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Dienstag, 1. Dezember 2020

# 133 - "Ein Freund ging nach Amerika" - Musyl & Joseppa (1973)

Es gibt Tage, da überkommt einen das Fernweh. Da würde man am liebsten ganz weit weg, an einem fremden Ort sein. Gut - heute war eigentlich ein recht schöner, sonniger Tag. Wenn es -17 Grad hat, Nebel und der eisige Wind einem um die Ohren bläst, dann ist das "Träumen von Olivenbäumen" (oh weh, eine schreckliche Reminiszenz an einen früheren Blog-Eintrag!) definitiv realitätsnäher. Aber um ehrlich zu sein: Aktuell gibt es eh nicht wirklich einen anderen Ort, wo es so viel besser wäre ... zugegeben, die Karibik könnte ganz nett sein. Und dort gibt es sicher auch Masken, die gut zu Badehose und Bikini passen ;)



MUSYL & JOSEPPA

Ein Freund ging nach Amerika (M: Paul M. Musyl / T: Peter Rosegger)

1973, als Single und als Teil der LP "RoZZ" im Eigenverlag erschienen


Musyl & Joseppa bestand aus Paul M. Musyl (* 1946) und seiner Frau Joseppa (geboren als Ingrid Schleifer, 2015 verstorben). Die beiden lernten sich in den späten 60er-Jahre kennen. Obwohl beide aus Graz, verbrachte Joseppa den Großteil ihrer Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrer Familie in Afghanistan. Frisch nach Graz zurückgekehrt stieg sie mit ihrer Schwester Brigitte in Pauls Band "Pauli und wir" ein. Der Erfolg gab ihnen recht und sie traten im November 1969 sogar in legendären - von Peter Rapp moderierten - Jugendmusiksendung "Spotlight" auf.
Ab 1973 bildeten sie das Duo "Musyl & Joseppa", wobei sich Paul, Mathematik und virtuoser Gitarrist, ein wenig von der Bühne zurückzog und sich mehr auf das Komponieren konzentrierte. Im Fokus stand Joseppas ganz besondere Stimme. Gleich einer ihrer ersten Songs in dieser "Umbruchsphase" wurde zu einem heimlichen Hit - und dabei war es die Vertonung eines Gedichts von Peter Rosegger, "Ein Freund ging nach Amerika". In Eigenregie produzierten sie eine Single und das Album "RoZZ". Die 13.000 Singles verschenkten sie - vom Album wurden 1.000 Exemplare gepresst (Jahre später wurde es auch als CD wieder veröffentlicht). In den darauffolgenden Jahren folgen zwei weitere Alben: "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" (1981) und "Krach Ledernes" (1982).
1999 gewannen sie mit "No more War" den Peace Song Contest in Irland. Darüber hinaus sangen sie vor dem Papst und 100.000 Gläubigen sowie im Rahmen einer interreligiösen Meditation mit dem Dalai Lama. Die beiden prägten den Begriff "Weltmusik" im wörtlichsten Sinne, als er in unseren Breiten noch weitgehend unbekannt war. Bis 2010 betrieben sie (rund 30 Jahre lang) eine eigene Musikschule. Zuletzt arbeiteten sie gemeinsam an Joseppas erstem Solo-Album. Dies konnte nicht mehr fertiggestellt werden, da Joseppa nach kurzer schwerer Krankheit im März 2015 starb. Paul Musyl ist nach wie vor musikalisch tätig.

Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb vor einigen Lenzen
Schick mir Rosen aus Steiermark
Ich hab' eine Braut zu bekränzen

Und als vergangen war ein Jahr
Da kam ein Brieflein gelaufen
Schick mir Wasser aus Steiermark
Ich hab' ein Kindlein zu taufen

(Wiederholung)

Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund
Ach, noch was anderes haben
Schick mir Erde aus Steiermark
Muss Weib und Kind begraben

Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen

(Wiederholung)


Berührt. Nachdenklich. Gerührt. So bleibe ich zurück. Das Lied hat auch 47 Jahre nach ihrer Veröffentlichung nicht verloren. Und der Text Roseggers auch 140 (!) Jahre später ebenso wenig.

Montag, 30. November 2020

# 131 - "Einmal" - Milestones (1969)

Ich habe euch bereits im April einen meiner Lieblingssongs (# 39 "Paul") vorgestellt - da wurde es höchste Zeit, noch einen weiteren Titel der Milestones heraus zu kramen. Die Entscheidung fiel tatsächlich sehr schwer, denn die Gruppe hat zwar nicht viele Songs veröffentlicht, aber dafür ist so gut wie jeder auf seine Art doch ein sehr besonderer.



MILESTONES

A: Einmal (M: Günter Grosslercher / T: Mathias Schreiber)
B: Der Rattenfänger (M: Günter Grosslercher / T: Alfred Komarek)

1970, WM, 5009


Günter Grosslercher (* 1945) und Robert Unterweger, zwei Mathematik-Studenten im vierten Semester an der TU Wien, musizierten gemeinsam und waren auf der Suche nach einer Sängerin. Mit Beatrix Neundlinger (* 1947), die sich damals im ersten Studienjahr befand, und Rudi Tinsobin wurden schließlich 1968 die "Milestones" gegründet.
Bereits im März 1969 nahmen sie an der von ORF und Ö3 initiierten Casting-Show "Show-Chance" teil, deren ursprüngliches Ziel tatsächlich war, einen geeigneten Kandidaten für den österreichischen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision (= Eurovision Song Contest) zu finden. Die Milestones landeten mit dem Titel "Einmal" auf dem zweiten Platz und qualifizierten sich für das große Finale, das gemeinsam mit den Fernsehanstalten von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mainz abgehalten war. Dort setzten sie sich gegen alle Konkurrenten durch und landeten auf dem ersten Platz.
Kurze Zeit darauf erschien die Single "Einmal" und die erste LP.

1972 gab es größere Umbesetzungen: neu waren Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer. In dieser Konstellation vertraten sie 1972 Österreich beim Grand Prix mit dem Titel "Falter im Wind" und belegten Platz 5. Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Besetzungswechsel.

Nach der Auflösung wechselten Grosslercher und Neundlinger zu den bereits arrivierten "Schmetterlingen", Niedermayer wechselte zu "Springtime" und Christian Kolonovits wurde zu einem bekannten Komponist und Arrangeur.

Weitere bekanntere Titel aus dem Schaffen der Milestones sind "Paul", "Apfelbaum", "In den neuen, besseren Zeiten" und "An diesem Freitag".


