song lässt sich folgendes sagen: Kuchen ist super. Und noch besser, wenn es eine Person gibt, die gar nicht genug davon bekommen kann, tagtäglich Kuchen zu backen. Und noch besser, wenn sie in der Nachbarschaft wohnt und ihn großzügig verteilt. Doch wie heißt so eine Frau, die ganz lieb, mit ihrer Blümchenrüschenschürze, den frisch-gebackenen und herrlich-duftenden Kuchen aus dem Ofen holt? Fräulein Zuckerberg? Nein. Frau Mehlweiß? Nope. Das ist leider auch falsch ... sondern (ganz logisch) "Mrs. Hooligan" - EXAKT!!! Mrs. H O O L I G A N!
Schaut mich jetzt bitte nicht so entgeistert an. Ich habe sie nicht so getauft! Ich verstehe auch überhaupt nicht, was an dem Namen seltsam oder sonderbar sein sollte. Oder kennt ihr den Begriff "Hooligan" etwa in einem anderen, negativ verwendeten, Kontext? Ich nicht! #sarcasmoff

Aber gut. Wenn Mrs. Hooligan nicht gerade bei irgendwelchen Sportveranstaltungen andere mit einem Baseballschläger vermöbelt - wobei es könnte ja auch nur ihr Mann der Hooligan sein. Das "Mrs" impliziert ja, dass sie eine verheiratete Frau ist. Und in Österreich werden ja auch vielfach akademische Titel und Berufsbezeichnungen nach der Eheschließung übertragen (aka "Frau Hofratswitwe Dr. Schnaxlgruber") - dann backt sie halt einfach leidenschaftlich 24/7 Kuchen, Kuchen oder ... Kuchen! (Torte, petit fours, Macarons und Eclairs scheinen ihr nicht so zu liegen)

Allerdings scheint Mrs. Hooligans Terminkalender ziemlich prall gefüllt zu sein, denn wenn sie nicht gerade aktiv Kuchen backt, dann müssen sie alle (!) besuchen, um den schier grenzenlosen Kuchenmengen irgendwie wieder Herr zu werden. Ihr Häuschen scheint sich dann buchstäblich ins Schlaraffenland zu verwandeln. Der Verdacht, dass sie sich in eine heimtückisch-mordende Knusperhexe verwandelt, konnte sich bisher noch nicht erhärten. Dass sie aber die gesamte Nachbarschaft adipös und Diabetis-krank macht, scheint eher realistisch zu sein. 

Ich bin mir aber nicht so sicher, ob sich ihr Herz einzig und allein an netten Komplimenten "erlabt", die mit vollem Mund und schmatzend vorgetragen werden. Wenn schon, dann muss es heißen: "Mrs. Hooligans Kuchen ist der Beste". Der Baseballschläger (oder ein unauffällig als Küchenutensil getarntes Nudelholz) liegt stets griffbereit.

Allen Imkern unter euch, wird sicher das Herz aufgehen, wenn sie hören, dass Mrs. Hooligan sogar eigene Bienen hat. Ja, auch mit "natürlichen" Waffen kann sie umgehen. Und sie droht sogar allen Veganern den Kuchen mit Eiern aufzurüsten.

"Meine Kuchen, sagt man, sind die Besten
Mit Liebe sind sie angerührt
Damit niemand von meinen Gästen
Beim Probieren die Zähne verliert"

Diese zunächst harmlos klingende Strophe verrät, zu welchen üblen Tricks Mrs. Hooligan greifen kann, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Man munkelt sogar, dass sie unter ihrer Schürze eine Kette, mit sämtlichen ausgefallenen Zähnen von undankbaren Gästen trägt. In diesem Zusammenhang bekommt der Begriff "Marmorkuchen" eine ganz andere, dramatische und für Zahnärzte äußerst lukrativ scheinende, Bedeutung. Mit dieser Frau sollte man sich definitiv NIEMALS anlegen!

Mittwoch, 24. Juni 2020

# 98 - "Dance, Bunny Honey, dance" - Penny McLean (1977)

Mit großen Schritten nähern wir uns Post #100! 💗ֺ Heute gibt es zur Abwechslung wieder einmal etwas Englisches. Da die Interpretin aus Österreich und das Team um die Scheibe auch aus dem deutschsprachigen Bereich stammen, zählt es sowieso als "deutsche" Produktion.



PENNY McLEAN
A: Dance, Bunny Honey, dance (M: Stefan Klinkhammer / T: Michael Kunze)
B: Summernight Stomp (M: Stefan Klinkhammer / T: Michael Kunze)

1977, Jupiter, 11 313 AT
produziert von Michael Kunze


Wenn man 1946 als Gertrude Wirschinger in Klagenfurt geboren wird und Ambitionen in Richtung Rampenlicht hat, dann kommt man um einen Künstlernamen nicht drum herum.

Bevor wir uns nun ihrer Biographie genauer widmen, hier eine spezielle Quizfrage:

"Ihr bürgerlicher Name lautet Gertrude Wirschinger. Bitte suchen Sie sich einen international klingenden Künstlernamen aus?"
A) Tjorven
B) Barbi Münzer
C) Barbra
D) Penny McLean

Die richtige Antwort lautet natürlich E! Gertrude Wirschinger ist unter all diesen Künstlernamen aufgetreten.

Nach ihrer musikalischen Ausbildung in Klagenfurt machte sie Mitte der 60er-Jahre eine Ausbildung zur Erzieherin in München. 1967 heiratete sie den Komponisten und Schauspieler Holger Münzer, mit dem sie von 1966 bis 1969 als "Holger & Tjorven", mit Folksongs und Chansons, auftrat. Nach der Scheidung versuchte sie es solistisch und als Duettpartnerin von Helmut Frey ("Barbra & Helmut" sowie in einem Trio mit Antony & Liza Monn), dies war der Beginn ihrer Zusammenarbeit mit Produzent Michael Kunze.

