Samstag, 13. Juni 2020

# 87 - "Bis es wieder kribbelt" - Kerstin Rodger (1983)

Nach den letzten (internationalen) Songs reisen wir wieder einmal in die DDR ...




KERSTIN RODGER
Bis es wieder kribbelt (M: Arndt Bause / T: Dieter Schneider)

1984, Amiga, LP "Ich träum von ihr - Schlagererfolge aus 'bong'"

Dieter Schneider (* 1937) gehörte zu den erfolgreichsten Textern der DDR. Aus seiner Feder stammen Titel wie "Heute tanzen alle jungen Leute" (Helga Brauer, 1958), "Zwei Küsse beim Nachhausegehen" (Ina Martell, 1965), "Lieb' mich so, wie dein Herz es will" (Chris Doerk & Frank Schöbel, 1967), "Komm zurück aus Wolkenkuckucksheim" (Britt Kersten, 1969), "Das kann nur Liebe sein" (Aurora Lacasa & Thomas Lück, 1972), "Ich geh' vom Nordpol zum Südpol" (Frank Schöbel, 1973), "Morgenrot - Abendrot" (Andreas Holm, 1974), "Die Liebe ist ein Haus" (Regina Thoss, 1975) oder "Kleiner Vogel" (1978).
Komponist Arndt Bause (1936-2003) war übrigens der Vater der deutschen Moderatorin Inka Bause.

Kerstin Rodger wurde 1962 in Teltow geboren und lernte nach der Schule den Beruf der EDV-Facharbeiterin. Sie erhielt klassischen Gesangs-, Ballett-, Stepp-, Sprech- und Schauspielunterricht. Mit "Bis es wieder kribbelt" wurde sie 1983 in der DDR-Fernsehsendung "Sprungbrett" vorgestellt. In diesem Zeitraum wurde sie auch zweimal mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Nach der Geburt ihres Sohnes (1985) und dessen Behinderung, musste sie ihr bisherigen Leben komplett umkrempeln. Ihre Auftritte waren fortan eine Kombination aus Gesang, Tanz und Gebärdensprache. 1998 gründete sie eine eigene Musikproduktion. Sie veröffentlichte die CDs "Träume ändern ihr Gesicht" und "Liebe auf den zweiten Blick", für die sie selbst Texte beisteuerte.


Nie mehr so fühlen
Nie mehr so spielen
Nie wieder, nie wieder still sein und schwach

Nie mehr so träumen
Nie mehr so weinen
Nie wieder, nie wieder gebe ich nach
So sehr nach

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder prickelt
Bis mich wieder endlich einer um den Finger wickelt

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabbelt
Bis man wieder wie ein Fisch an einer Angel zappelt

Bis es wieder kribbelt
Wieder mal so kribbelt
Bis man wieder stundenlang vom Schrank zum Spiegel tippelt

Bis es wieder kribbelt
Bis man wieder möchte
Bis man wieder brennt und seinen Vorsatz nicht mehr kennt

Oh no, no, no
Bloß nicht noch einmal so
Einmal und nie wieder
Nicht nochmal so'n Risiko

Nein, nein
Ich steig' nicht mehr drauf ein
Ich kann mich beherrschen
Das soll mir 'ne Lehre sein

Refrain

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabbelt
Bis man wieder wie ein Fisch an einer Angel zappelt

Bis es wieder kribbelt
Bis es wieder krabellt
Bis es wieder funkt und darum Schluss und Aus und Punkt





Das ist mal ein ganz anderer Text, in dem es ums Verliebtsein geht. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln hat Kerstin die rosarote Brille abgelegt und die Schmetterlinge im Bauch hängen ihr zum Hals raus. Denn natürlich ist es nicht immer "nur" schön, verliebt zu sein. Vor allem, wenn man gerade nicht verliebt sein möchte ... und da kann das ewige Kribbeln, Krabbeln und Prickeln schon ganz schön lästig im Alltag sein - vor allem, wenn man es gerade nicht möchte oder negative Erfahrungen gemacht hat (wenn es sich beispielsweise bereits zum einen Dauerzustand handelt).
Spürt man ständiges Kribbeln, das sich anfühlt, als würden Ameisen auf einem krabbeln und laufen, wäre das (im schlimmsten Fall) ein Indiz für MS - es gibt aber auch noch ungefähr 742 andere Gründe (starke Belastungen oder Stress z. B.), also in diesem Fall würde ich empfehlen, weder Kerstin Rodger noch Dr. Google zurate zu ziehen.

