Obskures, Skurriles, Schauriges und manchmal sogar Schönes aus der Welt der deutschsprachigen und internationalen Musikszene - mit Schwerpunkt auf den 60er- und 70er-Jahren. Inklusive Nostalgiebonus und einem großen Augenzwinkern ;)
Was gibt es Schöneres, als sanft und zärtlich aus dem Schlaf gerissen zu werden. Wenn einem noch ganz verträumt die letzten kleinen Sandkörnchen aus den lahmen Augen auf den heißen Toast kullern, den der oder die Liebste, bereits ans Bett serviert hat. Tja. Schöne Traumvorstellung! Die Realität sieht da ganz anders aus - ich erinnere nur an die sadistischen Aufweckmethoden von "Radio Luxemburg" oder Tana Schanzara.
Das auch wir in Österreich da die eine oder andere Lösung gefunden haben, den Langschläfern den Garaus zu machen, beweist der heutige "Start in den Tag".
STEFANIE
A: Die Weckuhr (M: Stefanie Vyhnak / T: Richard Leonhard) B: Es is a Wahnsinn (M: Stefanie Vyhnak / T: Richard Leonhard)
1982, Lion Baby, LB 3537 produziert von Peter Lossack
Stefanie wurde 1949 als Stefanie Vyhnak in Niederösterreich geboren. Solange sie sich erinnern kann, hat sie gesungen. Das äußerst musikalische Kind, das mit einer Naturstimme gesegnet war, die sie selbst als Geschenk bzw. eine Art inneren Ruf ansah, lernte Gitarre und Barockflöte, sang im Kirchenchor und tingelte bereits als 15-Jährige allabendlich mit verschiedenen Bands durch die Gegend. Im Anschluss daran wechselte sie allerdings ins Klassikfach und übte sich als Koloratursopran, ehe sie aber wieder der Popmusik zuwandte. Knapp anderthalb Jahre war sie Mitglied der vierköpfigen Damengruppe "Soul Magics", mit denen sie zahlreiche Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz absolvierten. 1969 übersiedelt sie schließlich für zwei Jahre nach Amerika, wo sie als "Claudia" vor allem Soul und Jazz sang. Um sich über Wasser zu halten, arbeitete sie nebenbei als Serviererin.
1971 frisch aus Amerika zurückgekehrt, wurde Erich Kleinschuster auf sie aufmerksam. Erste Studioaufnahmen mit der ORF-BigBand, den Madcaps, Art Farmer, André Heller und Gipsy Love folgten. 1972 beteiligt sie sich an der "Show-Chance", dem legendären Talentwettbewerb von ORF und Ö3. Leider wurde in diesem Jahr das Reglement geändert und alle Solisten mussten deutsch singen, weshalb ihre wahnsinnig starke Eigenkomposition "Truth" in eine kryptische deutsche Fassung ("Ich such' die Wahrheit") gebracht wird. Trotz allem kann sie diesen Wettbewerb für sich entscheiden und gewinnt. Zwischen 1972 und 1983 erscheinen zahlreiche Single in insgesamt vier Sprachen - Balladen, Pop, Disco, Schlager und Dialekt. Stefanie ist nur schwer in eine Schublade zu stecken - doch das, was ihr am meisten liegen würde, Blues, Soul und Jazz, wird leider nicht mit ihr für die Schallplatte produziert. Veröffentlichte Titel waren beispielsweise "Lies for Sale" (1972), "Der Toni von St. Anton" (1975), "Kleine Plauderei" (1975), "I'm falling in Love again" (1975), "Mister Disco" (1977), "Meine Herr'n gestatten" (1982) und "I möcht' nur an Kuss" (1983).
Darüber hinaus ist sie auch öfters auf der Bühne zu sehen, beispielsweise in der Ballett-Komödie "Der Bauer als Edelmann" (1973, Wiener Burgtheater), "Candide" (1976, Wiener Burgtheater), "Cyrano de Bergerac" (1976, Volkstheater Wien), "Mayflower" (1977, Theater an der Wien) und "Valerie" (1985, Wiener Festwochen).
Stefanie sagte stets, wenn ihr etwas nicht passte. Das waren viele "mächtige Herren" in dieser Zeit nicht gewohnt. Irgendwann hatte Stefanie genug von leeren Versprechen und den ewigen Machtspielchen und kehrte dem Musikbusiness den Rücken zu und suchte sich einen "ordentlichen" Brotberuf. Rund 20 Jahre lang war sie Straßenbahnfahrerin in Wien, bis sie aufgrund einer schweren Krebserkrankung aufhören musste. Ihre Lebensfreude hatte sie bis zuletzt. Ich denke noch immer mit großer Freude an das bewegende Treffen mit ihr im Sommer 2012, ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Sie starb im Januar 2013 im Alter von nur 63 Jahren.
Jetzt ist Sense mit'n Schnorchn Olle miasst's jetzt auf mi horch'n Auf mi horch'n, olle miasst's jetzt auf mi horch'n Bei dem Ton von meina Glock'n Haut's an jed'n aus de Sock'n
Aus de Sock'n, haut's an jed'n aus de Sock'n Na bei mir zittert sogar der Luster am Plafond Glaubt's vielleicht ihr kummt's bei mir so leicht davon?
