Montag, 14. Dezember 2020

# 142 - "Wie ein Feuerwerk" - Michelangelo (1970)

Diese Woche startet mit einem richtigen "Knaller" - im wahrsten Sinn des Wortes. Oder ist es doch eher ein Rohrkrepierer? Naja, da Silvester heuer sowieso deutlich anders ausfallen wird, als die letzten Jahre, kann man sich ja jetzt schon Gedanken um eine passende Playlist für das neue Jahr (oder zumindest für Mitternacht machen) ...



MICHELANGELO

A: Wie ein Feuerwerk (M: Ralph Siegel / T: Mal Sondock)
B: Er oder ich (M: Mal Sondock / T: Michael Holm)

1970, Decca, D 29 025

Michelangelo wurde 1946 als Rainer Limpert geboren. Zwischen 1969 und 1977 veröffentlichte er zehn Solo-Singles (die letzte unter dem Pseudonym "Richard Sussex"), u. a. "Sie trägt blau, blau, blau" (1969), "Ein Tag mit Maria" (1972) und "Ein Garten der Liebe" (1973). Von 1972 bis 1975 war er Mitglied der Gruppe "Family Tree" (weitere Mitglieder waren Enry David, Monique Melsen, Millie Fennell, Timothy Touchton, Tommy Roland, Donna Summer und Tony Gregory).

Mal Sondock (1934-2009), gebürtig aus Amerika, kam 1951 nach Deutschland und begann hier eine Karriere als Discjockey und Radiomoderator. Zwischen 1959 und 1966 veröffentlichte er selbst einige Singles, u. a. "My Heidelberg Baby" (1961), "Das Mädchen mit dem traurigen Blick" (1964) und "Juanita Banana" (1966). Zudem zeichnete er auch für folgende Titel verantwortlich: "Sand in my Shoes" (Johnny Tame, 1967), "Schulmädchen-Träume" (Twin Set, 1971), "Weißt du schon, dass ich dich liebe?" (Michael Martin, 1972) oder "Goodbye Marie" (Martin Mann, 1973).

Mein Leben war langsam ein Trauerspiel
Und das grausame Ende war nah
Ich fand das Spiel schon ein bisschen zu viel
Dann kamst du und die Liebe war da

Und wie ein Feuerwerk - Feuerwerk
Explodierte mein Herz
Weg war der Kummer und weg war der Schmerz

So wie ein Feuerwerk - Feuerwerk
Es leuchtet mir ein
Du musst die Richtige sein

Was ich bisher nur in Träumen geseh'n
War auf einmal wirklich so nah
Ich sah dich an und glaube es kaum
Da warst du und die Liebe war da

Refrain

Gestern versprachst du, dass wir uns heut' seh'n
Und ich glaubte schon, es sei nicht wahr
Ich lud dich ein, dort um halb acht zu sein
Dann kamst du und die Liebe war da

Refrain



Zuallererst: Nein! Dieser blonde, bebrillte Jüngling ist nicht der lange Zeit verschollene Halbbruder von Heino. Das ist Michelangelo. Nein, nicht der begnadete Künstler. Michelangelo aus Frankfurt. Der Schlagersänger. Was? Von dem habt ihr noch nie gehört? Nun ja ... auch wenn seine Stimme gut ist, war es auch in den 70er-Jahren schwierig, mit so einem Titel in Erinnerung zu bleiben.

Gut, dass Michelangelo (zumindest im Song) noch seine große Liebe gefunden hat. Die erste Strophe klingt doch ziemlich nach der Vorbereitung auf den Suizid. Und ich machte mir schon kurz Sorgen, denn "Wie ein Feuerwerk explodierte mein Herz". Das will ich eigentlich nicht sehen - und auch nicht hören, schon gar nicht in einem Schlager. "Weg war der Kummer und weg war der Schmerz" - das kannst du selber glauben! Wenn der da blutüberströmt in Einzelteilen herumliegt, weil sich die Schmetterlinge im Bauch als Molotow-Cocktail herausgestellt haben. Aber egal. Hauptsache: "Die Liebe war da". Mehr möchte ich zu diesem Reim-Einerlei definitiv nicht sagen ;)

Einen Vorteil hat es zumindest: wenn man verliebt implodiert ist, braucht man sich zumindest keine Gedanken mehr machen, ob man heuer zu Silvester lieber kein Raclette oder kein Käse-Fondue machen soll.

Freitag, 11. Dezember 2020

# 141 - "Ein Leben lang" - Joy Fleming (1974)

Ich mag den Dezember an sich sehr gerne. Der Ausklang eines langen, intensiven Jahres. 2020 ging es mir fast zu schnell. Gefühlt bin ich noch irgendwo im August. Aber auf der anderen Seite ist es für viele die Hoffnung groß, dieses eigenwillige Jahr schnellstmöglich abzuhaken und ad acta zu legen. Ob 2021 besser wird oder müssen wir uns jetzt ein Leben lang mit Corona aussetzen. Ach ja, ein Leben lang, ... was heißt das eigentlich?




JOY FLEMING

A: Rocktown [Black Sheep] (M: Stephen Stills / dt. T: Carl J. Schäuble)
B: Ein Leben lang [Life's too short] (M: Pete Wyoming Bender / dt. T: Carl J. Schäuble)

1974, Global Records, 22 543-3

Joy Fleming nahm beide Titel auch in englischer Sprache auf.


Joy Fleming wurde 1944 als Erna Raad in Rockenhausen geboren. Bereits als Teenager gewann sie Gesangswettbewerbe und sang anschließend - nach ihrer Lehre zur Verkäuferin - gemeinsam mit ihrer Schwester Jazz und Blues in Bars und Kneipen, wo hauptsächlich amerikanische Soldaten stationiert waren. 1966 gründete sie mit Freunden die Gruppe "Joy and the Hit Kids", die 1969 in "Joy Unlimited" umbenannt wurden. Ihr erster Auftritt im legendären "Talentschuppen" machte sie schlagartig bekannt - zahlreiche Schallplatten in englischer und deutscher Sprache folgten.
1971 setzte Joy Fleming ihre Karriere als Solosängerin fort und verbuchte mit dem "Neckarbrückenblues" (in Mannheimer Dialekt) einen großen Erfolg. 1975 vertrat sie Deutschland beim Eurovision Song Contest mit "Ein Lied kann eine Brücke sein", belegte allerdings nur den 17. Platz. Zwischen 1986 und 2002 versuchte sie noch dreimal den deutschen Vorentscheid für sich zu gewinnen.
Joy Fleming, die wohl zu recht als Deutschlands beste Soul- und Blues-Sängerin bezeichnet werden kann, war bis zu ihrem plötzlichen Tod 2017 musikalisch aktiv.
Bekannte Titel von ihr waren "What can I do without you?" (1967), "Daytime, Nighttime" (1968), "Neckarbrückenblues" (1972), "Halbblut" (# 38, 1974), "Ein Lied kann eine Brücke sein" (# 32, 1975), "Geld" (1975) oder "Ich sing' fer's Finanzamt" (1977).

Carl J. Schäuble (1933-2010) war ein bekannter deutscher Texter. Seine bekannteren Titel - neben den bisher angesprochenen - waren "Ein Hoch der Liebe" (Wencke Myhre, 1968), "Nuevo Lardeo" (Tony, 1970), "Geh' mit mir durch den Regenbogen" (Peter Horton, 1970), "Was ich tat, tat ich nur für Maria" (Oliver Bendt, 1971), "Hast du keine anderen Sorgen?" (Die Windows, 1973) oder "Bad, bad Leroy Brown" (Jerry Rix, 1974).


Ich schenk' mein Leben her
Als ob es gar nicht wär'
Ich leb' als hätt' ich tausend Leben

In jedem Augenblick
Verschwende ich ein Stück
Wofür hab' ich es hergegeben?

Ein Leben lang was heißt was schon?
Wie Wasser läuft die Zeit davon
Jede Antwort läuft mit ihr
Und nur die Fragen bleiben mir

Ein Leben lang was heißt das schon?
Die Träume schwimmen dir davon
Was dir dann noch übrig bleibt
Sag', ist das die Wirklichkeit?

Ich liege manchmal wach
Und denke daran
Was ich dir alles nicht gegeben

Verzeih', verzeih'
Was kann ich tun?
Ich hab' nur dieses eine Leben

Refrain


Wofür sind wir denn noch bereit zu leben und was ist uns wirklich wichtig? Und auf was sind wir eigentlich bereit zu verzichten - in unserem Wohlstand? Würde noch jemand sein Leben für jemanden oder etwas hergeben? Schwierige Frage. Aktuell scheitern wir stellenweise ja bereits an einem dünnen Stück Stoff.

Mittwoch, 9. Dezember 2020

# 140 - "Sag doch 'Ich liebe dich' (Bla, bla, bla)" - Love Generation (1975)

Manchmal liegt das Gute so nah und ist doch so fern, weil einem einfach nicht die richtigen Worte (zur rechten Zeit) einfallen. Davon kann auch die heutige Gruppe ein Lied singen (#schlechterscherzolé).



