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Mittwoch, 1. Juli 2020

# 103 - "Kirschenmund und Pfirsichhaut" - Adamo (1973)

Manchmal (okay, ziemlich oft) hat meine Liedauswahl auch autobiographische Züge und behandelt (versteckt) Themen oder Ereignisse, die mich gerade beschäftigen, prägen, nerven oder belustigen. In diesem konkreten Fall hängt es mit den angesprochenen Kirschen zusammen. Grund dafür ist ein seit einigen Wochen laufender Online-Regiekurs, dessen Inhalt Tschechovs "Kirschgarten" ist. Da es mir aber gerade nicht nach russischer Folklore gelüstet, habe ich den Titel äußerst wörtlich genommen (keine Sorge: "Cheri Cheri Lady" ist nicht in den nächsten Tagen geplant!)



ADAMO
A: Gwendolina (M: Salvatore Adamo / dt. T: Eckart Hachfeld)
B: Kirschenmund und Pfirsichhaut (M: Salvatore Adamo / dt. T: Eckart Hachfeld)

1973, Columbia, C006 81 349


Eckart Hachfeld (1910-1994) war ein durchaus gefragter Textautor. Zu seinen bekanntesten Titeln gehören beispielsweise "Zeig' mir den Platz an der Sonne" (Udo Jürgens, 1971), "Er war gerade 18 Jahr" (Dalida, 1974), "Geschieden" (Udo Jürgens, 1974), "Du gehst fort" (Adam & Eve, 1975) und "Aber bitte mit Sahne" (Udo Jürgens, 1976). Eine regelmäßige Zusammenarbeit verband ihn mit französischen InterpetInnen wie Gilbert Bécaud, Dalida und eben Adamo.


Salvatore Adamo wurde 1943 in Sizilien geboren. Die Möglichkeit für den Vater eine neue Arbeit zu finden, führte die Familie nach Belgien. Nachdem Adamo in Frankreich einen Musikwettbewerb gewonnen hatte, veröffentlichte er 1960 in Belgien seine erste Schallplatte.
Bereits 1966 trug ein Viertel aller Schlager-Schallplatten, die in Frankreich verkauft wurden, seinen Namen. 1967 führte ihn eine Tournee nach Deutschland und er begann, obwohl er der deutschen Sprache kaum mächtig war, einige seiner Lieder auch in deutscher Sprache aufzunehmen. Eine kurze aber intensive Zusammenarbeit verband ihn mit der deutschen Sängerin Alexandra (1942-1969), der er erlaubte einen Text für einen seiner Titel in deutscher Sprache aufzunehmen und selbst zu singen ("Walzer des Sommers"). Ein weiterer Titel aus dieser Zusammenarbeit ("Kinderjahre") konnte aufgrund des plötzlichen Unfalltods von Alexandra nicht mehr von ihr aufgenommen werden. Adamo veröffentlichte diesen Titel 1978.
In den 70er-Jahren waren vor allem seine "Kieselsteine"-Alben mit anspruchsvollen Versionen, seiner französischen Chansons, äußerst erfolgreich.

2004 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine geplante Tournee absagen. Nach fast einem Jahr Pause gab er wieder Konzerte in Belgien und Frankreich. 2008 brachte er eine CD mit 18 seiner bekannten oder weniger bekannten Titel, die im Duett mit unterschiedlichen Künstlern der französischen Chanson-Szene neu aufgenommen wurden. Die CD erlangte wenige Wochen nach der Veröffentlichung Platin-Status. Seine letzte CD mit ausschließlich eigenen Chanson erschien 2018.


Zu seinen größten Hits gehörten "Inch Allah" (1967, #18 DE, #11 AT), "Es geht eine Träne auf Reisen" (1968, #2 DE & AT), "Du bist so wie die Liebe" (1968, #14), "Ein kleines Glück" (1970, #6 DE, #1 AT), "Komm in mein Boot" (1970, #11) und "Rosalie, c'est la vie" (1973, #39).


