Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
Nein, keine Sorge. Ihr bekommt heute kein französisches Chanson zu hören - wir haben ja noch immer "österreichische Wochen" ;)
Dafür habe ich heute einen Titel von einer Österreicherin ausgegraben, die man heute immer noch kennt - allerdings nicht mehr in erster Linie nur als Sängerin.
MARIKA LICHER
A: Adieu (M: Jack Grunsky / T: Andreas Miriflor = André Heller) B: Erinnerung (M: Robert Opratko / T: Andreas Miriflor = André Heller)
1968, Amadeo, AVRS 21 534
Marika Lichter wurde 1949 als Mariza Lichter in Wien als Kind eine Polen und einer Ungarin geboren. Bereits als Kind erhielt sie Klavier- und Tanzunterricht, ab dem 14. Lebensjahr auch Gesang.
Bereits als Jugendliche wird sie Mitglied der "Les Sabres", die großteils jüdische Folklore singen und veröffentlicht 1966 eine EP ("Schalom Alechem"). 1969 belegt sie bei der "Show-Chance" von ORF und Ö3 mit "Adieu" den dritten Platz. Zwischen 1968 und 1971 veröffentlicht sie mehrere Singles (u. a. "Luciana", "Dann wird es wieder schön sein", "Tu nicht so", "Ich hab' einen Kummer" und "Ungeküsst"). Zudem vertritt sie in dieser Zeit auch Österreich bei Songfestivals in Rio de Janeiro, Caracas, Mexico und Athen sowie sang in Gerhard Bronners legendärem "Cabaret Fledermaus".
Nach ihrem Opergesangsdiplom stand sie in zahlreichen Operettenproduktionen im Wiener Raimundtheater auf der Bühne, u. a. in "Die Fledermaus" (als Adele), "Der Graf von Luxemburg", "Viktoria und ihr Husar" oder "Wiener Blut" (als Franzi). Weitere Engagements waren unter an dem "Mayflower" (1978, Theater an der Wien), "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1979, Theater an der Wien), "Les Misérables" (1988-1991, Raimundtheater), "Elisabeth" (1992, Tehater an der Wien), "Rebecca" (2007, Raimundtheater), "Non(n)sense" (2012-2013, Wiener Kammerspiele) und "Cabaret" (2019, New Stage Theatre Geislingen). Seit 2017 ist sie Intendantin des Musicalsommers Winzendorf.
Zudem gewann Marika Lichter 2005 die erste Staffel der ORF-Fernsehshow "Dancing Stars". Die 1991 gemeinsam mit Ingrid Windisch gegründete Künstleragentur trägt heute den Namen "Glanzlichter" und wird seit 1996 von ihr geführt. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie auch seit 1990 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Wider die Gewalt".
Du warst irgendwo, mit irgendwem Das hat man mir erzählt Du belügst mich und betrügst mich Das hat man mir erzählt
Und jetzt sitzt du neben mir In deinen Augen spielt das Licht Und es gibt noch Illusionen Bis das letzte Wort zerbricht
Adieu, mehr kann ich dir nicht sagen Dein Weg läuft weit, so weit von mir Adieu, ich kann mich nicht beklagen Es war eine wunderbare Zeit
Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur Das hast du mir erzählt Und du wüsstest schon wie man Träume lebt Das hast du mir erzählt
Refrain
Refrain
Adieu
Das war er: Einer der ersten Fernsehauftritte der damals 19-jährigen Marika Lichter. Als Komponist fungierte Jack Grunsky, den Text steuerte der damalige Ö3-Discjockey Andreas Miriflor bei, der sich bald als André Heller auch international einen Namen machte.
Was gibt es groß zu sagen? Ein schönes Chanson mit anspruchsvollem Text und guter Musik. Ansprechend arrangiert und live - mit der ORF-BigBand - vorgetragen.
Der Text selbst hat (leider) auch heute noch Gültigkeit. Da erfährt man nichts Böses ahnend - da noch immer rosarot-bebrillt - von der Untreue des Geliebten "und jetzt sitzt du neben mir - in deinen Augen spielt das Licht - und es gibt noch Illusionen bis das letzte Wort zerbricht" (Wow! Das ist wirklich eine äußerst treffende Beschreibung für diesen speziellen (und leider auch extrem beschissenen) Zustand, in dem man sich in so einer Situation befindet. Doch unsere Protagonistin kriegt glücklicherweise noch rechtzeitig die Kurve und gibt der treulosen Tomate den Laufpass - wenn sie sich auch ein bisschen zu ehrfürchtig, nicht beklagen kann, schließlich "war es eine wunderbare Zeit".
"Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur" ist übrigens eine äußerst nonchalant-formulierte Umschreibung für: "Ich darf immer und mit so vielen anderen Frauen Sex haben wie ich will - und du bleibst bei mir und beschwerst dich nicht und idealerweise wäschst du auch meine Wäsche, kochst für mich und kommst meinen sexuellen Grundbedürfnissen nach. Und sag gefälligst "Danke", dass ich dich auserkoren habe."
Manche Dinge ändern sich wohl leider nie. Das habe ich auch gerade nach ein paar Kurzschnitten aus der aktuellsten Folge der "Bachelorette" gelernt. Diese Typen gibt es immer noch ... Adieu Mondieu! :/
Ich sag es gleich vorweg: Ja, der Song wäre eigentlich für Muttertag passend, oder sagen wir mal so, ziemlich "aufg'legt" gewesen. Ich finde es aber deutlich spannender - wie ihr ja vermutlich bereits mitbekommen habt - nicht immer das zu tun, was von mir (oder allgemein) erwartet wird. In diesem Sinne passt das Lied ohnehin in unterschiedlichen Situationen vermutlich auch.
BARBARA STROMBERGER
Deine Mama ist ein Wunder (M & T: Barbara Stromberger)
1974, nicht auf Schallplatte veröffentlicht
Die 1948 in Kärnten geborene Barbara Stromberger, die mit 12 Jahren mit dem Gitarrespielen begann, absolvierte die Ausbildung zur Kindergärtnerin und betreute zwei Jahre lang geisteskranke Kinder in einem Heim. 1968 zieht sie nach Wien, besuchte die Akademie für angewandte Kunst und beginnt verstärkt auf Musik zu setzen. Das Studium brach sie ab, weil sie Geld verdienen musste und arbeitete wieder als Kindergärtnerin.
1970 beteiligt sie sich an dem von ORF und Ö3 initiierten Casting-Format, der "Show-Chance", die durch alle Bundesländer zog und ihr großes Finale im Herbst 1970 hatte. Obwohl sie mit dem Titel "Der Dreh" eher im hinteren Feld landete, erhielt sie einen Plattenvertrag. Dass sie damals - ohne vorherige Single-Produktion - mit einem Album in Deutschland (!) starten konnte, galt als Sensation.