# 86 - "Sugar Boo Boo" - Bonny St. Claire (1969)

Es gibt Sänger und Autoren, die immer wieder eine sichere Bank für einen skurrilen musikalischen Beitrag sind. Dieser Aussage ist bei diesem Song absolut nichts mehr hinzuzufügen.



NACHTRAG FÜR FREITAG

BONNY ST. CLAIRE
A: Ich kann nicht 100 Jahre warten (M & T: Hans Blum)
B: Sugar Boo Boo (M & T: Lambert Fleming = Nils Nobach & Roman Horn = Rudi von der Dovenmühle)

1971, Philips, 6003 211



Die Holländerin Bonny St. Claire, 1949 als Bonje Cornelia Swart geboren, war in den 60er- und 70er-Jahren auch als Sängerin in Deutschland tätig. Weitere Infos über sie findet ihr in meinem Post #3.
Titel von Nils Nobach und Rudi von der Dovenmühle habe ich in den letzten Monaten bereits mehrfach hier vorgestellt. Literarisch sind sie - charmant umschrieben - äußerst speziell.

Shu-Shu-Shu
Shu-Shu-Shu-Shu-Shu
Sugar Boo Boo

Shu-Shu-Shu
Shu-Shu-Shu-Shu-Shu
Sugar Boo Boo

Weil es so schwere Mädchennamen gibt
Ja-ja, Ja-ja
Und mich der Johnny aus London wirklich liebt
Ja-ja, Ja-ja

Taufte er mich einfach um
Anstatt Penelope
Nennt er mich nur
Sugar Boo Boo

Refrain

Selbst die eleganten Damen
Haben heute Kosenamen
Da gibt es Lee und Lou
Chi-Chi und Sue
Und wie du, nennst du mich
Sugar Boo Boo

Refrain







Das ist natürlich wirklich eine tragische Geschichte. Da hat man endlich den Mann seines Lebens (= "Johnny aus London") gefunden und dann hat er leider einen großen Makel! Nein, keine Legasthenie, Pollenallergie oder Laktoseintoleranz - aber er ist leider zu debil, sich ihren Namen zu merken. Aber gut Penelope ist nun wirklich ein schwieriger Name, so heißt ja auch niemand. Sugar Boo Boo hingegen ist da deutlich häufiger und leichter zu behalten. Ich bin mir nicht sicher, ob Johnny tatsächlich aus London kommt und nicht eher nur auf ein kurzes "Schubidu"-Stelldichein aus Wolkenkuckucksheim angereist ist, um ein bisschen Bussi-Bussi, Bunga-Bunga oder Balla-Balla zu betreiben. Leidtragende wird am Ende wohl Pönölopö sein, die lautstark verkündet, dass sie nicht noch 100 Jahre warten kann. Worauf eigentlich? Jemanden, der zumindest in der Lange ist, sich wenigstens ihren Namen zu merken ... ich wünsche es ihr! Vielleicht mit Jimmy aus Liverpool oder Tommy aus Manchester ...

# 85 - "Melanie" - Rex Carter (1971)

Nachdem die letzten Tage mehr und mehr mit Arbeit gefüllt waren, komme ich erst in meinem Kurzzeit-Wochenend-Exil zum Nacharbeiten.