Produzent Kunze ließ Gertrude Münzer, wie sie nach ihrer Hochzeit hieß, bald englisch singen und versuchte sie international zu vermarkten. Ihr Song "Lady Bump", der 1975 veröffentlicht wurde, erreichte Platz 1 der Charts und Goldstatus in Deutschland. Parallel entwickelte sich der "Bump" zu einem Modetanz, der für einige Jahre beliebt blieb. (In Corona-Zeiten wäre das wieder eine ganz praktische Ausgrabung, da hauptsächlich das menschliche Hinterteil bei diesem Tanz zum Einsatz kommt!)
Parallel dazu wurde sie, die damals auch als Backgroundsängerin in München tätig war, Mitglied der Formation "Silver Convention". Die aufkeimende Disco-Welle ermöglichte ihnen mit "Fly, Robin, fly" #1 der US-Billboard-Charts (+ mehr als eine Million verkaufte Platten in USA). Kunze wurde für seine Silver-Convention-Produktionen mit einem Grammy ausgezeichnet. 1977 vertritt sie als Teil von Silver Convention Deutschland mit dem Titel "Telegram" beim Eurovision Song Contest und belegt Platz 8.
Nachdem der kommerzielle Erfolg der Gruppe nachließ, fokussierte sie sich wieder auf ihre Solokarriere. Sie veröffentlichte später neben zahlreichen englischen Platten auch zwei mit deutschen Titeln ("Zwischen zwei Gefühlen" und "Wenn die Träume Flügel kriegen").

Seit den 80er-Jahren machte sich Penny McLean als Autorin über Numerologie und Esoterik einen Namen. Sie gibt regelmäßig Vorträge, Kurse und Seminare. Ihr aktuellstes Buch stammt aus dem Jahr 2018 und trägt den Titel: "Gestorben ist noch lang nicht tot. Was uns wirklich im Jenseits erwartet".

Ihre größten Erfolge solistisch waren: "Lady Bump" (1975, #1 DE & AT), "1, 2, 3, 4 ... Fire!" (1976, #3 DE, #11 AT), "Devil Eyes" (1976, #21 DE), "Nobody's Child" (1977, #49 DE) und "Dance, Bunny Honey, dance" (1977, #26 DE).

Nun zu unserem heutigen Song:

Dance! Dance! Dance!
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance - dance
Dance, Bunny Honey, dance

In a room full of strangers
She's waiting on tables every night
Her face always smiling
She's hiding her feelings deep inside

She's laughin' and talkin'
Drinkin' champagne with everyone
Getting up to the dance floor
When the dirty old man says: 'Let's have fun'

Refrain

It isn't hard to realize
Her smile is only her disguise
There are tears in her eyes

A girl from the country
One morning she left her parent's home
She came to the city to live the good life
She'd never known

The lights and the music
Made her believe she would be free
But now she's a puppet
When the dirty old man says: 'Come with me'

Refrain

It isn't hard to realize
Her smile is only her disguise
There are tears in her eyes

Refrain



Na, das ist ja mal ein interessanter fröhlicher Discosong! Blöderweise habe ich aber den Text ein bisschen zu genau gelesen ... denn so "easy listening" ist die Story von "Bunny Honey" definitiv nicht.

"Bunny Honey" wartet jeden Abend lächelnd darauf, dass sich ein Freier ... äh ... freier Mann ihrer annimmt. Doch hinter ihrem Lachen sind Tränen verborgen, denn ihr Inneres bleibt tief verborgen. Am Programm stehen Champagner trinken und tanzen, bis der widerliche alte Typ sagt: "Komm, lass uns Spaß haben". Und dann tanzt Bunny Honey ... 
Dass hinter ihrem Lächeln, das nur Fassade ist, Tränen verborgen sind, ist eigentlich leicht zu erkennen - wenn nur jemand genau hinschauen würde.
"Bunny Honey" stammt aus einfachen Verhältnissen vom Land. Eines Morgens verließ sie ihr Elternhaus und ging in die Stadt, um ein besseres Leben, das sie bisher nicht kannte, zu führen.
Die Lichter und die Musik im Etablissement, geplatzte Träume. Sie dachte, sie würde hier frei sein, aber jetzt ist sie nichts weiter als eine Marionette, die springen muss, wenn ein Typ mit ihr aufs Zimmer will.

Uff ... die Story "Aus dem Leben einer (Zwangs-)Prostituierten" ist schon ein ziemlicher Stimmungskiller. Irgendwie strange, dass zu dieser Story dann so eine fröhliche Up-tempo-Disco-Spaß-Melodie gemacht wurde ... 

Das Video von Pennys Auftritt hat durchaus einen skurrilen Touch. Videotechnisch spektakulär eingefangen (man beachte die damals wirklich revolutionäre Blue-Screen-Technik) shaked und schüttelt Penny alles was sie hat. Böse Zungen behaupten ja, dass sie großteils aus Beinen, Zähnen und Haaren bestand. Ein Umstand, den ich nicht bestätigen möchte.
Dennoch wirkt ihr Erscheinungsbild für eine 31jährige Frau, die sich ihren Lebensunterhalt als Discosängerin verdingt, doch etwas bieder und verbreitet eher den Charme einer Sekretärin in einem mittelständischen Unternehmen oder Verkäuferin eines Schreibwarenladens. Aber Penny gibt alles - und unter dem Motto "Viel hilft viel" wurde weder an Fönfrisur, Polyesterpulli noch Kajal (da wird selbst Cleopatra blass!) gespart. Ihre Tanzambitionen versuchen den "Tanzbarkeitsgrad" des Songs ins Unermessliche zu steigern, bebildern aber doch eher die zweifelhafte Motivation, da die gute Penny vermutlich tatsächlich weiß, was der Text, den sie da zum Besten geben darf, bedeutet (auch wenn dieser Umstand in den Refrainpassagen wie weggeblasen ... pardon ... erscheint). Und das Schicksal einer Frau im Rotlichtgewerbe ist jetzt nicht unbedingt der 1A-Party-Dancefloor-Knaller. Und auch das pathetische Greifen ins Gesicht, bei der Stelle mit den "Tränen in den Augen" wirkt bloß wie ein billiges Mitleidserhaschen, das noch kurz vorm Ende des Songs noch halbherzig hingeworfen wird. Aber immerhin hat sie sämtlichen Familienschmuck angelegt und die Fingernägel frisch lackiert (rot natürlich!). Immerhin wirft sie sich danach - drehend und headbangend - voll in den Song, aber das reißt zu dem Zeitpunkt leider auch nix mehr aus ...

... und auch wenn heute am Abend die Lichter wieder ausgehen, wird sich "Bunny Honey" noch immer an ihrer Stange drehen und sich wünschen, dass aus dem alten Radio heute hoffentlich nicht wieder dieser Song läuft, der ihr so drastisch vor Augen führt, wie leer ihr Leben eigentlich ist. Oder darauf hoffen, dass ihr der nächste Typ, der kommt, vielleicht einen Ausweg, zurück in ihr altes Leben, bietet. Dance ... dance ... dance ...