Einmal wird der Stein der Weisen weich
Einmal machen nur die Träume reich
Einmal wird der Schneemann König sein
Einmal fängt der Wind den Alltag ein

Dann wird es heißen - Klingeling
Die Welt ist nur ein Märchending
Mit einem schwarzen Nasenring

Wenn ein Hasenohr die Harfe spielt
Und ein Holzwurm auf das Eisen schielt
Wenn der Purzelbaum den Seiltanz probt
Und der Schlaue seine Dummheit lobt

Refrain

Einmal hängt die Erde fremd im Raum
Dumm wie eine Null am Schellenbaum
Einmal liegen alle Uhren schief
Einmal schreibt uns Adam einen Brief

Dann wird es heißen - schnick und schnack
Die Zeit ist nur ein Schabernack
Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Erst macht sie tik, dann macht sie tak



Das Video ist ein schönes Zeitdokument, zeigt es doch gerade diesen (ersten?) Live-Fernsehauftritt der Milestones im Finale der "Show-Chance". Moderator ist übrigens ein Ö3-Discjockey mit dem klingenden Namen "André Miriflor", aus dem später André Heller wurde.

Zugegeben: Dem geneigten Zuhörer wurde damals doch ein eher spezielles Werk aufgetischt, das zwar durch mehrstimmigen Schöngesang und ansprechendes Arrangement zu gefallen weiß, dessen Text aber definitiv als äußerst sperrig und speziell - vorsichtig ausgedrückt: dadaistisch - daherkommt.

Hat man den Wunsch, eine kohärente Geschichte zu erfahren, dann kommt man bei diesem Song nicht wirklich weit. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor damals so hundertprozentig eine Absicht in jeder Textzeile hatte, oder ob man einfach etwas Neues schaffen wollte (was ja per se nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss!).
In diesem Zusammenhang würde ich den ganzen Song als Fantasiegespinst über eine potentielle neue Weltordnung sehen, in der sich vor allem das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie Arm und Reich deutlich verschiebt ("Einmal machen nur die Träume reich - Einmal wird der Schneemann König sein").
Die zweite Strophe fällt da noch deutlicher aus dem Rahmen. Dennoch hier mein absoluter Textfavorit: "Und der Schlaue seine Dummheit lobt". Wie viel Wahrheit steckt doch in dieser Phrase ...

Und am Ende, tja, da kommt die große Erkenntnis: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? War alles nur Traum und Fantasie? Ist alles, worauf wir vertraut haben, vielleicht doch nur den kruden Gedankengängen eines anderen entsonnen und unserer eigene Existenz doch nicht so wichtig in der Geschichte der Menschheit oder des Planeten Erde? "Die Zeit ist nur ein Schabernack" - mehr bleibt mir in diesem Zusammenhang nicht zu sagen.

Sonntag, 29. November 2020

# 130 - "Der verliebte Prinz" - Jack Grunsky (1968)

Naja, das hat ja wirklich super geklappt, mit meinem Plan jeden Tag einen Song zu veröffentlichen. Im aktuellen Fall hatte ich tatsächlich eine gute Ausrede: Arbeit. Und die wurde (überraschenderweise) nicht weniger, da in den letzten Tagen tatsächlich mehrere Aufträge eintrudelten. Wie dem auch sei, das ist euch ja eher egal, denn ihr wollt doch nur das eine, oder? Nämlich einen schönen, originellen oder skurrilen Song, der euch den zweiten Lockdown versüßt. Et voilá, hier kommt wieder einer meiner absoluten Lieblingssongs (und das schon seit einigen Jahren):


JACK GRUNSKY

A: Der verliebte Prinz [The Prince in Love is me] (M: Jack Grunsky / dt. T: Margarita Frank)
B: Oh my Love, yes my Love [Oh my Love, yes my Love] (M: Peter J. Müller / dt. T: Margarita Frank)

1968, Amadeo, AVRS 21 521

Der 1945 in Graz geborene Jack Grunsky, lebte ab 1951 in Kanada, ehe er nach seinem Schulabschluss 1966 in seine österreichische Heimat zurückkehrte, um hier seine Musiker-Laufbahn fortzusetzen. Kurze Zeit später gründete er hier seine Band ("Jack's Angels") und unterschrieb im selben Jahr einen Plattenvertrag bei der Amadeo. Gemeinsam mit den anderen drei Mitgliedern Claudia Pohl (* 1948), Christoph Oberhuber und Herbert Wegscheider, die ursprünglich aus Linz stammten und in Wien studierten, entstand bald ein umfangreiches Repertoire, das auch zahlreiche Eigenkompositionen enthielt. Bis zur Auflösung 1968 wurden vier Alben veröffentlicht und einige Singles ausgekoppelt - auch außerhalb des Alpenlandes erreichte die Gruppe, die meist durch ihren dreistimmigen Gesang beeindruckte - vielversprechende Rezensionen. 
Jack Grunsky konzentrierte sich danach auf seine Solokarriere, komponierte beispielsweise "Catherine", womit André Heller 1970 einen Hit landen konnte, und moderierte auf Ö3 die Sendung "Folk mit Jack". 1974 verließ Grunsky Österreich und lebt seither wieder in Kanada, wo er bis heute musikalisch tätig ist - aktuell vor allem im Bereich anspruchsvoller Kindermusik.
Erfolgreiche Titel von Jack Grunsky als Solist waren z. B. "Train Station Blues" (1968), "Sally McGregor" (1968) und "Back Home to Canada" (1971).

Margarita Frank, die Autorin des deutschen Textes, war die damalige Freundin von Arthur Lauber, der sich später als Mitglied der Gruppe "Misthaufen" sowie als Komponist und Arrangeur in Österreich einen großen Namen machte. Leider wurde nur eine Handvoll ihrer Texte vertont. Ihr erfolgreichster Titel ist vermutlich "Orange", der sich zuerst von Brigitte Wall (1973) und 1982 von Wilfried zu einem Hit in Österreich avancierte.

