Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
Manchmal liegt das Gute so nah und ist doch so fern, weil einem einfach nicht die richtigen Worte (zur rechten Zeit) einfallen. Davon kann auch die heutige Gruppe ein Lied singen (#schlechterscherzolé).
LOVE GENERATION
A: Ja, wir verreisen (M & T: Frank Cornely) B: Sag' doch "Ich liebe dich" [Bla, Bla, Bla - Squallor] (M: Giancarlo Bigazzi, Daniele Pace & Gaetano Savio / dt. T: Fred Jay)
1975, United Artists, UA 35 851
Produziert von Günter Henne & Joachim Heider
Die Love Generation war eine deutsche Popgruppe, die 1971 aus den "Cornely Singers" hervorging. In wechselnder Besetzung existierte die Gruppe bis 1978.
1975 bestand die Gruppe aus Gitta Walther (1940-2014), Birgit Laury (* 1946), Lucy Neale (* 1948), Peter Hedrich (* 1948) und Timothy Touchton (* 1946). Bis auf Birgit Laury waren alle auch solistisch tätig.
Lucy Neale, die zuvor bei "Family Tree" war, und Gitta Walther gehörten in den 80er-Jahren zu dem Damenquartett "Hornettes". Gitta Walther, die eine gefragte Studiosängerin war (von ihr stammt der legendäre Schrei in "Lady Bump" von Penny McLean), versuchte sich unter dem Pseudonym "Jackie Robinson" auch als Discosängerin. Peter Hedrich gelang 1979 als "Peter Kent" mit "It's a reel good Feeling" ein Hit. Auch Timothy Touchton, der bereits mit Lucy Neale bei "Family Tree" war, machte solistisch weiter.
Bekanntere Titel der Gruppe waren: "Love for everybody" (1971), "Israel" (1972), "Morning of my Life" (1973), "Goin' Downtown" (1973), "Hör' wieder Radio" (1975 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest) oder "Thomas Alva Edison" (1976 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den ESC).
Der in Linz geborene Textautor Fred Jay (1914-1988) hatte bereits in den 40er- und 50er-Jahren erste Erfolge als Texter. In den 70er-Jahren schrieb er u. a. folgende Titel: "Diese Welt" (Katja Ebstein, 1971), "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" (Christian Anders, 1972), "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" (Jürgen Marcus, 1972), "Fahrende Musikanten" (Nina & Mike, 1973), "Ein Schlafsack und eine Gitarre" (Renate & Werner Leismann, 1973) oder "Wir lassen uns das Singen nicht verbieten" (Tina York, 1975).
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Sag' was du wirklich denkst
Mit dir allein zu sein Erfüllt zu Träumerein Dir fallen jederzeit die rechten Worte ein Du bist so wunderbar Ich mag dein rotes Haar Dein Gang ist federleicht Dein Lächeln unerreicht
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla Bla-Bla-Bla-Bla-Bla Sag' was du wirklich denkst
Du siehst ganz reizend aus Machst dich gewaltig raus Wenn du so sprichst zu mir Strahl ich und glaub' es dir
Und deiner Augen Glanz Der fasziniert mich ganz Das hört sich beinah an So wie ein Kitschroman
Sag' doch "Ich liebe dich" Einfach "Ich liebe dich" Sag' doch, du willst nur mich Denn darauf warte ich
Wenn du das Richt'ge denkst Weißt du schon längst Ich bin für dich schon da Ganz ohne "bla, bla, bla"
Zweifellos ein großartiges Machwerk. Ist es denn nicht oft so, dass man seinem Partner oder seiner Partnerin manchmal gar nicht zuhören kann, weil man von den sich bietenden Reizen so genervt ... angeekelt ... becirct ist, das man der anderen Person zwar förmlich an den Lippen hängt, aber das Einzige, was der Organismus abspeichern kann, ist "Bla bla bla". In dieser Situation ist es übrigens äußerst gefährlich, negativ durch einen Unachtsamkeitsfehler aufzufallen. Eine falsche Beantwortung der Folgefrage: "Was hab' ich denn gerade gesagt?" kann zu schwerwiegenden Problemen führen, die schlimmstenfalls ein Beziehungsende (oft sogar durch das unerwartete, plötzliche und vor allem tragische Ableben einer der beteiligten Personen) bedeuten.
In diesem Fall können wir uns aber entspannt zurücklehnen, den beiden Turtelnden zuhören und hoffen, dass sie irgendwann wieder Zugang zu ihrem Sprachzentrum erhalten.
** YEAH! Wir haben die 2.000-Besucher-Marke geknackt! **
Vielen Dank für eure Treue in den letzten Monaten! Es erfüllt mich mit großer Freude, dass ich anscheinend nicht die einzige Person bin, die in diesem Blog mitliest ;) Ich verspreche euch, die schrecklichschönen Songs werden mir so bald nicht ausgehen.
Patricia Cramer wurde um 1959 geboren. Die Plattenfirma, die besonders intensiv versucht hat, ihre Karriere zu pushen, war äußerst ambitioniert in der Bewerbung ihres neuen Schützlings: "Teen-Prinzessin mit Märchenstimme". Tatsächlich wurde Patricia Cramer zur "Teen-Prinzessin '74" gekürt. In welchem Zusammenhang ist aber unklar - sie wurde weder "Bravo-Girl des Jahres" noch war sie Teilnehmerin der "International Teen Princess" (1973 holte sich übrigens tatsächlich die deutsche Ute Kittelberger den Sieg!).
"Patricia ist jetzt gerade 15 Jahre jung und schon auf dem besten Weg, ein hell leuchtender Stern am deutschen Schlagerhimmel zu werden. Entdeckt wurde sie im Frühling 1973 bei einem Talentwettbewerb in Darmstadt. Unser schnuckeliger Teenager (158 cm klein) spielt Gitarre, möchte aber auch noch Bass lernen. Dazu hat sie aber nicht genügend Zeit, sie geht noch zur Realschule."
Schnuckelig ist auch ein Attribut, das man heute keinem jungen Mädchen mehr auf die Plattenhülle schreiben würde ...
"Aufgefallen ist sie mit ihrer frischen Stimme und dem für sie charakteristischen Timbre bei den Pfadfindern." Ah ja. Die waren ja immer schon als Talentschmiede bekannt und nicht dafür, dass man lernt, wie man am besten ein Zelt aufstellt oder so.