Dienstag, 23. Juni 2020

# 97 - "Hey Hey Marlene" - High Life (1984)

Kaum zu glauben, aber es sieht tatsächlich so aus, als würde jetzt doch noch so etwas wie SOMMER geben! Um nicht der spontanen Gefahr eines Sonnenbrands zu erliegen, habe ich heute einen produktiven Tipp für euch parat!



HIGH LIFE
A: Hey Hey Marlene (M & T: Winnie Martin)
B: Kerniger Typ (M & T: Bernd Boy & Winnie Martin)

1984, Jupiter, 6.14 134
produziert von Ralph Siegel

Die Gruppe wurde Mitte der 70er-Jahre als "High Life Skiffle Group" in Hannover gegründet. 1982 wurde die Hannover Gruppe von Ralph Siegel unter Vertrag genommen und hatten Erfolg mit Titeln wie "Ich fahr' mit der Lambretta", "Jetzt bügeln wir das Meer", "Ding Dong" oder "Sarah in der Sahara" oder "Ab ab ab in den Sonnenschein".
Sie hatten mehr als 50 TV-Auftritte und belegten mit "Hey Hey Marlene" im September 1984 Platz 3 der ZDF-Hitparade.
Bis 1990 hatte die Gruppe um Leadsänger Winnie Martin (* 1953) rund 100 Live-Auftritte pro Jahr in Deutschland. Es folgten weitere CD-Veröffentlichungen. Die Gruppe startete ab 2006 ein Comeback und brachte seither einige CDs auf den Markt.

Die Band bestand aus Bernd Boy, Torsten Lüderwaldt, Winnie Martin, Mike O'Neill und Andreas Oyen. Bei "Hey Hey Marlene" war auch Sandra Dieckmann, Miss Germany 1984, mit von der Partie.

Hier nun der heutige Song des Tages:

Ich lieg' am Strand, die Sonne über mir
Neben mir liegst du und ich schwitze wie ein Tier
Playboys laufen rum, es ist so schrecklich heiß
Mein Deo hat versagt, bei mir läuft nur der Schweiß

Oh, ich will hier weg
Nur weg von diesem Fleck

Hey Hey Marlene
Reich' mir mal die Creme
Ich bin schon ganz rot
Und in zwei Stunden bin ich gar

Hey Hey Marlene
Reich' mir mal die Creme
Ich bin schon ganz rot
Und in zwei Stunden bin ich ganz und gar

Verbrannt
Im Sand
Am Strand

Ich träum' vom Nordpol, ich wünschte es wär' kalt
Doch ich muss hier braten wie'n Hahn vom Wienerwald
Ich gäb' sogar mein Auto für 'nen riesen Sonnenschirm
Die Sonne knallt erbarmungslos runter auf mein Hirn

Refrain


Und hier nun dieses großartige Machwerk inklusive Video, das in jeglicher Hinsicht ABER SOWAS VON die 80er widerspiegelt! Frisuren und Outfits - ein Traum!



Gut, dass der Winnie für sein Strandhappening (schade, dass uns die Schilderung der - sicher - farbenprächtigen Bademode verwehrt bleibt!) nicht nur entsprechendes Sammelsurium in Form von Strandequipment eingepackt hat, sondern auch an das "passende Beiwerk" gedacht hat. Marlene, die ganz sicher auch großartige innere Werte hat, wird allerdings lediglich diestbotenhaft als Sonnencremespenderin "benutzt". Marlene wär wohl zu raten, sich nach den herumlaufenden Playboys umzusehen, anstatt ihren verschwitzten Begleiter das Deodorant ... äh ... die Treue zu halten. Sonst ist nämlich ihre Beziehung bald nicht mehr "im Sand", sondern "am Sond" - wie der Österreicher so schön sagt ;)

Der Reim "Marlene - Creme" tut schon ziemlich weh (nicht nur Germanisten),  da müsste es schon eher "Liebe Okka, gib mal den Sunblocker" oder "Jan, wo ist denn unser After Sun?". "Das Deospray braucht aber vorher noch René". Man muss sich nur ausreden können ;)

Genießt die Sonne und bis morgen!

Montag, 22. Juni 2020

# 96 - "Das Mädchen mit den schönen Augen" - Pascal Dufar (1971)

Zur Feier der Überschreitung der 1.000-Besucher-Marke (DANKE!!! 💗) gibt es heute wieder eine sehr spezielle deutsche Coverversion!




PASCAL DUFAR
A: Liebe ist Sonne (M: Hans Blume / T: Michael Kunze)
B: Das Mädchen mit den schönen Augen [Wild World - Cat Stevens] (M: Cat Stevens / dt. T: Günter Loose)

1971, Polydor, 2041 130


Pascal Dufar ist ein französischer Sänger und Komponist, der von 1967 bis 1976 musikalisch aktiv war. 1976 veröffentlichte er als Pascal Duffard das Album "Dieu est fou". Die vorliegende Single ist die einzige in deutscher Sprache. Leider ist nichts Biographisches über ihn (und was aus ihm wurde) bekannt.

Textautor Günter Loose (1927-2013) war bereits regelmäßig auf diesem Blog vertreten. Eigenen Angaben zufolge schrieb er zwischen 1955 und 1984 mehr als 3.000 Titel. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Titel gehören "Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strand-Bikini" (Caterina Valente, 1960), "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Drafi Deutscher, 1965) und "Er ist wieder da" (Marion, 1965).


Nun aber zu dem heutigen Song, der so interessant arrangiert ist, dass man das Original fast nicht mehr erkennt:

Jeden Morgen, gegen 9 Uhr 10
Seh' ich sie auf der Straße geh'n
Und ihrem Blick liegt so viel Sonnenschein
Dass sie mir so wunderbar gefällt
Hätte ich ihr gerne längst erzählt
Leider fallen mir die Worte niemals ein

Das Mädchen mit den schönen Augen
Geht nur vorbei und schaut mich nicht an
Das Mädchen mit den schönen Augen
Weiß nicht, was sie mir bedeuten kann

Dieses Mädchen, das vergess' ich nie
Tagelang denk' ich nur noch an sie
Selbst in meinem Traum seh' ich sie vor mir steh'n
Briefe schreiben, das fällt mir so schwer
Rote Rosen schickt man heut' nicht mehr
Aber irgendetwas muss mit uns gescheh'n

Refrain





Wer hätte es erkannt: Da wurde dieser Cat-Stevens-Klassiker tatsächlich von einem Franzosen in deutscher Sprache geträllert. "Wild World" belegte im Frühjahr 1971 #11 der US-Charts.