Mir scheint's jetzt hot's eich, hot's eich, hot's eich, hot's eich oba g'riss'n? Hot's eich g'riss'n, no hot's eich oba g'rissn'n? Ja hot's euch, hot's euch vielleicht g'stört? Hot's euch g'stört, hot's euch vielleicht wirklich g'stört?
Jo, hobt's mi, hobt's mi endlich überriss'n? Überriss'n, endlich überriss'n I bin de Weckuhr, i bin de Weckuhr I bin de Weckuhr, de ihr olle so gern hörts
Auße aus da worman Hapf'n Eine in die kolt'n Schlapf'n In die Schlapf'n, eine in die kolt'n Schlapf'n Ja gemma's an, es Arme, Gemma, gemma in die Firma Griana is nimma, gemma, gemma in die Firma Heute wird es garantiert a ries'n Show Denn erst die Arbeit macht den Menschen froh
Nein, keine Sorge. Ihr bekommt heute kein französisches Chanson zu hören - wir haben ja noch immer "österreichische Wochen" ;)
Dafür habe ich heute einen Titel von einer Österreicherin ausgegraben, die man heute immer noch kennt - allerdings nicht mehr in erster Linie nur als Sängerin.
MARIKA LICHER
A: Adieu (M: Jack Grunsky / T: Andreas Miriflor = André Heller) B: Erinnerung (M: Robert Opratko / T: Andreas Miriflor = André Heller)
1968, Amadeo, AVRS 21 534
Marika Lichter wurde 1949 als Mariza Lichter in Wien als Kind eine Polen und einer Ungarin geboren. Bereits als Kind erhielt sie Klavier- und Tanzunterricht, ab dem 14. Lebensjahr auch Gesang.
Bereits als Jugendliche wird sie Mitglied der "Les Sabres", die großteils jüdische Folklore singen und veröffentlicht 1966 eine EP ("Schalom Alechem"). 1969 belegt sie bei der "Show-Chance" von ORF und Ö3 mit "Adieu" den dritten Platz. Zwischen 1968 und 1971 veröffentlicht sie mehrere Singles (u. a. "Luciana", "Dann wird es wieder schön sein", "Tu nicht so", "Ich hab' einen Kummer" und "Ungeküsst"). Zudem vertritt sie in dieser Zeit auch Österreich bei Songfestivals in Rio de Janeiro, Caracas, Mexico und Athen sowie sang in Gerhard Bronners legendärem "Cabaret Fledermaus".
Nach ihrem Opergesangsdiplom stand sie in zahlreichen Operettenproduktionen im Wiener Raimundtheater auf der Bühne, u. a. in "Die Fledermaus" (als Adele), "Der Graf von Luxemburg", "Viktoria und ihr Husar" oder "Wiener Blut" (als Franzi). Weitere Engagements waren unter an dem "Mayflower" (1978, Theater an der Wien), "Die Gräfin vom Naschmarkt" (1979, Theater an der Wien), "Les Misérables" (1988-1991, Raimundtheater), "Elisabeth" (1992, Tehater an der Wien), "Rebecca" (2007, Raimundtheater), "Non(n)sense" (2012-2013, Wiener Kammerspiele) und "Cabaret" (2019, New Stage Theatre Geislingen). Seit 2017 ist sie Intendantin des Musicalsommers Winzendorf.
Zudem gewann Marika Lichter 2005 die erste Staffel der ORF-Fernsehshow "Dancing Stars". Die 1991 gemeinsam mit Ingrid Windisch gegründete Künstleragentur trägt heute den Namen "Glanzlichter" und wird seit 1996 von ihr geführt. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie auch seit 1990 Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins "Wider die Gewalt".
Du warst irgendwo, mit irgendwem Das hat man mir erzählt Du belügst mich und betrügst mich Das hat man mir erzählt
Und jetzt sitzt du neben mir In deinen Augen spielt das Licht Und es gibt noch Illusionen Bis das letzte Wort zerbricht
Adieu, mehr kann ich dir nicht sagen Dein Weg läuft weit, so weit von mir Adieu, ich kann mich nicht beklagen Es war eine wunderbare Zeit
Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur Das hast du mir erzählt Und du wüsstest schon wie man Träume lebt Das hast du mir erzählt
Refrain
Refrain
Adieu
Das war er: Einer der ersten Fernsehauftritte der damals 19-jährigen Marika Lichter. Als Komponist fungierte Jack Grunsky, den Text steuerte der damalige Ö3-Discjockey Andreas Miriflor bei, der sich bald als André Heller auch international einen Namen machte.
Was gibt es groß zu sagen? Ein schönes Chanson mit anspruchsvollem Text und guter Musik. Ansprechend arrangiert und live - mit der ORF-BigBand - vorgetragen.
