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Samstag, 5. Dezember 2020

# 138 - "Brötchen und Milch" - The Four Kings (1966)

Ist es nicht herrlich, wenn man am Wochenende die herrliche Möglichkeit hat, einfach ausschlafen zu können - so lange, wie man will und lustig ist? Ach, Sie können immer ausschlafen? Achso ja ... Home-Office, Lockdown. Wie konnte ich darauf vergessen? Vermutlich deswegen, weil er mir - im Vergleich zum März - in der Großstadt kaum auffällt. Die paar Mal die ich mich in den letzten Tagen aus dem Haus gewagt habe, erlebte ich überraschend gut gefüllte Straßen und auch in den Supermärkten und auf der Post war bewegtes Treiben. Spannend. Dicht gedrängtes Treiben während in den Theatern, wo man wahnsinnig gut kontrollieren kann, wer, wann und vor allem wo sitzt, der Vorhang immer noch unten bleiben muss. Hoffen wir, dass das im Januar wieder etwas anders aussieht.


THE FOUR KINGS

A: Immer wenn der Mond scheint ([I can't go on living, Baby, without you - Nino Tempo & April Stevens] (M: Jerry Riopelle & Nino Topo / dt. T: Tobby Lüth)
B: Brötchen und Milch [No Milke today - Herman's Hermits] (M: Graham Gouldman / dt. T: Carl-Heinz Dieter)

1966, Metronome, M 916

Die Four Kings waren eine deutsche (wie der Name bereits verspricht) vierköpfige Band. Die Gruppe veröffentlichte bis Mitte der 70er-Jahre auf verschiedenen Labels. Klingende Titel von ihnen waren z. B. "Come on, Marianne", "Mit dir allein", "So wie ich dich liebe", "Mädchen, komm mit mir heut' Nacht", "Mein Glück liegt in Bad Zwischenahn" und "Kleine Sonja". Meinen Recherchen zufolge waren sie die Begleitband von Peter Orloff, der sie auch ab 1971 produzierte.


Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier

Brötchen und Milch
Ein jeder kann sie seh'n
Doch die vorüber geh'n
Sie können's nicht versteh'n

Hinter der Tür lag unser Märchenland
Ich hatte sie zur Prinzessin dort ernannt
Hinter der Tür lag unser Paradies
Jetzt ist es nur ein düsteres Verlies

Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier


Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren
Es war ein Schloss als wir uns dort noch geküsst
Nun ist es leer hinter seinen alten Toren
Weil sie gegangen ist

Brötchen und Milch
Die jeder stehen sieht
Die sind das End' vom Lied
Von unser'm Liebeslied

Keine Musik
Kein Lachen mehr, kein Gruß
Nie mehr von ihr ein Kuss
Damit ist es nun Schluss

Wiederholung




Das englische Original "No Milk today", das ursprünglich für The Hollies geplant war, brachte Herman's Hemits 1966 einen ziemlichen Hit (#1 AT, #2 DE, #7 UK und #35 USA). Songwriter Graham Gouldman (* 1946) bekam die Idee zum Text, als er gemeinsam mit seinem Vater einen Freund besuchte, an dessen Tür ein Schild mit dem Hinweis "No Milk today" angebracht war. Gouldmans Vater erklärte, dass es dafür verschiedene Gründe geben könnte. Gouldman schrieb eine Geschichte um eine zerbrochene Liebesbeziehung. Damals war es noch üblich, dass Milchmänner täglich die frische Milch vor die Tür stellten. Verringerte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (Von glücklicher Beziehung zu tragischem Single-Dasein), dann benötigt die Person heute leider keine Milch.

Die deutsche Coverversion versucht sich zumindest stellenweise am englischen Original zu orientieren, es hakt doch immer wieder an einigen Ecken und Enden. 
Das erste Rätsel ist bereits, woher die Brötchen stammen, die mitsamt der Milch vor der Tür gelandet sind. Ist unser Hauptprotagonist aufgrund der Entliebung nun auch in den Hungerstreik gegangen? Er könnte ja zumindest noch Enten im Park damit füttern. Die finden frische Sonntagsbrötchen sicher auch g'schmackiger, als das steinharte Uraltbrot, mit dem sie immer von Oma Gisela beworfen werden.

Okay. Ich nehme alles zurück: Denn bereits in der dritten Zeile wird klar, dass diese Utensilien bereits seit Tagen vor der Tür stehen. Bei den aktuellen Temperaturen muss er die Brötchen nur frisch aufbacken, die sind nämlich vermutlich tiefgekühlt. Milcheis? Ist ja durchaus bei manchen Menschen beliebt ...
"Doch die vorüber geh'n, sie können's nicht versteh'n" - Tja. Wer kann es ihnen auch verübeln? Du hast ja keinen Zettel an die Tür gehängt oder wenigstens eine gute Tat vollbracht, in dem du eine obdachlose Person damit gelabt hast. Mit ranziger Milch und steinharten Brötchen kommt man dem Paradies nicht unbedingt näher - nur mal so als kleiner Hinweis in Bezug auf das Karma-Konto.

Okay. Im Märchenland war's schön! Aber die Prinzessin ist jetzt scheinbar aus dem Paradies entflohen. Hat sie sich inzwischen als böse Hexe herausgestellt und ist mit dem nächstbesten dahergelaufenen Prinzen über die sieben Berge abgezischt? Oder hat sich um sie bereits eine unkrautartige Dornenhecke gebildet, weil schon länger niemand - so ganz zwischenmenschlich - vorbeigeschaut hat? 
Tja. Die Frage: "Wer hat heut' Nacht in meinem Bettchen geschlafen?" braucht man sich ja nun nicht mehr zu stellen. 
"Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren" - ach ja, das klingt ja ziemlich nach Aschenputtel-Effekt. War die große Liebe vielleicht doch eher eine Umschreibung dafür, sich die Kosten für eine adäquate Putzfee zu sparen?

Du könntest die alten Brotkrumen ja auch nehmen, um sie zu streuen .. vielleicht kommt ja so eine neue "Prinzessin" in deinen Haushalt? Oder zumindest ein paar Tauben ... ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh! ... naja, der Spatz in der Hand wär' mir lieber.



Da es von den Four Kings kein bewegtes Bildmaterial gibt, hier für euch das Original von Herman's Hermits. Habt ein erholsames zweites Adventwochenende!