Nun aber zum Song:

Ich bin eifersüchtig auf den Wind
Der mit deinen Haaren spielt
Der dich streichelt, dir die Augen küsst
Zärtlich deine Wangen kühlt

Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt

Sing' es laut in alle Winde
Singe laut "Ich liebe dich"
Dann ist alles wie im Märchenland
Dein verliebter Prinz bin ich

Ich bin eifersüchtig auf den Tag
Der dir entgegen lacht
Der dich stundenlang umfangen hält
Jeden Schritt von dir bewacht

Ich bin eifersüchtig auf die Nacht
Die wie Liebe dich umhüllt
Dich in ihre weichen Arme nimmt
Jeden Wunschtraum dir erfüllt

Refrain

Wiederholung Strophe 1

Refrain

Refrain

Dein verliebter Prinz bin ich
Dein verliebter Prinz bin ich
Oh, oh, Julia



Und als Special hier die Originalversion:

Just a common day it was a common sun in the sky
And a very very common sea
I was walkin' on by the Lindi Bar
And there I saw you, my Queen
In your red dress spender (?) I recognized you
For haven't seen you quite a while
What a pleasant shock
To see you on this block
What surprise to see your smile

And there ain't no time to wonder why
No there ain't no time you'll see
And all the fears a fairytale
And the prince in love is me

Well before I could up to the sound of lips
We were struggling away from the crowd
Up the narrow streets to the Schlosscafe
You can tell by my eyes I was proud

And the things she said they went to my head
And her laughter could heal anything
When she looked into my eyes and smiled
I could have kissed her again and again

Refrain

Than we went to the movies to see a fine film 
And ... was playing a ...
And her candybag was a cracklin' loud
While the romance contradicted ...

Than she had to go, I took her home
And I can still feel her tender hand
Something's force in me, to set me free
Captain Julie entering Coconut Island

Refrain

The prince in love is me
The prince in love is me
Oh, oh, Julie



Zuallererst: Ich finde beide Versionen - jede für sich - sehr schön. Vor allem beeindruckt es mich, wie absolut unterschiedlich sie in ihrer Aussage und meiner Ansicht nach in ihrer Interpretation sind.

Die deutsche Version würde ich da definitiv als eigenständiges Werk betrachten, da sie inhaltlich doch einen großen Schritt weitergeht, als das englischsprachige Original. Hier ist sich der Protagonist ja eigentlich bereits seiner Auserwählten sicher und versucht sie mit allen Mitteln vor "äußerlichen Angriffen" zu verteidigen. Und man kann es dem jungen Jack nicht verübeln, dass man durchaus zwischendurch ein kleines Schmunzeln raushört, wenn ihm die eigene Eifersucht in dem Moment bewusst wird. Aber so ist es einfach, wenn man (jung) verliebt ist.

Mir gefällt die blumige Sprache, die Margarita Frank für diesen Titel findet, die dabei hilft, klare (durchaus sinnliche) Bilder zu imaginieren, ohne sich dabei (was durchaus eine Gefahr wäre) in billigem Kitsch zu verlieren. Und man kann die Freude und Erleichterung direkt spüren, die im Refrain förmlich aus ihm heraussprudelt, wenn ihm seine Geliebte doch die magischen drei Worte zuruft. 

Ich persönlich mag vor allem diese Passage:

Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt

- Kommen wir nun für die Rezension auch zur Betrachtung des englischsprachigen Originals. Zuallererst bin ich baff, wie viel mehr Text Jack in diesem Song unterbringt.
Nun aber inhaltlich: Die englische Version startet ein paar Schritte vorher und beschreibt einen ganz gewöhnlichen Tag (spielt übrigens in Linz) im Leben unseres Protagonisten, an dem zunächst nichts besonders oder außergewöhnlich scheint, bis ihm eine junge Frau - das erklärte Objekt seiner Begierde - über den Weg läuft und ihn anlächelt. Dieser Song widmet sich deutlich mehr der inneren Gefühlsachterbahn - zwischen Hoffen und Bangen, Mut und Übermut. Eigentlich wäre es doch ganz einfach, sie anzusprechen und am Ende wär's kinderleicht und sämtliche Ängste unbegründet. Doch so leicht ist es ja (leider) in diesen Situationen nicht. Meist arbeitet das Kopfkino viel zu stark mit und die Angst - vor allem als Mann - einen Korb zu bekommen, vereitelt so manche potentielle Liebelei. 
Doch in der zweiten Strophe erkennt man schon viel stärker, dass seine Gefühle so stark sind, dass er eh nicht mehr richtig denken kann. Ein mitunter durchaus positiver Effekt, der uns ermöglicht, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich dadurch auch verwundbar zu zeigen.
Nach dem Kinobesuch bringt er sie noch nach Hause und dann kennen die Gefühle kein Halten mehr. In diesem Fall würde ich definitiv auf ein Happy-End zwischen ihm und Julie schließen.

Ach, das war jetzt schön. Oder fandet ihr das ein bisschen zu kitschig? Zugegeben, Liebe wie im Märchen gibt es ja heute leider nur noch selten. Tinderellas Prinz muss da schon definitiv einiges mehr auf dem Kasten haben. Das Schwert sollte aber vor dem ersten Treffen bitte doch noch gut verpackt bleiben - außer man möchte sich selbst gerne vorzeitig aus dem Rennen nehmen.

Mittwoch, 25. November 2020

# 128 - "Peace will come again" - Simplicissimus (1974)

Ich dachte mir, dass ich wieder einmal ein Österreich-Special machen könnte. Daher bekommt ihr bis einschließlich Montag jeden Tag einen neuen (vermutlich ziemlich unbekannten) Song made in Austria serviert.




SIMPLICISSIMUS

A: Till Sunday Morning (M & T: Werner Wegen)
B: Peace will come again (M & T: Michael Kohlweis)