Nun aber zu dem heutigen Song, den ich charmant eher als mittelschwere Schnulze kategorisieren würde:

Kirschenmund und Pfirsichhaut
Nanananana
Wem wird es glücken
Wer wird dich pflücken
Schönste, die ich sah

Ich zog vergnügt hinaus
Und fand in einem fernen Land
Das kleine Puppenhaus
Wie hingemalt von Kinderhand

Ich klopfte an die Tür, hab' mir ein Herz genommen
Und rat, was geschah wohl dann
Ja, ein süßes Mädchen hieß mich willkommen
Und bot mir rote Kirschen an

Refrain

Voller Unschuld ein "Ja" 
Und ein süßes "Ich liebe dich"
Eine Bitte "Bleib da"
"Geh' nicht fort" und so blieb ich

Sie flieht und sie tanzt durch Blüten wie ein Kind
Sie zieht mich an ihre Seite
Und ihr weißes Kleid weht im Wind
Wie ein Segel in die Weite

Refrain

Mein Leben war so leer
Die Zeit wie Sand zerronnen
Die Zeit wie Sand zerronnen
Nun blüht es ringsumher
Die Welt hat neu begonnen
Die Welt hat neu begonnen

Hochzeit machten wir und am Himmel gespannt
Ein Regenbogen als Portal
Wo sie wartend stand, Blumen in der Hand
So leuchtend wie ein Sonnenstrahl

Refrain






Hmmh ... es gibt so den einen oder anderen Song den man nach fast 50 Jahren doch irgendwie mit anderen Augen (oder besser gesagt Ohren) wahrnimmt. Ein unschuldiges kleines Mädchen, das in einem "Puppenhaus" wohnt und den fremden Mann mit süßen Kirschen willkommen heißt? Uff ... "Wem wird es glücken? Wer wird dich pflücken, Schönste, die ich sah?". Alle Achtung - So wurde definitiv noch kein Wunsch nach einer Defloration besungen. Aber ihr scheint es ja gefallen zu haben. Die Auswahl an potentiellen Bewerbern war vermutlich in diesem fernen Land nicht so groß und wir gehen einmal optimistisch davon aus, dass sie das heiratsfähige Alter (zumindest in ihrem Land) bereits erreicht hat. Sie sagte "Ja" und er blieb. Danach folgt ein infantiles Rennen durch nicht näher definiertes Unterholz (mögliche Anzeichen auf einen gescheiterten Fluchtversuch?) und eine depressive Strophe. Aber glücklicherweise führt ja eine Hochzeit nur zu positiven Veränderungen und so werden sie vermutlich glücklich an ihr Lebensende weiterleben und fröhlich Kirschen verzehren. Hoffen wir, dass sie sich möglichst viel ihrer Pfirsichhaut erhalten hat. Orangenhaut beispielsweise wird ja viel seltener positiv besungen.







Zum Abschluss, da ich heute leider kein bewegtes Bildmaterial zu diesem Song beisteuern kann, eines meiner Lieblingsvideos von "Maschek", das sich auch sehr großartig mit dem Thema Kirschen auseinandersetzt!

Donnerstag, 23. April 2020

# 36 - "I steh' nur auf Italiener" - Margit P. (1986)

Für die heutige Songvorstellung müssen wir nicht so weit reisen: es geht nach Bayern! Thema des heutigen Songs ist wieder einmal Liebe in einer besonderen Form.
(Ich habe übrigens schon lange kein Schallplattencover mehr so laut "Hey, schau mal, wir sind die 80er!!" schreien gesehen, wie dieses!)




