Montag, 16. November 2020

# 122 - "Mutter, fahr' mal mit" - Steffi (1985)

Bevor ihr mich steinigt: Ja, ich weiß, dass Reisetipps momentan für niemanden hilfreich sind. Schon gar nicht, wenn man eine potentielle Hochrisikogruppe ("Mutter") gegen ihren Willen mit anstiften möchte. Aber ich bin ein zuversichtlicher und positiv (nicht corona, sondern) denkender Mensch und glaube, dass es irgendwann wieder möglich sein wird, abseits der eigenen vier Wände neue Destinationen kennenzulernen. Zugegeben: Ich habe bereits während Lockdown I Spinnweben in Ecken meiner Wohnung entdeckt, von deren Existenz ich zuvor niemals zu träumen gewagt hätte 😜 ... was für ein Satz!



STEFFI

A: Hipp-Hipp-Hurra (M & T: Edi Lagua)
B: Mutter, fahr' mal mit
 (M & T: Edi Lagua)


1985, Lagua Records, LA-85/1


Die biographischen Angaben kann ich heute relativ kurz halten. Es gibt nämlich keine. Weder zur Interpretin noch zum Autor.
Über Edi Lagua lässt sich nur sagen, dass sein Label "Lagua Records" von etwa 1970 bis Ende der 80er-Jahre existierte. Auf diesem Label veröffentlichten Interpreten mit so klingenden Namen wie Melinda, Meisenfloo, The Giants oder Tony Westen Songs.
Er trat auch als Komponist und Texter in Erscheinung, beispielsweise mit vielversprechenden Titeln wie "Monsieur Filou" (Franca, 1971), "Chicochi" (Rosi & Eddy, 1974) oder "Dein Blick kann Liebe sein" (Gudrun Simmon).


Na dann: gute Fahrt!

Am grünen Rand von (?)
Da kommt die kleine Stadt
Oho - aha
Die Spatzen pfeifen es vom Dach
Was sie für Reize hat, die kleine Stadt

Dort wo's die schönsten Mädchen gibt
Ja und ein Kesselbier
Das muss man seh'n, um zu versteh'n
Steig' ein und fahr mit mir
Mmh - oh - ah

Mutter, fahr' mal mit nach Oer-Erkenschwick
Da ist die Luft noch nicht so dick
Da gibts Ozon und keinen Mief
Ein Hoch und nie ein Tief

Mutter, trimm dich fit in Oer-Erkenschwick
Dann fühlst du dich wie Hans im Glück
Und stimmt der Tag ist noch reichlich Platz (?)
Dafür gibt's keinerlei Ersatz

Wir waren oft in Österreich auch Spanien ist ganz schön
Oho - aha
Bei (?) am Wattseestrand kannst du nackt baden geh'n
Doch suchst du mal was spitze ist, was je ein Auge sah
Die grüne Hand von Erkenschwick, was sonst, das ist doch klar
Mmh-oh-ah

Refrain

Refrain


Danke Steffi für diesen einzigartigen Freizeittipp! Ich muss gestehen, Oer-Erkenschwick stand bisher noch nicht auf meiner To-do-Liste! Diese verträumte Stadt in NRW (im romantischen Kreis Recklinghausen) hat eine Fläche von rund 40 km² und etwas mehr als 31.000 Einwohner.
Funfacts: bis 2005 lag der Wirtschaftsschwerpunkt der Stadt in der Fleischverarbeitung, seither setzt man auf eine andere Art von "Fleisch", nämlich im Freizeit- und Erlebnisbad "Stimbergpark". Zudem war der SpVgg Erkenschwick zwischen 1945 und 1955 einer der führendsten Fußballvereine Westdeutschlands.
Bekannte Persönlichkeiten, die mit Oer-Erkenschwick in irgendeiner Weise verbunden sind, sind beispielsweise der Schauspieler Leonardo DiCaprio, der in seiner Kindheit zeitweilig bei seinen Großeltern in Oer-Erkenschwick lebte, die Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali besuchte das Willy-Brandt-Gymnasium in Oer-Erkenschwick, Bodybuilder und Schauspieler Ralf Möller trainierte in den 80er- und 90er-Jahren in einem örtlichen Fitnessstudio und Sönke Wortmann spielte für den bereits erwähnten SpVgg Erkenschwick.

Steffi wurde sicherlich nach Veröffentlichung der vorliegenden Single zur Ehrenbürgerin ernannt. Leider lässt ihre Aussprache zwischenzeitlich doch recht zu wünschen übrig, weshalb einige regionale Spezifikationen in Form von Ortsnamen leider nicht vollständig korrekt wiedergegeben werden können.