1974, Help Records, HAS 22 014 / Ariola, 13 392 AT
produziert von Eddy Korsche

Das Kärntner Duo "Simplicissimus" bestand aus Hermine "Mini" Erdetschnig (* 1954) und Michael Kohlweis. Als die beiden eigentlich nur als "Zugpferde" für einen lokalen Gesangswettbewerb eingespannt werden sollten, entwickelte sich alles anders als ursprünglich geplant.
Als nämlich tatsächlich erste Erfolge einsetzten, standen sie vor dem Problem, dass die Plattenfirma keine Ahnung hatte, wie sie ihre Schützlinge marketingtechnisch vermarkten könnten. Doch ihr Produzent hatte nicht damit gerechnet, dass die beiden selbst auf Promotour gehen würden und spätestens als sie die Ö3-Österreichparade gewinnen konnten, waren sie überregional bekannt. Problem nur, dass es kaum Schallplatten der beiden gab, die man jetzt verkaufen hätte können ...
1974 nahmen sie an der "Show-Chance", einem österreichweit veranstalteten Talentwettbewerb von ORF und Ö3, teil und belegten mit ihrer Eigenkomposition "Versuch' die Zeit nicht anzuhalten" den fünften Platz im Finale. Zwischen 1972 und 1976 veröffentlichten die beiden fünf Singles ("Dusty Road", "Till Sunday Morning", "Versuch' die Zeit nicht anzuhalten", "Hey, Hey, Hey, wir tanzen im Regen" und "Jet Set Lady").
Beide gründeten Anfang der 80er-Jahre die "Harlekin Company", aus der später die "Seven Hill Singers" hervorgingen. Nach der Scheidung trennten sich ihre gemeinsamen musikalischen Wege. Mini studierte Publizistik, arbeitete in einer Werbeagentur und ist inzwischen Kärntner Landesstellenleiterin der Österreichischen Vereinigung Morbus Bechterew. Michael war viele Jahre Redakteur bei der Kärntner Tageszeitung und ist nach wie vor musikalisch tätig.

Last night I had a dream - tell it to me
I don't know what it mean - tell it to me
Many people I've seen - tell it to me
Speaking oddest words

In the corner stood a man - tell it to me
Oh "War" was his name - tell it to me
And a judge went to him - tell it to me
Put him on a chain

And the people they are dancing round
Singing happy songs
They clap their hands and their voices sing loud
Peace will come again

I dream to destroy the bombs - tell it to me
Burn the uniforms - tell it to me
Forget power and might - tell it to me
And all the world was right

Someone opens the door - tell it to me
And in comes a girl - tell it to me
And suddenly she says - 
"My name is Peace"

Refrain

Peace will come again

Refrain

Peace will come again


Zugegeben: Dieser Song ist jetzt natürlich kein literarisches Meisterwerk, aber in seiner Einfachheit doch überraschend ausdrucksstark. Simpel könnte man fast meinen - und manchmal bedarf es auch gar nicht mehr, um die Leute zum Zuhören und Nachdenken anzuregen.
Mini und Michael waren - als dieses Lied entstand - Anfang 20 und die Themen, die sie beschreiben hatten mich in diesem Alter mindestens genauso bewegt.
Und so verpackten sie die alte Mär um Krieg und Frieden in einen Traum, von dem sie nicht wissen, was er bedeutet. Über Menschen die seltsames Zeug sprachen, das er nicht verstand und einen Mann namens "Krieg", der von einem Richter in Ketten gelegt wird. Diese Aktion führt dazu, dass die Leute anfingen zu tanzen, fröhliche Lieder zu singen, in die Hände zu klatschen und zu verkünden, dass der Frieden zurückkehren wird.
Was in weiterer Folge dazu führen würde, alle Bomben zu zerstören, Uniformen zu verbrennen und das ganze Spiel um Macht und Gewalt zu vergessen, damit die Welt wieder zurecht gerückt wird. Und um dieses Bild noch zu vervollständigen, kommt ein Mädchen durch die Tür und sagt, dass sie "Frieden" heißt.
Eine entzückende, heute etwas naiv anmutende, kleine Geschichte, wie für alle Menschen Frieden herrschen könnte. Verpackt in einen gut arrangierten, eingängigen Song, der mit gut harmonierenden Stimmen dargebracht wurde. Schade, dass den beiden nicht mehr Erfolg beschieden war.

Sonntag, 2. August 2020

# 120 - "Herz und Verstand" - Die Huthmachers (1978)

Die leisen Töne sind es, die mich aktuell beschäftigen. Die, die meist überhört werden. Und doch gibt es aktuell kaum etwas, dass ich mir mehr wünschen würde, als das Herz und Verstand wieder mehr Einzug in unsere Gesellschaft finden würden ...



DIE HUTHMACHERS
Herz und Verstand (M & T: Dieter Huthmacher)

1978, Doppelfant, aus der LP "Lieder"


Die Huthmachers bestanden aus Karin Huthmacher, geb. Oehler (1950-2020) und Dieter Huthmacher (* 1947). Das Duo, das auch privat ein Paar war, formierte sich 1977 und trat bis zur Scheidung 1999 gemeinsam auf.

Im Juli 1977 traten sie im "Talentschuppen" und 1979 in Michael Schanzes Fernsehsendung "Michael Schanze präsentiert Nachwuchkünstler" auf.

Dieter Huthmacher nahm solistisch bereits 1974 ("Ich sing' jetzt nicht das Deutschlandlied") und 1976 ("Immer in Eile") Langspielplatten auf.
Zwischen 1978 und 1996 veröffentlichten sie gemeinsam mehrere Langspielplatten mit ihren eigenen Titeln.


Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle



Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Faszinierend wie wenig Worte man manchmal verwenden muss, um doch ganz viel auszusagen. Die wichtigste Botschaft steckt allerdings auf den leeren Zeilen dazwischen ... doch die finden leider nur die wenigsten.

# 119 - "Die Zeit" - Golem (1970)

Nach ein paar Tagen Abstinenz habt ihr euch hoffentlich von den skurrilen 80er-Hits der letzten Postings erholt und freut euch wieder auf leisere Töne. Heute stelle ich euch eine ganz besondere Rarität vor:




GOLEM
Die Zeit [The Time] (M: Peter Kutzer-Salm / dt. T: Georg Danzer)

1970, Rundfunkaufnahme (leider niemals auf Platte veröffentlicht)



Die Wiener Band Golem wurde Ende der 60er-Jahre von Peter "Piet" Kutzer-Salm (* 1946) in Wien gegründet. Weitere Mitglieder waren Horst "Flöti" Noibinger (* 1944), Martin Wolfer (1947-1999), Sylvia Sylt (bis 1970) und Karin Stranig (ab 1970). 1971 wurde die Gruppe um den Bassisten Peter Altrichter (* 1947) erweitert.
1970 versuchten sie ihr Glück bei der Vorausscheidung zur "Show-Chance" 1970, einem großen von ORF und Ö3 (rund um Rundfunk-Legende Evamaria Kaiser) initiierten Talentwettbewerb, kamen jedoch mit ihrem Titel im Wiener Dialekt nicht ins Finale, da die Jury meinte, dass man diese Art von Musik nicht wolle (den Bewerb hat übrigens ex äquo mit Eric, der ein englisches Lied sang, Marianne Mendt mit "Wie a Glock'n" gewonnen!).
Am 20. September 1970 traten sie mit ihrer Eigenkomposition "The Time" in Peter Rapps legendärer Musiksendung "Spotlight" auf - übrigens die allererste Sendung im ORF, die in Farbe ausgestrahlt wurde!

