Sonntag, 7. Juni 2020

# 80 - "Wassermann und Fisch" - France Gall (1970)

Habt ihr in letzter Zeit auch öfter euer Hor(r)o(r)skop gelesen? Glaubt ihr überhaupt daran? Astrologie ist ja definitiv ein spannendes Feld - der deutsche Schlager hat sich damit bereits in den frühesten 70ern auseinandergesetzt! 

NACHTRAG FÜR SAMSTAG




FRANCE GALL
A: Wassermann und Fisch (M & T: Hans Blum)
B: Kilimandscharo (M: Christian Bruhn / T: Georg Buschor)

1970, Decca, D 29 028



France Gall wurde 1947 als Isabelle Geneviève Marie Anne Gall in Paris in eine musikalische Familie geboren geboren. Ihr Vater schrieb Chansons für Charles Aznavour und Édith Piaf. Mit Unterstützung ihrer Eltern brach sie mit 15 die Schule ab und nahm erste Lieder auf.
Ihr Karrierestart im Alter von 17 Jahren war der Sieg beim Grand Prix Eurovision 1965 als Vertreterin Luxemburgs mit dem Titel "Poupée de cire, Poupée de son" von Serge Gainsbourg. 1966 verließ sie Frankreich und ging nach Deutschland, um dort bis 1972 in deutscher Sprache zu singen. France Gall äußerte sich später, dass die Zeit in Deutschland nicht die schönste in ihrem Leben war und sie mit den Schlagern, die sie singen musste, nicht sehr zufrieden war. 
France Gall wollte nicht mehr das "kleine Mädchen" sein und anspruchsvollere Musik machen. 1973 hörte sie ein Lied von Michel Berger im Radio, das sie extrem begeisterte. Wenn Berger nicht Lieder für sie geschrieben hätte, äußerte sie, hätte sie nie wieder gesungen. Die beiden wurden ein Paar, heirateten 1976 und bekamen zwei Kinder.
Ende der 80er-Jahre feierte France Gall mit "Babacar" und "Ella elle l'a" ein fulminantes Comeback. Letztere war 1988 die fünftmeistverkaufte Single in Detuschland.

Nach dem Herzinfarkttod ihres Mannes erkrankte sie 1993 an Brustkrebs. Ihr letztes Studioalbum brachte sie 1995 auf den Markt. 1997 starb ihre 19jährige Tochter Pauline an Mukoviszidose. Danach zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Sie starb im Januar 2018, nach erneut ausgebrochener Brustkrebserkrankung.

Claude Francois schrieb 1966 das Lied "For you", in dem er seine gescheiterte Beziehung mit France Gall musikalisch verarbeitete. Dieses Lied wurde später zu einem Welterfolg - als "My Way" in der Fassung von Frank Sinatra.

Ihre erfolgreichsten deutschen Titel waren "A Banda" (1967, #16), "Computer Nr. 3" (1968, #24), "Merci, Herr Marquis" (1968, #39), "Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" (1969, #14) und "Links vom Rhein, rechts vom Rhein" (1969, #32).


Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum gab es bei uns gar keine Probleme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum war bei uns die Liebe immer frisch

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und das war immer für mich das Angenehme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum war bei uns die Liebe immer frisch

Am Sonntag war'n wir im Café
Dort lagen Illustrierte rum
Wir fanden unser Horoksop
Da wurden wir ganz plötzlich stumm

Da stand es schwarz und weiß
Uns wurd' es kalt und heiß

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und wir passen überhaupt gar nicht zusammen
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Und laut Horoskop fällt Liebe unter'n Tisch

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum soll ich für ihn gar nicht mehr entflammen
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Uns're Liebe aber fällt nicht unter'n Tisch

Im Horoskop da steht so oft
Mit wem man glücklich wird
Und wenn man liest und glaubt und hofft
Hat man sich oft geirrt

Was kann denn ich dafür?
Ich liebe keinen Stier

Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum gibt es bei uns gar keine Probleme
Er ist Wassermann und ich bin Fisch
Darum bleibt bei uns die Liebe immer frisch
Er ist Wassermann und ich bin Fisch