LOVE GENERATION

A: Ja, wir verreisen (M & T: Frank Cornely)
B: Sag' doch "Ich liebe dich" [Bla, Bla, Bla - Squallor] (M: Giancarlo Bigazzi, Daniele Pace & Gaetano Savio / dt. T: Fred Jay)

1975, United Artists, UA 35 851
Produziert von Günter Henne & Joachim Heider


Die Love Generation war eine deutsche Popgruppe, die 1971 aus den "Cornely Singers" hervorging. In wechselnder Besetzung existierte die Gruppe bis 1978.
1975 bestand die Gruppe aus Gitta Walther (1940-2014), Birgit Laury (* 1946), Lucy Neale (* 1948), Peter Hedrich (* 1948) und Timothy Touchton (* 1946). Bis auf Birgit Laury waren alle auch solistisch tätig.
Lucy Neale, die zuvor bei "Family Tree" war, und Gitta Walther gehörten in den 80er-Jahren zu dem Damenquartett "Hornettes". Gitta Walther, die eine gefragte Studiosängerin war (von ihr stammt der legendäre Schrei in "Lady Bump" von Penny McLean), versuchte sich unter dem Pseudonym "Jackie Robinson" auch als Discosängerin. Peter Hedrich gelang 1979 als "Peter Kent" mit "It's a reel good Feeling" ein Hit. Auch Timothy Touchton, der bereits mit Lucy Neale bei "Family Tree" war, machte solistisch weiter.

Bekanntere Titel der Gruppe waren: "Love for everybody" (1971), "Israel" (1972), "Morning of my Life" (1973), "Goin' Downtown" (1973), "Hör' wieder Radio" (1975 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest) oder "Thomas Alva Edison" (1976 - Teilnahme am deutschen Vorentscheid für den ESC).

Der in Linz geborene Textautor Fred Jay (1914-1988) hatte bereits in den 40er- und 50er-Jahren erste Erfolge als Texter. In den 70er-Jahren schrieb er u. a. folgende Titel: "Diese Welt" (Katja Ebstein, 1971), "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" (Christian Anders, 1972), "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" (Jürgen Marcus, 1972), "Fahrende Musikanten" (Nina & Mike, 1973), "Ein Schlafsack und eine Gitarre" (Renate & Werner Leismann, 1973) oder "Wir lassen uns das Singen nicht verbieten" (Tina York, 1975).


Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla
Sag' was du wirklich denkst

Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Blaaaaha
Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Sag' was du wirklich denkst

Mit dir allein zu sein
Erfüllt zu Träumerein
Dir fallen jederzeit die rechten Worte ein
Du bist so wunderbar
Ich mag dein rotes Haar
Dein Gang ist federleicht
Dein Lächeln unerreicht

Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla
Bla-Bla-Bla-Bla-Bla
Sag' was du wirklich denkst

Du siehst ganz reizend aus
Machst dich gewaltig raus
Wenn du so sprichst zu mir
Strahl ich und glaub' es dir

Und deiner Augen Glanz
Der fasziniert mich ganz
Das hört sich beinah an
So wie ein Kitschroman

Sag' doch "Ich liebe dich"
Einfach "Ich liebe dich"
Sag' doch, du willst nur mich
Denn darauf warte ich

Wenn du das Richt'ge denkst
Weißt du schon längst
Ich bin für dich schon da
Ganz ohne "bla, bla, bla"


Zweifellos ein großartiges Machwerk. Ist es denn nicht oft so, dass man seinem Partner oder seiner Partnerin manchmal gar nicht zuhören kann, weil man von den sich bietenden Reizen so genervt ... angeekelt ... becirct ist, das man der anderen Person zwar förmlich an den Lippen hängt, aber das Einzige, was der Organismus abspeichern kann, ist "Bla bla bla". In dieser Situation ist es übrigens äußerst gefährlich, negativ durch einen Unachtsamkeitsfehler aufzufallen. Eine falsche Beantwortung der Folgefrage: "Was hab' ich denn gerade gesagt?" kann zu schwerwiegenden Problemen führen, die schlimmstenfalls ein Beziehungsende (oft sogar durch das unerwartete, plötzliche und vor allem tragische Ableben einer der beteiligten Personen) bedeuten.
In diesem Fall können wir uns aber entspannt zurücklehnen, den beiden Turtelnden zuhören und hoffen, dass sie irgendwann wieder Zugang zu ihrem Sprachzentrum erhalten.

Dienstag, 8. Dezember 2020

# 139 - "Dum-Didel-Dum" - Patricia Cramer (1974)

** YEAH! Wir haben die 2.000-Besucher-Marke geknackt! **

Vielen Dank für eure Treue in den letzten Monaten! Es erfüllt mich mit großer Freude, dass ich anscheinend nicht die einzige Person bin, die in diesem Blog mitliest ;) Ich verspreche euch, die schrecklichschönen Songs werden mir so bald nicht ausgehen.

 


PATRICIA CRAMER

A: Dum-Didel-Dum (M & T: Horst Hornung)
B: Herrliche Träume (M & T: Horst Hornung)

1974, Jupiter Records, 13 322 AT
Produziert von Horst Hornung


Patricia Cramer wurde um 1959 geboren. Die Plattenfirma, die besonders intensiv versucht hat, ihre Karriere zu pushen, war äußerst ambitioniert in der Bewerbung ihres neuen Schützlings: "Teen-Prinzessin mit Märchenstimme". Tatsächlich wurde Patricia Cramer zur "Teen-Prinzessin '74" gekürt. In welchem Zusammenhang ist aber unklar - sie wurde weder "Bravo-Girl des Jahres" noch war sie Teilnehmerin der "International Teen Princess" (1973 holte sich übrigens tatsächlich die deutsche Ute Kittelberger den Sieg!). 

"Patricia ist jetzt gerade 15 Jahre jung und schon auf dem besten Weg, ein hell leuchtender Stern am deutschen Schlagerhimmel zu werden. Entdeckt wurde sie im Frühling 1973 bei einem Talentwettbewerb in Darmstadt. Unser schnuckeliger Teenager (158 cm klein) spielt Gitarre, möchte aber auch noch Bass lernen. Dazu hat sie aber nicht genügend Zeit, sie geht noch zur Realschule."

Schnuckelig ist auch ein Attribut, das man heute keinem jungen Mädchen mehr auf die Plattenhülle schreiben würde ...

"Aufgefallen ist sie mit ihrer frischen Stimme und dem für sie charakteristischen Timbre bei den Pfadfindern." Ah ja. Die waren ja immer schon als Talentschmiede bekannt und nicht dafür, dass man lernt, wie man am besten ein Zelt aufstellt oder so.

"In ihrer Plattensammlung überwiesen Interpreten wie Suzi Quatro, T. Rex, Bernd Clüver, Cindy & Bert." <-- DAS ist auch eine ziemlich harte Kombi!

"Wir sind davon überzeugt, dass Patricia in einiger Zeit bald so bekannt ist wie ihre Vorbilder. Patricia Cramer ist d i e Entdeckung der letzten zwei Jahre!" Tja, beides ist nicht eingetreten. Und ich muss zugeben: zu Recht! Da gab es tatsächlich deutlich begabtere Sängerinnen.

Patricia Cramer, die damals scheinbar auch in Darmstadt lebte, veröffentlichte zwischen 1974 und 1975 insgesamt drei Singles. Weitere Titel waren "Teenage Romeo", "Hello, little Joe", "Ich bin wieder zu Hause" und "Er heißt Michael". Keine der drei Singles wurde in Deutschland ein Hit. Auf holländischen Piraten-Radiosendern wurde sie allerdings häufig gespielt. Dieser Umstand führt dazu, dass sich ihre Singles heute noch für teilweise dreistellige Beträge verkaufen lassen. 
Laut Informationen aus einem Online-Musikforum ist sie im Jahr 2007 verstorben.


Horst Hornung, der in den frühen 70er-Jahren auch selbst als Sänger in Erscheinung trat, war bereits öfter auf meinem Blog zu Gast. Klingende Titel aus seiner Feder waren beispielsweise "Arthur Infernale" (Maggie Mae, 1975), "Liebt er dich, wie ich dich liebe?" (Roy Black, 1975), "Wer trinkt schon gern den Wein allein?" (Roberto Blanco, 1978), "Tut-Ench-Amun" (Penny McLean, 1979) oder "Die Familie hat 'nen Knall" (Rex Gildo, 1979).



Wo geht er hin, kommt er her?
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Nichts was er tut, fällt ihm schwer
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum

Ja, der Spielmann ist unser Freund
Wir haben nie mit ihm geweint
Wenn er spielt sind wir froh
Sein Lied geht so Didel-Didel-Dum

Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Didel-Didel-Didel-Dum-Didel-Dum-Didel-Dum
Dum-Didel-Dum-Didel-Dum 
Didel-Didel-Didel-Dum-Didel-Dum-Didel-Dum

Er singt sein Lied überall
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Und wenn's gefällt noch einmal
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum

Refrain

So wie er kam, ging er fort
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum
Sein Lied war sein Abschiedswort
Didel-Didel-Didel-Dum Didel-Dum-Didel-Dum

Ja, der Spielmann war unser Freund
Wir haben nie mit ihm geweint
Und sein Lied, ja das geht für immer um
Didel-Didel-Dum


Eines kann ich euch sagen: Wenn dieser Spielmann den ganzen Tag mit seiner piesigen Blockflöte um die Häuser zieht und dabei diesen nervigen Ohrwurm dudelt, dann wäre er ganz sicher nicht mein Freund! "Nichts was er tut, fällt ihm schwer" - ja, vor allem anderen Leuten auf die Nerven zu gehen. Das scheint mir seine Hauptbeschäftigung zu sein!
Schön, dass es in den 70er-Jahren schon ausreichend für eine gute Freundschaft war, dass man nicht zusammen weint. Toll. Das ist wirklich beeindruckend. Patricia hat anscheinend noch nie mit ihren Freunden Zwiebeln geschnitten. Das wäre nämlich ein ziemlich (Achtung: schlechter Wortwitz) einschneidendes Erlebnis gewesen!
"Und sein Lied, ja , das geht für immer um - Didel-Didel-Dum", ja das ist tatsächlich eine Drohung. Ich fürchte dieser Spielmann war so etwas wie der erste analoge Trojaner, dessen Anwesenheit zu einem ziemlichen Crash in der menschlichen Hardware führt. Danach kannst die Festplatte vermutlich in die Tonne schmeißen und maximal noch als Klatsch-Statist im Musikantenstadl vermittelt werden.