Golem spielt keine Lieder zum Mittanzen, sie machen Musik zum Zuhören. Mit ihrer Eigenkomposition "Your Time is over", die sie aus acht vorgegebenen Takten komponierten, errangen sie bei der "Show-Chance" 1971 den Sieg. Der Titel wurde später auch als Single veröffentlicht. 1973 folgte die EP "Rote Sonne Golgotha" mit Liedern zu Bildern des Künstlers Roland Litzenburger (1917-1987) unter der musikalischen Leitung von Gerhard Bronner. Bei der Produktion der geplanten Langspielplatte kam es allerdings zu Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, weshalb die gesamte Produktion von Bronner vernichtet wurde. Lediglich der Titel "Jonah saß im Wal" wurde von Bronner selbst mit Golem als (ungenannten) Begleitchor als Single veröffentlicht.

Nach dem Ausstieg von Martin Wolfer 1974 löste sich die Gruppe auf. 1975 gründete Kutzer gemeinsam mit Karin Stranig, Evamaria Kaiser und Ernst Kugler die Clowngruppe "KaiKuKaS", mit der sie nicht nur zahlreiche Auftritte absolvierten, sondern auch mehrere Tonträger veröffentlichten.

Die vorliegende Aufnahme "Die Zeit" ist die deutsche Version von "The Time". Der deutsche Text ist ein Frühwerk des jungen Georg Danzer (1946-2007), der nach zwei eher gefloppten Singles als Komponist und Texter für andere InterpretInnen tätig war.


Die Zeit deines Lebens
Ist so wie ein rotes Band
Das du hältst in deiner Hand
Halt' es fest und nütz' die Zeit

Und frag' nicht vergebens
Nach dem Rätsel dieser Welt
Deine Stunden sind gezählt
Halt' sie fest und nütz' die Zeit

Zeit ist ein Traum, ein Flug ohne Flügel
Sie läuft dahin, wie ein Pferd ohne Zügel
Zeit ist ein Haus mit offenen Türen
Durch das du gehst

Zeit zu vergessen, Zeit zu vergeben
Du hast wenig zum Leben
Und darum nütz' die Zeit
Deines Lebens
Sie gehört nur dir allein
Und für immer ist sie dein
Halt' sie fest und nütz' die Zeit

Refrain






Ein wahnsinnig poetischer Text von Georg Danzer, der auch 50 Jahre später nicht an Aktualität verloren hat. Und ich glaube, heute fühlt sich alles noch schnelllebiger an, als damals. Und eigentlich ist dem Ganzen nichts hinzuzufügen, oder? Wir alle haben jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung und die Chance, das Beste daraus zu machen. Manchmal gelingt es uns, häufig aber so überhaupt nicht. An sich ist das auch überhaupt kein Problem, allerdings weiß leider keiner von uns, wann der Sand in unserer Sanduhr durchgelaufen ist. Denken wir in diesem Moment dann an das, was schön war oder an das, was wir ver(ab)säumt, falsch gemacht, nicht gesagt haben?

"Am Grab der meisten Menschen trauert - tief verschleiert - ihr ungelebtes Leben." (Georg Jellinek, 1851-1911)

Donnerstag, 16. Juli 2020

# 114 - "Compared to what?" - Stefanie (1972)

Abschließend (für heute) gibt es dann doch noch etwas Musikalisches made in Austria. Eine der - meiner Meinung nach - stärksten Stimmen, die unser Land zu bieten hatte.



STEFANIE
Compared to what? (M & T: Gene McDaniels)

1973, Atom, LP "Canned Hits"


Eine österreichische Sängerin namens Stefanie? Nein. Achso, warte, "Jössas, die Werger"! - nein, die ist es nicht. So geht es vielen Menschen, wenn sie das erste Mal den Namen Stefanie hören. Dabei ist sie definitiv eine der stimmstärksten Sängerinnen Österreichs.
1949 als Stefanie Vyhnak geboren, wird ihr Potential bereits früh erkannt und gefördert. Im Dezember 1967 schloss sie sich der vierköpfigen Damenband "Soul Magics" an und lieh - bis zur Auflösung im Frühjahr 1969 - als "Claudia" vielen Songs ihre unvergleichliche Stimme. Im Anschluss daran ging sie für zwei Jahre nach Amerika, wo sie als Serviererin und Sängerin arbeitete, kehrte aber Ende 1971 wieder nach Österreich zurück.

In Österreich angekommen, wird Erich Kleinschuster auf sie aufmerksam und nimmt - gemeinsam mit der ORF-Big-Band - den Titel "Compard to what" mit ihr auf. In dieser Zeit arbeitet sie auch mit Gipsy Love, Art Farmer und den Madcaps zusammen, letztere begleitete sie auch auf einer Westösterreich-Tournee. Es folgen Engagements als Studiosängerin (u. a. für André Heller), ehe im Frühjahr 1972 ihre erste Single "Lies for Sale" auf den Markt kommt.
Im selben Jahr nimmt sie an dem von ORF und Ö3 initiierten Talentwettbewerb "Show-Chance" teil, den sie mit ihrer Eigenkomposition "Ich such' die Wahrheit" für sich entscheiden kann. Stefanie bleibt bis Mitte der 80er-Jahre musikalisch in Österreich und Deutschland aktiv. Trotz 11 Single-Produktionen in drei Sprachen fehlte der große Hit. Sie sang bei Festivals, im Studio für Jingles und Werbung und hatte einige Fernsehauftritte. Zudem nahm sie Schauspielunterricht an der renommierten Schauspielschule Kraus und stand auch auf den legendären Brettern, die die Welt bedeuten und träumte von der großen Karriere. So war sie z. B. in "Der Bürger als Edelmann" (Burgtheater, 1973), "Candide" (Burgtheater, 1976), "Cyrano de Bergerac" (Volkstheater), "Mayflower" (Theater an der Wien, 1977) und "Valerie" (Wiener Festwochen, 1985).

Der Traum der großen Karriere erfüllte sich letztlich nicht. An wem oder war es tatsächlich scheiterte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. War es vielleicht ihre Vielseitigkeit? Doch viele Aufnahmen musste sie - gegen ihren Willen - machen. Da wurden deutlich "hit-verdächtigere" Eigenproduktionen von ihr fallen gelassen, um ein seichtes Schlagerchen zu produzieren. Zweifellos ist es aber eine Schande, dass Stefanie und ihre unvergleichbare Stimme irgendwann vergessen wurden. Wer weiß, was noch alles aus ihr geworden wäre, hätten sich viele Dinge anders ergeben!