Die Titel ihres ersten Albums waren allesamt Eigenkompositionen, die sie im Alter von 17 Jahren verfasste. Udo Jürgens äußerte dazu "Die Lieder von Barbara Stromberger sind bester Chanson-Stil. Ich beglückwünsche sie zu ihrer Phantasie und zu ihrem Mut, Themen aufzugreifen, die im deutschen Schlager sonst nicht üblich sind."
In den 70er-Jahren veröffentlicht Babara Stromberger drei Alben, von denen ich vor allem die Eigenkompositionen "Kleine Irre", "Vorsehung, Bestimmung oder Zufall?", "Ich bin frei", "Beeil' dich" und "Die gute, alte Zeit" hervorheben möchte. Beeindruckend ist ihre LP "Die zweite Zeit beginnt" von 1975, auf der sie u. a. bekannten Titeln von Neil Young, Joan Baez, Kenny Loggins, Carly Simon und Veronique Sanson ausdrucksstark in deutscher Sprache vertonte.
Barbara Stromberger ist bis heute musikalisch aktiv. Gemeinsam mit ihrem Sohn Jörg Pibal arbeitete sie beispielsweise an einer TV-Dokumentation über Hermann Hesse mit dem Titel "Name verpflichtet - Hermann Hesses Enkelin", der im August 2012 (anlässlich Hesses 100. Todestag) im ORF gezeigt wurde.
Deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm Sie kann alles, sie weiß alles Und im Falle eines Falles Backt sie Brot aus einem Korn Ja, deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm
Mama bügelt Hosenfalten Die sich lange Zeit erhalten
Wäscht die Hemden weiß wie Kreide Putzt die Spiegel nur mit Seide Schont die Möbel, spart bei allem Lässt die Bürste länger wallen Macht der Welt den besten Kuchen Staub wird man vergeblich suchen Bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, ja
Refrain
Mama mixt selbst Marmeladen Tötet Mäuse, Motten, Maden Spart mit Strom und Lippenstift
Hält Konservenkost für Gift Färbt und legt sich selbst das Haar Sieht am Monatsschluss noch klar Kleidet sich in Selfmade-Roben Könnt' zur Not auch Sümpfe roden Die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, ja
Refrain
Mama sitzt mir im Genick Und du schaffst es mit Geschick Mich durch sie davon zu jagen Ich kann es nicht mehr ertragen Dir dem Haushaltsgott zu dienen Heute zweigen sich die Schienen Denn ich geh' fort und lass dich da Bei Mama Denn deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm
Ich weiß, dass Barbara Stromberger heute mit einigen ihrer Frühwerken relativ hart ins Gericht zieht. Aufgrund ihrer künstlerischen Entwicklung kann ich das sehr gut nachempfinden - dennoch gehört sie zu den Künstlerinnen, die sich für ihr anfängliches musikalisches Schaffen definitiv nicht verstecken müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte sie ja die Möglichkeit, eigene Texte zu verfassen und so zumindest einen Teil ihres Inneren nach außen zu tragen. Wenn es auch heute - viele Jahre später - möglicherweise nicht mehr "ihre Welt" ist, verstehe ich das total. Allerdings waren ihre Texte damals authentisch und das unterscheidet sie von vielen musikalischen Sternchen und Eintagsfliegen, die ein bedeutungsschwanger-belangloses Lied nach dem anderen Trällern mussten, in der Hoffnung, dass es zumindest ein kommerzieller Erfolg wird. Hits im klassischen Sinn wurden die Lieder von Barbara Stromberger keine. Das hat manchmal auch Vorteile - so muss sie nicht seit 50 Jahren auf der Bühne die selben Titel singen.
Nun aber zu diesem Titel. Zuerst möchte ich auf die sprachlichen Aspekte eingehen. Barbara Stromberger verwendet eine äußerst bildhafte Sprache, die es schafft, mit wenigen Worten Alltagssituationen plastisch erlebbar zu machen. Viele Frauen kennen diese Situation und können es ihr bereits nach wenigen Sekunden nachfühlen, ja stärker noch, sich mit ihr identifizieren. Das Feindbild Schwiegermutter hängt wie ein Damoklesschwert über dem Ehebett und rüttelt permanent massiv am trauten Haussegen.
Und die Schwiegertochter? Egal wie nett sie ist, wie sorgsam sie sich um Haus und Hof kümmert, wie gut sie kocht, wie gut sie die Kinder erzieht, wie erfolgreich sie im Beruf ist oder - besser noch - wie selbstlos sie ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Karriereplänen ihres Mannes nicht im Weg zu stehen, sie wird nichts richtig machen. Denn sie hat einen großen Fehler gemacht: Der Mutter das Liebste, den einen, den ihren Sohn, genommen. Unaufhaltsam entfacht nun ein Kampf, der seine Opfer sucht, bei dem man - als Schwiegertochter - eigentlich nur verlieren kann. Denn Sohnemann wird sich stets für das arme, sich stets schier endlos aufopfernde Mutterherz entscheiden.
Am Ende gibt es nur wenige Möglichkeiten: Mord (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Rest des Lebens hinter schwedischen Gardinen, pro: man muss sich keine Gedanken darüber machen, was man heute putzt oder kocht!), Auszug (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Mann leider auch) oder bleiben und ertragen (definitiv der schlimmste Zustand!). In letzterem Fall kann man nur auf die natürliche Selektion bauen und hoffen, dass der Drache bald eines natürlichen Todes dahinsiecht ... oder im Zweifel ein bisschen nachhelfen (ideal: Gifte, die sich nicht nachweisen lassen und Unfälle, die wie selbst verschuldet aussehen). Im Zweifel bitte Handschuhe tragen und Zeugen vermeiden!
Ich habe euch bereits im April einen meiner Lieblingssongs (# 39 "Paul") vorgestellt - da wurde es höchste Zeit, noch einen weiteren Titel der Milestones heraus zu kramen. Die Entscheidung fiel tatsächlich sehr schwer, denn die Gruppe hat zwar nicht viele Songs veröffentlicht, aber dafür ist so gut wie jeder auf seine Art doch ein sehr besonderer.
MILESTONES
A: Einmal (M: Günter Grosslercher / T: Mathias Schreiber) B: Der Rattenfänger (M: Günter Grosslercher / T: Alfred Komarek)
1970, WM, 5009
Günter Grosslercher (* 1945) und Robert Unterweger, zwei Mathematik-Studenten im vierten Semester an der TU Wien, musizierten gemeinsam und waren auf der Suche nach einer Sängerin. Mit Beatrix Neundlinger (* 1947), die sich damals im ersten Studienjahr befand, und Rudi Tinsobin wurden schließlich 1968 die "Milestones" gegründet.
Bereits im März 1969 nahmen sie an der von ORF und Ö3 initiierten Casting-Show "Show-Chance" teil, deren ursprüngliches Ziel tatsächlich war, einen geeigneten Kandidaten für den österreichischen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision (= Eurovision Song Contest) zu finden. Die Milestones landeten mit dem Titel "Einmal" auf dem zweiten Platz und qualifizierten sich für das große Finale, das gemeinsam mit den Fernsehanstalten von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mainz abgehalten war. Dort setzten sie sich gegen alle Konkurrenten durch und landeten auf dem ersten Platz.