Leider muss ich euch jetzt beichten, dass France Gall gelogen hat! Ihr Sternzeichen ist nämlich gar nicht Fisch, sondern Waage. "Abör das isd jah überaubt nischt die Fragööö"!
Und darauf reimt sich auch nicht so schön, dass die "Liebe immer frisch ist" ...
Letztendlich hat die Illustrierte - pardon das Horoskop darin - aber glücklicherweise die Beziehung der Beiden nicht zerstört. Immerhin fühlen sich ja Wassermann und Fisch (zumindest dem Namen nach, denn Wassermann ist ja ein Luftzeichen) im Wasser wohl ... und solange die Liebe (im Café?) nicht unter'n Tisch fällt, ist ja alles gut.
Ich werde jetzt auch mal wieder einen Blick ins Horoskop werfen und bin gespannt, ob mir dargebracht wird, für welches Sternzeichen mein Herz künftig entflammen sollte ;)

# 79 - "Hey, Mr. Möbelmann" - David Garrick (1967)

Der folgende Titel ist all jenen gewidmet, die sich in Corona-Zeiten mit Umzugsthematiken auseinandersetzen mussten.




NACHTRAG FÜR FREITAG

DAVID GARRICK
A: Hey, Mr. Möbelmann [Please, Mr. Moving Man] (M: Phil Barr & Billy Meshel / dt. T: Carl-Heinz Blecher)
B: Zeig' den ander'n nicht dein Herz [A broken Heart] (M: Alan Tew / dt. T: Tobby Lüth)

1967, PYE Records, HT 300098 


David Garrick wurde 1945 als Philipp Darrell Core in Liverpool geboren. Nachdem seine Stimme bereits im Kirchenchor seiner Heimatgemeinde positiv auffiel, besuchte er nach Abschluss seiner Schulzeit das Konservatorium, um sich als Opernsänger ausbilden zu lassen. Seine Karriere als Popsänger begann eigentlich durch eine Wette mit Freunden in einem Club in London. Nachdem seine Karriere Anfang der 70er-Jahre stagnierte, verbrachte er einige Jahre in Südafrika und Ägypten. In den 90er-Jahren versuchte er ein Comeback. Er starb 2013.

Seine erfolgreichsten Titel waren "Lady Jane" (1966, #28 UK), "Dear Mrs. Applebee" (1967, #1 DE, #3 AUT, #22 UK), "Please Mr. Movingman" (1967, #25 DE) und "Don't go out into the Rain" (1968, #26 DE). Er veröffentlichte drei Singles in deutscher Sprache.

Sein Künstlername ist eine Hommage an den bedeutendsten britischen Schauspieler des 18. Jahrhunderts.


Nun aber zum Song:

Hey, Mr. Möbelmann
Lass die Möbel nebenan
Und lass mein Baby hier bei mir
Hilfe, Hilfe

Das darf doch nie gescheh'n
Dass uns're Nachbarn geh'n
Und ich kann mein Girl nicht mehr seh'n
Hilfe, Hilfe

Sieh das Herz am Haustor
Wo sie schwor, das sie geht, kommt nie vor
Unser ganzes Glück, oh nein
Pack' es nicht in Kisten ein
Lass hier all das Gepäck
Und fahr' einfach weg

Refrain






"Hilfe Hilfe" kann man nur laut bei Davids Aussprache rufen. Aber man darf es ihm nicht übel nehmen. Der junge Mann kam aus England und hatte sicher kaum Zeit, deutsch zu lernen. Vermutlich hat er den Song nur weitestgehend phonetisch gelernt. Aber nachdem seine Holde jetzt scheinbar doch Reißaus genommen hat und einem anderen "ihrä groasä Lieubä schewoa" wäre er besser beraten, seine Deutschkenntnisse aufzumöbeln (ha, Mega-Wortspiel :P!) als die Arbeit des armen Umzugsunternehmers zu behindern.

Freitag, 5. Juni 2020

BONUS - "Du suchst im Spiegel dein Gesicht" - Anita & Georg (1967)

Als kleine Wiedergutmachung für die Vernachlässigung der letzten Tage (und ich bin ja immer noch in Verzug und hole das auch heute Abend nicht mehr auf), ein kleiner Bonus!



1968, ein ORF-Fernsehstudio in Wien. Scheinwerfer gehen an. In der Kulisse stehen ein 21jähriger Mann und eine 17jährige Frau - er mit Rollkragenpullover und Gitarre, sie in Bluse und langem Rock. Sie singen eine seiner Eigenkompositionen: "Du suchst im Spiegel dein Gesicht".
Gerhard Bronner, der die beiden in seine Sendung "Showfenster" eingeladen hat, prognostiziert dem jungen Mann eine Weltkarriere. Er erinnert sich daran später hier. 