Stefanie verlässt die Bühnen und ändert ihr Leben. Sie wechselt den Gitarrengriff, gegen das Steuer. Mehr als 20 Jahre lang war Stefanie Straßenbahnfahrerin bei den Wiener Linien. Ein Job, der ihr viel Freude bereitete - bis eine schwere Krebserkrankung sie daran hinderte, ihren Job weiter auszuüben.

"Liebe zu Musik ist gleichzeitig auch die Liebe zu Menschen. Beim Singen bin ich immer glücklich. Was nützt mir Geld, wenn ich kein Gefühl habe?", sagt Stefanie in einem Gespräch mit mir, ein halbes Jahr vor ihrem viel zu frühen Tod im Januar 2013.

Ich hoffe, dass dieses Video hilft, dass Stefanie - bei einem Auftritt in der legendären Musiksendung "Spotlight" von Peter Rapp - wieder in Erinnerung gerufen wird!




Habt einen schönen Nachmittag und genießt ein bisschen Jazz, Funk und Soul made in Austria!

# 113 - "Che la ke day" - Jasmin (1973)

Nach der zuvor geposteten Tristesse brauchen wir nun ein wenig Ablenkung der positiven Art. Mit ein bisschen Südsee-anmutender Leichtigkeit stellt sich die Schweizerin Jasmin mit ihrer zweiten Single dem deutschen Publikum vor.



JASMIN
A: Che la ke day [Shay-Laka-Day - Rising Sons] (M: Harold Robertson & Paul Sugarman / dt. T: Walter Zylka = Ralph Siegel)
B: Requieum für eine Liebe (M: Ralph Siegel / T: Kurt Hertha)

1973, Bellaphon, BL 11 239
produziert von Jane Peterer & Ralph Siegel



Jasmin wurde 1950 in Zürich als Gabi Gyr geboren, wo sie vor dem Start ihrer Gesangskarriere auch als Schauspielerin arbeitete. Sie sang in verschiedenen Bands "The Fools" 1968-69, "The new Earls" 1969-70 und "Jazz Rock Experience" 1970), bevor sie einen Solistenplattenvertrag erhielt. Zwischen 1972 und 1973 veröffentlichte sie bei Bellaphon drei Singles in deutscher Sprache, von der ihre Debütsingle "Der Puppenspieler von Mexico" (im Original von Tom Jones, wurde auf deutsch auch von Roberto Blanco gecovert) ihr größter Erfolg war. Nach ihrer letzten Single ("So allein wie der Wind") war sie bei vielen Projekten als Gastsängerin tätig, so z. B. bei Che & Ray, John Brack, der Steve Ray Band oder Phil Carmen. In den 80er-Jahren hatte sie zahlreiche Auftritte mit Jo Geilo & The Heartbreakers. In den 90er-Jahren konzentrierte sie sich auf R&B und bildete ab 1999 mit Beni Müller ein Duo. Leider gibt es kaum aktuelle Informationen über sie.



Che la ke day
O la la
Lo la le la
Che la ke day
O la la

Lo la ley

Che la ke day
O la la
Lo la le la
Ch la ke day
O la la

Lo la ley

Ein alter Mann, der mein Freund ist seit vielen Jahren
Hat mir erzählt, dass er auf einer Insel war
Die Menschen lebten dort zufrieden und immer glücklich
Und dieses Lied sang ein jeder das ganze Jahr

Refrain

Jeden Abend, da trafen sich alle Leute
Und dann wurde ein Feuer der Freude gemacht
Alle tanzten und sangen bis früh in den Morgen
Und das Lied, das ich singe, klang durch die Nacht

Refrain



Das Original dieses Titels stammt übrigens von der, in Europa relativ unbekannten, 1966 gegründeten südafrikanischen Gruppe "Rising Sons".



Was genau "Shay-Laka-Day" bzw. "Che la ke day" bedeuten, bleiben uns sowohl die südafrikanische Gruppe als auch Ralph Siegel schuldig. Vermutlich ist es aber nicht so bahnbrechend, dass man auch ohne diese Information ganz gut weiterleben kann.



Das Jasmin aka Gaby Gyr aber eine äußerst talentierte Blues- und Soulsängerin ist, beweist uns definitiv ihre Mitwirkung bei Jo Geilo. Hier empfehle ich vor allem den Song "Rainbow" von 1986.



Was immer Gaby Gyr heute macht, ich hoffe, sie hat immer noch so viel Power und Soul in ihrer Stimme! Wünsche euch einen schönen Nachmittag! :)

# 112 - "Was ist das Ziel?" - Alexandra (1968)

Gut. Ich habe meinen Vorsatz meine liebsten Songs made in Austria zu posten, gerade wieder verworfen, da mir gerade dieses Lied wieder unter kam.



ALEXANDRA
A: Sehnsucht (M: Rudi Bauer / T: Fred Weyrich)
B: Was ist das Ziel? [Les Ballons roughes - Serge Lama] (M: Serge Lama / dt. T: Fred Weyrich)