"In ihrer Plattensammlung überwiesen Interpreten wie Suzi Quatro, T. Rex, Bernd Clüver, Cindy & Bert." <-- DAS ist auch eine ziemlich harte Kombi!
"Wir sind davon überzeugt, dass Patricia in einiger Zeit bald so bekannt ist wie ihre Vorbilder. Patricia Cramer ist d i e Entdeckung der letzten zwei Jahre!" Tja, beides ist nicht eingetreten. Und ich muss zugeben: zu Recht! Da gab es tatsächlich deutlich begabtere Sängerinnen.
Patricia Cramer, die damals scheinbar auch in Darmstadt lebte, veröffentlichte zwischen 1974 und 1975 insgesamt drei Singles. Weitere Titel waren "Teenage Romeo", "Hello, little Joe", "Ich bin wieder zu Hause" und "Er heißt Michael". Keine der drei Singles wurde in Deutschland ein Hit. Auf holländischen Piraten-Radiosendern wurde sie allerdings häufig gespielt. Dieser Umstand führt dazu, dass sich ihre Singles heute noch für teilweise dreistellige Beträge verkaufen lassen.
Laut Informationen aus einem Online-Musikforum ist sie im Jahr 2007 verstorben.
Horst Hornung, der in den frühen 70er-Jahren auch selbst als Sänger in Erscheinung trat, war bereits öfter auf meinem Blog zu Gast. Klingende Titel aus seiner Feder waren beispielsweise "Arthur Infernale" (Maggie Mae, 1975), "Liebt er dich, wie ich dich liebe?" (Roy Black, 1975), "Wer trinkt schon gern den Wein allein?" (Roberto Blanco, 1978), "Tut-Ench-Amun" (Penny McLean, 1979) oder "Die Familie hat 'nen Knall" (Rex Gildo, 1979).
Wo geht er hin, kommt er her?
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Nichts was er tut, fällt ihm schwer
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Ja, der Spielmann ist unser Freund
Wir haben nie mit ihm geweint
Wenn er spielt sind wir froh
Sein Lied geht so Didel-Didel-Dum
Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Didel-Didel-Didel-Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Didel-Didel-Didel-Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Er singt sein Lied überall
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Und wenn's gefällt noch einmal
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Refrain
So wie er kam, ging er fort
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Sein Lied war sein Abschiedswort
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Ja, der Spielmann war unser Freund
Wir haben nie mit ihm geweint
Und sein Lied, ja das geht für immer um
Didel-Didel-Dum
Eines kann ich euch sagen: Wenn dieser Spielmann den ganzen Tag mit seiner piesigen Blockflöte um die Häuser zieht und dabei diesen nervigen Ohrwurm dudelt, dann wäre er ganz sicher nicht mein Freund! "Nichts was er tut, fällt ihm schwer" - ja, vor allem anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Das scheint mir seine Hauptbeschäftigung zu sein!
Schön, dass es in den 70er-Jahren schon ausreichend für eine gute Freundschaft war, dass man nicht zusammen weint. Toll. Das ist wirklich beeindruckend. Patricia hat anscheinend noch nie mit ihren Freunden Zwiebeln geschnitten. Das wäre nämlich ein ziemlich (Achtung: schlechter Wortwitz) einschneidendes Erlebnis gewesen!
"Und sein Lied, ja , das geht für immer um - Didel-Didel-Dum", ja das ist tatsächlich eine Drohung. Ich fürchte dieser Spielmann war so etwas wie der erste analoge Trojaner, dessen Anwesenheit zu einem ziemlichen Crash in der menschlichen Hardware führt. Danach kannst die Festplatte vermutlich in die Tonne schmeißen und maximal noch als Klatsch-Statist im Musikantenstadl vermittelt werden.
Ich warne euch wirklich! Di-didel-eser Song hat es wirklich in sich. Man muss aufpassen, dass da-dum-ruch nicht der eigene Sprachfluss gestört wird. Ist di-didel-es, der Fall, dann hilft nur noch ... Dum-Didel-Dum-Didel-Dum Didel-Didel-Didel-Dum ...
Eigentlich bin ich mit diesem Song jetzt schon ziemlich spät dran, schließlich heißt er ja "Sunday Morning". Ich hätte ihn wirklich sehr gerne bereits in der Früh geposted, befand mich zu der Zeit aber noch im Reich der Träume. Dafür war aber die Nachtschicht zumindest nicht umsonst.
Einen großen Vorteil gibt es aber auch bei diesem Song: "Der nächste Sonntag kommt bestimmt" (das wusste bereits Tina York 1970. Ich würde euch empfehlen, nicht nach diesem Song zu googeln - außer ihr seid masochistisch veranlagt ...).
BERTICE READING
A: Sunday Morning (M: Danny Daniel / T: J. Jamison) B: Lean on me (M: Danny Daniel / T: Bertice Reading)
1974, CBS, 2719
Über den Textautor konnte ich leider nichts herausfinden. Der Komponist hingegen ist der Spanier Danny Daniel, 1942 als Daniel Candón de la Campa geboren. Bekannt wurde er beispielsweise für Songs wie "This World today is a Mess" (Donna Hightower, 1973).
Bertice Reading (1933-1991) war eine amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Große Erfolge hatte sie bereits in den 50er-Jahren in den Revuen "The Jazz Train" in Paris und im Piccadilly Theatre in London. Großen Erfolg hatte sie im Theaterstück "Requiem for a Nun", das sie 1957 am Broadway spielte und ihr auch eine Nominierung für den Tony Award einbrachte. Sie spielte in zahlreichen Revuen und Musicals, z. B. "South Pacific" oder in der Musical-Verfilmung von "Little Shop of Horrors" (1986). Sie starb im Alter von 57 in London an einem Schlaganfall.
Sunday Morning, singin' a song ... marchin' along There's a cabin, down by the sea Danny is waitin' for me
Sunday Morning, gettin' up late Feel the breeze it flow on my face Love get ready, make yourself free Danny is waitin' for me
Early in the morning when the sun rise I can hardly way to see Never been so happy, never been so pleased Going ... to find my day
Sunday Morning, honey and tea Bake and ... is good for me Livin' can easy, feelin' so free Danny is waitin' for me
Sunday Morning, look to the pie Feelin' lovely, everything's fine ... is so lovely, feels like a dream Danny is waitin' for me
Tja, so einen Mann wie Danny lässt man nur ungern warten. Und so eine Frau wie Bertice noch weniger! Der Auftritt stammt übrigens aus der spanischen Musiksendung "Senoras y Senores" von Januar 1975.