Er hieß Georg Danzer (1946-2007) und veröffentlicht kurz darauf zwei Solo-Singles, die beide - im Udo-Jürgens-Stil gehalten - kolossal floppen. Es dauerte mehr als fünf Jahre bis er als Sänger in Österreich Erfolg hat, aber dann gab's bald - bis zu seinem leider viel zu frühen Tod - kein Halten mehr.

Und wer war sie? Anita Ammersfeld, 1950 in Wien geboren. Nach einem Gesangsstudium am Royal Conservatory of Music in Toronto/Kanada, kehrt sie nach Wien zurück, um hier weiterzustudieren. Dieses Studium legte sie 1974 ab und debütierte im gleichen Jahr als Cherubino - und frischgebackenes Ensemblemitglied - in "Le Nozze di Figaro" an der Wiener Volksoper. Zahlreiche weitere Engagements folgten.
Von 2005 bis 2015 war sie Intendantin des stadtTheaters walfischgasse in Wien.




Ein wahnsinnig schönes, gut gesungenes Chanson aus der Feder von Georg Danzer, der Ende der 60er-/Anfang der 70er-Jahre zahlreiche poetische Lieder für verschiedene österreichische Sänger komponierte und textete.

Du suchst im Spiegel dein Gesicht
Du kennst dich selbst nicht mehr
Dein Tag ist ohne Wiederkehr

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Der Tag ist bald vorbei, die Nacht wird kalt
Noch suchst du irgendeinen Halt
Wenn du zurückkehrst aus der Dunkelheit
Dann ist das Ende nicht mehr weit

Du gehst den Weg der Einsamkeit
Du fragst nicht nach dem Ziel
Die Antwort wäre dir zu viel

Erst, wenn du dich nach nichts mehr sehnst
Ist deine Zeit vorbei
Dann bist du wieder von dir frei

Refrain


Zugegeben - ein Party- oder Stimmungskracher ist das definitiv nicht. Aber poetisch.
Wie auch immer. Ich wünsche euch einen schönen Abend und bin unfassbar dankbar darüber, dass es von diesem schönen Song einen Fernsehauftritt als Zeitdokument gibt. Jünger hat man Georg Danzer definitiv nie wieder gesehen ;)

# 78 - "Aus!" - Peggy Peters (1974)

Keine Sorge: Mit dem Blog ist es (hoffentlich noch lange) nicht aus! Eher mit der Ruhe und ungewöhnlichen Zwangspause ... trotzdem darf man noch nicht leichtsinnig, alles "auf eine Karte setzen", sonst ist's bald wieder "Aus" mit Veranstaltungen und neugewonnener Freiheit - das wusste übrigens bereits die Zukunftsforscherin: Prof. DDr. Peggy Peters anno 1964.


NACHTRAG für DONNERSTAG!



PEGGY PETERS
A: Ich setze alles auf eine Karte (M: Heino Gaze / T: Fred Ignor)
B: Aus [Shout - The Isley Brothers] (M: O'Kelly, Ronald & Rudolph Isley / dt. T: Georg Buschor)

1964, Hansa, 11 088 AT

Peggy Peters, die am 25. Dezember 1946 als Christa Zarlewski in Berlin geboren wurde, sang bereits von Kindesbeinen an und erhielt früh Ballettunterricht. Nach der Schule arbeitete sie als Hostess bei einer Fluggesellschaft.
Mit ihrem Jugendfreund Drafi Deutscher (1946-2006) nahm sie 1962 an einem Talentwettbewerb im Rahmen der Berliner Funkausstellung teil, den sie promt gewann. Sie erhielt einen Plattenvertrag, das Pseudonym Peggy Peters und veröffentlichte 1964 ihre erste Solosingle "Keine Schule mehr". Parallel dazu war sie Mitglied in unterschiedlichen Formationen ("Die Peggy Peters Sisters", "Die Petras" und "Die Sweetles"). Mit ihrem späteren Ehemann Peter Rainford veröffentlichte sie Mitte der 60er-Jahre (als "Peggy & Peter") die Single "Limelight Boy", der noch zahlreiche folgten. In dieser Zeit etabliert sich auch ihr späterer Künstlername Tina Rainford. 
Immer wieder kreuzten sich die Wege von Tina und Drafi, der regelmäßig für sie Titel schrieb und sie auch in sein Studio-Projekt "WIR" holte.
Und eben dieser Drafi war es auch, der Tina den größten Erfolg ihrer Karriere bescheren sollte. 1976 gelang ihr ein Riesenhit mit dem, von Drafi geschriebenen, Song "Silverbird". Der Titel verkaufte sich millionenfach und erreichte sogar #25 der US-Country-Charts.
Nachdem sie mit den Nachfolgesongs an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen konnte, zog sie sich in den 80er-Jahren ins Privatleben zurück.
Im Rahmen ihrer Autobiographie "Wenn Sterne fallen" verarbeitete sie nicht nur ihre jahrzehntelange Tabletten- und Alkoholsucht, sondern auch Bulimie. All das hat sie inzwischen überwunden und lebt mit ihrem zweiten Ehemann auf Mallorca. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht sie noch Songs.