NACHTRAG FÜR DONNERSTAG



REX CARTER
A: Ich liebe die Sonne (M & T: Hans-Georg Moslener & Manfred Oberdörffer)
B: Melanie (M & T: Manfred Oberdörffer)

1971, Philips, 6003 211
produziert von Rainer Goltermann



Die meisten würden jetzt sagen: "Ach, dieser Rex Carter, der ist doch sicher auch nur eine musikalische Eintagsfliege gewesen." Ja und nein. Als Rex Carter veröffentlichte er tatsächlich nur zwei Singles (eine in deutsch und eine in englisch)
Rex Carter wurde 1946 als Stephan Remmler geboren. Hmm ... Stephan Remmler, da war doch was!? Ist das nicht ... von ... ähm ... genau: Trio. Nach ersten Auftritten mit einer Beatband im legendären Hamburger Star-Club wurde er zunächst Hauptschullehrer in Bremen und Musikdozent in an der Universität Oldenburg.
1979 formierte er mit Peter Behrens (1947-2016) und Kalle Krawinkel (1947-2014) die Gruppe "Trio", mit denen er 1982 den Welthit "Da Da Da" landete. Weitere Hits waren "Anna - Lassmichrein, Lassmichraus", "Bum Bum" und "Herz ist Trumpf". Nach der Auflösung von Trio 1986 hatte er noch solistische Erfolge mit "Keine Sterne in Athen" und "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei". 2003 arbeitete er mit seinen drei Söhnen an einem musikalischen Projekt. Remmler ist bis heute künstlerisch aktiv. 



Hans-Georg Moslener hat kurzzeitig auch als Sänger gearbeitet, war dann aber (ab 1966) als Songwriter deutlich erfolgreicher. Erfolgreichere Titel von ihm waren "Mädchen mit roten Haaren" (Tony, 1971), "Coconuts from Congoville" (Soulful Dynamics, 1972), "Hallo, wie geht es Robert?" (Gitte, 1973), "David und Goliath" (Wir, 1973), "Ich hab' die Liebe verspielt in Monte Carlo" (Gitte, 1974), "Der Weg zum Glück ist frei" (Olivia Molina, 1974), "So schön kann doch kein Mann sein" (Gitte, 1975), "Unter der Asche meiner Liebe ist noch Glut" (Helena, 1978) und "Ruf Teddybär Eins-Vier" (Jonny Hill, 1979).

Melanie
Melanie

Ich hab' dich geseh'n
Du warst wunderschön
Und ich habe gewusst

Mit dir würd' ich mich versteh'n

Du bist noch allein
Das wird nicht lange sein
Komm zu mir

Lass uns glücklich sein

Melanie
Glaube mir, als ich in deine Augen sah
Melanie
Da wusste ich, dass es die große Liebe war

Melanie
Melanie

Als ich vor dir stand
Und keine Worte fand
War es mir als würdest du mich auch so versteh'n

Und ein Blick von dir
Der sagte mir viel mehr
Als tausend Worte es tun

Refrain

Melanie
Melanie






Faszinierenderweise hat Remmler später eine Frau namens Hilana geheiratet. Besagte Melanie fühlte sich möglicherweise zwar geehrt, aber dieses Ständchen ist jetzt vielleicht auch nicht gerade die allererste Wahl gewesen ... Seine späteren Eigenkreationen bei Trio waren jetzt vielleicht auch nicht klassische literarischen Ergüsse, aber Bahnbrecher für die Neue Deutsche Welle und künstlerisch durchaus revolutionär. Den Schnurrbart hat er später übrigens leider abgelegt - auch im Movember ;)
Melanie ist dann doch eher schnulzig (zum Quadrat) geraten.

Freitag, 12. Juni 2020

# 84 - "Ich stehe nur auf Bielefeld" - Heidi Thuns (1973)

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich in letzter Zeit ein bisschen unregelmäßiger Einträge produziere, aber ich merke tatsächlich Anlaufschwierigkeiten bei mir. Nach der großen Zwangspausen-Entschleunigung merke ich, dass ich nicht (mehr) so belastbar bin, wie zuvor. Kleine Alltagsgeschichten kosten mich deutlich mehr Energie und ich habe das Gefühl, dass ich mich sogar von einem Eisessen wieder erholen muss. Hoffe, dass sich das bald wieder legt. Möglicherweise sind aber auch einfach nur die Impfbefürworter oder Chemtrails schuld. Was haltet ihr von Verschwörungstheorien?
Angeblich gibt es ja die Stadt Bielefeld nicht! Ich war noch nie dort - kann es also leider auch nicht bestätigen. Die Existenz der vorliegenden Single lässt sich allerdings nicht leugnen.