Der Text selbst hat (leider) auch heute noch Gültigkeit. Da erfährt man nichts Böses ahnend - da noch immer rosarot-bebrillt - von der Untreue des Geliebten "und jetzt sitzt du neben mir - in deinen Augen spielt das Licht - und es gibt noch Illusionen bis das letzte Wort zerbricht" (Wow! Das ist wirklich eine äußerst treffende Beschreibung für diesen speziellen (und leider auch extrem beschissenen) Zustand, in dem man sich in so einer Situation befindet. Doch unsere Protagonistin kriegt glücklicherweise noch rechtzeitig die Kurve und gibt der treulosen Tomate den Laufpass - wenn sie sich auch ein bisschen zu ehrfürchtig, nicht beklagen kann, schließlich "war es eine wunderbare Zeit".
"Liebe fordert nicht, Liebe schenkt nur" ist übrigens eine äußerst nonchalant-formulierte Umschreibung für: "Ich darf immer und mit so vielen anderen Frauen Sex haben wie ich will - und du bleibst bei mir und beschwerst dich nicht und idealerweise wäschst du auch meine Wäsche, kochst für mich und kommst meinen sexuellen Grundbedürfnissen nach. Und sag gefälligst "Danke", dass ich dich auserkoren habe."
Manche Dinge ändern sich wohl leider nie. Das habe ich auch gerade nach ein paar Kurzschnitten aus der aktuellsten Folge der "Bachelorette" gelernt. Diese Typen gibt es immer noch ... Adieu Mondieu! :/
Es gibt Tage, da überkommt einen das Fernweh. Da würde man am liebsten ganz weit weg, an einem fremden Ort sein. Gut - heute war eigentlich ein recht schöner, sonniger Tag. Wenn es -17 Grad hat, Nebel und der eisige Wind einem um die Ohren bläst, dann ist das "Träumen von Olivenbäumen" (oh weh, eine schreckliche Reminiszenz an einen früheren Blog-Eintrag!) definitiv realitätsnäher. Aber um ehrlich zu sein: Aktuell gibt es eh nicht wirklich einen anderen Ort, wo es so viel besser wäre ... zugegeben, die Karibik könnte ganz nett sein. Und dort gibt es sicher auch Masken, die gut zu Badehose und Bikini passen ;)
MUSYL & JOSEPPA
Ein Freund ging nach Amerika (M: Paul M. Musyl / T: Peter Rosegger)
1973, als Single und als Teil der LP "RoZZ" im Eigenverlag erschienen
Musyl & Joseppa bestand aus Paul M. Musyl (* 1946) und seiner Frau Joseppa (geboren als Ingrid Schleifer, 2015 verstorben). Die beiden lernten sich in den späten 60er-Jahre kennen. Obwohl beide aus Graz, verbrachte Joseppa den Großteil ihrer Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrer Familie in Afghanistan. Frisch nach Graz zurückgekehrt stieg sie mit ihrer Schwester Brigitte in Pauls Band "Pauli und wir" ein. Der Erfolg gab ihnen recht und sie traten im November 1969 sogar in legendären - von Peter Rapp moderierten - Jugendmusiksendung "Spotlight" auf.
Ab 1973 bildeten sie das Duo "Musyl & Joseppa", wobei sich Paul, Mathematik und virtuoser Gitarrist, ein wenig von der Bühne zurückzog und sich mehr auf das Komponieren konzentrierte. Im Fokus stand Joseppas ganz besondere Stimme. Gleich einer ihrer ersten Songs in dieser "Umbruchsphase" wurde zu einem heimlichen Hit - und dabei war es die Vertonung eines Gedichts von Peter Rosegger, "Ein Freund ging nach Amerika". In Eigenregie produzierten sie eine Single und das Album "RoZZ". Die 13.000 Singles verschenkten sie - vom Album wurden 1.000 Exemplare gepresst (Jahre später wurde es auch als CD wieder veröffentlicht). In den darauffolgenden Jahren folgen zwei weitere Alben: "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen" (1981) und "Krach Ledernes" (1982).
1999 gewannen sie mit "No more War" den Peace Song Contest in Irland. Darüber hinaus sangen sie vor dem Papst und 100.000 Gläubigen sowie im Rahmen einer interreligiösen Meditation mit dem Dalai Lama. Die beiden prägten den Begriff "Weltmusik" im wörtlichsten Sinne, als er in unseren Breiten noch weitgehend unbekannt war. Bis 2010 betrieben sie (rund 30 Jahre lang) eine eigene Musikschule. Zuletzt arbeiteten sie gemeinsam an Joseppas erstem Solo-Album. Dies konnte nicht mehr fertiggestellt werden, da Joseppa nach kurzer schwerer Krankheit im März 2015 starb. Paul Musyl ist nach wie vor musikalisch tätig.
Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb vor einigen Lenzen
Schick mir Rosen aus Steiermark
Ich hab' eine Braut zu bekränzen
Und als vergangen war ein Jahr
Da kam ein Brieflein gelaufen
Schick mir Wasser aus Steiermark
Ich hab' ein Kindlein zu taufen
(Wiederholung)
Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund
Ach, noch was anderes haben
Schick mir Erde aus Steiermark
Muss Weib und Kind begraben
Und so ersehnte der arme Mann
Auf fernsten, fremden Wegen
Für höchste Freud', für tiefstes Leid
Des Heimatlandes Segen
(Wiederholung)
Berührt. Nachdenklich. Gerührt. So bleibe ich zurück. Das Lied hat auch 47 Jahre nach ihrer Veröffentlichung nicht verloren. Und der Text Roseggers auch 140 (!) Jahre später ebenso wenig.