Cat Stevens äußerte sich 2009 in einem Interview mit der Zeitschrift "Mojo" über die Entstehung dieses Songs:

"Der Song besteht aus Akkordfolgen, die in der spanischen Musik typisch sind. Ich drehte die Kombination um, und heraus kam ein Thema, das ich häufig in meinen Songs verwende: es handelt vom Verlassen, der Traurigkeit, die daraus entsteht und der Ahnung, was danach kommen könnte." (Songfacts.com, dt. Übersetzung Wikipedia)

Cat Stevens widmete diesen (und weitere) Song der Schauspielerin Patti D'Arbanville, mit der er zwei Jahre liiert war.


Für Pascal, der so leidenschaftlich nach der geheimnisvollen Frau mit den schönen Augen schmachtet, hätte ich allerdings ein paar Ratschläge, die ich auch gerne meinen pubertären Jungs mit auf den Weg gebe:

1) Wenn du sie jeden Morgen zur gleichen Zeit beobachtest, dann klingt das leider bereits nach Stalking!
2) Wie soll sie jemals wissen, dass du sie magst, wenn du deinen Mund nicht aufkriegst, sondern ihr einfach nur nachstellst?
3) Scheiß auf den "perfekten" Anmachspruch (den gibt es sowieso nicht!) und die meisten Frauen mussten bereits so viele schlechte ertragen, dass sie über jeden, der ihnen erspart bleibt, froh sind.
4) Mach' ihr doch einfach ein Kompliment (z. B. "Du hast schöne Augen")
5) Nicht alle Frauen stehen auf Briefe und rote Rosen - aber auch auf nicht auf aufdringlichen Körperkontakt und Dickpics. Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen.
6) Sprich sie einfach an! Wenn sie dir einen Korb gibt, weißt du wenigstens wo du dran bist. Dann kannst du ihr immer noch nachschmachten und nachtrauern und von ihr träumen. Vielleicht geht sie aber auch mit dir aus? Dann kannst du es ganz real (und legal) erleben!

Good Luck, Boy!

Und weil das alles so schön ist, gibts noch eine schöne Coverversion von "Wild World" obendrauf. Sie stammt von der US-Hard-Rock-Band "Mr. Big" (nein, nicht der von "Sex and the City"!) und belegte 1993 #24 (DE), #7 (AT) und #27 (USA) der Charts.
Ihr größter und erfolgreichster Hit war "To be with you" aus dem Jahr 1991 - #1 in DE, AT, CH und USA!





Habt einen schönen Start in die Woche, auch wenn uns're Welt gerade ein bisschen "wild" ist. Es kann nur besser werden ... und schaut mal, vielleicht läuft irgendwo ein Mädchen mit schönen Augen herum ... und die bringt euch dann auf positivere Gedanken. Ansonsten hätten wir auch aktuell (zur Abwechslung) wieder etwas Sonnenschein im Gepäck!

Sonntag, 21. Juni 2020

# 95 - "Wer im Wartesaal der Liebe steht" - Bjorn, Benny, Anna & Frida (1973)

"Uff!", ächzte es. "Noch mehr Namen, konntet ihr euch nicht mehr einfallen lassen, oder?", raunte es vermutlich seitens der Plattenfirma als zwei deutsche Titel eines schwedischen Quartetts auf dem Schreibtisch landeten. Mit den Namen nahm man es übrigens damals nicht so genau. Wer hätte schon damit rechnen können, dass aus denen tatsächlich etwas wird?



BJORN, BENNY, ANNA & FRIDA
A: Ring Ring [Ring Ring] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Peter Lach)
B: Wer im Wartesaal der Liebe steht [Another Town, another Train] (M: Benny Andersson & Björn Ulvaeus / dt. T: Fred Jay)

1973, Polydor, 2040 105

Textautor Fred Jay habe ich euch bereits an anderer Stelle vorgestellt. 

Und zu dieser Gruppe müsste man eigentlich auch nichts schreiben oder?

ABBA war eine schwedische Popgruppe, die von 1972 bis 1982 aus den Paaren Agnetha Fältskog (* 1950) und Björn Ulvaeus (* 1945) sowie Benny Andersson (* 1946) und Anni-Frid Lyngstad (* 1945) bestand. Mit rund 400 Millionen verkaufter Tonträger gehören sie zu den erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte.

Björn und Benny lernten sich bereits 1966 kennen, als beide Mitglieder in Bands waren. Benny beispielsweise war Pianist der landesweit erfolgreichen Hep Stars. Anni-Frid war in den späten 60er-Jahren eine durchaus bekannte Jazz-und Folksängerin. Agnetha startete mit schwedischer Schlagermusik und erlangte 1968 ihren Durchbruch. Beide Paare formierten sich Ende der 60er-Jahre und es kam bereits zu ersten musikalischen Zusammenarbeiten. 1970 sangen beide Damen bereits Backing Vocals für das erste Album von Benny und Björn ("Lycka") ein. Demzufolge gilt "Hej Gamle Man" als erstes Lied, bei dem alle vier ABBA-Mitglieder zu hören sind.
Ihren ersten gemeinsamen Auftritt als Gruppe hatten sie im November 1970. Als "Festfolket" traten sie im Dezember in einer Fernsehshow auf und präsentierten in Westernkostümen den US-Klassiker "California, here I come".



1972 übernahm Agnetha in Göteborg die Rolle der Maria Magdalena in der schwedischen Version des Musicals "Jesus Christ Superstar" - zuvor versuchte sie auch eine Gesangskarriere in Deutschland zu starten. 
Nachdem Benny und Björn mit ihren schwedischen Songs keinen Hit landen konnten, ihr Titel "She's my Kind of Girl" in Japan allerdings #7 der japanischen Charts belegte, setzten sie fortan nicht nur auf englische Songs, sondern auch die Gesangsfähigkeiten ihrer Ehefrauen. Das erste Ergebnis dieser Idee formierte sich im Song "People need Love", der im Juni 1972 veröffentlicht wurde.
Im Rahmen dieser ersten Zusammenarbeiten erschienen auch fünf deutsche Titel, bei denen es sich um Coverversion von "Hej Gamle Man" (Hey, Musikant), "Livet gar sin gang" (Was die Liebe sagt), "Ring Ring", "Another Town, another Train" (Wer im Wartesaal der Liebe steht) und "Waterloo". Während "Ring Ring" und "Nina, pretty Ballerina" in Österreich bereits #2 und #8 der Charts belegten, gelang ABBA dieser Erfolg in Deutschland erst 1974 mit "Waterloo" (dafür dann aber #1). Mit diesem Titel gewannen sie auch 1974 in Brighton für Schweden den Grand Prix aka Eurovision Song Contest. Dies war der Start für eine internationale Karriere, die ihresgleichen sucht.