Samstag, 21. November 2020

# 124 - "Manana" - Randolph Rose (1973)

"Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" - ein beliebtes Sprichwort, das allerdings im Jahr 2020 deutlich an Brisanz verloren hat. Es gab wohl selten so viel Zeit, Dinge auf morgen zu verschieben, wie in den letzten Wochen und Monaten. Und vermutlich wird das auch noch eine ganze Weile so weitergehen. Ich bleibe allerdings diszipliniert und schreibe daher ganz brav diesen Blog-Eintrag - und das schon gestern, weil ja morgen heute ist 😵



RANDOLPH ROSE

A: Hey Amigo, muchoas gracias (M: Dieter Zimmermann / T: Hans-Ulrich Weigel)
B: Manana [Manana - Bay City Rollers] (M: Alan Blaikley & Ken Howard / dt. T: Peter Orloff)

1973, Hansa, 12 420 AT
produziert von Thomas Meisel & Peter Orloff


Das Erfolgsduo Alan Blaikley (* 1940) & Ken Howard (* 1939) ist verantwortlich für Hits wie "The Legend of Xanadu" (Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, 1967) oder "I've lost you" (Elvis Presley, 1971). Darüber hinaus machten sie auch Musik für Fernsehproduktionen, wie z. B. die legendäre "Miss Marple". Mit "Manana" gelang 1972 den damals noch relativ unbekannten "Bay City Rollers" der Sieg beim Grand Prix RTL von Radio Luxemburg - ein erster Achtungserfolg in ihrer Karriere.

Randolph Rose wurde 1954 in Bamberg geboren. Vor seiner Musikkarriere hatte er bereits einige Fernsehauftritte, u. a. in "Tommy Tulpe" oder "Tanzcafé" (damals noch als Roland bzw. Ronald Rose). Mit seiner zweiten Single, der deutschen Version von "Silver Moon Baby", gelang ihm 1971 ein großer Hit, der bis auf #5 der Charts kletterte. Auch die Folge-Singles, die meist deutsche Coverversionen waren, erreichten gute Chartnotierungen: "Nur ein Flirt" (1971, #21), "Meilensteine der ersten Liebe" (1972, #42) und "Sylvias Mutter" (1972, #26). Bis Ende der 70er-Jahre veröffentlichte er noch weitere Singles. Kurzzeitig war er Mitglied der Band "Witchcraft", ehe es ruhiger um ihn wurde. Seit rund 15 Jahren veröffentlicht er wieder regelmäßig Songs (Popularität erreichte durch DSDS zuletzt der Titel "100 Jahre sind noch zu kurz für eine große Liebe"), die auch in den Schlagercharts landen.
2014 trat er bei "The Voice of Germany" in den Blind Auditions auf - leider drehte sich kein Juror für ihn um. Der nur 1,68 m große Sänger ist übrigens der Cousin von Marianne Rosenberg.
Laut Presseinformationen seiner Plattenfirma liebte er 1972 übrigens auch Steaks, Orangensaft "natur", Shirley Bassey und Angeln. (Ach, ich liebe diese Funfacts!)



Manana, Manja-na-na-na
Manana, Manja-na-na-na
Manana, Manja-na-na-na
Manana, Manja-na-na-na
Manja-na, Manja-na, oh Manana

Ein Augenpaar
So schwarz wie ihr Haar
Das lässt mir keine Ruhe mehr
Warum sagt sie nur immer wieder?

Manana, morgen ist auch ein Tag
Oh Manana, der dir das bringen mag
Oh Manana, Manana, Manana
Wovon du träumst

Im Sternenschein
Da sind wir allein
Es ist zu schön, um wahr zu sein
Aber nein, oh, oh, oh, oh, oh

Refrain

Sie hat ja recht
Es wär' sicher schlecht
Wenn sie zu früh ihr Herz verliert
Aber wer hilft mir?

Refrain


Das ist doch mal ein Song. Da bekommt man doch wirklich gleich große Lust, auf den nächsten Tag zu warten. So charmant, wie das holde Lustobjekt, den armen Randolph vertröstet. Glücklicherweise ist sie nicht der Terminator und für ihn heißt es statt "Hasta la Vista, Baby", nur "Hasta manana". Ob sie dann am nächsten Tag ihr Herz verliert und im Fundamt der Gefühle (ach, da ist sie wieder: die sonderbar-schrullige Schlager-Metapher des Tages) wieder auslöst? Wer hilft Randolph? Und vor allem: Wer hilft mir?
Der Song wäre bei einem durchschnittlichen Sänger überhaupt nicht der Rede wert, aber was Randolph, der wirklich ein talentierter Sänger ist, daraus macht, ist beeindruckend. Zugegeben: Sein Anzug (Ikea-Schleichwerbung?) sitzt extrem eng und an bestimmten Stellen (vor allem im Instrumentalteil ab Minute 1:45) der Performance wünscht man sich wirklich, das alles gut geht und vor allem die Nähte (und die Hüfte!!) halten. "Hips don't lie" würden heute wohl die zahnlosen zahllosen Groupies - in Ekstase versetzt - kreischen und ich würde ihnen tatsächlich rechtgeben. Der Hüftschwung ist beeindruckend - da würde sogar GNTM-Catwolktrainer Jorge Gonzalez, dem es normalerweise nie genug "Huuufte" sein konnte, den imaginären Hut ziehen.

In diesem Sinne: "hasta manana" ... also bis morgen!

Freitag, 20. November 2020

# 123 - "Telegramm für Angelique" - Julie Patou (1971)

So ganz hat das jetzt doch nicht geklappt, mit meiner täglichen Motivation. Aber ich gelobe Besserung. Mein großes Tönen fällt in die Kategorie "zu früh gefreut". Auch bei uns im Opernhaus ist jetzt mitten im Probenprozess der Vorhang gefallen. Auch für uns gilt jetzt die Lockdown-Phase. Diese ungeplante Pause hat aber auch Vorteile ... ich konnte z. B. mein Schlafdefizit der letzten Wochen ausgleichen und mir Gedanken über Rezepte mit Käferbohnen machen. Für alle treuen LeserInnen dieses Blogs: Den inneren Drang mein Siphon (wieder) auseinanderzunehmen und zu reinigen, habe ich bis dato noch nicht verspürt. Aber das kann ja in den Weihnachtsputz-Vorbereitungen noch kommen ... 😜


JULIE PATOU

A: Telegramm für Angelique [Envoi-moi des Télégrammes] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose)
B: Oui, Monsieur
 [Balade a Velo] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose)

1971, Hansa, 10 813 AT


Jean Fredenucci ist ein französischer Komponist und Produzent sowie ehemaliges Mitglied der "5 Gentlemen", der auch Anfang der 70er-Jahre als Solosänger in Erscheinung trat.
1970 komponierte er beispielsweise "Nue au Soleil" für Brigitte Bardot. Das ist der (für mich) prominenteste Name in seiner Vita. Ich bin im französischen Musikbusiness leider zu wenig bewandert.