Ich sag es gleich vorweg: Ja, der Song wäre eigentlich für Muttertag passend, oder sagen wir mal so, ziemlich "aufg'legt" gewesen. Ich finde es aber deutlich spannender - wie ihr ja vermutlich bereits mitbekommen habt - nicht immer das zu tun, was von mir (oder allgemein) erwartet wird. In diesem Sinne passt das Lied ohnehin in unterschiedlichen Situationen vermutlich auch.
BARBARA STROMBERGER
Deine Mama ist ein Wunder (M & T: Barbara Stromberger)
1974, nicht auf Schallplatte veröffentlicht
Die 1948 in Kärnten geborene Barbara Stromberger, die mit 12 Jahren mit dem Gitarrespielen begann, absolvierte die Ausbildung zur Kindergärtnerin und betreute zwei Jahre lang geisteskranke Kinder in einem Heim. 1968 zieht sie nach Wien, besuchte die Akademie für angewandte Kunst und beginnt verstärkt auf Musik zu setzen. Das Studium brach sie ab, weil sie Geld verdienen musste und arbeitete wieder als Kindergärtnerin.
1970 beteiligt sie sich an dem von ORF und Ö3 initiierten Casting-Format, der "Show-Chance", die durch alle Bundesländer zog und ihr großes Finale im Herbst 1970 hatte. Obwohl sie mit dem Titel "Der Dreh" eher im hinteren Feld landete, erhielt sie einen Plattenvertrag. Dass sie damals - ohne vorherige Single-Produktion - mit einem Album in Deutschland (!) starten konnte, galt als Sensation.
Die Titel ihres ersten Albums waren allesamt Eigenkompositionen, die sie im Alter von 17 Jahren verfasste. Udo Jürgens äußerte dazu "Die Lieder von Barbara Stromberger sind bester Chanson-Stil. Ich beglückwünsche sie zu ihrer Phantasie und zu ihrem Mut, Themen aufzugreifen, die im deutschen Schlager sonst nicht üblich sind."
In den 70er-Jahren veröffentlicht Babara Stromberger drei Alben, von denen ich vor allem die Eigenkompositionen "Kleine Irre", "Vorsehung, Bestimmung oder Zufall?", "Ich bin frei", "Beeil' dich" und "Die gute, alte Zeit" hervorheben möchte. Beeindruckend ist ihre LP "Die zweite Zeit beginnt" von 1975, auf der sie u. a. bekannten Titeln von Neil Young, Joan Baez, Kenny Loggins, Carly Simon und Veronique Sanson ausdrucksstark in deutscher Sprache vertonte.
Barbara Stromberger ist bis heute musikalisch aktiv. Gemeinsam mit ihrem Sohn Jörg Pibal arbeitete sie beispielsweise an einer TV-Dokumentation über Hermann Hesse mit dem Titel "Name verpflichtet - Hermann Hesses Enkelin", der im August 2012 (anlässlich Hesses 100. Todestag) im ORF gezeigt wurde.
Deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm Sie kann alles, sie weiß alles Und im Falle eines Falles Backt sie Brot aus einem Korn Ja, deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm
Mama bügelt Hosenfalten Die sich lange Zeit erhalten
Wäscht die Hemden weiß wie Kreide Putzt die Spiegel nur mit Seide Schont die Möbel, spart bei allem Lässt die Bürste länger wallen Macht der Welt den besten Kuchen Staub wird man vergeblich suchen Bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, bei Mama, ja
Refrain
Mama mixt selbst Marmeladen Tötet Mäuse, Motten, Maden Spart mit Strom und Lippenstift
Hält Konservenkost für Gift Färbt und legt sich selbst das Haar Sieht am Monatsschluss noch klar Kleidet sich in Selfmade-Roben Könnt' zur Not auch Sümpfe roden Die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, die Mama, ja
Refrain
Mama sitzt mir im Genick Und du schaffst es mit Geschick Mich durch sie davon zu jagen Ich kann es nicht mehr ertragen Dir dem Haushaltsgott zu dienen Heute zweigen sich die Schienen Denn ich geh' fort und lass dich da Bei Mama Denn deine Mama ist ein Wunder Deine Mama ist enorm
Ich weiß, dass Barbara Stromberger heute mit einigen ihrer Frühwerken relativ hart ins Gericht zieht. Aufgrund ihrer künstlerischen Entwicklung kann ich das sehr gut nachempfinden - dennoch gehört sie zu den Künstlerinnen, die sich für ihr anfängliches musikalisches Schaffen definitiv nicht verstecken müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte sie ja die Möglichkeit, eigene Texte zu verfassen und so zumindest einen Teil ihres Inneren nach außen zu tragen. Wenn es auch heute - viele Jahre später - möglicherweise nicht mehr "ihre Welt" ist, verstehe ich das total. Allerdings waren ihre Texte damals authentisch und das unterscheidet sie von vielen musikalischen Sternchen und Eintagsfliegen, die ein bedeutungsschwanger-belangloses Lied nach dem anderen Trällern mussten, in der Hoffnung, dass es zumindest ein kommerzieller Erfolg wird. Hits im klassischen Sinn wurden die Lieder von Barbara Stromberger keine. Das hat manchmal auch Vorteile - so muss sie nicht seit 50 Jahren auf der Bühne die selben Titel singen.
