Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
So ganz hat das jetzt doch nicht geklappt, mit meiner täglichen Motivation. Aber ich gelobe Besserung. Mein großes Tönen fällt in die Kategorie "zu früh gefreut". Auch bei uns im Opernhaus ist jetzt mitten im Probenprozess der Vorhang gefallen. Auch für uns gilt jetzt die Lockdown-Phase. Diese ungeplante Pause hat aber auch Vorteile ... ich konnte z. B. mein Schlafdefizit der letzten Wochen ausgleichen und mir Gedanken über Rezepte mit Käferbohnen machen. Für alle treuen LeserInnen dieses Blogs: Den inneren Drang mein Siphon (wieder) auseinanderzunehmen und zu reinigen, habe ich bis dato noch nicht verspürt. Aber das kann ja in den Weihnachtsputz-Vorbereitungen noch kommen ... 😜
JULIE PATOU
A: Telegramm für Angelique [Envoi-moi des Télégrammes] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose) B: Oui, Monsieur [Balade a Velo] (M: Jean Fredenucci / dt. T: Günter Loose)
1971, Hansa, 10 813 AT
Jean Fredenucci ist ein französischer Komponist und Produzent sowie ehemaliges Mitglied der "5 Gentlemen", der auch Anfang der 70er-Jahre als Solosänger in Erscheinung trat.
1970 komponierte er beispielsweise "Nue au Soleil" für Brigitte Bardot. Das ist der (für mich) prominenteste Name in seiner Vita. Ich bin im französischen Musikbusiness leider zu wenig bewandert.
Nun aber zur Interpretin und ursprünglichen Textautorin. Die Plattenfirma schrieb folgendes zur Veröffentlichung ihrer einzigen deutschsprachigen Schallplatte:
Und wieder ein neuer Frankreich-Import bei Hansa: Nach Severine will sich als nächste die 23jährige Julie Patou dem deutschen Publikum vorstellen. Julie Patou wurde 1948 in Paris geboren. Sie besuchte nach Abschluss der Schule eine Kunstakademie und im Mai [Anmk. 1971] siedelte sie um nach Paris, um sich dort für einen Wettbewerb der Graveure vorzubereiten. Sie reichte allerdings nie etwas ein. Stattdessen schrieb Julie Novellen ... Zwischendurch betätigte sie sich als Schaufenstergestalterin, Bühnenbildnerin, Mannequin ... zwischendurch schrieb sie wieder Novellen ... Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie. Deshalb singt sie jetzt ihre Lieder und schreibt Novellen ...
Zwischen 1970 und 1972 veröffentlicht Julie Patou-Senez drei Schallplatten in Frankreich. Einzig die zweite ("Envoi-moi des Télégrammes") erscheint auch in einer deutschen und einer spanischen Version. Nach "L'appareil mecanique" wird es still um sie. 1978 erscheint das Buch "Coca-Cola-Story", danach verschwindet sie aus der Öffentlichkeit.
Mitte der 00er-Jahre trat sie - inzwischen unter dem Namen Julie Gence - im französischen Fernsehen wieder in Erscheinung. Leider findet man heute auch keinerlei Informationen mehr über diese Aktivität von ihr. Vor rund zehn Jahren hatte ich sehr kurzen E-Mail-Kontakt mit ihr. Unüberbrückbare Sprachbarrieren waren die Ursache dafür: geringe Englischkenntnisse ihrerseits und gänzlich nicht vorhandene Französischkenntnisse meinerseits.
Nun aber zu diesem "besonderen" Lied:
Telegramm für Angelique Für die kleine Angelique Heut' wird sie den Pierre wiedersehen Und ihr Kummer, der wird vergehen
Telegramm für Angelique Nur noch ein paar Augenblicke Und dann wird ein Traum Wahrheit werden Der schenkt ihr den Himmel auf Erden
Oh weinte sie, denn es kam kein Brief Und sie saß ganz allein zu Haus Aber seit heut', da sieht die Welt Auch für sie viel schöner aus
Denn endlich kam ein Refrain
Sie macht sich schön, nur für ihn allein Denn sie freut sich auf ihn so sehr
Die Einsamkeit ist nun vorbei
Die gibt es für sie nicht mehr
Denn endlich kam ein
Refrain
Nun, wie bereits erwähnt, ist mein Französisch ziemlich bescheiden. Dank Google-Translate erhalte ich aber zumindest eine grobe Ahnung, was uns Julie im französischen Original, dessen Text sie selbst verbrochen verfasst hat, uns mitteilen wollte: Während im Original noch mehrere Telegramme angefordert wurden, u. a. aus Berlin, Basel, Rom oder Louisiana und sie gerne wissen möchte, ob in Nizza gerade die Sonne scheint, muss sie sich - frisch in Deutschland angekommen - mit einem einzigen Telegramm begnügen. Und das ist dann auch gar nicht für sie! Sondern für Angelique!