Es ist nun wirklich mit uns aus
Aus meinem Herzen bist du raus
Du bildest dir doch wohl nicht ein
Ich könnte ohne dich nicht sein
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die große Liebe ist vorbei
Du warst mir keine Stunde treu
Du gehst mit ander'n Mädchen aus
Und lässt mich ganz allein zu Haus
Es ist nun wirklich mit uns aus

Die schönen Träume
Ich hab genug von dir
Hör endlich auf zu lügen
My Boy, nun reichst du mir 
Yeah
Yeah 
Yeah
Yeah - Yeah - Yeah

Refrain

Von heute an bist du mir egal
Du kannst mit ander'n geh'n
Ruf nie mehr an, denn auf keinen Fall
Will ich dich wiederseh'n
Yeah, es ist nun aaaaaaaaus
Yeaaaaah, es ist nun aus

Mit den letzten lautmalerischen "Yeahs" bin ich ein wenig sparsamer umgegangen ;)


Ja, die Peggy Peters hat ordentlich Temperament und das bei einer Größe von nur knapp 1,50 Meter. Starke Stimme und starker Groove ... zugegeben, dass eine oder andere Yeah wäre verzichtbar gewesen. 
Eines kann ich euch versprechen, wenn man sich mit so einer Frau anlegt, dann hat der "Boy" später nichts mehr zu lachen! Aber wir wissen ja .... Karma is a bitch! ;) Von daher, können wir uns entspannt zurücklehnen und abwarten, was dem armen Knilch so widerfahren wird ;)

Text

# 77 - "Dieses Jahr" - Gerd-Michaelis-Chor (1974)

Hallo ihr Lieben!
Danke für die lieben Nachrichten und Nachfragen! Alles ist gut. Kein Corona, keine Panik, keine (großen) Sorgen. Allerdings hat die sehr extreme Entschleunigung - in Bezug auf mein berufliches Wirken - als Selbstständiger und Kunstschaffender von 100 auf 0 jetzt nicht wieder auf 3, 17 oder 24 hochgeschalten, sondern in den letzten drei Tagen wieder fast auf 100 ... auf einmal zahlreiche Mails, Terminanfragen von verschiedenen Seiten, die allesamt natürlich auch innerhalb kürzester Zeit beantwortet, überlegt und idealerweise bestätigt werden sollen. Und so spüre ich, dass mich langsam wieder ein längst vergessenes Gefühl von Stress umgibt und ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. 
Auf der anderen Seite muss man wieder die Komfortzone verlassen und ... ach ja ... da sind sie auch wieder, die lieben kleinen Existenzängste, die in den letzten Wochen und Monaten immer lauter geworden sind. Kombiniert mit der Vernunft schreien sie nun laut auf und fordern, alles anzunehmen, um Teile der Verluste wieder aufzuholen ... als "Notpolsterl" für eine etwaige zweite Welle ...

Basierend auf diesen Erlebnissen und Gedanken eignet sich folgendes Lied gerade zu exorbitant gut, um die gegenwärtige Situation zu beschreiben.

NACHTRAG für MITTWOCH!



GERD-MICHAELIS-CHOR
A: Dieses Jahr (M: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein)
B: Eine Rose für den Tag (M: Rainer Bloß / T: Wolfgang Brandenstein)

1974, Amiga, 4 56 021


Infos zu der Gruppe und ihren Mitgliedern findet ihr in Post #59, da hatte ich die Gruppe bereits mit einem anderen Titel vorgestellt.