Nun aber zur Interpretin und ursprünglichen Textautorin. Die Plattenfirma schrieb folgendes zur Veröffentlichung ihrer einzigen deutschsprachigen Schallplatte:

Und wieder ein neuer Frankreich-Import bei Hansa: Nach Severine will sich als nächste die 23jährige Julie Patou dem deutschen Publikum vorstellen.
Julie Patou wurde 1948 in Paris geboren. Sie besuchte nach Abschluss der Schule eine Kunstakademie und im Mai [Anmk. 1971] siedelte sie um nach Paris, um sich dort für einen Wettbewerb der Graveure vorzubereiten. Sie reichte allerdings nie etwas ein. Stattdessen schrieb Julie Novellen ...
Zwischendurch betätigte sie sich als Schaufenstergestalterin, Bühnenbildnerin, Mannequin ... zwischendurch schrieb sie wieder Novellen ...
Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie.
Deshalb singt sie jetzt ihre Lieder und schreibt Novellen ...

Zwischen 1970 und 1972 veröffentlicht Julie Patou-Senez drei Schallplatten in Frankreich. Einzig die zweite ("Envoi-moi des Télégrammes") erscheint auch in einer deutschen und einer spanischen Version. Nach "L'appareil mecanique" wird es still um sie. 1978 erscheint das Buch "Coca-Cola-Story", danach verschwindet sie aus der Öffentlichkeit.
Mitte der 00er-Jahre trat sie - inzwischen unter dem Namen Julie Gence - im französischen Fernsehen wieder in Erscheinung. Leider findet man heute auch keinerlei Informationen mehr über diese Aktivität von ihr. Vor rund zehn Jahren hatte ich sehr kurzen E-Mail-Kontakt mit ihr. Unüberbrückbare Sprachbarrieren waren die Ursache dafür: geringe Englischkenntnisse ihrerseits und gänzlich nicht vorhandene Französischkenntnisse meinerseits.

Nun aber zu diesem "besonderen" Lied:

Telegramm für Angelique
Für die kleine Angelique
Heut' wird sie den Pierre wiedersehen
Und ihr Kummer, der wird vergehen

Telegramm für Angelique
Nur noch ein paar Augenblicke
Und dann wird ein Traum Wahrheit werden
Der schenkt ihr den Himmel auf Erden

Oh weinte sie, denn es kam kein Brief
Und sie saß ganz allein zu Haus
Aber seit heut', da sieht die Welt
Auch für sie viel schöner aus

Denn endlich kam ein
Refrain

Sie macht sich schön, nur für ihn allein
Denn sie freut sich auf ihn so sehr
Die Einsamkeit ist nun vorbei
Die gibt es für sie nicht mehr

Denn endlich kam ein
Refrain



Nun, wie bereits erwähnt, ist mein Französisch ziemlich bescheiden. Dank Google-Translate erhalte ich aber zumindest eine grobe Ahnung, was uns Julie im französischen Original, dessen Text sie selbst verbrochen verfasst hat, uns mitteilen wollte: Während im Original noch mehrere Telegramme angefordert wurden, u. a. aus Berlin, Basel, Rom oder Louisiana und sie gerne wissen möchte, ob in Nizza gerade die Sonne scheint, muss sie sich - frisch in Deutschland angekommen - mit einem einzigen Telegramm begnügen. Und das ist dann auch gar nicht für sie! Sondern für Angelique!
Zudem ist der Text um ein vielfaches umfangreicher und klingt eher danach, als würde die Beziehung möglicherweise nicht auf Gegenseitigkeit beruhen ... kleine Stalking-Tendenzen lassen sich erkennen, wenn sie z. B. davon spricht, dass seine Nachrichten all ihre Wände zieren.
In diesem Fall wäre seinerseits viel früher ein "Stop", wie in Telegrammen üblich, in der Realität notwendig gewesen. (Für alle jugendlichen LeserInnen: Mit Telegramm ist in diesem Fall nicht der gleichnamige Nachrichtendienst gemeint. Das klassische Telegramm ist eine Art analoge SMS - damals toll, heute richtig skurril).

Die Überraschung muss auch seitens der Plattenfirma groß gewesen sein, als die Redaktion der legendären ZDF-Hitparade tatsächlich Julie als Neuvorstellung im Januar 1972 auftreten ließ, wo sie live (!) "Telegramm für Angelique" vorstellen durfte. Das ein "bis-schön frahnsöhsisches Achsendt" durchaus süß sein kann, bewies bereits France Gall eindrucksvoll. Bei Julie ließen allerdings Textdeutlichkeit und Gesangskünste doch etwas zu wünschen übrig. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn sie bei Novellen geblieben wäre?

In diesem Fall ist die Passage aus dem Plattenfirma-Text eher wie eine Drohung zu verstehen: "Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie." - Erinnert mich ein wenig an den "Böse-Königin"-Effekt aus Schneewittchen.
Wenn ich mir deutsche Aufnahmen französischer SängerInnen aussuchen darf, dann ziehe ich auf jeden Fall Mike Brant und Francoise Hardy vor - und dann kommt erstmal lange nichts.

Auf den deutschen Text, der an Plattheit und oberflächlicher Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist - eine schwache Stunde von Günter Loose, der zumindest mit Titeln wie "Marmor, Stein und Eisen bricht" oder "Wunder gibt es immer wieder", große Erfolge verbuchen konnte. Der Reim "Augenblicke - Angelique" ist einer meiner persönlichen Tiefpunkte im deutschen Schlagergeschäft (und als Germanist bin ich nur knapp einem Nervenzusammenbruch entkommen).

Ach ja, auf die Performance sollte ich auch noch eingehen. Nun ja: "Sie hat sich stets bemüht", könnte man irgendwo vermerken. Leider fehlt es dann doch an Bühnenpräsenz und Show-Talent, um den schwachen Song (der auch nicht wirklich zum Mitklatschen einlädt, auch wenn sie es immer wieder versucht anzuregen) aufzuwerten. Da nützt auch das Outfit, das - warum auch immer - "Born in the USA" vermitteln soll, wenig. Es reicht nicht aus, um Julie einen Platz im deutschen Schlagergeschäft zu ermöglichen.

Habt ihr schon einmal ein Telegramm abgeschickt? Ich nicht ... geht das überhaupt noch? In Lockdown-Zeiten könnten solche altmodischen Kommunikationstechniken durchaus wieder an Popularität gewinnen. Schreibt doch einfach eine Nachricht an eine Person, von der ihr schon lange nichts mehr gehört habt. Ich bastle derweil aus leeren Bierdosen ein "Dosen-Telefon" ... ich muss mich nur noch entscheiden, wohin ich die Leitung verlege ;)

Dienstag, 28. Juli 2020

# 117 - "Hallo Taxi" - Anja Krenz (1987)

Alle jene, die hin und wieder auf diesem Blog vorbeischauen, um sich die tägliche Dröhnung spezieller Musik zu geben, kennen bereits mein großes Faible für (skurrile) deutsche Coverversionen internationaler Hits.