Zudem ist der Text um ein vielfaches umfangreicher und klingt eher danach, als würde die Beziehung möglicherweise nicht auf Gegenseitigkeit beruhen ... kleine Stalking-Tendenzen lassen sich erkennen, wenn sie z. B. davon spricht, dass seine Nachrichten all ihre Wände zieren.
In diesem Fall wäre seinerseits viel früher ein "Stop", wie in Telegrammen üblich, in der Realität notwendig gewesen. (Für alle jugendlichen LeserInnen: Mit Telegramm ist in diesem Fall nicht der gleichnamige Nachrichtendienst gemeint. Das klassische Telegramm ist eine Art analoge SMS - damals toll, heute richtig skurril).
Die Überraschung muss auch seitens der Plattenfirma groß gewesen sein, als die Redaktion der legendären ZDF-Hitparade tatsächlich Julie als Neuvorstellung im Januar 1972 auftreten ließ, wo sie live (!) "Telegramm für Angelique" vorstellen durfte. Das ein "bis-schön frahnsöhsisches Achsendt" durchaus süß sein kann, bewies bereits France Gall eindrucksvoll. Bei Julie ließen allerdings Textdeutlichkeit und Gesangskünste doch etwas zu wünschen übrig. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn sie bei Novellen geblieben wäre?
In diesem Fall ist die Passage aus dem Plattenfirma-Text eher wie eine Drohung zu verstehen: "Dann begann sie eigene Chansons zu schreiben, und sie sang sie so lange allen möglichen Leuten vor, bis man endlich entdeckte, dass es niemanden gibt, der besser singen kann als sie." - Erinnert mich ein wenig an den "Böse-Königin"-Effekt aus Schneewittchen.
Wenn ich mir deutsche Aufnahmen französischer SängerInnen aussuchen darf, dann ziehe ich auf jeden Fall Mike Brant und Francoise Hardy vor - und dann kommt erstmal lange nichts.
Auf den deutschen Text, der an Plattheit und oberflächlicher Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist - eine schwache Stunde von Günter Loose, der zumindest mit Titeln wie "Marmor, Stein und Eisen bricht" oder "Wunder gibt es immer wieder", große Erfolge verbuchen konnte. Der Reim "Augenblicke - Angelique" ist einer meiner persönlichen Tiefpunkte im deutschen Schlagergeschäft (und als Germanist bin ich nur knapp einem Nervenzusammenbruch entkommen).
Ach ja, auf die Performance sollte ich auch noch eingehen. Nun ja: "Sie hat sich stets bemüht", könnte man irgendwo vermerken. Leider fehlt es dann doch an Bühnenpräsenz und Show-Talent, um den schwachen Song (der auch nicht wirklich zum Mitklatschen einlädt, auch wenn sie es immer wieder versucht anzuregen) aufzuwerten. Da nützt auch das Outfit, das - warum auch immer - "Born in the USA" vermitteln soll, wenig. Es reicht nicht aus, um Julie einen Platz im deutschen Schlagergeschäft zu ermöglichen.
Habt ihr schon einmal ein Telegramm abgeschickt? Ich nicht ... geht das überhaupt noch? In Lockdown-Zeiten könnten solche altmodischen Kommunikationstechniken durchaus wieder an Popularität gewinnen. Schreibt doch einfach eine Nachricht an eine Person, von der ihr schon lange nichts mehr gehört habt. Ich bastle derweil aus leeren Bierdosen ein "Dosen-Telefon" ... ich muss mich nur noch entscheiden, wohin ich die Leitung verlege ;)
Alle jene, die hin und wieder auf diesem Blog vorbeischauen, um sich die tägliche Dröhnung spezieller Musik zu geben, kennen bereits mein großes Faible für (skurrile) deutsche Coverversionen internationaler Hits. Heute habe ich ein ziemlich unbekanntes Cover ausgegraben:
ANJA KRENZ A: Hallo Taxi [Joe le Taxi - Vanessa Paradis] (M: Alain Langolff / dt. T: Michael Reincke)
B: So wie es einmal war (M: Michael Langer Hauch / T: Anja Krenz & Michael Reincke)
1987, Transparent, 109657-100
Michael "Michy" Reincke, 1959 in Hamburg geboren, macht sich seit den 90er-Jahren auch als Solosänger einen Namen. Bereits Anfang der 80er-Jahre war er Mitglied der Gruppen Scarlet Lilac und Felix de Luxe, für die er auch Songs schrieb (u. a. "Wo seid ihr?", "Taxi nach Paris", "Hinein ins wilde pralle Leben" und "Blonder Clown"). Sein aktuell letztes Album erschien 2018 ("?!").