MARGIT P.
A: I steh' nur auf Italiener (M: Lenz Hauser & Herbert Heudecker / T: Herbert Heudecker)
B: I mog di [Piove] (M: Domenico Carlucci / dt. T: Lenz Hauser & Siegfried Labenz) 

1986, Koch-Records, AS 145.267
produziert von Lenz Hauser

Margit P. wurde 1963 als Margit Petraschka geboren und lebte damals im niederbayerischen Eggenfelden. Bekannte Persönlichkeiten, die ebenfalls dorther kamen, sind die deutsche Kabarettistin Lisa Fitz und der seit 2018 verschollene Sänger Daniel Küblböck.
Bereits in der Schule war sie musikalisch aktiv, spielte Saxophon, sang in unterschiedlichen Formationen und hatte eigene Bands. Sie arbeitete damals als Friseurin. Margit brachte es immerhin auf eine Hand voll Schallplattenaufnahmen. Weitere Titel waren beispielsweise "Kinderaugen", "Bodybuilding", "Ui, i bin im Radio" und "September in Rimini".

Mit ihrer Eigenkomposition "Der Sonne entgegen" versuchte sie 1986 ihr Glück beim deutschen Vorentscheid für den Grand Prix d'Eurovision, landete damit aber nur auf Rang 9. Diesen Bewerb konnte Ingrid Peters mit "Über die Brücke geh'n" für sich entscheiden (beim ESC belegte sie Platz 8).

Das ganze lange Jahr hab' ich gespart für meinen Urlaub in Italia
Ich hab' dafür einen guten Grund, drum muss ich immer wieder hin
Es liegt nicht an der Sonne oder an dem weißen Strand der blauen Adria

Es ist was völlig anderes, das geht mir einfach nicht mehr aus dem Sinn

--> Gut, dass dieser Song aus dem Jahr '86 ist - damals, als man noch ohne Probleme nach Italien fahren konnte. Durch den Corona-Ausbruch wird der Traum von "Bella Italia" wohl noch für einige Zeit ad acta zu legen sein :/ Die gute Margit müsste heute ihr gespartes Urlaubsgeld wohl für einen Trip nach Salzgitter, Detmold, Buxtehude oder Bad Salzuflen ausgeben.

Jo i steh nur auf Italiener
Auf Spaghetti, Vino, Pizza, Amore, o la la 
Und nächstes Jahr, do kumm i wieder
Denn meine Papagalli s
an sicher wieder da

--> Dennoch zeigt sich Margit bescheiden. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen - daher ist die Reihenfolge Nudeln, Wein, Pizza, Liebe ganz klar vorgegeben. Für meinen Geschmack fehlt noch eine ordentliche Portion Gelato, aber man muss ja nicht alles haben - kommt ja auch auf die Menge an! ;)

Im letzten Urlaub hab' ich mir gedacht, ich hätte ihn gefunden
Schwarze Haare, blauen Augen und mit einer sportlichen Figur
Braungebrannt und wie er von sich selber sagt auch nicht gebunden
Doch er war kein Italiano, von Temperamento keine Spur

--> Tragisch, dass sich der vermeintliche Italiener dann doch als Flop herausgestellt hat. Wie sie trotz der intensiven Informationseinholung getäuscht werden konnte, ist nicht überliefert. Anscheinend hat ihn aber im entscheidenden Moment sein "Temperamento" verlassen. Das ist natürlich blöd. Weiche Nudeln können ja bekanntlich nix, die müssen schon "al dente" sein ;)

Refrain

Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia
Bella Italia

Refrain




Margit P. hat sich dann Ende der 80er-Jahre wieder aus dem professionellen Musikgeschäft zurückgezogen. Was sie heute genau macht, ist mir nicht bekannt. Nur, dass sie verheiratet ist und heute Zitzelsberger heißt. Der Name spricht dafür, dass sie nicht mehr nur auf Italiener steht! ;)

Für diesen obskuren Liebesbeweis vergebe ich dennoch fünfmal Pizza Calzone und lege noch eine equisite Flasche Lambrusco drauf.