HEIDI THUNS
A: Ich stehe nur auf Bielefeld (M & T: Peter Lach)
B: Wer will noch mal? [Carneval Mars] (M: Jan Mol / dt. T: Peter Lach)

1973, Philips, 6003 336


Heidi Thuns wurde 1942 in Hamburg geboren. Zwischen 1965 und 1974 veröffentlichte sie neun Singles bei sechs Plattenfirmen (u. a. "Männertreu", "La, La, La, Luna", "Nur bei dir scheint die Sonne" oder "Hände weg von meinem Peter"). Darüber hinaus sang sie auf zahlreichen Compilations-LPs mit dem Orchester Frank Valdor bekannte Hits ein.

Peter Lach war ab Mitte der 50er-Jahre als Songwriter im Einsatz. So schrieb er unter anderem einen deutschen Text zum ABBA-Hit "Ring Ring" und Lenny Kuhr's Songcontest-Sieg "Der Troubadour".


Der vorliegende Song eignet sich auch wunderbar zum Mitschunkeln und kann auch noch mit einem Alkoholgehalt von drei Promille lautstark fröhlich mitgegrölt werden! 

Mein erster Freund, der stand im Tor, auf unserm Fußballplatz
Und weil sein Club niemals verlor, stand hoch im Kurs mein Schatz
Er wurde bald verkauft als Star und schrieb mir aus Turin
Komm her, hier ist es wunderbar, doch ich schrieb stolz an ihn

Ich stehe nur auf Bielefeld
Und auf den Teutoburger Wald
Ich pfeif' auf deine große Welt
Die lässt mich völlig kalt

Mein Zweiter stand im Atelier oft vor der Kamera
Und bald auch sein Zahnpasta-Portrait ganz groß im Fernsehen, ja
Man holte ihn sich nach Paris, als Dressman Nummer 1
Er wollt' nicht, dass ich ihn verließ, doch ich schrieb: "Lieber Heinz"

Refrain

Mein Dritter stand mir nur im Weg um sechs nach Ladenschluss
Und ständig in der Discothek beim Tanz auf meinem Fuß
"Geh bloß zum Mond, zum Mond mit dir", so schrie ich immerzu
Doch er schrie: "Nein, ich bleibe hier, ich bin genau wie du"

Refrain




Uff ... das ist ja mal eine Ansage! Für all jene, die Freunde von Verschwörungstheorien sind: Hierbei handelt es sich um keine Single von Fran "Die Nanny" Drescher, auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit (auf diesem Foto) durchaus vorhanden ist.
Auch nach diesem Song können wir immer noch über die tatsächliche Existenz von Bielefeld spekulieren. Viele Hinweise gibt uns die gute Heidi nicht - nur, dass sie immerhin ein verhältnismäßig ausführliches Liebesleben Revue passieren lassen kann ... das ist schon beeindruckend, wenn auch verständlich, warum sie die drei Vögel abgeschossen hat.
Solltet ihr einmal die Chance haben, Bielefeld einen Besuch abzustatten, nutzt es doch! Ich kenne tatsächlich zwei Frauen, die dort angeblich arbeiten. Und die Frauen existieren wirklich. Das ist schon einmal mehr, als mir Verschwörungstheoretiker bieten können ... Ob Heidi zugunsten auch ein "Ehren-Baum" im Teutoburger Wald gepflanzt wurde? Naja, der kann sich gegen diese unfreiwillige Werbung leider auch nicht wehren. Oder findet gerade deshalb der Klimawandel immer mehr Einzug in unser Bewusstsein?