Die Hamburgerin Anja Krenz war bereits als Kind musikaffin. Später stand die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau nicht nur als Sängerin auf vielen Bühnen, sondern auch vor dem Studiomikrofon. Sie war Mitglied verschiedener Formationen, wie z. B. "Chanson Bleu", "Die Sirenen", "Dis Noir" und "Susi's Schlagersextett".
Nach mehreren Jahren als Moderatorin bei einem Privatradiosender und als Redakteurin bei einem Schulbuchverlag, war sie bis 2017 Verkehrsmoderatorin bei NDR 90,3. Im selben Jahr machte sie ihre Berufung zum Beruf und ist seither als "Die Marmeladenköchin" bekannt.
Hallo! - Hallo! Wohin geht's?
Hallo Taxi, komm, fahr' mit mir fort Dort wo ich sein mag, jagt man dem Mond nach Die Sehnsucht ist mein Chauffeur Komm und fahr', fahr' in jede Bar
Es ist schön, niemand führt Regie Ich vergess' ... Die Liebe ist so wie die Rumba Man tanzt sie auch anderswo Hallo Taxi, c'est la Vie So wie im Kino schau' ich nur zu Ich bin so nah und weiß nicht wo Ich vergess' ... Liebe kennt kein Lexikon Sie ist so nah Und läuft so oft vor mir davon Es ist so ... Es ist so ... Ich hab' Chance Mein Herz ist ein Akkordeon Hallo Taxi, sei bitte so nett Hallo Taxi, bring' mich nicht zu Bett Refrain Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt nie Hallo Taxi, die Uhr klick-klackt nie Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt mir
So, das ist ja jetzt ein philosophischer Text, oder? Sinnfragen im Taxi, auf dem Wag nach Nicht-Zuhause. Überall sonst ist okay, auch wenn die Uhr bereits "tick-tackt". Bis auf "Taxi", "c'est la Vie" und "Rumba" erkenne ich allerdings wenig Gemeinsamkeiten mit dem Original. Zugegeben, meine Französisch-Sprachkenntnisse sind äußerst bescheiden.
Der Song handelt original von einem portugiesischen Taxifahrer namens Joe, der wegen der Estado Novo nach Frankreich geflohen war und nun in Paris arbeitet. Joe kennt alle wichtigen Orte und Bars der Stadt, trinkt gerne Rum, liebt lateinamerikanische Musik und besitzt ein Saxophon.
Für Anja Krenz wurde es leider kein Hit. Das Original von der damals 15jährigen Vanessa Paradis hingegen erreichte gute Charterfolge: #1 in Frankreich, #3 in England und #8 in Deutschland. Jüngeren wird sie eher durch ihre Beziehung mit dem Schauspieler Johnny Depp bekannt sein, mit dem sie zwei Kinder hat.
Ob ihr Herz auch "ein Akkordeon" ist? Naja ... "Liebe kennt kein Lexikon" und Fantasie demzufolge kein Wörterbuch.
Ich hoffe das Lied bereitet euch Freude, wenn ihr das nächste Mal in ein ... cha-cha-cha ... Taxi einsteigt und nicht wisst, wohin ihr fahren sollt ...
Habt ihr in letzter Zeit auch öfter euer Hor(r)o(r)skop gelesen? Glaubt ihr überhaupt daran? Astrologie ist ja definitiv ein spannendes Feld - der deutsche Schlager hat sich damit bereits in den frühesten 70ern auseinandergesetzt! NACHTRAG FÜR SAMSTAG
FRANCE GALL A: Wassermann und Fisch (M & T: Hans Blum)
B: Kilimandscharo (M: Christian Bruhn / T: Georg Buschor)
1970, Decca, D 29 028
France Gall wurde 1947 als Isabelle Geneviève Marie Anne Gall in Paris in eine musikalische Familie geboren geboren. Ihr Vater schrieb Chansons für Charles Aznavour und Édith Piaf. Mit Unterstützung ihrer Eltern brach sie mit 15 die Schule ab und nahm erste Lieder auf.