Und wenn man sich diese Bilder dieser beeindruckenden Landschaft zu Gemüte führt ("und suchst du mal was spitze ist, was je ein Auge sah"), dann möchte man doch am liebsten sofort mit Sack und Pack die Reise nach Oer-Erkenschwick antreten und am besten gleich mal für ein halbes Jahr hier Station machen ... so viel blühende ... äh ... Landschaft und malerische ... äh ... Architektur ... und ... äh .. ja ... alles hier gibt! Schließlich pfeifen sogar die Spatzen bereits vom Dach, was für "Reize" (so kann man es natürlich auch sagen), diese Idylle bietet. Glücklicherweise wurde er bislang als touristischer Hotspot noch weitgehend ignoriert ... dieser Geheimtipp ist exklusiv für euch! 

Und es gibt auch schöne Mädchen ... und Kesselbier! Also bitte, was wollt ihr denn noch?
Gut ... so wie Österreich und Spanien ist es nicht, okay ... FKK-Strand gibt es auch keinen ... aber sonst gibt es echt ALLES, vor allem Luft! Die ist hier nämlich noch nicht so dick, obwohl es auch hier Ozon gibt! Aber keinen Mief. Nein, nein, nein! Mief ist out ... also quasi ... aus.

Wenn ihr auch wollt, dass sich eure Mutter wie "Hans im Glück" fühlt, dann verwöhnt sie doch mit einer abenteuerlichen Tour ins ferne Oer-Erkenschwick. Ihr werdet es sicher nicht bereuen und alle anderen, die nicht dabei waren und sich diesen Spaß entgehen ließen, werden sich - da es dafür keinerlei Ersatz gibt - bis an ihr Lebensende wie Rumpelstilzchen ärgern!

Bon voyage!

Sonntag, 15. November 2020

# 121 - "Adjutant of Love" - Chris Roberts & Ramona Wulf (1980)

2020 hat es definitiv in sich - in vielerlei Hinsicht. Und nun kam, was sich kaum verhindern ließ: Lockdown II. Allerdings für viele deutlich härter und gravierender als im März :/ ... 

Auch wenn ich mich dieses Mal nicht beschweren kann (und möchte) - im Unterschied zum Frühjahr darf ich aktuell arbeiten und das ist in momentan keine Selbstverständlichkeit! - so weiß ich doch, dass es für viele Menschen aktuell überhaupt keine einfache Zeit ist. Home-Office, Home-Schooling und Home-Beziehungsleben unter einen Hut zu bringen, erfordert viel Kraft, Energie und Geduld. Von Multitasking-Fähigkeiten möchte ich noch gar nicht sprechen. Und auch der psychische Druck darf nicht unterschätzt werden. Alltagssorgen und finanzielle (Existenz-)Ängste, maue Zukunftsperspektiven, fehlende Planungssicherung und das triste Novemberkleid verheißen gerade nicht viel Gutes.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, diesen Blog wieder zu reaktivieren, da ich doch immer wieder einige Zuschriften erhielt, dass sich einige Menschen daran erfreut haben. Und dass sie meine skurrile Musikauswahl, gepaart mit dem launigen Textgeplänkel, zumindest auf andere Gedanken und im Idealfall auch zum Lachen gebracht hat. Das ist zwar nicht viel, aber in Zeiten wie diesen kommt es auf jede Kleinigkeit an!

Ich weiß noch nicht, ob ich es täglich schaffen werde, einen Song zu posten, ich kann euch aber garantieren, das mein Vorrat noch schier uferlos ist und es zumindest daran nicht scheitern sollte! Haltet die Ohren steif und passt auf euch auf - und vor allem: Tut das, was euch gut tut und Freude bereitet.





CHRIS ROBERTS & ROMANA WULF

Adjutant of Love (M: Horst Hornung / T: Cedric Beatty & Chris Roberts)


1980, Jupiter Records, LP "Chris & Friends"
produziert von Chris Roberts


Ursprünglich wollte ich für meinen ersten Post nach der langen Pause einen ganz anderen Song auswählen, doch dann stolperte ich über dieses originelle Machwerk ... und dann gabs kein Halten mehr.

Chris Roberts (1944-2017) war einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Schlagersänger. Mit Songs wie "Die Maschen der Mädchen" (#8, 1969), "Ein Mädchen nach Maß" (#5, 1970), "Ich bin verliebt in die Liebe" (#3, 1970), "Mein Name ist Hase" (#10, 1971), "Hab' ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?" (#3, 1971), "Hab' Sonne im Herzen" (#9, 1972), "Du kannst nicht immer 17 sein" (#3, 1974), "Do you speak English?" (#14, 1976) oder "Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara?" (#11, 1977) belegte er wochenlang die deutschen Charts und kaum eine Musikshow oder Radiosendung kam ohne einen seiner Songs aus.
Bis zu seinem Tod trat er regelmäßig auf und veröffentlichte Songs. 

Englischsprachige Veröffentlichungen von ihm gibt es kaum. Kurioser Weise startete er aber 1967 mit "Baby's gone" seine Schallplattenkarriere (damals noch als Chris Robert). Für den australischen Markt veröffentlichte er 1974 eine englische Version von "Du kannst nicht immer 17 sein" ("Over and over"). Aus dem 1980 erschienen englischsprachigen Album "Chris & Friends" wurde die Single "Early Hours" ausgekoppelt.