Wenn euch das Fernweh packt, schaut euch alte Urlaubsfotos an, esst Pizza (von mir aus auch tiefgekühlt), trinkt ein Glas Wein und überlegt euch Dinge, die auch abseits vom Sandstrand schön sind! :D

Dienstag, 21. April 2020

# 34 - "Falsch geparkt, 20 Mark'" - Sandra & Peter (1976)

Nachdem es ja momentan eher schwierig ist, neue Menschen kennenzulernen geschweige denn - zwischen Toilettenpapier, Nudeln und Mund-Nasen-Schutz-Masken - die große, lang ersehnte, Liebe zu finden, habe ich heute wieder ein Lied ausgegraben, dessen Story wohl selbst für "How I met your Mother" zu skurril gewesen wäre.




SANDRA & PETER
A: Falsch geparkt, 20 Mark (M: Gerhard Eisenmann / T: Pablo Pencil = Dieter Liffers)
B: Unsere Welt ist auserwählt (M: Gerhard Eisenmann / T: Peter Pollux = Dieter Liffers) 

1976, Elite Special, LLS 60.036
produziert von Dieter Liffers



Dieter Liffers hat unter verschiedenen Pseudonymen auch als Texter gearbeitet. Besonders originelle Titel aus seiner Feder sind etwa "Applaus für ein total verrücktes Haus" (Maggie Mae, 1975), "Eine Dame von 18 Jahr'n" (Mandalena, 1977), "Flower-Power-Superman" (Sandra & Sharon, 1968), "Heute wird ein Stier gegrillt" (Mona & Michael, 1976), "Küsse im Fahrstuhl" (Peter Manao, 1978), "Tanz' keinen Tango mit Django" (Ulla Wiesner, 1975) oder  "Wenn die Trommel ruft" (Erik Silvester, 1975).

Was aus Sandra und Peter geworden ist, ist nicht bekannt. Sollte es sich dabei tatsächlich um eine autobiographische Geschichte handeln, haben beide hoffentlich ihren Frieden gefunden und müssen sich um etwaige Strafmandate keine Gedanken mehr machen.

Gestern um halb acht
Hat ein junger Polizist
Mich vor der Discothek
Im Parkverbot erwischt

War auch der Parkplatz voll
So half auch all mein Reden nichts
Er schrieb ein Protokoll
Denn er tat seine Pflicht


--> Da kann man sehen, das Einzige, was bei Aufregung aufgrund von Knöllchenschreibern hilft, ist in Ruhe den Sachverhalt zu analysieren und schweigend die Schuld bei sich selbst zu suchen. Brave Bürgerin!

"Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark"
So sagte mir der Polizist
Der mich sonst immer freundlich grüßt


--> Naja, das freundliche Grüßen war vermutlich genauso eine Amtshandlung wie dieser Strafzettel. 20 Mark sind heute 10 Euro - bei dieser Strafsumme würden wohl so manche einem Polizisten aus purer Dankbarkeit um den Hals fallen.

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
Erst sah ich ihren Führerschein
Dann nahm ich die Gebühren ein


--> Romantischer kann man so eine Amtshandlung wohl kaum auf den Punkt bringen, oder?

Heute um halb acht
Traf ich ihn dann in zivil
Er hat mich angelacht
Doch ich blieb ernst und kühl


Als er so vor mir stand
Da ließ ich mich auf gar nichts ein
Der nächste Tanz begann
Und ich zahlt' es ihm heim


--> Ah ja. Er war vermutlich wieder in der Mission "Die Polizei, dein Freund und Helfer" unterwegs und wollte sich - rein aus Nächstenliebe - nach ihrem Befinden erkundigen, nicht das etwaige Resozialisierungsmaßnahmen verabsäumt würden ... das wäre ja, tragisch! Oder hat er es vielleicht sogar mit einer Wiederholungstäterin ohne Schuldbewusstsein zu tun?