Heute habe ich ein ziemlich unbekanntes Cover ausgegraben:



ANJA KRENZ
A: Hallo Taxi [Joe le Taxi - Vanessa Paradis] (M: Alain Langolff / dt. T: Michael Reincke)
B: So wie es einmal war (M: Michael Langer Hauch / T: Anja Krenz & Michael Reincke)

1987, Transparent, 109657-100


Michael "Michy" Reincke, 1959 in Hamburg geboren, macht sich seit den 90er-Jahren auch als Solosänger einen Namen. Bereits Anfang der 80er-Jahre war er Mitglied der Gruppen Scarlet Lilac und Felix de Luxe, für die er auch Songs schrieb (u. a. "Wo seid ihr?", "Taxi nach Paris", "Hinein ins wilde pralle Leben" und "Blonder Clown"). Sein aktuell letztes Album erschien 2018 ("?!").

Die Hamburgerin Anja Krenz war bereits als Kind musikaffin. Später stand die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau nicht nur als Sängerin auf vielen Bühnen, sondern auch vor dem Studiomikrofon. Sie war Mitglied verschiedener Formationen, wie z. B. "Chanson Bleu", "Die Sirenen",  "Dis Noir" und "Susi's Schlagersextett".
Nach mehreren Jahren als Moderatorin bei einem Privatradiosender und als Redakteurin bei einem Schulbuchverlag, war sie bis 2017 Verkehrsmoderatorin bei NDR 90,3. Im selben Jahr machte sie ihre Berufung zum Beruf und ist seither als "Die Marmeladenköchin" bekannt.



Hallo!
- Hallo! Wohin geht's?

Hallo Taxi, komm, fahr' mit mir fort

Dort wo ich sein mag, jagt man dem Mond nach
Die Sehnsucht ist mein Chauffeur
Komm und fahr', fahr' in jede Bar

Es ist schön, niemand führt Regie

Ich vergess' ...
Die Liebe ist so wie die Rumba

Man tanzt sie auch anderswo

Hallo Taxi, c'est la Vie
So wie im Kino schau' ich nur zu
Ich bin so nah und weiß nicht wo

Ich vergess' ...
Liebe kennt kein Lexikon
Sie ist so nah
Und läuft so oft vor mir davon

Es ist so ...
Es ist so ...
Ich hab' Chance
Mein Herz ist ein Akkordeon

Hallo Taxi, sei bitte so nett
Hallo Taxi, bring' mich nicht zu Bett

Refrain

Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt nie
Hallo Taxi, die Uhr klick-klackt nie
Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt mir





So, das ist ja jetzt ein philosophischer Text, oder? Sinnfragen im Taxi, auf dem Wag nach Nicht-Zuhause. Überall sonst ist okay, auch wenn die Uhr bereits "tick-tackt". Bis auf "Taxi", "c'est la Vie" und "Rumba" erkenne ich allerdings wenig Gemeinsamkeiten mit dem Original. Zugegeben, meine Französisch-Sprachkenntnisse sind äußerst bescheiden. 
Der Song handelt original von einem portugiesischen Taxifahrer namens Joe, der wegen der Estado Novo nach Frankreich geflohen war und nun in Paris arbeitet. Joe kennt alle wichtigen Orte und Bars der Stadt, trinkt gerne Rum, liebt lateinamerikanische Musik und besitzt ein Saxophon.

Für Anja Krenz wurde es leider kein Hit. Das Original von der damals 15jährigen Vanessa Paradis hingegen erreichte gute Charterfolge: #1 in Frankreich, #3 in England und #8 in Deutschland. Jüngeren wird sie eher durch ihre Beziehung mit dem Schauspieler Johnny Depp bekannt sein, mit dem sie zwei Kinder hat.
Ob ihr Herz auch "ein Akkordeon" ist? Naja ... "Liebe kennt kein Lexikon" und Fantasie demzufolge kein Wörterbuch.



Ich hoffe das Lied bereitet euch Freude, wenn ihr das nächste Mal in ein ... cha-cha-cha ... Taxi einsteigt und nicht wisst, wohin ihr fahren sollt ... 

Donnerstag, 16. Juli 2020

# 113 - "Che la ke day" - Jasmin (1973)

Nach der zuvor geposteten Tristesse brauchen wir nun ein wenig Ablenkung der positiven Art. Mit ein bisschen Südsee-anmutender Leichtigkeit stellt sich die Schweizerin Jasmin mit ihrer zweiten Single dem deutschen Publikum vor.



JASMIN
A: Che la ke day [Shay-Laka-Day - Rising Sons] (M: Harold Robertson & Paul Sugarman / dt. T: Walter Zylka = Ralph Siegel)
B: Requieum für eine Liebe (M: Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)

1973, Bellaphon, BL 11 239
produziert von Jane Peterer & Ralph Siegel



Jasmin wurde 1950 in Zürich als Gabi Gyr geboren, wo sie vor dem Start ihrer Gesangskarriere auch als Schauspielerin arbeitete. Sie sang in verschiedenen Bands "The Fools" 1968-69, "The new Earls" 1969-70 und "Jazz Rock Experience" 1970), bevor sie einen Solistenplattenvertrag erhielt. Zwischen 1972 und 1973 veröffentlichte sie bei Bellaphon drei Singles in deutscher Sprache, von der ihre Debütsingle "Der Puppenspieler von Mexico" (im Original von Tom Jones, wurde auf deutsch auch von Roberto Blanco gecovert) ihr größter Erfolg war. Nach ihrer letzten Single ("So allein wie der Wind") war sie bei vielen Projekten als Gastsängerin tätig, so z. B. bei Che & Ray, John Brack, der Steve Ray Band oder Phil Carmen. In den 80er-Jahren hatte sie zahlreiche Auftritte mit Jo Geilo & The Heartbreakers. In den 90er-Jahren konzentrierte sie sich auf R&B und bildete ab 1999 mit Beni Müller ein Duo. Leider gibt es kaum aktuelle Informationen über sie.



Che la ke day
O la la
Lo la le la
Che la ke day
O la la

Lo la ley

Che la ke day
O la la
Lo la le la
Ch la ke day
O la la

Lo la ley

Ein alter Mann, der mein Freund ist seit vielen Jahren
Hat mir erzählt, dass er auf einer Insel war
Die Menschen lebten dort zufrieden und immer glücklich
Und dieses Lied sang ein jeder das ganze Jahr

Refrain

Jeden Abend, da trafen sich alle Leute
Und dann wurde ein Feuer der Freude gemacht
Alle tanzten und sangen bis früh in den Morgen
Und das Lied, das ich singe, klang durch die Nacht

Refrain



Das Original dieses Titels stammt übrigens von der, in Europa relativ unbekannten, 1966 gegründeten südafrikanischen Gruppe "Rising Sons".