Ramona Wulf (* 1954) war ab 1970 ein erfolgreiches Teenie-Idol und landete u. a. mit "Du - ich brauch was und das bist du" (# 35, 1970), "Alles was wir woll'n auf Erden" (#8, 1971) und "Lieber dich und kein Geld" (#34, 1972) Charterfolge. Nach einem Imagewechsel Mitte der 70er-Jahre landete sie als Mitglied der Gruppe Silver Convention einen Welthit ("Fly Robin fly") und vertrat in dieser Formation auch Deutschland beim Eurovision Song Contest. Ramona war mit Horst Hornung verheiratet, mit dem sie eine Tochter hat. Aus einer weiteren Ehe gehen zwei weitere Kinder hervor. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet seit 2010 als Heilpraktikerin.

Cedric Beatty arbeitete ab Mitte der 70er-Jahre mit Ralph Siegel und textete u. a. für Ramona Wulf, Antonia Rodriguez, Mustang und Norma Green.

Horst Hornung (* 1948) versuchte sich Anfang der 70er-Jahre selbst als Sänger, ehe er als Produzent und Autor größere Erfolge erzielen konnte. Er entdeckte u. a. Maggie Mae und Patricia Cramer und arbeitete für Penny McLean, Rex Gildo, Jürgen Drews oder Roy Black.




Seems to me you're hurt pretty bad
And to know he was only a liar
Times have changed, and the life that you led
Took away of your love desire

Oh oh, now I can see
You need an adjutant of love
(Ooh ooh ooh)
Oh, oh, now don't you see
I'll be your adjutant of love

Eins, zwei, drei, vier

(Help me, help me
I need an adjutant of love
Oh, I'm falling, I'm falling, falling
Be my adjutant of love)

I'll reach your heart like an open book
A Shakespearean comedy
But don't you fret, I'll leed you up off the hook
We'll rewrite this as a fantasy

Refrain

Eins, zwei, drei, vier

I'll be your cure
(You'll be my cure)
I'll be your cure
(You'll be my cure)
I'll be your adjutant of love


Was soll ich da noch groß sagen? So zärtlich wie Ramona ihrem "Adjutant of Love" "Help me" entgegen haucht, als ihr Chris souverän unter höchster Lebensgefahr seine Rettung anbietet. Da kann Ramona noch so lange fallen, er wird sie auffangen ... und "ihr Herz wie ein offenes Buch erreichen" (über die Qualität und Schmalzigkeit des Textes können wir gerne streiten!). Der Rest klingt tatsächlich wie aus einem Standard-Schundroman: Lügen, verletzte Gefühle, ein schwaches Frauenherz, Verwirrung und ein starkes Mannsbild. Als Cover hätte man durchaus auch ein gängiges "Highland"-Romanmotiv verwenden können. Ich glaube Frauen dieser Art freuen sich auch über jeden noch so dahergelaufenen Adjutanten, der sich ihnen in den Weg stellt und aus reiner Nächstenliebe sein Hemd zerreißt, um ihr voller aufrichtiger Liebesempfindung (#sarcasmoff) die gestählte Brust entgegenstreckt.
Hoffen wir, dass diese Rettung geglückt ist und Ramona nicht noch weiter "fällt", bevor die personifizierte Heilung eintritt. 
Der Song hat auf jeden Fall etwas und man würde niemals erwarten, dass dieser Typ, der da so lässig "I'll be your adjutant of love" tönt, tatsächlich Schlagerliebling Chris Roberts ist.

Ich hoffe, dass dieser Song heute eine echte "cure" ist und euch zumindest ein bisschen zum Schmunzeln oder Schunkeln angeregt hat. Ich warne euch gleich, dieser Song hat leider Ohrwurmqualität und wenn sich die eingängige Melodie erstmal breit gemacht hat, wird man sie so schnell nicht mehr los.

Wem wolltet ihr euch schon immer Mal als Adjutant vorstellen? Gibt es eigentlich ein Militär, das rein aus Liebe handelt? Gibt es als Steigerung vielleicht sogar den "Major of Passion" oder den "Soldier of Desire"? Wäre vermutlich weniger schrecklich, wenn statt der Säbel die Lenden glühen ... oh, ich schweife ab, Pardon! Ihr könnt diese Fragen ja in die kommende Woche mitnehmen. Ich mache derweil ein bisschen Training für die Brustmuskulatur, falls mir auf dem Weg zur Oper die eine oder andere holde Jungfer vor die Füße fällt ... man weiß ja nie ... schon gar nicht in den aktuellen Zeiten!

Sonntag, 2. August 2020

# 120 - "Herz und Verstand" - Die Huthmachers (1978)

Die leisen Töne sind es, die mich aktuell beschäftigen. Die, die meist überhört werden. Und doch gibt es aktuell kaum etwas, dass ich mir mehr wünschen würde, als das Herz und Verstand wieder mehr Einzug in unsere Gesellschaft finden würden ...