Und eines muss man Bertice definitiv lassen: Sie hat Spaß auf der Bühne und ist sich auch für keinen noch so flachen Gag zu schade. Die Frau hat definitiv Power und Persönlichkeit - und eine riesige Portion Humor. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute Frauen (oder auch Männer) geben würde, die nicht doch damit hadern würden, von einem Gabelstapler (!), den zwei Bohnenstangen-Hupfdohlen (!!) bedienen, hochgehoben werden. Und besagte Ladies (heute wären sie sicher prädestinierte Heulsusen-Zicken, die bereits in einer der ersten Folgen bei Germany's next Topmodel - tränenreich - ausscheiden würden) fordern Bertice anschließend noch zum offiziellen Wiegen ("The Biggest Looser" lässt grüßen) und müssen natürlich zeigen, dass eine Waage allein nicht ausreicht. Großartig, dass Bertice so viel Power hat, dass sie durch ihre Tanzeinlagen eine korrekte Messung vereitelt. 1:0!
Wenn man sich beispielsweise die drei Mädels mit Model-Figuren (deren optische Reize sehr niedrig einzustufen sind, vor allem von der rechten) in 1:38 ansieht, dann bestätigt sich wieder einmal, dass Persönlichkeit und Ausstrahlung keine Frage von Körpergewicht sind. Bertice beweist definitiv mehrfach in diesem Video wie viel Spaß und Energie sie hat und zeigt damit auch, wie sehr sie mit sich und ihrem Körper im Reinen ist.
Schade, dass man Bertice Reading im deutschsprachigen Raum ziemlich unbekannt ist - und, dass man leider so wenig Sachen von ihr online findet :(
Naja, das hat ja wirklich super geklappt, mit meinem Plan jeden Tag einen Song zu veröffentlichen. Im aktuellen Fall hatte ich tatsächlich eine gute Ausrede: Arbeit. Und die wurde (überraschenderweise) nicht weniger, da in den letzten Tagen tatsächlich mehrere Aufträge eintrudelten. Wie dem auch sei, das ist euch ja eher egal, denn ihr wollt doch nur das eine, oder? Nämlich einen schönen, originellen oder skurrilen Song, der euch den zweiten Lockdown versüßt. Et voilá, hier kommt wieder einer meiner absoluten Lieblingssongs (und das schon seit einigen Jahren):
JACK GRUNSKY
A: Der verliebte Prinz [The Prince in Love is me] (M: Jack Grunsky / dt. T: Margarita Frank) B: Oh my Love, yes my Love [Oh my Love, yes my Love] (M: Peter J. Müller / dt. T: Margarita Frank)
1968, Amadeo, AVRS 21 521
Der 1945 in Graz geborene Jack Grunsky, lebte ab 1951 in Kanada, ehe er nach seinem Schulabschluss 1966 in seine österreichische Heimat zurückkehrte, um hier seine Musiker-Laufbahn fortzusetzen. Kurze Zeit später gründete er hier seine Band ("Jack's Angels") und unterschrieb im selben Jahr einen Plattenvertrag bei der Amadeo. Gemeinsam mit den anderen drei Mitgliedern Claudia Pohl (* 1948), Christoph Oberhuber und Herbert Wegscheider, die ursprünglich aus Linz stammten und in Wien studierten, entstand bald ein umfangreiches Repertoire, das auch zahlreiche Eigenkompositionen enthielt. Bis zur Auflösung 1968 wurden vier Alben veröffentlicht und einige Singles ausgekoppelt - auch außerhalb des Alpenlandes erreichte die Gruppe, die meist durch ihren dreistimmigen Gesang beeindruckte - vielversprechende Rezensionen.
Jack Grunsky konzentrierte sich danach auf seine Solokarriere, komponierte beispielsweise "Catherine", womit André Heller 1970 einen Hit landen konnte, und moderierte auf Ö3 die Sendung "Folk mit Jack". 1974 verließ Grunsky Österreich und lebt seither wieder in Kanada, wo er bis heute musikalisch tätig ist - aktuell vor allem im Bereich anspruchsvoller Kindermusik.
Erfolgreiche Titel von Jack Grunsky als Solist waren z. B. "Train Station Blues" (1968), "Sally McGregor" (1968) und "Back Home to Canada" (1971).
Margarita Frank, die Autorin des deutschen Textes, war die damalige Freundin von Arthur Lauber, der sich später als Mitglied der Gruppe "Misthaufen" sowie als Komponist und Arrangeur in Österreich einen großen Namen machte. Leider wurde nur eine Handvoll ihrer Texte vertont. Ihr erfolgreichster Titel ist vermutlich "Orange", der sich zuerst von Brigitte Wall (1973) und 1982 von Wilfried zu einem Hit in Österreich avancierte.
Nun aber zum Song:
Ich bin eifersüchtig auf den Wind
Der mit deinen Haaren spielt
Der dich streichelt, dir die Augen küsst
Zärtlich deine Wangen kühlt
Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt
Sing' es laut in alle Winde
Singe laut "Ich liebe dich"
Dann ist alles wie im Märchenland
Dein verliebter Prinz bin ich
Ich bin eifersüchtig auf den Tag
Der dir entgegen lacht
Der dich stundenlang umfangen hält
Jeden Schritt von dir bewacht
Ich bin eifersüchtig auf die Nacht
Die wie Liebe dich umhüllt
Dich in ihre weichen Arme nimmt
Jeden Wunschtraum dir erfüllt
Refrain
Wiederholung Strophe 1
Refrain
Refrain
Dein verliebter Prinz bin ich
Dein verliebter Prinz bin ich
Oh, oh, Julia
Und als Special hier die Originalversion:
Just a common day it was a common sun in the sky
And a very very common sea
I was walkin' on by the Lindi Bar
And there I saw you, my Queen
In your red dress spender (?) I recognized you
For haven't seen you quite a while
What a pleasant shock
To see you on this block
What surprise to see your smile
And there ain't no time to wonder why
No there ain't no time you'll see
And all the fears a fairytale
And the prince in love is me
Well before I could up to the sound of lips
We were struggling away from the crowd
Up the narrow streets to the Schlosscafe
You can tell by my eyes I was proud
And the things she said they went to my head
And her laughter could heal anything
When she looked into my eyes and smiled
I could have kissed her again and again
Refrain
Than we went to the movies to see a fine film
And ... was playing a ...