Nun aber zu diesem Titel. Zuerst möchte ich auf die sprachlichen Aspekte eingehen. Barbara Stromberger verwendet eine äußerst bildhafte Sprache, die es schafft, mit wenigen Worten Alltagssituationen plastisch erlebbar zu machen. Viele Frauen kennen diese Situation und können es ihr bereits nach wenigen Sekunden nachfühlen, ja stärker noch, sich mit ihr identifizieren. Das Feindbild Schwiegermutter hängt wie ein Damoklesschwert über dem Ehebett und rüttelt permanent massiv am trauten Haussegen.
Und die Schwiegertochter? Egal wie nett sie ist, wie sorgsam sie sich um Haus und Hof kümmert, wie gut sie kocht, wie gut sie die Kinder erzieht, wie erfolgreich sie im Beruf ist oder - besser noch - wie selbstlos sie ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um den Karriereplänen ihres Mannes nicht im Weg zu stehen, sie wird nichts richtig machen. Denn sie hat einen großen Fehler gemacht: Der Mutter das Liebste, den einen, den ihren Sohn, genommen. Unaufhaltsam entfacht nun ein Kampf, der seine Opfer sucht, bei dem man - als Schwiegertochter - eigentlich nur verlieren kann. Denn Sohnemann wird sich stets für das arme, sich stets schier endlos aufopfernde Mutterherz entscheiden.
Am Ende gibt es nur wenige Möglichkeiten: Mord (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Rest des Lebens hinter schwedischen Gardinen, pro: man muss sich keine Gedanken darüber machen, was man heute putzt oder kocht!), Auszug (pro: Schwiegermutter losgeworden, contra: Mann leider auch) oder bleiben und ertragen (definitiv der schlimmste Zustand!). In letzterem Fall kann man nur auf die natürliche Selektion bauen und hoffen, dass der Drache bald eines natürlichen Todes dahinsiecht ... oder im Zweifel ein bisschen nachhelfen (ideal: Gifte, die sich nicht nachweisen lassen und Unfälle, die wie selbst verschuldet aussehen). Im Zweifel bitte Handschuhe tragen und Zeugen vermeiden!
Ich habe euch bereits im April einen meiner Lieblingssongs (# 39 "Paul") vorgestellt - da wurde es höchste Zeit, noch einen weiteren Titel der Milestones heraus zu kramen. Die Entscheidung fiel tatsächlich sehr schwer, denn die Gruppe hat zwar nicht viele Songs veröffentlicht, aber dafür ist so gut wie jeder auf seine Art doch ein sehr besonderer.
MILESTONES
A: Einmal (M: Günter Grosslercher / T: Mathias Schreiber) B: Der Rattenfänger (M: Günter Grosslercher / T: Alfred Komarek)
1970, WM, 5009
Günter Grosslercher (* 1945) und Robert Unterweger, zwei Mathematik-Studenten im vierten Semester an der TU Wien, musizierten gemeinsam und waren auf der Suche nach einer Sängerin. Mit Beatrix Neundlinger (* 1947), die sich damals im ersten Studienjahr befand, und Rudi Tinsobin wurden schließlich 1968 die "Milestones" gegründet.
Bereits im März 1969 nahmen sie an der von ORF und Ö3 initiierten Casting-Show "Show-Chance" teil, deren ursprüngliches Ziel tatsächlich war, einen geeigneten Kandidaten für den österreichischen Beitrag zum Grand Prix d'Eurovision (= Eurovision Song Contest) zu finden. Die Milestones landeten mit dem Titel "Einmal" auf dem zweiten Platz und qualifizierten sich für das große Finale, das gemeinsam mit den Fernsehanstalten von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Mainz abgehalten war. Dort setzten sie sich gegen alle Konkurrenten durch und landeten auf dem ersten Platz.
Kurze Zeit darauf erschien die Single "Einmal" und die erste LP.
1972 gab es größere Umbesetzungen: neu waren Christian Kolonovits (* 1952) und Norbert Niedermayer. In dieser Konstellation vertraten sie 1972 Österreich beim Grand Prix mit dem Titel "Falter im Wind" und belegten Platz 5. Bis zur Auflösung 1975 gab es noch weitere Besetzungswechsel.
Nach der Auflösung wechselten Grosslercher und Neundlinger zu den bereits arrivierten "Schmetterlingen", Niedermayer wechselte zu "Springtime" und Christian Kolonovits wurde zu einem bekannten Komponist und Arrangeur.
Weitere bekanntere Titel aus dem Schaffen der Milestones sind "Paul", "Apfelbaum", "In den neuen, besseren Zeiten" und "An diesem Freitag".