DIE HUTHMACHERS
Herz und Verstand (M & T: Dieter Huthmacher)

1978, Doppelfant, aus der LP "Lieder"


Die Huthmachers bestanden aus Karin Huthmacher, geb. Oehler (1950-2020) und Dieter Huthmacher (* 1947). Das Duo, das auch privat ein Paar war, formierte sich 1977 und trat bis zur Scheidung 1999 gemeinsam auf.

Im Juli 1977 traten sie im "Talentschuppen" und 1979 in Michael Schanzes Fernsehsendung "Michael Schanze präsentiert Nachwuchkünstler" auf.

Dieter Huthmacher nahm solistisch bereits 1974 ("Ich sing' jetzt nicht das Deutschlandlied") und 1976 ("Immer in Eile") Langspielplatten auf.
Zwischen 1978 und 1996 veröffentlichten sie gemeinsam mehrere Langspielplatten mit ihren eigenen Titeln.


Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Wenn keine Zeit mehr bleibt
Wenn keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Bleibt mir nur der Verstand
Bleibt mir nur der Verstand
Und nichts mehr, was ich liebe

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Dass, ich beides mir bewahr
Verstand und Herz sogar
Erfinde ich die Lüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Und bau' auf den Verstand
Und bau' auf den Verstand
Auf dass er mir genüge

Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle

Weil keine Zeit mehr bleibt
Weil keine Zeit mehr bleibt
Für ein paar Gefühle



Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Faszinierend wie wenig Worte man manchmal verwenden muss, um doch ganz viel auszusagen. Die wichtigste Botschaft steckt allerdings auf den leeren Zeilen dazwischen ... doch die finden leider nur die wenigsten.

# 119 - "Die Zeit" - Golem (1970)

Nach ein paar Tagen Abstinenz habt ihr euch hoffentlich von den skurrilen 80er-Hits der letzten Postings erholt und freut euch wieder auf leisere Töne. Heute stelle ich euch eine ganz besondere Rarität vor:




GOLEM
Die Zeit [The Time] (M: Peter Kutzer-Salm / dt. T: Georg Danzer)

1970, Rundfunkaufnahme (leider niemals auf Platte veröffentlicht)



Die Wiener Band Golem wurde Ende der 60er-Jahre von Peter "Piet" Kutzer-Salm (* 1946) in Wien gegründet. Weitere Mitglieder waren Horst "Flöti" Noibinger (* 1944), Martin Wolfer (1947-1999), Sylvia Sylt (bis 1970) und Karin Stranig (ab 1970). 1971 wurde die Gruppe um den Bassisten Peter Altrichter (* 1947) erweitert.
1970 versuchten sie ihr Glück bei der Vorausscheidung zur "Show-Chance" 1970, einem großen von ORF und Ö3 (rund um Rundfunk-Legende Evamaria Kaiser) initiierten Talentwettbewerb, kamen jedoch mit ihrem Titel im Wiener Dialekt nicht ins Finale, da die Jury meinte, dass man diese Art von Musik nicht wolle (den Bewerb hat übrigens ex äquo mit Eric, der ein englisches Lied sang, Marianne Mendt mit "Wie a Glock'n" gewonnen!).
Am 20. September 1970 traten sie mit ihrer Eigenkomposition "The Time" in Peter Rapps legendärer Musiksendung "Spotlight" auf - übrigens die allererste Sendung im ORF, die in Farbe ausgestrahlt wurde!

Golem spielt keine Lieder zum Mittanzen, sie machen Musik zum Zuhören. Mit ihrer Eigenkomposition "Your Time is over", die sie aus acht vorgegebenen Takten komponierten, errangen sie bei der "Show-Chance" 1971 den Sieg. Der Titel wurde später auch als Single veröffentlicht. 1973 folgte die EP "Rote Sonne Golgotha" mit Liedern zu Bildern des Künstlers Roland Litzenburger (1917-1987) unter der musikalischen Leitung von Gerhard Bronner. Bei der Produktion der geplanten Langspielplatte kam es allerdings zu Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, weshalb die gesamte Produktion von Bronner vernichtet wurde. Lediglich der Titel "Jonah saß im Wal" wurde von Bronner selbst mit Golem als (ungenannten) Begleitchor als Single veröffentlicht.

Nach dem Ausstieg von Martin Wolfer 1974 löste sich die Gruppe auf. 1975 gründete Kutzer gemeinsam mit Karin Stranig, Evamaria Kaiser und Ernst Kugler die Clowngruppe "KaiKuKaS", mit der sie nicht nur zahlreiche Auftritte absolvierten, sondern auch mehrere Tonträger veröffentlichten.

Die vorliegende Aufnahme "Die Zeit" ist die deutsche Version von "The Time". Der deutsche Text ist ein Frühwerk des jungen Georg Danzer (1946-2007), der nach zwei eher gefloppten Singles als Komponist und Texter für andere InterpretInnen tätig war.