And her candybag was a cracklin' loud
While the romance contradicted ...
Than she had to go, I took her home
And I can still feel her tender hand
Something's force in me, to set me free
Captain Julie entering Coconut Island
Refrain
The prince in love is me
The prince in love is me
Oh, oh, Julie
Zuallererst: Ich finde beide Versionen - jede für sich - sehr schön. Vor allem beeindruckt es mich, wie absolut unterschiedlich sie in ihrer Aussage und meiner Ansicht nach in ihrer Interpretation sind.
Die deutsche Version würde ich da definitiv als eigenständiges Werk betrachten, da sie inhaltlich doch einen großen Schritt weitergeht, als das englischsprachige Original. Hier ist sich der Protagonist ja eigentlich bereits seiner Auserwählten sicher und versucht sie mit allen Mitteln vor "äußerlichen Angriffen" zu verteidigen. Und man kann es dem jungen Jack nicht verübeln, dass man durchaus zwischendurch ein kleines Schmunzeln raushört, wenn ihm die eigene Eifersucht in dem Moment bewusst wird. Aber so ist es einfach, wenn man (jung) verliebt ist.
Mir gefällt die blumige Sprache, die Margarita Frank für diesen Titel findet, die dabei hilft, klare (durchaus sinnliche) Bilder zu imaginieren, ohne sich dabei (was durchaus eine Gefahr wäre) in billigem Kitsch zu verlieren. Und man kann die Freude und Erleichterung direkt spüren, die im Refrain förmlich aus ihm heraussprudelt, wenn ihm seine Geliebte doch die magischen drei Worte zuruft.
Ich persönlich mag vor allem diese Passage:
Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt
- Kommen wir nun für die Rezension auch zur Betrachtung des englischsprachigen Originals. Zuallererst bin ich baff, wie viel mehr Text Jack in diesem Song unterbringt.
Nun aber inhaltlich: Die englische Version startet ein paar Schritte vorher und beschreibt einen ganz gewöhnlichen Tag (spielt übrigens in Linz) im Leben unseres Protagonisten, an dem zunächst nichts besonders oder außergewöhnlich scheint, bis ihm eine junge Frau - das erklärte Objekt seiner Begierde - über den Weg läuft und ihn anlächelt. Dieser Song widmet sich deutlich mehr der inneren Gefühlsachterbahn - zwischen Hoffen und Bangen, Mut und Übermut. Eigentlich wäre es doch ganz einfach, sie anzusprechen und am Ende wär's kinderleicht und sämtliche Ängste unbegründet. Doch so leicht ist es ja (leider) in diesen Situationen nicht. Meist arbeitet das Kopfkino viel zu stark mit und die Angst - vor allem als Mann - einen Korb zu bekommen, vereitelt so manche potentielle Liebelei.
Doch in der zweiten Strophe erkennt man schon viel stärker, dass seine Gefühle so stark sind, dass er eh nicht mehr richtig denken kann. Ein mitunter durchaus positiver Effekt, der uns ermöglicht, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich dadurch auch verwundbar zu zeigen.
Nach dem Kinobesuch bringt er sie noch nach Hause und dann kennen die Gefühle kein Halten mehr. In diesem Fall würde ich definitiv auf ein Happy-End zwischen ihm und Julie schließen.
Ach, das war jetzt schön. Oder fandet ihr das ein bisschen zu kitschig? Zugegeben, Liebe wie im Märchen gibt es ja heute leider nur noch selten. Tinderellas Prinz muss da schon definitiv einiges mehr auf dem Kasten haben. Das Schwert sollte aber vor dem ersten Treffen bitte doch noch gut verpackt bleiben - außer man möchte sich selbst gerne vorzeitig aus dem Rennen nehmen.
Ich dachte mir, dass ich wieder einmal ein Österreich-Special machen könnte. Daher bekommt ihr bis einschließlich Montag jeden Tag einen neuen (vermutlich ziemlich unbekannten) Song made in Austria serviert.
SIMPLICISSIMUS
A: Till Sunday Morning (M & T: Werner Wegen) B: Peace will come again (M & T: Michael Kohlweis)
1974, Help Records, HAS 22 014 / Ariola, 13 392 AT
produziert von Eddy Korsche
Das Kärntner Duo "Simplicissimus" bestand aus Hermine "Mini" Erdetschnig (* 1954) und Michael Kohlweis. Als die beiden eigentlich nur als "Zugpferde" für einen lokalen Gesangswettbewerb eingespannt werden sollten, entwickelte sich alles anders als ursprünglich geplant.
Als nämlich tatsächlich erste Erfolge einsetzten, standen sie vor dem Problem, dass die Plattenfirma keine Ahnung hatte, wie sie ihre Schützlinge marketingtechnisch vermarkten könnten. Doch ihr Produzent hatte nicht damit gerechnet, dass die beiden selbst auf Promotour gehen würden und spätestens als sie die Ö3-Österreichparade gewinnen konnten, waren sie überregional bekannt. Problem nur, dass es kaum Schallplatten der beiden gab, die man jetzt verkaufen hätte können ...
1974 nahmen sie an der "Show-Chance", einem österreichweit veranstalteten Talentwettbewerb von ORF und Ö3, teil und belegten mit ihrer Eigenkomposition "Versuch' die Zeit nicht anzuhalten" den fünften Platz im Finale. Zwischen 1972 und 1976 veröffentlichten die beiden fünf Singles ("Dusty Road", "Till Sunday Morning", "Versuch' die Zeit nicht anzuhalten", "Hey, Hey, Hey, wir tanzen im Regen" und "Jet Set Lady").
Beide gründeten Anfang der 80er-Jahre die "Harlekin Company", aus der später die "Seven Hill Singers" hervorgingen. Nach der Scheidung trennten sich ihre gemeinsamen musikalischen Wege. Mini studierte Publizistik, arbeitete in einer Werbeagentur und ist inzwischen Kärntner Landesstellenleiterin der Österreichischen Vereinigung Morbus Bechterew. Michael war viele Jahre Redakteur bei der Kärntner Tageszeitung und ist nach wie vor musikalisch tätig.