Nun aber zum heutigen Song:

Du und ich hatten unsere Zeit
Ist es nun am Ende doch soweit
Kann es wirklich möglich sein

Unser Himmel war wolkenlos
War das alles eine Täuschung bloß
Und du lässt mich nun allein
Und nun stürzt der Himmel ein

Wer im Wartesaal der Liebe steht
Weiß, dass es um alles geht
Und man fragt sich nur:
Wie wird das noch enden?

Wer im Wartesaal der Liebe steht
Und es ist noch nicht zu spät
Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden
Alles wird sich vielleicht zum Guten wenden

War das etwa die Endstation
Und ich merkte einfach nichts davon
Hab' ich mich denn so geirrt?

Was zu tun war, hab' ich getan
Jetzt kommt es auf and're Dinge an
Niemand weiß, was mit uns wird
Wohin der Weg uns führt

Refrain



Ein absolut untypischer ABBA-Song. Allein schon deshalb, weil die Strophen nicht von den Frauen gesungen werden (man möge mir verzeihen, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es Benny oder Björn ist).
Über den Text lässt sich streiten. Ich glaube es ist ganz gut, dass sie später eine andere Art von Songs gemacht haben. Dass aber ein Lied mit dem Titel "Wer im Wartesaal der Liebe steht" auch 1973 keine Katze hinter dem Ofen hervorgelockt hat, hätte selbst dem desinteressiertesten Produzenten klar sein müssen ... aber gut, aus Agnetha wurde ja auch Anna (warum auch immer?). Das war nämlich für den deutschen Raum ziemlich unlogisch, da sie ja bereits in Deutschland als Agnetha Singles veröffentlicht hat... das wäre in der Tat ein potentieller (nicht genutzter) Verkaufsanreiz gewesen.

Über den höchst philosophischen Text von Fred Jay sollte ich wohl eher den Mantel des Schweigens stülpen. "Er hat sich stets nach Kräften bemüht" erscheint mir eine faire Wertung für das dargebotene Reimwerk. Oder war das alles nur Täuschung an einem wolkenlosen Himmel und man fragte sich bereits damals, wie soll das deutsche Schlagergeschäft nur enden. Ist es noch nicht zu spät oder kann sich vielleicht noch alles zum Guten wenden? Fragen über Fragen.

Hab' ich mich denn so gerirrt?
Was zu tun war, hab' ich getan
Jetzt kommt es auf and're Dinge an
Niemand weiß, was mit uns wird
Wohin der Weg uns führt

Uuuuuuh ... kommt euch das auch ein bisschen bekannt vor? In Corona-Zeiten hat diese letzte Strophe doch eine deutlich stärkere Wirkung als ich gedacht hatte. 

Ach, und jetzt soll ich euch noch einen Ratschlag geben? Gut. Wenn ihr im Wartesaal der Liebe steht, dann hoffe ich, dass ihr euch vorher um einen Termin gekümmert habt, denn ich glaube aktuell praktizieren noch nicht alle Ärzte so wie es einem lieb wäre. Aber vielleicht gibt es bald "Umarmungen auf Krankenschein"? Ich glaube, dass wäre momentan die beste Impfung ...

# 94 - "Laylalou" - Uschi Glas (1970)

So viel "Männlichkeit" braucht nun wieder einen sanften Gegenpart. Und etwas Sanfteres als das gibt es kaum ...

NACHTRAG FÜR SAMSTAG





USCHI GLAS
A: Wenn dein Herz brennt [Love grows - Edison Lighthouse] (M: Tony Macauly & Barry Mason / dt. T: Hans-Ulrich Weigel)
B: Laylalou (M: Giorgio Moroder / T: Michael Kunze)

1970, Ariola, 14 546 AT
produziert von Giorgio Moroder


Da Textautor Michael Kunze bereits öfters hier vertreten war, kann ich mich heute ganz entspannt auf die liebe Uschi konzentrieren.

Uschi Glas wurde 1944 als Helga Ursula Glas in Landau an der Isar geboren. Nach der mittleren Reife arbeitete sie als Buchhalterin, ehe sie ab 1964 in München als Sekretärin einer Anwaltskanzlei und in einem Fuhrunternehmen.
Beim Empfang zur Premiere eines Filmes machte sie gegenüber dem Produzenten kritische Bemerkungen. Dieser zeigte Interesse an ihr und engagierte sie in einer kleinen Rolle für den Film "Der unheimliche Mönch" (1965). Sie überzeugte, nahm daraufhin Schauspielunterricht und erhielt bald größere Rollen, wie 1966 in der Karl-May-Verfilmung "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" - in diesem Film wurde sie allerdings synchronisiert. Allgemeine Bekanntheit erlangte sie Ende der 60er-Jahre durch die Filme "Zur Sache, Schätzchen" und der "Penne"-Filmreihe "Die Lümmel von der ersten Bank". 1969 gab sie ihr Theaterdebüt in Düsseldorf. Zeitgleich versuchte sie sich auch als Schlagersängerin und veröffentlichte bis 1974 acht Singles. Mit dem Album "Uschi Glas singt die schönsten Weihnachtslieder" erreichte sie im Dezember 2002 #45 der deutschen Charts.
Ab Mitte der 70er-Jahre war sie auch vermehrt in TV-Serien wie z. B. "Derrick", "Das Traumschiff", "Zwei Münchner in Hamburg", "Ein Schloss am Wörthersee", "Sylvia - Eine Klasse für sich" oder "Zwei am großen See" zu sehen. Größere Beachtung erhielt sie auch durch ihre Rolle in den drei Teilen von "Fack ju Göhte". Uschi Glas steht bis heute regelmäßig vor der Kamera.