Sie haben falsch geparkt

Das kostet 20 Mark
Ich wusste die Chance kam

Dass sie bei mir Revanche nahm

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
So sagte ich, dass war mein Ziel
Er hatte sich in mich verliebt


--> Hui. Das ist aber schnell gegangen. Aber gut, Liebe auf den ersten Blick soll es ja geben. Mmh ... auf den ersten kann es ja nicht gewesen sein, er hat sie ja immer freundlich grüßt. Aaaaah ... Liebe auf den ersten Blick auf den Führerschein. Oder die gute Sandra scheint "heißer" zu tanzen, "als die Polizei erlaubt" ;)

Sie haben falsch geparkt
Das kostet 20 Mark
In diesen Worten liegt mein Schicksal
Sie wurden zum Glückssymbol
Denn uns're Liebe kam per Zufall
Verursacht durch ein Protokoll


Wer hätte gedacht, dass auch aus einem Strafzettel für Falschparken die große Liebe entstehen kann? Solltet ihr also das nächste Mal in der Kurzparkzone erwischt werden, achtet besonders auf den/die Aussteller/in, vielleicht handelt es sich ja dabei um die Liebe eures Lebens? 💖

Auf einen Strafzettel würde ich es aber trotzdem nicht ankommen lassen - die Kosten dafür sind seit 1976 doch recht stark angestiegen ;)

Für diese Liebesgeschichte gehen fünf Punkte nach Flensburg! ;)

Montag, 20. April 2020

# 33 - "Vater, such' mir einen Mann'" - Sylvia Poluxis (1973)

Zugegeben. Heute ist mein Post auch nicht wirklich früh - aber immerhin bin ich sieben Stunden früher dran als gestern ;) Der heutige Tag startete übrigens ganz gut - das lag vermutlich auch am Wetter! Es ist einfach angenehmer von Sonnenschein geweckt zu werden ..

Das heutige Lied widme ich allen Single-Frauen da draußen, die in der Corona-Krise beschlossen haben, auf ihre lang-erkämpften Frauenrechte zu verzichten und stattdessen die Auswahl eines geeigneten Partners in Familienhände zurückzulegen.




SYLVIA POLUXIS
A: Zwei Jahre und ein Tag (M: Carli / T: Horst Carmienke)
B: Vater, such' mir einen Mann (M: Frank Duval / T: Horst Carmienke) 

1973, Maritim 12 794 AT
produziert von Frank Duval



Drei Plattenfirmen versuchten zwischen 1972 und 1976 mit Sylvia Poluxis ihr Glück. Der große Erfolg blieb aber aus.

"Sylvia Poluxis war viele Jahre an der Spitze der Showstars ihrer Heimat Rumänien. Nach einem Gastspiel in Deutschland bat sie um politisches Asyl und lebt seither in Dannenberg an der Elbe." schrieb die Plattenfirma damals.

Mitte der 70er-Jahre eröffnete sie ein jugoslawisches Restaurant in Dannenberg. Heute soll sie in Hamburg leben. Um 2009 tauchte sie als Moderatorin bei "Nord-Gay-Radio" in Erscheinung (den Sender gibt es heute allerdings nicht mehr).

Führt man ihre zehn veröffentlichten Songs in einer beliebigen Reihenfolge an, so ergeben sich mitunter originelle Kurzgeschichten:

Es war im Abendrot am schwarzen Meer
- Du allein?
Zwei Jahre und ein Tag. Kennst du die Sehnsucht?
Lass mich heut' Abend nicht allein
Es gibt noch Liebe!
- Wie Mephisto kam ein Mann
Väterchen!
- Die Welt ist schön
Ich will Liebe nur von Peter
- Augustin
Vater, such' mir einen Mann!



Textautor Horst Carmienke konnte übrigens nur in Zusammenhang mit Liedern von Sylvia Poluxis gebracht werden. Er lebt nach wie vor in Dannenberg (ein Zufall?). Eine mögliche Verbindung zu Sylvia Poluxis konnte ich auf die Schnelle allerdings nicht herstellen. Aber wer weiß ...

Nun aber zu diesem schönen, eher wenig emanzipierten, Schlagersong, der den patriachal-geführten Heiratsmarkt ankurbeln soll:

Vater
Vater, Vater, such mir einen Mann
Weil ich nachts nicht schlafen kann
Vater, Vater, immer so allein

Vater, nein, das darf nicht sein

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater, Vater, sagt, das ist so schwer
Jedes Mal verlang ich mehr
Vater, ich bin immer ohne Mann
Wann bekomm' ich einen, wann?