Last night I had a dream - tell it to me
I don't know what it mean - tell it to me
Many people I've seen - tell it to me
Speaking oddest words
In the corner stood a man - tell it to me
Oh "War" was his name - tell it to me
And a judge went to him - tell it to me
Put him on a chain
And the people they are dancing round
Singing happy songs
They clap their hands and their voices sing loud
Peace will come again
I dream to destroy the bombs - tell it to me
Burn the uniforms - tell it to me
Forget power and might - tell it to me
And all the world was right
Someone opens the door - tell it to me
And in comes a girl - tell it to me
And suddenly she says -
"My name is Peace"
Refrain
Peace will come again
Refrain
Peace will come again
Zugegeben: Dieser Song ist jetzt natürlich kein literarisches Meisterwerk, aber in seiner Einfachheit doch überraschend ausdrucksstark. Simpel könnte man fast meinen - und manchmal bedarf es auch gar nicht mehr, um die Leute zum Zuhören und Nachdenken anzuregen.
Mini und Michael waren - als dieses Lied entstand - Anfang 20 und die Themen, die sie beschreiben hatten mich in diesem Alter mindestens genauso bewegt.
Und so verpackten sie die alte Mär um Krieg und Frieden in einen Traum, von dem sie nicht wissen, was er bedeutet. Über Menschen die seltsames Zeug sprachen, das er nicht verstand und einen Mann namens "Krieg", der von einem Richter in Ketten gelegt wird. Diese Aktion führt dazu, dass die Leute anfingen zu tanzen, fröhliche Lieder zu singen, in die Hände zu klatschen und zu verkünden, dass der Frieden zurückkehren wird.
Was in weiterer Folge dazu führen würde, alle Bomben zu zerstören, Uniformen zu verbrennen und das ganze Spiel um Macht und Gewalt zu vergessen, damit die Welt wieder zurecht gerückt wird. Und um dieses Bild noch zu vervollständigen, kommt ein Mädchen durch die Tür und sagt, dass sie "Frieden" heißt.
Eine entzückende, heute etwas naiv anmutende, kleine Geschichte, wie für alle Menschen Frieden herrschen könnte. Verpackt in einen gut arrangierten, eingängigen Song, der mit gut harmonierenden Stimmen dargebracht wurde. Schade, dass den beiden nicht mehr Erfolg beschieden war.
Nach der zuvor geposteten Tristesse brauchen wir nun ein wenig Ablenkung der positiven Art. Mit ein bisschen Südsee-anmutender Leichtigkeit stellt sich die Schweizerin Jasmin mit ihrer zweiten Single dem deutschen Publikum vor.
JASMIN A: Che la ke day [Shay-Laka-Day - Rising Sons] (M: Harold Robertson & Paul Sugarman / dt. T: Walter Zylka = Ralph Siegel)
B: Requieum für eine Liebe (M: Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)
1973, Bellaphon, BL 11 239 produziert von Jane Peterer & Ralph Siegel
Jasmin wurde 1950 in Zürich als Gabi Gyr geboren, wo sie vor dem Start ihrer Gesangskarriere auch als Schauspielerin arbeitete. Sie sang in verschiedenen Bands "The Fools" 1968-69, "The new Earls" 1969-70 und "Jazz Rock Experience" 1970), bevor sie einen Solistenplattenvertrag erhielt. Zwischen 1972 und 1973 veröffentlichte sie bei Bellaphon drei Singles in deutscher Sprache, von der ihre Debütsingle "Der Puppenspieler von Mexico" (im Original von Tom Jones, wurde auf deutsch auch von Roberto Blanco gecovert) ihr größter Erfolg war. Nach ihrer letzten Single ("So allein wie der Wind") war sie bei vielen Projekten als Gastsängerin tätig, so z. B. bei Che & Ray, John Brack, der Steve Ray Band oder Phil Carmen. In den 80er-Jahren hatte sie zahlreiche Auftritte mit Jo Geilo & The Heartbreakers. In den 90er-Jahren konzentrierte sie sich auf R&B und bildete ab 1999 mit Beni Müller ein Duo. Leider gibt es kaum aktuelle Informationen über sie.
Che la ke day O la la Lo la le la Che la ke day O la la Lo la ley
Che la ke day O la la Lo la le la Ch la ke day O la la Lo la ley
Ein alter Mann, der mein Freund ist seit vielen Jahren Hat mir erzählt, dass er auf einer Insel war Die Menschen lebten dort zufrieden und immer glücklich Und dieses Lied sang ein jeder das ganze Jahr
Refrain
Jeden Abend, da trafen sich alle Leute Und dann wurde ein Feuer der Freude gemacht Alle tanzten und sangen bis früh in den Morgen Und das Lied, das ich singe, klang durch die Nacht
Refrain
Das Original dieses Titels stammt übrigens von der, in Europa relativ unbekannten, 1966 gegründeten südafrikanischen Gruppe "Rising Sons".
Was genau "Shay-Laka-Day" bzw. "Che la ke day" bedeuten, bleiben uns sowohl die südafrikanische Gruppe als auch Ralph Siegel schuldig. Vermutlich ist es aber nicht so bahnbrechend, dass man auch ohne diese Information ganz gut weiterleben kann.
Das Jasmin aka Gaby Gyr aber eine äußerst talentierte Blues- und Soulsängerin ist, beweist uns definitiv ihre Mitwirkung bei Jo Geilo. Hier empfehle ich vor allem den Song "Rainbow" von 1986.
Was immer Gaby Gyr heute macht, ich hoffe, sie hat immer noch so viel Power und Soul in ihrer Stimme! Wünsche euch einen schönen Nachmittag! :)
Nachdem ja langsam der Sommer gibt, wird nicht nur das Wetter schöner, sondern auch die Tomaten bekommen langsam ihren Geschmack. Wer heute Lust auf eine schöne Portion Caprese hat, kann sich dazu passend musikalisch "verwöhnen" lassen:
EDINA POP A: Tomatenrote Lippen [Colori] (M: Guido Lombardi & Edoardo Vianello / dt. T: Fred Weyrich)
B: Alles geht vorüber (M: Rudi Bauer / T: Fred Weyrich) 1970, Philips, 6003 069
Edina Pop ist ein kleines Mysterium. Die 1941 in Budapest als Marika Késmárky geborene ungarische Sängerin, trat dort erst um 1969 musikalisch in Erscheinung. In Deutschland veröffentlichte sie aber bereits 1966 - unter dem Pseudonym Maria Marky - drei Singles.
1969 zog sie schließlich nach Deutschland und startete hier ihre Gesangskarriere.