Die Zeit deines Lebens
Ist so wie ein rotes Band
Das du hältst in deiner Hand
Halt' es fest und nütz' die Zeit

Und frag' nicht vergebens
Nach dem Rätsel dieser Welt
Deine Stunden sind gezählt
Halt' sie fest und nütz' die Zeit

Zeit ist ein Traum, ein Flug ohne Flügel
Sie läuft dahin, wie ein Pferd ohne Zügel
Zeit ist ein Haus mit offenen Türen
Durch das du gehst

Zeit zu vergessen, Zeit zu vergeben
Du hast wenig zum Leben
Und darum nütz' die Zeit
Deines Lebens
Sie gehört nur dir allein
Und für immer ist sie dein
Halt' sie fest und nütz' die Zeit

Refrain






Ein wahnsinnig poetischer Text von Georg Danzer, der auch 50 Jahre später nicht an Aktualität verloren hat. Und ich glaube, heute fühlt sich alles noch schnelllebiger an, als damals. Und eigentlich ist dem Ganzen nichts hinzuzufügen, oder? Wir alle haben jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung und die Chance, das Beste daraus zu machen. Manchmal gelingt es uns, häufig aber so überhaupt nicht. An sich ist das auch überhaupt kein Problem, allerdings weiß leider keiner von uns, wann der Sand in unserer Sanduhr durchgelaufen ist. Denken wir in diesem Moment dann an das, was schön war oder an das, was wir ver(ab)säumt, falsch gemacht, nicht gesagt haben?

"Am Grab der meisten Menschen trauert - tief verschleiert - ihr ungelebtes Leben." (Georg Jellinek, 1851-1911)

Dienstag, 28. Juli 2020

# 118 - "Sternenland" - Mara (1983)

Nachdem es langsam spät wird und die Sonne bereits vor einiger Zeit untergegangen ist, wollte ich den Tag gern thematisch passend abschließen:



MARA
A: Sternenland (M: Joachim Heider / T: Norbert Hammerschmidt)
B: Stell' dir vor (M: Michael Langer Hauch / T: Michael Kunze)
Roland Kaiser
April 1983, Polydor, 810 963-7


Norbert Hammerschmidt, 1944 in Dortmund geboren, begann sich Anfang der 70er-Jahre als Texter einen Namen zu machen. Bekannte Titel von ihm sind beispielsweise "Was macht der Hund auf dem Sofa?" (Nighttrain, 1978), "Hey Josephine, leg' dich doch hin" (Bert Beel, 1978), "Captain Starlight" (Frank Zander, 1979), "Raus aus den Klamotten" (Benny, 1979), "Wenn die Peitsche knallt" (Sunday, 1979), "Du weinst um ihn" (Thomas Anders, 1980) sowie "Santa Maria" (1980), "Lieb' mich ein letztes Mal" (1981), "Dich zu lieben" (1981), "Manchmal möchte ich schon mit dir" (1982) und "Joana" (1984) für Roland Kaiser.

Mara wurde 1953 als Margarita Fnoucek in Wien geboren und wuchs im niederösterreichischen Himberg auf. Ihren Job als Bodenstewardess bei Austrian Airlines verlor sie, nachdem sie einem Gesangskollegen einen Gefallen tat, indem sie sein Übergepäck nicht berechnete.
Margarita bewarb sich beim Österreichischen Rundfunk und wurde eingeladen, 1974 an der "Show-Chance" teilzunehmen, einer österreichweit initiierten Casting-Show von ORF und Ö3, die bereits Talente wie Wilfried, Marianne Mendt, Heinrich Walcher, Waterloo & Robinson oder Peter Cornelius hervorgebracht hatte. Für diesen Bewerb schrieb sie den Titel "Fremde Liebe", eine Hommage an Oskar Werner, den sie sehr verehrte. Als die geplante Schallplattenproduktion nicht zustande kam, verließ sie Wien und ging nach München. 1976 wirkte sie bei der deutschsprachigen szenischen Erstaufführung des Bernstein-Musicals "Candide" in der Wiener Stadthalle mit.
1983 erhielt sie die Möglichkeit am Vorentscheid für den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest teilzunehmen. "Sternenland" landete allerdings nur auf Rang 9. Nachdem ihr Ehemann ihre Karrierewünsche nicht unterstützte (und sie vor ein Ultimatum stellte), hängte sie die Musik an den Nagel. 
Nach dem Tod ihres Mannes fühlte sie sich zu alt für eine große Karriere als Sängerin. Als Quereinsteigerin ging sie 1997 in die PR- und Medienbranche. 2004 gründete sie die Schauspiel-Agentur "Actors & Talents, die sie auch heute noch erfolgreich betreibt.