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater
Vater

Vater, eines Nachts hab' ich geträumt
Wie viel ich schon hab versäumt
Vater, und auf einmal, Gott sei Dank
Hat das Glück auch mich erkannt

Vater, Vater, such' mir einen Mann

Vater
Vati

Groß und blond mit blauen Augen
So ein Mann, der muss was taugen
Tag und Nacht will ich ihn küssen
Und er bleibt, denn er wird müssen

Vater, Vater, such' mir einen Mann
Vater, wann bekomm' ich einen, wann?

Vater






Gut. Wir analysieren den Fall jetzt einmal gründlich: 
Sie braucht einen Mann. Diesen Mann kann ihr aber aus nicht näher definierten Gründen niemand anderes zur Verfügung stellen, als der eigene Vater. Der Hauptgrund für die Notwendigkeit eines Mannes im Haushalt ist der totale Übermüdungszustand von Sylvia P., die zu ihrer Verteidigung anführt: "Weil ich nachts nicht schlafen kann [...] immer so allein [...] nein, das darf nicht sein!".
Anscheinend wurden aber bereits einige Mühen des Vaters unternommen, um einen geeigneten Schwiegersohn bereitzustellen, was aber stets an den konsequent exponentiell steigenden Anforderungen der Tochter scheiterte - diesen Fakt räumt sie auch reuevoll ein ("jedes Mal verlang' ich mehr"). Diesen Umstand scheint sie aber bereits nach kürzester Zeit wieder unter den Tisch fallen zu lassen und agiert heftig protestierend: "Vater, ich bin immer ohne Mann! Wann bekomm' ich einen, wann?"
Ich gebe zu, ich habe solche Gebärden in Spielwarenhandlungen erlebt, als einem nicht näher definierten Kind ein nicht näher definiertes Spielzeug aus einem nicht näher definierten Grunde verwehrt wurde. Aber in Bezug auf die Partnerwahl? Dem Schallplattencover zufolge hat Sylvia P. zu diesem Zeitpunkt das Kleinkindstadium, das ähnliche Vorfälle charmant toleriert hätte, bereits deutlichst überschritten.
In der dritten Strophe berichtet sie dann aber von einer Erscheinung im Traum, die ihr augenscheinlich die Augen geöffnet hat. War es Jesus? War es Gott? Oder doch klassisch Maria, die ihr die Augen geöffnet hat und ihr weismachen wollte, dass für eine handelsübliche Empfängnis Männer ohnehin zweitrangig sind? Man weiß es nicht. Aber immerhin "hat das Glück auch mich erkannt", tönt es freudestrahlend.
Die Attribute sind auch gleich aufgezählt: groß, blond, blaue Augen, arisch. Ach ja, und zu irgendwas "taugen" muss er natürlich auch. Man hat ja schließlich Ansprüche. Kommen wir zum Urteil: Das Opfer erhält Tag und Nacht Küsse und wird in anschließender Sicherheitsverwahrung untergebracht. Dort bleibt er auch, "denn er wird müssen". Das Gericht zieht sich zurück.

Als besonderes Zuckerl vergebe ich für dieses Lied heute fünf Hemden mit Vatermörderkragen ;)

Tja. Diese Lied beweist eindeutig, dass es heutzutage ganz angenehm ist, wenn man die Partnerwahl eigenverantwortlich in Angriff nimmt. Auch wenn es - zugegebenermaßen - aktuell schwierig ist, real neue Menschen kennenzulernen. Und auch Körperkontakt und Zärtlichkeiten wohl erst wieder neu erlernt werden müssen. Aber gut. Vielleicht wird winken aus zwei Meter Abstand bald ein größerer erotischerer Nervenkitzel sein, als sich nackt mit Sprühsahne und Schokosauce einzureiben? Wir bleiben gespannt ;)