Sie war von 1971, bis zu dessem Tod, mit dem Schauspieler Günther Stoll (1924-1977). Ab 1974 wurde es musikalisch ruhiger um sie, ehe sie 1979 als Mitglied der von Ralph Siegel gegründeten Formation "Dschinghis Khan" große Erfolge feierte. Mit der Revival-Formation steht sie auch heute noch hin und wieder auf der Bühne.
Einige ihrer Solo-Titel (von denen sicher noch der eine oder andere - aufgrund der Skurrilität - hier vorgestellt wird!) waren "Eine Feier mit Tokajer" (1969), "Holiday in Germany" (1969), "Zwischen Wolga und Don" (1969), "Mein Apollo ist kein Raumschiff" (1970), "Alle Tränen, die ich weine" (1970), "Dreimal täglich sieben Küsse" (1970), "Komm, komm zu mir" (1971), "Was soll ich tun?" (1972) und "Dingo Dongo" (1973).
Texter Fred Weyrich (1921-1999) erreichte erste große Erfolge in der Zusammenarbeit mit der Sängerin Alexandra (1942-1969), die 27jährig bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Zu seinen größten Erfolgen zählten "A Banda" (France Gall, 1968), "Sind Sie der Graf von Luxemburg?" (Dorthe, 1968), "Sehnsucht" (Alexandra, 1969), "Einmal um die ganze Welt" (Karel Gott, 1971) und "Kinder der Liebe" (Su Kramer, 1973).
Nun aber zu diesem musikalischen Epos: Tomaten-Tomatenrote Lippen sind ein Tick von dir Tomaten-Tomatenrote Lippen siehst du gern an mir Boing, Boing, die Augenlider lila und die Fingernägel grün Ein Rosenblatt am Nabel und im Haar weißen Jasmin Tomaten-Tomatenrote Lippen findest du so schön
Ein Student mit Talent ist mein Raphael Für mich ist er ein Genie So ein Mann, der was kann, ist ein Juwel Denn er hat sehr viel Fantasie
Er sieht die Welt in Farben, in rosaroten Farben Seine seelischen Reflexe sind tausend bunte Kleckse Er hält sich für noch größer als je Picasso war Ja vielleicht wird er ein Superstar?
Refrain
Ja gut. Das Lied könnte gut als Fortsetzung von France Galls "A Banda" ("Zwei Apfelsingen im Haar und an den Hüften Bananen ..." fungieren. Das Tomaten in den frühen 70er-Jahren einen besonderen Stellenwert hatten, bewies auch Graham Bonneymit einem bereits vorgestellten Song.
Um ein wenig in Edinas tiefe Beziehung, als Muse des Malers Raphael (nicht mit dem Raffael zu verwechseln!), einzutauchen, bedarf es wohl psychoanalytischer Fähigkeiten a la Sigmund Freud, die mir leider nicht vorliegen.
Aber wir kennen das doch alle: Im Jolly-Farbstift-Sammelsurium, zwischen zinnoberrot und kaminrot, lag immer tomatenrot. Diese Farbe ist auch heute noch - von Maybelline bis Chanel - tomatenrot marktführend. Raphaels Tick sei Dank.
Die Kombination mit lila Lidschatten und grünen Fingernägel würde bei Shopping Queen allerdings vermutlich zu Punkteabzügen führen. Wobei ... das "Rosenblatt am Nabel" hat zuvor sicher noch keine Kandidatin präsentiert.
Meine Lieblingsstelle ist übrigens:
"Er sieht die Welt in Farben, in rosaroten Farben Seine seelischen Reflexe sind tausend bunte Kleckse Er hält sich für noch größer als je Picasso war Ja vielleicht wird er ein Superstar?"
Da gibt es eindeutig Sonderpunkte für den Reim "seelischen Reflexe" auf "tausend bunte Kleckse". Darauf muss man wirklich erst einmal kommen!
Meine spontane Lust auf Tomaten muss ich - aufgrund meiner Histerminunverträglichkeit - vorerst wieder ad acta legen. Aber damit komme ich ganz gut zurecht ;) Vielleicht stöbere ich jetzt noch im neuen Bipa-Prospekt und decke mich morgen mit farblich passendem Nagellack, Lidschatten und vor allem toooooooomatenrotem Lippenstift ein!
Wie der Zufall es will, ist auch heute wieder "Rudi Lindt" (wie auch der gestrige Räuberhauptmann) an diesem Titel beteiligt. Darauf bin ich allerdings gestern bereits eingegangen, daher widme ich mich heute lieber der weiblichen Gesangsstimme (die männliche ist mir nämlich nicht bekannt): Margit Elke Scherer.
Zugegeben, das klingt jetzt nicht nach einem Indiz für eine internationale Gesangskarriere. Die 1950 geborene Sängerin veröffentlichte ab 1968 unter zahlreichen Pseudonymen bei diversen Plattenfirmen. Ich gehe an dieser Stelle nicht näher darauf ein, das würde den Rahmen sprengen, sondern liste dies hier einfach auf (das gibt nämlich nicht nur originelle Titel frei, sondern auch eine interessante musikalische Entwicklung sowie optische Veränderung):
- 1978 Jennifer Eccles: Love Child / Shotgun (Hansa)
- 1979 Apple Jam: LP "Beatles Magic" (Dansan Records) - Duett mit Herlinde Grobe
- 1981 Rose & Marie: Mr. Sandman / Mr. Sandman (RCA) - Duett mit Herlinde Grobe
Später war sie auch Mitglied der Gruppe "Rockefeller" und der "Ute Mann Singers". Heute lebt und arbeitet sie wieder unter ihrem bürgerlichen Namen Margit Scherer als Gesangscoach in Essen.
Nun aber zum heutigen Song:
Chi-Baba Chi-Chi-Ba-Ba Chi-Chi-Cola Rote Lippen sind zum Küssen da Chi-Baba Chi-Chi-Ba-Ba Chi-Chi-Cola Rote Lippen sind zum Küssen da
Doch Vorsicht bei Blondinen Die tun erst so scheu und sind selten treu Die blondgelockten Bienen Sind kühl wie der Monat Mai Und trotzdem muss man es versuchen Den süß sind Rosinen im Kuchen
Refrain Ein bess'rer Herr aus Bremen Der sagte mir heute: "Das ging zu weit Ich sollte mich was schämen Zu küssen in der Öffentlichkeit" Als er sich so bitter beklagte War ich es, der freundlich sagte Refrain
Ich bin jetzt selbst überrascht, wie tagesaktuell der Song doch ist. Zugegeben, heute ist es ein sonniger Mai-Tag, aber in den Tagen davor hätte sich auch kaum eine "braungelockte" Biene hervorlocken lassen.