Ihr Karrierestart im Alter von 17 Jahren war der Sieg beim Grand Prix Eurovision 1965 als Vertreterin Luxemburgs mit dem Titel "Poupée de cire, Poupée de son" von Serge Gainsbourg. 1966 verließ sie Frankreich und ging nach Deutschland, um dort bis 1972 in deutscher Sprache zu singen. France Gall äußerte sich später, dass die Zeit in Deutschland nicht die schönste in ihrem Leben war und sie mit den Schlagern, die sie singen musste, nicht sehr zufrieden war.
France Gall wollte nicht mehr das "kleine Mädchen" sein und anspruchsvollere Musik machen. 1973 hörte sie ein Lied von Michel Berger im Radio, das sie extrem begeisterte. Wenn Berger nicht Lieder für sie geschrieben hätte, äußerte sie, hätte sie nie wieder gesungen. Die beiden wurden ein Paar, heirateten 1976 und bekamen zwei Kinder.
Ende der 80er-Jahre feierte France Gall mit "Babacar" und "Ella elle l'a" ein fulminantes Comeback. Letztere war 1988 die fünftmeistverkaufte Single in Detuschland.
Nach dem Herzinfarkttod ihres Mannes erkrankte sie 1993 an Brustkrebs. Ihr letztes Studioalbum brachte sie 1995 auf den Markt. 1997 starb ihre 19jährige Tochter Pauline an Mukoviszidose. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Sie starb im Januar 2018, nach erneut ausgebrochener Brustkrebserkrankung.
Claude Francois schrieb 1966 das Lied "For you", in dem er seine gescheiterte Beziehung mit France Gall musikalisch verarbeitete. Dieses Lied wurde später zu einem Welterfolg - als "My Way" in der Fassung von Frank Sinatra.
Ihre erfolgreichsten deutschen Titel waren "A Banda" (1967, #16), "Computer Nr. 3" (1968, #24), "Merci, Herr Marquis" (1968, #39), "Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" (1969, #14) und "Links vom Rhein, rechts vom Rhein" (1969, #32).
Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum gab es bei uns gar keine Probleme Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum war bei uns die Liebe immer frisch
Er ist Wassermann und ich bin Fisch Und das war immer für mich das Angenehme Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum war bei uns die Liebe immer frisch
Am Sonntag war'n wir im Café Dort lagen Illustrierte rum Wir fanden unser Horoksop Da wurden wir ganz plötzlich stumm
Da stand es schwarz und weiß Uns wurd' es kalt und heiß
Er ist Wassermann und ich bin Fisch Und wir passen überhaupt gar nicht zusammen Er ist Wassermann und ich bin Fisch Und laut Horoskop fällt Liebe unter'n Tisch
Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum soll ich für ihn gar nicht mehr entflammen Er ist Wassermann und ich bin Fisch Uns're Liebe aber fällt nicht unter'n Tisch
Im Horoskop da steht so oft Mit wem man glücklich wird Und wenn man liest und glaubt und hofft Hat man sich oft geirrt
Was kann denn ich dafür? Ich liebe keinen Stier Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum gibt es bei uns gar keine Probleme Er ist Wassermann und ich bin Fisch Darum bleibt bei uns die Liebe immer frisch Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Leider muss ich euch jetzt beichten, dass France Gall gelogen hat! Ihr Sternzeichen ist nämlich gar nicht Fisch, sondern Waage. "Abör das isd jah überaubt nischt die Fragööö"!
Und darauf reimt sich auch nicht so schön, dass die "Liebe immer frisch ist" ...
Letztendlich hat die Illustrierte - pardon das Horoskop darin - aber glücklicherweise die Beziehung der Beiden nicht zerstört. Immerhin fühlen sich ja Wassermann und Fisch (zumindest dem Namen nach, denn Wassermann ist ja ein Luftzeichen) im Wasser wohl ... und solange die Liebe (im Café?) nicht unter'n Tisch fällt, ist ja alles gut.