Dienstag, 9. Juni 2020

# 83 - "Schmeiß' den Kuckuck aus dem Nest" - Ingrid Peters (1978)

Bei dem momentanen Wetter kann man auch so manchen Kuckuck verstehen, dass er sich in fremden Nestern einnistet ... Doch der heutige Songist definitiv keinem Ornithologen gewidmet ;)



INGRID PETERS
A: Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest (M & T: Jean Frankfurter & Robert Puschmann)
B: Halt' mich, bis der Morgen erwacht (M: Dieter Clamath & Thomas Oliver / T: Tina Rainford)

1978, CBS, 6134
produziert von Eddy Bachinger

Ingrid Peters wurde 1954 als Ingrid Probst geboren und wuchs in Saarbrücken auf. Nach dem Abitur studierte sie an der Pädagogischen Hochschule und erwarb ihr Diplom in Arbeitslehre und Sport.
Für ihr Debutalbum "Komm doch mal rüber" wurde sie 1976 mit der "Goldenen Europa" ausgezeichnet. 1986 vertrat sie Deutschland mit "Über die Brücke geh'n" beim Eurovision Song Contest und belegte Platz 8. Danach folgte eine mehrjährige musikalische Pause aus der sie erst Ende der 90er-Jahre zurückkehrte. Seither schreibt sie fast alle ihre Texte und teilweise auch die Melodien selbst.
Ingrid Peters zählt mit mehr als 1.000 Fernsehauftritten zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sängerinnen. Von November 2019 bis März 2020 stand sie im Legrand-Musical "Marguerite" auf der Bühne des Saarländischen Staatstheaters.

Ihre erfolgreichsten Titel sind "Komm doch mal rüber" (1976, #29), "Weißt du, wo du hingehst?" (1980, #23), "Afrika" (1983, #41) und "Über die Brücke geh'n" (1986, #45).

Ingrid Peters ist auch als Malerin aktiv und hat eine ältere Schwester, die als Linda Bergen ebenfalls einige Zeit im Musikbusiness tätig war.

Hör' mal, liebe Freundin, du brauchst wohl einen Rat
Du hast dir da was Schönes eingefangen
Das Frühstück bringt er dir ans Bett
Versprach er dir, das find' ich nett
Doch schon am ersten Tag schlief er zu lange
Ich seh's dir an, du bist geschafft
Der ganze Typ ist wirklich abgeschlafft

Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest
Sonst setzt er sich bei dir fest
Mach' dem Vogel schnellstens klar
Dass er nur ein Irrtum war
Schmeiß den Kuckuck aus dem Nest
Wenn er dich lässt, gib ihm den Rest

Hör' mal, liebe Freundin, ich habe das Gefühl
Er will sich nur an deinem Busen nähern
Die Made fühlt sich wohl im Speck
Dein ganzes Geld ist auch schon weg
Du bist zu schwach, dich gegen ihn zu wehren
Was soll man tun, wenn er vergisst
Dass außer schlafen noch etwas ist

Refrain





Ingrid Peters ist durchaus eine sehr talentierte Sängerin und verfügt auch über gute Titel - dieser gehört aber nicht unbedingt zu ihren stärksten. Die Thematik im freundschaftlichen Hausfrauenmilieu befriedigt nicht wirklich - aber gut, der Typ "die liebe Freundin" anscheinend ja auch nicht. In solchen Situationen ist guter Rat teuer - und da man sich die liebe Familie bekanntlich nicht aussuchen kann, muss man zumindest beim Freundeskreis weise wählen. Ob die Freundin aber mit den ungefragten Beziehungstipps von Ingrid etwas anfangen kann? Fraglich. Gut gemeint ist - wie wir alle wissen - nicht immer gut gemacht.
Dennoch hat die gute Frau wohl nicht verdient, dass sich der Typ nur "an ihrem Busen nährt" und "wie die Made im Speck" lebt. Da braucht es schon noch ein paar fleischlichere Genüsse, wenn er schon sonst nichts zum Haushaltsgeld beiträgt und augenscheinlich auch an den Aufgaben im Haushalt wenig Erfüllung findet.
Leider sind viele Menschen in diesen Situationen äußerst beratungsresistent. Ich fürchte, dass die Freundin eher Beziehungsexpertin Ingrid - samt Pauschalratschlägen - aus der Wohnung geschmissen hat, als ihren "Kuckuck"...