Ich warne euch wirklich! Di-didel-eser Song hat es wirklich in sich. Man muss aufpassen, dass da-dum-ruch nicht der eigene Sprachfluss gestört wird. Ist di-didel-es, der Fall, dann hilft nur noch ... Dum-Didel-Dum-Didel-Dum Didel-Didel-Didel-Dum ...

Samstag, 5. Dezember 2020

# 138 - "Brötchen und Milch" - The Four Kings (1966)

Ist es nicht herrlich, wenn man am Wochenende die herrliche Möglichkeit hat, einfach ausschlafen zu können - so lange, wie man will und lustig ist? Ach, Sie können immer ausschlafen? Achso ja ... Home-Office, Lockdown. Wie konnte ich darauf vergessen? Vermutlich deswegen, weil er mir - im Vergleich zum März - in der Großstadt kaum auffällt. Die paar Mal die ich mich in den letzten Tagen aus dem Haus gewagt habe, erlebte ich überraschend gut gefüllte Straßen und auch in den Supermärkten und auf der Post war bewegtes Treiben. Spannend. Dicht gedrängtes Treiben während in den Theatern, wo man wahnsinnig gut kontrollieren kann, wer, wann und vor allem wo sitzt, der Vorhang immer noch unten bleiben muss. Hoffen wir, dass das im Januar wieder etwas anders aussieht.


THE FOUR KINGS

A: Immer wenn der Mond scheint ([I can't go on living, Baby, without you - Nino Tempo & April Stevens] (M: Jerry Riopelle & Nino Topo / dt. T: Tobby Lüth)
B: Brötchen und Milch [No Milke today - Herman's Hermits] (M: Graham Gouldman / dt. T: Carl-Heinz Dieter)

1966, Metronome, M 916

Die Four Kings waren eine deutsche (wie der Name bereits verspricht) vierköpfige Band. Die Gruppe veröffentlichte bis Mitte der 70er-Jahre auf verschiedenen Labels. Klingende Titel von ihnen waren z. B. "Come on, Marianne", "Mit dir allein", "So wie ich dich liebe", "Mädchen, komm mit mir heut' Nacht", "Mein Glück liegt in Bad Zwischenahn" und "Kleine Sonja". Meinen Recherchen zufolge waren sie die Begleitband von Peter Orloff, der sie auch ab 1971 produzierte.


Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier

Brötchen und Milch
Ein jeder kann sie seh'n
Doch die vorüber geh'n
Sie können's nicht versteh'n

Hinter der Tür lag unser Märchenland
Ich hatte sie zur Prinzessin dort ernannt
Hinter der Tür lag unser Paradies
Jetzt ist es nur ein düsteres Verlies

Brötchen und Milch
Die steh'n vor meiner Tür
Seit Tagen vor der Tür
Denn sie ist nicht mehr hier


Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren
Es war ein Schloss als wir uns dort noch geküsst
Nun ist es leer hinter seinen alten Toren
Weil sie gegangen ist

Brötchen und Milch
Die jeder stehen sieht
Die sind das End' vom Lied
Von unser'm Liebeslied

Keine Musik
Kein Lachen mehr, kein Gruß
Nie mehr von ihr ein Kuss
Damit ist es nun Schluss

Wiederholung




Das englische Original "No Milk today", das ursprünglich für The Hollies geplant war, brachte Herman's Hemits 1966 einen ziemlichen Hit (#1 AT, #2 DE, #7 UK und #35 USA). Songwriter Graham Gouldman (* 1946) bekam die Idee zum Text, als er gemeinsam mit seinem Vater einen Freund besuchte, an dessen Tür ein Schild mit dem Hinweis "No Milk today" angebracht war. Gouldmans Vater erklärte, dass es dafür verschiedene Gründe geben könnte. Gouldman schrieb eine Geschichte um eine zerbrochene Liebesbeziehung. Damals war es noch üblich, dass Milchmänner täglich die frische Milch vor die Tür stellten. Verringerte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen (Von glücklicher Beziehung zu tragischem Single-Dasein), dann benötigt die Person heute leider keine Milch.

Die deutsche Coverversion versucht sich zumindest stellenweise am englischen Original zu orientieren, es hakt doch immer wieder an einigen Ecken und Enden. 
Das erste Rätsel ist bereits, woher die Brötchen stammen, die mitsamt der Milch vor der Tür gelandet sind. Ist unser Hauptprotagonist aufgrund der Entliebung nun auch in den Hungerstreik gegangen? Er könnte ja zumindest noch Enten im Park damit füttern. Die finden frische Sonntagsbrötchen sicher auch g'schmackiger, als das steinharte Uraltbrot, mit dem sie immer von Oma Gisela beworfen werden.

Okay. Ich nehme alles zurück: Denn bereits in der dritten Zeile wird klar, dass diese Utensilien bereits seit Tagen vor der Tür stehen. Bei den aktuellen Temperaturen muss er die Brötchen nur frisch aufbacken, die sind nämlich vermutlich tiefgekühlt. Milcheis? Ist ja durchaus bei manchen Menschen beliebt ...
"Doch die vorüber geh'n, sie können's nicht versteh'n" - Tja. Wer kann es ihnen auch verübeln? Du hast ja keinen Zettel an die Tür gehängt oder wenigstens eine gute Tat vollbracht, in dem du eine obdachlose Person damit gelabt hast. Mit ranziger Milch und steinharten Brötchen kommt man dem Paradies nicht unbedingt näher - nur mal so als kleiner Hinweis in Bezug auf das Karma-Konto.

Okay. Im Märchenland war's schön! Aber die Prinzessin ist jetzt scheinbar aus dem Paradies entflohen. Hat sie sich inzwischen als böse Hexe herausgestellt und ist mit dem nächstbesten dahergelaufenen Prinzen über die sieben Berge abgezischt? Oder hat sich um sie bereits eine unkrautartige Dornenhecke gebildet, weil schon länger niemand - so ganz zwischenmenschlich - vorbeigeschaut hat? 
Tja. Die Frage: "Wer hat heut' Nacht in meinem Bettchen geschlafen?" braucht man sich ja nun nicht mehr zu stellen. 
"Das alte Haus hat nun seinen Glanz verloren" - ach ja, das klingt ja ziemlich nach Aschenputtel-Effekt. War die große Liebe vielleicht doch eher eine Umschreibung dafür, sich die Kosten für eine adäquate Putzfee zu sparen?

Du könntest die alten Brotkrumen ja auch nehmen, um sie zu streuen .. vielleicht kommt ja so eine neue "Prinzessin" in deinen Haushalt? Oder zumindest ein paar Tauben ... ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh! ... naja, der Spatz in der Hand wär' mir lieber.



Da es von den Four Kings kein bewegtes Bildmaterial gibt, hier für euch das Original von Herman's Hermits. Habt ein erholsames zweites Adventwochenende!

Freitag, 4. Dezember 2020

# 137 - "Es ist ein Mensch" - Meeting Point (1976)

Mit großen Schritten nähere ich mich dem 2.000. Besucher dieser Seite. Vor knapp neun Monaten, als ich diesen Blog mehr oder weniger als Beschäftigungstherapie ins Leben rief, dachte ich nicht, dass es nicht nur mir selbst, sondern auch anderen so viel Freude bereiten wird. Hoffentlich ist die Zeit der Lockdowns bald vorbei - für schlechte Musik lässt sich das definitiv nicht sagen ... dieses Themenfeld ist schier unerschöpflich.






MEETING POINT

A: Es ist ein Mensch (M & T: Wilton Kullmann)
B: This is a Man [Es ist ein Mensch] (M: Wilton Kullmann / engl. T: Howard Barnes)

1976, Linda, LIN S 4201
produziert von Robert Puschmann


Die Formation, die - wenn Anglizismen nicht damals bereits so populär gewesen wären - sonst womöglich "Treffpunkt" gehießen hätte, bestand von 1976 bis 1977. Soweit meine Recherchen es zulassen, wurde die Gruppe eigens für den Deutschen Vorentscheid zum Grand Prix d'Eurovision 1976 (heute: Eurovision Song Contest) von Robert Puschmann zusammengestellt. Die einzelnen Mitglieder kannte er vermutlich von bereits realisierten Schallplattenproduktionen oder durch Studiojobs.