Textlich schrammen wir wieder hart an der klischeehaften holden Weiblichkeit vorbei, der sich kein (armer) Mann entziehen kann. Besonders feinfühlig:
Und trotzdem muss man es versuchen
Den süß sind Rosinen im Kuchen
Ja, welch trefflicher Vergleich. Wenngleich mir doch in den Sinn kommt, dass Rosinen nicht gerade der beliebteste Kuchenbestandteil ist.
Aus Ermangelung weiterer anspruchsvoller Versreime, habe ich mein Hirn noch ein bisschen gemolken und dabei sind folgende Kreationen (die sich noch für die dritte Strophe geeignet hätten) herausgekommen:
Jetzt hör' doch auf zu schmollenDen Diabetis bringt auch ein Stollen
Egal wie lang ich noch weiter hoff
Mein Herz schlägt nur für Malakoff
Und wer ist eigentlich diese "Chichi Baba"? Ihre Schwester heißt anscheinend "Chichi Cola" (interessante Familienverhältnisse). Und dann, wenn man gerade festgestellt hat, dass rote Frauenlippen ausschließlich zum Küssen da sind (nicht etwa zum Reden oder so ...), mischt sich jetzt noch ein "bess'rer Herr aus Bremen" ein. Jaja, diese Männer kennen wir ja. Anscheinend ist er aber an einem Menage-a-troi nicht interessiert, sondern hebt erbost mahnend den Zeigefinger und stellt sich als sittlichkeitsafiner Moralapostel heraus. Moment mal ... ist aktuell küssen in der Öffentlichkeit nicht auch verboten? Ach nein ... zu unterlassen ... also nicht empfohlen ... also jedem selbst überlassen ... also eh legal ... oder so. Bussi und (Chichi-)Baba für heute ;)
Für alle, die heute noch keine Idee haben, was sie spielen können oder nach einer neuen Identität Ausschau halten, habe ich etwas Leichtfüßiges vorbereitet:
VALERIE PASCALE A: Du spielst immer Räuberhauptmann [?] (M: Gianni Meccia / dt. T: Rudi Lindt = Rudi von der Dovenmühle)
B: Immer wenn es Abend wird (M & T: Rudi Lindt / Günter Sonneborn / Frank Stern) 1969, Vogue, DV 14 825
Bei Valérie Pascale handelt es sich um eine junge belgische Sängerin, die Mitte der 60er-Jahre erste Schallplattenaufnahmen machte. Zwischen 1968 und 1969 nahm sie drei Singles in deutscher Sprache auf - nach dieser wurde der Vertrag augenscheinlich nicht mehr verlängert. Der letzte Hinweis auf ihr musikalisches Schaffen ist ein Fernsehauftritt im Jahr 1971. Was aus ihr wurde, ist nicht bekannt.
Bekannter hingegen war der Kölner Textautor Rudi von der Dovenmühle (1920-2000), von dem u. a. Titel wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann" (Gitte, 1963), "Caroline" (Ray Miller, 1970) oder die "Liechtensteiner-Polka". Auch der deutsche Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision von 1964, "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" von Nora Nova, stammte aus seiner Feder. Der Song selbst fiel leider durch und landete - punktelos - am letzten Platz.
Nun aber zu diesem literarischen Hochgenuss: Du spielst immer Räuberhauptmann Wie das sonst die Buben tun Du raubst heimlich jedes Mädchenherz Und bereitest damit Liebesschmerz Du machst alles wie ein Tunichtgut Kaputt - kaputt - kaputt
Du spielst immer Räuberhauptmann Wie das Ali Baba tat Morgens kommen Blumen schön verpackt Und bei Nacht und Nebel wird dein Herz geknackt Du machst alles wie ein Tunichtgut Kaputt - kaputt - kaputt
Wenn ein Mädchenherz auch goldig ist, ja, ja Sowas stielt man nicht bei Nacht, no, no Du hast schon so manches Girl gekränkt Und vielleicht hätt' grad dieses Girl Dir von Herzen lieb und gern ihr Herz geschenkt (Wiederholung)
Ja, wer kennt sie nicht, die bösen Räuber, die Nachts kommen und einfach Herzen klauen. (Ein Umstand, der auch Gaby Baginsky nicht fern war und ein paar Jahre später auch von ihr musikalisch in Szene gesetzt wurde.) Gut, dass die brave Valerie ihres besonders heftig bewacht hat. Andere Stellen wurden möglicherweise auch mithilfe eines zeitgemäßen Keuschheitsgürtels (farblich passend zum Mini) kaschiert. Besonders dankbar bin ich Textautor Rudi vor allem für die Verwendung des Worts "Tunichtgut" - eine großartige bildhafte Bezeichnung für manch fragwürdige Individuen, die man einfach nicht treffender beschreiben kann - das sich auch besonders gut auf das akzentbehaftete "kapuuut" reimt.
Literarisches Highlight ist definitiv folgende Verszeile: "Du hast schon so manches Girl gekränkt und vielleicht hätt' grad dieses Girl dir von Herzen lieb und gern ihr Herz geschenkt". Das fehlerfrei (in diesem Tempo) auszusprechen, fiele selbst mahnschäm ... pardon, manchem Muttersprachler schwer. An dieser Stelle also noch ein Sonderpunkt für Valerie und an jene Person, die die ehrenvolle Aufgabe bekam, reihenweise Geschirr zu zerdeppern, um dem Song das "gewisse Etwas" zu verleihen (und um zweifellos einiges kaputt zu machen)!
Wenn ihr euer Herz verschenken möchtet, dann müsst ihr es gar nicht nett einpacken. Lasst es aber vielleicht nicht an zu öffentlichen Orten liegen, sonst wird es am Ende von der falschen Person "geknackt" und ist dann nur noch kaputt kaputt kaputt ...
Um euch nach der ganzen Ernsthaftigkeit der letzten Tage wieder ein bisschen unbeschwerte Fröhlichkeit zu bieten, habe ich heute einen meiner liebsten Gute-Laune-Songs ausgegraben! Viel Spaß!