Einmal wird der Stein der Weisen weich Einmal machen nur die Träume reich Einmal wird der Schneemann König sein Einmal fängt der Wind den Alltag ein
Dann wird es heißen - Klingeling Die Welt ist nur ein Märchending Mit einem schwarzen Nasenring
Wenn ein Hasenohr die Harfe spielt Und ein Holzwurm auf das Eisen schielt
Wenn der Purzelbaum den Seiltanz probt
Und der Schlaue seine Dummheit lobt
Refrain
Einmal hängt die Erde fremd im Raum Dumm wie eine Null am Schellenbaum Einmal liegen alle Uhren schief Einmal schreibt uns Adam einen Brief
Dann wird es heißen - schnick und schnack Die Zeit ist nur ein Schabernack Erst macht sie tik, dann macht sie tak Erst macht sie tik, dann macht sie tak Erst macht sie tik, dann macht sie tak
Das Video ist ein schönes Zeitdokument, zeigt es doch gerade diesen (ersten?) Live-Fernsehauftritt der Milestones im Finale der "Show-Chance". Moderator ist übrigens ein Ö3-Discjockey mit dem klingenden Namen "André Miriflor", aus dem später André Heller wurde.
Zugegeben: Dem geneigten Zuhörer wurde damals doch ein eher spezielles Werk aufgetischt, das zwar durch mehrstimmigen Schöngesang und ansprechendes Arrangement zu gefallen weiß, dessen Text aber definitiv als äußerst sperrig und speziell - vorsichtig ausgedrückt: dadaistisch - daherkommt.
Hat man den Wunsch, eine kohärente Geschichte zu erfahren, dann kommt man bei diesem Song nicht wirklich weit. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor damals so hundertprozentig eine Absicht in jeder Textzeile hatte, oder ob man einfach etwas Neues schaffen wollte (was ja per se nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss!).
In diesem Zusammenhang würde ich den ganzen Song als Fantasiegespinst über eine potentielle neue Weltordnung sehen, in der sich vor allem das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie Arm und Reich deutlich verschiebt ("Einmal machen nur die Träume reich - Einmal wird der Schneemann König sein").
Die zweite Strophe fällt da noch deutlicher aus dem Rahmen. Dennoch hier mein absoluter Textfavorit: "Und der Schlaue seine Dummheit lobt". Wie viel Wahrheit steckt doch in dieser Phrase ...
Und am Ende, tja, da kommt die große Erkenntnis: Was wissen wir denn eigentlich überhaupt? War alles nur Traum und Fantasie? Ist alles, worauf wir vertraut haben, vielleicht doch nur den kruden Gedankengängen eines anderen entsonnen und unserer eigene Existenz doch nicht so wichtig in der Geschichte der Menschheit oder des Planeten Erde? "Die Zeit ist nur ein Schabernack" - mehr bleibt mir in diesem Zusammenhang nicht zu sagen.
Eigentlich bin ich mit diesem Song jetzt schon ziemlich spät dran, schließlich heißt er ja "Sunday Morning". Ich hätte ihn wirklich sehr gerne bereits in der Früh geposted, befand mich zu der Zeit aber noch im Reich der Träume. Dafür war aber die Nachtschicht zumindest nicht umsonst.
Einen großen Vorteil gibt es aber auch bei diesem Song: "Der nächste Sonntag kommt bestimmt" (das wusste bereits Tina York 1970. Ich würde euch empfehlen, nicht nach diesem Song zu googeln - außer ihr seid masochistisch veranlagt ...).
BERTICE READING
A: Sunday Morning (M: Danny Daniel / T: J. Jamison) B: Lean on me (M: Danny Daniel / T: Bertice Reading)
1974, CBS, 2719
Über den Textautor konnte ich leider nichts herausfinden. Der Komponist hingegen ist der Spanier Danny Daniel, 1942 als Daniel Candón de la Campa geboren. Bekannt wurde er beispielsweise für Songs wie "This World today is a Mess" (Donna Hightower, 1973).
Bertice Reading (1933-1991) war eine amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Große Erfolge hatte sie bereits in den 50er-Jahren in den Revuen "The Jazz Train" in Paris und im Piccadilly Theatre in London. Großen Erfolg hatte sie im Theaterstück "Requiem for a Nun", das sie 1957 am Broadway spielte und ihr auch eine Nominierung für den Tony Award einbrachte. Sie spielte in zahlreichen Revuen und Musicals, z. B. "South Pacific" oder in der Musical-Verfilmung von "Little Shop of Horrors" (1986). Sie starb im Alter von 57 in London an einem Schlaganfall.
Sunday Morning, singin' a song ... marchin' along There's a cabin, down by the sea Danny is waitin' for me
Sunday Morning, gettin' up late Feel the breeze it flow on my face Love get ready, make yourself free Danny is waitin' for me
Early in the morning when the sun rise I can hardly way to see Never been so happy, never been so pleased Going ... to find my day
Sunday Morning, honey and tea Bake and ... is good for me Livin' can easy, feelin' so free Danny is waitin' for me
Sunday Morning, look to the pie Feelin' lovely, everything's fine ... is so lovely, feels like a dream Danny is waitin' for me
Tja, so einen Mann wie Danny lässt man nur ungern warten. Und so eine Frau wie Bertice noch weniger! Der Auftritt stammt übrigens aus der spanischen Musiksendung "Senoras y Senores" von Januar 1975.