Anfang der 2000er-Jahre geriet Uschi Glas aufgrund einer von ihr, über einen Homeshopping-Sender, vermarkteten Kosmetikserie in die Schlagzeilen, da die Produkte zu Hautreizungen führten und Stiftung Warentest von einer Anwendung abriet.

Aber Uschi genügte es nicht, bloß lasziv in die Kamera zu blicken, nein, sie sang auch mit voller Inbrunst ... oder so.

In der kleinen Discothek
Hab' ich mich in dich verliebt
Bei dem ersten Tanz mit dir
Spielten sie mein Lieblingslied
Das ging


Laylalou
Baby Blue
Laylalou
I love you

Dann traf ich dich jeden Tag
Und mein schönster Traum begann
Immer wenn du bei mir warst
Hörten wir die Platte an

Refrain

Immer wenn ich dich nicht seh'
Schreib' ich einem Discjockey
Und im Rundfunk hörst du dann
Was ich dir nicht sagen kann

Refrain

Gibt es zwischen uns mal Streit
Dauert es bestimmt nicht lang
Denn ich weiß ja ganz genau
Was uns gleich versöhnen kann

Wiederholung

Refrain




Das war sie: Uschis Ode an den Rundfunkbeitrag. Die GIS/GEZ würde sich freuen, wenn ihnen heute jemand noch ein Ständchen spielen würde.
Ein Sonderpluspunkt für Texautor Kunze für den Reim "dich nicht seh - Discjockey". Das ist definitiv nobelpreisverdächtig (oder so).
So kann es einem gehen als armes junges Mädchen. Da geht man nichts Böses ahnend in die nächste Dorfdisco und begegnet dort ausgerecht seiner großen Liebe und dann läuft dabei auch noch so ein geiler Schmusesong. Wenn diese Liebe nicht unter einem guten Stern steht, dann weiß ich auch nicht weiter. Der Refrain erfüllt zumindest den Zweck, dass er auch mit 17 Promille noch fehlerfrei mitgelallt werden kann.
Die Radiostationen sind allerdings nicht zu beneiden. Jetzt trifft sich Uschi zwar tagtäglich mit Mr. Right, aber das ist Fräulein Nimmersatt augenscheinlich nicht genug. In den wenigen Pausen, die er nicht bei ihr sein kann, vermutlich um einer Arbeit nachzugehen oder seine Notdurft zu verrichten (ich hoffe nicht, im örtlichen Gerichtssaal! - wir erinnern uns), plagen sie solche Liebeskummerleiden, dass sämtliche Plattenaufleger bis zum Abwinken dieses Lied für sie spielen sollen. Ich könnte wirklich gut nachvollziehen, wenn der arme Tropf eines Tages vom Zigarettenholen nicht mehr zurückkehren würde und in ein fernes Land auswandert, wo dieser Song oder noch besser - Musik im Allgemeinen - vollkommen unbekannt sind.

Samstag, 20. Juni 2020

# 93 - "Schach matt" - Roland Kaiser (1979)

Eigentlich hatte ich einen ganz konkreten Plan für den Freitag-Song, doch dann kam - wieder einmal - alles anders. Beim "youtüblichen Degustieren" für neue akustische SchrecklichBesonderheiten wurde mir ein Video vorgeschlagen. Ich klickte es an und hörte es mir passiv an. "Eh ganz ok", dachte ich mir. Aber bei Weitem nicht so skurril oder spektakulär wie andere Songs. Als ich es für meine Favoriten-Playlist speicherte, stellte ich fest, dass es mehr als 205.747 Views (!) hatte. Das überraschte mich doch sehr. Zwei andere Videos von Fernsehauftritten mit dem selben Titel wiesen lediglich 551 und 8.468 Views auf. Also muss es irgendetwas mit dem Video auf sich haben ... und siehe da, ein besonderes "Stück" Fernsehgeschichte ;)

Da ich aber inzwischen zu einer gewissen Verlässlichkeit neige, wenn ich mir bestimmte Dinge nicht notiere und sich mein Terminkalender wieder mehr und mehr füllt, habe ich dann auf dieses Video und den dazugehörigen Beitrag komplett vergessen. Erst als ich kürzlich meinen Blick durch mein Bücherregal schweifen ließ, während ich mit einer Freundin, die lange Zeit als Kostümassistentin im Musiktheaterbereich gearbeitet hat, fiel dieser auf ein Buch von Gundula Wolter: "Die Verpackung des männlichen Geschlechts. Eine illustrierte Kulturgeschichte der Hose" - ein wirklich faszinierendes Buch, das ich vor Jahren ganz günstig bei einem Bücherflohmarkt erstanden hatte - und wie Schuppen von den Augen fiel mir besagtes Video wieder ein, dass ich euch nicht vorenthalten möchte!

NACHTRAG FÜR FREITAG




ROLAND KAISER
A: Schach matt (M: Bernd Dietrich & Gerd Grabowski = G. G. Anderson / T: Roland Kaiser & Heino Petrik)
B: Ich will für andere niemals Vorbild sein (M & T: Roland Kaiser & Heino Petrik)

1979, Hansa, 100 794
produziert von Peter Meisel & Heino Petrik



Co-Textautor Heino Petrik, der auch selbst unter dem Pseudonym Ron Petrik musikalisch in Erscheinung trat, arbeitete ab 1969 als Komponist und Texter für zahlreiche bekannte SängerInnen, wie z. B. Ricky Shayne, Bernhard Brink, Juliane Werding, Gunter Gabriel, Marianne Rosenberg, Rex Gildo, Howard Carpendale, Peter Orloff und Nana Mouskouri.


Mit mehr als 90 Millionen verkauften Tonträgern gehört Roland Kaiser zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängern. Der 1952 als Ronald Keiler in Berlin geborene Sänger wuchs bei einer alleinerziehenden Pflegemutter auf, nachdem ihn seine Mutter, die mit 16 schwanger wurde, zur Adoption freigab. Mit 15 Jahren wurde er Vollwaise, brach die Volksschule ab und begann eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann in einem Supermarkt, ehe er 1969 eine Lehre als Automobilkaufmann in einem Autohaus absolvierte, dessen Werbeabteilung er später leitete. Der junge Mann, der in dieser Zeit auch vielfach in Kneipen und auf Hochzeiten sang, wurde von Gerd Kämpfe und Thomas Meisel entdeckt. Seine erste Single ("Was ist wohl aus ihr geworden?") wird 1974 veröffentlicht. Mit "Frei - das heißt allein" konnte er 1976 seinen ersten Verkaufserfolg verbuchen, den zahlreiche weitere folgten.