Die Zeit ist immer sehr in Eile
Wir kennen keine Langeweile
Aber nein – Aber nein – Aber nein – Aber nein

Wann werden alle die gelingen
Uns immer neue Pläne bringen
Das muss sein – Das muss sein – Das muss sein

Das Land soll weiter blüh’n
Es soll Gedanken sprüh’n
Wir woll’n uns sehr bemüh’n
Das ist klar

Es kommt der Tag heran
Der uns beweisen kann
Es ging ganz schön voran
Das ist wahr

Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist ein ganz besond’res Jahr
Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist für alle – für uns alle
Ist für alle – für uns alle
Ein besonders eindrucksvolles Jahr

Ein Lied kann auch in diesen Tagen
Nicht alles was wir fühlen sagen
Aber nein – Aber nein – Aber nein

Doch wichtig ist vor allen Dingen
Dass wir es miteinander singen
Das muss sein – Das muss sein

Refain

Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist ein ganz besond’res Jahr
Dieses Jahr, dieses Jahr
Ist für alle – für uns alle
Ist für alle – für uns alle
Ein besonders eindrucksvolles Jahr






Ich glaube, dass ist tatsächlich die Message unseres aktuellen Lebens: "Dieses Jahr ist ist ein ganz besond'res Jahr" ... ob es jetzt besonders scheiße, besonders toll, besonders eindrucksvoll, besonders existenzgefährdend oder besonders ... besonders ist, muss jeder für sich entscheiden. Irgendwie geht es ja faszinierender Weise immer weiter ... und das bereits seit abertausenden von Jahren ...

Ich hoffe ihr bleibt mir weiterhin treu, auch wenn ich euch ein bisschen vernachlässigt habe!

Dienstag, 2. Juni 2020

# 76 - "Miss Rumpelstilzchen" - Claudia (1968)

Ach, wie gut, das niemand weiß, dass ich ... ein Faible für skurrile Songs habe? Oder assoziiert ihr diese Textzeile nicht auch eher mit einem bekannten Märchen aus der Kinderzeit? Heute schaffe ich es tatsächlich diese beiden Dinge miteinander zu verknüpfen :P




CLAUDIA
A: Das Ei des Columbus (M: Rudi Lindt = Rudi von der Dovenmühle / T: Peter Ström = Nils Nobach)
B: Miss Rumpelstilzchen (M: Ralph Siegel / T: Michael Kunze)

1968, EMI Columbia, C 23 840


Sieben Singles, in sechs Jahren bei fünf Plattenfirmen unter vier Namen (Claudia, Claudia Corda, Claudia Höfer und Claudia Sommer) - allerdings ohne großen Erfolg!
So sang sie unter anderem "Ich wein' um dich so viele heiße Tränen" (1965), "Morgen kann schon alles anders sein" (1965), "Man soll immer bei der Wahrheit bleiben" (1966), "Kein Feuer, keine Kohle" (1967), "Das hat doch alles keinen Sinn" (1971) und "Smokey" (1972).

Hinter den vielen Namen verbirgt sich Ilse Kugel, geb. Etges aus Lüdinghausen. Die Tochter entstammt einer Bergmannsfamilie und arbeitete Mitte der 60er-Jahre als Schallplattenverkäuferin in Bochum.

Die Plattenfirma schreibt auf der Rückseite des Covers ihrer letzten Single 1972:
"Sie hat eine ausdrucksvolle Altstimme, ist notensicher, verfügt über eine langjährige Bühnenerfahrung, tritt mit eigener Band 'The Believers' auf und singt ihre Lieder in drei Sprachen. (...) In der Öffentlichkeit singt Claudia Sommer seit ihrem zehnten Lebensjahr. Im Bochumer Jugendchor, dann bei einem Laientheater und schließlich mit der Band. Unzählige Veranstaltungen im Ruhrgebiet, Diskothenshows und kleinere Tourneen machten sie zur regionalen Größe."
Im Februar 1972 tritt sie im "Talentschuppen" des Südwestfunks auf, wo sie sich gegen 1.300 BewerberInnen durchsetzen konnte.

Nach Angabe ihres Schwiegersohns in einem Online-Forum trat sie bis etwa 2010 noch regelmäßig auf.