Was genau "Shay-Laka-Day" bzw. "Che la ke day" bedeuten, bleiben uns sowohl die südafrikanische Gruppe als auch Ralph Siegel schuldig. Vermutlich ist es aber nicht so bahnbrechend, dass man auch ohne diese Information ganz gut weiterleben kann.



Das Jasmin aka Gaby Gyr aber eine äußerst talentierte Blues- und Soulsängerin ist, beweist uns definitiv ihre Mitwirkung bei Jo Geilo. Hier empfehle ich vor allem den Song "Rainbow" von 1986.



Was immer Gaby Gyr heute macht, ich hoffe, sie hat immer noch so viel Power und Soul in ihrer Stimme! Wünsche euch einen schönen Nachmittag! :)

Montag, 22. Juni 2020

# 96 - "Das Mädchen mit den schönen Augen" - Pascal Dufar (1971)

Zur Feier der Überschreitung der 1.000-Besucher-Marke (DANKE!!! 💗) gibt es heute wieder eine sehr spezielle deutsche Coverversion!




PASCAL DUFAR
A: Liebe ist Sonne (M: Hans Blume / T: Michael Kunze)
B: Das Mädchen mit den schönen Augen [Wild World - Cat Stevens] (M: Cat Stevens / dt. T: Günter Loose)

1971, Polydor, 2041 130


Pascal Dufar ist ein französischer Sänger und Komponist, der von 1967 bis 1976 musikalisch aktiv war. 1976 veröffentlichte er als Pascal Duffard das Album "Dieu est fou". Die vorliegende Single ist die einzige in deutscher Sprache. Leider ist nichts Biographisches über ihn (und was aus ihm wurde) bekannt.

Textautor Günter Loose (1927-2013) war bereits regelmäßig auf diesem Blog vertreten. Eigenen Angaben zufolge schrieb er zwischen 1955 und 1984 mehr als 3.000 Titel. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Titel gehören "Itsy-Bitsy-Teenie-Weenie-Honolulu-Strand-Bikini" (Caterina Valente, 1960), "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Drafi Deutscher, 1965) und "Er ist wieder da" (Marion, 1965).


Nun aber zu dem heutigen Song, der so interessant arrangiert ist, dass man das Original fast nicht mehr erkennt:

Jeden Morgen, gegen 9 Uhr 10
Seh' ich sie auf der Straße geh'n
Und ihrem Blick liegt so viel Sonnenschein
Dass sie mir so wunderbar gefällt
Hätte ich ihr gerne längst erzählt
Leider fallen mir die Worte niemals ein

Das Mädchen mit den schönen Augen
Geht nur vorbei und schaut mich nicht an
Das Mädchen mit den schönen Augen
Weiß nicht, was sie mir bedeuten kann

Dieses Mädchen, das vergess' ich nie
Tagelang denk' ich nur noch an sie
Selbst in meinem Traum seh' ich sie vor mir steh'n
Briefe schreiben, das fällt mir so schwer
Rote Rosen schickt man heut' nicht mehr
Aber irgendetwas muss mit uns gescheh'n

Refrain





Wer hätte es erkannt: Da wurde dieser Cat-Stevens-Klassiker tatsächlich von einem Franzosen in deutscher Sprache geträllert. "Wild World" belegte im Frühjahr 1971 #11 der US-Charts.

Cat Stevens äußerte sich 2009 in einem Interview mit der Zeitschrift "Mojo" über die Entstehung dieses Songs:

"Der Song besteht aus Akkordfolgen, die in der spanischen Musik typisch sind. Ich drehte die Kombination um, und heraus kam ein Thema, das ich häufig in meinen Songs verwende: es handelt vom Verlassen, der Traurigkeit, die daraus entsteht und der Ahnung, was danach kommen könnte." (Songfacts.com, dt. Übersetzung Wikipedia)

Cat Stevens widmete diesen (und weitere) Song der Schauspielerin Patti D'Arbanville, mit der er zwei Jahre liiert war.


Für Pascal, der so leidenschaftlich nach der geheimnisvollen Frau mit den schönen Augen schmachtet, hätte ich allerdings ein paar Ratschläge, die ich auch gerne meinen pubertären Jungs mit auf den Weg gebe:

1) Wenn du sie jeden Morgen zur gleichen Zeit beobachtest, dann klingt das leider bereits nach Stalking!
2) Wie soll sie jemals wissen, dass du sie magst, wenn du deinen Mund nicht aufkriegst, sondern ihr einfach nur nachstellst?
3) Scheiß auf den "perfekten" Anmachspruch (den gibt es sowieso nicht!) und die meisten Frauen mussten bereits so viele schlechte ertragen, dass sie über jeden, der ihnen erspart bleibt, froh sind.
4) Mach' ihr doch einfach ein Kompliment (z. B. "Du hast schöne Augen")
5) Nicht alle Frauen stehen auf Briefe und rote Rosen - aber auch auf nicht auf aufdringlichen Körperkontakt und Dickpics. Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen.
6) Sprich sie einfach an! Wenn sie dir einen Korb gibt, weißt du wenigstens wo du dran bist. Dann kannst du ihr immer noch nachschmachten und nachtrauern und von ihr träumen. Vielleicht geht sie aber auch mit dir aus? Dann kannst du es ganz real (und legal) erleben!

Good Luck, Boy!

Und weil das alles so schön ist, gibts noch eine schöne Coverversion von "Wild World" obendrauf. Sie stammt von der US-Hard-Rock-Band "Mr. Big" (nein, nicht der von "Sex and the City"!) und belegte 1993 #24 (DE), #7 (AT) und #27 (USA) der Charts.
Ihr größter und erfolgreichster Hit war "To be with you" aus dem Jahr 1991 - #1 in DE, AT, CH und USA!





Habt einen schönen Start in die Woche, auch wenn uns're Welt gerade ein bisschen "wild" ist. Es kann nur besser werden ... und schaut mal, vielleicht läuft irgendwo ein Mädchen mit schönen Augen herum ... und die bringt euch dann auf positivere Gedanken. Ansonsten hätten wir auch aktuell (zur Abwechslung) wieder etwas Sonnenschein im Gepäck!

Dienstag, 16. Juni 2020

# 90 - "Mädchen gibt's überall" - Henri Dès (1970)

Treue ist ein dehnbarer Begriff (wie wir alle bereits mehr oder weniger leidvoll irgendwann herausfinden mussten). In diesem Fall versuche ich nach Kräften euch, lieben LeserInnen, mit obskurem Titeln sämtlicher Genres gerecht zu bleiben!