"Kaisers Texte behandeln laut eigener Aussage nicht die gefühlsduseligen Klischees der einzig wahren Liebe, sondern die verstörenden Emotionen von Sehnsucht, Sex und Seitensprüngen. Dabei finde sich dem Künstler zufolge ein erotisches Spiel aus Erlebtem und Phantasie in seinen Liedtexten wieder. Darüber hinaus sei Kaiser stets bedacht, immer einen Schritt weiterzugehen, da dies der Aspekt sei, auf den der Mensch hinarbeite. (...) Folglich betitelt Roland Kaiser seine Musik als Pop-Erotik mit Anfass- und Streicheltexten." (Wikipedia)

Anne Tönnissen vom Stern bezeichnete Kaiser als den "Soft-Pornographen des deutschen Schlagers".

Seine größten Hits sind u. a. "Sieben Fässer Wein" (1977, #7 DE), "Santa Maria" (1980, #1 DE, #3 AT - mehr als 1.200.000-mal verkauft!), "Lieb' mich ein letztes Mal" (1981, #3 DE), "Dich zu lieben" (1981, #5 DE), "Manchmal möchte ich schon mit dir" (1982, #7 DE), "Joana" (1984, #35 DE) und "Warum hast du nicht 'Nein' gesagt?" (2014, #55 DE).

Kaiser ist trotz seiner COPD-Erkrankung bis heute aktiv und gibt laufend Konzerte, die sich großer Begeisterung erfreuen.

Nun aber zu dem heutigen Ständerchen:

Am Anfang war da nur ein kurzer Blick zu mir
Ein Lächeln auf ihrem Gesicht
Dann strichen ihre Finger durch ihr langes schwarzes Haar
Viel mehr tat sie nicht

Doch für mich war das mehr als genug
Ich bin als Mann so gebor'n
Sie griff an mit den Waffen der Frau
Und ich war verlor'n

Schach matt
Durch die Dame im Spiel
Schach matt
Weil sie mir so gefiel

Schach matt
Denn sie spielte sehr klug
Schach matt
Packte mich Zug um Zug

Sie siegt, dachte ich mir
Sie spürt, dass ich verlier'
Die Frau bringt mich um den Verstand

Sie war so zärtlich beinah wie ein kleines Kind
Und doch so wild wie ihr Land
Sie war so wie ein kühler Tropfen Tau auf dem Gras
Und doch setzte sie mich in Brand

Heiß und kalt hatte sie mich erwischt
Seit dem ersten Augenblick
Viel zu viel ist bis heute gescheh'n
Ich kann nicht mehr zurück

Refrain


Dieser Roland ist schon ein kleiner Filou. Setzt die Frau, die ihm den Kopf verdreht, mit einem heimtückischen Schachzug gleich. Tja, Schach matt! Möglicherweise haben Björn & Benny von ABBA beim Hören dieses Lieds ihre Idee zum Musical "Chess" gefällt ... Egal. Someone else's story.

Nun aber zu dem bisher verschwiegenen Grund, warum das Video über 200.000 Views hat. Also: zugegeben, Roland Kaiser hat definitiv Stimme und Talent. Und mit 27 konnte er sich auch optisch zeigen lassen. Sein charakteristisch bis zum Bauchnabel geöffnetes Hemd, das einen Blick auf die unbehaarte gebräunte Brust samt Goldkettchen freilegte, tauschte er ab Anfang der 80er-Jahre gegen Anzug und Krawatte.

Bei diesem Auftritt im September 1979 boykottierte sich allerdings Roland Kaiser selbst - und das mit der Wahl seiner Hose. Gut, so eine Hose muss man wirklich tragen können. Da braucht man schon wirklich eine ordentliche Figur - denn die verzeiht weder Fettpölsterchen noch Unebenheiten. Ach ja, da wären wir schon beim Thema, denn der "kleine Roland" drängte sich deutlich sichtbar in den Vordergrund und stahl dem "großen" dadurch fast die Show ;) Aber was soll man sagen: So eng wie diese Hose sitzt, war definitiv kein Platz mehr für ein kaschierendes Unterhöschen.

Highlight-Momente des Videos:
- ab 0:34: Rolands Hüftschwung bringt nicht nur so manche Frau aus der Fassung, sondern lässt auch "indoor" das eine oder andere "entgleiten" 
- 0:58: für alle die bis jetzt noch geglaubt haben, dass das einfach eine ungünstige Falte war, erleben jetzt den Beweis, dass hier etwas versucht, sich den Weg ins Freie zu bahnen (das sah bei 0:06 noch deutlich "züchtiger" aus)
- 1:47: Roland verlässt das Podest und macht sich auf Richtung Zuschauer. Achtet bitte vor allem auf die Damen in den vordersten Reihen und vor allem auf deren Blickrichtungen - "a penny for their thoughts"...
- 1:56 Roland hat den Mittelgang aka die Mini-Showtreppe erklommen. Im Publikum sitzen übrigens einige bekannte Fußballspieler (ich glaube vom HSV, bin mir aber nicht sicher).
- 1:58 peinlich-berührte Blicke der männlichen Zuseher und bei 2:00 - OMG! - Wie hat R. K. diesen Move in DIESER Hose geschafft, ohne dass er sich verletzt oder sie gerissen ist? Hallelujah!
- 2:04 peinlich-berührte Blicke Vol. 2 als Rolands Hüftschwung einsetzt. Hier gibt es anscheinend tiefere Einblicke als in der Umkleidekabine ...
- 2:09 Einer kann gar nicht mehr hinsehen und hält sich schützend die Hand vor die Augen, aus Angst, in näheren Kontakt mit den kaiserlichen Klöten zu kommen.
- 2:13 Blick riskiert. Scheiße, immer noch da.

Eines kann man Roland immerhin nicht vorwerfen: Er hat bei seinem Auftritt definitiv ALLES gegeben!






Mit diesen Bildern verabschiede ich mich in ein beschwingtes Wochenende!

# 92 - "Doktor" - Peggy March (1971)

Jetzt habe ich die Woche so diszipliniert und gut angefangen und bin nun schon wieder in Verzug geraten (mea culpa!) ... und das so kurz vor dem/der 1000. Besucher/in und dem 100. Post (Wahnsinn wie lange diese Zeit schon andauert!). Ich hätte - um ehrlich zu sein - nicht gedacht, dass mein Blog so viele Einträge haben wird.