Ich werde jetzt auch mal wieder einen Blick ins Horoskop werfen und bin gespannt, ob mir dargebracht wird, für welches Sternzeichen mein Herz künftig entflammen sollte ;)
Keine Sorge, ich lebe noch! Tut mir leid, dass ich gestern nicht wie gewohnt für euch einen Titel raussuchen konnte. Es lag nicht an mir - zumindest nicht nur! Aus irgendeinem Grund hat mein Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbinden lassen - warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass ich seit heute ein neues (besseres) Teil mein Eigen nennen darf ... offenbar spüren das auch Geräte und so musste ich gestern karmatechnisch einiges einstecken :/ Aber egal. Jetzt bin ich wieder da und hier für euch der Ersatzsong von gestern (der Ersatzsong von heute kommt dann etwas später). Der Titel des Songs ist definitiv Programm ;)
FRANCOISE HARDY Was mach' ich ohne dich? [It hurts to say Goodbye - Margaret Whiting] (M: Arnold Goland & Jack Gold / dt. T: Walter Brandin)
1970, LP "Träume", Philips
Die 1944 geborene Französin Francoise Hardy unterschrieb im November 1961 ihren ersten Schallplattenvertrag bei Vogue. Kurz nach ihrer bestandenen Matura veröffentlichte sie ihre erste Single ("Oh oh Chéri"). Die B-Seite des Titels ("Tous les garcons et les filles") ließ die Scheibe - nach einem Auftritt in einer beliebten Jugendsendung - zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen. Es folgte eine Reihe von Hits, die größtenteils von ihr selbst getextet und komponiert waren. 1963 vertrat sie mit "L'amour s'en va" Monaco beim Grand Prix de la Chanson und erreichte Platz 5. Im deutschsprachigen Raum hatte sie vor allem mit "Frag' den Abendwind" (1965) große Erfolge. Die Bravo-LeserInnen wählten Francoise daraufhin 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin des Jahres. Francoise avancierte bald zu einer Stilikone der 60er-Jahre. Designer wie Paco Rabanne und Yves Saint Laurent kleideten sie ein. In Frankreich hielt ihre Popularität bis weit in die 80er-Jahre an, obwohl sie aufgrund ihres großen Lampenfiebers seit 1968 nur noch sehr selten vor großem Publikum auftrat. Mit ihrem Album "Clair Obscur", das in Frankreich bereits wenige Wochen nach der Veröffentlichung sechsstellige Verkaufszahlen erzielte, gelang ihr im Mai 2000 ein großes Comeback. Sie veröffentlichte insgesamt 25 Alben. Nach einer Krebserkrankung hat sie die Musik aufgegeben und arbeitet jetzt hauptsächlich als Schriftstellerin. Serge Gainsbourg schrieb für sie 1970 einen ganz besonderen Text, der in seiner Message lustigerweise sowohl in französisch, englisch als auch deutsch funktioniert! (An dieser Stelle ein großes Kompliment an Walter Brandin - der übrigens auch 1969 für die deutsche Übersetzung des Musicals "Hair" zuständig war) Nach zwei Cognac ex bekamst du Mut Deine Abschiedstexte waren gut Ratlos und perplex nur dachte ich Was mach' ich ohne dich?
Stets war mein Komplex, du bist zu schön Charme hast du für sechs, ach was für zehn Liebt denn sowas exklusiv nur mich? Was mach' ich ohne dich?
Ob du daran denkst Wie einsam und verloren ich bin Nein, du hast schon längst eine and're im Sinn
Gib mir keinen Extrakuss jetzt mehr Der nur noch Reflexbewegung wär' Ratlos und perplex nur frag' ich mich: Was mach' ich ohne dich? Was mach' ich ohne dich? All die Nächte mit dir Voll von Glück bis zum Morgengrau Die und dich stahl mir eine andere Frau
Diese Dame X, die dich mir nimmt Fliegt auf deine Tricks, wie ich bestimmt Dann als deine Ex sagt sie wie ich: 'Was mach' ich ohne dich?' 'Was mach' ich ohne dich?'
Ich glaube es gibt keinen deutschen Text, der mehr X bzw. "ich"-Laute enthält, als dieser! Francoise Hardy hat das gewisse Etwas - sowohl in Stimme als auch Optik! Große Effekte sucht man bei ihr vergebens. Diese Stimme gepaart mit einer perfekten Lage ... und dazu diese großgewachsene, scheu-verträumt-wirkende wunderschöne Frau ...
Fraglich, wie jemand diese Frau betrügen kann! (Kein Mitleid mit ihm ... mit F. H. schon!) Das englische Original klingt wie ein typischer amerikanischer Song aus den 60er-Jahren. Aufwendig arrangiert und groß orchestriert. Francoise beweist wieder mal, dass man das alles gar nicht braucht, wenn die Interpretation "wahrhaftig" ist. Hier gibt es bis Mitte Juni noch eine interessante und sehr empfehlenswerte (deutsch-synchronisierte) Dokumentation aus dem Jahr 2016! Dieser Song, mit dem gewissen Augenzwinkern, ist ein absolutes Highlight und Juwel der deutschen Musikszene und klingt auch 50 Jahre später keinesfalls altmodisch.