Nun aber zum märchenhaften Text:

Mein Urahn war ein Ritter
Der Rumpelstilzchen hieß
Und diesen schönen Namen 
Der Familie hinterließ

Ich weiß es klingt sehr seltsam
Doch was kann ich dafür
Fragt man mich nach dem Namen
Dann denk' ich nur bei mir

Ach wie gut das niemand weiß
Dass ich Rumpelstilzchen heiß'
Weil im Glanz der großen Welt
Nur ein großer Name zählt

Schiller, Bach und Mozart

Wer hätte sie gekannt?
Hätt' man sie alle damals

Grad so wie mich genannt

Nun will ich zum Theater

Doch leider ist mir klar
Als Fräulein Rumpelstilzchen 

Werd' ich bestimmt kein Star

Refrain

Ich habe dir meinen Kummer erzählt
Weil ich weiß, dass du mich verstehst
Ich liebe dich und auch du hast gesagt
Dass du nie mehr von mir gehst

Und nun ist alles halb so schwer
Bald sage ich nie mehr

Refrain

Ach wie gut das niemand weiß
Dass ich Rumpelstilzchen heiß
Weil der eine der mich liebt
Mir bald seinen Namen gibt






Ich fasse mich auch heute wieder etwas kürzer: Bei diesem Frühwerk von Ralph Siegel ("Sind Sie der Graf von Luxemburg?" lässt musikalisch an manchen Stellen grüßen ...) handelt es sich um ein Loblied auf die Ehe, die Frauen die großartige Möglichkeit gibt, ihren Geburtsnamen abzulegen und inkognito unter neuem Namen zu leben.
Tragisch dennoch, dass so ein ansprechender Name wie "Rumpelstilzchen" dadurch ausgestorben ist. Fraglich bleibt nur, ob sich die gute Claudia ihren Partner nach dem Nachnamen oder anderen "Qualitäten" ausgesucht hat? ;)

Montag, 1. Juni 2020

# 75 - "Monday, Monday, was bringst du mir?" - Peter Haupt (1966)

Wieder einmal Montag ... wir starten in die elfte Woche dieses Blogs. Ich hätte zuvor nie gedacht, dass ich jemals für so ein Projekt Zeit finden werde ... Und wieder frage ich mich, was bringt es mir?




PETER HAUPT
A: Monday, Monday, was bringst du mir? [Monday, Monday - The Mamas & The Papas] (M: John Philips / dt. T: Günter Loose)
B: Eine Welt ohne Licht [5 o'clock World - The Vogues] (M: Allen Reynolds / dt. T: Günter Loose)

1966, Philips, 348 010 PF


Peter Haupt veröffentlichte zwischen 1966 und 1976 insgesamt sechs Singles: "Gaslight" (1967), "Wieso?" (1967), "Dardanella" (1968 als "Peter von Stambul"), 1974 die deutsche Version von "Beach Baby" als "Peter & Wolf" (mit Wolfgang Mürmann) und 1975 "So schön kann keine Frau sein" (eine Adaption des Gitte-Hits).
Interessant (aber nicht ungewöhnlich für diese Zeit) ist, dass fünf seiner ersten sechs Titel Coverversionen englischsprachiger Titel sind.
Peter Haupt starb bereits im Jahre 1999 an einer Rauchvergiftung.


Hier nun eine absolut legitime deutsche Coverversion des Mamas&Papas-Hits (es gibt übrigens noch eine weitere deutsche Coverversion (mit anderem Text) von Bettina aus dem Jahr 1971):

Monday, Monday, was bringst du mir?
Bringst du Tränen oder Glück und Liebe von ihr
Der Montagmorgen, er verspricht mir, es wird für uns schön
Doch Montagabend kann der Traum zu Ende geh'n

Monday, Monday, was fang ich an?
Monday, Monday, ich wüsst' so gern, was kommen kann
Am Montagmorgen seh' ich unser Leben voll Sonnenschein
Doch Montagabend lässt mich dein Herz vielleicht allein

Jeder neue Tag - Jeder neue Tag
Jeder neue Tag
Jeder neue Tag, der beginnt, ist schwer
Ausgerechnet Montag früh
Da seh' ich die ganze Welt nur noch grau und leer
Grau und so leer

Refrain






Okay, zugegeben. Das ist jetzt nicht gerade der optimistischste Start in die Woche, aber das ist an einem Montag auch ein bisschen zu viel verlangt, oder? Die Coverversion ist auf jeden Fall gut gemacht und Peter Haupt hat damit ein würdiges Schallplattendebut gegeben. Der Text könnte vielleicht etwas lebensbejahender sein, aber hey ... es ist halt einfach beschissen, wenn man seine Liebste nur einen Tag pro Woche sehen kann.


Wer eine schöne und gut-gemachte Parodie von "The Mamas & The Papas", die stellenweise wirklich erschreckend authentisch ist, dem sei dieses Video des britischen Comedy-Duos French & Saunders sehr ans Herz gelegt!


Habt einen schönen Start in die Woche! Ich bemühe mich auch ehrlich, mit positiverem Beispiel voranzugehen ;)