B: Der romantische Mond (M: Hartmut Schulze-Gerlach / T: Wolfgang Brandenstein) - Solo: Werner Düwelt & Hartmut "Muck" Schulze-Gerlach 1974, AMIGA, 4 55 992
Der Gerd-Michaelis-Chor wurde 1967 als Teil des Wolfgang-Brandenstein-Ensembles gegründet und war ein achtköpfiges Vokalensemble aus der DDR, das nicht nur mit Schlagern, sondern auch mit politischen Liedern erfolgreich wurde. Mehrere SängerInnen starteten später erfolgreiche Solokarrieren (u. a. Jan Gregor und Gerti Möller). Der Chor wirkte - neben seiner regen Konzerttätigkeit sowie eigenen Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen - bei zahlreichen musikalischen Aufnahmen in der DDR mit.
"Isabell" war 1973 der erste Hit des Chores. Nach dem plötzlichen Tod von Sängerin Beate Barwandt (1950-1975) stürzte Gerd Michaelis in eine Krise und gab die Leitung des Chores an Vlady Slezák weiter, der ihn ab 1976 als "Cantus-Chor" weiterführte.
1974 bestand der Chor aus Renate Baptist, Beate Barwandt, Werner Düwelt, Ingeborg-Jette Lehmann, Benno Penssler, Hartmut Schulze-Gerlach, Eva Maria Slezák und Vlady Slezák.
Hartmut Schulze-Gerlach wurde 1948 in Dresden geboren und ist gelernter Betonbauer. Ab 1973 Mitglied im Gerd-Michaelis-Chor prägte er die Songs mit seiner markanten Stimme. Seinen Künstlernamen "Muck" - ein Relikt aus Kindertagen, weil er seinen Namen nicht aussprechen konnte - gabs obendrauf. Nachdem er den Chor 1976 verlassen hat, begann er seine Solokarriere. Erfolgreiche Titel von ihm waren "He, kleine Linda", "Chin-Chin-Julia" und "Wandern wir mal". Als Komponist arbeitete er für zahlreiche DDR-Künstler.
1981 startete er in der Show "Sprungbrett", in der er jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten gab, seine zweite Karriere als Fernsehmoderator. Von 1995 bis 2018 moderierte er beim MDR die Oldieshow "Damals war's". Er lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern auf einem ehemaligen Bauernhof auf der Insel Rügen.
Nun aber zum Song!
Isabell, Isabell Komm, setz' dich auf mein Bärenfell Ich hab' dich gern in meiner Näh' Isabell, Isabell Für dich nur liegt das Bärenfall Auf meinem alten Kanapee
--> Ich sag's gleich vorweg: Das Bärenfell ist natürlich nicht echt. Und ja, es mussten auch keine unschuldigen Teddybären, die Muck Isabells Vorgängerinnen geschenkt hat, dafür sterben. Und auch alle Vegetarier und Veganer können unbesorgt sein: In diesem Fall sind natürlich nicht die kleinen Appetithäppchen (Canapés) gemeint, sondern ein Sofa bzw. eher eine Art Diwan, wo man es sich zu zweit ganz besonders gemütlich machen kann (mit und ohne Fake-Bärenfell).
Gibt der kleine Muck Sich einen Ruck Dann geht er ran
Ist die Wirtin weg Dann wird er keck
Und das kommt an
Unser Muck ist ein Filou Und dein Herz fischt er im Nu Und auch mehr eventuell Aber nur bei Isabell
--> Na holla die Waldfee! Der kleine Muck geht aber ganz schön ab. So wie diese Geschichte klingt, ist der gute Mann kein Kostverächter und Isabell sicher nicht die erste Wahl ... In einem alten Fernsehbericht habe ich gehört, dass die letzte Refrainzeile ursprünglich "Aber nie bei Isabell" ... das ging natürlich für die strengen Zensoren nicht und so musste die Zeile adaptiert werden.
Isabell, Isabell Findest du es nicht auch zu hell? Ein bisschen Stimmung muss schon sein Isabell, Isabell Du bist auf meinem Bärenfell Nochmal so schön im Kerzenschein
--> Ja klar. Um herauszufinden, ob Isabells Unterwäsche auch farblich zur Bettwäsche passt, einfach mal die Sicherungen rausgedreht, damit man sich noch besser am Bärenfell rekeln kann ... Kamin hat er aber scheinbar keinen. DAS hätte definitiv mehr Eindruck geschunden, als so ein paar lahme Kerzen. Vielleicht gabs wenigstens Räucherstäbchen (hoffentlich ohne Patschuli ... wuaaaha !)...
Refrain
Isabell, Isabell
Warum willst du denn gar so schnell
Hals über Kopf nach Hause geh'n?
Isabell, Isabell
Ich sitz' auf meinem Bärenfell
Und kann die Welt nicht mehr versteh'n
--> Tja, da ging der Muck, unser feuchtfröhlicher Filou, wohl etwas zu forsch ran und hat die gute, treuselige und keusche Isabell wohl etwas mit seiner Keckheit überfordert. Und bekam wohl auf seine Anfrage im Nu nicht nur einen Ruck, sondern auch einen Korb. Ans "Kommen" war dann wohl nicht mehr zu denken ...
Aber so ein Bärenfell kann ja auch ganz kuschelig sein ... in einsamen Nächten!
Oh Isabell, Isabell
Denk' auch mal an mein Bärenfell
Und lass dich bald mal wiederseh'n
Oh lass dich bald mal wiederseh'n
Yeah Isabell ...
Wenn euch dieser Song gefallen hat, dann sucht doch mal nach einem YouTube-Tutorial für Fake-Bären-Felle, näht es nach und macht es euch - mit einer Packung Gummibären (Marke nach Wahl) - darauf bequem. Sollte jemand von euch Isabell heißen, dann tut es mir leid, dass ich hiermit die Büchse der Pandora geöffnet habe und du wohl zeitlebens mit diesem Lied zurechtkommen musste.
Solltet ihr einmal in die Situation kommen, dass euch jemand - neben seiner Briefmarkensammlung - auch ein Bärenfell zeigen möchte, dann könnt ihr sicher sein, dass er auch körperlich starkes Interesse an euch verspürt. Beruht dies auf Gegenseitigkeit, wünsche ich euch viel Spaß mit Canapés am Kanapee. Ist dies allerdings nicht der Fall, dann packt präventiv am besten eine Bärenfalle an ;)