Mitglieder, die zweifelsohne erkannt werden konnten, waren:
- Robert Puschmann alias Peter Stern (1939-2000, bürgerlich Peter Wischmann)
- Herlinde Grobe (* 1948) -> 1973 Single-Produktion mit Puschmann als "Angela Burg" (alle aufmerksamen Leser dieses Blogs erinnern sich mit Schrecken an ihren Guten-Morgen-Song!)
- Mark Ellis (* 1943, bürgerlich Volker Burkhardt)

Nach einer weiteren Single ("Montego Bay") war 1977 dann auch wieder Schluss damit und das Projekt verschwand wieder von der Bildfläche.

Das musikalische Schaffen von Wilton Kullmann (* 1926), das auf Schallplatte veröffentlicht wurde, ist leider recht überschaubar. Dazu gehören z. B. "Ich sag' 'No', Boy" (Mary Roos, 1964), "Umarme mich" (Terry Lamo, 1965), "Lass mich lieber geh'n" (Monia, 1967) und "Sonne, Wind und Meer" (Michel Polnareff, 1969) dazu.

Robert Puschmann war da deutlich erfolgreicher. Bekannte Titel von ihm sind "Es tut gut" (Siw Inger, 1972), "Komm doch zu mir" (Agnetha, 1972), "Michaela" (Bata Illic, 1972), "Ti-Lai-Lai-Li" (Danyel Gérard, 1973) oder "Vogel der Nacht" (Paola, 1979).

Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du
Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du

Es ist ein Mensch
Den die Mutter liebte
Ja, es ist ein Mensch
Der mit Kindern spielte
Es ist ein Mensch
Der vor Freude lachte
Ein Mensch
Der an and're dachte
Ja, es ist ein Mensch
Wenn man ihn umarmte
Es ist ein Mensch
Der einst Freunde hatte
Ein Mensch
Der in Freude lebte
Ja, es ist ein Mensch
Der das Glück ersehnte

Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du
Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du

Es ist ein Mensch
Der vom Sturm getrieben
Es ist ein Mensch
Dem ist nichts geblieben
Ja, es ist ein Mensch
Der am Boden kauert
Es ist ein Mensch
Der vor Kälte schauert
Ja, es ist ein Mensch
Den der Hunger peinigt
Es ist ein Mensch
Der nach Wasser dürstet
Es ist ein Mensch
Der im Elend leidet
Oh ja, es ist ein Mensch
Dessen Augen schweigen

Es ist ein Mensch
Der um Gnade bittet
Ja, es ist ein Mensch
Der vorm Grauen flüchtet
Es ist ein Mensch
Den die Ängste plagen
Ein Mensch
Den die Feinde schlagen
Es ist ein Mensch
Den die Fesseln schinden
Es ist ein Mensch
Der im Schmerz sich windet
Yeah, ein Mensch
Dessen Wunden bluten
Es ist ein Mensch
Den die Menschen töten

Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du
Hilf ihm, es ist ein Mensch wie du


Die Botschaft ist ja relativ simpel: Gelebtes miteinander. Frei nach dem Motto "Hilf und dir wird geholfen". Trotzdem ist diese rührselig anmutende Gospel-für-Arme-Nummer alles andere als eine gelungene Ode der (christlichen?) Nächstenliebe. Der Text bleibt plakativ und in seiner Oberflächlichkeit dann auch leider recht platt und banal, obwohl an sich recht harte Dinge angesprochen werden.
Während die erste Strophe noch recht brav daherkommt und eher das allgemeine kindliche Miteinander im Freundes- und Familienbund beschreibt, wird uns spätestens in der zweiten Strophe klar, dass diesem Menschen (ich möchte jetzt nur äußerst ungern auf die aktuelle Genderthematik eingehen und bin froh, dass ich in diesem Song auf etwaige * verzichten kann, da der/die HauptprotagonistIn die Hauptfigur zweifelsohne ein Mensch ist. Und der scheint so allerhand mitgemacht zu haben, was man selbst in seiner Heilen-Welt-Blase nur ungern am eigenen Leib spüren möchte. Das Ganze spitzt sich dann in der dritten Strophe noch weiter zu und endet in einem eher mäßig optimistischen Schlusschor.

Die erste und dritte Strophe wird übrigens von Robert Puschmann, die zweite von Mark Ellis gesungen. Die Damen und der Herr in grün sind schmückendes Beiwerk. Die Aussprache lässt stellenweise ein wenig zu wünschen übrig, obwohl alle deutschsprachig sind. Da kann man sich leicht verhören ("Der vor Frauen flüchtet", "Der im Schlaf sich windet" oder "Dessen Hoden bluten"). Von zwölf Teilnehmern landeten sie damit tatsächlich auf Platz 6.

Was man sich definitiv auf der Zunge zergehen lassen darf, sind die originellen zeltartigen Kostüme der Damen und die klare Farbgestaltung. Auf die Choreographie komme ich noch gesondert zu sprechen.
Wir stehen im Dunkeln, drehen uns um und dann stehen wir erstmal wie festgeklebt und regungslos am Platz, ehe wir die Hände fröhlich zum Himmel emporstrecken (im Yoga-Kurs würde das fast als halber Sonnengruß akzeptiert werden) - hierbei kommt übrigens die sackartige Schnittgestaltung der Damenroben besonders gut zum Tragen. Diese Kleider eignen sich auch ideal um Problemzonen oder ganze Schwangerschaften vollständig zu verstecken.
Für die Strophen kommt dann die überaus beliebte rechts-links-Schunkel-Choreo zum Einsatz (die aber nicht von allen Mitgliedern gleich enthusiastisch geführt wird!). Die gilt für alle außer für Robert Puschmann - der muss ja die Hauptstimme singen. Und das geht nur, wenn man apathisch und regungslos dasteht - zugegeben, ein paar Emotionen hätten da durchaus mit hineinfließen dürfen. Aber wir befinden uns ja erst in Strophe 1, da ist die Welt ja sozusagen noch in Ordnung.
Der nächste Richtungswechsel für den Refrain ging rund 20 Jahre später übrigens als "Startposition für Macarena" in die internationale Musikgeschichte ein. Der vorgetragene Song eignet sich aber weder als Sommerhit, noch als Dance-Challenge.
Mark Ellis' Interpretation von Strophe 2 bringt da deutlich mehr Emotionen mit hinein. Wenn auch die Schunkel-Choreo thematisch langsam zu irritieren beginnt. "Hey yeah, ein Mensch, der im Elend leidet", diese Stelle eignet sich doch besonders gut zum fröhlichen Mitwippen!
Für die dritte Strophe durfte sich Robert Puschmann dann aber netterweise doch bewegen und auch seine Stimme schlägt deutlich stärkere Töne an. Spätestens jetzt ist die Gaudi-Schunkelei aber nur noch peinlich und deplatziert. Wissen die nicht, was sie gerade singen? Hey, der Typ bittet um Gnade, hat Angst, wird zusammengeschlagen und am Ende getötet. Sollen wir ihm vielleicht helfen? Ja, lasst uns fröhlich für ihn tanzen! :P
Die Tanzeinlage ab 3:05 kann sich aber fürchte ich nur für eine Situation eignen: Regen herbeizuschwören (oder den Lichttechniker, die Scheinwerfer auszumachen).

Ja, heute war ich etwas streng mit dem Song. Vielleicht bin ich morgen wieder etwas gnädiger ;)

Donnerstag, 3. Dezember 2020

# 136 - "Lügen" - Goldie Ens (1972)

Das Spannende an früheren musikalischen Talentwettbewerben (alias Castingformaten) ist, dass reproduzierende Sänger eher in der Minderheit waren. Die meisten konnten und wollten nicht nur eigene Songs machen, sondern es war eine Art Teilnahmebedingung. Heute heißen diese Gestalten "Singer-Songwriter", damals waren es einfach Sänger, die eigene Musik machen wollten. Beeindruckend - heute schaffen es viele Kandidaten nicht einmal mehr selbstständig die Bodenmarkierung vor der DSDS-Jury zu finden ...
Allerdings gab es damals doch auch manche Entscheidungen, die man nicht verstehen konnte. Es gab nämlich dann auch noch beliebte Haus- und Hof-Schreiberlinge, die natürlich auch in irgendeiner Art und Weise befriedigt werden mussten. Und so gelangten dann auch ihre Lieder in diese Veranstaltungen und wurden den jungen Künstlern mit dem fröhlichen Motto "friss oder stirb" vorgesetzt. Und da gab es schon die eine oder andere "Krot" (dialektal für Kröte), die geschluckt werden musste ...