HENRI DÈS
A: Retour (M & T: Henri Dés)
B: Mädchen gibt's überall [Retour] (M: Henri Dés / dt. T: Michael Kunze)

1970, Liberty, 15 336


Henri Dès wurde 1940 in Renens/Schweiz als Henri Destraz geboren. Erste Schallplattenaufnahmen erschienen 1966. Durch seinen Sieg beim Songfestival im polnischen Sopot 1969, mit dem Titel "Maria Consuela" machte er sich als französisch-sprachiger Chansonsänger einen Namen.
1970 vertrat er die Schweiz beim Eurovision Song Contest mit dem Titel "Retour", mit dem er den vierten Platz belegte. Wie es damals vielfach üblich war, wurde der Titel auch in anderen Sprachen (englisch und deutsch) aufgenommen. Im selben Jahr erschien noch eine weitere deutschsprachige Single ("Alle Mädchen sind gefährlich" und "Sylvie").
Ab 1977 widmete er sich verstärkt der Musik für Kinder.

Michael Kunze, vielfach preisgekrönter Texter, gelang im selben Jahr ein großer Hit mit "Du" (Peter Maffay) sowie - mit "Alle Blumen brauchen Sonne" (Renate Kern) und "Wo Liebe ist, das ist auch ein Weg" (Bata Illic) - ein zweiter und ein dritter Platz beim Deutschen Schlagerwettbewerb. 

Nun aber Bühne frei für den heutigen Song:


Wenn ich nach London fahr', wein' nicht um mich
Ich denk' in London an keine als dich
Lang werd' ich nicht bleiben
Und auch manchmal schreiben

Mädchen gibt's überall und das ist schön
Sie werden mir nicht gleich den Kopf verdreh'n
Du bist mir viel lieber
Bald seh'n wir uns wieder
Wenn mich mal eine küsst
Denk' ich an dich

Auch nach Paris fahr' ich nicht gern allein
Es wär' viel schöner, zu Hause zu sein
Denn auch die Arenen
Können uns nicht trennen

Refrain

Wenn ich nach Mailand fahr', fürchte dich nicht
Ich pass' schon auf, dass dein Herz nicht zerbricht
Und ein Flirt in Ehren
Kann dich doch nicht stören?

Refrain

Wenn ich nach Hause komm, freu' ich mich sehr
Am liebsten seh' ich dich, mag dich noch mehr
Und auch deine Fragen
Werde ich dir sagen

Mädchen gibt's überall und das ist schön
Sie können mir den Kopf nicht verdreh'n
Du bist mir viel lieber
Ich komm immer wieder
Denn keine küsst mich
So zärtlich wie du




Wie gesagt, Treue ist ein dehnbarer Begriff und so ein kleiner Flirt in Ehren ... dieses Loblied auf den potentiellen Seitensprung hat schon einen gewissen Skurrilitätsfaktor. Frei nach dem Motto: "Appetit holt man sich auswärts, aber gegessen wird zu Hause" beweist Henri am Ende aber doch, dass er zwar kein Kostverächter ist, das Potential seiner Holden aber dennoch zu schätzen weiß. Aber gut ... vielleicht müsste er einmal eine Reise zu den Fjorden machen und alles wäre anders? Wenn ich seine Partnerin wäre, würde ich definitiv ein wachsames Auge auf ihn werfen.

Die Live-Performance beim ESC möchte ich euch nicht vorenthalten. Henri hat definitiv komödiantisches Talent und mischte die Veranstaltung durch seine "spezielle" Performance gehörig auf. Er scheint sich aber - was ich sehr sympathisch finde - selbst nicht ganz so ernst zu nehmen ;) - Zusatzpunkte verdient definitiv auch die futuristische Szenografie!



"Mädchen gib'ts überall" ist definitiv eine nicht zu leugnende Erkenntnis. Zwischen einem "Flirt in Ehren" und regelmäßigem Fremdgehen aber definitiv sehr ausgiebige Grauzonen, die so manche Beziehung in ihren Grundmauern erschüttern können. Henris Motto scheint hier "No Risk, no Fun" zu sein ... wobei ... ein paar Monate später sang er bereits "Alle Mädchen sind gefährlich" ... Fehltritte in puncto Treue sollten idealerweise nicht an Orten stattfinden, an denen Frauen bewaffnet sind (Küche z. B.) ... so ein Gemüsemesser kann sehr unschöne Wunden und Verletzungen hinterlassen ... mitunter sogar ganze Körperteile abtrennen ...

Sonntag, 7. Juni 2020

# 81 - "Mama, ich muss Pipi" - Su Kramer & Sascha (1979)

So ... jetzt habe ich ENDLICH wieder aufgeholt und bin wieder "in time". Da heute Sonntag ist, muss das mit einem ganz besonderen "Machwerk" zelebriert werden, aber steht oder besser gesagt hört selbst:




SU KRAMER & SASCHA
A: Wir zwei sind frei (M: Su Kramer & Herbert Rehbein / T: Ernst Bader)
B: Mama, ich muss Pipi ([Mi scappa la Pipi - Pippo Franco ] (M: Pippo Franco / dt. T: Frank Dostal)

1979, Telefunken, 6.12503


Su Kramer wurde 1946 als Gudrun Kramer in Oldenburg geboren. Als Sängerin in Amateurbands sammelte die ausgebildete Erzieherin erste Erfahrungen. 
Aus 3.000 Bewerberinnen wurde sie für die Hauptrolle der Sheila in der deutschen Uraufführung des Musicals "Hair" gecasted. Innerhalb von 18 Monaten spielte sie diese Partie mehr als 500-mal. 
Eine Auskoppelung des Titels "Hare Krishna" - noch unter ihrem bürgerlichen Namen Gudrun Kramer - war ihre erste Single. 1970 veröffentlicht sie als Su Kramer "Eine Welt für uns beide". Ihr Debütalbum "Frei sein" 1971 wurde von 50 Musikjournalisten als "beste Produktion des Jahres" ausgezeichnet.
1971 wird sie mit dem Titel "Meine kleine Welt" beim Internationalen Songfestival im polnischen Zoppot Zweite. Im Jahr darauf bewarb sie sich mit "Glaub' an dich selbst" um eine Teilnahme am Grand Prix Eurovision, landete im Vorentscheid aber ebenfalls auf Platz zwei (Mary Roos vertrat schlussendlich Deutschland).
Ihren größten Charterfolg (#27) konnte sie 1974 mit dem Titel "Kinder der Liebe" verbuchen. "Hier ist das Leben" (sowie die englische Version "You've got the Power") wurde in 17 Ländern veröffentlicht und schaffte sogar #38 der Billboard-Disco-Charts.

"Sie ist die unkonventionellste der detuschen Schlagersängerinnen. Sie hat sich nicht imer nach dem gerichtet, was sie tun sollte, was man für sie vorgesehen hat. Das hat sie selbst entschieden. Und sie singt so ausdrucksvoll wie sonst selten eine deutsche Sängerin." (Ilja Richter)

Bis 1985 veröffentlichte sie noch regelmäßig Songs. Kramer hatte aber bereits in den 70er-Jahren begonnen, sich andere künstlerische Standbeine aufzubauen, so arbeitete sie als Verlegerin (1978 gründete sie den art-music Musikverlag) und Schauspielerin.
1979 stand sie beispielsweise als Spelunkenjenny in der "Dreigroschenoper" am Staatstheater Oldenburg auf der Bühne.