Montag, 8. Juni 2020

# 82 - "Alle Birken grünen in Moor und Heid" - Die Albrecht Familie (1978)

Auf den ersten Blick wirkt meine heutige Ausgrabung wie eine handelsübliche, traditions-bewusste, musikalische Familie a la Trapp oder Kelly - aber diese hat es (politisch) in sich. Aber sicher nicht so, wie ihr jetzt glaubt ...



DIE ALBRECHT FAMILIE
A: Wohlauf in Gottes Welt (Volksweise)
B: Alle Birken grünen in Moor und Heid (M: Ernst Licht / T: Hermann Lörres)

1978, Ariola, 15 588 AT


Ernst Albrecht (1930-2014) war von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen. Gemeinsam mit Frau und Kindern nahm er zugunsten der Aktion "Familien in Not" diese Schallplatte auf.

Gemeinsam mit seiner Frau Heidi-Adele (1927-2002) hatte er sieben Kinder: Barthold (~ 1967), Benita-Eva (1960-1971), Donatus, Hans-Holger (* 1963), Harald, Lorenz (1956-2005) und Ursula (* 1958).


Letztere, die liebevoll "Röschen" genannt wurde, sorgte später für Furore. Nicht vordergründig, weil sie zunächst Archäologie und Volkswirtschaft und ab 1980 Medizin studierte und später sieben Kinder bekam, sondern durch ihre Hochzeit mit Heiko 1986. Seither heißt sie nämlich Ursula von der Leyen und ist die aktuelle Präsidentin der Europäischen Kommission. Davor war sie - für alle, denen es jetzt nicht mehr so geläufig ist - Bundesministerin für Familie (2005-2009), Bundesministerin für Arbeit und Soziales (2013-2019) und Bundesministerin für Verteidigung (2013-2019).


Ursula ist übrigens von Minute 1:50-2:01 solistisch zu hören.

Zur gemeinsamen Frohlockung der örtlichen Flora und Fauna bzw. der homo-sapienshaften Existenz auf dem Erdenrund gibt es zur Krönung auch die A-Seite!




Und ein nettes Video aus dem Jahr 1976 mit einem Live-Auftritt (leider ist der Ton stellenweise asynchron).




Wie ihr seht kann man auch trotz "schwieriger" Kindheit und Jugend doch noch einiges im Leben erreichen ;)

Sonntag, 7. Juni 2020

# 81 - "Mama, ich muss Pipi" - Su Kramer & Sascha (1979)

So ... jetzt habe ich ENDLICH wieder aufgeholt und bin wieder "in time". Da heute Sonntag ist, muss das mit einem ganz besonderen "Machwerk" zelebriert werden, aber steht oder besser gesagt hört selbst:




SU KRAMER & SASCHA
A: Wir zwei sind frei (M: Su Kramer & Herbert Rehbein / T: Ernst Bader)
B: Mama, ich muss Pipi ([Mi scappa la Pipi - Pippo Franco ] (M: Pippo Franco / dt. T: Frank Dostal)

1979, Telefunken, 6.12503


Su Kramer wurde 1946 als Gudrun Kramer in Oldenburg geboren. Als Sängerin in Amateurbands sammelte die ausgebildete Erzieherin erste Erfahrungen. 
Aus 3.000 Bewerberinnen wurde sie für die Hauptrolle der Sheila in der deutschen Uraufführung des Musicals "Hair" gecasted. Innerhalb von 18 Monaten spielte sie diese Partie mehr als 500-mal. 
Eine Auskoppelung des Titels "Hare Krishna" - noch unter ihrem bürgerlichen Namen Gudrun Kramer - war ihre erste Single. 1970 veröffentlicht sie als Su Kramer "Eine Welt für uns beide". Ihr Debütalbum "Frei sein" 1971 wurde von 50 Musikjournalisten als "beste Produktion des Jahres" ausgezeichnet.
1971 wird sie mit dem Titel "Meine kleine Welt" beim Internationalen Songfestival im polnischen Zoppot Zweite. Im Jahr darauf bewarb sie sich mit "Glaub' an dich selbst" um eine Teilnahme am Grand Prix Eurovision, landete im Vorentscheid aber ebenfalls auf Platz zwei (Mary Roos vertrat schlussendlich Deutschland).
Ihren größten Charterfolg (#27) konnte sie 1974 mit dem Titel "Kinder der Liebe" verbuchen. "Hier ist das Leben" (sowie die englische Version "You've got the Power") wurde in 17 Ländern veröffentlicht und schaffte sogar #38 der Billboard-Disco-Charts.