GOLDIE ENS

Lügen (Autor: unbekannt)

1972, nicht auf Schallplatte veröffentlicht


Die 1954 als Ursula Wratschko in Kapfenberg geborene Sängerin, besuchte die Handelsschule und studierte Musik in Salzburg. Bereits als Kind lernte sie zunächst Klavier und später Gitarre. Den Namen "Goldie" verpasste sie sich - in Anlehnung an Goldie Hawn - selbst. 1972 bewirbt sie sich bei dem von Ö3 und ORF initiierten bundesländerübergreifenden Talentwettbewerb "Show-Chance" und kommt bis ins Finale. Trotz eines eher eigenwilligen Songs erreicht sie Platz 5 und bekommt einen Plattenvertrag. Den Nachnamen "Ens" gibt es frei Haus dazu. 1973 erscheint ihre erste Single ("Meine Stadt"), mit Texten von Alfred Komarek. In weiterer Folge wird Lance Lumsden ihr Manager. Ihren Durchbruch erzielt sie 1974 mit der Single "Goodbye Joe". Fortan singt sie als eine der wenigen österreichischen Künstler(innen) nur noch englisch. Weitere erfolgreiche Titel waren "Tuesday" (1974), "Disco Baby" (1976, #18) und "Can I reach you" (1979).
Nachdem ein deutsches Album mit eigenen Texten nicht realisiert wurde, stieg sie Ende der 70er-Jahre aus dem Popgeschäft aus und ging nach Amerika. In den 80er-Jahren startete sie ein erfolgreiches Comeback in der damaligen Tschechoslowakei, wo sie mehrere Schallplatten veröffentlichte. Für ihr Album "This is my Love" (1983) erhielt sie sogar eine Goldene Schallplatte.
Goldie Ens, die heute Ursula Polster heißt, betreibt den "Wohnsalon P." im ersten Wiener Gemeindebezirk und steht noch gelegentlich als Einrichtungsberaterin im ORF vor der Kamera.


Glas zerbricht - war es nur Verseh'n?
Er sieht mich an, kann er versteh'n
Dass Zank und Streit keine Zukunft baut
Und deshalb nur die Trennung bleibt

Ich hab' versucht, tolerant zu sein
Doch einmal hab' auch ich genug
Einmal hab' auch ich genug
Die größte Liebe geht vorbei

Lügen zerstören was man Liebe nennt
Weil die Wahrheit immer siegen wird
Lügen zerstören was man Liebe nennt
Weil die Wahrheit immer siegen wird

Der Zug fährt ab
Und die Nacht umhüllt mein Sein
Die Frage bleibt
Ob ich ihm je verzeihen kann

Auch ich hab' Schuld, das muss ich eingesteh'n
Doch sicher liegt's nicht nur an mir
Wer Fehler macht, der zahlt dafür
Und wenn dabei das Glück zerbricht

Refrain


In diesem Fall verstehe ich ganz klar, warum es mir bis dato (nach über zehn Jahren!) nicht gelungen ist herauszufinden, wer für diesen Titel verantwortlich ist. Wäre ich die Person, ich würde alles daran setzen, dass das auch weiterhin so bleibt.
Also wer auf die Idee kommt, einer 17jährigen äußerst ansehnlichen jungen Frau so einen Titel zu verpassen wird sich mir vermutlich niemals erschließen. Zudem verdient der Song definitiv den ersten Preis in der Kategorie: "Sperrigste Refrain-Zeile aller Zeiten". 

Ihr habt aufgepasst? Es geht schon wieder um ein Beziehungsende! Wieder so ein Heini, der scheinbar mehrgleisig gefahren ist und dessen interner Spitzname vermutlich "Münchhausen" ist. Zudem hat er anscheinend nichts Besseres zu tun, als noch das gute alte Erbgeschirr zu zerdeppern, nur um über seine eigenen Fehltritte hinwegzutäuschen. 

Folgende Passage (ich habe übrigens aufgegeben herauszufinden, ob dieses Lied in irgendeiner Form ein Reimschema besitzt) finde ich übrigens besonders faszinierend:

Der Zug fährt ab 
Und die Nacht umhüllt mein Sein
Die Frage bleibt
Ob ich ihm je verzeihen kann

Dem Autor dieses Liedes kann man definitiv nicht verzeihen, dass die arme Goldie diesen Schmachtfetzen singen muss. Herzlichste Gratulation meinerseits, dass es so würdevoll schafft. Für den Autor hieß es hoffentlich auch: "Der Zug fährt ab" (nach Nirgendwo).



Das Goldie allerdings wirklich etwas (musikalisch) auf dem Kasten hat und zu recht als österreichische "Disco Queen" bezeichnet wurde, zeigen ihre späteren Titel, wie z. B. "Disco Baby". Hier beweist sie mit lebensbejahender Freude und Power, was so in ihr steckt. 
Für alle Zartbesaitete unter euch: Achtet nicht zu genau auf die Umgebung. Ich habe auch jedes Mal große Sorge, dass sie im schummrigen Kellergewölbe mit spärlicher Lichtzufuhr stolpert und rückwärts die Stiege runterfällt. (Spoiler: Es passiert zum Glück nichts!)

Dance, dance, dance, Disco Baby
Playing around at the Girls
Run, run, run, Disco Lover
I won't get caught in your Arms

You're Casanova
Oh Lady Killer
No time to Lover
Oh Casanova

Turn, turn, turn, Disco Baby
Sending Kisses away
Flash, flash, flash, Disco Baby
You can't win anyway

Refrain

Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn, burn, burn, burn, burn, you're a Liar
Burn your Lie
Burn your Lie
Burn

Fly, fly, fly, Disco Baby
Call me up every Day
Smile, smile, smile, Disco Baby
My Love won't change anyway

Refrain

You're a Liar, Baby
Keep on dancing, Baby
You're a Liar
You're a Liar
You're a Liar


Ab jetzt gibt's nur noch die Wahrheit, weil nur die Wahrheit siegen wird. Hoffen wir das Beste - auch für unsere Regierung ;)

# 135 - "Die Weckuhr" - Stefanie (1982)

Was gibt es Schöneres, als sanft und zärtlich aus dem Schlaf gerissen zu werden. Wenn einem noch ganz verträumt die letzten kleinen Sandkörnchen aus den lahmen Augen auf den heißen Toast kullern, den der oder die Liebste, bereits ans Bett serviert hat. Tja. Schöne Traumvorstellung! Die Realität sieht da ganz anders aus - ich erinnere nur an die sadistischen Aufweckmethoden von "Radio Luxemburg" oder Tana Schanzara.
Das auch wir in Österreich da die eine oder andere Lösung gefunden haben, den Langschläfern den Garaus zu machen, beweist der heutige "Start in den Tag".



STEFANIE 

A: Die Weckuhr (M: Stefanie Vyhnak / T: Richard Leonhard)
B: Es is a Wahnsinn (M: Stefanie Vyhnak / T: Richard Leonhard)

1982, Lion Baby, LB 3537
produziert von Peter Lossack


Stefanie wurde 1949 als Stefanie Vyhnak in Niederösterreich geboren. Solange sie sich erinnern kann, hat sie gesungen. Das äußerst musikalische Kind, das mit einer Naturstimme gesegnet war, die sie selbst als Geschenk bzw. eine Art inneren Ruf ansah, lernte Gitarre und Barockflöte, sang im Kirchenchor und tingelte bereits als 15-Jährige allabendlich mit verschiedenen Bands durch die Gegend. Im Anschluss daran wechselte sie allerdings ins Klassikfach und übte sich als Koloratursopran, ehe sie aber wieder der Popmusik zuwandte. Knapp anderthalb Jahre war sie Mitglied der vierköpfigen Damengruppe "Soul Magics", mit denen sie zahlreiche Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz absolvierten. 1969 übersiedelt sie schließlich für zwei Jahre nach Amerika, wo sie als "Claudia" vor allem Soul und Jazz sang. Um sich über Wasser zu halten, arbeitete sie nebenbei als Serviererin.
1971 frisch aus Amerika zurückgekehrt, wurde Erich Kleinschuster auf sie aufmerksam. Erste Studioaufnahmen mit der ORF-BigBand, den Madcaps, Art Farmer, André Heller und Gipsy Love folgten. 1972 beteiligt sie sich an der "Show-Chance", dem legendären Talentwettbewerb von ORF und Ö3. Leider wurde in diesem Jahr das Reglement geändert und alle Solisten mussten deutsch singen, weshalb ihre wahnsinnig starke Eigenkomposition "Truth" in eine kryptische deutsche Fassung ("Ich such' die Wahrheit") gebracht wird. Trotz allem kann sie diesen Wettbewerb für sich entscheiden und gewinnt. Zwischen 1972 und 1983 erscheinen zahlreiche Single in insgesamt vier Sprachen - Balladen, Pop, Disco, Schlager und Dialekt. Stefanie ist nur schwer in eine Schublade zu stecken - doch das, was ihr am meisten liegen würde, Blues, Soul und Jazz, wird leider nicht mit ihr für die Schallplatte produziert. Veröffentlichte Titel waren beispielsweise "Lies for Sale" (1972), "Der Toni von St. Anton" (1975), "Kleine Plauderei" (1975), "I'm falling in Love again" (1975), "Mister Disco" (1977), "Meine Herr'n gestatten" (1982) und "I möcht' nur an Kuss" (1983).

Darüber hinaus ist sie auch öfters auf der Bühne zu sehen, beispielsweise in der Ballett-Komödie "Der Bauer als Edelmann" (1973, Wiener Burgtheater), "Candide" (1976, Wiener Burgtheater), "Cyrano de Bergerac" (1976, Volkstheater Wien), "Mayflower" (1977, Theater an der Wien) und "Valerie" (1985, Wiener Festwochen).
Stefanie sagte stets, wenn ihr etwas nicht passte. Das waren viele "mächtige Herren" in dieser Zeit nicht gewohnt. Irgendwann hatte Stefanie genug von leeren Versprechen und den ewigen Machtspielchen und kehrte dem Musikbusiness den Rücken zu und suchte sich einen "ordentlichen" Brotberuf. Rund 20 Jahre lang war sie Straßenbahnfahrerin in Wien, bis sie aufgrund einer schweren Krebserkrankung aufhören musste. Ihre Lebensfreude hatte sie bis zuletzt. Ich denke noch immer mit großer Freude an das bewegende Treffen mit ihr im Sommer 2012, ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Sie starb im Januar 2013 im Alter von nur 63 Jahren.