Kurze Zeit darauf erschien die Single "Einmal" und die erste LP.
1972 gab es größere Umbesetzungen: neu waren Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer. In dieser Konstellation vertraten sie 1972 Österreich beim Grand Prix mit dem Titel "Falter im Wind" und belegten Platz 5. Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Besetzungswechsel.
Nach der Auflösung wechselten Grosslercher und Neundlinger zu den bereits arrivierten "Schmetterlingen", Niedermayer wechselte zu "Springtime" und Christian Kolonovits wurde zu einem bekannten Komponist und Arrangeur.
Weitere bekanntere Titel aus dem Schaffen der Milestones sind "Paul", "Apfelbaum", "In den neuen, besseren Zeiten" und "An diesem Freitag".
Einmal wird der Stein der Weisen weich Einmal machen nur die Träume reich Einmal wird der Schneemann König sein Einmal fängt der Wind den Alltag ein
Dann wird es heißen - Klingeling Die Welt ist nur ein Märchending Mit einem schwarzen Nasenring
Wenn ein Hasenohr die Harfe spielt Und ein Holzwurm auf das Eisen schielt
Wenn der Purzelbaum den Seiltanz probt
Und der Schlaue seine Dummheit lobt
Refrain
Einmal hängt die Erde fremd im Raum Dumm wie eine Null am Schellenbaum Einmal liegen alle Uhren schief Einmal schreibt uns Adam einen Brief
Dann wird es heißen - schnick und schnack Die Zeit ist nur ein Schabernack Erst macht sie tik, dann macht sie tak Erst macht sie tik, dann macht sie tak Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Das Video ist ein schönes Zeitdokument, zeigt es doch gerade diesen (ersten?) Live-Fernsehauftritt der Milestones im Finale der "Show-Chance". Moderator ist übrigens ein Ö3-Discjockey mit dem klingenden Namen "André Miriflor", aus dem später André Heller wurde.
Zugegeben: Dem geneigten Zuhörer wurde damals doch ein eher spezielles Werk aufgetischt, das zwar durch mehrstimmigen Schöngesang und ansprechendes Arrangement zu gefallen weiß, dessen Text aber definitiv als äußerst sperrig und speziell - vorsichtig ausgedrückt: dadaistisch - daherkommt.
Hat man den Wunsch, eine kohärente Geschichte zu erfahren, dann kommt man bei diesem Song nicht wirklich weit. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor damals so hundertprozentig eine Absicht in jeder Textzeile hatte, oder ob man einfach etwas Neues schaffen wollte (was ja per se nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss!).
In diesem Zusammenhang würde ich den ganzen Song als Fantasiegespinst über eine potentielle neue Weltordnung sehen, in der sich vor allem das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie Arm und Reich deutlich verschiebt ("Einmal machen nur die Träume reich - Einmal wird der Schneemann König sein").
Die zweite Strophe fällt da noch deutlicher aus dem Rahmen. Dennoch hier mein absoluter Textfavorit: "Und der Schlaue seine Dummheit lobt". Wie viel Wahrheit steckt doch in dieser Phrase ...
Und am Ende, tja, da kommt die große Erkenntnis: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? War alles nur Traum und Fantasie? Ist alles, worauf wir vertraut haben, vielleicht doch nur den kruden Gedankengängen eines anderen entsonnen und unserer eigene Existenz doch nicht so wichtig in der Geschichte der Menschheit oder des Planeten Erde? "Die Zeit ist nur ein Schabernack" - mehr bleibt mir in diesem Zusammenhang nicht zu sagen.
... und schon wieder ist Sonntag. Zugegeben: Der Unterschied zwischen Werk-, Sonn- und Feiertag ist momentan relativ überschaubar, da ohnehin (fast) alles, das nicht den Beinamen "systemrelevant" trägt, geschlossen ist. Waffengeschäfte zum Beispiel. 😬 Die sind schon überlebenswichtig. Vor allem im Krieg. Ach, wir haben gerade gar keinen Krieg? Oh ... dann hab ich das wohl nicht ganz verstanden.
Vielleicht gibt euch ja der heutige Song ein bisschen Antwort darauf? Ich dachte mir, wir könnten gerade wieder ein bisschen Protest-Liedermacher aus der guten alten Zeit gebrauchen. Herrlich oder? Vor allem wenn man bedenkt, dass jede gute alte Zeit einmal eine neue schlechte war 😂
KRISTIN BAUER-HORN
Ave Maria (M & T: Kristin Bauer-Horn)
1967, Da Camera Song, LP "68 Lebensjahre und andere Chansons"
Leider finden sich nicht viele Informationen zu Kristin Bauer-Horn (* 1936 in Thüringen) nur spärliche Informationen. Als sie 1967 ihre erste LP "68 Lebensjahre und andere Chansons" veröffentlichte, war sie eine der ersten politischen Liedermacherinnen ("Chanson-Poetin" betitelte sie Max Nyffeler) in der deutschen Musikszene. Sie widersetzte sich dem Trend, so links wie möglich zu sein und sich auf eine bestimmte Art von Musik (die, die "ankam") festlegen zu lassen. Der Traum einer Karriere als Pianistin zerplatzte bereits mit 13 Jahren - nach mehreren Sehnenscheidenentzündungen. Mit 15 widmete sie sich - mit einer Sondererlaubnis als jüngste deutsche Vollstudierende - der Malerei. Ihre erste eigenen Texte vertonte sie bereits Mitte der 50er-Jahre und erhielt bereits kurz darauf eine Sendung im Südwestfunk. Nachdem sie 1959 ihren Mann kennenlernte, folgte eine kurze Pause - bis die "Waldeck-Zeiten" begannen. In einem Interview äußerte sie 1989, dass ihre Funktion als Liedermacherin sei, "bewusst zu machen, bewusst zu machen, bewusst zu machen! [...] Der Liedermacher hat mit seiner ganzen Person für das einzustehen, was er singt. Nur so hat er das Recht, sich der Gesellschaft gegenüber- und entgegenzustellen." 1982 wurde sie, "die unverwechselbare zeitkritische und poetische Lieder schreibt, komponiert und interpretiert, die, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, für dieses Genre Maßstäbe gesetzt hat", in Mainz mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Chanson" ausgezeichnet.