Einem breiten Publikum müsste aber zumindest ihre Stimme bekannt vorkommen. Seit den 90er-Jahren ist sie eine gefragte Synchronsprecherin. So ist sie z. B. die Stimme der Luna in "Sailor Moon" (sie sang auch eine Vielzahl der Lieder in dieser Serie), Bonnie Swanson in "Family Guy", Linda in "Futurama" sowie zahlreichen Episoden der Simpsons.


Jetzt aber zu diesem galaktischen Titel, der immerhin thematisch gut zu ihrer späteren "Zeichentrick-Karriere" passt ;)

Bin ich nur ein Traum?
Und gar nicht wirklich da?
Schließ' deine Augen
Dann werd' ich bei dir sein

Bist du auf Empfang
Dann erzähl' ich dir
Von einem Land im fernen All
Wohin ich dich entführ'

Fühlst du dich allein?
Gib' mir deine Hand
Und halt' dich fest
Ich bring dich fort
Du wirst strahlend helle Sterne seh'n
Die niemals untergeh'n

In meinem Sternenland
Fernen Land
Wirst du nie mehr einsam sein
Komm mit mir 
Diese Tür
Führt ins Paradies hinein

Das Land, das Liebe heißt, so fern und nah
Mein Sternenland macht dir ein Märchen wahr

Viele Jahre lang
Seh' ich dir schon zu
Wie viel von euch
Auf eurem Stern
Sind einsam so wie du?

Wenn du träumen kannst
Wirst du mit mir geh'n
Lichtjahre weit
Durch Galaxien
Und mit mir all die Wunder seh'n
Die nur bei uns gescheh'n

Refrain




Liebenswerter kann eine Entführung von Außerirdischen gar nicht klingen, oder? Bekommt man da nicht auch Lust auf einen Road Trip auf der Milchstraße mit anschließendem Chill-out in den Jupiter-Ringen? Was, nicht? Okay zugegeben, die Outfits sehen nicht wirklich spacig aus. Wirken eher wie Jogginganzüge, Overalls und Onesies, die mit ein paar Sternen beklebt wurden. Allerdings sind solche Outfits heute der letzte Schrei. Selbst Dauerwellen kommen wieder! Ich wette, Mara würde heute mit dem Outfit beim Vorentscheid für den ESC mindestens eine genauso gute Figur machen wie damals. 
Definitiv Pluspunkte gibt es für das tolle Arrangement, die Streicher hauen richtig rein, hier hat man neben thematisch-passenden Synthisizern glücklicherweise auch auf "solide und echte" Töne gesetzt ;)

Viel Spaß auf der Tour durchs Sternenland!

# 117 - "Hallo Taxi" - Anja Krenz (1987)

Alle jene, die hin und wieder auf diesem Blog vorbeischauen, um sich die tägliche Dröhnung spezieller Musik zu geben, kennen bereits mein großes Faible für (skurrile) deutsche Coverversionen internationaler Hits.

Heute habe ich ein ziemlich unbekanntes Cover ausgegraben:



ANJA KRENZ
A: Hallo Taxi [Joe le Taxi - Vanessa Paradis] (M: Alain Langolff / dt. T: Michael Reincke)
B: So wie es einmal war (M: Michael Langer Hauch / T: Anja Krenz & Michael Reincke)

1987, Transparent, 109657-100


Michael "Michy" Reincke, 1959 in Hamburg geboren, macht sich seit den 90er-Jahren auch als Solosänger einen Namen. Bereits Anfang der 80er-Jahre war er Mitglied der Gruppen Scarlet Lilac und Felix de Luxe, für die er auch Songs schrieb (u. a. "Wo seid ihr?", "Taxi nach Paris", "Hinein ins wilde pralle Leben" und "Blonder Clown"). Sein aktuell letztes Album erschien 2018 ("?!").

Die Hamburgerin Anja Krenz war bereits als Kind musikaffin. Später stand die ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau nicht nur als Sängerin auf vielen Bühnen, sondern auch vor dem Studiomikrofon. Sie war Mitglied verschiedener Formationen, wie z. B. "Chanson Bleu", "Die Sirenen",  "Dis Noir" und "Susi's Schlagersextett".
Nach mehreren Jahren als Moderatorin bei einem Privatradiosender und als Redakteurin bei einem Schulbuchverlag, war sie bis 2017 Verkehrsmoderatorin bei NDR 90,3. Im selben Jahr machte sie ihre Berufung zum Beruf und ist seither als "Die Marmeladenköchin" bekannt.



Hallo!
- Hallo! Wohin geht's?