NACHTRAG FÜR DONNERSTAG




PEGGY MARCH
A: Einmal verliebt, immer verliebt (M: Ralph Siegel / T: Robert Jung)
B: Doktor (M: Werner Zylka = Ralph Siegel / T: Claus Rupp = Josefine "Fini" Huber-Busch)

1971, Decca, D 29 077

Fini Busch (1928-2001) war eine durchaus gefragte Textautorin. 1984 veröffentlichte sie ein Album mit dem Titel "Lieder, die ich gerne schrieb". Darauf sind ihre größten Hits und einige ihrer Lieblingslieder enthalten. Zu ihren größten Hits zählten "Seemann, deine Heimat ist das Meer" (Lolita, 1960), "Morgen ist alles vorüber" (Esther Ofarim, 1964), "Sugar Baby" (Peter Kraus, 1959), "Ein Schiff wird kommen" (Lale Andersen, 1959) und "Dieses Jahr, dieses Jahr" (Daliah Lavi, 1971).

Peggy March wurde 1948 in Pennsylvania als Margaret Annemarie Battavio geboren. Mit einer Coverversion von Petula Clarks "Chariot" gelang ihr 1963, als 15-Jährige, mit "I will follow him" (der auch eine Grammy-Nominierung erhielt!) ein fulminanter Start, der direkt Platz 1 der US-Charts erreichte (der Song erlangte Anfang der 90er-Jahre ein erfolgreiches Revival als großer Hit im Film "Sister Act" mit Whoopi Goldberg). Peggy March ist damit die jüngste Sängerin, der das jemals gelungen war - diesen Rekord hält sie bis heute! Bis 1964 landete sie fünf Hits in den US-Top 100.
Kurze Zeit später kam sie nach Deutschland, wo sie mit dem Lied "Mit 17 hat man noch Träume" die Deutschen Schlager-Festspiele gewann, was ihr den internationalen Durchbruch brachte. Sie sang in neun Sprachen und tourte durch die ganze Welt. In dieser Zeit war sie auch dafür bekannt, die kürzesten Miniröcke zu tragen ;)
1981 zog Peggy March mit Mann und Tochter zurück nach Amerika, wo sie bis heute lebt. Als Komponistin und Texterin gelangen ihr in den 80er-Jahren zwei große Hits: "Manuel Goodbye" (Audrey Landers) und "When the Rain begins to fall" (Pia Zadora & Jermaine Jackson).
Peggy March ist bis heute aktiv und tritt immer noch regelmäßig in TV-Shows auf. 2019 veröffentlichte sie das Album "Man ist nie zu alt für Träume".

Zu ihren erfolgreichsten Titel gehören "I will follow him" (1963, #1 US, #6 DE), "Goodbye, Goodbye, Goodbye" (1965, #8 DE), "Mit 17 hat man noch Träume" (1965, #2 DE, #7 AT), "Memories of Heidelberg" (1967, #5 DE, #7 AT), "Romeo und Julia" (1967, #4 DE & AT - verkaufte sich mehr als 500.000-mal!), "Telegramm aus Tennessee" (1968, #15 DE, #11 AT), "Canale Grande Number One" (1968, #18 DE, #12 AT), "Bahama Lullaby" (1969, #13 DE), "In der Carnaby Street" (1969, #16 DE), "Einmal verliebt, immer verliebt" (1971, #23 DE) und "Fly away pretty Flamingo" (1977, #15 DE).

Nun aber zu dem Titel, den ich bereits in Post #4 als thematisch-passendes Pendant angeführt habe.

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Weil ich ihn heute nicht mehr seh'

Doktor, He-He-Hey
Bitte hilf, mein Herz ist schwer
Denn ich vermisse ihn so sehr

Mein Herz macht Na-Na-Na-Na-Na-Na

Stammt immer Bum-Bu-Bum-Bum-Bu-Bum-Bum-Bum-Bum
Es macht nur 
Na-Na-Na-Na-Na-Na
Stammt immer
 Bum-Bu-Bum-Bum-Bu-Bum-Bum-Bum-Bum

Er war doch immer lieb zu mir
An allen Tagen
Auf einmal ist er nicht mehr hier
Wen kann ich fragen?
Wer kann es mir sagen?
Wo er blieb, denn ich kann ohne nicht leben

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Weil ich ihn leider nicht mehr seh'

Oh Doktor
Bitte hilf, mein Herz ist schwer

Er fehlt mir mehr und immer mehr

Refrain

Er geht mir nicht mehr aus dem Sinn
Das muss er spüren
Und darum kann und darf ich ihn
Auch nie verlieren
Erst wenn er bei mir ist
Dann vergehen die Schmerzen in meinem Herzen

Doktor
Bitte hilf, mein Herz tut weh
Bis ich ihn endlich wieder seh'

Refrain





Peggy March, die selbsternannte Expertin personifizierter Herz-Ryhtmus-Störungen, liefert hier definitiv einen Song oberster Güte ab. Und das Beste: ohne Rezeptgebühr! 
Solltet ihr bei Gelegenheit wieder mal auf euer Herz achten (wenn euch auffällt, dass euer Herz schlägt, ist das ein äußerst gutes Zeichen, weil dann lebt ihr vermutlich noch!) und in euch hineinhören, welche Geräusche es so anzubieten hat. "Na-Na-Na-Na-Na-Na", klingt zwar auf den ersten "Hörer" nicht ganz vertrauenswürdig, scheint aber nur eine Übergangserscheinung zu sein, ehe das standardmäßige "Bum"-bern wieder einsetzt.
Übrigens: Eine internationale Studie der Universität Herzhausen am Schrittmacher kam zur Erkenntnis, dass Patientinnen, die sich in ihren Arzt verliebt haben, bei der Untersuchung eine deutlich höhere Frequenz hatten. Zudem trat der eine oder andere Herzinfarkt auf, als der Ehering am Finger des Arztes festgestellt wurde.
So schlimm ist es bei Peggy aber Gott sei Dank nicht, denn sie weiß ja, was sie braucht, damit ihr Herz wieder im Takt schlägt.
Herzschwache (heterosexuelle) Zuschauer sollten beim Video allerdings besser die Augen zu machen, denn die Länge von Peggys Kleid kann den Herzschlag gefährdend erhöhen ;) 

Herzliche Grüße und ein schlagkräftiges Wochenende ;)