1968, Philips, 384 504 PF
produziert von Fred Weyrich



Alexandra wurde 1942 in Heydekrug als Doris Treitz geboren. Nach der Evakuierung des Memellandes 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee kam ihre Familie zunächst nach Sachsen und anschließend nach Kiel, wo sie die Volksschule und das Gymnasium besucht. Sie lernte die Gitarre und Klavier und begann früh eigene Lieder und Gedichte zu schreiben. Zwei Jahre vor dem Abitur brach sie die Schule ab, um Modedesignerin zu werden. Sie begann ein Grafikstudium und schlug sich mit mehreren Gelegenheitsjobs über Wasser. 1961 zog sie mit ihrer (inzwischen geschiedenen) Mutter und einer Schwester nach Hamburg, wo sie die Meisterschule für Mode besuchte. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte Platz neun. In Hamburg lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Russen Nikolai Nefedov (1912-1989), kennen, der bei ihnen zur Untermiete wurde. Im Juni 1963 wird ihr gemeinsamer Sohn Alexander geboren. Die Pläne, gemeinsam nach Amerika auszuwandern, werden verworfen, nachdem die Ehe scheitert.
Alexandra versuchte, ihr Studium zu beenden und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach dem Abschluss der Schauspielschule erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Produzent Fred Weyrich wurde schließlich auf die Folklore-Sängerin mit der tiefen Stimme aufmerksam und gemeinsam mit Manager Hans R. Beierlein wurde versucht, Alexandra zum Star aufzubauen und ihr ein Image zu geben, dass bisher am deutschen Schlagermarkt noch nicht verbreitet war: Russland.
1967 gab sie ihr Schallplattendebüt - nicht mit einer Single, wie sonst üblich, sondern mit einem ganzen Album: "Premiere mit Alexandra". Die ausgekoppelte Single "Zigeunerjunge" erreichte #22 der deutschen Charts. Ihr größter Hit wurde "Sehnsucht" (#12), ein Titel, der ihr selbst überhaupt nicht gefiel. Bereits nach kurzer Zeit hatte die vielseitige Künstlerin, die auch selbst komponierte und textete, genug auf slawisch-folkloristische Schlager reduziert zu werden. Sie suchte Kontakt zu französischen Chansonnieres wie Salvatore Adamo und Gilbert Bécaud und übertrug einige ihrer Titel in deutsche Sprache. Eine enge Freundschaft entstand mit Udo Jürgens, die gemeinsam 1968 den Titel "Illusionen" (#38) herausbrachten. Anfang 1969 zog Alexandra nach München und verlobte sich mit Pierre Lafaire.

Am 31. Juli 1969 fuhr Alexandra mit ihrem Sohn und ihrer Mutter von Hamburg Richtung Sylt in den lange geplanten Urlaub. Beim Überqueren einer Kreuzung in Tellingstedt kollidiert ihr Fahrzeug mit einem Lastwagen. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt, Alexandra starb 27jährig noch am Unfallort, ihre Mutter wenig später im Krankenhaus. Der auf der Rückbank schlafende sechsjährige Alexander wurde nur leicht verletzt.

Neben den bereits erwähnten zählen zu ihren bekanntesten Titeln "Erstes Morgenrot", "Aus", "Mein Freund der Baum", "Der Traum vom Fliegen" oder "Schwarze Balalaika".


Nun zum heutigen Song:

Es ist November und der Regen
Kriecht durch die Kleider auf die Haut
Ich geh' alleine auf den Wegen
Die mir vom Sommer her vertraut

Wem wohl die kalten Tage nützen
Was gestern lebte, ist heut' taub
Und in den schmutzig grauen Pfützen
Ertränkt der Bäume welkes Laub

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

An ein paar Zweigen hängen Blätter
Die heute Nacht der Wind vergaß
Den Pavillon versperren Bretter
Wo manches Liebespärchen saß

Sogar die Nester in den Bäumen
Sind ohne Leben ohne Sinn

Und mir alleine bleibt das träumen
Weil ich ein Mensch mit Träumen bin

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

Ich bin auf einmal so alleine
Wo ist das Glück, das hier begann?
Die kahlen Bäume und die Steine
Die schau'n mich durch den Regen an

Ich suche oben in den Sternen
Ein wenig Trost für mein Geschick
Doch der, der Trost sucht, sollte lernen
Er ist vergänglich wie das Glück

Was ist das Ziel in diesem Spiel
Das der Natur seit je gefiel?

Doch aus Verzweiflung wächst das Hoffen
Das uns die Kraft zum Atmen schenkt
Zwar bleiben viele Wünsche offen
Weil irgendwer das Schicksal lenkt

Solange hier bei uns auf Erden
Man einen Hauch von Leben spürt
Sorgt dieses Schicksal für das Werden
Und gibt das Glück, dem Glück gebührt

Das ist das Ziel in diesem Spiel

Das der Natur seit je gefiel



Zum Vergleich das Original von Serge Lama



Und hier die absolut sehenswerte Dokumentation "Alexandra - Die Legende einer Sängerin" von Marc Boettcher aus dem Jahr 1999.

Um Alexandras Tod ranken sich zahlreiche Mythen. Drohungen, Vorahnungen und dubiose Vorfälle. Alexandra verfasste vor ihrem Urlaub noch kurzerhand ein Testament und kaufte ein Doppelgrab. War es ein tragischer Unfall, Selbstmord oder Mord? Wieso fuhr Alexandras neuer Wagen ungebremst über die Kreuzung? Nach ihrem Tod wurde in ihre Wohnung eingebrochen und verschiedene Dinge verschwanden. Wieso gab es einen versuchten Einbruch in die Leichenhalle? Zudem kam vor einigen Jahren ans Tageslicht, dass ihr Verlobter Pierre Lafaire nicht nur Bigamist, sondern auch US-Geheimagent war. Diesen dubiosen und zum Teil rätselhaften Dingen geht Marc Boettcher in seiner Dokumentation auf dem Grund.



Viele Rätsel ranken sich um das kurze Leben der Sängerin Alexandra, die mit ihrer einzigartigen Stimme einen großen Platz im deutschen Musikgeschäft einnimmt. Wie wäre ihr Leben weitergegangen, was wäre aus ihr geworden? Würde man ihren Namen heute noch kennen, wenn sie nicht so früh verstorben wäre?
Alexandras Titel sind meist mit dunkler Melancholie und russischer Folklore verknüpft, das musikalische Erbe ihrer weniger als drei Jahre andauernden Karriere ist aber um einiges umfangreicher. Vor allem ihre selbst geschriebenen Titel zeigen, um was für eine talentierte, intellektuelle und feinfühlige Sängerin es sich bei ihr gehandelt haben muss. Das Lied "Was ist das Ziel?", im Original von Serge Lama, beweist (im Vergleich mit dem Original), was Alexandra für eine begnadete Interpretin war und wie sie es schafft, jedes Lied zu ihrem eigenen zu machen. Ihre Lieder klingen nie beliebig, sie hat etwas zu sagen. Und auch wenn das vorliegende Lied alles andere als lebensbejahend den Laufe des Jahres (im Speziellen den Herbst) zum Thema hat, merkt man doch, wie es - auch durch das ansteigende und immer gewaltiger werdende Arrangement - ihr ein Anliegen ist, ihre Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Für mich ist und bleibt Alexandra immer erste Wahl - auch abseits trister Novembermonate ;)

# 111 - "Please me" - Michael Millner (1975)

Ja, ich poste leider momentan nur noch sehr unregelmäßig. Dennoch versuche ich weiterhin diesen Blog am Leben zu erhalten und hoffe, dass ihr mir trotzdem - auch über längere Phasen - treu bleibt.