Sie ist nach wie vor musikalisch aktiv und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Songs (zuletzt 2018). Sie ist Mutter eines Sohnes (Alexander, * 1973) und lebt in Hamburg.


Su Kramer ist wirklich eine fantastische Sängerin, aber dieses Lied ist wirklich ... naja ... also selbst als Mutter ... schwierig. Der Text stammt übrigens wiedermal - wie so viele sonderbare skurrile Titel - von Frank Dostal.

Ja wir geh'n so gern ins Kino
Nur mein kleiner Sohn und ich
Cowboys kämpfen mit Indianern
Um Gold in der heißen Prärie
Doch wenn's grade richtig los geht
Kneift mich jemand in mein Knie

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Böse Geister raus aus mir
Oh es ist schon da

Manchmal geh'n wir auch zum Fußball
Jubeln laut bei jedem Schuss
Uns're Mannschaft muss gewinnen
Eine Minute vor Schluss
Beim entscheidenden Elfmeter
Sagt er mir, dass er mal muss

Refrain

Endlich ist mal wieder Jahrmarkt
Riesenradfahr'n, das ist schön
Langsam schweben wir nach oben
Uns're Gondel, die bleibt steh'n
Wunderschönes Panorama
Doch was muss ich da seh'n?

Refrain

Refrain

Nein, nicht schon wieder!

Mama, ich muss Pipi
Mama




So ... und jetzt einmal tiefdurchatmen. Su, Ex-Hippie und starke seriöse Sängerin, die zuvor so gut wie keine banalen Schlager im Repertoire hatte, liefert hier Trash erster Güte. Ich frage mich wirklich, wie das passieren konnte ...
Nun ja, jeder hat so seine Jugendsünden, aber dieser Song ist schon wirklich schwer zu verdauen (im wahrsten Sinn des Wortes). Armer Sascha, der war ja gerade erst sechs Jahre alt und konnte sich wohl am wenigsten dagegen wehren. Glücklicherweise haben sich Interkontinenz-Song bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Es hätte aber auch schlimmer kommen können ... soweit ich weiß, haben Su und ihr Sohn diesen Song zumindest nicht im Fernsehen gesungen. Da sieht es mit dem Originalsänger Pippo Franco schon anders aus ... der schleppte mehr als ein Dutzend unschuldiger Kinder mit ins Fernsehen und ließ sie begeistert verkünden, dass sie gern pinkeln möchten! ;)




Vielleicht hilft es euch dabei, dass manche der eigenen Jugendsünden in der Retrospektive doch nicht so schlimm ist (verglichen zu dieser!) und das auch die eigenen Eltern manchmal doch nicht so peinlich waren ... Habt einen schönen Sonntag! :)

# 79 - "Hey, Mr. Möbelmann" - David Garrick (1967)

Der folgende Titel ist all jenen gewidmet, die sich in Corona-Zeiten mit Umzugsthematiken auseinandersetzen mussten.




NACHTRAG FÜR FREITAG

DAVID GARRICK
A: Hey, Mr. Möbelmann [Please, Mr. Moving Man] (M: Phil Barr & Billy Meshel / dt. T: Carl-Heinz Blecher)
B: Zeig' den ander'n nicht dein Herz [A broken Heart] (M: Alan Tew / dt. T: Tobby Lüth)

1967, PYE Records, HT 300098 


David Garrick wurde 1945 als Philipp Darrell Core in Liverpool geboren. Nachdem seine Stimme bereits im Kirchenchor seiner Heimatgemeinde positiv auffiel, besuchte er nach Abschluss seiner Schulzeit das Konservatorium, um sich als Opernsänger ausbilden zu lassen. Seine Karriere als Popsänger begann eigentlich durch eine Wette mit Freunden in einem Club in London. Nachdem seine Karriere Anfang der 70er-Jahre stagnierte, verbrachte er einige Jahre in Südafrika und Ägypten. In den 90er-Jahren versuchte er ein Comeback. Er starb 2013.

Seine erfolgreichsten Titel waren "Lady Jane" (1966, #28 UK), "Dear Mrs. Applebee" (1967, #1 DE, #3 AUT, #22 UK), "Please Mr. Movingman" (1967, #25 DE) und "Don't go out into the Rain" (1968, #26 DE). Er veröffentlichte drei Singles in deutscher Sprache.

Sein Künstlername ist eine Hommage an den bedeutendsten britischen Schauspieler des 18. Jahrhunderts.


Nun aber zum Song:

Hey, Mr. Möbelmann
Lass die Möbel nebenan
Und lass mein Baby hier bei mir
Hilfe, Hilfe

Das darf doch nie gescheh'n
Dass uns're Nachbarn geh'n
Und ich kann mein Girl nicht mehr seh'n
Hilfe, Hilfe

Sieh das Herz am Haustor
Wo sie schwor, das sie geht, kommt nie vor
Unser ganzes Glück, oh nein
Pack' es nicht in Kisten ein
Lass hier all das Gepäck
Und fahr' einfach weg

Refrain






"Hilfe Hilfe" kann man nur laut bei Davids Aussprache rufen. Aber man darf es ihm nicht übel nehmen. Der junge Mann kam aus England und hatte sicher kaum Zeit, deutsch zu lernen. Vermutlich hat er den Song nur weitestgehend phonetisch gelernt. Aber nachdem seine Holde jetzt scheinbar doch Reißaus genommen hat und einem anderen "ihrä groasä Lieubä schewoa" wäre er besser beraten, seine Deutschkenntnisse aufzumöbeln (ha, Mega-Wortspiel :P!) als die Arbeit des armen Umzugsunternehmers zu behindern.

Freitag, 5. Juni 2020

# 78 - "Aus!" - Peggy Peters (1974)

Keine Sorge: Mit dem Blog ist es (hoffentlich noch lange) nicht aus! Eher mit der Ruhe und ungewöhnlichen Zwangspause ... trotzdem darf man noch nicht leichtsinnig, alles "auf eine Karte setzen", sonst ist's bald wieder "Aus" mit Veranstaltungen und neugewonnener Freiheit - das wusste übrigens bereits die Zukunftsforscherin: Prof. DDr. Peggy Peters anno 1964.


NACHTRAG für DONNERSTAG!