Hallo Taxi, komm, fahr' mit mir fort

Dort wo ich sein mag, jagt man dem Mond nach
Die Sehnsucht ist mein Chauffeur
Komm und fahr', fahr' in jede Bar

Es ist schön, niemand führt Regie

Ich vergess' ...
Die Liebe ist so wie die Rumba

Man tanzt sie auch anderswo

Hallo Taxi, c'est la Vie
So wie im Kino schau' ich nur zu
Ich bin so nah und weiß nicht wo

Ich vergess' ...
Liebe kennt kein Lexikon
Sie ist so nah
Und läuft so oft vor mir davon

Es ist so ...
Es ist so ...
Ich hab' Chance
Mein Herz ist ein Akkordeon

Hallo Taxi, sei bitte so nett
Hallo Taxi, bring' mich nicht zu Bett

Refrain

Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt nie
Hallo Taxi, die Uhr klick-klackt nie
Hallo Taxi, die Uhr tick-tackt mir





So, das ist ja jetzt ein philosophischer Text, oder? Sinnfragen im Taxi, auf dem Wag nach Nicht-Zuhause. Überall sonst ist okay, auch wenn die Uhr bereits "tick-tackt". Bis auf "Taxi", "c'est la Vie" und "Rumba" erkenne ich allerdings wenig Gemeinsamkeiten mit dem Original. Zugegeben, meine Französisch-Sprachkenntnisse sind äußerst bescheiden. 
Der Song handelt original von einem portugiesischen Taxifahrer namens Joe, der wegen der Estado Novo nach Frankreich geflohen war und nun in Paris arbeitet. Joe kennt alle wichtigen Orte und Bars der Stadt, trinkt gerne Rum, liebt lateinamerikanische Musik und besitzt ein Saxophon.

Für Anja Krenz wurde es leider kein Hit. Das Original von der damals 15jährigen Vanessa Paradis hingegen erreichte gute Charterfolge: #1 in Frankreich, #3 in England und #8 in Deutschland. Jüngeren wird sie eher durch ihre Beziehung mit dem Schauspieler Johnny Depp bekannt sein, mit dem sie zwei Kinder hat.
Ob ihr Herz auch "ein Akkordeon" ist? Naja ... "Liebe kennt kein Lexikon" und Fantasie demzufolge kein Wörterbuch.



Ich hoffe das Lied bereitet euch Freude, wenn ihr das nächste Mal in ein ... cha-cha-cha ... Taxi einsteigt und nicht wisst, wohin ihr fahren sollt ... 

# 116 - "Ab und los" - Markus (1983)

Die NDW (= Neue Deutsche Welle) hat definitiv einige interessante Künstler hervorgebracht. Bekannteste Gesichter waren zweifellos Nena, Trio, DÖF und Ideal. Dennoch bewies gerade diese musikalische Bewegung, dass Charakter, Message und Performance in vielerlei Hinsicht mindestens genauso wichtig sind, wie musikalisches Können (wenn nicht sogar teilweise sogar am wichtigsten). Einige haben sich wacker gehalten, manche sind ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwunden.



MARKUS
A: Ab und los (M: Axel Klopprogge & Ken Taylor / T: Axel Kloprogge & Markus Mörl)
B: Knallhart im Schlaraffenland (M: Axel Klopprogge & Lothar Krell / T: Axel Klopprogge)

1983, CBS, A 3674
produziert von Axel Klopprogge



Axel Klopprogge (* 1956) schrieb neben Markus' Erfolgstiteln u. a. "Jet Set Ficker" (Straßenjungs, 1981), "Highdelbeeren" (Wilfried, 1981) und "Opportunity" (Toyko, 1985).

Markus wurde 1959 als Markus Mörl geboren, er startete seine musikalische Laufbahn als Gitarrist der Band "Nylon Euter", die 1982 ein Album inklusive einer Single-Auskoppelung auf den Markt brachten. Im gleichen Jahr begann seine Solokarriere mit dem Album "Kugelblitze und Raketen" (#26). Die ausgekoppelte Single "Ich will Spaß" hielt sich 24 Wochen in den Charts und landete sogar auf #1. Weitere Titel von ihm waren "Schön sind wir sowieso" (#39) und "Kling, Klang, Schicksalsmelodie". Zu einem größeren Erfolg wurde "Kleine Taschenlampe brenn'" (#5), aus dem Kinofilm "Gib Gas - Ich will Spaß", in dem Markus die Hauptrolle spielte. Im Film sang er es gemeinsam mit Nena, im Studio und bei Live-Auftritten stammt der weibliche Part von Andrea-Maria Schneider (ehemaliges Mitglied der "Cinderellas").
Als die Neue Deutsche Welle abebbte, gründete er 1985 die Band T.X.T. Ihr Song "Girl's got a brand new Toy" landete auf #4 der italienischen Charts. Seine letzte Chartnotierung in den deutschen Charts war 1992 mit "1000 Kerzen werden brennen" (#79).

In den letzten Jahren fiel Markus eher als Teilnehmer von Reality-TV-Formaten in Erscheinung, z. B. 2004 in der "Comebackshow" (Prosieben), 2017 in "Das Sommerhaus der Stars - Kampf der Promipaare" (RTL) und durch die Live-Übertragung seiner Hochzeit am 11. Juli 2020 auf RTL II.

Mit "Ab und los" zeigt Markus auf jeden Fall ... ja ... ähm ... was eigentlich?