Weiter geht es mit einem kleinen Special, nämlich Lieblingssongs (made in Austria) von mir!



MICHAEL MILLNER
A: Please me (M & T: Michael Millner)
B: It's all over (M & T: Michael Millner)

1975, Atom, 238.063
produziert von Peter Müller



Der 1948 in Heiligenkreuz geborene Michael Millner beteiligte sich als Jugendlicher bereits an Jazzmessen. Sein Kompositionsstudium führte ihn nach Graz und neben seinen umfassenden Künsten als Pianist, trat er bereits früh als Komponist und Arrangeur in Erscheinung, während die meisten Bands "nur" Coverversionen spielten. 
Als Mitglied von "Music Machine" (1969-1971 - mit Boris Bukowski und Helmut "Schiffkowitz" Röhrling), "Turning Point" (um 1974 - mit Alex Rehak) und später als Gastmusiker bei "STS", spielte er nicht nur Piano, sondern komponierte und arrangierte auch für die jeweiligen Formationen. Seine einzige Soloarbeit erschien 1975.
In den 80er- und 90er-Jahren zog er sich aus der vorderen Reihe des Musikgeschehens zurück und wirkte u. a. als Produzent der Gruppe "Magic", betrieb ein Studio und ging vor allem in seinem Beruf als Facharzt für Kinderpsychiatrie auf. Ab 1986 war er Oberarzt an der Kinderklinik des LKH Graz, unterrichtete ab 1993 an der Universität und war ab 2000 Leiter der von ihm mitbegründeten gemeinsamen Einrichtung für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters zwischen den Universitätskliniken für Neurologie, Psychiatrie sowie Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. Michael Millner verstarb 2002 an Krebs.

Von ihm geschriebene Titel waren beispielsweise "Go, go, go" (Wilfried, 1974), "I'm a Playboy" (Turning Point, 1974), "Sorry Jane" (Waterloo & Robinson, 1978), "Es wird heller" (EAV, 1983) und "Die Liebe" (STS, 2003 erstveröffentlicht).

Für die Band "Magic", der u. a. auch Boris "Kokain" Bukowski angehörte und die er zeitweise auch produzierte, schrieb er beispielsweise "Baby 100 Volt" (1977), "Hey Jockey" (1978), "Liza" (1980), "Nessie" (1977), "Sag' bitte 'Ja'" (1977), "Schlagertyp" (1977), "Und es wird herrlich sein" (1978) sowie "Wenn du weißt, was ich meine" (1977).


Yes, it was only pride
To have a lonely night
It's over since I know
Your Love will never grow

I wanna live tonight
Without my lonely pride
And all the silence I feel
It's not a dream, it's reel

So come on please me
Only for breaking my golden pride
And than leave me never
I need to come back to you

Yes, I was playin' around
Came really on the ground
I saw a light, that's true
Yes, the face were you

I wanna live tonight
Without my lonely pride

Refrain


Wiederholung





Ich kann nicht genau beschreiben, was mir an dem Song so gut gefällt. Ich glaube es ist die Mischung aus lyrischer Melancholie, Millners sanfter Stimme und dem guten Arrangement. Die Sehnsucht nach gemeinsamer Zeit ist gerade in diesen Zeiten oft stärker als sonst. Zu viel Zeit, um über begangene Fehler nachzudenken, das Bedürfnis zu entwickeln, Geschehenes ungeschehen zu machen und die Zeit am liebsten zurückzudrehen, an den Anfang, als noch alles möglich war. Und dann kommt natürlich noch der eigene Stolz dazu. Und man möchte einfach nur wieder zufrieden und glücklich sein.

Freitag, 5. Juni 2020

BONUS - "Du suchst im Spiegel dein Gesicht" - Anita & Georg (1967)

Als kleine Wiedergutmachung für die Vernachlässigung der letzten Tage (und ich bin ja immer noch in Verzug und hole das auch heute Abend nicht mehr auf), ein kleiner Bonus!



1968, ein ORF-Fernsehstudio in Wien. Scheinwerfer gehen an. In der Kulisse stehen ein 21jähriger Mann und eine 17jährige Frau - er mit Rollkragenpullover und Gitarre, sie in Bluse und langem Rock. Sie singen eine seiner Eigenkompositionen: "Du suchst im Spiegel dein Gesicht".
Gerhard Bronner, der die beiden in seine Sendung "Showfenster" eingeladen hat, prognostiziert dem jungen Mann eine Weltkarriere. Er erinnert sich daran später hier

Er hieß Georg Danzer (1946-2007) und veröffentlicht kurz darauf zwei Solo-Singles, die beide - im Udo-Jürgens-Stil gehalten - kolossal floppen. Es dauerte mehr als fünf Jahre bis er als Sänger in Österreich Erfolg hat, aber dann gab's bald - bis zu seinem leider viel zu frühen Tod - kein Halten mehr.

Und wer war sie? Anita Ammersfeld, 1950 in Wien geboren. Nach einem Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto/Kanada, kehrt sie nach Wien zurück, um hier weiterzustudieren. Dieses Studium legte sie 1974 ab und debütierte im gleichen Jahr als Cherubino - und frischgebackenes Ensemblemitglied - in "Le Nozze di Figaro" an der Wiener Volksoper. Zahlreiche weitere Engagements folgten.
Von 2005 bis 2015 war sie Intendantin des stadtTheaters walfischgasse in Wien.




Ein wahnsinnig schönes, gut gesungenes Chanson aus der Feder von Georg Danzer, der Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre zahlreiche poetische Lieder für verschiedene österreichische Sänger komponierte und textete.

Du suchst im Spiegel dein Gesicht
Du kennst dich selbst nicht mehr
Dein Tag ist ohne Wiederkehr

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Der Tag ist bald vorbei, die Nacht wird kalt
Noch suchst du irgendeinen Halt
Wenn du zurückkehrst aus der Dunkelheit
Dann ist das Ende nicht mehr weit

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Erst, wenn du dich nach nichts mehr sehnst
Ist deine Zeit vorbei
Dann bist du wieder von dir frei

Refrain


Zugegeben - ein Party- oder Stimmungskracher ist das definitiv nicht. Aber poetisch.
Wie auch immer. Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin unfassbar dankbar darüber, dass es von diesem schönen Song einen Fernsehauftritt als Zeitdokument gibt. Jünger hat man Georg Danzer definitiv nie wieder gesehen ;)