Jetzt ist Sense mit'n Schnorchn
Olle miasst's jetzt auf mi horch'n
Auf mi horch'n, olle miasst's jetzt auf mi horch'n
Bei dem Ton von meina Glock'n
Haut's an jed'n aus de Sock'n
Aus de Sock'n, haut's an jed'n aus de Sock'n
Na bei mir zittert sogar der Luster am Plafond
Glaubt's vielleicht ihr kummt's bei mir so leicht davon?

Mir scheint's jetzt hot's eich, hot's eich, hot's eich, hot's eich oba g'riss'n?
Hot's eich g'riss'n, no hot's eich oba g'rissn'n?
Ja hot's euch, hot's euch vielleicht g'stört?
Hot's euch g'stört, hot's euch vielleicht wirklich g'stört?

Jo, hobt's mi, hobt's mi endlich überriss'n?
Überriss'n, endlich überriss'n
I bin de Weckuhr, i bin de Weckuhr
I bin de Weckuhr, de ihr olle so gern hörts

Auße aus da worman Hapf'n
Eine in die kolt'n Schlapf'n
In die Schlapf'n, eine in die kolt'n Schlapf'n
Ja gemma's an, es Arme, 
Gemma, gemma in die Firma
Griana is nimma, gemma, gemma in die Firma
Heute wird es garantiert a ries'n Show
Denn erst die Arbeit macht den Menschen froh

Refrain


Habt einen schönen Start in den Tag! ;)

# 134 - "Adieu" - Marika Lichter (1968)

Nein, keine Sorge. Ihr bekommt heute kein französisches Chanson zu hören - wir haben ja noch immer "österreichische Wochen" ;)
Dafür habe ich heute einen Titel von einer Österreicherin ausgegraben, die man heute immer noch kennt - allerdings nicht mehr in erster Linie nur als Sängerin.




MARIKA LICHER

A: Adieu (M: Jack Grunsky / T: Andreas Miriflor = André Heller)
B: Erinnerung (M: Robert Opratko / T: Andreas Miriflor = André Heller)

1968, Amadeo, AVRS 21 534


Marika Lichter wurde 1949 als Mariza Lichter in Wien als Kind eine Polen und einer Ungarin geboren. Bereits als Kind erhielt sie Klavier- und Tanzunterricht, ab dem 14. Lebensjahr auch Gesang. 
Bereits als Jugendliche wird sie Mitglied der "Les Sabres", die großteils jüdische Folklore singen und veröffentlicht 1966 eine EP ("Schalom Alechem"). 1969 belegt sie bei der "Show-Chance" von ORF und Ö3 mit "Adieu" den dritten Platz. Zwischen 1968 und 1971 veröffentlicht sie mehrere Singles (u. a. "Luciana", "Dann wird es wieder schön sein", "Tu nicht so", "Ich hab' einen Kummer" und "Ungeküsst"). Zudem vertritt sie in dieser Zeit auch Österreich bei Songfestivals in Rio de Janeiro, Caracas, Mexico und Athen sowie sang in Gerhard Bronners legendärem "Cabaret Fledermaus".

Nach ihrem Opergesangsdiplom stand sie in zahlreichen Operettenproduktionen im Wiener Raimundtheater auf der Bühne, u. a. in "Die Fledermaus" (als Adele), "Der Graf von Luxemburg", "Viktoria und ihr Husar" oder "Wiener Blut" (als Franzi). Weitere Engagements waren unter an dem "Mayflower" (1978, Theater an der Wien), "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1979, Theater an der Wien), "Les Misérables" (1988-1991, Raimundtheater), "Elisabeth" (1992, Tehater an der Wien), "Rebecca" (2007, Raimundtheater), "Non(n)sense" (2012-2013, Wiener Kammerspiele) und "Cabaret" (2019, New Stage Theatre Geislingen). Seit 2017 ist sie Intendantin des Musicalsommers Winzendorf.

Zudem gewann Marika Lichter 2005 die erste Staffel der ORF-Fernsehshow "Dancing Stars". Die 1991 gemeinsam mit Ingrid Windisch gegründete Künstleragentur trägt heute den Namen "Glanzlichter" und wird seit 1996 von ihr geführt. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie auch seit 1990 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Wider die Gewalt".


Du warst irgendwo, mit irgendwem
Das hat man mir erzählt
Du belügst mich und betrügst mich
Das hat man mir erzählt

Und jetzt sitzt du neben mir
In deinen Augen spielt das Licht
Und es gibt noch Illusionen
Bis das letzte Wort zerbricht

Adieu, mehr kann ich dir nicht sagen
Dein Weg läuft weit, so weit von mir
Adieu, ich kann mich nicht beklagen
Es war eine wunderbare Zeit

Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur
Das hast du mir erzählt
Und du wüsstest schon wie man Träume lebt
Das hast du mir erzählt

Refrain

Refrain

Adieu


Das war er: Einer der ersten Fernsehauftritte der damals 19-jährigen Marika Lichter. Als Komponist fungierte Jack Grunsky, den Text steuerte der damalige Ö3-Discjockey Andreas Miriflor bei, der sich bald als André Heller auch international einen Namen machte. 

Was gibt es groß zu sagen? Ein schönes Chanson mit anspruchsvollem Text und guter Musik. Ansprechend arrangiert und live - mit der ORF-BigBand - vorgetragen.

Der Text selbst hat (leider) auch heute noch Gültigkeit. Da erfährt man nichts Böses ahnend - da noch immer rosarot-bebrillt - von der Untreue des Geliebten "und jetzt sitzt du neben mir - in deinen Augen spielt das Licht - und es gibt noch Illusionen bis das letzte Wort zerbricht" (Wow! Das ist wirklich eine äußerst treffende Beschreibung für diesen speziellen (und leider auch extrem beschissenen) Zustand, in dem man sich in so einer Situation befindet. Doch unsere Protagonistin kriegt glücklicherweise noch rechtzeitig die Kurve und gibt der treulosen Tomate den Laufpass - wenn sie sich auch ein bisschen zu ehrfürchtig, nicht beklagen kann, schließlich "war es eine wunderbare Zeit".
"Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur" ist übrigens eine äußerst nonchalant-formulierte Umschreibung für: "Ich darf immer und mit so vielen anderen Frauen Sex haben wie ich will - und du bleibst bei mir und beschwerst dich nicht und idealerweise wäschst du auch meine Wäsche, kochst für mich und kommst meinen sexuellen Grundbedürfnissen nach. Und sag gefälligst "Danke", dass ich dich auserkoren habe."

Manche Dinge ändern sich wohl leider nie. Das habe ich auch gerade nach ein paar Kurzschnitten aus der aktuellsten Folge der "Bachelorette" gelernt. Diese Typen gibt es immer noch ... Adieu Mondieu! :/

Dienstag, 1. Dezember 2020

# 133 - "Ein Freund ging nach Amerika" - Musyl & Joseppa (1973)

Es gibt Tage, da überkommt einen das Fernweh. Da würde man am liebsten ganz weit weg, an einem fremden Ort sein. Gut - heute war eigentlich ein recht schöner, sonniger Tag. Wenn es -17 Grad hat, Nebel und der eisige Wind einem um die Ohren bläst, dann ist das "Träumen von Olivenbäumen" (oh weh, eine schreckliche Reminiszenz an einen früheren Blog-Eintrag!) definitiv realitätsnäher. Aber um ehrlich zu sein: Aktuell gibt es eh nicht wirklich einen anderen Ort, wo es so viel besser wäre ... zugegeben, die Karibik könnte ganz nett sein. Und dort gibt es sicher auch Masken, die gut zu Badehose und Bikini passen ;)



MUSYL & JOSEPPA

Ein Freund ging nach Amerika (M: Paul M. Musyl / T: Peter Rosegger)

1973, als Single und als Teil der LP "RoZZ" im Eigenverlag erschienen


Musyl & Joseppa bestand aus Paul M. Musyl (* 1946) und seiner Frau Joseppa (geboren als Ingrid Schleifer, 2015 verstorben). Die beiden lernten sich in den späten 60er-Jahre kennen. Obwohl beide aus Graz, verbrachte Joseppa den Großteil ihrer Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrer Familie in Afghanistan. Frisch nach Graz zurückgekehrt stieg sie mit ihrer Schwester Brigitte in Pauls Band "Pauli und wir" ein. Der Erfolg gab ihnen recht und sie traten im November 1969 sogar in legendären - von Peter Rapp moderierten - Jugendmusiksendung "Spotlight" auf.
Ab 1973 bildeten sie das Duo "Musyl & Joseppa", wobei sich Paul, Mathematik und virtuoser Gitarrist, ein wenig von der Bühne zurückzog und sich mehr auf das Komponieren konzentrierte. Im Fokus stand Joseppas ganz besondere Stimme. Gleich einer ihrer ersten Songs in dieser "Umbruchsphase" wurde zu einem heimlichen Hit - und dabei war es die Vertonung eines Gedichts von Peter Rosegger, "Ein Freund ging nach Amerika". In Eigenregie produzierten sie eine Single und das Album "RoZZ". Die 13.000 Singles verschenkten sie - vom Album wurden 1.000 Exemplare gepresst (Jahre später wurde es auch als CD wieder veröffentlicht). In den darauffolgenden Jahren folgen zwei weitere Alben: "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" (1981) und "Krach Ledernes" (1982).
1999 gewannen sie mit "No more War" den Peace Song Contest in Irland. Darüber hinaus sangen sie vor dem Papst und 100.000 Gläubigen sowie im Rahmen einer interreligiösen Meditation mit dem Dalai Lama. Die beiden prägten den Begriff "Weltmusik" im wörtlichsten Sinne, als er in unseren Breiten noch weitgehend unbekannt war. Bis 2010 betrieben sie (rund 30 Jahre lang) eine eigene Musikschule. Zuletzt arbeiteten sie gemeinsam an Joseppas erstem Solo-Album. Dies konnte nicht mehr fertiggestellt werden, da Joseppa nach kurzer schwerer Krankheit im März 2015 starb. Paul Musyl ist nach wie vor musikalisch tätig.

Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb vor einigen Lenzen
Schick mir Rosen aus Steiermark
Ich hab' eine Braut zu bekränzen

Und als vergangen war ein Jahr
Da kam ein Brieflein gelaufen
Schick mir Wasser aus Steiermark
Ich hab' ein Kindlein zu taufen

(Wiederholung)

Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund
Ach, noch was anderes haben
Schick mir Erde aus Steiermark
Muss Weib und Kind begraben

Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen

(Wiederholung)


Berührt. Nachdenklich. Gerührt. So bleibe ich zurück. Das Lied hat auch 47 Jahre nach ihrer Veröffentlichung nicht verloren. Und der Text Roseggers auch 140 (!) Jahre später ebenso wenig.

Montag, 30. November 2020

# 132 - "Deine Mama ist ein Wunder" - Barbara Stromberger (1974)

Ich sag es gleich vorweg: Ja, der Song wäre eigentlich für Muttertag passend, oder sagen wir mal so, ziemlich "aufg'legt" gewesen. Ich finde es aber deutlich spannender - wie ihr ja vermutlich bereits mitbekommen habt - nicht immer das zu tun, was von mir (oder allgemein) erwartet wird. In diesem Sinne passt das Lied ohnehin in unterschiedlichen Situationen vermutlich auch.




BARBARA STROMBERGER

Deine Mama ist ein Wunder (M & T: Barbara Stromberger)

1974, nicht auf Schallplatte veröffentlicht


Die 1948 in Kärnten geborene Barbara Stromberger, die mit 12 Jahren mit dem Gitarrespielen begann, absolvierte die Ausbildung zur Kindergärtnerin und betreute zwei Jahre lang geisteskranke Kinder in einem Heim. 1968 zieht sie nach Wien, besuchte die Akademie für angewandte Kunst und beginnt verstärkt auf Musik zu setzen. Das Studium brach sie ab, weil sie Geld verdienen musste und arbeitete wieder als Kindergärtnerin.
1970 beteiligt sie sich an dem von ORF und Ö3 initiierten Casting-Format, der "Show-Chance", die durch alle Bundesländer zog und ihr großes Finale im Herbst 1970 hatte. Obwohl sie mit dem Titel "Der Dreh" eher im hinteren Feld landete, erhielt sie einen Plattenvertrag. Dass sie damals - ohne vorherige Single-Produktion - mit einem Album in Deutschland (!) starten konnte, galt als Sensation.

Die Titel ihres ersten Albums waren allesamt Eigenkompositionen, die sie im Alter von 17 Jahren verfasste. Udo Jürgens äußerte dazu "Die Lieder von Barbara Stromberger sind bester Chanson-Stil. Ich beglückwünsche sie zu ihrer Phantasie und zu ihrem Mut, Themen aufzugreifen, die im deutschen Schlager sonst nicht üblich sind."
In den 70er-Jahren veröffentlicht Babara Stromberger drei Alben, von denen ich vor allem die Eigenkompositionen "Kleine Irre", "Vorsehung, Bestimmung oder Zufall?", "Ich bin frei", "Beeil' dich" und "Die gute, alte Zeit" hervorheben möchte. Beeindruckend ist ihre LP "Die zweite Zeit beginnt" von 1975, auf der sie u. a. bekannten Titeln von Neil Young, Joan Baez, Kenny Loggins, Carly Simon und Veronique Sanson ausdrucksstark in deutscher Sprache vertonte.

Barbara Stromberger ist bis heute musikalisch aktiv. Gemeinsam mit ihrem Sohn Jörg Pibal arbeitete sie beispielsweise an einer TV-Dokumentation über Hermann Hesse mit dem Titel "Name verpflichtet - Hermann Hesses Enkelin", der im August 2012 (anlässlich Hesses 100. Todestag) im ORF gezeigt wurde.

Deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm
Sie kann alles, sie weiß alles
Und im Falle eines Falles
Backt sie Brot aus einem Korn
Ja, deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm

Mama bügelt Hosenfalten
Die sich lange Zeit erhalten
Wäscht die Hemden weiß wie Kreide
Putzt die Spiegel nur mit Seide
Schont die Möbel, spart bei allem
Lässt die Bürste länger wallen
Macht der Welt den besten Kuchen
Staub wird man vergeblich suchen
Bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, ja

Refrain

Mama mixt selbst Marmeladen
Tötet Mäuse, Motten, Maden
Spart mit Strom und Lippenstift
Hält Konservenkost für Gift
Färbt und legt sich selbst das Haar
Sieht am Monatsschluss noch klar
Kleidet sich in Selfmade-Roben
Könnt' zur Not auch Sümpfe roden
Die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, ja

Refrain

Mama sitzt mir im Genick
Und du schaffst es mit Geschick
Mich durch sie davon zu jagen
Ich kann es nicht mehr ertragen
Dir dem Haushaltsgott zu dienen
Heute zweigen sich die Schienen
Denn ich geh' fort und lass dich da
Bei Mama
Denn deine Mama ist ein Wunder
Deine Mama ist enorm


Ich weiß, dass Barbara Stromberger heute mit einigen ihrer Frühwerken relativ hart ins Gericht zieht. Aufgrund ihrer künstlerischen Entwicklung kann ich das sehr gut nachempfinden - dennoch gehört sie zu den Künstlerinnen, die sich für ihr anfängliches musikalisches Schaffen definitiv nicht verstecken müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte sie ja die Möglichkeit, eigene Texte zu verfassen und so zumindest einen Teil ihres Inneren nach außen zu tragen. Wenn es auch heute - viele Jahre später - möglicherweise nicht mehr "ihre Welt" ist, verstehe ich das total. Allerdings waren ihre Texte damals authentisch und das unterscheidet sie von vielen musikalischen Sternchen und Eintagsfliegen, die ein bedeutungsschwanger-belangloses Lied nach dem anderen Trällern mussten, in der Hoffnung, dass es zumindest ein kommerzieller Erfolg wird. Hits im klassischen Sinn wurden die Lieder von Barbara Stromberger keine. Das hat manchmal auch Vorteile - so muss sie nicht seit 50 Jahren auf der Bühne die selben Titel singen.

Nun aber zu diesem Titel. Zuerst möchte ich auf die sprachlichen Aspekte eingehen. Barbara Stromberger verwendet eine äußerst bildhafte Sprache, die es schafft, mit wenigen Worten Alltagssituationen plastisch erlebbar zu machen. Viele Frauen kennen diese Situation und können es ihr bereits nach wenigen Sekunden nachfühlen, ja stärker noch, sich mit ihr identifizieren. Das Feindbild Schwiegermutter hängt wie ein Damoklesschwert über dem Ehebett und rüttelt permanent massiv am trauten Haussegen. 
Und die Schwiegertochter? Egal wie nett sie ist, wie sorgsam sie sich um Haus und Hof kümmert, wie gut sie kocht, wie gut sie die Kinder erzieht, wie erfolgreich sie im Beruf ist oder - besser noch - wie selbstlos sie ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Karriereplänen ihres Mannes nicht im Weg zu stehen, sie wird nichts richtig machen. Denn sie hat einen großen Fehler gemacht: Der Mutter das Liebste, den einen, den ihren Sohn, genommen. Unaufhaltsam entfacht nun ein Kampf, der seine Opfer sucht, bei dem man - als Schwiegertochter - eigentlich nur verlieren kann. Denn Sohnemann wird sich stets für das arme, sich stets schier endlos aufopfernde Mutterherz entscheiden.
Am Ende gibt es nur wenige Möglichkeiten: Mord (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Rest des Lebens hinter schwedischen Gardinen, pro: man muss sich keine Gedanken darüber machen, was man heute putzt oder kocht!), Auszug (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Mann leider auch) oder bleiben und ertragen (definitiv der schlimmste Zustand!). In letzterem Fall kann man nur auf die natürliche Selektion bauen und hoffen, dass der Drache bald eines natürlichen Todes dahinsiecht ... oder im Zweifel ein bisschen nachhelfen (ideal: Gifte, die sich nicht nachweisen lassen und Unfälle, die wie selbst verschuldet aussehen). Im Zweifel bitte Handschuhe tragen und Zeugen vermeiden!