Vollmond über New York, Vollmond tief in mir
Die Venus trifft Aquarius und ich treff' mich mit dir
Ich renn' in mein Zimmer, die Wände auf und ab
Mein Whiskeyglas schon lange leer, mein Fuß macht tap, tap, tap

Wo bleib'n nur die Babys?
Wo sind meine Friends?
Da donnert's endlich vor der Tür
Da tönt es im Quartett

Und die Kumpels rufen
Ab, ab, ab und los
Komm raus, komm raus, komm raus
Ab, ab, ab und los
Komm raus, komm raus, komm raus

Trommeln aus der U-Bahn, der Master gibt Signal
Dein babyblauer Caddy stoppt erstmal am Kanal
Und aus allen Ecken klettern groovy Freaks
Die Hände klatschen laut im Beat, die Haare fliegen mit

Rhythmus aus der Müllbox
Party in der Bronx
Du beißt mir in mein weißes Ohr
Ich bin heut' Nacht dein Hans

Refrain
Hallelujah

Voodoo bei McDonalds, ich tanz' mit Tablett
Der Soul ist gut, die Stadt dreht durch, wir sind echt gut drauf
Unter deinen Stöckeln kocht schon der Asphalt
Die Bassdrum nimmt uns beide mit
Und du sagst niemals "Halt"





Uff ... ich weiß nicht, welche Substanzen damals im Spiel waren, als dieser Titel entstand, aber Markus und New York haben weder heute noch damals viel gemeinsam. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass Markus sehr viele Talente hat - aber musikalisch ist da doch einiges im Argen. Vor allem wenn man sich Live-Auftritte von ihm aus dieser Zeit anhört.
Faszinierend was alles so bei Vollmond in New York passiert. Wie allerdings "Vollmond tief in mir" aussieht, weiß ich nicht: Weißes Leuchten in der Birne? Keine Ahnung. So ganz kann ich seinen Ausführungen aber nicht folgen. Ich dachte, er fiebert einem Treffen mit seiner heißen Biene entgegen und freut sich dann aber, als seine Kumpels zu einer kleinen Sauftour vorbeikommen und sie gemeinsam die Stadt unsicher machen?

"Trommeln aus der U-Bahn, der Master gibt Signal
Dein babyblauer Caddy stoppt erstmal am Kanal
Und aus allen Ecken klettern groovy Freaks
Die Hände klatschen laut im Beat, die Haare fliegen mit"

Das klingt wie ein schlechter Entwurf für ein Michael-Jackson-Musikvideo, der sehr schnell wieder verworfen wurde. Wenn ich mir dieses Szenario - zugegebenermaßen - tatsächlich ganz gut vorstellen kann. Allerdings eher in Castrop-Rauxel, als in der US-Metropole.
"Rhythmus aus der Müllbox", ja bei so einer heißen Partyeinladung (in die Bronx!!!) kann wirklich keiner widerstehen. Noch dazu, wenn sich Markus für sie extra noch zum "Hans" macht - allerdings nur für "heut' Nacht". Am Morgen nach dem ONS bleibt wohl nur der Abdruck seines Körpers im Bettlaken neben ihr zurück und sie wird sich ihr Leben lang fragen, was wohl aus "Hans" geworden ist. Sollten die beiden nicht aufgepasst haben, ist es auch eine schöne Story für das bald darauf geborene Baby. Fast wie im schlechten Film.

Okay. Im letzten Refrainteil steige ich wirklich aus - "Das halt' ich im Kopf nicht aus", würde mir wohl Maggie Mae zurufen. "Voodoo bei McDonalds". Bei solchen Praktiken fehlen mir wirklich die Worte. Aber gut, nachdem eh die ganze Stadt durchdreht und unter den Schuhsohlen bereits der Asphalt kocht, klingt das für mich eindeutig nach Apokalypse und dem Ende der Welt. Dann macht alles Sinn. Allerdings würde ich persönlich es begrüßen, wenn irgendjemand rechtzeitig noch "Halt" sagen würde.

Bonuspunkte erwirkt sich Markus, der seinen Körper ordentlich gestählt hat. Möglicherweise um die Hupfdohlen, die ihm bei diesem Auftritt zur Seite gestellt wurden, zu becircen. 
Bei seinem Auftritt (0:07) erweckt es fast den Eindruck, als wäre er noch gar nicht bereit für die Performance gewesen. Er sieht so aus, als wäre er gerade von der Couch aufgestanden, um den Chips- und Biervorrat für den bevorstehenden Fernsehabend aufzufüllen. Aber halt, die Rechnung nicht mit Markus gemacht! Denn in Sekundenschnelle holt er zu einem Rundumschlag aus und wechselt in den Party-Mode (0:10). Bei diesen Moves kann selbst Aerobic-Ikone Sydne Rome einpacken!

Viel Spaß beim Nachturnen!

P.s.: Die B-Seite "Knallhart im Schlaraffenland" ist - auch wenn es so vielversprechend klingt - leider nicht der Soundtrack zu einem heißen Pornostreifen Güteklasse A.