Veröffentlichungen: 1967 LP "68 Lebensjahre und andere Chansons" (Da Camera Song) 1983 LP "Was treibt uns um?" (Folk Freak) - als Kristin Horn 1985 LP "Einfach Lieder" (Folk Freak) - als Kristin Horn 2004 CD "Burg Waldeck Festival 1967 Chansons Folklore International" (Studio Wedemark) mit "Ave Maria" (1967) 2006 CD-Box "Liedermacher in Deutschland - Für wen wir singen" (Bear Family Records) mit "68 Jahre" und "Wiegenlied" 2008 CD-Box "Die Burg Waldeck Festivals 1964-1969" (Bear Family Records) mit "Das Ameisenspiel" (1965), "Hat das Gewicht?" (1967), "Herbstlied" (1965), "Sarahs Kinder" (1967), "Trinklied" (1966) und "Und gehen nicht mehr um" (1966)
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird Ich seh' sie schon als schwere graue Tropfen In uns're aufgesperrten Münder fallen Und uns're Nasenlöcher ganz verstopfen Und den Hausierer, dieses alte Schwein Mit seinen Büstenhaltern, Strümpfen, Gürtelschnallen Als ersten lila werden und ersticken Aber die jungen Witwen, die rosanes stricken Und hellblaues und ganz weit weg blicken Doch es weiß ja noch niemand außer mir Und dem alten Soldaten
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird Ich seh' sie schon als schwere graue Wellen Den Dichtern auch das letzte Wort verdrecken Und aus den Komponistenfenstern quellen Und allen Malern vor den Staffelein Die Blicke auf den letzten Sonnenfleck verdecken Und uns're Musen schreiend flieh'n Aber die Jünglinge, die durch die Felder zieh'n Und nachts Verse schreiben Und vor Julia knien Doch es weiß ja noch niemand außer mir Und dem alten Soldaten
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren Dass uns're Luft zu dick zum Atmen wird Ich seh' sie schon als schwere graue Klumpen Die Kirchen und die Glocken überrollen Und die Reliqiuenfledderer und Lumpen Mit ihren Säcken in den Trümmern steh'n Und uns, die Richter, fragen, was sie hier noch sollen Und den Hausierer als den letzten lila werden Aber die freundlichen Worte, die uns Besseres lehren Und seit 2000 Jahren Hosianna auf Erden Doch es weiß ja noch niemand außer mir Und dem alten Soldaten
In diesem Zusammenhang spare ich mir eine ausführliche Interpretation und lasse Kristin Bauern-Horn einfach "bewusst machen". Ein spannendes Zeitdokument - ohne Frage. Erschreckend, wenn ich manche Parallelen zu heute ziehen könnte ...
Zur Unterhaltung und als Ausklang der Woche biete ich hier Zugang zu zwei Dokumentationen, die sich stellenweise decken, über die legendären Musikfestivals auf der Burg Waldeck:
Die leisen Töne sind es, die mich aktuell beschäftigen. Die, die meist überhört werden. Und doch gibt es aktuell kaum etwas, dass ich mir mehr wünschen würde, als das Herz und Verstand wieder mehr Einzug in unsere Gesellschaft finden würden ...
DIE HUTHMACHERS Herz und Verstand (M & T: Dieter Huthmacher)
1978, Doppelfant, aus der LP "Lieder" Die Huthmachers bestanden aus Karin Huthmacher, geb. Oehler (1950-2020) und Dieter Huthmacher (* 1947). Das Duo, das auch privat ein Paar war, formierte sich 1977 und trat bis zur Scheidung 1999 gemeinsam auf. Im Juli 1977 traten sie im "Talentschuppen" und 1979 in Michael Schanzes Fernsehsendung "Michael Schanze präsentiert Nachwuchkünstler" auf. Dieter Huthmacher nahm solistisch bereits 1974 ("Ich sing' jetzt nicht das Deutschlandlied") und 1976 ("Immer in Eile") Langspielplatten auf.
Zwischen 1978 und 1996 veröffentlichten sie gemeinsam mehrere Langspielplatten mit ihren eigenen Titeln.
Wenn keine Zeit mehr bleibt Wenn keine Zeit mehr bleibt Für ein paar Gefühle
Wenn keine Zeit mehr bleibt Wenn keine Zeit mehr bleibt Für ein paar Gefühle
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle
Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe
Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe
Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe
Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge
Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge
Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge
Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge
Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge
Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge
Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle
Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle
Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Faszinierend wie wenig Worte man manchmal verwenden muss, um doch ganz viel auszusagen. Die wichtigste Botschaft steckt allerdings auf den leeren Zeilen dazwischen ... doch die finden leider nur die wenigsten.
Nach ein paar Tagen Abstinenz habt ihr euch hoffentlich von den skurrilen 80er-Hits der letzten Postings erholt und freut euch wieder auf leisere Töne. Heute stelle ich euch eine ganz besondere Rarität vor:
GOLEM Die Zeit [The Time] (M: Peter Kutzer-Salm / dt. T: Georg Danzer)
1970, Rundfunkaufnahme (leider niemals auf Platte veröffentlicht)
Die Wiener Band Golem wurde Ende der 60er-Jahre von Peter "Piet" Kutzer-Salm (* 1946) in Wien gegründet. Weitere Mitglieder waren Horst "Flöti" Noibinger (* 1944), Martin Wolfer (1947-1999), Sylvia Sylt (bis 1970) und Karin Stranig (ab 1970). 1971 wurde die Gruppe um den Bassisten Peter Altrichter (* 1947) erweitert.
1970 versuchten sie ihr Glück bei der Vorausscheidung zur "Show-Chance" 1970, einem großen von ORF und Ö3 (rund um Rundfunk-Legende Evamaria Kaiser) initiierten Talentwettbewerb, kamen jedoch mit ihrem Titel im Wiener Dialekt nicht ins Finale, da die Jury meinte, dass man diese Art von Musik nicht wolle (den Bewerb hat übrigens ex äquo mit Eric, der ein englisches Lied sang, Marianne Mendt mit "Wie a Glock'n" gewonnen!).
Am 20. September 1970 traten sie mit ihrer Eigenkomposition "The Time" in Peter Rapps legendärer Musiksendung "Spotlight" auf - übrigens die allererste Sendung im ORF, die in Farbe ausgestrahlt wurde!
Golem spielt keine Lieder zum Mittanzen, sie machen Musik zum Zuhören. Mit ihrer Eigenkomposition "Your Time is over", die sie aus acht vorgegebenen Takten komponierten, errangen sie bei der "Show-Chance" 1971 den Sieg. Der Titel wurde später auch als Single veröffentlicht. 1973 folgte die EP "Rote Sonne Golgotha" mit Liedern zu Bildern des Künstlers Roland Litzenburger (1917-1987) unter der musikalischen Leitung von Gerhard Bronner. Bei der Produktion der geplanten Langspielplatte kam es allerdings zu Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, weshalb die gesamte Produktion von Bronner vernichtet wurde. Lediglich der Titel "Jonah saß im Wal" wurde von Bronner selbst mit Golem als (ungenannten) Begleitchor als Single veröffentlicht.
Nach dem Ausstieg von Martin Wolfer 1974 löste sich die Gruppe auf. 1975 gründete Kutzer gemeinsam mit Karin Stranig, Evamaria Kaiser und Ernst Kugler die Clowngruppe "KaiKuKaS", mit der sie nicht nur zahlreiche Auftritte absolvierten, sondern auch mehrere Tonträger veröffentlichten.