# 131 - "Einmal" - Milestones (1969)

Ich habe euch bereits im April einen meiner Lieblingssongs (# 39 "Paul") vorgestellt - da wurde es höchste Zeit, noch einen weiteren Titel der Milestones heraus zu kramen. Die Entscheidung fiel tatsächlich sehr schwer, denn die Gruppe hat zwar nicht viele Songs veröffentlicht, aber dafür ist so gut wie jeder auf seine Art doch ein sehr besonderer.



MILESTONES

A: Einmal (M: Günter Grosslercher / T: Mathias Schreiber)
B: Der Rattenfänger (M: Günter Grosslercher / T: Alfred Komarek)

1970, WM, 5009


Günter Grosslercher (* 1945) und Robert Unterweger, zwei Mathematik-Studenten im vierten Semester an der TU Wien, musizierten gemeinsam und waren auf der Suche nach einer Sängerin. Mit Beatrix Neundlinger (* 1947), die sich damals im ersten Studienjahr befand, und Rudi Tinsobin wurden schließlich 1968 die "Milestones" gegründet.
Bereits im März 1969 nahmen sie an der von ORF und Ö3 initiierten Casting-Show "Show-Chance" teil, deren ursprüngliches Ziel tatsächlich war, einen geeigneten Kandidaten für den österreichischen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision (= Eurovision Song Contest) zu finden. Die Milestones landeten mit dem Titel "Einmal" auf dem zweiten Platz und qualifizierten sich für das große Finale, das gemeinsam mit den Fernsehanstalten von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mainz abgehalten war. Dort setzten sie sich gegen alle Konkurrenten durch und landeten auf dem ersten Platz.
Kurze Zeit darauf erschien die Single "Einmal" und die erste LP.

1972 gab es größere Umbesetzungen: neu waren Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer. In dieser Konstellation vertraten sie 1972 Österreich beim Grand Prix mit dem Titel "Falter im Wind" und belegten Platz 5. Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Besetzungswechsel.

Nach der Auflösung wechselten Grosslercher und Neundlinger zu den bereits arrivierten "Schmetterlingen", Niedermayer wechselte zu "Springtime" und Christian Kolonovits wurde zu einem bekannten Komponist und Arrangeur.

Weitere bekanntere Titel aus dem Schaffen der Milestones sind "Paul", "Apfelbaum", "In den neuen, besseren Zeiten" und "An diesem Freitag".


Einmal wird der Stein der Weisen weich
Einmal machen nur die Träume reich
Einmal wird der Schneemann König sein
Einmal fängt der Wind den Alltag ein

Dann wird es heißen - Klingeling
Die Welt ist nur ein Märchending
Mit einem schwarzen Nasenring

Wenn ein Hasenohr die Harfe spielt
Und ein Holzwurm auf das Eisen schielt
Wenn der Purzelbaum den Seiltanz probt
Und der Schlaue seine Dummheit lobt

Refrain

Einmal hängt die Erde fremd im Raum
Dumm wie eine Null am Schellenbaum
Einmal liegen alle Uhren schief
Einmal schreibt uns Adam einen Brief

Dann wird es heißen - schnick und schnack
Die Zeit ist nur ein Schabernack
Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Erst macht sie tik, dann macht sie tak



Das Video ist ein schönes Zeitdokument, zeigt es doch gerade diesen (ersten?) Live-Fernsehauftritt der Milestones im Finale der "Show-Chance". Moderator ist übrigens ein Ö3-Discjockey mit dem klingenden Namen "André Miriflor", aus dem später André Heller wurde.

Zugegeben: Dem geneigten Zuhörer wurde damals doch ein eher spezielles Werk aufgetischt, das zwar durch mehrstimmigen Schöngesang und ansprechendes Arrangement zu gefallen weiß, dessen Text aber definitiv als äußerst sperrig und speziell - vorsichtig ausgedrückt: dadaistisch - daherkommt.

Hat man den Wunsch, eine kohärente Geschichte zu erfahren, dann kommt man bei diesem Song nicht wirklich weit. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor damals so hundertprozentig eine Absicht in jeder Textzeile hatte, oder ob man einfach etwas Neues schaffen wollte (was ja per se nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss!).
In diesem Zusammenhang würde ich den ganzen Song als Fantasiegespinst über eine potentielle neue Weltordnung sehen, in der sich vor allem das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie Arm und Reich deutlich verschiebt ("Einmal machen nur die Träume reich - Einmal wird der Schneemann König sein").
Die zweite Strophe fällt da noch deutlicher aus dem Rahmen. Dennoch hier mein absoluter Textfavorit: "Und der Schlaue seine Dummheit lobt". Wie viel Wahrheit steckt doch in dieser Phrase ...

Und am Ende, tja, da kommt die große Erkenntnis: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? War alles nur Traum und Fantasie? Ist alles, worauf wir vertraut haben, vielleicht doch nur den kruden Gedankengängen eines anderen entsonnen und unserer eigene Existenz doch nicht so wichtig in der Geschichte der Menschheit oder des Planeten Erde? "Die Zeit ist nur ein Schabernack" - mehr bleibt mir in diesem Zusammenhang nicht zu sagen.

Sonntag, 29. November 2020

BONUS - "Sunday Morning" - Bertice Reading (1974)

Es ist wieder BONUS-Zeit!
Eigentlich bin ich mit diesem Song jetzt schon ziemlich spät dran, schließlich heißt er ja "Sunday Morning". Ich hätte ihn wirklich sehr gerne bereits in der Früh geposted, befand mich zu der Zeit aber noch im Reich der Träume. Dafür war aber die Nachtschicht zumindest nicht umsonst.

Einen großen Vorteil gibt es aber auch bei diesem Song: "Der nächste Sonntag kommt bestimmt" (das wusste bereits Tina York 1970. Ich würde euch empfehlen, nicht nach diesem Song zu googeln - außer ihr seid masochistisch veranlagt ...).




BERTICE READING

A: Sunday Morning (M: Danny Daniel / T: J. Jamison)
B: Lean on me (M: Danny Daniel / T: Bertice Reading)

1974, CBS, 2719


Über den Textautor konnte ich leider nichts herausfinden. Der Komponist hingegen ist der Spanier Danny Daniel, 1942 als Daniel Candón de la Campa geboren. Bekannt wurde er beispielsweise für Songs wie "This World today is a Mess" (Donna Hightower, 1973).

Bertice Reading (1933-1991) war eine amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Große Erfolge hatte sie bereits in den 50er-Jahren in den Revuen "The Jazz Train" in Paris und im Piccadilly Theatre in London. Großen Erfolg hatte sie im Theaterstück "Requiem for a Nun", das sie 1957 am Broadway spielte und ihr auch eine Nominierung für den Tony Award einbrachte. Sie spielte in zahlreichen Revuen und Musicals, z. B. "South Pacific" oder in der Musical-Verfilmung von "Little Shop of Horrors" (1986). Sie starb im Alter von 57 in London an einem Schlaganfall.

Sunday Morning, singin' a song
... marchin' along
There's a cabin, down by the sea
Danny is waitin' for me

Sunday Morning, gettin' up late
Feel the breeze it flow on my face
Love get ready, make yourself free
Danny is waitin' for me

Early in the morning when the sun rise
I can hardly way to see
Never been so happy, never been so pleased
Going ... to find my day

Sunday Morning, honey and tea
Bake and ... is good for me
Livin' can easy, feelin' so free
Danny is waitin' for me

Sunday Morning, look to the pie
Feelin' lovely, everything's fine
... is so lovely, feels like a dream
Danny is waitin' for me




Tja, so einen Mann wie Danny lässt man nur ungern warten. Und so eine Frau wie Bertice noch weniger! Der Auftritt stammt übrigens aus der spanischen Musiksendung "Senoras y Senores" von Januar 1975.
Und eines muss man Bertice definitiv lassen: Sie hat Spaß auf der Bühne und ist sich auch für keinen noch so flachen Gag zu schade. Die Frau hat definitiv Power und Persönlichkeit - und eine riesige Portion Humor. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute Frauen (oder auch Männer) geben würde, die nicht doch damit hadern würden, von einem Gabelstapler (!), den zwei Bohnenstangen-Hupfdohlen (!!) bedienen, hochgehoben werden. Und besagte Ladies (heute wären sie sicher prädestinierte Heulsusen-Zicken, die bereits in einer der ersten Folgen bei Germany's next Topmodel - tränenreich - ausscheiden würden) fordern Bertice anschließend noch zum offiziellen Wiegen ("The Biggest Looser" lässt grüßen) und müssen natürlich zeigen, dass eine Waage allein nicht ausreicht. Großartig, dass Bertice so viel Power hat, dass sie durch ihre Tanzeinlagen eine korrekte Messung vereitelt. 1:0!

Wenn man sich beispielsweise die drei Mädels mit Model-Figuren (deren optische Reize sehr niedrig einzustufen sind, vor allem von der rechten) in 1:38 ansieht, dann bestätigt sich wieder einmal, dass Persönlichkeit und Ausstrahlung keine Frage von Körpergewicht sind. Bertice beweist definitiv mehrfach in diesem Video wie viel Spaß und Energie sie hat und zeigt damit auch, wie sehr sie mit sich und ihrem Körper im Reinen ist.
Schade, dass man Bertice Reading im deutschsprachigen Raum ziemlich unbekannt ist - und, dass man leider so wenig Sachen von ihr online findet :(