PEGGY PETERS
A: Ich setze alles auf eine Karte (M: Heino Gaze / T: Fred Ignor)
B: Aus [Shout - The Isley Brothers] (M: O'Kelly, Ronald & Rudolph Isley / dt. T: Georg Buschor)

1964, Hansa, 11 088 AT

Peggy Peters, die am 25. Dezember 1946 als Christa Zarlewski in Berlin geboren wurde, sang bereits von Kindesbeinen an und erhielt früh Ballettunterricht. Nach der Schule arbeitete sie als Hostess bei einer Fluggesellschaft.
Mit ihrem Jugendfreund Drafi Deutscher (1946-2006) nahm sie 1962 an einem Talentwettbewerb im Rahmen der Berliner Funkausstellung teil, den sie promt gewann. Sie erhielt einen Plattenvertrag, das Pseudonym Peggy Peters und veröffentlichte 1964 ihre erste Solosingle "Keine Schule mehr". Parallel dazu war sie Mitglied in unterschiedlichen Formationen ("Die Peggy Peters Sisters", "Die Petras" und "Die Sweetles"). Mit ihrem späteren Ehemann Peter Rainford veröffentlichte sie Mitte der 60er-Jahre (als "Peggy & Peter") die Single "Limelight Boy", der noch zahlreiche folgten. In dieser Zeit etabliert sich auch ihr späterer Künstlername Tina Rainford
Immer wieder kreuzten sich die Wege von Tina und Drafi, der regelmäßig für sie Titel schrieb und sie auch in sein Studio-Projekt "WIR" holte.
Und eben dieser Drafi war es auch, der Tina den größten Erfolg ihrer Karriere bescheren sollte. 1976 gelang ihr ein Riesenhit mit dem, von Drafi geschriebenen, Song "Silverbird". Der Titel verkaufte sich millionenfach und erreichte sogar #25 der US-Country-Charts.
Nachdem sie mit den Nachfolgesongs an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen konnte, zog sie sich in den 80er-Jahren ins Privatleben zurück.
Im Rahmen ihrer Autobiographie "Wenn Sterne fallen" verarbeitete sie nicht nur ihre jahrzehntelange Tabletten- und Alkoholsucht, sondern auch Bulimie. All das hat sie inzwischen überwunden und lebt mit ihrem zweiten Ehemann auf Mallorca. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht sie noch Songs.

Es ist nun wirklich mit uns aus
Aus meinem Herzen bist du raus
Du bildest dir doch wohl nicht ein
Ich könnte ohne dich nicht sein
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die große Liebe ist vorbei
Du warst mir keine Stunde treu
Du gehst mit ander'n Mädchen aus
Und lässt mich ganz allein zu Haus
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die schönen Träume
Ich hab genug von dir
Hör endlich auf zu lügen
My Boy, nun reichst du mir 
Yeah
Yeah 
Yeah
Yeah - Yeah - Yeah

Refrain

Von heute an bist du mir egal
Du kannst mit ander'n geh'n
Ruf nie mehr an, denn auf keinen Fall
Will ich dich wiederseh'n
Yeah, es ist nun aaaaaaaaus
Yeaaaaah, es ist nun aus

Mit den letzten lautmalerischen "Yeahs" bin ich ein wenig sparsamer umgegangen ;)


Ja, die Peggy Peters hat ordentlich Temperament und das bei einer Größe von nur knapp 1,50 Meter. Starke Stimme und starker Groove ... zugegeben, dass eine oder andere Yeah wäre verzichtbar gewesen. 
Eines kann ich euch versprechen, wenn man sich mit so einer Frau anlegt, dann hat der "Boy" später nichts mehr zu lachen! Aber wir wissen ja .... Karma is a bitch! ;) Von daher, können wir uns entspannt zurücklehnen und abwarten, was dem armen Knilch so widerfahren wird ;)

Text

Montag, 1. Juni 2020

# 75 - "Monday, Monday, was bringst du mir?" - Peter Haupt (1966)

Wieder einmal Montag ... wir starten in die elfte Woche dieses Blogs. Ich hätte zuvor nie gedacht, dass ich jemals für so ein Projekt Zeit finden werde ... Und wieder frage ich mich, was bringt es mir?




PETER HAUPT
A: Monday, Monday, was bringst du mir? [Monday, Monday - The Mamas & The Papas] (M: John Philips / dt. T: Günter Loose)
B: Eine Welt ohne Licht [5 o'clock World - The Vogues] (M: Allen Reynolds / dt. T: Günter Loose)

1966, Philips, 348 010 PF


Peter Haupt veröffentlichte zwischen 1966 und 1976 insgesamt sechs Singles: "Gaslight" (1967), "Wieso?" (1967), "Dardanella" (1968 als "Peter von Stambul"), 1974 die deutsche Version von "Beach Baby" als "Peter & Wolf" (mit Wolfgang Mürmann) und 1975 "So schön kann keine Frau sein" (eine Adaption des Gitte-Hits).
Interessant (aber nicht ungewöhnlich für diese Zeit) ist, dass fünf seiner ersten sechs Titel Coverversionen englischsprachiger Titel sind.
Peter Haupt starb bereits im Jahre 1999 an einer Rauchvergiftung.


Hier nun eine absolut legitime deutsche Coverversion des Mamas&Papas-Hits (es gibt übrigens noch eine weitere deutsche Coverversion (mit anderem Text) von Bettina aus dem Jahr 1971):

Monday, Monday, was bringst du mir?
Bringst du Tränen oder Glück und Liebe von ihr
Der Montagmorgen, er verspricht mir, es wird für uns schön
Doch Montagabend kann der Traum zu Ende geh'n

Monday, Monday, was fang ich an?
Monday, Monday, ich wüsst' so gern, was kommen kann
Am Montagmorgen seh' ich unser Leben voll Sonnenschein
Doch Montagabend lässt mich dein Herz vielleicht allein

Jeder neue Tag - Jeder neue Tag
Jeder neue Tag
Jeder neue Tag, der beginnt, ist schwer
Ausgerechnet Montag früh
Da seh' ich die ganze Welt nur noch grau und leer
Grau und so leer

Refrain






Okay, zugegeben. Das ist jetzt nicht gerade der optimistischste Start in die Woche, aber das ist an einem Montag auch ein bisschen zu viel verlangt, oder? Die Coverversion ist auf jeden Fall gut gemacht und Peter Haupt hat damit ein würdiges Schallplattendebut gegeben. Der Text könnte vielleicht etwas lebensbejahender sein, aber hey ... es ist halt einfach beschissen, wenn man seine Liebste nur einen Tag pro Woche sehen kann.


Wer eine schöne und gut-gemachte Parodie von "The Mamas & The Papas", die stellenweise wirklich erschreckend authentisch ist, dem sei dieses Video des britischen Comedy-Duos French & Saunders sehr ans Herz gelegt!


Habt einen schönen Start in die Woche! Ich bemühe mich auch ehrlich, mit positiverem Beispiel voranzugehen ;)