"Sie ist die unkonventionellste der detuschen Schlagersängerinnen. Sie hat sich nicht imer nach dem gerichtet, was sie tun sollte, was man für sie vorgesehen hat. Das hat sie selbst entschieden. Und sie singt so ausdrucksvoll wie sonst selten eine deutsche Sängerin." (Ilja Richter)

Bis 1985 veröffentlichte sie noch regelmäßig Songs. Kramer hatte aber bereits in den 70er-Jahren begonnen, sich andere künstlerische Standbeine aufzubauen, so arbeitete sie als Verlegerin (1978 gründete sie den art-music Musikverlag) und Schauspielerin.
1979 stand sie beispielsweise als Spelunkenjenny in der "Dreigroschenoper" am Staatstheater Oldenburg auf der Bühne.

Sie ist nach wie vor musikalisch aktiv und veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen Songs (zuletzt 2018). Sie ist Mutter eines Sohnes (Alexander, * 1973) und lebt in Hamburg.


Su Kramer ist wirklich eine fantastische Sängerin, aber dieses Lied ist wirklich ... naja ... also selbst als Mutter ... schwierig. Der Text stammt übrigens wiedermal - wie so viele sonderbare skurrile Titel - von Frank Dostal.

Ja wir geh'n so gern ins Kino
Nur mein kleiner Sohn und ich
Cowboys kämpfen mit Indianern
Um Gold in der heißen Prärie
Doch wenn's grade richtig los geht
Kneift mich jemand in mein Knie

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama

Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi
Mama, ich muss Pipi, Mama
Böse Geister raus aus mir
Oh es ist schon da

Manchmal geh'n wir auch zum Fußball
Jubeln laut bei jedem Schuss
Uns're Mannschaft muss gewinnen
Eine Minute vor Schluss
Beim entscheidenden Elfmeter
Sagt er mir, dass er mal muss

Refrain

Endlich ist mal wieder Jahrmarkt
Riesenradfahr'n, das ist schön
Langsam schweben wir nach oben
Uns're Gondel, die bleibt steh'n
Wunderschönes Panorama
Doch was muss ich da seh'n?

Refrain

Refrain

Nein, nicht schon wieder!

Mama, ich muss Pipi
Mama




So ... und jetzt einmal tiefdurchatmen. Su, Ex-Hippie und starke seriöse Sängerin, die zuvor so gut wie keine banalen Schlager im Repertoire hatte, liefert hier Trash erster Güte. Ich frage mich wirklich, wie das passieren konnte ...
Nun ja, jeder hat so seine Jugendsünden, aber dieser Song ist schon wirklich schwer zu verdauen (im wahrsten Sinn des Wortes). Armer Sascha, der war ja gerade erst sechs Jahre alt und konnte sich wohl am wenigsten dagegen wehren. Glücklicherweise haben sich Interkontinenz-Song bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Es hätte aber auch schlimmer kommen können ... soweit ich weiß, haben Su und ihr Sohn diesen Song zumindest nicht im Fernsehen gesungen. Da sieht es mit dem Originalsänger Pippo Franco schon anders aus ... der schleppte mehr als ein Dutzend unschuldiger Kinder mit ins Fernsehen und ließ sie begeistert verkünden, dass sie gern pinkeln möchten! ;)




Vielleicht hilft es euch dabei, dass manche der eigenen Jugendsünden in der Retrospektive doch nicht so schlimm ist (verglichen zu dieser!) und das auch die eigenen Eltern manchmal doch nicht so peinlich waren ... Habt einen schönen Sonntag! :)