Und eines muss man Bertice definitiv lassen: Sie hat Spaß auf der Bühne und ist sich auch für keinen noch so flachen Gag zu schade. Die Frau hat definitiv Power und Persönlichkeit - und eine riesige Portion Humor. Ich bin mir nicht sicher, ob es heute Frauen (oder auch Männer) geben würde, die nicht doch damit hadern würden, von einem Gabelstapler (!), den zwei Bohnenstangen-Hupfdohlen (!!) bedienen, hochgehoben werden. Und besagte Ladies (heute wären sie sicher prädestinierte Heulsusen-Zicken, die bereits in einer der ersten Folgen bei Germany's next Topmodel - tränenreich - ausscheiden würden) fordern Bertice anschließend noch zum offiziellen Wiegen ("The Biggest Looser" lässt grüßen) und müssen natürlich zeigen, dass eine Waage allein nicht ausreicht. Großartig, dass Bertice so viel Power hat, dass sie durch ihre Tanzeinlagen eine korrekte Messung vereitelt. 1:0!
Wenn man sich beispielsweise die drei Mädels mit Model-Figuren (deren optische Reize sehr niedrig einzustufen sind, vor allem von der rechten) in 1:38 ansieht, dann bestätigt sich wieder einmal, dass Persönlichkeit und Ausstrahlung keine Frage von Körpergewicht sind. Bertice beweist definitiv mehrfach in diesem Video wie viel Spaß und Energie sie hat und zeigt damit auch, wie sehr sie mit sich und ihrem Körper im Reinen ist.
Schade, dass man Bertice Reading im deutschsprachigen Raum ziemlich unbekannt ist - und, dass man leider so wenig Sachen von ihr online findet :(
Naja, das hat ja wirklich super geklappt, mit meinem Plan jeden Tag einen Song zu veröffentlichen. Im aktuellen Fall hatte ich tatsächlich eine gute Ausrede: Arbeit. Und die wurde (überraschenderweise) nicht weniger, da in den letzten Tagen tatsächlich mehrere Aufträge eintrudelten. Wie dem auch sei, das ist euch ja eher egal, denn ihr wollt doch nur das eine, oder? Nämlich einen schönen, originellen oder skurrilen Song, der euch den zweiten Lockdown versüßt. Et voilá, hier kommt wieder einer meiner absoluten Lieblingssongs (und das schon seit einigen Jahren):
JACK GRUNSKY
A: Der verliebte Prinz [The Prince in Love is me] (M: Jack Grunsky / dt. T: Margarita Frank) B: Oh my Love, yes my Love [Oh my Love, yes my Love] (M: Peter J. Müller / dt. T: Margarita Frank)
1968, Amadeo, AVRS 21 521
Der 1945 in Graz geborene Jack Grunsky, lebte ab 1951 in Kanada, ehe er nach seinem Schulabschluss 1966 in seine österreichische Heimat zurückkehrte, um hier seine Musiker-Laufbahn fortzusetzen. Kurze Zeit später gründete er hier seine Band ("Jack's Angels") und unterschrieb im selben Jahr einen Plattenvertrag bei der Amadeo. Gemeinsam mit den anderen drei Mitgliedern Claudia Pohl (* 1948), Christoph Oberhuber und Herbert Wegscheider, die ursprünglich aus Linz stammten und in Wien studierten, entstand bald ein umfangreiches Repertoire, das auch zahlreiche Eigenkompositionen enthielt. Bis zur Auflösung 1968 wurden vier Alben veröffentlicht und einige Singles ausgekoppelt - auch außerhalb des Alpenlandes erreichte die Gruppe, die meist durch ihren dreistimmigen Gesang beeindruckte - vielversprechende Rezensionen.
Jack Grunsky konzentrierte sich danach auf seine Solokarriere, komponierte beispielsweise "Catherine", womit André Heller 1970 einen Hit landen konnte, und moderierte auf Ö3 die Sendung "Folk mit Jack". 1974 verließ Grunsky Österreich und lebt seither wieder in Kanada, wo er bis heute musikalisch tätig ist - aktuell vor allem im Bereich anspruchsvoller Kindermusik.
Erfolgreiche Titel von Jack Grunsky als Solist waren z. B. "Train Station Blues" (1968), "Sally McGregor" (1968) und "Back Home to Canada" (1971).
Margarita Frank, die Autorin des deutschen Textes, war die damalige Freundin von Arthur Lauber, der sich später als Mitglied der Gruppe "Misthaufen" sowie als Komponist und Arrangeur in Österreich einen großen Namen machte. Leider wurde nur eine Handvoll ihrer Texte vertont. Ihr erfolgreichster Titel ist vermutlich "Orange", der sich zuerst von Brigitte Wall (1973) und 1982 von Wilfried zu einem Hit in Österreich avancierte.