Die vorliegende Aufnahme "Die Zeit" ist die deutsche Version von "The Time". Der deutsche Text ist ein Frühwerk des jungen Georg Danzer (1946-2007), der nach zwei eher gefloppten Singles als Komponist und Texter für andere InterpretInnen tätig war.
Die Zeit deines Lebens Ist so wie ein rotes Band Das du hältst in deiner Hand Halt' es fest und nütz' die Zeit
Und frag' nicht vergebens Nach dem Rätsel dieser Welt Deine Stunden sind gezählt Halt' sie fest und nütz' die Zeit
Zeit ist ein Traum, ein Flug ohne Flügel Sie läuft dahin, wie ein Pferd ohne Zügel Zeit ist ein Haus mit offenen Türen Durch das du gehst
Zeit zu vergessen, Zeit zu vergeben Du hast wenig zum Leben Und darum nütz' die Zeit Deines Lebens Sie gehört nur dir allein Und für immer ist sie dein Halt' sie fest und nütz' die Zeit
Refrain
Ein wahnsinnig poetischer Text von Georg Danzer, der auch 50 Jahre später nicht an Aktualität verloren hat. Und ich glaube, heute fühlt sich alles noch schnelllebiger an, als damals. Und eigentlich ist dem Ganzen nichts hinzuzufügen, oder? Wir alle haben jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung und die Chance, das Beste daraus zu machen. Manchmal gelingt es uns, häufig aber so überhaupt nicht. An sich ist das auch überhaupt kein Problem, allerdings weiß leider keiner von uns, wann der Sand in unserer Sanduhr durchgelaufen ist. Denken wir in diesem Moment dann an das, was schön war oder an das, was wir ver(ab)säumt, falsch gemacht, nicht gesagt haben?
"Am Grab der meisten Menschen trauert - tief verschleiert - ihr ungelebtes Leben." (Georg Jellinek, 1851-1911)
Gut. Ich habe meinen Vorsatz meine liebsten Songs made in Austria zu posten, gerade wieder verworfen, da mir gerade dieses Lied wieder unter kam.
ALEXANDRA A: Sehnsucht (M: Rudi Bauer / T: Fred Weyrich)
B: Was ist das Ziel? [Les Ballons roughes - Serge Lama] (M: Serge Lama / dt. T: Fred Weyrich)
1968, Philips, 384 504 PF produziert von Fred Weyrich
Alexandra wurde 1942 in Heydekrug als Doris Treitz geboren. Nach der Evakuierung des Memellandes 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee kam ihre Familie zunächst nach Sachsen und anschließend nach Kiel, wo sie die Volksschule und das Gymnasium besucht. Sie lernte die Gitarre und Klavier und begann früh eigene Lieder und Gedichte zu schreiben. Zwei Jahre vor dem Abitur brach sie die Schule ab, um Modedesignerin zu werden. Sie begann ein Grafikstudium und schlug sich mit mehreren Gelegenheitsjobs über Wasser. 1961 zog sie mit ihrer (inzwischen geschiedenen) Mutter und einer Schwester nach Hamburg, wo sie die Meisterschule für Mode besuchte. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte Platz neun. In Hamburg lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Russen Nikolai Nefedov (1912-1989), kennen, der bei ihnen zur Untermiete wurde. Im Juni 1963 wird ihr gemeinsamer Sohn Alexander geboren. Die Pläne, gemeinsam nach Amerika auszuwandern, werden verworfen, nachdem die Ehe scheitert.
Alexandra versuchte, ihr Studium zu beenden und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach dem Abschluss der Schauspielschule erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Produzent Fred Weyrich wurde schließlich auf die Folklore-Sängerin mit der tiefen Stimme aufmerksam und gemeinsam mit Manager Hans R. Beierlein wurde versucht, Alexandra zum Star aufzubauen und ihr ein Image zu geben, dass bisher am deutschen Schlagermarkt noch nicht verbreitet war: Russland.
1967 gab sie ihr Schallplattendebüt - nicht mit einer Single, wie sonst üblich, sondern mit einem ganzen Album: "Premiere mit Alexandra". Die ausgekoppelte Single "Zigeunerjunge" erreichte #22 der deutschen Charts. Ihr größter Hit wurde "Sehnsucht" (#12), ein Titel, der ihr selbst überhaupt nicht gefiel. Bereits nach kurzer Zeit hatte die vielseitige Künstlerin, die auch selbst komponierte und textete, genug auf slawisch-folkloristische Schlager reduziert zu werden. Sie suchte Kontakt zu französischen Chansonnieres wie Salvatore Adamo und Gilbert Bécaud und übertrug einige ihrer Titel in deutsche Sprache. Eine enge Freundschaft entstand mit Udo Jürgens, die gemeinsam 1968 den Titel "Illusionen" (#38) herausbrachten. Anfang 1969 zog Alexandra nach München und verlobte sich mit Pierre Lafaire.
Am 31. Juli 1969 fuhr Alexandra mit ihrem Sohn und ihrer Mutter von Hamburg Richtung Sylt in den lange geplanten Urlaub. Beim Überqueren einer Kreuzung in Tellingstedt kollidiert ihr Fahrzeug mit einem Lastwagen. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt, Alexandra starb 27jährig noch am Unfallort, ihre Mutter wenig später im Krankenhaus. Der auf der Rückbank schlafende sechsjährige Alexander wurde nur leicht verletzt.
Neben den bereits erwähnten zählen zu ihren bekanntesten Titeln "Erstes Morgenrot", "Aus", "Mein Freund der Baum", "Der Traum vom Fliegen" oder "Schwarze Balalaika".
Nun zum heutigen Song:
Es ist November und der Regen Kriecht durch die Kleider auf die Haut Ich geh' alleine auf den Wegen Die mir vom Sommer her vertraut
Wem wohl die kalten Tage nützen Was gestern lebte, ist heut' taub Und in den schmutzig grauen Pfützen Ertränkt der Bäume welkes Laub
Was ist das Ziel in diesem Spiel Das der Natur seit je gefiel?
An ein paar Zweigen hängen Blätter Die heute Nacht der Wind vergaß Den Pavillon versperren Bretter Wo manches Liebespärchen saß
Sogar die Nester in den Bäumen Sind ohne Leben ohne Sinn Und mir alleine bleibt das träumen Weil ich ein Mensch mit Träumen bin
Was ist das Ziel in diesem Spiel Das der Natur seit je gefiel?
Ich bin auf einmal so alleine Wo ist das Glück, das hier begann? Die kahlen Bäume und die Steine Die schau'n mich durch den Regen an
Ich suche oben in den Sternen Ein wenig Trost für mein Geschick Doch der, der Trost sucht, sollte lernen Er ist vergänglich wie das Glück
Was ist das Ziel in diesem Spiel Das der Natur seit je gefiel?
Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen Das uns die Kraft zum Atmen schenkt Zwar bleiben viele Wünsche offen Weil irgendwer das Schicksal lenkt
Solange hier bei uns auf Erden Man einen Hauch von Leben spürt Sorgt dieses Schicksal für das Werden Und gibt das Glück, dem Glück gebührt
Das ist das Ziel in diesem Spiel Das der Natur seit je gefiel
Zum Vergleich das Original von Serge Lama
Und hier die absolut sehenswerte Dokumentation "Alexandra - Die Legende einer Sängerin" von Marc Boettcher aus dem Jahr 1999.
Um Alexandras Tod ranken sich zahlreiche Mythen. Drohungen, Vorahnungen und dubiose Vorfälle. Alexandra verfasste vor ihrem Urlaub noch kurzerhand ein Testament und kaufte ein Doppelgrab. War es ein tragischer Unfall, Selbstmord oder Mord? Wieso fuhr Alexandras neuer Wagen ungebremst über die Kreuzung? Nach ihrem Tod wurde in ihre Wohnung eingebrochen und verschiedene Dinge verschwanden. Wieso gab es einen versuchten Einbruch in die Leichenhalle? Zudem kam vor einigen Jahren ans Tageslicht, dass ihr Verlobter Pierre Lafaire nicht nur Bigamist, sondern auch US-Geheimagent war. Diesen dubiosen und zum Teil rätselhaften Dingen geht Marc Boettcher in seiner Dokumentation auf dem Grund.
Viele Rätsel ranken sich um das kurze Leben der Sängerin Alexandra, die mit ihrer einzigartigen Stimme einen großen Platz im deutschen Musikgeschäft einnimmt. Wie wäre ihr Leben weitergegangen, was wäre aus ihr geworden? Würde man ihren Namen heute noch kennen, wenn sie nicht so früh verstorben wäre?
Alexandras Titel sind meist mit dunkler Melancholie und russischer Folklore verknüpft, das musikalische Erbe ihrer weniger als drei Jahre andauernden Karriere ist aber um einiges umfangreicher. Vor allem ihre selbst geschriebenen Titel zeigen, um was für eine talentierte, intellektuelle und feinfühlige Sängerin es sich bei ihr gehandelt haben muss. Das Lied "Was ist das Ziel?", im Original von Serge Lama, beweist (im Vergleich mit dem Original), was Alexandra für eine begnadete Interpretin war und wie sie es schafft, jedes Lied zu ihrem eigenen zu machen. Ihre Lieder klingen nie beliebig, sie hat etwas zu sagen. Und auch wenn das vorliegende Lied alles andere als lebensbejahend den Laufe des Jahres (im Speziellen den Herbst) zum Thema hat, merkt man doch, wie es - auch durch das ansteigende und immer gewaltiger werdende Arrangement - ihr ein Anliegen ist, ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen.
Für mich ist und bleibt Alexandra immer erste Wahl - auch abseits trister Novembermonate ;)
Obskures und Skurriles steht im Untertitel meines Blogs (Schauriges habe ich heute ausnahmsweise ausgeklammert) und damit will ich keinesfalls geizen :P Der heutige Song thematisiert definitiv - in vielerlei Hinsicht - eine ziemliche Scheißsituation!
ELKE & ALEXANDER Lied über den Terroristen Karl-Heinz Pawla (M: Peter-Alexander Kugler & Elke Nicolaisen-Gerstenberg / T: Volker von Törne)
erschien auf folgenden Tonträgern:
1969 EP "Nachrichten aus Berlin" (Wagenbachs Quartplatte 5, Verlag Klaus Wagenbach) 1969 LP "Steve Club Berlin" (Thorofon) 2006 CD "100 Jahre Kabarett - 1955-1970" (Bear Family Records)
Das Duo Elke & Alexander, alias Elke Nicolaisen-Gerstenberg (* 1944) und Peter-Alexander Kugler-Righetti (1944-1988), habe ich euch bereits vor längerer Zeit mit einem anderen Titel in Post #26 vorgestellt. Dort sind auch weitere biographische Informationen über die beiden zu finden.
"Sein Leben war voller Arbeit für eine bessere Welt, eine Welt ohne Krieg, in der Menschen in Frieden ihr Brot essen, ihren Wein trinken können. Brot und Wein: sie sind Törne-Symbole der Freundschaft, der Hoffnung und der Freude. Er war überzeugt, dass politische Konfrontationen heute nicht zu todbringenden Fronten führen müssen, sondern in lebensbewahrenden Verhandlungen ausgetragen werden können." (Planetlyrik.de, 2015)
Der Text des heute vorgestellten Liedes basiert auf einem Gedicht des Schriftstellers Volker von Törne (1934-1980). Von 1963 bis zu seinem Tod während einer Vortragsreise war er Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen.
Der Sohn eines SS-Standartenführers trug schwer daran, in der Zeit des Faschismus aufgewachsen zu sein und - obwohl schuldlos - fühlte er sich mit dieser Zeit der Verbrechen verstrickt.
Nach der Schule studierte er zunächst Pädagogik in Braunschweig und nahm später das Kombistudium Politik/Wirtschaft/Arbeit in Wilhelmshaven auf. Ende der 50er-Jahre arbeitete er drei Jahre lang als Steinhauer sowie Hoch- und Tiefbauarbeiter.
Ab 1962 lebte er in Berlin, wo er zunächst als Redakteur und Mitarbeiter der Zeitschrift Alternative tätig war, ehe er 1963 Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen wurde. In dieser Funktion setzte er sich im Rahmen zahlreicher Vortragsreisen für Aussöhnung, Verständigung und Frieden einsetzte.
Er starb am 30. Dezember 1980 während einer Vortragsreise in Münster an einer Gehirnblutung.
Sein literarisches Werk besteht großteils aus engagierter Lyrik, nicht selten auch Sonetten, womit er eine große Kunstfertigkeit offenbart. Obwohl sich der Autor vom Literaturbetrieb weitgehend fernhielt, fand sein Werk sowohl in Deutschland als auch im Ausland großen Anklang.
Nun aber zu diesem besonderen Titel:
Hört die Schandtat von dem frechen Karl-Heinz Pawla aus Berlin: Dieser schwarze Sohn von Tschechen Ohne Zucht und Disziplin, Lange Haare, ungewaschen, Und die Hände in den Taschen, Trat er vor das Landgericht Als ein schlimmer Bösewicht
Finster stand der Lichtesscheue In Justizias heil'gem Haus Ohne Demut, ohne Reue Und zog sich die Schuhe aus Alle Bürger war'n erschrocken Als er dastand in den Socken Und er grinste ins Gesicht Den hohen Herr'n vom Landgericht
Schließlich trieb er's immer bunter Ohne Zucht und ohne Scham Er ließ seine Hosen runter Weil ihm ein Bedürfnis kam In Justizias heil'gen Hallen Ließ er hinter sich was fallen Mitten in das Landgericht Sowas tut ein Deutscher nicht!