Nun aber zum Song:
Ich bin eifersüchtig auf den Wind
Der mit deinen Haaren spielt
Der dich streichelt, dir die Augen küsst
Zärtlich deine Wangen kühlt
Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt
Sing' es laut in alle Winde
Singe laut "Ich liebe dich"
Dann ist alles wie im Märchenland
Dein verliebter Prinz bin ich
Ich bin eifersüchtig auf den Tag
Der dir entgegen lacht
Der dich stundenlang umfangen hält
Jeden Schritt von dir bewacht
Ich bin eifersüchtig auf die Nacht
Die wie Liebe dich umhüllt
Dich in ihre weichen Arme nimmt
Jeden Wunschtraum dir erfüllt
Refrain
Wiederholung Strophe 1
Refrain
Refrain
Dein verliebter Prinz bin ich
Dein verliebter Prinz bin ich
Oh, oh, Julia
Und als Special hier die Originalversion:
Just a common day it was a common sun in the sky
And a very very common sea
I was walkin' on by the Lindi Bar
And there I saw you, my Queen
In your red dress spender (?) I recognized you
For haven't seen you quite a while
What a pleasant shock
To see you on this block
What surprise to see your smile
And there ain't no time to wonder why
No there ain't no time you'll see
And all the fears a fairytale
And the prince in love is me
Well before I could up to the sound of lips
We were struggling away from the crowd
Up the narrow streets to the Schlosscafe
You can tell by my eyes I was proud
And the things she said they went to my head
And her laughter could heal anything
When she looked into my eyes and smiled
I could have kissed her again and again
Refrain
Than we went to the movies to see a fine film
And ... was playing a ...
And her candybag was a cracklin' loud
While the romance contradicted ...
Than she had to go, I took her home
And I can still feel her tender hand
Something's force in me, to set me free
Captain Julie entering Coconut Island
Refrain
The prince in love is me
The prince in love is me
Oh, oh, Julie
Zuallererst: Ich finde beide Versionen - jede für sich - sehr schön. Vor allem beeindruckt es mich, wie absolut unterschiedlich sie in ihrer Aussage und meiner Ansicht nach in ihrer Interpretation sind.
Die deutsche Version würde ich da definitiv als eigenständiges Werk betrachten, da sie inhaltlich doch einen großen Schritt weitergeht, als das englischsprachige Original. Hier ist sich der Protagonist ja eigentlich bereits seiner Auserwählten sicher und versucht sie mit allen Mitteln vor "äußerlichen Angriffen" zu verteidigen. Und man kann es dem jungen Jack nicht verübeln, dass man durchaus zwischendurch ein kleines Schmunzeln raushört, wenn ihm die eigene Eifersucht in dem Moment bewusst wird. Aber so ist es einfach, wenn man (jung) verliebt ist.
Mir gefällt die blumige Sprache, die Margarita Frank für diesen Titel findet, die dabei hilft, klare (durchaus sinnliche) Bilder zu imaginieren, ohne sich dabei (was durchaus eine Gefahr wäre) in billigem Kitsch zu verlieren. Und man kann die Freude und Erleichterung direkt spüren, die im Refrain förmlich aus ihm heraussprudelt, wenn ihm seine Geliebte doch die magischen drei Worte zuruft.
Ich persönlich mag vor allem diese Passage:
Ich bin eifersüchtig auf den Mond
Der in sanftem Traum dich wiegt
Silbern deine Augen schimmern lässt
Sich an deinen Körper schmiegt
- Kommen wir nun für die Rezension auch zur Betrachtung des englischsprachigen Originals. Zuallererst bin ich baff, wie viel mehr Text Jack in diesem Song unterbringt.
Nun aber inhaltlich: Die englische Version startet ein paar Schritte vorher und beschreibt einen ganz gewöhnlichen Tag (spielt übrigens in Linz) im Leben unseres Protagonisten, an dem zunächst nichts besonders oder außergewöhnlich scheint, bis ihm eine junge Frau - das erklärte Objekt seiner Begierde - über den Weg läuft und ihn anlächelt. Dieser Song widmet sich deutlich mehr der inneren Gefühlsachterbahn - zwischen Hoffen und Bangen, Mut und Übermut. Eigentlich wäre es doch ganz einfach, sie anzusprechen und am Ende wär's kinderleicht und sämtliche Ängste unbegründet. Doch so leicht ist es ja (leider) in diesen Situationen nicht. Meist arbeitet das Kopfkino viel zu stark mit und die Angst - vor allem als Mann - einen Korb zu bekommen, vereitelt so manche potentielle Liebelei.
Doch in der zweiten Strophe erkennt man schon viel stärker, dass seine Gefühle so stark sind, dass er eh nicht mehr richtig denken kann. Ein mitunter durchaus positiver Effekt, der uns ermöglicht, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich dadurch auch verwundbar zu zeigen.
Nach dem Kinobesuch bringt er sie noch nach Hause und dann kennen die Gefühle kein Halten mehr. In diesem Fall würde ich definitiv auf ein Happy-End zwischen ihm und Julie schließen.
Ach, das war jetzt schön. Oder fandet ihr das ein bisschen zu kitschig? Zugegeben, Liebe wie im Märchen gibt es ja heute leider nur noch selten. Tinderellas Prinz muss da schon definitiv einiges mehr auf dem Kasten haben. Das Schwert sollte aber vor dem ersten Treffen bitte doch noch gut verpackt bleiben - außer man möchte sich selbst gerne vorzeitig aus dem Rennen nehmen.