Das ging den Richtern an die Ehre Ihre Würde war beschmutzt Des Gesetzes ganze Schwere Haben sie darob benutzt Und den Strolch ins Loch geschmissen Weil er auf's Gericht geschissen Und so siegten Zucht und Pflicht Vorm Berliner Landgericht
Die Moral von der Geschichte: Kommt dich ein Bedürfnis an Vorm Berliner Landgerichte Lass nichts fallen, deutscher Mann! Mach dich lieber in die Hose Statt wie jener sittenlose Terrorist und Bösewicht zu scheißen auf das Landgericht! Sowas tut ein Deutscher nicht Deutscher Mann - sauberer Mann Ein Deutscher tut das nicht!
Ja, das ist ja mal eine Scheißgeschichte - im wahrsten Sinn des Wortes ;) Und sie hat sich tatsächlich wirklich so zugetragen!
Nach kurzem Recherchen habe ich tatsächlich noch zwei authentische (und vermutlich seriöse) Berichte aus der Zeit des Geschehens gefunden:
"Karl-Heinz Pawla, 24. (West-)Berliner Kommunarde, muss wegen eigenwilliger Demonstration in einem Moabiter Gerichtssaal zehn Monate einsitzen. Vorletzten Mittwoch hatte der Student, der bereits einmal im Mai wegen Verdachts auf Diebstahl der Siegel der Freien Universität festgenommen worden war (linkes Bild) und gegen den nun ein Schöffengericht wegen Hausfriedensbruchs und Richterbeleidigung verhandelte, vor der Sitzung Abführpillen geschluckt, während der Verhandlung plötzlich seine Hosen heruntergelassen, seine Notdurft verrichtet, vom Richtertisch einige Akten gegriffen und sich damit gereinigt. Während das Gericht in einen anderen Saal umzog, um dort den Inkulpaten mit einer Ordnungsstrafe von drei Tagen zu belegen, photographierten Justizbeamte den Tatort und entfernten dann das Corpus delicti (rechtes Bild). Bereits zwei Tage später wurde der Kommunarde wegen öffentlicher Beleidigung des Gerichts zu zehn Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt - und zu drei Tagen Haft, weil er den Staatsanwalt während dessen Plädoyer mit einer Sandale bewarf." (Der Spiegel 38/1968, 16.09.1968)
"Der Berliner Kommunarde Karl Heinz Pawla, 24, der am 4. September als Angeklagter vor einem Berliner Schöffengericht seine Notdurft verrichtet und Gerichtsakten beschmutzt hatte, wurde zwei Tage später von einem anderen Schöffengericht zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, in der Urteilsbegründung des Amtsgerichtsrats Käppen hieß es: Am 4. September 1968 fand gegen den Angeklagten (...) eine Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht Tiergarten unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Loch im Kriminalgericht Moabit in Berlin statt. Nach der Vernehmung der in dieser Sache geladenen Zeugen etwa um 10.25 Uhr sagte der Angeklagte, er möchte eine Erklärung abgegeben. Er begab sich daraufhin zu dem vor dem Richtertisch stehenden Zeugentisch, drehte sich mit dem Rücken zum Gericht, zog seine Hose herunter und kotete vor den Zeugentisch in den Gerichtssaal. Sodann drehte sich der Angeklagte um, ging zum Richtertisch, griff zu den auf diesem liegenden Gerichtsakten 272-103/68, riss aus diesen acht Seiten heraus und wischte sich damit das Gesäß ab, wodurch diese Aktenblätter mit Kot beschmutzt wurden. Er wollte dadurch dem Gericht, insbesondere dem Vorsitzenden Amtsgerichtsrat Loch, seine Missachtung kundgeben. Der Angeklagte gibt die Tat zu und lässt sich wie folgt ein: Er habe die 'Scheiße' konkret machen wollen. Deshalb habe er Abführtabletten eingenommen, deren Wirkung er vorher ausprobiert habe. Er ärgerte sich nur, dass er das komische Barett auf dem Richtertisch nicht erwischt habe. Der Amtsgerichtspräsident als Dienstvorgesetzter hat gegen den Angeklagten wegen Beleidigung des Amtsgerichtsrats Loch Strafantrag gestellt. Hiernach hat sich der Angeklagte der Beleidigung des Amtsgerichtsrats Loch gemäß § 185 StGB in Tateinheit mit einem Vergehen nach § 133 StGB schuldig gemacht. Durch das Koten vor dem Zeugentisch hat er symbolisch den Anspruch des Gerichts und insbesondere des Gerichtsvorsitzenden Loch auf angemessene, der Würde eines Gerichts entsprechende Behandlung verletzt und dadurch seine Missachtung bekundet (§ 185 StGB). (...) Der Angeklagte hat auch vorsätzlich gehandelt, da er die Tatumstände kannte und wollte. Beide Taten sind wegen ihres engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhangs als natürliche Handlungseinheit anzusehen. (...) Strafschärfend fiel (...) ins Gewicht, dass der Angeklagte durch die Tat eine Missachtung gegenüber den Grundregeln jeglichen menschlichen Zusammenlebens und eine derart niedere Gesinnung gezeigt hat, die einem Menschen an sich nicht zuzutrauen ist. Strafschärfend war ferner zu werten, dass es sich bei der Tat nicht um eine sogenannte 'Spontanreaktion' gegen die vorhandene Gesellschaftsordnung gehandelt hat. Vielmehr hat der Angeklagte nach seinem eigenen Zugeständnis in der Hauptverhandlung die Tat durch Einnahme von Abführtabletten mit vorangegangener Probe zielstrebig vorbereitet. (...) Zur Sühne und Abschreckung (konnte) nur eine empfindlichere Freiheitsstrafe den Strafzweck erreichen. Eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten erschien schuldangemessen." (Der Spiegel 43/1968, 21.10.1968)
Wer jetzt auch Lust bekommen hat, "auf etwas zu scheißen", dem sei ans Herz gelegt, zuvor die juristischen Stellen im jeweiligen landesrechtlichen Kontext zu betrachten, ehe man Notdurftstelle gegen "Häfenatmosphäre" tauschen muss ... ;)
Als kleine Wiedergutmachung für die Vernachlässigung der letzten Tage (und ich bin ja immer noch in Verzug und hole das auch heute Abend nicht mehr auf), ein kleiner Bonus!
1968, ein ORF-Fernsehstudio in Wien. Scheinwerfer gehen an. In der Kulisse stehen ein 21jähriger Mann und eine 17jährige Frau - er mit Rollkragenpullover und Gitarre, sie in Bluse und langem Rock. Sie singen eine seiner Eigenkompositionen: "Du suchst im Spiegel dein Gesicht".
Gerhard Bronner, der die beiden in seine Sendung "Showfenster" eingeladen hat, prognostiziert dem jungen Mann eine Weltkarriere. Er erinnert sich daran später hier.
Er hieß Georg Danzer (1946-2007) und veröffentlicht kurz darauf zwei Solo-Singles, die beide - im Udo-Jürgens-Stil gehalten - kolossal floppen. Es dauerte mehr als fünf Jahre bis er als Sänger in Österreich Erfolg hat, aber dann gab's bald - bis zu seinem leider viel zu frühen Tod - kein Halten mehr.
Und wer war sie? Anita Ammersfeld, 1950 in Wien geboren. Nach einem Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto/Kanada, kehrt sie nach Wien zurück, um hier weiterzustudieren. Dieses Studium legte sie 1974 ab und debütierte im gleichen Jahr als Cherubino - und frischgebackenes Ensemblemitglied - in "Le Nozze di Figaro" an der Wiener Volksoper. Zahlreiche weitere Engagements folgten.
Von 2005 bis 2015 war sie Intendantin des stadtTheaters walfischgasse in Wien.
Ein wahnsinnig schönes, gut gesungenes Chanson aus der Feder von Georg Danzer, der Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre zahlreiche poetische Lieder für verschiedene österreichische Sänger komponierte und textete.
Du suchst im Spiegel dein Gesicht
Du kennst dich selbst nicht mehr
Dein Tag ist ohne Wiederkehr
Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel
Der Tag ist bald vorbei, die Nacht wird kalt
Noch suchst du irgendeinen Halt
Wenn du zurückkehrst aus der Dunkelheit
Dann ist das Ende nicht mehr weit
Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel
Erst, wenn du dich nach nichts mehr sehnst
Ist deine Zeit vorbei
Dann bist du wieder von dir frei
Refrain
Zugegeben - ein Party- oder Stimmungskracher ist das definitiv nicht. Aber poetisch.
Wie auch immer. Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin unfassbar dankbar darüber, dass es von diesem schönen Song einen Fernsehauftritt als Zeitdokument gibt. Jünger hat man Georg Danzer definitiv nie wieder gesehen ;)
Keine Sorge, ich lebe noch! Tut mir leid, dass ich gestern nicht wie gewohnt für euch einen Titel raussuchen konnte. Es lag nicht an mir - zumindest nicht nur! Aus irgendeinem Grund hat mein Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbinden lassen - warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass ich seit heute ein neues (besseres) Teil mein Eigen nennen darf ... offenbar spüren das auch Geräte und so musste ich gestern karmatechnisch einiges einstecken :/ Aber egal. Jetzt bin ich wieder da und hier für euch der Ersatzsong von gestern (der Ersatzsong von heute kommt dann etwas später). Der Titel des Songs ist definitiv Programm ;)
FRANCOISE HARDY Was mach' ich ohne dich? [It hurts to say Goodbye - Margaret Whiting] (M: Arnold Goland & Jack Gold / dt. T: Walter Brandin)
1970, LP "Träume", Philips
Die 1944 geborene Französin Francoise Hardy unterschrieb im November 1961 ihren ersten Schallplattenvertrag bei Vogue. Kurz nach ihrer bestandenen Matura veröffentlichte sie ihre erste Single ("Oh oh Chéri"). Die B-Seite des Titels ("Tous les garcons et les filles") ließ die Scheibe - nach einem Auftritt in einer beliebten Jugendsendung - zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen. Es folgte eine Reihe von Hits, die größtenteils von ihr selbst getextet und komponiert waren. 1963 vertrat sie mit "L'amour s'en va" Monaco beim Grand Prix de la Chanson und erreichte Platz 5. Im deutschsprachigen Raum hatte sie vor allem mit "Frag' den Abendwind" (1965) große Erfolge. Die Bravo-LeserInnen wählten Francoise daraufhin 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin des Jahres. Francoise avancierte bald zu einer Stilikone der 60er-Jahre. Designer wie Paco Rabanne und Yves Saint Laurent kleideten sie ein. In Frankreich hielt ihre Popularität bis weit in die 80er-Jahre an, obwohl sie aufgrund ihres großen Lampenfiebers seit 1968 nur noch sehr selten vor großem Publikum auftrat. Mit ihrem Album "Clair Obscur", das in Frankreich bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung sechsstellige Verkaufszahlen erzielte, gelang ihr im Mai 2000 ein großes Comeback. Sie veröffentlichte insgesamt 25 Alben. Nach einer Krebserkrankung hat sie die Musik aufgegeben und arbeitet jetzt hauptsächlich als Schriftstellerin. Serge Gainsbourg schrieb für sie 1970 einen ganz besonderen Text, der in seiner Message lustigerweise sowohl in französisch, englisch als auch deutsch funktioniert! (An dieser Stelle ein großes Kompliment an Walter Brandin - der übrigens auch 1969 für die deutsche Übersetzung des Musicals "Hair" zuständig war) Nach zwei Cognac ex bekamst du Mut Deine Abschiedstexte waren gut Ratlos und perplex nur dachte ich Was mach' ich ohne dich?
Stets war mein Komplex, du bist zu schön Charme hast du für sechs, ach was für zehn Liebt denn sowas exklusiv nur mich? Was mach' ich ohne dich?
Ob du daran denkst Wie einsam und verloren ich bin Nein, du hast schon längst eine and're im Sinn
Gib mir keinen Extrakuss jetzt mehr Der nur noch Reflexbewegung wär' Ratlos und perplex nur frag' ich mich: Was mach' ich ohne dich? Was mach' ich ohne dich? All die Nächte mit dir Voll von Glück bis zum Morgengrau Die und dich stahl mir eine andere Frau
Diese Dame X, die dich mir nimmt Fliegt auf deine Tricks, wie ich bestimmt Dann als deine Ex sagt sie wie ich: 'Was mach' ich ohne dich?' 'Was mach' ich ohne dich?'
Ich glaube es gibt keinen deutschen Text, der mehr X bzw. "ich"-Laute enthält, als dieser! Francoise Hardy hat das gewisse Etwas - sowohl in Stimme als auch Optik! Große Effekte sucht man bei ihr vergebens. Diese Stimme gepaart mit einer perfekten Lage ... und dazu diese großgewachsene, scheu-verträumt-wirkende wunderschöne Frau ...
Fraglich, wie jemand diese Frau betrügen kann! (Kein Mitleid mit ihm ... mit F. H. schon!) Das englische Original klingt wie ein typischer amerikanischer Song aus den 60er-Jahren. Aufwendig arrangiert und groß orchestriert. Francoise beweist wieder mal, dass man das alles gar nicht braucht, wenn die Interpretation "wahrhaftig" ist. Hier gibt es bis Mitte Juni noch eine interessante und sehr empfehlenswerte (deutsch-synchronisierte) Dokumentation aus dem Jahr 2016! Dieser Song, mit dem gewissen Augenzwinkern, ist ein absolutes Highlight und Juwel der deutschen Musikszene und klingt auch 50 Jahre später keinesfalls altmodisch.